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5 weite ven Rohkohle en Braunkohlenbribetts. 50 Tonnen Naßpreßsteine. Außer⸗
Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Volksstaates Hessen weist für den Monat
nuar 1923 elne Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden 1 00 175 Tonnen. verkauft wurden davon 20 878 Tonnen: größte Tell der Rohkoble wurde weiter verarbeitet oder war Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 3600
dem wurden in Hessen erzeugt 1033 Tonnen Steinpreßkohlen. Untere Berücksichtigung der aus dem Vormonat übernommenen Bestände, sowse des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzsähla: 13 333 Tonnen Rohkohlen, 895 Tonnen Naßpreßsteine zusammen 14228 Tonnen Braunkohlen und Braun kohlenprodukte im Gesamtwerte von 340 193 190 Mark. 8
Gieszen und Umgebung. um Deine Sache handelt es sich!
Die Kommunisten arbeiten wieder mit Hochdruck, um
Zwiespalt und Verwirrung in zie Gewerkschaften hinein.
zutragen. Eine willkommene Gelegenheit dazu bietet ihnen der Beschluß der Reichsarbeitsgemeinschaft, die Arbeiter- schaft aufzufordern, für ihre im Abwehrkampf gegen den französischen Militarismus und Imperfalismus stehenden Arbeitsbrüder im Ruhrgebiet einen Stundenlohn zu opfern. Man kann verschiedener Meinung darüber sein, ob es von den gewerkschaftlichen Spitzenverbänden richtig war, mit den Unternehmern gemeinsam die Sammlung für die Ruhr- hilfe zu organisieren. Auch wäre es noch zu verstehen, wenn einzelne Gewerkschaften diese gemeinsame Sammlung ablehnten und selbst die Sammlung in die Hand nehmen. Soweit aber darf es nicht kommen, daß die Arbeiterschaft
sicch von den Kommunisten vorschwatzen läßt, daß die Ab—
führung eines Stundenlohnes für die kämpfenden Ruhr⸗ arbeiter zur Stärkung des Militarismus und Kapitalismus dient.
Bei einigem Nachdenken muß sich doch jeder aufge⸗ klärte Arbeiter sagen, daß es glatter Schwindel ist, wenn die Kommunisten behaupten, durch die finanzielle Unterstützung der von der französischen Gewaltherrschaft bedrohten Ruhr⸗ zarbeiter werde der Militarismus und Kapitalismus gestärkt. Den kommunistischen Gewerkschaftszerstörern kommt es eben auf etwas ganz anderes an, das zu erkennen jedem Einsichtigen nicht schwer ist.
9 Gelingt es der französischen Regierung, das Ruhrgebiet für ihre Kapitalisten zu erobern, und das ist ihr offenbares
ö
Ziel,
sozialpolitischen Fortschritt der Welt, 4 arbeiter selbst für die Befreiung von Gegnern des Acht⸗
sozialpolitische Errungenschaft bleiben soll.
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burch seine wechselnden Lichtgestalten auch der interessanteste. var deshalb in den Anfängen der Zeitrechnung aller Völker der Riegler des Kalenders und ist es teilweise bis heute geblieben. Be⸗ J anntlich wiederholen sich die Lichtgestalten oder Phasen des Mondes
in einem Zeltraum von 29 Tagen, 12 Stunden und 44 Minuten;
dann ist der deutschen Wirtschaft das Rückgrat ge— brochen, dann ist es aber auch mit der deutschen Sozialpolitik
zu Ende. 5
Sehr richtig hat der Genosse Knoll in einem in der Parteipresse veröffentlichten Artikel ausgesprochen,„daß an der Ruhr heute die Entscheidungsschlacht um den u m den Achtstundentag geschlagen wird. Daran ändert auch nichts die Tatsache, daß sich die streikenden Berg⸗
stundentages einsetzen. An der Ruhr fällt die Entscheidung,
ab der Achtstundentag nur eine Episode in der sozialpoliti—
schen Entwicklung der Welt gewesen ist, oder eine dauernde Die Kanonen und Tanks, die die Franzosen und Belgier dort aufgefahren
haben, und die jeden Augenblick losgehen können, richen sich
nicht nur gegen die Leiber deutscher Arbeiter, Angestellten
und Beamten, sie sollen vielmehr den sozialen Gedanken tot—
schlagen, domit der internationale Kapitalismus auf Jahr- zehnte hinaus Ruhe bekommt vor der ihre Rechte heischenden Arbeiterklasse. Der Ausgang des Kampfes an der Ruhr ist also nicht nur für die deutsche Arbeiterschaft, sondern für die Arbeiterklasse der ganzen Welt von der allergrößten Be— deutung. Hier gilt das Wort:„Tua res agitur!“(Um deine Sache handelt es sich!)
