Ausgabe 
23.3.1923
 
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.Die Roggenfte Makaftz zue des Grundbesitzes, sie ist der erste Schritt

soztalistischen Staat; sie muß einen verderblichen Einfluß auf Pee ceandgecbertellung ausüben. Sie verhindert die Bewegung des Bodens zum besten Wirt; sie verschärft die sprunghafte Preis⸗ entwllung; sie stellt den Beginn der Rückkehr zur Natuxalwirtschaft dar Sie 0 100 an un 1 0 laß, Aceh 2 15 währung noch mehr entwerten; sie möglicherweise ein Hemmnis iu der natürlichen Entwicklung ee hae ric tung der Land⸗ wirtschaft. 0 5e Roggenstener wird in ihrer Veranlagung ungeheure Kosten verursachen. Vor Tische, als es sich um die Roggenpacht handelte, las man es anders. Jufolge der stetig steigenden Preise für die landwirt⸗ schaftlichen Produkte sollte der Pächter auch heute noch in der Lage sein, eine Goldpacht wie vor dem Kriege heraus⸗ uwirtschaften. Jetzt, wo man die Gefahr der Roggensteuer sie t, heißt es: daß diese zum sicheren Ruin der Landwirtschaft führt und eine verheerungsvolle Verschuldung verursachen wünde. Eins steht hiernach fest: Entweder lügt der Deutsche Landwirtschaftsrat, wenn er sagt, daß er keine Roggensteuer bezahlen kann oder die Grundbesißer muten Pächtern absichtlich Leistungen zu, welche sie selber nicht tragen können. Mit anderen Worten:Steuerdrücke⸗ bergerei im großen oder absichtliche Ausbeutung der Pächter. ö Hier sieht man das wahre Gesicht des deutschen Grundbesitzes in seiner ganzen Erbärmlichkeit. Die Arbeiter, Beamten und Pächter haben durch die Geldentwertung ihre gesanten Ersparnisse und Notgroschen verloren. Landwirtschaftliche Kleinbetriebe sind heute nicht einmal in der Lage, den Verlust einer Milchkuh zu er⸗ setzen. Nur der Grundbesitz sitzt auf seinen Goldwerten und verlangt, daß die Pächter ihm sein arbeitsloses Einkommen in Gold oder Roggen bezahlen. Es fragt sich nur, wie lange eine Re⸗ gie welche von den breiten Volksmassen getragen wird, taten⸗

los diefem Treiben zusehen wird.

Deutscher Reichstag.

5 Berlin, 21. März. Der Reichstag beendete am Mittwoch die

Beratung des Haushalts für das Reichspostministerium.

Der demokratische Abg. Delius beschäftigte sich hauptsäch⸗ lich mit Beamtenfragen und bezeichnete die Auffassung als falsch, daß nur einzelne Gruppen der Postbeamtenschaft von dem Abbau betroffen würden. Der Abbau erstrecke sich auf alle Gruppen und sei angesichts der ungünstigen Verhältuisse im Postbetriebe not⸗ wendig. Reichs postminister Stingl erklärte im Laufe der De⸗ batte u. a., daß die Reichspost beabsichtige, nach dem amerikani⸗ schen und englischen Vorbild Funkentelefonie mit Rundsprechern einzuführen. Die Besitzer von Empfangsapparxaten könnten auf diese Weise wissenschaftliche und Vergnligungs⸗Darbietungen durch die Funkentelefonie genießen; man wolle aber verhindern, daß die Einrichtung sich zu einer Spielerei auswachse und dadurch den ernsten Funkenverkehr hindere. Auf eine kommunistische Anfrage, wie es mit dem Streikrecht der Beamten stehe, gab der Minister keine Antwort.

Unser Genosse Seppel polemisierte gegen den deutsch⸗ nationalen Abg. Bruhn, der sich beschwert hatte, weil ein Teil der höheren Beamten zwangsweise in den Ruhestand versetzt worden sei. Ein Unrecht, so erklärte unser Redner, könne man darin nicht erblicken, denn die zwangspensionierten Beamten erhielten ihr volles Gehalt. Die Beamtenfreundlichkeit der bürgerlichen Par⸗ teien erstrecke sich viel mehr auf die oberen Beamten als auf die mittleren und für die unteren scheinen ste überhaupt kein Interesse zu haben. Seppel beantragte, daß einige Entschließungen, die sich allein auf das Wohl der Oberbeamten und mittleren Beamten be⸗ zogen, noch einmal an den Sparausschuß verwiesen würden, damit W 5 Unterbeamten zur Wahrnehmung ihrer Interessen ge⸗

angten.

