Ausgabe 
24.3.1923
 
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N gezahlt, so daß an den sechs Milliarden Franken, die Bismarck

Millionen Mark wurde der Reichsinvalidenfonds gebildet, dessen

Scchiffsreeder 17 Millionen und die aus Paris

Gießen, Samstag, den 24. März 1923.

ö a Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 70

Gießen und umgebung. Für die Bedrängten im Ruhrgebiet

Es gingen weiter bei uns ein: Marie Bodenröder 200 Mk., Aug. Böcher 1000, W. Knöß 1000, Mölcher 1000, O. Merz 1000, K. Rahn 500, K. Schmidt 500, 1000, K. Hofmann 1000, E. Schombert 1000, G. Lang 000, J. Krämer 1000, L. Müller 1000, K. Kratz 1000, H. Traum A. Bär 1000, A. Kratz 1000, H. Keller 500, O. Mahr 1000, u. W. Böcher 1000, K. Zimmermann 350 Mk. 18 050 Mk. Bereits quittiert 360 900 Mk. Zu⸗

dummen 378 950 Mk. f Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne

. 0 1 Verlag ber Oberhessischen Volkszeitung.

Dierichtige Revolution.

Kürzlich wurde uns ein Flugblatt zugestellt, das in

lar und auf der Eisenbahn zwischen hier und Wetzlar

t wurde und obige Ueberschrift trug. Jeder erkennt

ofort ein plumtpes antisemitisches Machwerk, das die un⸗

smmigsten Behauptungen anstellt. Natürlich wird es so hin⸗ vestellt, als ob die Sozialdemokraten die Revolutionge⸗ hätten und nun mit Grauen vor ihrem Werke stün⸗ en. Jedes Kind weiß, daß die Revolution nicht gemacht rde, wie überhaupt keinegemacht werden kann, ondern daß im November der Zusammenbruch der verbrecherischen kaiserlichen Politik und des Militarismus eintrat. Nachdem das Volk und die Wirtschaft ruiniert war, gab sich die Sozialdemokratie Mühe, die Maschine wieder in zu setzen und es ist selbstverständlich, daß das nicht ofort gelang und daß noch viele Jahre lang die Folgen des ihnsinnigen Krieges sich bemerkbar machen werden. Deshalb sist es so dumm wie möglich, wenn das Tageblatt fragt:

0Wo sind die vielgerühmtenErrungenschaften der Revolution? Hat sie unsere Lebenshaltung verbessert? Uns mehr Lebensmittel verschafft? Den Wucher und Schleichhandel unterbunden? Den Diebstahl von Staats⸗ gut vermindert? Die Produktion gesteigert? Die ge⸗ schäftliche und persönliche Freiheit vergrößert? Den Verkehr erleichtert? Die Menschen gebessert?

Solche Fragen kann höchstens ein Narr stellen. Hat alles das vielleicht die früheregottgewollte Ordnung ge⸗ tam? Aber noch eine Menge sonderbarer Weisheiten fördert 0 judenhetzerische Blättchen zutage. Unter anderem diese:

Die Revolution hat also vorläufig nur den Erfolg gehabt, daß das frühere Unternehmertum, Fa⸗ brikanten, Gutsbesitzer usw. ihre schönsten Ein⸗ künfte größtenteils eingebüßt haben. Sie müssen sich jetzt zum größten Teil mit dem Einkommen eines ihrer Angestellten begnügen wenm sie nicht gar mit Verlust arbeiten. l

Das wagt man Menschen mit gesunden Sinnen zu er⸗

ählen! Natürlich ist der Jude an allem Schlimmen schuld!

Und der Zins muß abgeschafft werden!

Zweck des Flugblattes ist, die Menschheit zu verdummen, ein halbwegs denkender Arbeiter fällt darauf natürlich nicht ein.