Um die Sache der Arbeiterschaft also handelt es sich, penn von den Gewerkschaften zur Unterstützung der kämpfenden Klassengenossen im Ruhrgebiet aufgefordert vird. Wer da versagt, ist mitschuldig, wenn die Ruhrarbeiter aus Mangel an den notwendigsten Existenzmitteln in ihrem Kampfe für das Volksganze unterliegen sollten. Stets hat
der gewerkschaftlich organisierte Arbeiter gezeigt, daß er,
ungeachtet der eigenen Notlage, die Arbeitsbrüder nicht ver⸗ gißt, die noch größere Entbehrungen tragen müssen. Was die kämpfenden Ruhrarbeiter in diesen kritischen Tagen ver⸗ langen können und verlangen müssen, das ist die Soli⸗ darität der gesamten deutschen Arbeiter⸗ kla sse.
Steigende Not der Kriegsopfer und fortwährende Rentenminderung.
Vor wenigen Tagen ging wieder einmal ein Artikel über Er⸗ höhung der Militärrenten und der Teuerungszuschüsse für nicht, ech nur noch ganz geringfügig, im Erwerbsleben stehende Kriegs⸗ beschädigte und Hinterbliebene durch die hiesigen Tageszeitungen, in welchem mit großen Prozentzahlen und nicht unansehnlichen Be⸗ trägen als Teuerungszuschüsse operiert wurde, wodurch in der breiten Oeffentlichkeit der Glaube verbreitet wird, es würde für die armen Opfer des Krieges ausreichend gesorgt. Derartige Ar⸗ tikel und wenn sie auch noch so oft wiederholt werden und auch gar nuanchen— mit Bezug auf die Kriegsopferversorgung— Sand in die Augen zu streuen geeignet sind— können doch die Tatsache nicht aus der Welt leugnen, und auch kein Mäntelchen darllber decken, daß die armen Kriegt opfer infolge der himmelschreiend dürf⸗ tigen und so völlig ungerechten unzureichenden Versorgung in immer größere Not und größeres Clend verfinken.
