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der Auflösung der Schutzpolizei und in der Ausweisung der wider⸗
Beamten zu suchen. 1 Sowen der französische Kriegsminister. Wie hat doch einmal Bismarck gesagt: Aiemnals werde mehr gelogen, während des Krieges!
Wer finanziert die Nationalsozialisten?
Die Oessentlichkeit Fat sich in der letzten geit wiederholt mit dem Fall Geisler beschäftigen müssen, der nun seinen Abschluß da⸗ mit gefunden hat, daß Geisler aus der Deutschen Volkspartei aus⸗
geschieden ist. Auch die Kölnische Zeitung bezeichnet in einem Ri
Miichblick auf die ganze Angelegenheit die Umtriebe Geislers
als„verhängnbsvoll und gemeingesährlich“ und fügt hinzu:
Das Kennzeichnende an dem Fall Geisler ist die Tatsache, daß Lente ohne politische Vorzüge bei gewissen Stellen des Bürgertums eld in Hülle und Fülle bekommen, wenn sie nur das Gespenst des Bolschewismus oder Sozialismus an die Wand malen und sich mit großem Phialengedrß hen zue Gespenstexaustreibung empf.. Man scheint in diesen Kreisen des Bürgertums aus den naheisvollen Felgen der Tatig⸗ kei des Neichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie nicht die kleinste Spur gelernt zu haben. Ueberall, wo eine Stablerei, Hitlerei oder Geislerei in Gang kommt, sind Gelder in staunenerregender Menge da, die von einigen poli⸗ tischen Abenteurern in der leichtfertigsten Weise ausgegeben wer⸗ den, um das deutsche Volk mit allen Kräften zu verhetzen und in ah 5 1 but spalten.
0 gut, da partei steht. Nicht am wenigsten in ihrem Umkreise sind die Stellen des Bürgertums zu finden, von denen die Kölnische Ztg. spricht.„Vaterland“ und„Kirche“ finanziell zu stützen 288 hat die Großindustrie stets nach Kräften mitgewirkt. Denn der Ehmwinismus gezen Erbfeinde lohnt sich wenn damit der Konkurrent des„welschei“ Kewpitalismuts getroffen wird, und dem arbeitenden eigenen Volk muß die„Religson“ und damit die Zu⸗ friedenheit erhalten werden. 5
Hessische Landeswanderbühne. Uns wird geschrieben: Während der diesjährigen Spielzeit der Hessischen Landes⸗ wanderbühne wurden ungefähr 240 Vorstellungen veran⸗ staltet. Die diesjährige Spielzeit der Bühne wurde nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, erst am 30. April, sondern schon am 10. März beendet. Maßgebend für den früheren Schluß war vor allen Dingen die Entwicklung der politischen Verhältnisse an Ruhr und Rhein; denn dadurch ist vorerst für die Bühne jede zielbewußte und organisierte Tätigkeit im besetzten Gebiet, für das in erster Linie diese Einrichtung geschaffen wurde, unmöglich gemacht. Zu diesen äußeren Schwierigkeiten, die nicht zu überwinden sind, gesellten sich auch noch Schwierigkeiten anderer Art. Der harte Abwehr- kampf, in dem wir stehen, erregt und beschäftigt alle Ge⸗ müter aufs tiefste. Bei der Bevölkerung des Landes ist da⸗ durch nicht allgemein die rechte Stimmung und nicht über⸗ all die genügende Aufnahmefähigkeit für die Gaben der Kunst vorhanden. Die stehenden Theater der größeren Städte werden davon weniger berührt. Sie bieten in dieser Richtung keinen geeigneten Vergleichsmaßstab, da sie im allgemeinen ihr Stammpublikum haben. Sehr wesentlich für den früheren Schluß war aber auch daß sich im Zu⸗ sammenhang mit der politischen und wirtschaftlichen Ge⸗ samtlage die Verhältnisse hinsichtlich der Saal⸗ und Gal derobenbeheizung, des Transportes, der Quartier⸗ beschaffung usw. von Tag zu Tag mißlicher gestalten. Eine ganze Reihe von Erkrankungen des Personals sind auf die hier zutage tretenden, nicht abstellbaren Mängel und die langandauernde naßkalte Witterung zurückzuführen. Diese Erkrankungen selbst aber machten sich natürlich bei der Durchführung, des Spielplans sehr störend geltend. Der frühere Schluß der diesjährigen Spielzeft hat vielfach Be⸗ dauern erweckt; ein Beweis dafür, daß sich die Hessische Landeswanderbühne trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens im Bewußtsein des Volkes verankert hat. Wir hegen die feste Hoffnung, daß die neue Spielzeit im Herbst unter besseren politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen wieder beginnen kann; die Vorarbeiten dazu sind bereits im Gange.