Riesengewinne bei Hausverkäufen. In der Mieter⸗ versammlung am Sonntag abend wurde von einem Redner (Homberger) der Wohnungswucher behandelt und dabei auch darauf hingewiesen, wie bei Rückzahlung der Hypotheken der Hausbesitzer ein ausgezeichnetes Geschäft macht, weil er die ihm in Goldmark geliehenen Summen mit minderwertigem Papier zurückzahlt. Noch größer ist aber der Gewinn bei Hausverkäufen. Dafür bringt ein Einsender in unserem Darmstädter Parteiblatt ein, Beispiel, dem er schreibt:

Im Oktober 1921 lieh ich einem Hauskäufer auf Sypotheke 34 000 Mark. Damals kostete das Haus 85 000 Mark. Jetzt verkaufte der Herr das Haus für 6 000 000 Mk., wovon er mir 34000 Mk. zurückzahlte. Ist das nicht herr⸗ lich? Wo bleibt die Gerechtigkeit? Ob er das Haus in⸗ zwischen herstellen ließ, so daß wenigstens die Mieter zu⸗

Die verschwundenen fünf Milliarden.

Frankreich hatte nach dem Frankfurter Frieden im Jahre 1871 lan das deulsche Reich fünf Milliarden Kriegsentschädigung zu zahlen. Von diesem Milliardensegen war im Handumdrehen bis auf die Sage von dem Reichskriegsschatze von 120 Millionen Gold im Juliusturme zu Spandau nichts mehr vorhanden. Wo sind die fünf Milliarden geblieben? 5

Eigentlich waren es nicht fünf Milliarden Mark, sondern nur fünf Milliarden Franken. Bismarck hatte sechs Milliarden gefor⸗ bert, sich aber eine Milliarde von den französischen Diplomaten ab⸗ handeln lassen. Auf den Vorschlag des schlauen Bleichröder, mit dem Bismarck seine nicht ganz sauberen privaten Börsengeschäfte machte, holte er die abgehandelte Milliarde dennoch wieder aus Frankreich heraus, indem er für das nicht sofort bezahlte Geld 18 in Anrechnung a 15 e 1 es die

iegss ein r r tilgte, als im Friedensvertrage ver⸗ E im 77 705 genau 4 453 990 448 Mark an Deutschland

haben wollte, nur etwa 350 Millionen fehlten.

Davon zahlte Deutschland 258 Millionen Mark für die franzö⸗ sische Ostbahn in Elsaß⸗Lothringen zurück. Außerdem wurden noch 35 Millionen Mark für den weiteren Ausbau der neu erworbenen Reichseisenbahnen in Elsaß⸗Lothringen ausgeworfen. Mit 560

Zinsen aber nicht ausreichten, so daß bald das ganze Kapital ver⸗ braucht war. Der Ausbau der Festungen und Kasernen im neuen Meichslande verschlang 350 Millionen Mark. 120 Millionen wurden in den Juliusturm, 66 Millionen Mark sogleich in die Reichskriegs⸗ flotte gesteckt. Die geschädigten Kapitalisten Elsaß⸗Lothringens und des rheinischen Grenzgebietes erhielten 116 Millionen, die deutschen ausgewiesenen Deut⸗ schen 12 Millionen. 12 Millionen Mark bekamen auch die angeblich burch die Einbery ung in ihren Vermögensverhältutssen zurückge⸗

frieden sein können, weiß ich nicht. Wäre hier nicht die Schaffung eines Gesetzes zweckmäßig, dahingehend, daß in Fällen vorliegender Art der Gewinn zu einem großen Prozentsatz dem Reich, Staat, Stadt oder Gemeinde zu⸗ fallen müßte, die aus dem Betrag neue Wohnungen bauen können? Der Hypothekengläubiger muß ja auch mit seinem Betrag zufrieden sein. Warum kann dann nicht auch der Hausbesitzer, der hier 51 000 Mk. zu erhalten hätte, zufrieden sein? Wie stellt sich der Hausbesitzerverein zu dieser Frage? Vielleicht nimmt auch das Stadtparlament hierzu einmal Stellung, denn es könnte tatsächlich der Stadt eine Ein⸗ nahmequelle verschafft werden, mit der Bezeichnung Woh⸗ nungsbauabgabe. Auf alle Fälle müßte von seiten der Stadt darauf bestanden werden, daß bei einem Hausverkauf aus dem Gewinn das Haͤus innen und außen, soweit not⸗ wendig, herzustellen ist. Dann würden auch wieder aus den sogenanntenRuinen Häuser werden, wenn vielleicht auch etwas spät.

