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doch, die Menge auseinanderzutreiben,
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Menschenmassen, von denen sich in der vierten Abendstunde 23000 von den Hotels Belevue und Saxonia am Pots- damerplatz, in denen Mitglieder der Militär-Kontroll- Kommission und der Entente-Kommission untergebracht sind, ansammelten und einzudringen versuchten. Da und dort wurden auch Ausländer belästigt. aber der Polizei gelang es ohne daß es zu größeren Zwischenfallen gelommen wäre. Auch einige deukschvölkische Heißsporne, die einem Mitglied der Entente- Kommission nachgestürzt waren, wurden rasch wieder aus dem Hotel herausbefördert.
In Franlfurt 5 tegte die Franfurter Bevölberung in wuchtiger Weise Einspruch gegen die Vergewaltigung des Ruhrgebietes ein. Den Reigen der Veranstaltungen eröffneten die städtischen Körperschaften mit einer Sitzung im Bürgersaal, in der der Oberbürgermeister Voigt und Stadtverordnetenvorsteher Hopf in schärfsten Worten gegen die fran⸗ zösische Raubpolttik sprachen. In einer dem Reichspräsidenten Ebert und dem tapferen Oberbürgermeister Dr. Luther in Essen liber⸗ mittelten Ensschließung gelobte die Stadt Frankfurt dem Ruhrgebiet und seinen Volksgenossen Treue um Treue bis zum Letzten.— Um die Mittagsstunde versammelten sich im Riesenbau des Schumann⸗ theaters ungezählte Tausende zu einer gewaltigen Kundgebung, in der Vertreter der bürgerlichen Parteien die Massen zum Protest gegen die französische Gewaltpolitik begeisterten. Der Zudrang zu der Versammlung war so groß, daß auf dem Bahnhofsplatze weitere Kundgebungen abgehalten werden mußten. Die Veranstaltung im Schumanntheater gewann dadurch noch besondere Bedeutung, daß an ihr viele Hunderte von Volksgenossen aus dem besetzten Gebiet, denen bekanntlich jede Willensäußerung verboten wurde, teilnahmen. Die in Frankfurt ansässigen Grenzlandsmannschaften nahmen an der Kundgebung geschlossen teil, ebenso die stagtlichen und städtischen Behörden. Eine Entschließung, bis zum Aeußersten für deutsches Recht und deutsche Freiheit einzustekhen, wurde angenommen. Die Abend⸗ stunde sah im Schumanntheater eine zweite Protestversammlung, die Republikanischen Führerbund einberufen war und an der die vereinigte sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften teil⸗ nahmen. Auch diese Kimdgebung war sehr stark besucht und wandte ich mit aller Schärfe gegen die Politik Frankresch,— die nur wei⸗ teres Unheil der Welt bringen müsse.— Auch sonst prägte ssch der nationale Trauer⸗ und Trutztag in zahlreichen Veranstaltungen
mancherlei Art aus. 1 München.
In der von den vaterländischen Verbänden auf dem Münchner Königsplatz veranstalteten Demonstration sprach der als Führer der nationalen Bewegung in Mlinchen belannte Sanitätsrat Dr. Pittinger. Dann sprach der durch seine Tätigkeit an der Front im Weltkriege bekannte Pater Dr. Mayer, der die großen Volksmassen einen feierlichen Schwur mit erhobener Hand ablegen ließ, das Kriegsbeil der inneren Zerwürfnis zu begraben, die Not und das Elend der bedürftigten Volksgenossen zu lindern und nie und nimmer das Vaterland zu verlassen, sondern ihm treu zu bleiben, auch bis in den Tod.
5 Der Deutsche Gewerlschaftsbund, der Allgemeine Freie Ange⸗ stelltenbund und der Allgemeine Deutsche Beamtenbund hatten im stindlkeller eine Versammlung abgehalten. Von dort bewegte sich ein großer Zug mit schwarz⸗rxot⸗goldenen und roten Fahnen durch die inmmere Stadt zum Odeon. Teilnehmer der dortigen Kundgebung griffen die Fahnenträger des Zuges an, nud es kam zu Schlägereien, bei einige Personen leicht verletzt wurden. Von der Feldherrn⸗ Palle zogen einige tausend Menschen mit schwarz⸗weiß⸗roten Fahnen — das Hotel„Vier Jahreszeiten“, wo die Mitglieder der Entente⸗ mmissionen untergebracht sind, und demonstrierten mit dem Ab⸗ singen von Kriegsliedern, Pfiffen und Pfui⸗Rufen! Ein starkes Auf⸗ gebot von blauer und grsiner Polizei sicherte das Gebäude. Eine ähn⸗ liche Demonstration fand vor dem franzöfischen Konsulat statt.