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Goethe über den deutschen Charakker.
In den Gesprächen mit Eckermann findet sich folgende Aeuße rung Goethes:
„Als neulich der 4 75 lag und meine Nachbarskinder ihre kleinen Schlitten auf der Straße probieren wollten, sogleich war ein Polizeidsener nahe, und ich sah die armen Dingerchen fliehen, so semell sie konnten. Jetzt, wo die Frühlings sonne sie aus den Häusern lockt und sie mit ihresgleichen vor ihrem Tore gern ein Spielchen machten, sehe ich sie immer geniert, als wären sie nicht sicher. Es darf kein Bub mit der Peitsche knallen oder singen, oder rufen, gleich ist die Polizei da, es ihnen zu verbieten. Es geht bei uns alles dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität und alle Wildheit auszutreiben. Könnte man nur den Deutschen nach dem Vorbilde der Engländer weniger Philosophie und mehr Tatkraft, weniger Theorie und mehr Praxis beibringen. Wir wollen abwarten, wie es in einem Jahr⸗ hundert mit uns Deutschen aussteht und ob wir es dann dahin ge⸗ bracht haben, nicht mehr abstrakte Gelehrte und Philosophen, son⸗ dern Menschen zu sein.“
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Nachdenkliches
von dem bershmten, zu früh verstorbenen Kapellmeister und e Komponisten Max Reger.
In besonders vornehmen Hotels trug er sich gern folgender⸗ maßen ein: Max Reger, Akkordarbeiter.
Schülerin(bei ber Korrektur einer Komposition):„Ach, Meister, da war meine Seele ganz zerrissen!“ Reger:„No, da wollen mes se halt wieder flicken!“
Eine Prinzession fragte ihn, wie die dunklen merkwürdigen Tonfiguren der Fagotte im„Gastmahl“ der Böcklin⸗Suite entstiin⸗ den, ob die Müsiker sie mit dem Munde hervorbrächten. Der Komponist sah die Fragerin einen Augenblick starr an, dann sagte er toternst:„Das will ich stark hoffen.“ 5 5 Neger zu seinem Freund, F rosessor Dr. Th., bei einer Hof⸗ sestlichteit(beide waren ohne Orben erschienen):„Wir beide sind halt heute abend die einzigen nagten Menschen hier.“
Tstel sind dazu da, damit sich die anderen darüber ärgern.
bil stehen. Am Freitag war der Thermometer bis auf 16 Grad
nach Reaumur gestiegen, für diese Jahreszeit eine außer⸗
ß das in einem Organ der Deutschen Volks⸗
Ausführungen gab
Sic en und Kngebung.
— Der Lenz ist gekommen! Diesmal ist mit dem kalendermäßigen Beginn des Frühlings auch dieser selber eingezogen. Herrlicher Sonnenschein wie im Mai lag in
den letzten Tagen der Vorwoche auf Wold und Feld und die
Vögel ließen schon ihre Lieder erschallen. An den Flieder⸗ und anderen Sträuchern haben sich die Knospen stark ent⸗ wickelt und bald werden sie im neuen, grünen Kleide da⸗
gibt es keinen
ordentlich hohe Temperatur. Hoffentlich
[Rückschlag, wie das schon so oft der Fall war, wo Frost die
aufgegangenen Sämereien im Kleingarten und die Blüten der Bäume vernichtete. Denn es herrscht in den Gärten jetzt schon rege Tätigkeit und man ist eifrig dabei, die Beete zu bereiten. Man muß jedem wünschen, daß seine Mühe und Arbeit Erfolg hat, der Kampf ums Dasein durch die Früchte des Gärtchens erleichtert wird.
