Ausgabe 
24.2.1923
 
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Für die innere Politik der Ve d. hat das materielle In⸗ e e ausschlaggebend und hestimmend zu sein. 1 beispielloser Schnelligleit um sich greifende

teresse der il lic auf die m Vere 0 0 des Proletariats, der Augestellten und Beamten ist von der? pertgte e zu fordern:: 155 I. Durchgreifende Maßnahmen gegen die Preisbiktatur der eee e und gegen den verbrecherischen Wucher des eie dels.

5 2 Veschleunigter Beginn einer aktiven Währungspolitik, in deren Mittelpunkt der Kampf gegen die zügellose Devisenspekula⸗ tion zu stehen hat..

J. Sofortige gesetzliche Vorbereitungen zur Erfassung der Sach⸗

f werte, die unerläßlich ist zu erfolgreicher Wiederaufnahme der Er⸗ flüllungspolitik und 5 Behebung des deutschen Finanzelends. Ausbau der Stellergesetzgehung in der Weise, daß die geordnete Eintreibung der Besitzsteuer gesichert ist.

0 4. Schliellste Hilse für die Arbeitslosen durch direkte Beein⸗

N 4 flussung der Arbeiterentlassungen, Aufnahme der produktiven Er⸗

. dwerbslosenfürfocge, Anpassung der Unterstsitzungssätze an die Coöhne.

*· 1 Die Partei hat 7 Forderungen gegenüber der Regierung

a no mit e und nlschsedeubeft zu vertreten. Gleichzeitig

. bhaben alle Funktionäre der Partei flir die Forderungen in dem

arbeitenden Volk eine inteusive Tätigkeit zu entfalten, damit den

e Vertretungen der Partei in den Massen der notwendige Rückhalt

gegeben wird. 5

U f 7

1 Gießen und Umgebung.

Vacterländische Streiktasse. 1Es gingen weiter bei uns ein: N N Hrch. Schmidt⸗Reiskirchen 1000 Mk., Paul Griebel 200 Mk., zu⸗

i 0 999 2 ö 7 Mk., bereits quittiert: 319 050 Mk., zusammen: * Den Gebern herzlichen Dank, Weitere Spenden werden gerne 0 1 ee ee Verlag der Oberhessischen Volkszeitung. 1 Das Bauernbündlerorgan begeistert sich für 1 ö Dummefjungenstreiche. Dias Sriedberger Vündlerblatt brachte dieser Tage eine

Mitteilung über einen Vorfall in Jena, der dem Blatte offenbar sehr viel Freude gemacht hat. Dabei handelt es sich i aber um nichts anders als um eine Kinderei, Bubenstreiche, . die das Blatt als Heldentaten hinstellt. In dem Artikel wird erzählt: 5

Hier(in Jena) waren im Hotel zum Bären einige Franzosen aufgenommen worden. Die hiesige Studentenschaft forderte den Wirt auf, die Franzosen aus dem Hause zu weisen. Als der Wirt der Aufforderung nicht entsprach, zogen die Studenten geschlossen vor das Hotel und erzwangen die Abreise der Franzosen. Zu Hun⸗ derten standen dabei die Studenten vor dem Hotel und zogen dann gemeinsam mit der Polizei und den Franzosen, die in Schutzhaft ge⸗ nommen worden waren, nach der Wache. Bei der Abfahrt wieder⸗ holten sich die Kundgebungen. Eine nach Tausenden zählende Menge hatte sich vor dem Polizeigebäude eingefunden, um den Franzosen dasGeleit nach dem Bahnhof zu geben. Ungeschickterweise hatte die Polizei für die Fronzosen einen Wagen bestellt. Die Menge ließ aber nicht zu, daß die Franzosen zum Bahnhof ge⸗ fahren wurden. Sie veranlaßten diese pfelmehr auszusteigen und ihr Gepäck selbst zu tragen. Die Studenten zogen geschlossen bis zum E und sangen nattonale Lieder und gaben so den Frauzosen in deutlicher Weise die deutsche Meinung kund. Am Bahnhof wur⸗ den die Franzosen gezwümgen, Fahrkarten 4. Klasse nach Wiesbaden

10 ssenem Zuge zum HotelSchwarzer Bär zursick. Hier wurde der Wirt gezwungen, vom Balkon des Gasthauses eine Erklärung abzugeben, daß er künftig in seinem Gasthofe nicht wieder feindliche Ausländer übernachten ließe. Auch hierauf folgten wieder nationale Kundgebungen.

