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Naher einer Richkigstellung. Enlschieden bestrettet der Beamke, erklärt
zu haben, daß er nicht mit einem Arbekter das Holz teilen wolle, eine derartige Aeußerung würde gar nicht seinen Ansichten entsprechen. Er habe niemals einen abfälligen Ausdruck in Bezug auf Arbeiter gebraucht, wisse jeden Arbeiter zu schätzen und dünke sich nicht mehr. Bezüglich der Holzverteilung habe er bei der Bürgermeisterei nur den Wunsch ausgesprochen, daß er mit einem seiner Geschwister oder Verwandten zusammen eingeteilt werde, weil darm der Transport gemeinsam erfolgen und sich vorteilhafter gestalten könne. Alles an⸗ dere, was darüber verbreitet werde, sei müßige Rederei verschie⸗ dener Leute.
Strafkammer Gießen. Sitzung vom 11. Mai. 9005
Der tro seinee Jugend wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Wbdersteng bestraste„Gelegenheftsarbeiter“ K. B. aus Vilbel verfolgte Berufung gegen eim Urteil des Schöffengerichts Vilbel, durch das er wegen Bedrohung, Nötigungsversuch. Beleidigung und Widerstandes zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte auf einer Bahnfahrt einen friedlich in der Ecke sitzendem Reisenden der nichts aufreizendes an sich hatte, als daß r das im Feld verdiente Band des eisernen Kreuzes trug, deshalb ohne jede Veranlassung in der gemeinsten Wesse angerempelt be⸗ leidigt, bedroht und zur Ablegung des Ehrenzeichens zu nötigen ö„schließlich dem Bahnbeamtan, der seine Personalien fest⸗ stellem wollte, Widerstand geleistet. Er behauptete, er wisse von der Sache nichts, man solle sie ihm bewessen. Nachdem dieser Wunsch durch die Beweisaufnahme erfüllt worden war, wurde die
Strafe um zwel Wochen erhöht. 2 Elm hiesiger Kaufmann der wegen Nahrungsmittel vergehens klagt war, weil er Linsen verkauft hatte, die mit kleinen asern behaftet waren, mußte freigesprochen werden, nachdem fest⸗ gestellt worden war. daß der Refsende, der ihm die Linsen ver⸗ st hatte, den mit bloßem Auge schwer zu bemerkenden Käfer⸗ besat arglistsg verschwiegem hatte. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht bezeichneten den Reisenden als den schuldigen Teil; die Staatsanwaltschaft wird die Folgerung daraus zu ziehen
Wegen Belesdigung des Landwirtschaftsrates Dr. Schad aus N waven zwei Landwirte von Eckartshausen vom Schöffen⸗ gericht Altenstadt zu Geldstrasen von je 5000 Mark verurteilt wor⸗ den. Auf die Berufung der Staatsamwaltschaft warden die Strafen auf 20 000 und 50 000 Mark erhöht. Drei Arbeiter aus Schitzer Gegend waren wegen Mißhandlung— sie hatten einen sahrer aus einer benachbarten Ortschaft der einem Mädchen N Dorfes den Hof au machen wagte, in der Dunkelheft vom ö gerissen und mit einer Lakte verprügelt— vom Schöffen⸗ gerscht zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Auf ö Berufung wurde die Strafe des einen auf zwei, die des wen auf einen Monat herabgesetzt, der dritte wurde mangels —1 2 1 f ochen wurde auch ein An⸗ m T gleichen Grunde freigesproch geklagter von der Anklage der Fahnenflucht, der Unterschlagung und des Be Die Sache lag fast vier Jahoe zurück, und es konnte mamentlich micht nachgewiesen werden, daß er damals ord⸗ mwungsmäßig Soldat geworden war.
Kleine Nachrichten.
