Ausgabe 
19.5.1923
 
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adde b bäder en oeuiser weg man Me n.

der Mittäter sei 8 N Deile Berliner politische Polizei hat alle die Jahre beine Schuld leon den Herren Hauenstein und Konsorten finden können. Viel⸗

0 ist die Elberfelder Behörde glücklicher. Uns scheint, als

a es hier, ein Natternnest zu vernichten..

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Die Bürgerwehr.

Die Arbeiter⸗Samariterkolonne Mülheim a. d. Ruhr über⸗ mittelt uns einen Aufruf an die deutsche Arbeiterschaft, in dem es

i def lh u. 4. heißt: i i

0 J 15 den letzten Unruhen in Mülheim a. d. Ruhr am 18. und 2 10 10. April 1923, bei welcher unsere Kolonne zum ersten Male im

1 1 Ernstfalle auf den Plan trat und in aufopferungswürdiger Weise deset Je ihrer Menschenpflicht in jeder Beziehung genügte, wagt es die

bürgerliche Presse, die Mitglieder der Kolonne und nicht allein um se i sdtese, sondern den ganzen Arbeiter⸗Samariter⸗Bund und somit 10 e der gesamten Arbeiterschaft Deutschlands zu b̃eschimmtzen und durch den Kot zu ziehen. Die Kolonne Mülheim

d. d. Rühr, welche erst ein Jahr besteht, steht rein da und weist bie gemeinen Anwürfe mit Abschen zurück. Gewissenlose Ele⸗ mente der Bürgerwehr haben es gewagt, bei den letzten Unruhen

innen wurden wie Di 10 Wir als Kolonne Samariter⸗Bund fordern Genugtuung und haben deshalb einen Prozeß gegen die Stadtverwaltung und die bürgerliche Presse⸗ meute angestrebt. Deshalb Genossen und KollegenHelft uns! Wir appellieren an Cure Solidarität! 50 Sieg ist auch Euer 0 eg! Wir haben einige Hundert Sammellisten in allen Orten

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i Eile tut dringend not.

die aden ne, Der Kappist Oberst Bauer hält sich schon sett längerer geit in

iener Morgenzeitung:. Das Zusammensptel der völkischen Kriegshetzer in Deutsch⸗ mmer für ku e 1 und in Oesterreich dauert trotz aller Vertuschungen und Ab⸗ en men th n leugnungen ungeschwächt fort. Es scheint, daß die Völkischen mit erdacht und i ihrem durch die Ruhrkrise bereits erreichtenErfolg im Auftrage des bee Imperialismus noch nicht zufrieden sind, vielmehr sutalonele durch immer neue Reizungen die Konsoltdierung der inneren Ver⸗ hältnisse in Deutschland und die Sanierung in Oesterreich unbe⸗ gt verhindern wollen. In Wien entfaltet der steckbrieflich ver⸗ olgte Oberst Bauer, der, wie schon berichtet, bei dem Professor tte in der Sieveringer Hauptstraße wohnt, ganz öffentlich seine tigkeit zur Organisierung des Bürgerkrieges. Er hat am ver⸗ gangenen Montag abend eine Besprechung des Freikorps Oberland t wund, unsche geleitet. In dieser Versamlung wurde beschlossen, Hitler als Ober⸗ miglaninte 10 t aller Terrorverbände Oesterreichs anzuerkennen. Hitler will 5 art kn. r nächsten Zeit nach Oesterreich kommen und öffentliche Ver⸗ 50 i lungen in Wien und den Hauptstädten der Bundesländer gen. Dee abhalten. Zu Pfingsten soll eine große Kundgebung des deusch⸗ rontkämpfer

9 zu desinfsitt, 0 n 3 anten ien arischen Wien bei Gelegenheit der Fahnenweihe der