Um aber der hiesigen Oeffentlichkeit— dem erwähnten Artikel gegenüber— einmal einen klaren Blick in die wirklichen trostlosen Verhältnisse der Kriegsopfer⸗Versorgung zu gewähren, sei hier nur ein einziges Beispiel angeführt, dem viele, viele anbere hinzugefügt werden könnten. 1
In dem in Rede stehenden Artikel wird mitgeteilt, daß die Teuerungszulage nach 8 87 des Reichsversorgungsgesetzes ab 1. 1. 1923 auf 440 Prozent erhöht worden ist.— 440 Prozent— welch ansehnliche Zahl! Wie ärmlich, wie gering aber ist ihre Wirkung bei den winzigen Grundrentenbeträgen, zu welchen ste in Bezug steht und bei der erschreckenden Dürftigkeit, in welcher sich der weitaus größte Teil aller Kriegsopfer in der jetzigen über⸗ teuerten Zeit befindet. Nach dieser Erhöhung der Teuerungs zulage erhält jetzt ein 70 Prozent erwerbsbeschränkter Schwerkriegsbe⸗ chädigter in einer Großstadt mit Frau und Kind, welcher, um mit einer Familie nicht buchstäblich zu verhungern, unter Aufopferung seiner letzten Arbeitsfähigkeit durch eigene Arbeit noch einen kleinen Betrag— vielleicht soviel, daß er damit täglich einen Laib Brot kaufen kann— verdient, sage und schreibe für den ganzen Monat eine Rente von nicht ganz— 24 Friedenspfennige— pro Tag also noch nicht einen einzigen ganzen Friedenspfennig. Das bedeutet gegenüber der sehr ärmlichen Rente schaftsversorgungsgesetz von 1006, nach welchem im gleich ge⸗ lagerten Falle, durchschnittlich 75 Mark monatlich gezahlt wurde, eine Verschlechterung um ein mehr als das 300fache. egenüber den Verhältnissen des Jahres 1921 und dem Reichsversorgungs⸗ gesetz von 1921 ist die Verschlechterung der heutigen Versorgung noch eine erheblich größere.
Diese 24 Friedenspfennige für den Monat stellen einen Pa⸗ piergeldbetrag von etwa 1790 Mark dar, ein Betrag mit welchem heute nicht mehr als ein halber Zentner Brennstoff(Kohle) bezahlt werden kann— noch nicht einmal kann damit der gering gehaltene Zeitungsbezugspreis bezahlt werden. Woher aber kommt für die, welche dem Volke und Vaterlande so große Opfer bringen mußten, nun Nahrung, Kleidung, Licht und alles übrige zum Leben dring⸗ lich Notwendige?
Gledch trostlos, vielfach noch trauriger liegen die Verhältnisse bei 60 Prozent, 50 Prozent und 40 Prozent erwerbsbeschränkten Schwerkriegsbeschädigten und bei den Kriegshinterbliebenen zum großen Tefl.
Zu den verhältnismäßig ansehnlichen Beträgen der Teuerungs⸗ zuschissse, welche mehr in Form von Almosen durch die Kriegsfür⸗ sorgeämter an einen ganz kleinen Teil der Kriegsopfer gezahlt werden, sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, daß hiervon mehr denn 80 Prozent aller e einschließlich Schwer⸗ kriegsbeschädigter ausgeschlossen sind. Nur die allerunglücklichsten dem Zugrundegehen nahen erhalten diese Zulage, welche für diese auch nur einen einzigen Tropfen auf einen heißen Stein bedeutet.
Wenn unter solch geradezu jämmerlichen Verhältnissen durch Artikel, wie sie diese Zeilen verursacht haben, von Rentenerhöhun⸗ gen und Teuerungszulagen an die Kriegsopfer meist noch in Fett⸗ druck Aufsehens gemacht wird, so mutet das die armen Kriegs⸗ opfer in ihrem Elend an wie Verhöhnung und sie lesen es mit Verbitterung und Beschämung
Wir Kriegsopfer kennen sehr wohl die allgemeine Not des größten Teils der deutschen Bevölkerung und des Reiches selbst, aber wir sehen auch noch sehr viel Luxus und Verschwendung und dürften uns wohl ausbitten, daß man zu großem Undank nicht noch Verhöhnung hinzufügt. g
Die neuen Portosätze
die vom 1. März 1923 an innerhalb Deutschland gelten, folgende:
sind
für Postkarten im Orts verkehr, 20 Mk. für Postkarten im Fernverkehr 40 Mk. für Briefe im Ortsverkehr
bis 20 Gr. 0 Mk.
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Aus der Welt des Mondes.