— Freie Lernmittel in den Volksschulen. In der letzten Stadtverordnetensitzung stand die Frage der Lernmittel⸗ stellung durch die Stadt für die Volksschulen zur Beratung. Von unserem Redner wurde darauf hingewiesen, daß die Stadt die Lernmittel im Großen beschaffen und an die⸗ jenigen zum Selbstkostenpreise abgeben könne, die für freie Lieferung nicht in Betracht kommen. Wie angebracht das
wäre, zeigt eine Gerichtsverhandlung in Potsdam, die dieser
Tage vor dem Wuchergericht stattfand. Auf dem Tisch des Gerichts lag, wie der Vorwärts berichtet, eine einfache Schiefertafel,
Kaufmann Felix Polentz in Rathenow 2600 Mk. bezahlen. Der Arbeiter erstaktete Anzeige, und Polentz mußte sich wegen Preistreiberei vor dem Potsdamer Wuchergericht ver⸗ antworten. In der Verhandlung kam zur Sprache, daß der Angeklagte die Schultafel vor einem Jahre mit 6 50 Mk. eingekauft hatte; alle Kosten hinzugerechnet, kam dem Kaufmann die Schultafes auf 11 Mk. Der Angeklagte be⸗ gründete den hohen Preis damit, daß lout Verbands ⸗ beschluß der Deutschen Papier- und Schreib⸗ warenhändler ihm der geforderte Preis vorgeschrieben war. In scharfen Worten geißelte der Vorsitzende diese Verbandsvorschriften, die geradezu eine Notmarktlage für die jetzt mehr als, früher gekauften Schultafeln schaffen. Auch der Staatsanwalt ging scharf gegen den Angeklagten vor und beantragte 150 000 Mark Geldstrafe, Publikation im Kreisblatt und Aushang des Urteils im-Geschäftslokal des Angeklagten. Nach langer
Beratung erklärte sich das Wuchergericht für unzu⸗ ständig und verwies die Sache an die Potsdamer
Strafkammer.— Es ist durchaus am Platze, wenn man
dem unverschämten Wucher, der von den Verbänden be⸗.
trieben wird, entgegentritt.
— Französische Preßfreiheit. bote, die im be Kürzlich teilten wir u. a. mit, daß unser Mainzer 0 wiederum auf vier Wochen verboten ist; es hat überhaupt in die⸗ sem gangen Jahre nock nicht viel Nummern herausbringen können. — In feiner Freitagsnummer teilt der Gießener Anzeiger mit daß das Blatt vom 22. März ab auf drei Momate von der internationalen Rheinlandkommisston verboten ist.
— Bilder aus Alt⸗Gießen führte Rechtsanwalt Homberger seinen zahlreichen Zuhörern im letzten Bildungsvortrage am Donnerstag abend vor Redner gab zunächst einen geschichtlichen Abriß über die Entwicklung der Stadt von ihrer Entstehung an, die um das Ende des 12. Jahrhunderts anzunehmen ist. Weiter schilderte der Redner die keineswegs in Bezug auf Sauberkeit einwandfreien Verhältnisse Gießens, das bis Ende des 18. Jahr⸗ hunderts mit Festungswällen umgeben war. Aber auch nach deren Beseitigung war die Stadt noch unsauber. die Gassen waren eng. die Wohnungen meistens mangelhaft. Im weiteren Verlauf seiner der Redner verschiedene bemerkenswerte Ge⸗ meinderats⸗Veschlüsse zum Besten, die stark an Schilda erinnern; besprach dann das gesellschaftliche Leben in Gießen in früherer Zeit sowie einzelne„Originale“ der Bürgerschaft in humorvoller Weise. Gelegenulich hoffen wir, die sehr beifällig aufgenommene Plauderci ausführsich wiedergeben zu können.— Der Vorsitzende Moosdorf wies darauf hin, daß nit diesem Vortrag die Reihe der Bildungsvorträge für diesen Winter geschlossen sei. Daß sie ein Bedürfnis waren, habe die starke Beteiligung gezeigt. Der Wahl⸗ verein werde es sich angelegen sein lassen. auch fernerhin zur Be⸗ lehrung seiner Mitalieder das Möglichste zu bieten. 0