Erneuern 1 en f Saar⸗Sklavenstaat. er, wie Kles z Im Saar⸗Landesrat gaben sämtliche Parteien eine

oder un geen Erklärung ab, in der gegen die sogenannte tenfütterunem Rotverordnung der Regierungskommission und gegen die abium gleicher 2. Mai erlassene Einschränkung des Streikpostenstehens in der entschiedensten Weise protestiert wird. In der Erklärung görer uh rd die Regierungskommisston vor der Welt angeklagt, daß sie 1(ll hre vornehmste, durch den Versailler Vertrag gestellte Aufgabe, wenn eat ür die Wohlfahrt der Saarbevölkerung du sorgen, wiederum in derten einer unerhörten Weise verletzt habe. Sie mache die Bevölkerung babe u Gegenstand ihrer einseitigen politischen Bestrebungen und das Eelerielil e das einzige der Obhut des Völkerbundes anvertraute mit Cralg e Land, zu einem Sklavenstaat.

freie Weid*

eien a Sämtliche Delegierten des polnischen Kommu⸗

fed nistenkongresses verhaftet. 105 wolttug! In der Nacht zum Dienstag umzingelte die Warschauer

i polttische Polizei das Haus, in dem der aus allen Teilen Polens 0 1 ae schickte kommunistische Kongveß zusammengetreten war, und ver⸗ 4 Gif haftete die sämtlichen dort befindlichen Delegierten. Gleichzeitig it bes en wurde in Warschau und Umgebung eine Reihe von Haussuchungen lüssi 1 vorgenommen, bei denen sehr wichtige Schriftstücke, formulierte Be⸗ genden e 15 schlüsse und Namens verzeichnisse in die Hände der politischen Poli⸗ 8 e gelangt sein sollen.

5 Hessischer Landtag.

a 8 Darmstadt, 17. Mai. n eee, Die heutige Vormittagssitzung des Hessischen Landtages war it e een den der Schuldebatte gewidmet Die Sitzung wurde Lerchen, 9.15 Uhr vom Präsidenten Adelung eröffnet und brachte zus eben a h nächst eine kleine Anfrage des Abgeordneten Lücke l(Soz.) zen waren! über die Teuerungszuschläge für die Beamten im besetzten Gebiet,

ichen ger, die von einem Regierungsvertreter beantwortet wurde. Er

mehl, zählte die verschiedenen Sonderzuschläge auf, betonte aber auch, eiche daß die Hessische Regierung auf dem Standpunkt stehe, daß die schlan Ortsklasseneinteilung sich in der jetzigen Form nicht aufrecht⸗

gruppe bg, ihsosse gc erhalten lasse. Die Teuerungsunterschiede in den einzelnen Orten be le 1, seien nicht so groß, als man nach der Ortsklasseneinteilung an

nehmen könnte. Die Beratung des Voranschlages wurde dann

na en di Schultapiteln fein, v abe J sportgasetzt. 1 5 5 i pielfah l Abg. Diehl ⸗Hochwefsel(Bbd.) focht nochmals gegen den ehen ce Sortbildungsschulunterricht im Sommer auf dem Lande. 5 neee, Abg. Birnbaum(D. Bp) prach eingeßend zur Frage dez 5 re 0 Mädchenschulen und forderte ein Seminar für gewerbliche und

Kegel Tur 1 verheiratenden Lehrerinnen müsse eine l 1% e t Pander und die Mädchenschulen es nch 1 mülßten unter weibliche Leitung kommen. Rednerin sprach 1195 10 ben 4 geen den Abbau der Hoberen Hürgerschulen. Jun Soluß wanne e cle gegen die 1 als ob die Volksschule zur Armen⸗ im Ha, schule herabgesunken sei.