Von allen Himmelskörpern ist uns der Mond der nächste und Er
Hährend dieser Zeit bewegt sich der Mond einmal um die Erde und pwendet uns dabei immer dieselbe Seite zu. Steht er bei seinem Umlauf zwischen der Erde und der Sonne, so ist seine dunkle Halbkugel uns zugewendet, und wir haben Neumond. 2 oder 3 Tage darauf können wir in der hellen Abenddämmerung einen eil der erleuchteten Kugel sehen, der die Form elner feinen chmalen Sichel hat. Um diese Zeit und einige Tage später ist auch er übrige Teil der Mondschelbe sichtbar; er erscheint ig einem schwachen aschgrauen Lichte. Dieses ist reslettyrtes Erdlicht, das ie Erde auf den Mond sendel und berschlindet flir unser Auge flach dem ersten Viertel. 7 oder 8 Tage nach Neumond haben wir ((Istes Viertel, und wir sehen dann bie Hälfte der uns zugekehrten Monblalblugel. Am Ende der zweiten Woche steht ber Mund der Sonne gerabe gegenüber, und wir aberschauen im Vollmond die benz, Scheibe des Mondes. Nach Ablauf der dritten Woche er⸗ chen uns das letzte Viertel, worauf eine weitere Abnahme der Nele uchtung bis zum Neumond erfolgt. Man sieht leicht ein, daß lie zunehmende Mondsichel, gelche sich links von der Sonne be⸗ findet, nur in den Abendstunden die abnehmende Monbsichel welche sh rechts von der Sonne befinbet, nur ja den Morgenstunden schtlar sein kann. Bekanntlich ist die Regel, daß die Sichelbe⸗ renzung des zunehmenden Mondes den Anfang eines Z in deut⸗ her Schrift, des abnehmenden Mondes den Anfang eines A in deutscher Schrift darstellt. Auf Gemälden kann man öfters eine große Unkenntnis dieser einfachen Dinge finden, indem der zu⸗ gehmende Mond an den östlichen Himmel, der abnehmende oder r Vollmond gar an den westlichen Himmel gesetzt ist. Ferner digen sich auch Abolldungen, auf denen zwischen den beiden Hör⸗ ern der Monbsichel Sterne erscheinen, als ob dort ein leerer aum vorhanden wäre.
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Die Wissenschaft hat nach pewiesen, daß die Entfernung des Mondes e im Mittel 384750 Kilometer beträgt, eine trecke, die ein moderner Eisenbahuzug in 6 Monaten ungefähr rlicklegen könnte, Ein Arkillerkegeschoß würde den Mond in 10 agen tressen.
Bis jetzt ist es uns nicht möglich, durch ein Verkehrsmittel auf die Oberfläche unseres treuen Begleiters zu gelangen; so müssen wir uns begnügen, ihn aus der Vogelperspektive mit dem Fernrohr zu betrachten. Wir können dies auch recht genau, weil das wunderbare Instrument die Entfernung überwindet und uns den Mond in eine solche Nähe bringt, daß wir das Relief seiner Oberfläche studieren und kartographisch aufnehmen können. Aller⸗ dings müssen die Gegenstände eine gewisse Ausdehnung haben und zwar mindestens 100 Meter, um mit den mächtigsten Instrumenten der Neuzeit gesehen werden zu können. Da erkennen wir denn, daß die Flecke, aus denen die Phantasie ein menschliches Gesicht gemacht hat. große Ebenen sind, von gewaltigen Gebirgen um rahant. Diese haben einen ganz merkwürdigen Charakter; auf unserer Erdkugel findet sich fast nichts, das mit den abnoumen Gebirgs- formationen des Mondes verglichen werden könnte. Nur ein einiges Miniaturbildchen kennen wir, eine Mondlandschaft im Kleinen. Dies ist der Pik von Teneriffa nebst Umgebung. Die Gestalt dieses erloschenen Kraters von 13 Km Durchmesser, sowie ringsum die Menge kleiner erstarrter Schlünde und blasenartiger Auftreibungen des Bodens die kammartsgen oder wellensörmigen Dämme, die den Hauptkrater bogenförmig umgeben, lassen uns die Wunder ahnen, die wir dort im Monde sich entfalten sehen. Bei den Mondgebirgen herrscht die Kreisform: gewaltige Wallebenen, Ringgebirge und eine Anzahl von kleinen Kratern zeigen sich dem erstaunten Auge. Ausgebxannte Vulkane, großen und kleinen Kabibers bedecken in unentwirrbarem Durcheinander die ganze Mondfläche; nichts kommt dieser Zerrissenheit, dieser Zerklüftung, dieser Schroffheit der zwischen jähen Abstürzen und tiefen Rissen und Klüften wechselnden Mondlaydschafften gleich, auch die Ebenen sind von kleineren blasenartigen Unebenheiten nicht frei.