— Spekulations⸗Hausverkäufe. In der Mieterversammlung am Samstag wurde unter anderem auf die riesigen Summen hin⸗ gewiesen, die durch Häuserverkäufe jetzt erzielt werden. Es kommt auch vielsach vor, daß die Häuser an Ausländer verkauft werden, kein Mensch kümmert sich darum, die Häuser in bewohnbarem Zustande zu erhalten. Diese Verhältnisse sind Veranlassung dazu
Zahllos sind die Zeitungsver⸗
gewesen, daß der preußische Landtag ein Gesetz über den
Verkehr mit Grundstücken angenommen hat. das die Ein⸗ führung einer Genehmigungspflicht für Häuserver⸗ käufe vorsieht. Das Gesetz ist am 10. März in Kraft getreten. Die preußische Regierung hat nunmehr die Ausführungsbestim⸗ mungen zu diesem Gesetz erlassen. Darin wird betont, daß die Tendenz des Gesetzes nicht dahin geht, die Genehmigungszflicht bei Verkäufen rigoros und schikanös auszuüben, sondern daß es zu⸗ ächst vor allem darauf ankommen soll, besonders krasse und im Grundstücksverkehr unerwünschte Fälle zu treffen. Weiter wird ausgeführt: Eine Gefährdung der ordnungsmäßigen Bewirtschaf⸗ tung des Grundstücks zum Schaden der Wohnungsfürsorge wird durchweg bereits dann angenommen werden können wenn aus der Persönlichkeit des Erwerbes und aus dessen Wohnsitz hervorgeht, daß er nicht in der Lace ist, dse jetzt mehr als je erforderliche per⸗ sönliche und ständige Aufmerksamkeit seinem Grundbesitz zu wid⸗ men. Es darf ebensowenig ein Verfall von Wohngebäuden infolge Vernachlässigung der Unterhaltung wie eine Verschlechterung der Substanz infolge Entfernung wichtiger Bestandteile zu besorgen sein. Wenn die Genehmigung wegen der Besorgnis der Still⸗ legung einer Industrie oder eines gewerblichen Betriebes versagt werden soll, ist tunlichst die zuständige Handels⸗ oder Gewerbe⸗ bammer gutachtlich zu hören. Erfolgt der Erwerb unter Aus⸗ nutzung des Tiesstandes der deutschen Währung, vor allem mit Hilse einer hochwertigen Valuta, so wird stets unbedenklich ein spekulativer Zweck, der die Versagung der Genehmigung rechtfertigt, angenommen werden können. Aehnliche Bestimmungen wären auch bei uns in Hessen angebracht um der Wohnungsnot entgegenzuwirken.
— Frühere Auszahlung der Militärversorgungsgebührnisse. Die für den Mongt April 1923 fälligen Militärversorgungsge⸗ bührnisse werden bereits am 27. März in der Zeit von 7½ Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags und 2 bis 7 Uhr nachmittags vom Postamt gezahlt.
die man früher für einen Groschen kaufen konnte. Für diese Schiefertafel mußte ein Arbeiter bei dem
setzten Gebiete durch die Franzosen erfolgt—
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— Solzversleigerüngen. Aug den Meßener Waldungen werben am Dienstag vormittag 9½ Uhr in der Wictschaft„Zur Liebigs, Lache“ aus dem Bezirk des Försters Arft Brennholz Nnüppel und Reißig versteigert Ferner am Donnerstag den 29, März 9% Uhr aus dem Bezirk, des Försters Lotz⸗Wieseck ebenfalls Brennholz Buchenscheite. Knüppel und Reißig. Zusammenkunft an der Straße nach Daub ringen, in der Nähe des Steinbruchs— Die, Bekanntmachungen, aufdie hingewiesen wird, erschienen in der Samstagsnummer. 5
— Lollar. Am kommenden Dienstag, den 27. Märg, findet der 8. und vorläufig letzte Vortragsabend statt.— Genosse Professor Hüter⸗Gießen spricht(diesmal bestimmt) über: 48er Mär z⸗ Gedanken und Karl Marx⸗Gedenlen Alle Genossen müssen erscheinen. Wegen der Ferien findet dieser Abend nicht in der Schule, sondern im kleinen Saale der„Linde“ statt.— Der Vorstand des Wahlvereins wird weitere Bildungsarbeit vorbereiten, sodaß im Spätsommer, wenn die Genossen wieder mit Garten⸗ und Feldarbeit Fan sind, mit neuen imnteressanten Vorträgen begonnen werden
n. n.
