Ausgabe 
19.3.1923
 
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Baheosstraße 23

1 aon: Gießen Antecher 2008.

Iberhessi

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

Epeedition: Gießen Bahnhofstraße 27 Ferusprecher 2006.

753 I 5 itung erscheint jeden Werktag vormittag in Gießen. 12 3 mit den BeilagenDas Blatt der Frau und Land- iht leaftliche Beilage beträgt monatlich 2000. Bt einschl. Bringerlohn.

Verantwortlicher Redalteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich; R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen.

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Gießen, Montag, den 19. März 1923

18. Jahrgang

Nur weiter Kinder, weiter!

zum 75. Jahrestag der deutschen Märzrevolution. 2 Heraus! Ihr Männer meiner Wahl,

heran zu meiner Urne!

Hinschreit ich durch den weißen Saal

auf ehernem Kothurne;*

hinschreit ich wieder durch die Welt, zerbrochne Herrscherstäbe

und Kronen schmücken mein Gezelt; ich leb, ich leb, ich lebe!

Ich lebe und ich winde schon

den Kranz für meine Streiter:

Ich bin die Revolution!

Nur weiter, Kinder, weiter! 8 Herwegh.

Wochenschau.

du lturschandel Mit innerem Widerstreben greift an glich zur Zeitung. Man sucht und meidet wieder die AE cd ichten vom Kriegsschauplatz an Ruhr d hein, die dem deutschen Leser die Nerven zerreißen.

Kute der unbeschreibliche Vandalismus im Volkshaus me. Morgen die Vergewaltigung eines unglücklichen äbems durch ein halbes Dutzend französischer Marine⸗ 1 Dazwischen der ergreifende Jammer geflüchteter . Reit ·

ne Verbrechen, die mit Ermächtigung der eng e französisch⸗ belgischen Rheinland- rission auf dem niichternen Verordnungs⸗ und ichsweg geschehen: die oft fristlosen Ausweisungen Familien mit Frauen, Kindern und altersschwachen unter den denkbar grausamsten Verhältnissen, die nknterung deutscher Männer, die sich weigern, dem liezu dienen, die sinnlose und feige Knebelung und Be⸗ der deutschen Presse, die Beschlagnahme von sotlern und Schulen u. a. m. Dann Zerstörungen und ungen in den Bahnhöfen, den Stellwerken, den Unterkunftsräumen. Raub von Milliarden abwärts 8 zul den erbärmlichen 2000 Mk., die einem Arbeiter bei r Achnhofsperre von einer französischen Revisionswache Letbeigehen entrissen werden. verantwortliche Organisator dieses neuen Krieges, ter er Haupturheber des Weltkrieges, der französische in tstrpräsident Poincaré, hat unmittelbar nach der mor ung der beiden französischen Offiziere in der un⸗ lücksichen Arbeiterstadt Buer nicht etwa Be⸗ fem der vermeintlich deutschen Mörder gefordert, sondern lich die Parole ausgegeben es solle Rache genom⸗ mrden, unerbitliche Rachel Darauf sind dann melschreienden Greueltaten in Buer erfolgt: bis jetzt ir der Rache. ö Ziefste Trauer, das ist die überwältigende ifmung jedes denkenden und fühlenden Menschen über wüste Barbarei. Wir trauern mit ihren be⸗ mswerten Opfern, unseren duldenden Landsleuten. zuern ob der ganzen wahnwitzigen Simnlosigkeit der schen Brutalität, deren tiefste Wurzeln freilich in 1 Atkriegsgreueln liegen, von denen ja Belgien und bienkreich in besonderem Maße heimgesucht worden 5 rr trauern darüber, daß fremde Soldaten so verrohen en ihren harten Vorgesetzten dazu gehetzt werden, zer, Zerstörer, Straßenräuber und Henkersknechte zu gegenüber einer wehrlosen zivilisierten Bevölkerung. Saat des Hasses muß aus diesem höllischen Treiben * geen! Völkerversöhn ung: einzig sie könnte L 7 surtdn vom Untergange retten, in wie nebelhafte Fernen srsekvndet sie für die gequälte Menschheit, deren Würde 0, it Fizen zertreten wird!