Der Reichspostetat wurde bewilligt, einige Entschließungen an⸗ genommen, darunter das Verlangen, in den besetzten Gebieten mehr Postautos in den Dienst zu stellen und die Tarife für diefe Postautos so zu gestalten, daß sie auch von Minderbemittelten be⸗ nutzt werden können. Einige Entschließungen wurden dem Aus⸗ schuß Überwiesen, damit die von ihnen aufgeworfenen Fragen bis

zur britten Etatsberatung geklärt werden können.

Gießen und Umgebung. Patriotisuns der Hansbesitzer⸗Organisation.

In der Mieterversammlung am Sonntag abend wurden einige Proben vonvaterländischer Gesinnung gegeben, wie sie in der Deutschen Hausbesitzer⸗Zeitung zu lesen waren. Da wird in Nr. 5 des genannten Blattes von einer Tagung des preußischen Landesverbandes in Berlin berichtet. In der Eröffnungsrede gedachte der Vorsitzende des Landes- verbandes, Justizrat Dr. Baumert, der überfallenen Ruhr⸗ bevölkerung und man legte das Gelöbnis ab, daß der preußische Hausbesitzfest und opferwillig hinter die Bedrängten treten werde. Sehen wir zu, wie die Opfer- willigkeit aussieht. Es wurde eineEntschließung be⸗

clossen, in der es unker anderem heißte

Wir Haus besitzer wollen N

Wir sagen Dank der Bevölkerung des besetzten Gebietes für den einmütigen Alderstand sagen Dank der Regierung für ihr entschiedenes Vorgeben. Wir Hausbesitzer wollen, was in amseren Kräften steht dazu beitragen, daß der Widerstand gegen die Franzosen ein einmütiger und dauernder bleibt. 6

Da die Franzosen in raher rücksichtsloser Weise selbst Graise und kranke Frauen ihrer Wohnungen berauben, fordern wir den organistierten Hausbesitz auf, den Franzosen und Belgiern die Wohnungen zu kündigen und keine mehr als Mieter aufzunehmen.

Wir erwarten von unseren Freunden und Landsleuten im besetzten Gebiete, daß sie treu ausharren in ihrem Widerstand, es möge kommen, was da wolle! 5 5

Also das ist das Opfer, das die Hausbesitzer bringen wollen, daß sie Franzosen und Belgier nicht als Mieter auf⸗ nehmen! Welch' eine Heldentat und bewundernswertes Opfer! Namentlich in den Zeiten der Wohnungsnot, wo für jede frei werdende Wohnung zehn und noch mehr Mieter zu haben sind. Jawohl, fürs Vaterland sind die Herren unbedingt, aber kosten darfs nichts!

Der Gießener Frühjahrs⸗ Pferdemarkt fand am Mittwoch bei herrlichstem Frühlingswetter statt. Es ist erklärlich, daß bei den jetzigen Verhältnissen der Austrieb nicht besonders stark war, im ganzen waren es etwa 150 Tiere. Darunter befanden sich recht stattliche Exemplare, doch auch Rösser, denen man die Not der Zeit auf den ersten Blick ansah. Eine Prämtierung wurde wegen der damit verbundenen Kosten nicht vorgenommen, ebenso war von einer Verlosung Abstand genommen worden.

Konsumverein Gießen. Am Samstag und kommenden Mon⸗ tag finden Mitgliederversammlungen für die einzelnen Bezirke Gießens statt. Lokale und Stunde ist aus der Anzeige im heutigen Blatte ersichtlich.

Stadtheater Gießen. Aus dem Theater⸗Bureau wird mit⸗ gteilt: Die Ssterzeit findet ihren Ausdruck in der Wahl ernster Stücke. AußerDon Juan und Jau st, der am Sonntag und Dienstag gegeben wird, werden an ernsten Darbietungen am kom⸗ menden Montag, den 26., Georg Engels SchauspielUeber den Wassern und am Mittwoch, den 28., GoethesIphi⸗ genie gegeben. Das erstere Stück war am Schluß der letzten Spielzeit herausgekommen und konnte nicht mehr voll ausgenützt werden, trotzdem es mit den Damen Rubner und Marcks und den Herren Juhnke, Volck und Bechstein unter Teleky⸗ Regie einen großen Erfolg erzielt hatte. In derIphigenie werden neben Frau Franke, die die Titelrolle spielt, die Herren Lambertin, Frommann, Schubert und Teleky mit⸗ . Zu beiden Aufflührungen haben Gutscheine Gül⸗ tigkeit.