Frankfurt a. M., 14. Mai. Das Frankfurter„Fürsten⸗ eck“. Der Bund tätiger Altstadtfreunde erwarb mit Hilfe eines Secbgieen Kunstfreundes das spätgotische Haus„Fürsteneck“ in der Altstadt und wird es nach völliger Wiederherstellung der Stadt zum 1 machen. Der jetzt im Kunstgewerbemuseum aufbe⸗ wahrte Renaissance⸗Saal mit der berühmten Stuckdecke, die aus dem Fürsteneck stammen, sollen dann wieder an ihren alten Platz verbracht werden. Das Haus wird sodann musealen Zwecken dienstbar gemacht werden. Die Besitzer der Nachbarhäufer vom Roseneck bis Fürsteneck haben sich verpflichtet, ihre Gebäude gleich⸗ 0 erneuern zu lassen, sodaß um das„Jürsteneck“ später ein ab⸗
geschlossenes Stadtbild entsteht, das an Schönheit seinesgleichen suchen dürfte. Für das Höschen im Haus Wannebach stiftete der Bund tätiger Altstadtfreunde ein reizvolles Brünnchen.
Frankfurt a. M., 14. Mai. An den Pranger! Das Polizeiprästdlum gibt die erste Liste der Personen bekannt, die ohne zwingende Gründe die von den Franzosen geführten Züge in den letzten Tagen benutzt haben. Es handelt sich um 31 Personen aus dem besetzten und unbesetzten Gebiet. Ferner werden die Namen von 6 Personen öffentlich bekannt gegeben, die für die mit den Franzosenzügen ankommenden Reisenden Gepäckträgerdienste ver⸗ sehen.— Um die Fahrgäste der Franzosenzlige vor den deutschen Poltzeibeamten zu„schützen“, hat die Vesatzungsbehörde die Grenz⸗ sperre zwischen Frankfurt und Griesheim um 200 Meter zurückge⸗ legt.— Daß Geld nicht stinkt, auch wenn es von Franzosenzug⸗ relsenden stammt, beweisen die Automobildroschkenbesitzer, dle jetzt vor dem Bahnhof Griesheim regelmäßig halten und die Reisenden e recht hohe Gebühren von hier in das unbesetzte Gebiet bringen. Die Franzosen, die sonst sehr rigoros gegen die Kraft⸗ wagen vorgehen, lassen diese ihre Helfersbelfer natürlich unge⸗ schoren und leisten ihnen allen Vorschub. —— 5
Fran f ei wei tei, isen wurden bezahlt für je börse i weiter steigenden. 15 4 dos e gloggen
leie Mk. 68 000— 73 000. Erbsen Mk. 190 000—220 000, Heu Mk. 60 000— 70 000, Stroß Mk. 56 000—60 000, Biertreber Mk. 80 000 bis 82 000. 955 1
Frankfurt a. M., 14. Mal. Frankfurter Viehmarkt. Auftrieb: 64 Ochsen 37 Bullen. 661 Färsen und Kühe. 350 Kälber, 26 Schase und 1465 Schweine. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen, vollfleischig Mk. 390 000 bits 410 000, junge fleischsge Mk, 330 000—380 000. mäßig genährte Mk. 280 000—320 000: Bullen, vollfleischige Mk. 340 000 bis 400 000, vollfleischige jüngere Mk 2890 000.330 000 Färsen und Kühe voll ausgewachsene Färsen Mk. 360 000—420 000, voll ausgewachsene Kübe Mk 350 000—400 000, wenig gut genährte Färsen Mk. 300 600—350 000. ältere Kühe Mk. 290 000—340 000, magere Ksiihe und Färsen Mk. 180 000—280 000: Kälber feinster Qualität Mk. 410 000—460 000, mittlerer Qualität Mk. 350 000 bis 440 000, geringerer Qualität Mk. 280 000—340 000: Schafe Mk. 250 000— 280 000; Schweine unter 80 Kilo Mk. 400 000—440 000, von 80—100 Kilo Mk 440 000 460 000, von 100—150 Kilo Mk. 450 000.470 000. Der Markt wurde bei lebhaftem Handel ge⸗ räumt. Wegen der Pfingstfeiertage findet nächste Woche der Haupt⸗ markt am Mittwoch den 23. Mai statt.