0 15 2 S0 14(Soz.) trat für Förderung der 1 %% geg der schularztlichen Tätgkeit. ein. Den jugendlichen landwirt⸗ 9 die 1 1 ben chen Arbeitern müsse Zeit zum Besuch des Unterrichts ge⸗ n er o en werden. 5 90

e, Abg. ane 1 unterstützte die Aus führung der er pe ehen 9. Birnbaum und Kaul.

sesl, a Abg. Werner(D. Nat.) befaßte sich mit den Vorwürfen, in

uf 77 8 10 hessischen Schulen werde nationalistische Propaganda getrieben.

t Die Arbei tralstelle für Volksbildung sei anzuerkennen. 4% Das e dürfe nicht heruntergedrückt werden. 1 Nach der Pause spricht zunächst Mlinisterialdleektor Urstadt bier über die verschiodenen vorliegenden Anträge. Der Antrag des e ae Bauernbundes, Ausletuma der Sommer- Fortbildungs schule auf

Tod gesunden

Theater, Stilwillen, Jugend.

Es ist hier die Rede von der Revolution des Geistes, die im Flusse ist, stärker im Flusse ist als Revolution des poli⸗ tischen Organismus. Denn der November 1918 hat in Deutsch⸗ land eine wollende Masse, aber kaum Führer vorgefunden. Die politische Revolufton ist daher über die Höhe der Massenlohn⸗ bewegung nicht hinausgekommen; denn ihre logtischen Voraus⸗ setzungen sind eben nicht bloß der revolutsonäre Wille ber Massen der Volksgemeinschaft, sondern die Entfaltung der für das echte Werden der Republik notwendigen Gesinnung, die Fähigkeit, Republik innerlich wahr zu gestalten, damit die Führer.

Auch das Theater arbeitet an dieser Erziehung. Den Republilgegnern, die das nicht wünschen, scheint es bewußter zu sein als den Anhängern. Daher ihre Forderung, das Theater misse jedem etwas bringen. Man kann aber nicht zweien Herren dienen. Das Theater von heute soll dem Arbeitsmenschen eine Stätte sein, wo er eine Steigerung seiner selbst, eine Erweiterung seiner Gefühlswelt, eine Erleuchtung seines Glaubens findet. Durch Hineinfühlung in die großen und kleinen Schicksale und Problemstellungen wird dem Sucher von heute weit über den augenblicklichen Genuß hinaus der Sinn gelenkt auf das große und kleine Hin und Her des Menschlichen. Der revolutionäre Geist ist Bewegung, das Theater einer Republik muß bewegen, den trägen Körper zu Entscheidungen bringen. Für oder gegen! Nur Fluß, Strom! 8 Ruhe, Stillstand ist Feind alles Werdens, ist Strebens.

Das Theater einer Republik darf kein Warenhaus sein, in dem jeder sich aussuchen kann, was ihm paßt. Seine Aufgaben der geistigen Kultivierung sind zu ernst, um mißbraucht zu werden. Das komplizierte Leben, das Rationelle des modernen Staates, der modernen Wirtschaft, das gigantische Getriebe der materiellen Kultur braucht Menschen mit Eisendrahtnerven. Heute ist kein Platz mehr für oberflächlichen Flitter, den man früher im Theater fand, wenn man nach des Tages Last und Mühen hinging und die Unrast des Tages, die Erregung der Nerven durch leichtes oder leichtgefaßtes Spiel, durch Genuß allein abklingen ließ. Damals war der Luxus erlaubt; die Geschicke wurden ja von einem Kaiser geführt. Man brauchte sich kaum darum zu bekümmern, durfte es übrigens kaum. Heute ist jeder Bürger und jede Bürgerin in Deutschland Regierer und Regierter zugleich. Darum muß all ihr Tun eingestellt sein auf die Tiefe des Lebens, auf Verantwortung.