Hier ist, wie bemerkt, auf Darmstadt Bezug genommen, aber das gleiche dürfte überall zutreffen. Die Entwickelung der Dinge machte es Haus⸗ und Grundbesitzern möglich, ihre Schulden mit einem Bettelpfenneg abzustoßen, während keineswegs immer Banken oder andere Kapitalisten, sondern vielfach auch Kleinrentner, Witwen usw. den Schaden zu tragen hatten. ö

Wie die Fleischpreise hochgehalten werden, zeigt ein Beispiel aus Pohlgöns. In diesem Orte stehen etwa 30 schlachtreife Schweine zum Verkauf, aber es findet sich kein Käufer, weil uner⸗ hörte Preise dafür verlangt werden. Weder Landwirte noch Händler wollen von den jetzigen hohen Schweinepreisen heruntergehen. So wird die Volksernührung geschädigt und der Preisabbau hinter⸗ trieben. Während für viele von den Geschäftsleuten in der Stadt verkaufte Artikel die Preise herabgesetzt worden sind, werden sie flür

land wirtschaftliche Produkte künstlich hochgehalten.

Kurse für Betriebsratsmitglieder und Betriebsobleute. In den für Samstag und Sonntag vorgesehenen Vorträgen von Dr. Lorch⸗ Frankfurt ist eine Aenderung insofern eingetreten, als am Samstag abend nur ein Kursus in Gießen stattfindet. Am Sonn⸗ tag vormittag 10 Uhr wird der Kursus in Nidda abgehalten, der erst für Nachmittag vorgesehen war. Wir weisen auf das Inserat im heutigen Blatte hin.

Fahrplanänderung. Vom Saunstag, den 24. März ab wird bes 1 746 Samstags wieder zwischen Marburg u. Gießen

fördert.

Fahrraddiebstähle und Schutz dagegen. Von polizeilicher Seite wird uns geschrieben: Mit Beginn der trockenen, wärmeren Jahres⸗ zeit werden die Fahrräder wieder mehr benutzt und es kommen auch mehr Fahrraddiebstähle vor. Um den Fahrradmardern ihr Handwerk zu legen, können die Fahrradbesitzer viel dazu beitragen, wenn sie ihre Räder nicht umangeschlossen auf die Straße hinstellen, oder sie mit in die Geschäftshäuser nehmen. Bei den heutigen enorm hohen Fahrradpreisen soll sich jeder Fahrradbesitzer dieser Mühe unter⸗ ziehen, um sich vor Schaden zu bewahren. Entwendet wurde hier am 21. März ein Fahrrad, markenlos, Fabriknummer unbekannt, mit schwarzem Rahmenbau, schwarze Felgen, ohne Schutzbleche, Vor⸗ dermantel ganz neu, Hintermantel fast neu An der Hintergabel be⸗ findet sich ein Vorhängeschloß. Ebenfalls am Mittwoch vormittag wurde 415 aus dem Nebenzimmer einer Wirtschaft ein Fahrrad Marke Presto, Fabriknummer unbekannt, schwarzem Rahmen⸗ bau, gelbe Felgen, gelbe Schutzbleche mit schwarzen Streifen und nach unten gebogener Lenkstange mit schwarz und gelb gestreiften Griffen. Sachdienliche Mitteilung nimmt die hiesige Kriminal⸗Abteilung ent⸗

gegen.

Holzschnitt⸗Ausstellung im Kunstverein. Diesen Sonntag wird im Turmhause am Brand eine Holzschmitt⸗Ausstellung deutscher Klinstler, die 200 Werke aufweist, eröffnet. Die Ausstellung ist täg⸗ lich außer Samstag, von 11 bis 1 Uhr, Mittwochs auch am Nach⸗ mittag von 35 Uhr geöffnet. 8

Stadttheater Gießen. Morgen nachmittag ist keine Vorstellung. 2 Abends kommt GrabbesDon Juan und Faust zur Auf⸗

f Kreis Wetzlar.

