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bekämpfung gestellt.
kragsetats von 1022 gewährt werden, nur mit Justhnming des J aber Hlarfehende Staalsbürger mit Einsicht in das Leben und bie] Deutschlands oft begeisterke Zuftzmmug fand, wird folgend
siebengliedrigen Ausschusses den Betrag von 100 Milliarden über⸗ schreiten dürfen und daß Kredite gus Reichsmitteln für produktive Unternehmungen tunlichst nur auf wertbeständiger Basis gewährt
en. Die Richtlinjen für diese Kreditgewährung bedürfen der vor⸗ herigen Zustimmung des fiebengliedrigen Ausschusses.“ g Ueber diese Entschließung soll in der Mittwochsitzung Beschluß Hefaßt werden.
Volksbildung und Jugendpflege in Hessen.
Am 18. April war im Landtage der Hauptaus⸗ schuß für Volksbildung und Jugendpflege in Hessen versammelt. Die sehr stark besuchte Versamm⸗ lung wurde durch ein Referat von Direktor Hassinger über den„Stand des Bolksbildungswesens in Hessen“ eingeleitet. Die amtliche Volksbildungsarbeit muß allen Kreisen des Volkes dienen. Vertiefung und Ver⸗ innerlichung des Gemeinschaftsgedankens, Entgiftung unseres öffentlichen, politischen und sozialen Lebens sollen ihre Leitsterne sein. Jung an Entwicklung, noch ungeklärt in vielen Grund⸗ und Durchführungsfragen, schwankt die Praxis der Erwachsenenbildung zwischen verschiedenen Mög⸗ lichkeilen. Aber immer hatte die Zentralstelle außerordent⸗ lich zu tun. Es mußten die allgemeine Richtung des Weges festgelegt, für die verschiedenen Zweige Sonderausschüsse eingerichtet, Werbeschriften herausgebracht und der Gedanke wahrer Volksbildung durch Tagungen, Kurse, Vorträge im Lande in rechte Bahnen gelenkt werden. Das Bücherei⸗
wesen wurde ausgebaut, Bibliotheken unterstützt, die nn eingerichtet, das Landes ⸗ wanderkino in den Dienst aktiver Filmschund⸗
Die Hessische Lehrlichtbildgesellschaft und die amtliche Bildstelle blühen, Volkshoch⸗ schule, Heimatpflege, Staatsbürgerkunde wurden nach Möglichkeit unterstützt. Dies nur als Ueber⸗ blick. Ein umfassender Bericht ist am 20. März in der Darmstädter Zeitung erschienen. Zusammengefaßt ist all diese Arbeit in dem Ziel, Volksbildung muß letzten Endes Menschenbildung sein. Menschen bilden wir nicht durch Wissen, sondern durch Anleitung zu lebendigem geistigen Verhalten gegenüber den Dingen der äußeren und inneren Welt. Der Mensch soll frei werden von der Befangenheit in Vorurteilen und Nachurteilen. J rüher war Volksbildung eine Auszahlung geistiger lmosen an die Benachteiligten aus der großen plebs. J etzt muß Volksbildung sein eine allgemeine Höherlegung des geistigen und kulturellen Seins der lebendigen Volksgemeinschaft.
