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Oberhessisch
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e Volfzzeitung
ö O 22 9 2 N 42 i be: Drgan für die Interessen des werktätigen Volkes auen = der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. 1 Fernsprecher 2008. 5 5 4 4 75 Die Oberb. Volkszeitung erscheint jeden Werktag born 2 5 5 85 5„ 8— 5 6 e Rade neee den dee oe e ger eee wenn e 2 e e e eee 1 0 1 3— 5 egog. 5500.— k. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 0.— lr Drucke Beile fen dach Abendblatt Gem. b. b. Offenbach u. we. der Naga bee ee ee Ahe abe 1 5 0 Gießen, Freitag, den 22. Juni 1923 18. Jahrgang 5 4 nic 1 0 de,. f f„ 9 4 8. 91 „ Wertbeständige Löhne. 5 5 N , een e ain Währungsverfall und Arbeitseinkommen g 8 dais e agen Veubscen Gewer- 1 ö 9 1 e sich in einer Si 1 a 50 2. 0 2 5 e Sichern der dönne gegen dalulesbar und Keen Die Reichsregierung und der Sturz der Mark.— Verhandlungen. e b. beschäftigt und beschlossen, di 8* 1 meinsamer Verhandlungen 5 Schritte 57 genere der Gewerkschaften. N b 9 lichen Spitzenverbände zu machen. Aber ni ie frei 5 ämtliche Spitz isati der Gewerkschaften zu⸗ 4 e Lewerkschesten beschäftigten sch mit dieser Jrage, auh Gegen den Währungsverfall. sanmenkeeken, un den Perseg dr Wee 5 Vereinigung der leitenden Angestellten hat dieser Tage sich Besprechungen mit den Bankherren. einheitlichen Vorschlages zu machen. Der Afabund hat 3
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damit beschäftigt und hierzu Leitsatze ausgearbeitet, die dem⸗
mm niächst in einer Denkschrift der Reichsregierung u e 2 ö en Körperschaften übergeben 1 5 sollen 15 25 marti de Diiese Leitsätze enthalten folgende Gesichtspunkte:
nen Ein, 1 1. Das Prinzip der Geldwertanpassung für Arbeitsein⸗ ö— 4 ö ö tommen muß zugleich mit einem geeigneten Anpassungs⸗ Ace, maßstab reichsgesetzlich festgelegt werden. ö
de dt ö„2. Für die Anpassung des Arbeitseinkommens an die aße ale Geldentwertung müssen die Teuerungsverhältnisse des Ver⸗ ent uchsmonats und nicht wie bisher die des Arbeitsmonats Verbande berücksichtigt werden.
une. 5 3. Als Maßstab für die Wertangleichung des Arbeits⸗ 1 ö einkommens ist die Großhandels⸗Ziffer zu nehmen.
90 1 1. Die bisher bei Lohnverhandlungen als maßgebend be⸗ e Pie handelten Lebenshaltungsziffern werden hier als Maßstab en mi mit Recht abgelehnt. Es könnte noch hingehen, wenn die A Teuerungsverhältnisse wenigstens des Arbeitsmonats Be⸗ 92 krücksichtigung gefunden hätten, aber nicht einmal das ist der tenrönh Fall. Die Gewerkschaften haben jetzt beim Arbeitsmini⸗ de un sterium dagegen Protest eingelegt, daß das statistische Reichs⸗ t Flien amt ausgerechnet bei den Lebenshaltungsziffern, die sich als N Grundlage für die Lohnverhandlungen fast völlig durchgesetzt e Nea] haben, Material herausbringt, das schon bei seinem ber il Erscheinen völlig veraltet ist. Nach wie vor be⸗ regen gnügt sich das Reichsamt damit, Monatsdurchschnitte
zu veröffentlichen, wahrend die Teuerung nicht nur von Woche zu Woche, sondern von einem Tag zum andern an⸗ schwillt, und Lohnabkommen auf eine bis höchstens drei
enwwiten]! Wochen abgeschlossen werden. Daß diese Praxis nicht auf erlich] technische“ Schwierigkeiten zurückzuführen ist, geht schon
daraus hervor, daß das Reichsamt die Großhandelsziffern alle zehn Tage durch WTB. verbreiten läßt. ö
Die vom Gewerkschaftsbund beantragten Besprechungen haben am Dienstag im Reichsarbeitsministerium begonnen, womit die Verhandlungen um die Einführung wertbestän⸗ diger Löhne nunmehr eingeleitet sind. i Mit den Vertretern der freien Gewerkschaften waren
usw. erschienen. Die Aussprache ergab, daß alle Gewerk schaftsvertreter in dem Ziele der Sicherheit des Arbeitsein⸗ kommens gegen die Geldentwertung einig waren. Nur über den einzuschlagenden Weg und der Ermittlung des Wertmessers gehen die Meinungen noch auseinander.