Welche Heldenhaftigkeit! Was fürMut gehört für Hunderte senatischer Jünglünge dazu, ein paar wehrlose Leute zu drang⸗ salferen! Dabei kann man noch gar nicht wissen, ob die Franzosen nicht etwa Sympathie für Deutschland hegten, die ihnen bei dieser Gelegenheit gründlich ausgetrieben worden ist. Auf anderer Seite werden alle Anstrengungen gemacht, um ausländische Gäste in unsere deutschen Bade⸗ und Erholungsorte heranzuziehen! Solche alberne,

4 rohe Bübereien, die Deutschland nur empfindlich schädigen können, finden den Beifall des Friedberger Bündlerblattes! b 3

85 000 Mark für ein Zwanzigmarkstück. Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und Post erfolgt vom 19. ddieses Monats ab bis auf weiteres zum Preise von 85 000 Mark für ein Zwanzigmarkstück. 45000 Mark für gin Zehnmarkstück.

Für ausländische Goldmünzen werden entsprechende ge⸗

Preise

zahlt. Der Ankauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbank * 15 Post erfolgt vom 19 dieses Monas ab bis auf weiteres zum d 11500 fachen Betrage des Nennwertes. W. Lichtbilber⸗Vortrag. Der sozialdemokrotische Wahlver⸗ tern Gießen veranstaltet morgen, Sonntag abend 8 Uhr, einen Licht⸗ 75 bildervortrag über das ThemaVoll in Not. Die Parteifreunde g werden nochmals darauf ausmerksam gemacht und gebeten, für zahl⸗ reichen Besuch zu sorgen. 1 Auszahlung der Militärrenten für März durch das Postamt. 7 Die Militärrenten für März werden am 26. Februar in der Zeit amn von vorm, bis 1 Uhr nachm. und von 2 bis 7 Uhr nachm. ge⸗

zahlt. Außer den Monatsquittungen für März sind die amtlichen Bescheinigungen auf den besonderen Vordrucken vorzulegen. Die Be⸗ scheinigungen dürfen vor dem 26. von den Behörden nicht voll⸗ zogen sein.

0 Deffentliche Impfungen. Wie aus einer Bekanntmachung des ll Oberbürgermeisters im heutigen Blatte ersichtlich ist, wird am Mitt⸗

5 woch, den 28. Jebr. in der Turnhalle der Stadtmädchenschule ein 1 öffentlicher Impftermin abgeholten. Wir machen auf die Be⸗

kanntmachung aufmerksam.

* 14 Abhanden gekommene Postpakete. Wie wir hören ist die Zahl

0 der aus dem besetzten Gebfet nach dem übrigen Daeutschland ver⸗ sliendten und verloren gegangenen Pokete außerordentlich groß. Beim

1

1 1 Postemt Gießen fehlen allein 2500 Pakete, von denen nur die Adreß⸗ l* karten angekommen sind. Von den Franzosen sind, wie berichtet, . verschiedentlich Postzlige engehalten und die Postsachen beschlag⸗ 175 mahmt worden; möglich ist aber auch, daß ondere Elemente das all⸗ 1 gemeine Durcheinander zu Raubzigen auf Eisenbahnzsige benützen. Jedenfall⸗ ist empfehlenswert, vorläufig den Paketverkehr mit dem 1 besetzten Gebiet auf das Notwendigste zu beschränken.

1 Stadttheater Gießen. Morgen nachmittag kommt Schönherrs Weibsteufel zur Aufführung. Das Schauspiel wurde im vorigen Jahre im der gleichen Besetzung: Rose Ruhner, Teleky und Felgel egeben, es erzielte damals starken Eindruck, der auch jetzt nicht ausbletben wird. Flir den Abend fteht eine neue Operette Meine Frau das Fräulein auf dem Spielplan. 1 egen e des Pühnengolksbundes hat am kom⸗ stag, den 26. Februar, ihre zweite Vorstellung der Die Mitglieder seien auf das Juserat in unserer gabe gufmerksam gemacht, wonach nicht pünktlich ab⸗ n freihändig verkauft werben, 7 1 5 er Konzertverein veranstaltet morgen, Sonntag 79970 1 7 75 Aula der Universität sein 8. Konzert das Berliner Vokalterzelt auftreten wird, nicht unbekannt ist.

zu kaufen Nach der Abfahrt der Franzmänner ging es wieder in

Der Konsumverein Gießen und Umg, hatte am 18. Februar den Genossenschaftsrat zu einer Vollversammlung berusen. Alle Verteilungsstellen waren vertreten. Der Geschäftsführer Diener gab elnen eingehenden Bericht über die ersten 6 Monate des laufenden Geschäftsjahres. Daraus ist zu entnehmen, daß 5 neue Verteilungsstellen aufgemacht wurden sodaß der Verein jetzt 32 im Betrieb hat. Dem Verein schlossen sich in der Berichtszeit weitere 2524 Familsien an.

