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nachmittag um 1 Uhr Eisenbahnlinie trans porte
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Organ für die Interessen des der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
fozeitung
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Nr. 43
Gießen, Mittwoch, den 21. Februar 1923
18. Jahrgang
England gibt nach!
Die Räumung der westlichen Englandszone. Der britische Generalleutnant Godeney, der Befehls-
haber der britischen Truppen im besetzten Gebiet, ist, wie aus
angewiesen worden, am Montag die von der Regierung bestimmte durch die britische Zone für die Kohlen- nach Frankreich freizugeben. Diese Verfügung soll sich auf alle Teile des Eisenbahnnetzes um Grevenbroich⸗ die an der Nordwestgrenze der britischen
London gemeldet wird,
Zone liegen. Jufolge dieser Auordnung hat die Räumung der Eisen⸗
bahnlinie Neuß⸗Grevenbroich⸗Düren durch die Engländer
bereits begonnen. Auf den anderen Teillinien, die von Neuß, Düsseldorf und Dülken nach Köln führen, scheinen die Franzosen das Zugeständnis erhalten zu haben, daß sie die⸗ selbe Anzahl von Zügen wie vor der Ruhrbesetzung fahren
llassen können, daß heißt täglich einen Lebensmittelzug und
eine gewisse Anzahl von Einzelwaggons mit Truppen.
Kierzu wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: Der Zipfel
des englischen Gebiets, der über die Strecke Neuß⸗Düren geht,
üst an die Franzosen abgetreten worden. Das deutsche Per⸗
ssonal ist nicht zurückgetreten, es hat vielmehr erklärt, daß es
mur zurückweiche, wenn es durch französische Gewalt dazu ge⸗
Zwungen werde.
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Telunion glaubt aus Paris mitteilen zu können, daß mußer der für die Kohlentransporte bestimmten Linie Düssel⸗ worf⸗Neuß⸗Düren⸗Aachen eine zweite doppelgleisige Nordsüd⸗ strecke den Franzosen für militärische Zwecke zur Verfügung gestellt wird.—. 5
Die Opposition im Londoner Unterhause.
Im englischen Unterhause wird am Dienstag die Debatte über die Ruhrpolitik und über die liberalen Abänderungs⸗ worschläge, die auf einen Schiedsspruch des Völkerbundes hinauslaufen, fortgesetzt. Die Arbeiterpartei hat durch ihren Führer Macdonald erklären lassen daß sie sich diesen Vorschlägen anschließen und zusammen mit den liberalen ruppen gegen die Regierung stimmen werde. Bonar Law bird sich zum erstenmal einer einheitlichen Opposition gegen⸗ über sehen, deren Stimmenzahl 260 beträgt. Man rechnet edoch mit einem Siege der Regierung, die demgegenüber über 341 Stimmen verfügt. Aoyd George und Henderson werden sprechen. Bonar Law wird antworten und bei dieser Gelegenheit über seine Verhandlungen mit dem französischen Außenminister Le Troquer Rechenschaft ablegen.
Die geheimnisvolle Rede Poinca Es.
Im Auswärtigen Ausschuß der französischen Deputiertenkammer Fat am Montag Poincaré die angekündigten Erklärungen über die Jage im Ruhrgebiet und im nahen Osten gegeben. Die Rede des Ministerpräsidenten nahm mehrere Stunden in Anspruch. Sie endete sedoch nicht, wie in Aussicht gestellt war, mit einem Vertrauens⸗ votum der Kommission. Vielmehr wurde die Sitzung abgebrochen und auf kommenden Montag vertagt. Ein offizieller Bericht über die Ausführungen Poincarées wurde nicht ausgegeben. Die Mitglieder ber Kommission haben sich zu strengster Verschwiegenheit über den Inhalt dieser Ausführungen verpflichtet. Wie die Deutsche Abgem. Zeitung erfahren haben will, hat der Ministerpräsident die Ruhrvor⸗ gänge nur ganz kurz gestreift und sich in der Hauptsache mit Memel, Sitauen, Lausanne und Polen befaßt.
Die französischen Ruhrkredite.