Organisches Leben üst auf der Mondoberfläche im jetzigen Stadium nach irdischen Begriffen sicher unmöglich. Der Grund ist das gänzliche Fehlen von Luft und Wasser. Dieser beiden Quellen irdischen Lebens ist der Mond zur Zeit beraubt, Neuer⸗ diuigs wollen einige Forscher geringe Spuren von Luft und Wasser nachgewiesen haben, welche niedrigen Organismen ein klümmer⸗
liches Dasein ermöglichen. Dies ist wohl denkbar, könnte aber den Charakter der Mondlandschaften um nichts ändern. Der Mond ist eine tote Welt. eine grauenhafte Elöde, deren Schrecken beine menschliche Phantastie der Wirklichkeit entsprechend sich vor⸗ stellen kann. In meinem demnächst stattfinden Vortrag werde ich das oben Gesagte durch Lichtbilder von Mondlandschaften erläutern
umd bitte, ausgiebig die Gelegenheit zum Stellen von Fragen zu benutzen. Prof. Koob.
nach dem Mann⸗
fiber 20 bis 100 Gr. 60 Mk.
über 100 bis 250 Gr. 100 Mk. 25 liber 250 bis 500 Gr. 120 Mk. für Briefe im Fernverkehr
bis 20 Gr. 100 Mk.
über 20 bis 100 Gr. 120 Mk.
über 100 bis 250 Gr. 150 Mk.
liber 250 bis 500 Gr. 180 Mk.
(Für nicht⸗ oder unzureichend freigemachte Postkarten und
Briefe wird das Eineinhalbfache des Fehlbetrages, mindestens aber ein Betrag von 1 Mk. nacherhoben.] flir Drucksachen bis 25 Gr. 20 Mk. über 25 bis 50 Gr. 40 Mk. über 50 bis 100 Gr. 60 Mk. Über 100 bis 250 Gr. 100 Mk. über 250 bis 500 Gr. 120 Mk. Über 500 Gr. bis 1 1c 150 Mk. Für Ansichtskarten, auf deren Vorderseite außer dem
Ort, dem Datum und der Unterschrift Grüße oder ähnliche Höf⸗ 1a e mit höchstens fünf Worten niedergeschrieben sind, tark. (Ansichtskarten, die weitergehende schriftliche Mittetlungen enthalten oder bet denen sich Mitteilungen auf der Rückseite be⸗ finden, unterliegen der Postkartengebishr.) l
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— Kampf gegen den Alkoholismus. Im katholsschen Vereins⸗ haus fand am Freitag abend eine große öffentliche Versamm⸗ lung statt, veranstaltet von der Arbettsgemeinschaft zur Be⸗ kämpfung des Alkoholismus. Als erster Redner sprach Herr Dir. Dr. Melle ⸗ Frankfurt. Er führte etwa folgendes aus: Die Alkoholfrage ist für das deutsche Volk in ein ganz neues Stadium getreten, denn wir können es uns schlechterdings nicht mehr leisten täglich 45 000 Zentner Getreide zu verbrauen, ebenso riestge Mengen Nahrungsmittel zu Schnaps zu verarbeiten und eine derartige Zuckervergeudung für Wein und Likör zu treiben wie seither. Der Hunger, der uns aus den blassen Gesichtern vieler tausender Volks⸗ genossen, der aus den matten Augen unserer unterernährlen Jugend anschaut, muß selbst die Gleichgültigsten packen und uns alle zum Nachdenken zwingen darüber, wie wir dieser Gefahr entgegen⸗ wirken können. Jedes Glas Vier bedeutet ein Stück Vrot weniger. Die Alkoßolfrage können wir aus eigener Kraft lösen, ohne Hilse von außen. Ein Vorbild kann uns Amerika sein. Hier hat ein freies Volk sich aus freier Entschließung selbst ein Gesetz gegeben, das die Herstellung alkoholischer Getränke verbietet, da die Mehr⸗ heit des Volkes durch eingehendes Studium der Alkoholfrage zur