Ae Konferenz in Brüssel hat zwar den Plan en ier mnexion des Ruhrgebietes verleugnet, dafür aber bine engkeit der belgischen und der französischen Regierung

stgeelt in dem Entschlusse das Ruhrgebiet und die neu⸗ rt, set⸗ rechtsrheinischen Gebiete nicht gegen bloße Ver⸗ kechrgen, sondern nur allmählich nach Maßgabe der deut⸗

80 en lstungen zu räumen. Tatsächlich beseitigen die 10 11 in beschlossenen Maßnahmen zu produktiver Ge⸗ Widterg der Besetzung, zur Ausbeutung insbesondere der Marnen und zum Abtransport der Kohlen den letzten pesssl, daß man sich darauf einrichtet, in Jahr und as Ruhrgebiet nicht zu verlassen. Trübe

2

hat die politische Ver. Artung für die Beschlüsse abgelehnt, die in dem neuen Hlentwert ungsgesetz über eine weit eie steuerliche Entlastung des Sach- es vom Reichstag gefaßt wurden. Sprecher der ichen Mehrheit war der deutschnationale Dr.

Die Interventions⸗ u. Verhandlungsgespräche

Die deutsche Verhandlungsbereitschaft.

Die Pariser Presse setzt ihre Zurückhaltung trotz dem englischen Dementi über Interventionsabsichten Bonar Laws fort und läßt zwischen den Zeilen durchblicken, daß Paris Besprechungen mit der Reichsregierung nicht ganz unau⸗ genehm sind. In Anbetracht dessen glauben wir wiederholen

zu müssen, daß die gegenwärtige Regierung verhandlungs⸗

bereit ist und daß sie nicht ablehnt, im gegebenen Falle auch Vorschläge zu unterbreiten. Aber man kann schließlich von keiner Regierung verlangen, daß sie sich auf Grund von Zeitungsnachrichten aufs Glatteis begibt. Bevor Deutsch⸗ land Vorschläge einreichen kann, muß ihm von irgend einer Seite offiziell Gewißheit werden, daß ein deutsches Programm von Frankreich in ehrlicher Absicht gewünscht wird und Poincaré bereit ist, einen derartigen deutschen Schritt nicht zu mißbrauchen. Bisher haben die deut schen Fühler, die zur Genüge ausgestreckt sind, nicht ergeben, daß im Pariser Elysé oder im Quai d'Orsay offizielle Ver⸗ handlungsbereitschaft besteht. Trotzdem aber halten auch wir es für unbedingt notwendig, daß die Reichsregierung langsam die notwendigen Vorarbeiten für eventuelle Ver⸗ handlungen trifft. Deutschland muß im Eventualfall mit einem Vorschlag vor die europäische Oeffentlichkeit treten können. Dabei halten wir es für ganz selbstverständlich, daß dieses Programm eine endgültige Lösung vorsieht und den Alliierten insgesamt die Sicherheiten anbietet, die im Rahmen des Möglichen liegen.

Laue Lüfte aus Paris.

In den letzten Tagen waren die Regierungen aller am Ruhr⸗ und am Reparationsproblem irgendwie beteiligten Länder eifrig bemüht, alle Meldungen über Verhandlungs- angebote oder Verhandlungsanbahnungen zu dementieren. Daher muß es aussallen, daß die Pariser Presse siehe auch die erste Meldung plötzlich eine Schwenkung vorgenom⸗ men zu haben scheint und Deutschland gegenüber den Ton einer Art väterlichen Zuredens anschlägt: das deutsche Volk solle sich doch nicht weiter ins Unglück stürzen lassen, sondern dafür sorgen, daß es eine Regierung erhält, die mit Frank- reich direkt verhandeln kann. Eine Verhandlung mit der Gesamtheit der alliierten Mächte scheint man in Paris immer noch abzulehnen. Für diesen Fall schlägt man vielmehr die Reparationskommission als die richtige Adresse vor. Für die Bereinigung des Ruhrproblems und die durch den Ruhr⸗ einfall aufgeworfenen Reparotionsfragen, die nunmehr un⸗ bedingt einer endgültigen Lösung zugeführt werden müssen, scheint uns die Reparationskommission wirklich nicht die richtige Instanz zu sein. Die Fragen, die jetzt zu lösen sind, gehören vor das Forum der Mächte, die den Vertrag von Versailles geschaffen haben, zumal Frankreich selbst als hauptbeteiligte Macht nach allen Aeußerungen über den Standpunkt der Regierung Poincaré für eine Verhand⸗ lungsbasis, auf der weitergebaut werden könnte, noch nicht zu haben ist. 5

N Sechwen fung Italien?