Um dem wachsenden Unmut der französischen Bevölke⸗ rung über das imperialistische Ruhrabenteuer, das bisher bc nichts eingebracht hat, etwas zu dämpfen und Poincaré
bor einem Mißtrauensvotum möglichst lange zu bewahren, isst die französische Regierung auf die Spuren Helfferichs, des
genialen“ Finanziers der deutschen Weltkriegsausgaben, eraten. Man hat die Kredite für die Ruhrbesetzung aus
em Etat herau genommen und will sie später von Deutsch⸗
and decken lassen. Der Kammer ist ein Gesetzentwurf des
ßinanzministers über den Kredit für die Ruhrbesetzung zu⸗
slegangen. Die Ausgaben gliedern sich in drei Kategorien: 55 Ausgaben ziviler Natur, 2. Ausgaben für militärische Zwecke, 3. Ausgaben für die Eisenbahnverwaltung. Die givilkredite umfassen die Ausgaben für die Zollkommission, bie Finanzkommission und die Industriekommission und sind mit 5 Millionen Franken für das Jahr 1923 veranschlagt.
Der Betrag soll aus dem Friedensvertrag gedeckt werden.
r die Kosten der Militärbesatzung werden für die Monate zanuar und Februar 50 Millionen Franken gefordert. Frankreich hat im Ruhrgebiet 7 Divisionen, deren Unterhalt 1 Frankreich 15 Millionen Franken gekostet hätten, so daß zue Mehrkosten für die ersten beiden Monate sich nur auf
35 Millionen Franken belaufen. Auch diese Ausgaben will man sich späterhin durch Deutschland ersetzen lassen, da Frankreich sie als einen Teil der Besatzungskosten betrachtet, die mit Vorrang aus den deutschen Zahlungen zu bestreiten sind. Die Ausgaben zur Organisation und den Betrieb der deutschen Eisenbahnen sind mit 60 Millionen Franken ver⸗ anschlagt, wobei angenmmen wird, daß die Eisenbahnen später etwas einbringen, sobald sie erst wieder im Gange sind.— Das deutsche Volk hat es zu seinem furchtbarsten Schaden erfahren müssen, daß es auch anders kommen konnte als Helfferich es ihm versprochen hatte. Wie nun, wenn es Frankreich auch so erginge?
„Sanktionen“ gegen Ministerbesuche.
In Pariser Blättern wird gemeldet, daß zur Verhütung weiterer Minfsterbesuche im Ruhrgebiet Geldbußen für die be⸗ suchten Städte und die Verhängung hoher Geldstrafen über die Lokale geplant wird, die die Besucher aufnehmen.
Belgische Enttäuschung.
Eine der belgischen Finanzzeitungen, der Moniteur des Intsréts Materiels, stellt fest, daß der belgische Kohlenmarkt in⸗ folge der Vorgänge an der Ruhr in Aufregung ist, da, die Liefe⸗ rung deutscher Brennmaterialien tatsächlich bis jetzt sehr gering sei.„Ein Zug mit Koks soll, scheint es, an der belgischen Grenze angekommen sein; ebenso sollen verschiedene Kohlensendungen für die nächsten Tage erwartet werden.“ Diesen„Erfolg“ stellt das belgische Unternehmerorgan nach fünf Wochen Ruhrbesetzung fest.
Vormarsch auf Dortmund.
Fünf französische Infanterieregimenter sind auf Dort⸗ mund aus der Richtung von Bochum her im Anmarsch. Am Montag vormittag hat das erste Infanterieregiment Lütgen⸗ dortmund passiert. Anscheinend beabsichtigen die Franzosen, Dortmund ebenfalls zum Kriegsschauplatz zu machen.
Gelsenkirchen nicht geräumt.
Die Franzosen haben das Stadtinnere von Gelsenkirchen bis Montag Nachmittag nicht geräumt gehabt. Post. Telegraphenamt
aan Eisenbahn sind besetzt. Alle Behälter, Schränke und Türen sind
gewaltsam erbrochen worden. Ein Durchgangsverkehr ist möglich, jedoch fahren Züge nicht ab. Für das Innere des Stadtgebiets ist der Verkehr von abends 7 Uhr bis morgens 7 Uhr verboten.
Fin ganzes Telephonnetz zerstört. Die Telephonleitungen, die die Franzosen angelegt hatten, waren in der Nacht vom Samstag zum Sonntag zerstört worden. Darauf⸗ hin zerstörten die Franzosen das gesamte Telephonnetz der Stadt.