Was alles gestohlen wird. Aus einem Neubau der Frank⸗ furter Straße wurde ein Kreissägenblatt von 50 Centi⸗ meter Durchmesser im Werte von 500 000 Mark entwendet.

Diebstähle. Aus einer Parterrewohnung wurde ein hell⸗ grün⸗melierter und ein dunkelschwarzer Ueberzieher und ein Ueberhandtuch, rot gestickt und P. W. gezeichnet, sowie 2 weiße Handtlicher entwendet. Sachdienliche Mitteilung nimmt die Kri⸗ minal⸗Abteilung entgegen, welche vor Ankauf hiermit warnt.

Leihgestern. Die neuen Mietzuschläge wurden hier wie folgt festgesetzt: 1. Für Zinssteigerung 26 Prozent. 2. flür Betriebskosten und zwar a) Hausverwaltung 14 Prozent, b) für Straßenreinigung 40 Prozent. 3. Für laufende Instandfetzungen 2320 Prozent, also insgesamt 2400 Prozent. Soweit der Mieter die inneren Instandsetzungsarbeiten in den von ihm allein innegehab⸗ ten Räumen übernimmt, kommen in Wegfall 1900 Prozent. Brandversicherungsbeiträge und Wohnungsbauabgabe werden pro⸗ zentual nach den bewohnten Räumen in Anrechnung gebracht.

Inheiden. Wegen Verkaufs von faulen Eiern hatte sich kürzlich der hiesige Einwohner W. vor der Gießener Strafkammer zu verantworten. In dem Gerichtsbericht von der betr. Sitzung war davon die Rede, daß zirka 200 Stück schlechte Eier von dem Angeklagten verkauft worden wären. Das ist nach Mitteilung des W. nicht zutreffend, es habe sich nur um 80 bis 90 Stlick gehandelt und er(W.) habe keine Kenntnis davon gehabt, daß die Eier ver⸗ dorben waren.

Alten⸗Buseck. Nächsten Sonntag findet ein Vortrag über Entwicklung der Menschheit von Prof, Hüter⸗Gießen in der alten Schule, nachmittgos Uhr statt, worauf auch an dieser Stelle hingewiesen sei. Befonders ist zahlreicher Besuch der reiferen Jugend erwünscht. für die das zu behandelnde Thema viel Interessantes bietet.

Langsdorf. Ein Viehmarkt sindet hier am Montag, den 26. März stabt. Es darf Vieh aus dem Kreise Gießen aufge⸗ trioben werden, dessen Herkunft durch Ursprungszeugnisse nachzu⸗ weisen ist. Durch Händler eingeführtes Vieh muß machgewiesener⸗ maßen die vorgeschriebene Quarantäne durchgemacht haben.

Kleine Nachrichten.

Eine Menge Gnadengesuche wurden in Sachsen vom 1. Jan. 1921 bis Ende Juli 1922 erledigt. Nicht weniger wie 77 000 waren in dieser Zeit eingelaufen. wovon 19 900 genehmigt wurden. Ein Weertel aller Gesuche har also Erfolg gehabt.

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Operetten⸗Abende im Gießener Stadttheater.

AufMeine Frau das Fräulein unscligen Angedenkens hat uns die Leitung des Stodttheaters durch drei besonders gute Operetten⸗ Abende erfreut.

In der bereits gewürdigten Millöcker'schen OperetteGas pa⸗ rone, die gar manche Schönheiten der Musik aufweist und aufs beste von unseren Kräften unter Karl Knübels verständnisvoller Lei⸗ tung gegeben wurde, konnten wir in der Donnerstag⸗Aufflihrung der letzten Woche eine der ersten deutschen Operettensoubretten bewundern, die jetzt in Frankfurt einst im Hause eines Hans Pfitzner zu Straßburg im Elsaß ein Liebling des Publikums gewesen ist. Hiesige Elsässer haben es sich denn auch nicht nehmen lassen, den Gast durch eine Blumenspende zu ehren, und auch wir grüßen Alma Saccur und rufen ihr auf Wiedersehen zu!