Wetzlar. Eine Karl Marx⸗ Gedenkfeier wurde am Sonntag im Schlitzengarten abgehalten. Der Saal war von alt und jung stark besetzt. Es galt, des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus, der 48er Revolution und der Einreihung der jungen proletarischen Menschen zu gedenken. Der Abend wurde von der Wetzlarer Arbeiterjugend bestritten. Man darf sagen, daß sie die auf sie gesetzten Erwartungen nicht unerfüllt ließ. Die SzeneAuf⸗ bruch wurde gut gesprochen. Daß im heiteren Teil dieHans⸗Sachs⸗ Schwänke stürmische Heiterkeit auslösten, war bei der köstlichen Wiedergabe der Spielenden erklärlich. Gen. May feierte Karl Marx als großen Menschen und Wissenschaftler, der den Schaffenden die

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Prinz Friedrich Karl, Moltke, Roon und Manteuffel erhielten je 900 000 Mark, andere 600 000, 450 000 und 300 000 Mark. Auch der Präsident des Reichskanzleramts Rudolf Delbrück wurde mit einer Dotation bedacht. Bismarck ging leer aus, bekam aber dafür den Sachsenwald, dessen Wert man damals auf drei Milliarden Mark schätzte. Schließlich wurde noch die Kriegsanleihe des Norddeut⸗ schen Bundes eingelöst und an Preußen der im Kriege ausgegebene Kriegsschatz von 90 Millionen Mark zurückgezahlt. Fast 2 Milliar⸗ den erforderte die 1873 durchgeführte Währungsreform, 24 Mil- lionen legte man für das neue Reichstagsgebäude zurück, und die Millionen, die noch übrig blieben, wurden als Tropfen auf heiße Steine an die Bundesstaaten zur Tilgung drückender Schulden ver⸗ teilt. Die fünf Milliarden waren also tatsächlich im Handumdrehen verplempert, und für Kulturaufgaben und Volkswohlfahrt ist auch kein Pfennig aus dem Milliardensegen abgefallen

Geueral Anzeiger.

Der Simplizissimus behandelt dieöffentliche Meinung in einem Gedicht, das wir bier abdrucken und den Generalanzzeigern aller Art, auch den für Oberhessen, widmen wollen, die ja die be⸗ kannten Fabriken der sogenannten öfsentlichen Meinung, das heißt des Allerwelts⸗Spießbürgertums, mit seiner satten Tugend und zahlungsfähigen Moral sind:

Auf Seite eins wird glühend betont die Einheitsfront.

Auf Seite zwei wird der Sozi verachtet und Marx geschlachtet.

Dann handeln die Seiten drei und vier von Kino, Cuno und Märzenbier. Der Vörsenbericht malt Grau in Grau: die Devisen stehen noch immer flau. Doch im Hinterland, bei den Inseraten tummeln sich nunmehr die Preßzpiraten.... Und Tag für Tag der gleiche Sums zur sittlichen Hebung des Publikums. O Mann, vom Wucher ausgesogen, vom Hoffen und Harven krumm gezogen, glaubst du, dies tägliche Schlammbad sei eine antirheumatisehe Arznei? Den Spießer nur in dir erquickt es, den Menschen aber, den erstickt es.

kommenen agrarischen Reserve⸗ und Landwehrosfiziere. An 28 Generäle wurden 12 Millionen Mark als Dotationen verschenkt.

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der Soldat

Ursachen der ökonomischen und gesellschaftlichen Zustände offenbart habe. An den jungen Menschen ist es nun, weiter zu wandeln in den Gedankengängen ihrer großen Meister. Unseren Arbeitereltern aber sei auch in dieser Stelle nochmals warnend zugerufen: Hinein mit euren Kindern in die Arbeiterjugendbewegung. Bei den Eltern un⸗ serer Klassengenossen, denen es ernsthaft mit der Vorwärtsentwick⸗ lung unserer sozialistischen Bewegung ist, sollte es selbstverständliche Pflicht sein, ihre Kinder durch die sozialistische Erziehungsschule der Arbeiterjugend schreiten zu lassen. Wollt ihr eure Kinder dem Indiffe⸗ ventismus ausliefern, dann überliefert sie den öden Vereinen, wollt ihr, daß Haß und Brutalität in die Herzen und Köpfe eurer Kinder einziehen soll, dann laßt sie an den sogenanntenVaterländischen Verbänden teilnehmen. Wollt ihr aber, daß eure Kinder im Sinne der Menschheitsliebe erzogen werden sollen, dann hinein mi ihnen in die sozialistische Arbeitersugend Wetzlars. Am Donnerstag, den 29. März findet in unserem VersammlungsraumHauptwache, Buttermarkt, eine Osterzusammenkunft der Schulentlassenen statt. Kinder und Elteyn sind herzlichst eingeladen.