Das Theater führe uns zu den Erlebnissen dramattscher Kunst. Das Plätschern an der Oberfläche, das Gaukelspiel leichter Seifen⸗ blafen sind heute fehl am Platze. Die ganze Einstellung des Zu⸗ hörers, der Gestaltungswillen des Bühnenbildners sind anders. Kindlich ist der Einwurf, jetzigen Theaterregisseure und Bühnengestalter könnten das nicht mehr, was man vor dem Krieg dargestellt hat. Sie wollen es nicht mehr, so ist's doch. Ueberall sehen wir Entwicklung, Veränderung Werden und Vece Auch im Stilwillen, in der Erfassung und Auffassung eines Dramas. Ueberall in unserer und fremder Kunstgeschichte. Nehmen wir pielleicht die gotische Plastik: ihre theokratisch⸗feierliche Gestaltung in frontal gegebenen Formen wird im 13. Jahrhundert von anderswollenden Künstlerpersönlichkeiten verlassen. Diese empfin⸗ den artstokratisch⸗zlerlich, formen so, bilden dramatischen Gehalt, der die starre Form des in zeitloser Dauer Beharrenden sprengen muß.(Kein Wunder, daß dabei die Werke vom monumentalen Architekturwerk freier wurden, Eigenrecht gewannen.) Ende des 14., besonders aber im 15. Jahrhundert regen sich dann immer kraftvoller die bürgerlichen Gotiker, die ihre Gestalten nicht mehr hochedel, sondern gemiltvoll, hausbacken auffassen. nach der geistigen Konstituion einer Zeit wirkt der Stilwillen in bestimmter Weise nach der Seite des Formalen oder des Inhaltlichen.

Auch unsere Zeit ringt nach einem ihr eigenen künstlerischen Ausdruck. Gott sei Dank, daß wir endlich die taube Blüte des matertaltstüschen Prinzips, den toten Punkt der Maschinenzeit end⸗ lich einmal ilberwinden, aus dieser drückenden Last von Natur⸗ photographie, Naturabklatsch, Manirismus in der darstellenden Kunst herauskommen. Das russische Proletariat hat nach seiner Befreiung man kann fast sagen sich hingeflüchtet zu einem archalschen Willen, der an die Grundelemente der Gestaltungs⸗ möglichketten 5 3155 Diese schweren kantischen Klötzer, 11 von Linien fordern den Geist auf den Plan, daß

e ringe.

Wo sollte num aber dar Drang nach einer stilistischen Fassung der Grundlagen unseres Seins stärker auftreten in heutiger Zeit als im modernen Theater, das unserem rasch lebenden Geschlecht ein Memento setzt. Halt ein und sinne, du Hastender! Der Geist eines Gestalters, eines ernsten Menschenwerkes wird vor dir aus⸗ gebreitet. Es sind ewige Probleme der Menschheit. So hat sie

r Dichter gelöst! Wie stellst du dich dazu, Mensch?

Nehmt als Beispiel denFiesko, den das Darmstäbdter Landestheater am 5. Mai herausgebracht hat. Eine Verschwörung aus den Tiefen des Drucks drängt in die Höhe, aus dem Dunkel einer vielmaschischen Gefühlswelt, aus Wallungen und Strebungen edler oder unedler Seelen. Aus dem Dunkeln reden die Menschen, die Männer und ringen um Macht oder Geist. Zwischen diesen Steinen werden Frauenschicksale zermahlen. Für die eine ist das aufveizende Rot geradezu Leitmotiv, während sich das Geschick der anderen in milderen Farben malt. Wie packen einem die Worte von der Bühne an! Man erlebt ihren Sinn, sie plätschern nicht am Gehör vorbei. Die Tiefe der menschlichen Seele, die ungeheuere Spannung vom Edlen zum Gemeinen erlebt man. Da wird Schiller, an dem uns die Schule seinerzeit schier den Geschmack verdorben hat, wach der Heißkopf, der Mensch, der mit Seele und Wort dies alles erleben und gestalten konnte. Vorm Krieg Fiesko! Ach Gott, es gab mehr zu sehen, vielleicht war auch der 5 schwärzer, man unterhielt sich und ging unbeschwert nach

ause.