Am Sonndbag abend wurde leider vor ebenso leerem Hause Schwarzwaldmädel wiederholt: unter Rudolf Golls Spielleitung eine abgerundete künstlerische Wiedergabe. Statt der leider erkrankten Lu Wander sehen wir Cläre Türk als Soubrette und bedauerten, daß ihr Können nach dieser Seite hin nicht schon öfter ausgenutzt worden ist. Die Mitwirkenden boten durchweg gute Lei⸗ stungen; ein besonderes Lob Wolf⸗Leuthelser, der einen köstlichen, unübertrefflichenSchmußheim auf die Bilhne stellte.

Und am Montag, den 19. März, ging als Festvorstellung zugun⸗ sten der KünstlerDie Dollarprinzessin über die Bretter.

Ein froh⸗festlich gestimmtes, ausverkauftes Haus ehrte die Kllust⸗ ler birrch seinen Besuch, seinen Beifall, seine Blumenspenden und den mit Rücksicht auf den guten Zweck freudig gegebenen Eintritlsbeitrag. Ueber den musikalischen Wert der lange vor dem Kriege geschasfenen Operette erübrigt sich ein Urteil: die zum Teil entzllckenden Melo⸗ dien sind bei jung und alt bekannt und beliebt, und die teils senti⸗ mentale, tells ausgelassene Handlung ist just geeignet, frohe Stim⸗ mung zu erzeugen, ohne au lieren. Für die t 1 Goll, für dle musikalische Leitung Karl Knübel verantwortlich, die vorkommenden Tänze arrangierte die Ballettmeisterin Lina Ol⸗ dint mit Schmiß und künstlerischem Verständnis. Leo Falls tadel⸗ los etierte Muste hat auch diesmal wieder ihre Wirkung nicht

Der Berichte rstatter ist in der Lage, die hiesige Aufflihrung mit denzenigen deuischer Großblühnen und Einstudierungen des Kom⸗

an die Dummheit oder an niedere Gedanken ausgezeichnete Spielleitung zeichnete Rudolf

ponisten selbst zu vergleichen. Unsere Künstler halten dieser Gegen⸗ überstellung bestens stand.

Selbstverständlich legen wir hierbei einen relativen Maßstab an. Denn daß die Opercttendiva eines besonderen Operettentheaters ab⸗ solut besser singt, ist gewiß. Unsere gosanglichen Kräfte aber boten einwandfrei gutes und diejenigen Künstler denen eine Opernstimme fehlte, behalfen sich auf das geschickteste mit gut wirkendem Sprech⸗ gesang.

Der Spielleiter Rudolf Goll war zugleich als Dollarkönig be⸗ schäftigt. Seine Auffassung und Durchführung dieser Partie machte feiner vielseitigen Künstlorschaft alle Ehre. IAlse Wissendorff als Dollarprinzessin glänzte ebenso durch lebhaftes Spiel wie durch ihre klare und angenehme Stimme ihre prächtigen Toiletten nicht zu vergessen. Lu Wander, die der Theaterzettel als Trägerin der netten Rolle derDaisy nannte, wirude durch Cläre Türk ver⸗ treten. Wie immer Lebendigkeit, Lieb reiz, Ausgeglichenheit des Spiels und der Erscheinung, ein Kompliment für den Gefang! Kurt Richter als Partner der Dollarprinzessin spielte und sang lobenswert und wirkungsvoll, Richavd Hellborn alsbraver EhemannDaisys bot eine gesanglich und schauspielerisch gleichfalls gut durchgearbeitete Leistung. Heinz Bechstein als des Dollarkönigs Bruder und Mart. Jacob alsDick brachten nach einer ein wenig schleppenden Ein⸗ leitung und kleinen EntgleifungenLehen in die Bude, woran als Hauptperson des köstlichon Trios Luise Schubert⸗Füngling alsOlga Sabinska, Chansonette im Löwenkäfig allerdings den Löwenanteil beanspruchen darf. Ihre Uebertreibungen wirkten nie⸗ mals unnatürlich im Rahmen der Operette oder gar störend. Das gleiche kann von Luise Rammel alsfrommer, aber etwas Whiski liebendenWirtschafterin gesagt werden, deren seelen- und abgrund⸗ tiefes Juchzen Lachsalven und Freudentränen hervorzauberte. Karl Holl alsKammerdiener, auch Herbert Kemlein alsChauf⸗ feur paßten sich trefflich ein.

Nicht vergessen sei der Chor Arminius; Dank auich den Größen, die als Statisten mitwirkten, um blihnengerechtes Leben erstehen zu lassen.