Kleine Nachrichten.

Frankfurt c. M., 20. März. Abgeeimte Hoch⸗ staplerin. Nelly Reusch, geb. 1899 in Diez a. L, versteht sich trotz ihrer Jugend gründlich auf die Männer und weiß sie nach allen Regeln der Kunst unglaublich zu rupfen. Sie reiste als Studentin Nelly von Falkenstein in Ostdeutschland umher und prellte hier einen Rittergutsbesitzer um ungezählte Tausende, viele Wertsachen und Kleider. Dann gastierte sie mit reichem Erfolge in Berlin. Vor einigen Tagen traf Nelly hier ein und nahm in einem der ersten Gasthäuser Wohnung. Leider wurde sie schon am nächsten Tage von der Kriminalpolizei entdeckt und verhaftet.

Frankfurt a. M., 22. März. Frankfurter Viehmarkt. Auftrieb: 36 Rinder, 726 Kälber, 303 Schafe, 344 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Kälber feinster Qualität Mk. 230260 000, mittlerer Qualität Mk. 180220 000, geringerer Qualität Mk.; Schafe Mk. 90 000200 000, Schweine unter 80 Kilo Mk. 220260 000, von 80100 Kilo Mark 270-290 000, über 100 Kilo Mk. 280300 000. Der Markt wurde bei sehr lebhaftem Geschäfte geräumt. Der Montagsmarkt vom 2. April wird auf Dienstag, den 3. April vormittags 8 Uhr verlegt.

Eine phantastische Geschichte.

Eine nach sehr starker Romantik riechen am Sonntag in Bad⸗Homburg zu. Im Stadtwalde wurde junger Marm an einen Baum gebunden vorgefunden. Er war nur mit Hose und Hemd bekleidet und trug keinerlei Barschaft mehr bei sich. Der junge Mann berichtete, daß er von zwei Per⸗ sonen, die ihn aus dem Ruhrgebiet nach hier gebracht hätten, aus⸗ geplündert sei. Bei diesen Personen handele es sich um Mitwisser an der Erschießung der beiden französischen Offiziere in Buer, vielleicht um die Täter selbst die jetzt auf dem Wege nach der Schweiz seien, um sich in Sicherheit zu bringen. Beide ö seien Franzosen. Man muß hinter diese Aussagen des fungen Mannes sehr starke Fragezeichen setzen. Die zuständigen Behö den sind eifrig bemüht. Licht in die vorläufig recht romantisch klingende Geschichte zu bringen.

Ein Mädchen durch einen Franzosen erschossen. Unvorsichtiges Hantieren mit dem Revolver. In Mainz ereignete sich am Sams⸗ tag ein erschütternder Vorfall. Das französtsche Echo de Rhin be⸗ richtet darüber:Der Soldat Cambresis, Bursche eines Adjutanten, stand wie viele andere beim Milchverkauf der Militär⸗Cooperative an. Vor ihm war das Kinderfräulein eines Adjutanten, Fräulein Schäffer, eine Deutsche von 34 Jahren. Cambresis suchte sich auf Französisch mit dem Mädchen zu unterhalten, das er vorher nie gesehen hatte. Als diese ihm auf Deutsch antwortete, wollte sich durch Gebärden verständigen. Cambresis nahm den Dienstrevolver aus der Tasche, den er für nicht geladen hielt, er berührte den Abzug und ein Schuß ging los. Inmitten des Schreckens, den der Knall hervorrief, hörte man einen Schrei. Fräu⸗ lein Schäffer wand sich auf dem Boden, tödlich in die Brust ge⸗ troffen und starb einige Minuten später, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Der unfreiwillige Urheber des Vorfalls, der ganz verzweifelt war, wurde alsbald als Gefangener der französischen Gendarmerie übergeben. Wozzu braucht ein Offi⸗ ziersbursche außer Dienst auch einen Revolver? Uebrigens entlädt sich ein Schuß nicht durch einfachesBerühren des Abzzugs der Waffe. Es bedarf dazu schon einiger Anstrengung.