Erkenntnis kam, daß der Alkohol ein Hauptfeind jeglicher Volks⸗
wohlfahrt ist. Der Redner war selbst in Amerika, um die Wir⸗ kungen dieses Gesetzes zu studieren. Als Zweifler war er hin⸗ übergegangen, zurück lam er mit der Ueberzeugung, daß Amerika hier eine Kulturtat vollbrachte, die sich würdig der Sklavenbe⸗ freiung an die Seite stellt. Die Berichte und Gerüchte vom heim⸗ lichen Alkoholismus in Amerika bezeichnete der Redner als direkte Lügen. Besonders auffallend war die Leichtigkett, mit der sich das Alkoholgewerbe, dem keinerlei Entschädigung zuteil wurde, sich umistellte zu anderen Industrien und heute Dinge produziert, di⸗ unzweifelhaft für einen kulturellen Fortschritt wertvoller sind als alkoholische Getränke. Dabei beschäftigen diese neuen Industrien mehr Arbeiter, wie überhaupt das Verhältnis des Arbeitslohns zum Wert des Erzeugnisses kaum in irgendeiner Industrie so klein ist, wie in der Alkoholindustrie. Seine Ausführungen schloß der Nedner mit der Erwartung, daß auch das deutsche Volk sich seiner Verantnortung bewußt werde, die Alkoholfrage eingehend zu studieren, um einen Weg zur Linderung der Not zu finden. Auf das umfangreiche überzeugende statistische Material, das der Redner brachte, kann hier nicht eingegangen werden.— Als zweiter Redner sprach Univ.⸗Prof. Dr. Niebergall⸗ Marburg. Alte und nene Liebe zum Vaterland lautete sein Thema. Die alte Liebe zum Vaterland ist nur der Egoismus der Interessenten⸗ gruppen, die meinen, der Staat sei für sie da, damit sie immer an vollen Krippen sich mästen können. Juteressontengruppen sind die größte innere Gefahr für einen Staat, da sie es meist sehr geschickt fertig bringen, durch Druck die Organe des Staates zu hindern aun der Lösung großer staatlicher Aufgaben. Stets tun sich diese Gruppen viel zugute auf ihre Vaterlandsliebe und ver⸗ stehen es, sie je nach Zeitumständen entsprechend zu maskieren. Alte Ltebe zum Vaterland ist auch die, die mit Bier und Wein und in den obersten Schichten auch mit Champagner bezeugt wurde. Auch hier die Maske und dahinter— Egoismus. Besonders schlimm wirkt sich diese alte Vaterlandsliebe setzt nach der Revo⸗ lutton aus, wo nicht mehr eine Obrigkeit die Verantwortung trägt sondern wo das ganze Volk und jedes seiner Glieder rerantwort⸗ lich ist für das Wohl des Vaterlandes und des Staates. Heute brauchen wir dringend die neue Vaterlandsiebe die stets fragt: Was nützt unser Tun dem Vaterland, was nilitzt unser Handeln dem Staat, die Blick und Verständnis zeigt für die Not des Volkes und uns unsere eigenen Interessen zurückstellen lehrt hinter die Interessen der Allgemeinheit. Höchste Opferwillig⸗ keit und Opferfreudigkeit, ttesstes Verantwortungsgefühl, tätigste