Kreis Friedberg⸗ Büdingen. 5. Agitationsbezirk Friedberg⸗Büdingen⸗Schotten.
An Sonmteg tagte der Unterbezirksvorstand in Friedberg und beschäftigte sich unter anderem mit der Frage der Ruhrbesetzung. Genosse Schoub⸗Büdesheim der über die Ruhrfrage referierte, führte folgendes aus: Die Frage der großen Koalition in Hessen will auch heute nicht verstummen. Die Genossen im Lande haben darüber zu wachen, daß unsere Führer nach dieser Richtung fest bleiben und auf Grund der früher gefaßten Beschlüsse die große Koalition ablehnen. Früher ist vieles verstumt worden und heute hat das Proletariat den Schaden zu tragen. Die Situation, in der wir uns heute befinden, ist die gleiche wie 1914, nur mit dem Unterschiede, daß eine Ein⸗ mütigleit nicht vorhanden ist. Die Parteileitung muß unter allen Umständen mehr Aktivität zeigen. Die besitzende Klasse drückt sich von allen Steuern und überläßt die Steuerzahlung der arbeitenden Be⸗ völkerung. Es muß eimmal offen ausgesprochen werden, daß einer solchen Regierung die Mittel zu verweigern seien. Unter keinen Um⸗ ständen durfte der Reichswehretat bewilligt werden. Die Verfeh⸗ lungen bei der Holzlieferung bezeichnet Redner als Skandal und es hätte 1 nicht vorkommen dürfen. Man hätte den Privat⸗ besitzern ihre Wälder konfiszjeren sollen, wie man während d Krieges ja auch vor keinem Mittel zurückgesckreckt hätte. Alles pro⸗ voziert, genau wie während des Krieges und haben uns gerade die Machenschaften der Rechtskreise in der ganzen Welt geschadet. Aus diesem Grunde ist die Einheitsfront mit dem Bürgertum abzulehnen und der Kampf gegen den französischen Imperialismus durch die Arbeiterschaft mit allen Mitteln zu führen. Wenn wir das Vertrauen innerhalb der Arbeiterschaft wiedergewinnen wollen, muß eine andere Politik getrieben werden. Er bespricht weiter die Zustände innerhalb der Landtagsfraktion und bedauert aufs lebhafteste, daß Genossen sich bei der Frage der großen Koalition auf den Standpunkt gestellt haben, daß durch den Eintritt der Volkspartei in die Regierung, unser Einfluß gestärkt würde. Auch im Reiche sind Bestrebungen vor⸗ handen, die große Koalition herzustellen. Dem Volke muß es mit allem Nachdruck gesagt werden, daß uns die Regierung Cuno in diese Verhältnisse geführt habe. Wir müssen unter allen Umständen ver⸗ langen, daß eine allgemeine Amnestie für die beim Kapputsch ver⸗ urteilten Arbeiter durchgeführt wird. Er empfiehlt, in den Orts⸗ vereinen nach dieser Richtung Aufklärung zu schaffen. Eine Zer⸗ störung der Partei muß unter allen Umständen vermieden und des⸗ 125 muß der Versuch gemacht werden, die Genossen, die anderer
eimig sind, aufzuklären. Die Orgesch entfaltet eine eifrige Tätig⸗ keit im Lande, um die Monarchie uns wieder zu bringen. Hiergegen muß entschieden Front gemacht werden. Deshalb muß von der„ gierung verlangt werden, daß sie klipp und klar erklärt, was sie zu tun gedenkt. Er empfiehlt die Annahme der Frankfurter Resolution.
An der anschließenden Resolution beteiligten sich die ossen Rößler Repp, Hofferberth und Holzapfel welche die gemachten Aus⸗ ergänzten und sich zustimmend äußerten.
Genosse Rößler stellt den Antrag, die Resolution dahim zu er⸗ gänzen, daß eine andere Stenerpolitik getrieben werden muß, damit die breite Masse der arbeitenden Bevölkerung nicht ganz verarme Diesem Antrage wird einstinmnig zugestimmt. 1
Ein Antrag des Landes vorstands auf Mandatsnfederlegung des Genossen Wittig im Provinzialausscheß wird entschieden abgelehnt.