Vom 1. Jult 1922 bis 31. Dezember 1922 betrug der Um⸗ satz 20 485 660,93 Mk. In derselben Zeit des Vorjahres 11 605 088,85 Mk. Im Monat Januar 1023 wurden 205 044 404,10 Mark Umsatz erzlelt. Demnach beträgt der a in den ersten 7 Monaten des lauselbden Geschäftsjahres 475 530 6063,03 Mark. Nicht gleichem Schritt mit der Umsatzsteigerung hat die Auffüllung der Betriebsmittal gehalten. Manche günstige Glu kaufsmöglichkeit mußte wegen Mangel an flüssigen Mitteln unter⸗ bleiben. Hieraus erklärt sich. daß hin und wieder dieser oder jener wichtige Artikel sehlte und sogar die guten Mitglieder gezwungen waren. in Privatgeschäfte zu gehen und ihren Bedarf zu decken. Bei dieser Gelegenheft mußten sie aber stets die Wahrnehmung machen. daß die Privatgeschäfte das Fordern noch nicht verlernt haben. Soll dieser Uebelstand beseithgt werden, muß der Genossen⸗ schaftsrat weit mehr wie seither mikhelsen, die Anteile hereinzu⸗ bringen. Von den 12 290 Miigliedern, die der Verein zählt. sind bis zum 31. Januar 1923 13 000 000 Mk. eingezahlt. Am 1. Juli 1922 waren an Geschäftsanteil 1066 712 k. vorhanden. In den 7 Monaten wurden also eingezahlt 11033 288 Mk. Gewiß eine recht hübsche Summe, die aber bei weitem nicht mehr aus reicht, auch nur das Allernotwendiagste hereinnehmen zu können; zumal heute fast alle Waren im voraus bezahlt werden müssen.

Um dem Genofssenschaftsrat die Notwendigkclt ber weiteren Beschaffung von Betriebsmitteln nachzuweisen. machte der Referent folgende Rechnung auf: 5

Vor dem Kriege betrug der Geschäftsanteil 30 Mk. Für diese Summe konnten wir pro Mitglied auf Vorrgt kaufen resp. bereit⸗

halten: 3 Pfund Kaffee à 1,20 3,60 3 Pak. Zichorje à 0.09 0.27 3 Pfund Zucker à 0.27 0,81 J Pfund Malskafsee à 0,35 105 3 Pfund Butter à 1,40 4,20% 3 Pfund Vohnen 3 0,18 0,54 3 1185 Erbsen à 0,24 0,2 3 Pfund Linsen 4 0.26 0,78 J Pak. Streichhölzer à 0,09 0,27 3 Lab Brot à 0.52 136 3 Pfund Maraa cine à 0,80 2,40 3 Pfund Schmalz à 0,75 2.25 J Liter Salatäf à 1. 3. 3 Liter Rüböl à 0.90 2,70 3 Pfund Salz à 0.10 0,30 3 Pfund Mehl à 0.20 90,60% 3 n Kernseise à 0,34 1,02%¼ 3 Pak. Seifenvulver à 0,15 0,45% 3 Pfund Soda à 0.05 0,15% 1 Stück Seife 0,12% 1 Pfund Gemüsenudeln 0,40% 1 Pfund Suppennudeln 0,36/ 1 Pfund Reis 0,25 ¼ 1 Pfund Gries 0,24% 1 Pfund Graupen 015 1 1 Dose Schuhe reme 0,5 10 Stück Zigarren 0,50 ¼ 10 Stück Ezer 0,70%¼ 1 Pfund Marmelade 0,30 Liter Essia e Sa. 30,. 4

Für dieselben Mengen Waren, die einem Bedarf für ca. 4 Wochen entsprechen, müßton wir heute rund 179 255 Mk. haben. Die Ausführungen wurden mit großem Interesse ver⸗ folgt und verdichteten sich ur folgenden Anträgen:

S 2 25 2 2 8 2 1 5 2 2 2 te 5

außerordentlichen

empfehlen, den Geschläftsanteil von 2000 Mk. auf 10 000 Mk. zu

erhöhen. Jeden mat sind 2000 Mk. einzuzahle Anteil in längstens 4 Monaten bezahlt ist. Den glbedern, die dem Beschluß nicht nachkommen werden bei jedem Einkauf 5 Prozent in Aufrechnung gebracht, wofür sie Anteil⸗ marken erhalten. Nichtzahlungsfähige Mitglieder werden be⸗ sonders berücksichtigt.

intretende müssen bei der Aufnahme außer der

Ehnsch

Für Spareinlagen werden ab 1. März 1923 folgende Zinisvergütungen gewährt: Für tägliches Geld 6 Prozent, für halbjährliche Kündigung 8 Prozent, für jährliche Kündigung bis 50 000 Mk. 9 Prozent. für jährliche Kündigung über 50 000 Mk. 10 Prozent.

Der Genossenschaftsvat trat den Anträgen einstimmig bei.

Die Halbjahresbilanz wurde von dem Kassicrer Günderoth gingehend besprochen Nac den Ausführungen des Redners. be⸗ trugen am 31. Dezember die flüssigen Mittel 5 032 585 Mk. die Spareinlagen 4834 248 Mk., die Waren⸗ und Betriebsbestände

nach reichlichen Abschreibungen 58 246 219 Mk., die eigenen Mittel

10 675 641 Mk. Der Grunbbesitz steht' noch mit 202 540 Mk. zu Buch. Die hypothekarische Belastung des Grundbesitzes ist 109 200 Mk. Die Lieserantenschulden betrugen 24 919 045 Mk. An Rlüickveogütung waren bis zum 31. Dezember 1922 13 360 245 Mark bereitgestellt.

Die Diskussion, die sich an beide Vorträge anschloß, zeichnete sich durch große Sachlichkeit aus. Alle Diskussions redner erklärten, ihr Bestes dazu beitragen zu wollen, daß die Anträge von der General⸗ versammlung nicht nur angenommen, sondern die Mittel zur Er⸗ haltung und dem weiteren Aufbau der Genossenschaft sofort ein⸗ treiben zu helfen.

Die Generalversammlung ist auf Sonntag, 4. März, nachmittags Uhr festgesetzt, sie findet im Saale des Gewerk- schaftshauses statt.

n. Nieder⸗Bessingen. Die Haussammlung flür den Bau eines Kriegerdenkmals ergab 6 Zentner Weizen, 5 Zentner Gerste, acht Zentner Hafer und 47 000. Mark in bar. Der Gemeinderat wird sich nun in den nächsten Tagen erneut mit der Sache be⸗ fassen. 5

5 2 2 2 N 0 Aufruf an die Betriebsräte und Betriebsobleute! Die Generalversammlung am 11. Februar hat beschlossen:

1. Die Neuwahlen der Betriebsräte in der Woche 19. März bis 21. März vorzunehmen.

2. Alle Betriebsräte und Betriebsobmänner(ganz gleich, wie lange sie amtieren) legen bis spätestens den 19. März ihre Aemter nieder mit der Erklärung, ihre Funktionen bis 8 Tage nach er⸗ folgter Nemwpahl weiter zu versehen.

3. Der Betriebsrat hat dann sofort(spätestens 4 Wochen vor der Wahl, 8 23 B. N. G.) drei Wahlberechtigte als Wahlvorstand zu wählen.

4. Dieser stellt sofort eine Liste der Wahlberechtigten auf, ge⸗ trennt nach Arbeitern und Angestellten.

5. Der Wahlvorstand erläßt spätestens 20 Tage vor der Wahl das Wahlausschreiben.

6. Das Wahlausschreiben muß angeben:

a) wo und wann die Wählerliste ausliegt, 3 Tage lang, b) wieviel Mitglieder des Betriebsrates von den Arbeitern

und den Angesteslten und 1

e) wieviel Ergänzungs mitglieder für den Arbeiterrat und den

Angestelltenrat zu wählen sind,

d) bis wann die Vorschlagslisten einzureichen sind(spätestens

eine Woche nach Aushang), 0

e) wo die Wer e e dür Einsicht ausgelegt werden, ) wo vor der Wähl die Umschläge für die Stimmzettel in Empfang genommen werden können,

vom

g 25 und wann die Mähler Umschlag mit Stimmzettel abgeben nnen.