Anteilnahme an der Lösung völktischer und staatlicher Fragen brauchen wir. Die Alkoholfrage muß unter dem Gesichtswinkel der neuen Vaterlandsliebe betrachtet werden. Es ist undenkbar, daß der, der sich dem Volke verantwortlich fühlt, heute an den furchtbaren Auswirkungen des Alkoholismus geschlossenen Auges voritbergeht und nicht sieht, daß hier Einhalt geboten werden muß. Nach den Ausfiihrungen der beiden Redner sprachen in der Dis⸗ kusston zunächst vier Vertreter des zahlreich erschtenenen Alkohol⸗ gewerbes, darauf Prof. Dr. H. Schmidt. Leider zwang die Polizei⸗ stunde zu einer Abkürzung der Aussprache und zum frühen Schluß der Versammlung, die bei außerordentlich starkem Besuch, abge⸗ sehen von einigen Störungsversuchen, ruhig und fachlich verlief. Drf.
— Ein interessanter und belehrender Vortrag u ist es, der am Foeitag in der Reihe der vom Wahlverein veranstalteten Bildungs⸗ vorträge von Prof Koob gehalten wird. Der Vortrag führt in das Gebiet der Astronomje und der Redner wird über den Mond sprechen und seine Ausführungen durch Lichtbilder erläutern. Im heutigen Blatte bringen wir eine kurze Abhandlung über unsern Erdtrabanten die zeigt, welche wissenswerte Dinge in dem Vortrag zur Erörterung stehen und wir empfehlen deshalb an dieser Stelle den Vesuch des Vortrags, der punkt 8½ im Saale des Gewerkschaftshauses beginnt.
— Aus deem Stadttheater. Auf die Aufführung von Karl Schönherrs Schauspiel„Der Weibsteufel“ am nächsten Sonntag sei ganz besonders hingewiesen. Diese Aufführung mit Frau Rubner und den Herren Teleky und Feigel in den wunderbar gezeichneten Gestalten von Mann und Weib und Grenz⸗ jäger und Heren Volck als Spielleiter hat immer als eine der besten unserer Bühne gegolten und dürfte sscher auch am kommenden Sonntag die altbewährte Anziehungskraft gusüben. Eine Wleder⸗ holung dieses Werkes ist nicht vorgesehen.
— Streik auf der Braunkohlengrube„Friedrich“. Aus Trais⸗ Horloff wird berichtet, daß seit Ende der vorigen Woche sich die Belegschaft der Braunkohlengrube„Friedrich“ im Streik befindet. Den Anlaß dazu gab die Künigung eines Arbeiters, der gegen einen Beamten tätlich geworden sein soll. Auch Lohndifferenzen sollen ent⸗ standen sein, die jedoch nach längerer Auseinandersetzung beseitigt wurden und den Arbeitern der schon 14 Tage fällige Teillohn ausbe⸗ zahlt wurde. Mag der Streik nun ausgehen, wie er will, die Beleg⸗ schaft hat den Beweis erbracht, daß sie geschlossen zusammenhält und den entzelnen nicht im Stich läßt. So müßte es überall sein.
— Fahrplanänderung auf der Strecke Gießen— Limburg. Von der Eisenbahnverwaltung wirz mitgeteflt: Zur Verbesserung der Anschlüsse in Gießen nach und von Limburg worden vom 18. Febr. ab folgende Triebwagenfahrten gefahren; T. 126 Gießen ab 7.40 vorm., Uimburg an 10.05 vorm. T. 185 Limburg ab 9,40 nachm., Gießen an 11.55 nachm. mit Anschluß an den Degzug 179 nach Berlin.