Die Theater der deutschen Republik brauchen vor allem Potenzen, die einen klaren künstlerischen Willen haben. Seien wir froh daß wir in Darmstadt einen Theaterleiter haben, der

er um

diese

mit suchender Seele rinat. der Lösungen bringt und ständig aus⸗ baut. Er, der die Menschen in innere Bewegung bringen soll, weiß, daß seine Arbelt ein ständiges Ringen um Gestaltung ist, daß er dos Recht hat. Neues. Großes zu ersinnen weil er andeverseits die große Ehrfurcht vor der Tradition alles Wollens der Dichter besitzt. Trivial betrachtet sind Autor und Regisseur weder sich gegenseitsa Handlanger, noch Rohstoff- und Ver⸗ edlungsindustrielle, sondern Gestalter an einem Werk, an dem vorausgesetzt, daß es über der Zeit sbeht immer wieder entwickelt und neu geformt werden muß. Vielleicht keiner unserer heutigen deutschen Theaterleiter ist sich so sehr bewußt, daß das Theater nicht im Leben eine umfrfedete Enklave ist. in die irgendwelche Bevorrechtete Eintritt haben, sondern daß es geistiger Brennpunkt dses bewußt lebend an Volkes sein muß. Die Grundlegung der Arbeit Hartungs spricht sich aus in dem Willen nach dem Theater der Lebenden mit unserer ganzen Seele soll es uns iin unsere Zeit stellen. Ihre Probleme und Nöte wollen wir durchfühlen, durchdenken, in ihr Klärung sinden, unseren Willen zur möglichen Löfung zum Aus⸗ druck bringen. Dichter und Bühnenbildner müssen unserem Sehnen Ausdruck und Form geben, nur so werden ste Repräsen⸗ tanten der e een Verkörperung des Spielwillens, dessen Aeußerungen nie peksönliche Erfindungen sein können, sondern Sichtbarmachung der tiefen großen Seele des Volkes sind.

So gesaßtz verstehen wir die allen Revolutionsbej ö offenbare Tendenz der Gemeinschaftsbildung urch das Theater denn unsece Sehnsucht nach Gemeinschaft, flammt in dem fortschreitenden geistigen Revolutionsprozeß immer leidenschaftlicher auf nach der ichglültigbeit, die aus einem vathonalistisch bis auf die äußerste Spi Individualismus entsprungen ist. Mehr und daß die Politik abhängig ist 8 der Kulturent⸗ wicklung, denn, die se bildet erst die Einheit, die G das Niveau politischer Aeußerungen. Vielleicht unbewußt ist dieser Gedanke rege bet dem Plan, die Belange des Landes⸗ theaters aus dem Bereich des Finanzministeriume hinaus und n das Bildungsamt hineinzunehmen lobgleich die Verwirklichung dieses Planes pit Rücksicht auf die wirtschastliche Jundzerung voreest bedenklich erscheint). 5 5 i

Vielleicht noch nie war die Idee des Theaters so weit vom Untergang entsernt wie heute: denn seit der Reformation hat die deutsche Volksseele nicht mehr ein so starkes Drängen zur Verinnerlichung empfunden, wie in der heutigen Wucherzeit. Der Aufschrei nach dem fernen Klang bindet Darsteller und Zu⸗ schawer, besser Zuhörer noch besser Gemeinsam⸗Erleben, zusam⸗ men. So ist die ernsthafte Bühne von heute nicht Prostitution von Menschenleibern an ein genißenwollendes, zeltvertreib⸗ und unterhaltungsuchendas Publikum, sondern Mittlerin der ewigen Menschheitskräfte Entrückung und gleichzettin Versenkung. 1 inneren Ziel müssen alle Kompromisse, Schlacken des kapitalisti⸗ schen Geschäftstheaters mit seinen Wirren, innerlichen Intrigen, Unterhaltungsrepertolrs immer mehr zum Opfer fallen. f Schritt damit wird unser Theater die Gemeinschaftsstätte des ganzen Volkes, das Lösung aus der geistigen Not will.