In der Haltung Italiens zur Ruhrpolitik scheint sich ein Um⸗ schwung vorzubereiten, der sich zunächst durch einen Presseseldzug der Fascisten ankündigt. Die Regierung Mussolini scheint bei der bisherigen Haltung Frankreichs zu befürchten, daß Italien bei der Regelung, die früher oder später kommen muß, selbst zu kurz kommt. Daher soll, wie die Vossische Zeitung erfahren haben will, seit drei Tagen ein von Italien angeregter Meinitngsaustausch zwischen Rom und Brüssel im Gange sein, um eine Einigung über ein gemeinsames Reparationsprogramm zu erzielen. In Paris selbst bestreitet man zwar noch die Tatsache eines solchen Sondermeinungsaustausches zwischen Italien und Belgien und gibt nur zu, daß Italien durch dieetwaige Kapitulation Deutsch⸗ lands nicht überrascht werden möchte.

EineAutwor! auf elf Fragen. 7

Am 22. Februar hatte Genosse Vandervelde dem belgischen Außenminister Jaspar 11 Fragen, die sich auf das Ruhrunternehmen bezogen, zur öffentlichen Beantwortung unterbreitet. Der Außen⸗ minister hat jetzt seine Antwort erteilt, die allerdings mehr als küm⸗ merlich ausgefallen ist. Die Mehrzahl der Fragen Vanderveldes läßt er unberührt, da augenblicklich das Staatsinteresse eine öffentliche Be⸗ antwortung nicht gestatte So werden mit Stillschweigen übergangen Helfferich, der berüchtigte Reichsfinanzminister in den Kriegszeiten, unter dessen Führung die Steuerhinterziehung zu einer gesetzlich erlaubten Uebung der Reichsten geworden war.

Preisabbau oder Lohnerhöhunge Zweifel⸗ los ist der erstere die wirtschaftlich richtigere Maßnahme. Er steigert den Wert des Lohnes auf sicheren Grund, während Erhöhung und Nachzahlung unsere Staatspapierflut an⸗ schwellen lassen und alsbald vom Verkäufer des Lebensnot⸗ wendigen geschluckt werden. Ob es aber der Reichsregierung

die Fragen nach einer Auskunft über das Ergebnis der Kontrolle der Ingenieurkommission, über die Menge der seit dem Ruhreinfall abge⸗ förderten Kohlen, über die Mitwirkung Italiens, über die Kosten, die Belgien bis Ende Februar entstanden sind und über die Folgen des nahezu völligen Ausbleibens der Kohle für die belgische Industrie. Von all dem kein Wort. Auch um die Antwort auf die Frage, ob die belgische Regierung der Ansicht sei, daß eine Kontrolle unter dem Schutz von mehr als zwei Armeekorps wirtschaftliche Ergebnisse zeitige, drückt sich der Herr Außenminister. Aber noch mehr, das Stagtsinteresse muß sogar als Vorwand dienen, um sich auszuschwei⸗ gen fiber Maßnahmen der Regierung gegen das Sinken des belgischen Franc und das Steigen der Preise. Eine klare Antwort gibt der Außenminister lediglich auf die Frage, ob man mit den ergriffenen Maßnahmen nur einen wirtschaftlichen Druck auf Deutschland aus⸗ üben wolle, oder ob man vielmehr ein politisches Ziel, die endlose Besetzung des Ruhrgebiets, im Auge habe. Hier wiederholt der

nister seine bereits im Auswärtigen Ausschuß der Belgischen Kammer abgegebene Erklärung, daß die durchgeführten Maßnahmen als ein⸗ zigen Zweck die Bezahlung der Reparationen verfolgen.(2) Der Druck auf Deutschland soll allerdings eine immer schärfere Form an⸗ nehmen und nicht nachlassen, bis Deutschland seine eingegangenen Ver⸗ pflichtungen erfüllen wird. Welche Verpflichtungen gemeint sind, läßt die ministerielle Antwort nicht durchblicken. Der belgische Außen⸗