Wlau mäßiger Straßenraub. 5
In Gelsenkirchen, wo jeder Passant unter Drohungen angehalten wird, der eine Handtasche oder Aktenmappe trägt, sind nach amtlichen Feststellungen den Franzosen am Samstag und Sonntag durch Be⸗ schlagnahme etwa 90 Millionen in die; Hände gefallen, darunter ein Teil der Ruhrhilfe und von dieser wieder ein Teil in ausländi⸗ schen Devisen, gestiftete Franken, Dollars und Kronen. Durch Straßenraub sind den Franzosen, soweit bisher festgestellt werden konnte, 1700 000 Mark in die Hände gefallen.
In Dorsten wurde von der französischen Besatzung für eine Mil⸗ lion Hausgerät beschlagnahmt. Das Gerät soll zu Einrichtung eines Kasinos dienen.
Die Verhaftungen und Ausweisungen.
Die Verhaftungen und Ausweisungen im alt⸗ wie im neu⸗ besetzten Gebiet gehen mit aller Brutalität weiter. In Düsseldorf ist jetzt auch der Oberbürgermeister verhaftet worden, in Herne ein sozjaldemokratischer Abgeordneter. Der herzkranke, zu längerer Gefängnisstrafe verurteilte Bürgermeister Schäfer von Essen be⸗ findet sich in einer engen Zelle, sein Zustand hat sich verschlimmert, seine Frau wird auf ausdrücklichen Befehl des Generals nicht zu ihm gelassen.. Ein neuer Ukas.
Nachdem die bereits gemeldete völlige Entwaffnung der Essener Schupo vollzogen war, setzte eine Verordnung des kommandierenden Generals der Besatzungstruppen für den Fall, daß Verbrechen oder Vergehen gegen die Person oder das Eigentum von Angehörigen des Besatzungstruppen Beamten oder Mitglieder der im Ruhrgebiet tätigen Missionen oder etwa eine Sabotage-Akt gegen Verkehrs— mittel begangen wird und die Täter nicht ermittelt werden, folgende Maßnahmen fest: 1. Die für die öffentliche Sicher— heit und Ordnung verantwortlichen deutschen Beamten werden verhaftet und eingesperrt, 2. Die Orte, in denen Delikte der oben bezeichneten Art vorkommen, werden mit einer Geldbuße belegt, deren Höhe im Verhältnis zu dem verursachten Schaden stehtt.
Der Verkehr zwischen Nord⸗ und Südbaden völlig durchschnitten.
Ein Befehl der Rheinlaudkommission gestattet von Dienstag 12 Uhr ab den an Stelle der Zugverbindung eingerichteten Auto⸗ verkehr von Renchen nach Offenburg, also vom nöedlichen Baden her nicht mehr. Deutsche haben die Fahrgelegenheit an der Grenze des besetzten Gebietes zu verlassen; nur Ausländer sowie Privat⸗ fuhrwerken, in denen nicht mehr als vier Personen Platz finden, ist der Zugang gestatiet.
Politische uebersicht.
Kommt die wertbeständige Anleihe?
Im Reichsfinanzministerium hat am Montag eine Sitzung zwischen Vertretern der Regierung und Vertreter namhafter Privatbanken stattgefunden, um die Frage der Auflegung einer inneren wertbeständigen Anleihe zu er⸗ örtern. Von Seiten des Finanzministeriums lag dieser Be⸗ sprechung ein Plan zu Grunde, der vorläufig eine Ausgabe von kurzfristigen Reichsschatzwechseln im Betrage von etwa 200 Millionen Goldmark vorsieht. Die Besprechungen trugen einen rein informatorischen Charakter. Ein Ergebnis konnte, wie nicht anders zu erwarten war, nicht erzielt werden. Die Verhandlungen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt merden.
Das Treiben der Nationalsozialisten.
In der Nacht zum Sonntag ist im Hotel„Kaiserhof“ in Altona eine Geheimversammlung der Nationalsozialisten, in der Roßbach sprechen sollte, von der Polizei aufgelöst und Roßbach sowie dter andere Führer der Bewegung verhaftet worden. Die Versammel⸗ ten trugen zum größten Teil Hakenkreuzbinden und waren mit Handwaffen versehen. Es wird gegen die Führer ein Strafver⸗ fahren eingeleitet werden. Leider hat auch die Altonger Behörde bei Roßbach eine Verdunkelungsgefahr und Fluchtverdacht als nicht vorliegend erachtet und ihn wieder aus der Haft entlassen.