Frankfurt a. M., 14. Mai. Einen otelgesuchten Gau⸗ ner gefunden. Der vielfach vorbestrafte Alexander Reuter aus Potsdam stahl aus den Zimmern eines hiesigen ersten Hotels den Gästen Schmucksachen und Goldgegenstände, wo er nur irgend Gelegenheit dazu sand. Durch die Schutzpolizei wurde er am Sonn⸗ tag überrascht und festgenommen. Es handelt sich bet Reuter um einen viel gesuchten internationalen Gauner. 5
Frankfurt a. M., 14. Mali. Schon wieder ein Spiel⸗ klub. Frau Antoinette Hennemann unterhielt in ihrer Wohnung, Moselstraße 23, monatelang einen Spielsalon, in dem sich allnächt⸗ lich eine Gesellschast von allerhand mehr oder minder zweifelhaften Personen einfand, die um hohe Einsätze„dippelte“. Am Sonntag abend hob die Polizei das Spielernest aus.
Dudenhofen, 15. Mail. Unglücksfall. Gestern Mittag um 3 Uhr wurde der Landwirt Philipp Ludwig Hartmann von hier beim Stämmeverladen an der Bahn von einem Stamm erschlagen. Wie das Unglück geschah und ob irgend wen ein Verschulden trifft, konnten wir nicht erfahren.
Darmstadt, 14. Mai. Wie gemeldet wird, ist der Regierung Ge⸗ legenheit geboten, das Haus des Fürsten Erbach⸗Schönberg in Darm⸗ stadt, Heidelbergerstr. 22, zu einem Preise von 188 000 Gulden zu er⸗ werben, das dem Staatsprästdenten als Wohnung zur Verfügung ge⸗ stellt werden soll.
Nierstein, 14. Mai. Auf der Straße nach Oppenheim wurde ein französischer Posten erschossen. Ueber die umliegenden Gemeinden wurde Nachtsperre verhängt und die 3 Söhne des ermordeten Kreis⸗ veterinärarztes Gerhardt verhaftet.
„Liebe bricht die stärksten Riegel!“
Ein Großindustrieller, der in Berlin am Stadtpark Schöneberg wohnt, hatte, durch die allgemeine Unsicherheit veranlaßt, die Ein⸗ gänge zu seiner Wohnung mit den allermodernften technischen Sicher⸗ heits einrichtungen versehen lassen, sodaß sie eher Festungstoren als gewöhnlichen Wohnungstülren glichen. Jetzt dachte er gegen jeden Einbruchsversuch vollkommen geschützt zu sein. Ein bekannter Ein⸗ brechertrick aber machte alle seine Vorkehrungen umwirksam.
Bei der Familie dienten seit einiger Zeit zwei junge Mädchen, die Geschwister Lotte und Else Berg aus Mecklenburg. Beide blieben allein in der Wohnumg, als die Familie am Sonntagnachmittag in vollem Vertrauen auf die Sicherungsmaßnahmen eine Ausfahrt unternahm. Bei ihrer Rückkehr fand die Frmilie die Wohnung aus⸗ geplündert. Die Behältnisse waren zum Teil mit den richtigen Schlüsseln geöffnet, zum Teil erbrochen. Für 150 Millionen Mark Tafel silber, Wäsche, Pelze, Kleidungsstücke usw. waren gestohlen. An den Eingangstitren war keine Spur irgendeiner Beschädigung zu finden. Kriminalkommissar Gennat, der Leiter des zuständigen De⸗ zernats, und seine Beamten übersahen alsbald die Luge und nahmen Lotte Berg und ihre Schwester ins Gebet. Lottchen hatte vor einige Sonntagen auf einem Tanzvergnügen einen jungen Mann kennen gelernt, der sich ihr als Kurt Haase vorstellte. Dieser hatte sie am Sonntag wieder abgeholt und als Kavalier ihre Handtasche getragen, die auch das Bund mit allen Kunstschlüsseln enthtelt. Auch