Unser verdienstvoller Kapellmeister, sowie Kurt Richter und Richard Hellborn wurden durch Lorbeerkränze ausgezeichnet und die übrigen Blumenspenden für die beiden letztgenannten und die an⸗ deren Künstler waren von einer Schönheit und Fülle, wie wir ste noch kaum fahen. Dafür war es aber auch eme festlsche Weitvorstellung zugunsten unserex verehrten Künstler. W

schaft, n der Herr v.

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Aus schreitungen bei einer Arbeitslosenkundgebung. In Stettin zog nach einer Arbeitslosenversammlung ein Demonstrantentrupp nach der nahen Privatwohnung des Oberbürgermeisters. Einig Teilnehmer drangen in die Wohnung eln und zertrümmerten die Fensterscheiben und die Möbel. Ein anderer Trupp zog nach der Sbadt und stürmee das Cafe Monopol. Tische und Stühle wurden zerschlagen und den Gästen die Garderobe gestohlen. Die Menge zog darauf weiter nach dem Rathaus. Bei dem Versuch, in das Rathaus einzudringen wurde sie von dex Polizei zerstreut. In Stettin herrscht durch die ungenügende Beschästigung der dort aus⸗ schlaggebenden Werften seit Monaten große Arbeitslosigkeit, so 725 Verzweiflungsausbrüche der Arbeitslosen nicht unerwartet ommen.

Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Kundgebung der Tabakarbeiter von Gießen.

Am Sonntag, den 18. März waren die Vertreter von ca. 5000 Tabalfurbeitern und Arbeiterinnen aus dem Gau Gießen versam⸗ melt, um zu der gagenwärtigen Lage in der Tabakindustrie Stellung zu nehmen. Reichstagsabgeordneter Genosse Beckmann war ebenfalls zu dieser Versammlung eingeladen und auch erschienen. Gauleiter Kollege Kiel referierte über die gegenwärtige Lage in der Tabak⸗ industrie sowle über den 8 91 des Tabaksteuergesetzes, hob zunächst hervor, daß, wie im ganzen Deutschen Reich, so auch im Gau Gießen bie Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten ganz gewaltig zugenommen habe. Besonders katastcophal sind die Auswirkungen im Monat März. Es ist damit zu rechnen, daß in diesem Monat über 3000 arbeitslose Tabakarbeiter und Arbeiterinnen zu verzeichnen sind. Hervorgerufen ist die Arbeitslosigkeit infolge der starken Be⸗ lastung des Tabaks und der Tabakfabrikate durch Zölle und Steuern; das Reich habe deshalb auch die Pflicht, den 8 91 des Tabak⸗Steuer⸗Gesetzes auf ein Jahr zu verlängern und darüber hin⸗ aus allen denen, welche bereits 1 Jahr lang die Unterstützung be⸗ zogen haben, dieselbe noch auf ein weiteres Jahr auszuzahlen. Koll. Kiel gab ferner noch bekannt, daß er im Hess. Landtag einen diesbezüglichen Antrag eingebracht habe und die Mitteilung erhalten hat, daß dieser Antrag von der Heff. Regierung befürwortend an die Reichsregierung westergegeben ist.

Reichstagsabg. Beckmann brachte in seinen Ausführungen zun Ausdruck, daß er die Forderumgen der Tabakarbeiter im Reichstag voll und ganz unterstützen werde.

Folgende Entschließung wurde einstimmig angenommen:

Gießen, den 18. März 1923. An den Hohen Reichstag Berlin.

Die Vertreter von zirka 5000 Tabakarbeitern und Arbeite⸗ rinnen aus 60 Orten des Bezirkes Gießen, haben heute in einer Ver⸗ sammlung zu der äußerst verzweifelten Lage in der Tabakindustrie Stellung genommen.

Es herrscht velle Einmütigkeit darüber, daß in Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit, welche hervorgerufen ist durch die starke Be⸗ lastung des Tabaks und der Tabakfabrikate durch Zölle und Steuern, das Reich die Pflicht hat, für die Arbeitslosen zu sorgen.

Die organisierten Tabakarbeiter des Bezirkes Gießen 1 des⸗ an den Hohen Reichstag das dringende Erfuchen, den 1 des

⸗St.⸗Ges. vom 12. Sept. 1920 dahingehend zu ändern, daß vom Inkrafttreten des Gesetzes innerhalb der nächsten 4 Jahre Unter⸗ stützungsanträge eingereicht werden können und die Unterstützungs⸗ dauer auf 2 Faßpe festgesetzt wird. 4

Die Versammelten halten diese Aenderung für ein dringendes Gebot der Stunde und zwar deshalb, weil die Arbeitslosigkeit im hiesigen Bezirk besonders in den letzten Monaten in erschreckendem Maße zugenommen hat.