Im Anschluß daran sprach Direktor Bäuerle aus Stutt⸗ gart über Gas if 40 fehr und Volksbildung“. Kein Teil unseres Volkes ist so sehr Kriegs⸗ und Nachkriegsopfer geworden wie die Jugend; denn der Krieg ist ein schlechter Jugenderzieher ge⸗ wesen. Die Not unserer Jugend ist aber nicht eine bloß leibliche— tuch nicht eine bloß seelische: sie ist die Not des ganzen jungen Menschen überhaupt, dessen ganzes Wesen ein Inbegriff von Widersprüchen ist. Man verlacht die Alten und ahmt sie doch oft ganz
N nach. Dabei ist das Jugendalter zwischen dem 14. und 20. die gefährliche Zeit, die tragische Zeit des Aus⸗ F e unserer Volksgemeinschaft; denn
er Handarbeiter wird geistig, der Kopfarbeiter handwerklich ver⸗ machlässigt. Kein Wunder, daß die Stoßtruppen des latenten Bürger⸗ krieges auf beiden Seiten die Jugend sind. Die einen fühlen sich um hre neuerhaltenen Rechte betrogen, die anderen in ihren neuen und alten Rechten bedroht. Auch das kulturelle Antlitz unseres Volkes wird in dem Jugendalter geformt. In den Jugendlichen ist ja Be⸗ wegung, Drang vorwärts angehäuft. g
Gerade in der Zeit des Reifens und Werdens ist das Trieb⸗ leben beim Menschen am stärksten entwickelt. Daher ist die Gefahr der Verführung am größten. In diese gärende Zeit fällt die Be⸗ rufs ausbildung. Unser atomisiertes Berufsleben sordert Spezialistentum, nur ein Teil des Körpers wird durch die Arbeit
egt. Tiefe Tragik des Berufslebens, daß, wenn der Berufsknacks eintritt, ein vorzüglicher Arbeiter meist eine ge⸗ brochene Persönlichkeit ist. Der Kampf zwischen dem bloßen Arbeitswesen und der Persönlichkeit wird häufig schon in der Jugend zugunsten des ersten entschieden. Der
Staat braucht
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Organisation der Gemeinschaft, mit Willen zur Gemeinschaft.
Dem allem hat eine zielbewußte Jugendpflege Rechnung zu tragen. Möge sie sich an der Volksbildung orientieren. Diese ist der Kampf um die geistige Befreiung des Menschen und unseres Volkes von der Tyrannei des Stoffes, um Durchgeistigung der Lebensformen und Lebens verhältnisse. Vor allem darf also Jugendpflege nicht nach dem Schema der Erwachsenen⸗ bildung getrieben werden. Den Ausbrüchen des jugendlichen Trieb⸗ lebens muß durch Sport und ausgiebige Körperpflege ent⸗ gegengewirkt werden. Der Fußball darf aber den Jungen nicht zu seinem Sklaven machen. Wandern, richtig Wandern, sehend wan⸗ dern ist so viel als möglich zu pflegen. Dann Feste 25 Stärkung des Gemeinschaftslebens, aber veredelte Feste. hr in Er⸗ wägung zu ziehen ist die Einfiihrung eines Arbeitsdienst⸗ jahres, das die hohe Schule des Volks⸗ und Gemeinschaftslebens werden, ein Jahr intensipster Volksbildung und Volkserziehung im Dienste nationaler Arbeit sein müßte, nicht ein Jahr wirtschaftlicher Aus mützung billiger Arbeitskräfte werden dürfte..
Das alles ist nur möglich, wenn sich mit der Jugendpflege die Jugendbewegung verbündet. Wäre doch die Zeit nicht mehr fern, wo die Jugendpflege im Sinne wahrer Volksbildung in der Hauptsache von der Jugend selbst getrieben wird. Wir brauchen die Jugend im Kampf gegen unsere großen Feinde: Alkohol, Tabak, Schundliteratur, Kino, Unsittlichkeit.