Leutnant Roßbach wurde im Herbst v. Js. schon einmal in Berlin verhaftet, dann aber unbegreiflicherweise wieder freigelassen. Diesen Gnadenerweis der Republik hat er mit einer wüsten Hetze gegen die Regierung und Umsturzdrohungen beantwortet. Am 23. November erklärte er anläßlich der vierten Jahresfeier der Sturmabteilung Roßbach in München, aus Oberschlesten werde bald ein zweites Bayern werden, man werde„eine große einheit⸗ liche Machtorganssation“ schaffen,„die endlich mit dem jetzigen Unsinn aufräumt“. Er kündigt an, daß er sich mit seinen Getreuen „mit Gummiknüppeln und Bajonetten“ den Weg bahnen werde Den Bayern sagte er, daß sie bald Gelegenheit zu Taten haben werden.„Hoffentlich haben wir auch in Preußen bald Gelegenheit. Vor uns zittern die deutschen Machthaber.“ Dieser Mann, der ge⸗ treu seinen damaligen Versprechungen im ganzen Lande herum⸗ reist und zum bewaffneten Widerstand gegen die bestehende Staats⸗ ordnung ermuntert, kann nicht verhaftet werden, weil sich bis heute in Preußen noch kein Staatsanwalt gefunden hat, der einen Haftbefehl gegen ihn erläßt.
Litauisch⸗Memel. 5
Die Botschafterkonferenz hat nach einer jahrelangen dilatorischen Behandlung der Frage am Freitag endlich über die Zugehörigkeit des Gebietes von Memel entschieden. Nach den vorläufigen Meldungen soll das mittlere Memel⸗ Gebiet unter litauische Souveränitat gestellt werden. Der Ausdruck mittleres Memel-Gebiet war bisher nicht gebräuch⸗ lich. Er gibt zu Mißverständnissen Anlaß. Man weiß nicht, ob damit der deutsche Hafen von Memel mit seinem Hinter⸗ land gemeint ist oder ob lediglich das Hinterland zu Litauen geschlagen werden soll, während sich der Hafen selbst einer Art Autonomie erfreut. Es ist anzunehmen, daß die erste Vermutung die richtige ist. Demnach ist also nunmehr das Gebiet Memel⸗Stadt und Land ein Teil Litauens. Die Botschafterkonferenz hat damit an Litauen ein altes Unrecht gutgemacht. Das deutsche Memelgebiet wurde seinerzeit unter der Voraussetzung von Deutschland losgelöst, daß es
später einmal Litauen überantwortet würde. Auch für Deutschland ist diese Lösung die annehmbarste, da eine
Wiedervereinigung mit Deutschland unter den obwaltenden Umständen nicht zu erreichen ist. Ein polnisches oder! fran⸗ zösisches Memel— das waren die beiden anderen Möglich⸗ keiten— wären für Deutschland weniger erträglich gewesen als die Litauer Lösung. Allerdings setzt auch diese ösung beraus, daß Litauen die Rechte der Deutschen in Memel in jeder Weise wahrt. In Litauen hat man in letzter Zeit einer deutschfeindlichen Stimmung reichlich die Zügel schießen lassen. Dieser Zustand als Dauer müßte bald zu ernsten Konsequenzen führen. Sache der deutschen Vertretung in Kowno ist es, in dieser Frage nach dem Rechten zu sehen. Es wäre zu überprüfen. ob unsere jetzige Vertretung in Litauen, nachdem die Memelfrage im litauischen Sinne ent⸗ schieden ist, den schweren Anforderungen zu entsprechen in der Lage ist, die nunmehr an sie herantreten werden.
Die volnisch⸗litauische Krisis.
Die volnische Aktion zur Besetzung des bisher neutralen Streifens an der litauischen Grenze trifft auf erheblichen litauischen Wider⸗ tand. Die letzten Nachrichten aus Wilna besagen, daß an die Stelle der bisherigen litauischen Freischärler immer mehr litauische reguläre Truppenteile getreten seien. Peipun ist von den Litauern gestern mit Artilleriefeuec belegt worden.
Polnische amtliche Meldungen betonen nach wie vor, daß Polen noch kein Militär eingesetzt habe, sondern nur Polizeitruppen und Zollbataillone. Ministerpräsident Sikorski wird sich von der Lage persönlich überzeugen. Falls irgendwelche Störung des Friedens im Osten vorkommen sollte, wird die polnische Regierung die Litauer dafür verantwortlich machen.
Andererseits verbreitet die Uttauische Gesandschaft in Paris folgende Depesche aus Kowuno vom 18. Februar: Reguläre pol;