Wir empfehlen weiter, möglichst gemeinsame Wahl der Ar⸗ beiter⸗ und Angestellten-Vertreter vorzunehmen. Dies muß aber vorher in getrennter und geheimer Abstimmung der einzelnen Gruppen mit Zweidrittelmehrheit heschlossen werden.

Es sind nur gewerkschaftliche Listen mit Angehörigen des All⸗ gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Afa⸗Bundes auf⸗ zustellen. Angehörige anderer gewerkschaftlicher Richtungen sind nicht auf unsere Listen zu nehmen.

Wir er suchen die Gewerkschaftsgenossen, in den Betrieben keine politischen Listen nach Parteien aufzustellen und unter keinen Um⸗ ständen sosche zu unterstützen, damit Einheitlichkeit bei der Wahl gesichert ist.

Merkblätter über dasWahlrecht und Wahlverfahren den Betriebsräten, sowie Muster für Wahlausschreiben sind bei unserer Zentrale in Gießen, Krednerstraße 33, zu haben.

Die Kosten des Mahlperfghrens tragen nach dem 822 der

Wahlverordnung die Arbe stergeber. Auf zur Wahl! Alle Vorbereitungen dell Wahret die Geschlossenheit aller freigewerkschaftlichen Arbeiter und Angestellten! 5 Der Vollzugsrat. J. A: Moosdorf. Müller.

Kleine Nachrichten.

Liebevoller Ehegatte. Vor dem Hancuer Schwurgericht wurde Montag gegen den landwirtschaftlichen Arbeiter August He un aus Rengersfeld wegen Giftmorbversuchs, begangen an seiner Ghefrau, verhandelt. H. hatte seiner von ihm getrennt lebenden Frau zweimal eine Dosis Strychnin als Kopfwehpulver ver⸗ abreicht, in der Absicht, sie zu vergiften. Das Urteil lautete unter Ausschluß mildernder Umstände auf 4 Jahre Zuchthaus und 6 Jahre Ehrverlust.

15 Jahre Zuchthaus für ein Eisenbahnattentat. Vor dem Lüneburger Schwurgericht hatten sich gestern der 19jährige Hans Joschko, der 22jährige Kirschle und der gleichaltrige Thurau wegen des Eisenbahnattentats vom 18. November 1022 in der Nähe von Radbruch zu verantworten. Zwei der drei Angeklagten, die durch Lösung und Auseinanderbiegen von Eisenbahnschienen den D⸗Zug zum Entgleisen bringen wollten, erhielten 15 Jahre Zucht⸗ haus, der dritte Angeklagte 12 Jahre Zuchthaus.

Furchtbare Strafe für einen Dummejungenstreich. Die Arbeiter Eckstein und Göbler hatten das Bismarckdenkmal auf der Rudelsburg beschädigt. Für diese bedauerliche Ausschreitung wur⸗ den sie von der Strafkammer Naumburg zu Zuchthaus⸗ strafen bis zu drei Jahren verurteilt.

Bezirts verband S. P. D. Hessen⸗Nassau. Sitz Fraukfurt a. M., Allerbeiliaenstr. 57, 1., Tel. Sausa 8441

Frankfurt a. M., den 24. Februar 1923.

An die Mitglieder der Partei! Genossinnen und Genossen! Die immer noch anhaltende Teuerung hat auch den Bezirks vor⸗ stand veranlaßt, für den Monat März eine Neuregelung der Partei⸗ beiträge vorzunehmen. Uns selbst würde es angenehmer gewesen sein, wenn wir von dieser Maßnahme hätten Abstand nehmen kön⸗ nen, doch die Verteuerung aller für einen geregelten Organisations⸗ betrieb notwendigen Gebrauchsgegenstände, sowie die Erhöhung der Agitationsunkosten, Gehälter der Angestellten usw., machen es uns zur Pflicht, erneut die Beiträge der eingetretenen Teuerung ent⸗

sprechend anzupassen. Wir sind fest davon überzeugt, daß unsere

Mitglieder sich auch weiterhin für die notwendige Durchführung ein⸗ setzen, denn sonst sehen wir keine Möglichkeit, so wie bisher all das zu tun, was im Interesse des schaffenden Volkes politisch notwendig

ist.

So beträgt der Beitrag für den Monat März für Männer 150 Mk. und für Frauen 50 Mk. pro Woche. Das Eintrittsgeld beträgt die gleichen Beträge.