Tiefer Eindruck! Schmerz über Versäumtes! Starker Willen zur Mitarbeit: das trat in der Aussprache zutage. Genosse Würtz aus Langen bedauert die geringe Aktivität der hessischen Regierung in Fragen der Jugend⸗ wohlfahrt. Abgeordneter Kaul setzte sich ernst mit den an⸗ geschnittenen Problemen auseinander. Infolge der nahe⸗ liegenden Parallele mit dem früheren Militärdienstjahr, infolge des Zwangsmäßigen des Arbeitspflichtjahres, das der jugendlichen Psyche widerstreitet, infolge möglicher Kollisionen mit der freien Arbeit steht er dem Gedanken des Arbeitsdienstjahres skeptisch gegenüber. Von der Schul- erziehung fordert er mehr Leistungen im Dienste der Heran⸗ bildung zu einer innerlich erfaßten Volksgemeinschaft. Ge⸗ meinschaftsschule als Einheitsschule nach der Methode der Arbeitsschule. Direktor Bäuerle erklärte hierauf, er wollte den Gedanken des Arbeitsdienstjahres nur zur Dis⸗ kussion stellen. Der Volkserzieher müsse sich damit befassen, damit er nicht eines Tages durch den Politiker mit der Ein⸗ führung überrascht würde. Selbstverständlich müßten Formen gefunden werden, daß die Jugend sich freiwillig eingliedere. Jugendpfarrer Zentgraf sprach über die Notwendigkeit der Ueberwindung des geistigen Kapitalismus, der in furcht⸗ barer Grausamkeit die andern in Bildungsnot darben lasse. Aenderung erwarte er aus einer religiös⸗sittlichen Er⸗ neuerung. Liebe müsse als Verpflichtungsbewußtsein wach werden.
Direktor Hassinger schloß darauf die sehr wesentliche Versammlung, indem er allen Mitarbeitern im Lande, vor allem aber der Presse und den Landtag, für ihre tätige Hilfe dankt.
Hessische Arbeitsgemeinschaft für Siedlungswesen.
Am 21. April ds. Js. hielt in Stockheim die hessische Ar⸗ beitsgemeinschaft für Siedlungswesen eine außer⸗ ordentliche Mitgliederversammlung ab. Die Fragen, die zur Be⸗ handlung standen, waren der Anschluß an eine Reichsorganisation, Wahl eines Verbandsorgans und das Volksbegehren zur Abänderung des Reichssiedlungsgesetzes. Referate zu diesen Fragen hielten der 1. Vorsitzende, Herr Oberjustizsekretär Walther aus Büdingen, das Vorstandsmitglied, Herr Landwirt Fähler aus Leeheim und der Ge⸗ schäftsfühver der Arbeitsgemeinschaft Herr Christaller aus Jugen⸗ heim. Es wurde beschlossen, die bisherige Verbindung mit dem Reichsbund für Siedlung und Pachtung zu lösen und sich dem Reichsverband landwirtschaftlicher Kleinbetriebe in Berlin anzuschließen. Diesem Reichsverband sind z. Zt. 7 Landes⸗ oder provinzielle Organisationen der Pächter, Kleinbauern und Siedler mit zusammen über 100 000 Mitgliedern angeschlossen; er steht auf bodenreformerischer Grundlage im Sinne von Herrn Dr. Damaschke. Unsere Hessische Orgamisation übernimmt auch dessen jetzt neu herauskommende Verbandszeitschrift, die Land wacht. In der Frage des Volksbegehrens für Abänderung des Reichssiedlungsgesetzes, das in der Presse häufig erwähnt und noch häufiger angegriffen wurde, das jedoch aus allen Teilen
lutjion zugestimmt: 5 „Obwohl wir überzeugt sind, daß auf dem Gebiete 9 lung im Interesse der Volksernährung nicht genug gesch so halten wir es in der Zeit des vertrags widrigen Einbruch französischen Regierung in das Ruhrgebiet für angeb rah Antrag zur Herbeiführung eines Volksbegehrens zurüc Uneh Wir wollen aber zu gegebener Zeit im Verein mit den aer caften, Bodenreformer und allen Siedlerverbänden einen aan samen Antrag zur Herbeiführung eines Volksbegehrens besserung der Landgesetze wieder aufnehmen.“