Ferner würde beschlossen, die ordentliche Kreiskonferenz Mitte Mai in Stockheim abzuhalten.
Kleine Nachrichten.
Frankfurt a. M., 23. März. Vom Schulschluß in den To d. In der Schloßstraße wurde heute vormittag ein achtjähriges Mädchen, das mit dem guten Schulzeugnis und der Versetzungsnote in der Hand freudestrahlend nach Hause eilen wollte, von einem auswärtigen Auto überfahren und auf der Stelle getötet. Die Kleine hatte, als man sie tot unter dem Wagen hervorzog, das Schulzeugnis noch in der Hand. 0
Frankfurt a. M., 23. März. Zu Tode gedrückt. Beim Transport eines Transformators im städtischen Elektrizitätswerk stiirzte der 20 Zentner schwere Koloß um und begrub einen 40 jähr. Monteur unter sich. Dem Manne wurde der Leib förmlich aufge⸗ schnitten und die Wirbelsäule gebrochen, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat.
Darmstadt, 23. März. Ausgewiesen wurde der technische Direktor der Opelwerke, Depl.⸗Ing. Dr. Wilh. Scholz, ohne Angabe von Gründen. Seine Familie muß innerhalb der üblichen Frist das besetzte Gebiet ebenfalls verlassen.
Darmstadt, 23. März. Schwer verunglückt ist gestern beim Ueberqueren der Straße der Rechmungsrat Schönberger von hier. Er wurde von der Straßenbahn überfahren und erlitt so schwere Ver⸗ letzungen, daß er bald nach der Einlieferung in das Krankenhaus starb.
Walldorf(Hessen), 22. März.
Der gefährliche Aufsatz.
Ein hiesiger Lehrer hatte von seinen Schülern einen Aufsatz über die
Ruhr schreiben lassen. Die Folge war seine sofortige Ausweisung aus dem besetzten Gebiet.
Ein Riesendiebstahl wurde in der Nacht vom Dienstag auf Mitt⸗ woch voriger Woche in Heppenheim in der dortigen Strickwaren. fabrik Söldt u. Co. ausgeführt. Die Diebe waren durch ein Fenster eingestiegen und hatten das ganze Lager durchstöbert. Ein Teil der Ware wurde durch die Fenster in den Garten geworfen, wo sie am Morgen zerstreut dalag. Nur die wertvollsten gestrickten Kostüme, Jumpers und Strümpfe wurden mitgenommen. Die Spitzbuben sollten sich aber ihrer Beute nicht lange freuen. Mit dem ersten Früßh⸗ zug fielen dem Bahnsteigschaffner und mitfahrenden Bahnbediensteten drei schwer bepackte verdächtige jungen Männer auf, die Fahrkarten nach Darmstadt gelöst hatten. Auf telegraphischen Bescheid wur⸗ den die verdächtigen Elemente am Bahnhof Darmstadt von der Krimi⸗ nalpolizei in Empfang genommen und verhaftet. Und siehe da, in 5 großen Paketen führten sie die gestohlenen Sachen, die einen Wert von 15—20 Millionen Mark repräsentierten, bei sich. Zwei der Spitz⸗ buben stammen aus Frankfurt, einer aus Dieburg.
Gattenmord. Aus Walters hausen bei Cassel wird berichtet: Wie durch die Staatsanwaltschaft festgestellt wurde, ist der 28jährige Kutscher Schröder nachts durch einen Revolverschuß getötet worden. Die Tat vollzog sich in seiner Wohnung bei Anwesenheit seiner, ihm erst vor zwei Jahren angetrauten Ehefrau. Die Umstände ließen keineswegs auf einen beabsichtigten Selbstmord schließen. So wurde der Verdacht erweckt, daß die Ehefrau die Mörderin ihres Mannes gewesen sei. Nach einem längeren Kreuzverhör durch die Staatsan⸗ waltschaft gestand die Frau, ihren Mann im Schlafe erschossen zu haben. Die Ehe war durch die Schuld der Frau deine glückliche.
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