ihre Schwester Else war ausgegangen. Sie hatte von einer Freumdin Elisabeth Böhmer eine Theaterkarte erhalten und mit ihr das Theater besucht. Elisabeth Böhmer, die nun auch vernommen wurde, gestand, daß auch sie seit kurzer Zeit einen Freund hatte. Er hatte ihr beide Billets geschenkt, weil er, wie er sagte, am Sonntagabend zufällig keine Zeit hatte, selbst mit ihr das Theater zu besuchen. Dieser unbekannte Freund, dessen Namen ste nicht einmal weiß, war ohne Zweifel der Spießgeselle des„Kurt Haase“, der ihm, während er mit dem harmlosen Lottchen fleißig tanzte, die Kunstschlüssel zu⸗ gesteckt hatte, sodaß er bequem aufschließen und die Wohnung aus⸗
rdunen Lonnte. Von ber großen Bente ist noch keine Shu e Auf die Ergreifung der Täter und die Hegechefeefe stohlenen Gutes ist eine Belohnung von 10 Millionen auß esetzt Eine Episode aus einem russischen Luxus lola N Einen interessanten Einblick in das Leben der vaftriel russischen Intelligenz in Berlin gewährte eine Verhandlung dem Schöffengericht Charlattenburg. Unter der An 0 der suchten Bestechung hatte sich der ukrainische Rechtsanwall Dr. Persitzky, einer der bekanntesten und angesehensten Nalare s Odessa, verantworten. 3 1 Ne seiner Heimat Vertriebene ist jetzt hier als stand der russtschen Delegation vom Roten Kreuz tät geklagte war täglicher Stammgast des bekannten russische rats„Medwid“(Bär) in der Bayreuther Ktraße, fen melpunkt zahlreicher wohlhabender russischer Flüchtlinge. D. Leitung des Restaurants lag ausschließlich in den Hände kuf Intellektueller: Geschäftsleiter waren zwei 1 9 anwälte aus Odessa, Oberkellner ein Adliger aus dem Bg Küchenchef ein Mitglied der russischen Aristokratie. Partier und der Garderobjer waren russtsche Akademiker Im ber. gangenen Jahre mußte sich das Reftaurant auf Grund einer Au, zeige eines Tages um die Mittagszeit, als das Lokal vel besegg war, den Besuch einer Kommission gefallen lassen. Im hinteren Korridor wurden auf langen Tafeln stehend zahlreiche Portsone Schlagsahne, deren Herstellung bekanntlich verboten funden und beschlagnahmt, obwohl die Geschäftsleitung dale als harmlose Ereme bezeichnete. Unter den Gästen verussachte daz Erscheinen der Beamten eine furchtbare Aufregung, wel man au eine polizeiliche Paßkontrolle glaubte, die offenbar ein keil der Gäste zu scheuen guten Grund hatte. umdrängte die Je, amten, lief hin und her und versuchte, den Ausgang zul erreichen, In dieser Aufregung wurde plötzlich dem Zollsekretär frschbaum von hinten ein Tausendmarkschein in die Hand gedrückt. Er dr sich auf der Stelle um und sah den Angeklagten Persskr 0. weglich vor sich stehen. Persitzky wurde dann verhaffeiff die Ver. beidigung hielt aus rechtlichen und tatsächlichen Gründen eine vn. suchte Bestechung nicht für vorliegend. Das Schöffengesseh 90 sich den Ausführungen der Verteidigung an und erkannt auf 75 sprechung des Angeklagten auf Kosten der Staatskase. Gegen dieses Urteil hat die Staatsanwaltschaft Berufung einissegt, Arbeitsrecht, Gewerkschaftliches, Arbeiterben ung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Sitzung vom 11. Mai. In der Lohnstreitsache des Verbandes der Maler und Weh. binder in Gießen gegen die Vereinigung der Maler⸗ And 0 G²