1 Deutscher Reichstag. Berlin, 24. April, nachm.. Die Genehmigung zur 8 en einer Reih ordneter wird versagt.— Das Haus tritt dann in die zweit ratung des Antrags der bürgerlichen Parteien Schutz der Versammlungen und in Verbindung ent des sozialdemokratischen Antrags über die Bestrafung von e amten, die ihre Amtsbefugnisse gegen die Republik mißbra e Der sozialdemokratische Antrag würde vom Rechtsausschuß g lehnt und der Antrag der bürgerlichen Parteien in schg 8 FJassung angenommen:„Dem Strafgesetzbuch wird ein 8 10 lag eit gefügt, der folgende Fassung erhält:„Wer nichtverboten 1 sammlungen, Aufzüge oder Kundgebungen mit Gewalt t ur) Bedrohung mit einem Verbrechen verhindert oder sprengt, oog i unmittelbarem Zusammenhang mit solchen Versammlungen, zligen oder Kundgebungen, Gewalttätigkeiten begeht, wird fl be⸗ fängnis, neben dem auf Gelbstrafe bis einer Million Mar er⸗ kannt werden kann, bestraft. Der Versuch ist strafbar.“— ag der Berichterstattung über die Ausschußverhandlungen durchs den Abg. Leutheußer(D. Vp.) erhält das Wort 4 Abg. Vogel⸗Franken(Soz.): N Mit diesem Gesetz soll vor allem eine Bewegung Nee 0 die nur zum Teile eine legale ist, deren unterirbische Tätigkeiten ausgedehnter ist, als er sich vielleicht die Parteien, die hinter hie⸗ dem Gesetzentwurf stehen, vorstellen. Diese, deu italiensschen Fasecismus gleichzustellende Bewegung macht von dem gesetzl Vereins⸗, Versammlungs⸗ und Presserecht nur Gebrauch, inn e große Anhängerschaft für den gewaltsamen Umsturz des besthen⸗ den Staates zu gewinnen. Diese Bewegung noch durch ein he⸗ sonderes Gesetz zu schültzen, bedeutet, wenn auch ungewollt zu in der Praxis, die Republikschutzgesetze zu sabotieren. Wir lt diesen Gesetzentwurf aber auch für„ ee weil der darf he⸗ drohte Sachverhalt unter eine ganze ihe anderer Stussshe⸗ stimmungen fällt. U Die Deutschvölkischen haben in das Versammlungsleben fein Verwilderung hineingetragen, wie sie schlimmer nicht zu denke Die bestehenden Strafbestimmungen sind immer gegen die auh zen Parteien angewendet worden. ie bayerische Regierung half i direkt schüitzend vor die deutschvölkische Bewegung gestellt, ohhh nach der Ansicht des Staatsgerichtshofes die Sturmaßtesin N der nationalsozialistischen Arbeiterpartei gegen die Gesetze Schutze der Republik verstoßen. Daß für Hitler und seine Jr die Republikschutzgefetze in Bayern nicht existieren, beweist auch ein Artikel in Nr. 51 des Völkischen Beobachters, der Namen des Herrn Hitler trägt und in dem es u. a. heißt sehe das heutige Reich weder für eine Demokratie an, noch flir Republik, sondern für einen marxistisch⸗jüdisch⸗interna Saustall.“ Am 10. April schrieb dasselbe Blatt nach dem des Reichskanzlers in Miinchen, der Kanzler werde in St ebenso lächeln wie in München,„denn er hat dazu allen Unter seinem Zepter ist das Nuhrgebiet besetzt worden, den täglich Deutsche vergewaltigt und ist das Leben deutscher Arhasfer hingemordet worden. Das sind immerhin Griinde, über dez deutscher Reichskanzler freundlich lächeln kann.“ Herr Hitler ha in seinen Versammlungen seine Anhänger wiederholt aufgefoßt sich Notizbücher anzulegen, die mit Namen der i Lumpen beginnen, in denen die Wohnungen der n, vember⸗ und Erffllungsverbrecher aufgezeichnet sind, dam Tage des Sieges entsprechend Nache genommen werden kann. gab sogar die Parole aus, in diesem Kampf nicht Halt zu maßen vor Kardinälen und Konsistorialräten. ö Unaufshö rlich Guten die Hitler⸗Leute ihre ben r ab. So werden Sonntag für Sonntag auf einem Exer bei Nürnberg Schießübungen der Sturmtruppen abgehalten, denen die Maschinengewehre, die Gewehre ind die Munition von der Reichswehr auf 2
mes
fördert werden(Lebh Hört, hört! links.) Dieser Ta
ist amtlich festgestellt worden. Aus leicht begresfl
Gründen sehe ich davon ab, weitere Dinge anzuführen. n jomand von Ihnen oder als bayerischer Abgeordneter in Pan dese Mitteilungen machen würde, dann würden Sie— dahhen dürfen iSe überzeugt sein— wegen Landesverrats gefaßt In Bayern würden selbst die Demokraten für die Aufbebun
Immunität eintreten, wie das Tagen
in den letzten
Der Deserteur. 4
Noman von Robert Buchanan.