Nach einwandfreier Feststellung der Gaulettung Gießen des Deutschen Tabakarbeiter⸗Verbandes waren im Monat Februar 1923 völlig arbeitslos: 15 männliche, 110 weibliche: verkürzt arbeiteten von 1624 Stumden 140 männliche, 3595 weibliche; über 24 Stun⸗ den 17 männliche und 150 weibliche.

In Monat März sind zirka 30090 völlig arbeitslose Tabakarbeiter und Arbeiterinnen zu verzeichnen.

Die Zigarrenindustrie ist vorwiegend auf dem Land ansässig. andere Industrien sind nicht vorhanden, sodaß für die Arbeitslosen keine Möglichkeit besteht, anderwärts unterzukommen.

Es besteht auch keine Möglichkeit, daß die meisten in der Tabak⸗ industrie Beschäftigten ihren Wohnort verlassen können da es sich in der Mehrzahl um Frauen und Kiegerswitwen handelt, denen man nicht zumuten kann, ihre Familie zu verlassen. Auch sind eine große Anzahl Kricasbeschädigte und schwächliche Personen in der Zigarren⸗ industrie beschäftigt, die andere Arbeiten und noch dazu auswärts, nicht aufnehmen können.

Mber auch selbst diejenigen, für welche vorerwähnte Grfünde nicht zittreffen sollten, können in Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen Oage in anderen Berufen trotz vielfacher Bemühung keine Beschäf⸗ tigung finden. 5

Solange beine Arbeitsmöglichkeit vorhanden ist, müssen die Tabak⸗ arbefter und ⸗Arbeiterinnen auch weiter vom Reich unterstützt wer⸗ den, denn sie sind in erster Linje die Opfer der zweifachen Belastung des Tabaks und der Tabakfabrikate durch Zölle und Steuern.

Die gesamten organisierten Tabakarbeiter und Arbeiterinnen von Gießen umd Umgegend bitten deshalb eindringlichst, daß shre Wiinsche in bezug auf Abänderung des§ 91 erfüllt werden, da am 1. Awril 1923 feine Unterstützungsanträge für neue Arbeitslosigkeit gestellt werden können umd weil ein Teil der Tabakarbeiter bereits ein Fahr Unterstützung bezogen hat und trotz vielfacher Bemühungen keine andere Arbeit aus oben erwähnten Gründen bekommen konnten.

Bomerken möchte wir noch, daß sich der A. D. G. B., Ortsaus⸗ sckurß Gießen in einer Sitzung mit der Arbeitslosigkeit in der Tabak⸗ industvie beschäftig hat und eine im ähnlichen Sinne, wie obige Ent⸗ schließumg lautende, an das Reichsfinanzministerium und den Aulge⸗ meinem Deutschen Gewerkschafsbund Berlin abgesandt hat.

Sport

Wetzlar I. Dautphe I. 1:9.(0: 5). Wetzlar II. Dauiphe(Jugend) 2:6(1: J).

Die beiden Mannschaften trafen sich am Sonntag, den 11. 3. in D. Näherer Bericht fehlt mir leider.

Gießen J. Allendorf I. 2:1(2: 1).

Die Mannschaften traten am vergangenen Sonntag in G. zum Austrag eines Gesellschaftsspieles zusammen. Mit dem Bericht stehn es leider so wie oben.

Gr.⸗Linden II. Wetzlar J. 1:6(8: 1).

Am Sonntag trafen sich die beiden Mannschaften in G. Wetz⸗ lar trat mit 4 Mann aus der 2. Mannschaft, G. komplett an. Gegen die Wetzlarer Elf konnte G. nicht viel ausrichten, aber dennoch leistete jeder Spieler was er konnte. Ganz hervorragend spielte die G. Verteidigung, in welcher Degen glänzte, sowie der Tormann. welche auch eine höhere Niederlage verhinderten. G. 1 1 ward von W. Verteidigung zerstört. Verschiedene Durchbrüche schafsen schwere Situationen vor beiden Toren, werden aber geklärt. W. fann stärker drücken und kann in der 23. Minute den 1. und 5 Minuten später durch Selbsttor den 2. Erfolg erzielen. Dann wird eine Ege fir W. aut abgewehrt. Nun kommt. G. aut durch

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