bindermeister und die Bauhütte in Gießen schlug Shlichtungs⸗ ausschuß durch Schiedsspruch als Stundenlohn der selbstül hig; hilfen über 20 Jahren mit Wirkung vom 5. Mai 1923 M 1500— ab 12. Mal Mk. 1600.— und ab 19. Mai bis 1. Jum Mf. 179. vor. Die Übrigen Löhne sind in demselben Verhältnis n erhöhen,
tung de teson, die Sache zunächst vor Tarifamt u bringe, für nicht 11 und erklärte sich daher für zuständg umsonh
Als auch ein Tarifamt bisher nicht tätig gewesen ist. Zu Lohne. kung sclost wunde durch Schiedsspruch den Narteien u Erl von 20 Prozent von der laufenden
Die Quarzit werk in Treis a. Oda. sollen von der laufenden Lohmwoche an gemäß Vors im Schiedsspruch als Spitzenlohn Mk. zahlen und
e übrigen Löhne in demselben Verhältnit erhöhm, Erllärungsfrist in besden Sachen: 17. Nat 1 In einem Streit zwischen dem Verband der enn tar, ter und den Gailschen Tonwerken in Gießet über ee Stellungnahme der Firma zu den Betriebsratssitzunng gab dan Schlichtungsantsschuß seine Ansicht dahin kund:„Eine müse Erledigung der Betriebs ratssitzungen, an denen der Arbeig. zunehmen berechtigt ist, wird mr dann gewährleistet, n Sinme der 88 14 Abs. 2 und 20, falls er nicht persönlich ber anwohnt, er sich durch einen mit genügender Vertretm ö versehenen Bevollmächtigten vertreten läßt. Hierbei ist arforbeissch daß die Tagesordnung rechtzeitig und ausreichend belummtgehebel
worden ist.“ 1 Sitzung vom 12. Mai.
Für die Metallindustrie des Lahngebisets un Oberhessens vereinbarten der Deutsche Metallarbe⸗ d und der Arbeitgeberverband für Lahngau und Oberhessen folgen: 1. Der Schiedsspruch vom 25. 4. 1929 wird außer gesett Statt dessen werden auf die bisherigen Löhne vom 1—15. Nn 20 Prozent und vom 16.—31. Mai 29 Prozent Zulage gerahlt. Her, nach ergibt sich als Spitzenlohn der gelernten Arbeiter Mk. ö“ bezw. Mk. 1750. 5 Mark und mehr in der letzten Stelle Herden au 10 Marb nach oben, weniger als 5 Mark auf Null nah unten ah. gerundet. Bei der Ausrechnung der Zuschläge für die Zeit ron
Der Geist von 1848.
Aussprüche bekannter Parlamentarier der damaligen Zeit.
Mit der bevorstehenden Frankfurter Erinnerungsfeier an die erste deutsche Nationalversammlung werden alle die Gestalten wieder lebendig, die im Jahre 1848 in der Paulskirche ihre Stimme erhoben, um, begeistert von einer großen Idee, voller Hoffnungen für die Zukunft ein einiges, freiheitlich gerichtetes Deutschland zu schaffen. Blieb auch der äußere Erfolg aus vielen Gründen aus, U wird doch jedermann, der sich mit der Geschichte dieses ersten deutschen Parlaments beschäftigt, immer wieder erstaunt sein über die Fülle der ausgezeichneten Gedanken, die das Niveau der Ver⸗ sammlung bestimmten. Wir veröffentlichen daher im Folgenden einige Lesefrüchte aus den Parlamentsverhandlungen der da⸗ maligen Zeit, die am besten in ihren Geist einführen und zugleich interessante Parallen zur Gegenwart eröffnen.