ein, ob die belgische und die französische Regierung ihrerseits be⸗ stimmte Forderungen formuliert haben, die Deutschland unterbreitet werden sollten für den Fall daß es zu Verhandlungen käme; und ebensowenig auf die Frage, ob die Besetzung des Ruhrgebiets auf⸗ hörte, wenn Deutschland Garantien biete für die Bedingungen, die es übernommen hätte. Wie sehr sich die belgische Politik im Schlepp⸗ tau Frankreichs befindet, ersieht man auch daraus, daß sich der Außen⸗ minister nicht darüber ausläßt, ob es die Auffassung der belgischen Regierung sei, daß das Repacationsproblem gelöst werden könne ohne ein Uebereinkommen aller Alliierten und ohne daß die Zahlungs⸗ fähigkeit Deutschlands durch Schiedsgericht festgestellt worden ist. Dafür aber leistet sich der Minister in seiner Antwort eine klare Ge⸗ schichtsklitterung, wenn er behauptet, daß die französisch⸗belgische In⸗ genieurkommission bei ihrem Erscheinen im Ruhrgebiet sich mit den Unternehmern und Arbeitern verständigt hätte und daß die Lieferun⸗ gen regelmäßig weitergegangen wären, wenn nicht die Berliner Re⸗ gierung ihren Staatsangehörigen ein entsprechendes Verbot auferlegt hätten. Dadurch, daß man in Frankreich und in Belgien diese Be⸗ hauptung immer wieder aufstellt, wird diese Lüge nicht zur geschicht⸗ lichen Wahrheit. a Die bisherige Nuhrbilanz.

Der französische Schriftsteller Robert Chenevier zieht in einem Artikel des Progres civique die bisherige Bilanz des Ruhrunternehmens für Frankreich. Auf der Passivseite finden wir zunachst die vom französischen Schatzminister be⸗ rechneten Kosten für die ersten beiden Monate der Ruhr⸗ besetzung: 5 Millionen Francs für den Unterhalt der Zivil⸗ missionen, 50 Millionen Francs für den Unterhalt der Be⸗ satzungstruppen, 60 Millionen Francs für die Organisierung der Eisenbahnen. Zusammen also 115 Millionen Frances für die Monate Januar und Februar.

Zu diesen zahlenmäßig erfaßbaren Passivposten fügt Chenevier ander, die sich im allgemeinen nur schätzungsweise erfassen lassen. Zunächst setzt er das Ausbleiben der deut⸗ schen Lieferungen an Frankreich auf Grund des Friedens⸗ vertrages nach den offiziellen Schätzungen der Reparations⸗ kommission allein für den Monat Januar mit einer Gesamt⸗ summe von 16 760 693 Goldmark ein, die er in über 68 Mil⸗ lionen Papierfranes umrechnet.Die französische Metall- industrie, schreibt er weiter,macht gegenwärtig eine furcht⸗ bare Krise durch, die noch schlimmer werden kann, weil sie seit dem Einrsicken unserer Truppen in die Ruhr fast keine Kohle und keinen Verhüttungskoks mehr bekommt. Um

zeichnen, stellt er dann die Lieferungen aus Deutschland vom 1. bis 10. Januar: 61266 Tonnen Kohle und 144505 Tonnen Koks, denen vom 10. bis 15. Januar: aus dem Ruhrgebiet nichts mehr, aus dem Aachener Gebiet noch 1729 Tonnen Kohle und 9800 Tonnen Koks und denen vom 15. bis 25. Januar: insgesamt 7000 Tonnen gegenüber. Unter Kapitel erwähnt er die Folgen dieses Ausbleibens der

mehr als 16 von 45 Hochöfen im Departement Meurthe et Moselle und von 19 von 40 im Departement Moselle, wobei er betont, daß ein erloschener Hochofen eine kostspielige und schwierige Wiederinstandsetzungsarbeit von zwei bis drei Monaten beansprucht.

eine wirksame, allseitige Preiserniedrigung abzuringen? Nach dem Ruhrkampf und wann werden wir die Franzosen wieder heraus haben? scheint eine scharfe Aus- einandersetzung mit den frech gewordenen nationalistischen Feinden von Demokratie und Reichstag im Innern unerläß⸗ lich. Mit Recht hat Genosse ScheidemanDemokraten heraus gerufen zum Schutze der gefährdeten Republik.

minister geht aber auch nicht auf die Frage des Genossen Vandervelde

den Verdienstverlust dieser hochwichtigen Industrie zu kenn⸗

aus dem Ruhr- und Aachener Gebiet

dem gleichen

deutschen Kohlen- und Kokslieserungen: das Abblasen von

In diesem Posten finden wir noch

gelingen wird, der Profitsucht in Produktion und Hande!