Wir haben an dieser Stelle schon gestern die Frage des verlbeständigen Lohnes eingehender behandelt. Dennoch ist es notwendig, auch die Stellung des Gewerkschaftsbundes n dieser Frage bekannt zu geben, weshalb wir nachstehend, einen uns übersandten Artikel des Bundesvorstandes in
12 5 8 5 e d. e ung haben Geldentwer * it de⸗ eitern der terung N r. 1 85 1. bei uns solche Riesenschritte gemacht. 5 5 isherige Lohnpolitik der Gewerkschaften damit nicht mehr Schri halten kann. Eine Aenderung dieser Lohnpolitik ist notwendig, wenn die Arbeiterschaft vor völliger Verelendung bewahrt bleiben soll. Es fehlt nicht an Vorschlägen zu einer neuen Lohnnolitik. Die einen bordern Goldlöhne, die anderen gleitende Löhne, 155 17 0 iche Minimallöhne, wieder andere die Einführung der 1 1 vllarrechnung oder eines anderen festen Wertmaßzes für die:
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erechnung. Allen diefen Vorschlägen ist gemein 5 5 85 Schwankungen der Mark nach einem wertbeständigen Lohn, der 10 9 Autel fit. Daß diefe
1* und ber Preise bis zu einem gewissen G F ae e ge e a ehen e t, liegt außer jedem Zweifel. E 5 d n e . i eoretiker, 5 55 enthungen ee ech zu stabilisieren, ebene zun e inteilt sein werden wie die Versuche der Marsstebi ee 1 10 die icht die Reparation auf ein erträgliches Maß beg eee Luce Wirtschaft tragfähig gemacht it Ignen unden haben, ihre Indufrse und Handel in Deutschland den Weg 0 ld⸗ oder Dollar⸗ künfte zu stabilisieren, durch Uebergang urg lie ober Roggen⸗ nung, durch Vereinbarungen von een liegt ein von der ng und dergl. Allen diesen aun ehen Endes sich 3 mnabhennigen nh cel, iese Rechnung wirkt 175 e ee ea deere lellten sehen sich 1 07 e e 5 Prozenten i N auch sie 0 Zustand, 6. ae wee G. and bee 5 1125 —— Lopnenpfünger nach Papier 25gefunden wis,
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auch die der christlichen und Hirsch⸗Duncker'schen Richtung
Die angesagten Besprechungen zwischen der Reichs⸗ regierung und den Parteiführern über die geplanten Maß⸗ nahmen gegen den Währungsverfall haben gestern nicht stattgefunden, vielmehr sind die Parteiführer für Donners⸗ tag nachmittag 4 Uhr zum Reichskanzler gebeten, der ihnen nähere Aufschlüsse über die bisherigen Ergebnisse der Be⸗ ratungen mit den Vertretern der Banken, der Industrie und des Handels geben will. ö
Zu den Besprechungen der Bankleiter mit dem Reichs⸗ kanzler wurde übereinstimmend festgestellt, daß die Mark augenblicklich„unter das wirtschaftlich und politisch be⸗ rechtigde Maß herabgedrückt sei“. Der Reichswirtschafts⸗ minister Dr. Becker hat gestern im Reichstag einen größeren Kreis von Wirtschaftlern und Sachverständigen über Einzel⸗ heiten der geplanten Regierungsmaßnahmen unterrichtet. Die Schritte der Reichsregierung sollen danach nicht allein einen weiteren Sturz der Mark verhindern, sondern darüber hinaus überhaupt eine Besserung unserer Währung herbei⸗ führen. Von den Führern der Berliner Großbanken ist der Reicksregierung für ihre Absicht die praklische Mitarbeit und finanzielle Hilfe der Bankwelt zugesichert worden. Dazu will man jetzt sogar einen Weg finden, auf dem„in irgend einer Form eine gewisse Zentralisierung des Devisenver⸗ kehrs“ herbeigeführt werden könne. Die Formen der end⸗ gültigen Durchführung aller Einzelheiten der Stützungs⸗
aktion sollen in weiteren Beratungen gefunden werden.
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Lohnzahlung und Währungsfrage.
Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund setzte am Mittwoch die Beratungen mit der Regierung über die Ein⸗ führung der wertbeständigen Löhne fort. Am Freitag wer⸗
bereits einen Vorschlag unter Beteiligung von Sachver⸗ 1 ständigen fertiggestellt, der am Donnerstag die Billigung 5 des Bundesausschusses finden dürfte.
Auch die Beratungen über eine neue Stützungsaktion der Mark werden fortgesetzt. Die Forderungen der Sozial⸗ demokratie zur Hemmung des Marktsturzes an die Re- gierung haben ihren Eindruck nicht verfehtt. Schon hat sich das Kabinett veranlaßt gesehen, die Erhöhung eines Not⸗ zuschlages auf die Ausfuhrabgabe und eine Kürzung d Freilisten anzukündigen. Im wesentlichen handelt es sic bei den übrigen Beratungen darum, ob und wie es möglich ist, eine Einschränkung des Devisenverkehrs vorzunehmen. Die Neuauflage einer Dollaranleihe ist vorläufig nicht beab⸗ sichtigt. Die speziellen Beratungen über diesen Punkt haben den Zweck, Versäumtes nachzuholen. Bekanntlich ver⸗ pflichteten sich die Banken vor der Auflegung der Dollar⸗ anleihe, 50 Millionen Goldmark zu garantieren, die jedoch bisher nur zu einem ganz geringen Teile eingezahlt sind. Die Regierung versucht deshalb jetzt, den restlichen Betrag von 45 Millionen Goldmark sofort zu erhalten. 7
Die Telunion meldet weiter hierüber: Die Erörterung des Problems der wertbeständigen Löhne, das bekanntlich in gewerk⸗ schaftlichen Kreisen eine große olle spielt, ist von dem Problem der allgemeinen Teuerung abgetrennt und zum Gegenstand besonderer Beratungen gemacht worden. Die Spitzenverbände haben in einer mehrstündigen Sitzung mit dem Reichsarbeitsminister Dr. Brauns über dieses Problem verhandelt. Der Minister legte den Vertretern der Organisationen bereits vorläufige Richtlinien für die Lösung dieses Problems vor, die, wie derzeit von einer unterrichteten Seite mitgeteilt wird, im wesentlichen den gewerkschaftlichen Auffassungen in dieser Frage entsprechen. In maßgebenden Kreisen scheint man jedenfalls entschlossen zu sein, noch im Laufe dieser oder der folgen⸗ den Woche eine endgültige Lösung in dieser Frage zu schaffen. Was die Frage des zu findenden Wertmessers anbelangt, so scheint man von dem Plane der Goldlöhne abgekommen zu seein und dafür eine Angleichung der Löhne in loser, nicht schematischer Form an die Entwicklung des Reichsindex für Lebenshaltungskosten anzustreben.
ist unerträglich geworden und kann nicht länger mehr auf Kosten der Arbeitnehmer aufrechterhalten werden. Die Arbeiterschaft kann nicht warten, bis die Regierungen sich auf ein erträgliches Repa⸗ rationsprogramm geeinigt haben, und verhungern, während die be⸗ sitzenden Klassen inzwischen ihre Substanz durch Goldrechnung wie⸗ der herstellen. Auch die Arbeitskraft muß in ihrer Substanz erhalten werden, und damit die unentbehrlichste Grundlage unserer Wirt⸗ schaft vor dem Verfall. Denn was hilfe das beste Reparations⸗ programm, wenn es nicht durch die Erträge der Arbeit realistert werden könnte?
so muß auch sie zur Goldrechnung übergehen. Das wird die Wirt⸗ schaft zwingen, den Lohn gleich den vom Weltmarkt abhängigen Roh⸗ stoffen einzukalkulieren. Da in den meisten Industrien die Lohn⸗ quote gegenüber der Friedenszeit stark zurückgegangen ist und oft 4 bis 5 v. H. der Selbsterzeugungskosten kaum überschreitet, so wird die Wettbewerbskraft dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt. Wo diese ernstlich berührt wird, da wird ihr nichts anderes übrig bleiben, als durch technische und organisatorische Verbesserungen der Betriebe die Wirtschaftlichkeit zu steigern und rückständige Betriebe auszuschalten. Auf sie kann und darf nicht länger Rücksicht genommen werden. Die Zeiten einer Kartellpolitik, die ihre Preise auf die Erhaltung der unrentabelsten Betriebe einstellt, sind vorbei, sobald sich in Deutschland das Lohnniveau dem Weltmarktstand annähert.