Abgeordneter Venedey(Köln):„In diesem gegenwärtigen Augenblick kommt wieder eine neue Dynastie an die Herrschaft. Es ist die Dynastie des Volkes, sie wird künfig herrschen. Denn es ist die Zeit gekommen, wo sich der Volksgeist als solcher, die Selbst⸗ herrschaft der Nation, durchringen will. Deshalb glaube ich auch, Sie mißverstehen den Gedanken„Rechtsboden“, wenn Sie ihn nicht sogleich in die Revolution hineinlegen...“ 0 Prästident Heinrich von Gagern(Darmstadt) erkärte in einer seiner Ansprachen:„Wir sollen schaffen eine Verfassung für Deutschland, für das gesamte Reich. Der Beruf und die Vollmacht, zu dieser Schaffung, sie liegen in der Souveränität der Nation Wenn mancher Zweifel besteht und Ansichten auseinandergehen, über die Forderung der Einheit ist kein Zweifel, es ist die For⸗ derung der ganzen Nation. Die Einheit will sie, die Einheit wird sir haben, sie befestigen; sie allein wird schützen vor allen Schwierig⸗ keiten, die von außen kommen mögen, die im Innern drohen..“
Wilhelm Jordan(Berlin):„Wir müssessn uns hier drinnen erfüllen mit dem Geiste, der jetzt nur draußen, aber ungeordnet und wild braust; wir müssen ihn zu uns hereinnehmen, um ihn 7 beruhigen, und in wirklichen Schöpsungen zum Frieden und der klarheit bringen. Von diesem Geist müssen Sie sich durch⸗ dringen lassen, wenn es endlich vorwärts gehen soll, wenn Sie nicht wollen, daß er draußen sich selbst überlassen und aufgeregt, hier drinnen keine Anerkennung finden, unser Vaterland ulcht an den Rand, sondern mitten hinein in den Abgrund des etherbens stürze. Dieser Geist, dies Bewußtsesn, zu dem wir uu. erheben
müssen, er ist kein anderer als der Gel, als das Bervußztein der Revolution. 4
. Adolf von Trützscher(Seesen:„Sie meinen, es sei nur eine Nesormbewegung oder eine kleine Reyolution, welche keinen
anderen Zweck hätte, als dem Volk gewisse Rechte zu erkämpfen und einzelne Beschränkungen wegzureißen. Das ist nach meiner innigsten Ueberzeugung ein Irrtum. Es ist eine große Bewegung, in der wir uns befinden, und ihr Ziel ist kein anderes, als große Grund⸗ sätze zur Geltung zu bringen, die in jeder Menschenbrust liegen, die Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit...“
Den Beschluß mag ein Wort von Hermann von Becke⸗ rath(Crefeld) machen:„Nun soll das Wort die Tat, die Dichtung Leben werden, ein anderer hoher Dom muß sich erheben, ein starker, fester Bau politischer Formen, ichs age muß sich erheben, denn nach meiner innigsten Ueberzeugung kann nur ein solcher starker politischer Bau unsere Freiheit begründen, unser nationales Dasein vor dem Untergange bewahren. Alle Blicke sind auf uns, die Bauleute gerichtet...“
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Wilhelm Schäfer zur deutschen Judenfrage.
In einem jüngst bei Georg Müller, München, er⸗ schtenenen Buche Der Deutsche Gott äußert sich Wilhelm 1 äfer auch in sehr drastischer Weise zur Judenfrage in Deutsch⸗
Der bekannte rheinische Erzähler und Kulturphilosoph, dessen Rasseechtheit und dessen Vaterlandsliebe wohl in allen Lagern außer Zweifel stehen dürften, vollzieht aus tiefstem Abscheu eine Ab⸗ rechnung mit dem Gassen⸗Antisemitismus, wie sie sich gründlicher und ernsthafter nicht denken läßt. Ein um die Wahrung deutschen Volkstums schier überängstlich Besorgter geht da, mit richtigem Verständnis aller historischen Zusammenhänge, alle Möglichkeiten einer angeblichen Judengefahr durch und gelangt zu dem keinen kühl Besonnenen über raschenden Resultat, daß für die 99 Prozent deutschen Volkstunms, von dem ihm gegenüberstehenden einen Prozent semi⸗ tiscen NVolkstums nichts zu eden sei. 5