Mit diesen erhöhten Einnahmen sind wir trotzdem nicht in der Lage die notwendigen Ausgaben voll zu decken. Eine höhere Be⸗ messung erscheint aber im gegemwärtigen Augenblick nicht durchführ⸗ bar. Deshalb appellieren wir an die Mitglieder und besonders an die Vorstände der Ortsgruppen, durch freiwillige Sammlungen wei⸗ tere Gelder für die Bezirkskasse aufzubringen und auch von den in den Ortsgruppen vorhandenen lokalen Geldern freiwillig möglichst größere Beträge an die Bezirkskasse abzuliefern. Nur so fürn wir für den Monat März unsere Verpflüchtungen erfüllen. Unsere Genossen sollen bedenken daß die Gelder, die in den Ortsgruppen als sogenannteslokales Vermögen liegen bleiben, durch die ständige Entwertung des Geldes sich verringern und dadurch wertlos werden. Dagegen kann die Bezirkskasse unter Zuhilfenahme dieser lokalen Gelder ihre allgemeinen Verpflichtungen erfüllen. Mögen unsere Ortsvorstände den Ernst der Zeit auch auf diesem Gebiete er⸗ kennen und einmal über das Interesse der einzelnen Orsgruppen hinwegsehen und das gesamte Interesse der Partei dabei im Auge behalten. Im übrigen bitten wir die Ortsvorstände, sofort zur Bei⸗

tragsregelung Stellung zu nehmen und alles aufzubieten, damit keine

Mitglieder der Partei wegen dieser, durchaus bescheidenen Beitrags⸗ anpassung, verloren gehen. Die Treue zur Parteiorganisation wie zur Parteizeitung in dieser schweren Zeit aufrecht zu erhalten, das ist das höchste Gebot jedes überzeugten und vorwärtsdenkenden So⸗ zialisten und Gewerkschaftlers.

Darum Genossinnen und Genossen in Stadt und Land, tut alles. was im Interesse der Partei liegt. Bleibt bie Partef stark und ein⸗ flußreich, dann ist auch für die Zukunft Gewähr geboten, daß wir, wie bisher, rückhaltlos Eure Interessen im Reich, in Staat und We⸗

meinde vertreten können. Hoch dir Solidarität!

Hoch die Geschlossenheit! Der Bezirksvorstand, i. A.: Paul Röhl e.

Mit Parteigruß! Sport

Betreff: Protestausgang in der Sache Schiedsrichterbeleidigung durch (hungen bei dem Spiel Hungen 1 gegen Lollar I. Urteil gefällt am 11. Febr. 1923 in der Sitzung des geschäftsführen⸗ den Ausschusses in Gießen.

Es liegt nicht in meiner Absicht, dem geschäftsführenden Aus⸗ schuß in irgend einer Weise nahe zu treten, ich möchte nur einige Worte zu obiger Angelegenheit äußern.

Ich will ja als Zeuge(habe die Sache zufällig aus der Nähe beobachtet) durchaus nicht in Abrede stellen, daß sich der in Frage kommende Spieler anders ausdrücken oder den Ausbruch der Em⸗ pörung ganz für sich behalten konnte, aber eine solche Strafe, wie die vom Ausschuß verhängte, ist nach meiner Ueberzeugung zu hart. Von einer Disqualifikation konnte überhaupt abgesehen werden, zu⸗ mal bei einem Spieler eines jungen Vereins wie der Sporf⸗Club Frei Heil Hungen. Daß sogar der Name desVerurteilten ver⸗ öffentlicht wind, ist ungerecht. Der Verein wird dadurch mit seinen Spielern in ein ungünstiges Licht gestellt; die Einigkeit wird dadurch wahrlich nicht gefördert.

Ich selbst, ein alter Beobachter und Förderer der Arbeiter⸗Sport⸗ bewegung, möchte dem zu Gericht sitzenden Ausschuß noch empfehlen, solche Verfehlungen nicht allzu kragisch zu nehmen. Die Spieler da⸗ gegen sollen sich bei Spielen vor Augen halten, wer, und wo sie sind, und sich, wenn es nicht nach Wunsch geht, nicht zu Grobheiten hin⸗ reißen lassen, oder gar dem SchiedsrichterFremwörter an den Kopf werfen. H. S.

Brieffasten.

H. M.⸗Langgöns. Die neuen Sätze der Erwerbslosen⸗Für⸗ sorge sind aus der heutigen Nummer ersichtlich. 1 Der Dollarstand ist unverändert. Stand gestern mitkag

Dr: A 280023 000 Mk.