Ich kann mir zum Schluß nicht versagen, in diesem Zu⸗ sammenhaug von der Jugend zu sprechen, die heute vor allem eine in tiesem Sinne politische Aufgabe hat und erkennt: Den unerträglichen Zustand daß der Welt von gestern mur eine neue Fassade vorgesetzt ist daß am die alte Spitze nur neue Leute gesetzt find, aufzuheben. Gerade so wichtig sind weiter ihre kulturellen Aufgaben, bie in der Befreiung von den die ganze Welt tyranni⸗ sterendem Lebensformen eimer greisenhaften Zeit bestehen. Vo 191418 haben wir darum gekämpft und geblutet, daß die Welt besser werde. Aus heiligster Ueberzeugung hatten wir Jungen den Krieg für ein Stahlbad für die ganze Welt gehalten. Wir kämpften, um aus dem dumpfen Druck, aus dem Bangen heraus⸗ zukommen, dem wir vor dem Krieg uns durch unsere der⸗ vogelfahrten, durch Freinächte auf alten Ruinen wenigstens zeit⸗ weife entzogen. Freudlos trugen wir an dem zweifelhaften Eche der Väter. Unsere Seele bungerte in dem Gecriebe von Mützlich⸗ keit, Zweckmäßigkeit. Eigennutz, von materiellem und geistigem Materfaltsmus. Gerade in der bewußten Jugend der Vorkriegs⸗ und Kriegszeit war der revolutionäre Gedanke immer wirksam, der scharfe Wille, alte Formen zu sprengen, in die die Väter Denken und Leben eingespannt hatten. DerBürger schimpft über dieseJugenddummheiten, und will sie auch einmal erlebt 55 5 Und begreift gar nicht, daß diesLos vom bürgerlichen Phillistertun Sehnsucht nach einer Neuerung der gesamten Lebensauffassung, der politischen, wiwtschaftlichen und ethischen Anschauungen ist en Ruf nach der Gemeinschaft, ein Suchen nach besseren Formen der Arbeit, der Wirtschast, der Unterhaltung, der Bildung, der Kunst. ein Drängen nach Verantwortung, Hin⸗ gebung, Opferung ist, Wir wissen, daß die letzten Jahre des Weltgoschehens eine Wegänderung eingeleitet haben wir wissen, daß wir noch nicht völlsa in der neuen Richtung sind, wir wissen, daß wir wieder bei den Uranfängen der Gestaltung anknüpfen müssen(darum ist der Exppessionismus die Kunst der Jugend). Wir wissen aber auch, daß außer der Notwendigkeit schöpfer ischer Potenzen für die Erneuerung des, Menschentums die Gemeinschaft gebaut werden muß. Und diese baut sich echt und wahr nur auf das Innerliche auf. Durch die Lage der politischen Vechältnisse ist heute unsere deute sche Jugend vorzüglich in den Stand gesetzt, ihre Energie auf das Innere zu lenken. Wir begrüßen in unserem Theater verwandten Geist, gleichläufige Bewegung die von oberflächlicher sinnlicher Zerstreuung hinwegstrebt. von imerlich gleichgsiltigen Problemen sich abwendet. Dort wie hier die Zusammenziehung auf stronge Form, auf Einfachheit und Wucht, auf Schöpferischkeit und geistige Aktivität. Wir wissen daß wir durchdringen denn der Sieg ist immer auf Seiten der Bewegung. 5