Ein zweifacher Mörder. In Durlach bei Karlsruhe wurde in der Nacht zum Mittwoch von Schutzleuten die Leiche der etwa 27 Jahre alten Kriegerwitwe Hedwig Kurtz in einen Sack eingepackt in ihrer Wohnung in der Lammstraße aufgefunden. Als Mörder ist ihr Geliebter, der Fabrikarbeiter Wilhelm, verhaftet worden. Er hat die Tat bereits eingestanden. Auch soll er zugegeben haben. daß er an einem zweiten Morde zusammen mit einem andern be⸗ teiligt gewesen ist, der in Berlin-Wilmersdorf ausgeführt wurde. Nach seiner Aussage soll der andere Täter aber inzwischen gestor⸗ hen sein.

Traurige Folgen einesScherzes. Bei dem Gutsbesitzer Schrei⸗ ber in Bloditz bei Gröba(Sachsen) war im vergangenen Herbst der 17jährige Kleinknecht Thiele in Dienst, mit ihm zusammen die 35jährige Dienstmagd Klara Pinkert, die etwas geistesschwach ist und öfters gehänselt wurde. Solch einS.

Geschichte trug sich ein

Scherz, den Thiele an 4. November gegen das Mädchen ausgeübt hat, ist von den schlimm⸗ sten Folgen gewesen, die Pinkert ist auf beiden Augen erblin⸗ det, und Thiele stand jetzt vor der dritten Strafkammer des Leip⸗ ziger Landgerichts unter der Anklage der schweren Körperver⸗ letzung. An dem genannten Tage warf Thiele aus einem Faß, in dem sich Karbidschlamm befand, eine Handvoll von dem Schlamme gegen das Mädchen In der Universitätsklinik in Leipzig wurde festgestellt, daß die Augen ganz verätzt waren. Das linke Auge war nicht mehr zu retten und wurde am 5. Dezember herausgenommen. Die Eiterung hatte aber auch auf das xochte Auge übergegriffen, und auch auf diesem Auge ist das Sehvermögen geschwunden. Der Angeklagte Thiele versicherte, daß er der Pinkert nicht hahe weh tun wollen. Daß der Karbidschlamm so ätzend sein könne, habe er nicht gewußt. Unter Zubilligung mildernder Umstände lautete das Urteil gegen den Angeklagten Thiele auf eine Gesängnisstrafe von drei Monaten.

Haeusser und seine Anhänger vor Gericht Vor dem Land⸗ gericht in Oldenburg hat sich der Wanderedner undProphet

Haeusser, der sich alsneuer Christus undVolkskaiser be⸗ zeichnet, wegen Verbrechens gegen das Gesetz zum Schutze der Ne⸗ publik zu verantworten. Auch in einen Diebstablsprozeß ist Haeusser verwickelt. Mehrere seiner Anhänger wurden dieser Tage vom, Oldenburger Gericht bereits abgeurteilt. Kürzlich brachten wir einiges aus dem Lebenslauf dieses gerissenen Schwindlers.

Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung.

Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 19. März.

Das Butzbacher Werk der Meguin⸗A.⸗G. hat monat⸗ liche Lohnabrechnung mit vunden wöchentlichen Abschlags zahlungen auf die Tariflöhne. Tale des Lohnes, im besondeven die Akkord⸗ verdienste, bleiben wöchentlich bis zur Monatsabrechnung stehey. Der Betriebsrat beantragte die wöchentliche Abrechnung und Aus⸗ zahlung der Gesamtverd Die Betriebslettund erklörte de⸗ gegen sie sei mit allen statis Arbeiten auf wonertliche Ab- rechnung eingerichtet, uu besonmdeven Aberkae de beantragt

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