Der Tod adelt jedes Gesicht, auch der alte Sergeant sah in seiner starren Blässe ernst und ehrwürdig aus. Rohan war fassungslos— das hatte er nicht gewollt! Der Mond beleuchtete jetzt die grauenvolle Szene in der Kathedrale, die Flut war ruhig geworden, man hörte nur mehr das gleich— mäßige Gemurmel der Wellen, die bereits Rohans Füße be⸗ leckten, was er gar nicht zu fühlen schien. Aber plötzlich ging ein Zittern durch seinen Körper, er horchte gespannt auf, über seinem Kopfe glaubte er menschliche Stimmen zu ver— nehmen, die in der Entfernung verhallten. Er warf noch einen Blick auf den Toten. Armer Pipriac, du wirst nie mehr schlechte Späße machen, nie mehr fluchen und wettern,
deine Stimme ist für immer verstummt! Deine untersetzte Gestalt, deren unsichere Beine dich erst kürzlich durch die sonnenbeschienene Dorfstraße getragen, wird jetzt wie eine
Weide von den Wellen der Flut bespült. Nie mehr wirst du die geliebte Schnapsflasche an deine durstigen Lippen füh⸗ ren. Du bist mit Tausenden von besseren Menschen auf deinem Posten, im Dienste des großen Welteroberers, der die Welt erzittern läßt, gefallen, und obgleich du dein Leben fern vom Schlachtfelde eingebüßt hast, muß man dir altem Veteranen die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß du tapfer deine Pflicht erfüllt hast. Du warst trotz deiner rauhen Zunge ein seelenguter Mensch! So wenigstens dachte Rohan Gwenfern, während er sich zum letztenmal traurig über die Leiche neigte und über ihr das Kreuzzeichen machte. Jetzt erst bemerkte er, daß dos schwere Felsstück noch auf der zerschmetterten Brust lastet. Er schleudert es in die Flut. Der von der Last befreite Körper wird von den Wellen hin und her geschaukelt, bis er auf das Gesicht zu liegen kommt. Rohan steht schon bis zu den Knöcheln im Wasser. Mit einem tiefen Seufzer reißt er sich los, wirft noch einen letzten verzweifelten Blick auf die von den Wellen umspülte Leiche und klettert dann wieder in sein Versteck.
Kaum ist er oben angekommen als seine Aufmerksam⸗
keit von neuem durch den Laut menschlicher Stimmen erregt wird. Er blickt aufmerksam lauschend in die Höhe.
Zum erstenmal wird ihm die Gefahr, in die er sich durch seine Tat gestürzt, klar. Obgleich er, um kein autorisierter Menschenschlächter zu werden, nur aus Notwehr einen Tot⸗ schlag begangen, wird das Gesetz ihn dennoch als Mörder betrachten und früher oder später als solchen auch bestrafen. Mit einem markerschüsternden Schr wirft er sich auf die Knie.
Ach, dieser verzweiflungsvolle Schrei, der sich in der Stille der Nacht erhebt, ist kein sanftes Gebet, das um Mit⸗ leid und Gnade fleht, es ist vielmehr der wahnsinnige Rache⸗ schrei einer verbitterten Seele.„Ich bin unschuldig an die⸗ ser Tat, o Gott, nicht auf mein Haupt falle die Schuld, son⸗ dern auf das Haupt desjenigen, der mich wie ein Wild zu Tode hetzt und mich zu dem gemacht hat, was ich geworden bin. Strafe, o Herr, denjenigen, dessen rotes Schwert die Welt erzittern macht und der deine Geschöpfe zur Schlacht- bank führt! Schone ihn nicht, o Herr, er sei verflucht, wie ich verflucht bin!“ Dies ungefähr war der Sinn des Gebetes, das sich aus Rohan Gwenferns gepreßtem Herzen gen Him⸗ mel erhob. Dann sprang er auf und betrat, ohne daran zu denken, was mit ihm geschehen werde, den schwindeligen Pfad, der zur Klippe emporführte.