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dem Lande, bedeute eime Gesetzesänderung. Desgleichen eine

eventuelle Verkürzung der Grundschulzeit. Beides müsse er darum ablehnen. Redner gebt im einzelnen auf die gesetzliche Entwick⸗ lung und bisherige Bewährung der einzelnen Schularten ein, von denKlassen mit erweiterten Lehrzielen und der Einführung eines 10. Schuljahres erhoffe er gute e Denn eine mit ähnlichem Ziel in Darmstadt bereits früher eingerichteteVer⸗ suchsklasse habe außerordentlich erfreulsche Erfolge gezeitigt. Die höheren Vürgerschulen sesen eine Notwendigkeit, denn ein voll⸗ wertiger Ersatz ist noch nicht vorhanden. Die Einführung der sogen.mittleren Reife halte das Ministerium für wünschens⸗ wert. Verschiedenen Wünschen schultechnischer Art stellt Redner Erledigung in Aussicht und verlangt der staatsblürgerliche Unter⸗ richt müsse mitinnerer Wärme gegeben werden.

Ahg. Lehnhardt(3tr.) lehnte es ab, mit jenen zusammen⸗ zuarbeiten, denen die 20 Millionen deutscher Katholiken ein Dorn im Auge sei, und das seien die Leute des Herrn Werner. Redner be⸗ gründete dann einen Antrag auf Unterstützungen von drei Kon⸗ fessionsschulen. Er erkenne an, daß die Zentralstelle für Volks⸗ bildung mit Eifer und Geschick arbeite.

In der Nachmittagssitzung teilt Präsident Adelung zur all⸗ gemeinen Ueberraschung mit, daß keine Wortmeldungen mehr vor⸗ liegen. Die Debatte ist geschlossen. Die Kapitel 53, 54, 56, 57, 58, 61, 62 und 65 werden nach den Ausschußanträgen ingenommen. Der Antrag des Bauernbundes, die ländliche Jortbildungsschule auf die Wintermonate zu verlegen, wird mit dem Zusatzantrag Abg. Dingel⸗ dey solange die gegenwärtigen Verhältnisse auf dem Lande anhalten, angenommen. Ein Antrag Abg. Kaul, der Arbeiterakademie

Frankfurt eine Million Mark zu überweisen, wird abgelehnt. Ohne Debatte werden angenommen die Kapitel 54, 55, 59, 60, 63, 64.

Zu Kapitel 67 Landesuniversität liegt ein Antrag des Abg. D. Schian vor, die Professur für Körperkultur wieder einau⸗

führen; Abg. Brauer als Berichterstatter, bringt einige Aen⸗ derungswünsche. Es sprechen zu dem Kapitel die Abg. Schian(D. Vpt.), Dr. Werner(Dutl.), Hoffmann⸗Alzey(Ztr.)..

Nach einer Geschäftsordnungsdebatte ergibt sich gegen 6 Uhr Beschlußunfähigkeit. Das Haus wird auf Montag, den 28. Mai, nachmittags 2 Uhr vertogt.

Lokale Parteinachrichten. 5. Agitationsbezirk Friedberg⸗Büdingen⸗Schotten.

Sonntag, den 10. Juni, vormittags 10 Uhr findet in Stockheim im Saal von Gastwirt Weitzel unsere diesjährige Bezirkskonferenz statt mit folgender vorläufiger

Tagesordnung:. Geschäftsbericht 192122. Referent: Genosse Wittig⸗Butzbach. Allgemeine politische Lage. Referent: Gen. Schaub⸗Bildesheim. Landesparteitag, Referent: Genosse Kroner-Vilbel. Allgemeine Anträge. Wahl des Agitationsbezirksvorstandes.

Wir ersuchen die Mitgliedschaften zu dieser Tagesordnung Stel⸗ lung zu nehmen und Anträge bis zum 1. Juni an das Sekretariat einzusenden.

Mitgliedschaften bis 50 Mitglieder wählen zwei, auf je weitere 50 Mitglieder ein weiterer Delegierter.

Pflicht aller Ortsvereine ist es, zu dieser wichtigen Konferenz

Vertreter zu entsenden. Mit Parteigruß! Josef Rößler. Heinrich Schaub. J. A.: Bruno Wittig, Sekretär.