Die Goldrechnung heißt natürlich noch nicht der volle Goldlohn, sondern ein Lohn, der den Schwankungen der Papiermark bis zu einem gewissen Grod entzogen ist. Er kann in der gegenwärtigen Wirtschaftslage Deutschlands nicht so hoch sein wie der Friedenslohn in Gold, denn auf ihm ruhen die Lasten des verlorenen Krieges und der Reparation. Aber er muß einen gewissen Lebenshaltungsstandard gegenüber den Teuerungsschwankungen gewährleisten. Ob man das nach dem Maßstab des Goldes oder Dollars oder irgendeines vom Weltmarktpreis abhängigen Rohstosfes ausdrückt bleibt sich im Wesen gleich und kommt schließlich doch auf die Dollarbasis heraus. Etwas anderes ist es für die gewerkschaftliche Taktik, ob man diesen Lohn als gesetzlichen Minimallohn oder als Gleitlohn fordert oder ob man für die Lohnberechnung den Goldmaßstab vereinbart oder ob man die Berechnung auf gewisse Inderzahlen stützt, in denen die Goldrechnung mehr oder minder zum Ausdruck kommt. Die gewerk⸗ schaftliche Lohnpolitik muß nicht bloß darauf Rücksicht nehmen, ob ihre Forderungen mit gewerkschaftlichen Mitteln und Kräften er⸗ reichbar sind, sondern sie darf auch keine Forderungen stellen, bei denen sich die Gewerkschaften selbst ausschalten würden, was unfehl⸗ bar bet dem Streben nach gesetzlichen Mindestlöhnen der Fall wäre. Hätte der Staat die Kraft, den Lohn gesetzlich für alle Arbeitnehmer
zu bestimmen, so würden die letzteren auf die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organfsation verzichten können, und die Lohn⸗ regelung würde in das Gebiet der politischen Probleme einmünden,
Will die Arbeiterschaft ihr Lohneinkommen wertbeständig machen,
sehr zum Schaden der Arbeitnehmer. Aber der Staat hat ebenso⸗ wenig die Kraft der gesetzlichen Lohmregelung, wie er die Preise dauernd regeln oder auch nur die Mark stabilisteren konnte. Es wäre also eine Illusion, auf einen gesetzlichen Mindestlohn seine Hoffnung zu setzen. Desto notwendiger bleibt nach wie vor die For⸗ derung nach wertbeständigen Löhnen, die mit gewerkschaftlichen Mitteln zu erreichen und zu erhalten find..
So der Vorstand des Gewerkschaftsbundes. Daß keine Zeit zu verlieren ist, eine Regelung zu treffen und worum es geht, das sagt recht deutlich der dem Zentrum angehörende frühere Reichsminister Giesberts in der Germania, dem wir nur hinzuzufügen haben, daß diese Worte vor allem auch die Zentrumsleute beherzigen sollten g
„Bei aller Disziplin der politischen öffentlichen Meinung in Deutschland gegenüber unserer außenpolitischen Lage ist es notwendig, darauf hinzuweisen, welche Zustände sich im Innern vorbereiten, verursacht durch den katastrophalen Marksturz und die damit verbundene, ungeheure Teuerungs⸗ welle. Im Laufe dieser Woche werden sich alle Preise nach dem Dollarkurs von 80 000(schon veraltet!) orientieren. Die noch nicht vollständig zum Abschluß gelangten Verhandlungen über Lohn⸗ und Gehaltsregulierungen mit den Behörden, dem Arbeitgeberverband, sind damit schon überholt. Wir stehen vor einer direkten Hungerkatastrophe. Regierung und Parlament und das muß mit ganz besonderer Bedeutung ge⸗ sagt werden, die gesamten Finanz- und Wirtschaftskreise Deutschlands haben nicht nur das allergrößte eigene Interesse daran, sondern auch die nationale Pflicht, alles aufzubieten, um Deutschland vor einer Katastrophe zu bewahren. Der Hunger ist ein scharfes Schwert und die breiten erregten, von radikalen Elementen verhetzten Volksmassen fragen im gegebenen Moment nicht, ob dies oder jenes geht, sondern sie schreiten zur Selbsthilfe.— Es wäre ungerecht, einen solchen Appell allein an die Regierung zu richten, sondern er muß auch noch mit viel größerem Ernst an die Führer unserer Wirtschafts- und Finanzkreise gerichtet werden. Die vor⸗ sorglich aufgefüllten Devisenpolster, aus denen sich so gut wirtschaften läßt, nützt auch diesen Kreisen nichts, wenn die Volkswut über sie hinweggeht. Auch bei ihnen geht es dane um Hals und Kragen.“
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