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Das Datum jenes Tages ist denkwürdig: man schrieb den 19. Oktober des Jahres 1813.
Das Vorkommnis, welches wir jetzt erzöhlen wird von jenen, denen der Lebenslauf Rohan Gwenferns bekannt ist, verschieden wiedergegeben. Die Frommen und Abergläubischen sind von der Ueberzeugung durchdrungen, daß Rohan an jenem Abend wirklich eine überirdische Erschei⸗ nung gesehen habe; andere meinen, daß er die Vision nur im Geiste gesehen habe— sein fieberhaft erregtes Gehirn habe ihm eine Art Jata Morgana vorgespiegelt; die kleine Zahl der Skeptiker geht so weit zu behaupten, Rohan habe sich die Geschichte erst in späteren Jahren zusammengereimt,
wollen,
Rohan Gwenfern berichtet, daß er, als er in jener Nacht aus seinem Versteck floh und den gefährlichen Klippenweg emphr⸗ klomm, plötzlich am SHimniel eine geheimnisvolle spiegelung bemerkte. ö Der Mond verschwand hinter einer Wolke, von der her wie aus einem durchsichtigen Zelt sein fahles Licht den Himmel ergoß. Dichte Dunstmassen stiegen empot un wurden in der Richtung des Windes vorwärts getrieben; plötzlich, wie auf das Zeichen einer Hand, hörte der auf, die Wolken standen still und lautlose Ruhe herrschte lo- wohl in den Lüften, als auch über dem Meere. Diese ängstigende Stille dauerte jedoch nur einen Augenblick. amtemloser Spanung sah Rohan den weiteren Ereigissen entgegen. Er blickte in die Höhe und bemerkte zu senam grenzenlosen Erstaunen, daß die Wolken die Gestalt von ilher seinem Haupte marschierenden Armeen angenommen h Die Erscheinung nahm immer größere Dimensionen an! wurde immer deutlicher. Er sah das Blitzen der Säbel das Aufeinanderplatzen der Regimenter, ja, er konnte sogar klar die Infanterie und die Silhouetten der Artillerie unh scheiden! Das ganze Himmelszelt schien sich in ein ue heueres Schlachtfeld zu verwandeln, das mit Toten Sterbenden bedeckt war; dort, wo sich sonst die Milchsieg hinzieht, schlängelte sich ein ungeheuerer Strom, durch Legionen von fliehenden Soldaten schwammen. Die Gestalten zogen klar und deutlich, aber doch ger, haft an ihm vorbei und selbst die sich in weiter Ferne ls. hebenden Gesichter glaubte er deutlich zu sehen, sie tin alle den schmerzlichen Ausdruck jenes Toten, vor dem er an in wahnsinniger Angst geflohen war. Doch was war b Seine ganze Aufmerksamkeit wurde jetzt von einer G in Anspruch genommen, die sich in der Nähe der halbd Waden Wolke, die den Mond perschleierte, riese nh erhob. 15 Die saß, in Mantel und Kapuze gehüllt, hoch zu f und deutete mit erhobener Rechten noch vorwärts. Tro 101 ihre Umrisse das gewöhnliche menschliche Maß bei wal
als Wahrheit und Dichtung sich in seinem Geiste zu einem außergewöhnlichen Bilde verschmolzen. Sei dem wie immer,
überschritten, schien sie doch das Antlitz eines Menscheß in haben— es war weiß wie Marmor und kalt wie der T ö (Fortsetzung folgt.! 1
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