er spricht dabei nur. geistig⸗kulturrellen Einflüssen denn ihrs w jedem Gebildeten i. Srsahdsatz, daß sich die das moderne Leben gestaltenden Wirtschafts ze verzweifelt wenig um Rasse⸗ theorien kümmern. Die Bilanz im Geistigen aber ergibt, nachdem der Deutsche als der ewige Fremdling unter den Weltvölkern dem jüdischen Ahasver wehmlitig zugenickt fast noch ein Guthaben zugunsten des Judentums, denn nach ausdrücklicher Feststellung der unglaublichen Verwüstung, die die Indolenz unseres Spießbürger⸗ tums am kostbarsten geistigen Erbe der Nation zuwege gebracht hat, fährt er wörtlich fort:„In jüdischen Häusern, mehr als sonst, hängen gute Bilder, in jüdischen Häusern, mehr als sonst, wird gute Musik gemacht, in jüdischen Häusern, mehr als sonst, werden gute Bücher
gelesen. Was einmal den Ruhm der Rahel ausmachte, unde Lehen, stil in jüdischen Häusern. Gegenwärtig ist die Pflege das geistigen Lebens in Deutschsand, d. h. der Widerhall dessen, um un sich unt und Wissenschaft bemühen, zu einem beträchtlichen Teil 11 füdischen Händen, so daß es manchmals aussieht, als wollte das deutsche Aal diesen ihm unwichtigen Teil seines Daseins den Juden sbexlassen, Schäfer nennt dies einen für uns Deutsche ebenso beschämenden wie für die Juden rühmlichen Zustand. Sein Deutschsinm, desen Reinerhaltung Schäfer nicht von den Methoden der ee un! Hundezüchter, sondern von geistiger, kultureller Selbstbewährung e hofft, findet sich mit dem altgläubigen Ghetto⸗Juden un mit ben modernen Zionisten ohne Angst, ja— entsetzlich zu sagen— in ahl, N licher Gesinnungsgegnerschaft und kampfesfroher Achtung Jogar m dem internationalistisch eingestellten, den Wert national alhegrenzies Volkstums leugnenden Juden ab.
Nur hier haben“ wir, so richtig Wilhelm Schäfers Oamdgebarl von den erst noch zu verwirklichenden nationalen Votedingungen eines jeden künftigen Internationalismus ist, den Eiunund l heben, daß der Autor einseitig dem Judentum eine Vemmittle im Völkerleben zuweist, die es in diesem Maße woll inte gehch hat, denn in all den Jahrzehnten, da uns Deutschen ein welthürgel liches Hervortreten und Einwirken noch innerlich und lhorlich nal, lich war haben sich um Rahmen sozialistischer, demokrabsher, full, niger, liberaler Anschauungen in dieser vermittelnden und gleichenden Richtung kaum mehr Deutsche semitischer all„a 15 Herkunft betätigt. Auch der jener welthürgerlich gerichsten 10 von Aufklärungsjuden einseitig zugeschriebene Intel 11 und Materialismus, in dem Schäfer mit Recht ein Hemms deussche Kulturentfaltung erblickt, scheint uns nicht aus der uu ihn Quelle des Rassemäßigen, sondern aus viel verwickelteren und w 5 greifenden geschichtlichen Notwendigkeiten abzuleiten zu 5* stehen wir letzten Endes immer wieder vor dem ungesinhen ee Niederschlag der ungesunden kapitalistischen Wirtsch aftteise. 110 Rafsethorte, die die geschchtlicen Gewordenhelten, Bol ente Völkerbezsehungen, zugunsten der romantischen Vorstellim 1 ö schichtslosen völkischen Ur⸗ und Noturzustandes in den erg drängt, kann mur ausgemachter und unheilbarer Halbgesl cheit der bequeme Universalschlüssel zu allen möglichen Lebe 41 scheinen, deren Verständnis sich nur minder schematisch Dalkenden jenen Schwarmgeistern nach ernster Arbeit erschließt. 0
Sein echt deutsches Beharren auf dem nationalen geschichtlicher Erkenntnis wird nun auch wohl Wilhelm Ef davor bewahren, ans Hakenkreuz geschlagen oder zum je
„Judenknecht“ verlästert zu werden. N 1 . N
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