Verbot der Trauerkundgebungen im besetzten Gebiek. Die Rheinlandkommission hat die Anordnung der Reichsregierung über die Feier des Trauersonntages als eine Anwendung bezeichnet, wie sie im besetzten Gebiet nur it ihrer Zustimmung in Kraft treten konnte. Oeffentliche Versammlungen, halbmast Flaggen, Glockenläuten und der Hinweis von der Kanzel ist verboten.
Protest der englischen Arbeiter.
Die englischen Arbeiter protestieren in der energischsten Weise gegen das Vorgehen Frankreichs im Ruhrgebiet. Der nationale Rat der Gewerkschaften und Arbeiterorganisa— tionen Großbritanniens hat ein Manifest veröffentlicht, das formell jede Verantwortung für die französische Politik gegenüber Deutschlands ablehnt. Dieses Manifest verurteilt in schärfsten Worten das Vorgehen Frankreichs im Ruhr— gebiet und fordert die englische Regierung auf, sich von jedem Zusammenarbeiten mit den französischen Truppen fernzuhalten und formell zu erklären, daß sie die Politik der französischen Regierung nicht billigt. Ferner wird die eng— lische Regierung in dem Manifest aufgefordert, alles zu tun,
um die Zurückziehung aller Besatzungsarmeen aus dem Rheinland zu sichern und die Reparationsfrage in ihrer Gesamtheit dem Völkerbunde zu unterbreiten. Der be—
kannte englische Arbeiterführer Toma hat außerdem in einer Versammlung von Stratford eine Rede gehalten, in der er erklärte, daß es angesichts der Ereignisse an der Ruhr besser gewesen wäre, wenn Europa den Krieg nicht geführt hätte. Er führte weiter in seiner Rede aus, Frankreich begeht einen
Staditheater Giessen.
Am Freitag abend ging die im Sommer bereits vom Bad⸗ Nauheimer Ensemble schon einmal aufgeführte Komödse von Dario Niecodemi„Scampolo“(Gassenmädel) wieder über unsere Blihne. Auf das Stlick selbst und seine Werte haben wir in unserer Besprechung im vergangenen Jahre hingewiesen, sodaß wir heute nur auf die Darstellung näher eingehen werden.
Unter ber sicheren Leitung von Adolf Teleky wurde ganz vortrefflich gespielt, Als Scampolo trat Gisa Joeu zum ersten Male in führender Rolle hervor. Wir hatten Geelgenheit, in der jungen Künstlerin ein großes Talent für naiye Rollen zu entdecken. Sie gab dieses muntere und doch sensible Kind sehr verständnis⸗ und temperamentvoll. Ebenso hatte Georg Heding die Rolle des Tito Fandti vortrefflich ausgearbeitet. Er gestaltete den Ingenieur mit jener Güte und Herzlichleit, die diese Figur so sympathisch werden lassen. Die Franeg hätte von Kitty Franke nicht typischer gegeben werden können. Auch Oskar Feige und Karla Keller als Carlo und Emilia Benini boten ausgezeichnete Leistungen. Das Publikum n den Darstellern durch reiche Blumenspenden und riesigen
eisall. 1.
großen Irrtum, wenn es sich einbildet, daß die Engländer nicht auch schwer unter den Wirkungen des Krieges gelitten haben. Frankreich spricht von den zerstörten Gebieten, wir jedoch können unsere 1½ Millionen Arbeitslose vorzeigen. Es wäre ein Jrrsinn, sich darüber zu streiten, welches Land mehr Opfer gebracht hat. Man müsse vielmehr den augen- blicklichen Stand der Dinge prüfen. Das Vorgehen der französischen Regierung ist für Deutschland entmoralisierend und behindert außerdem diejenigen in Deutschland, die loyal handeln wollen. Die französische Politik wird sicher fehlschlagen, denn sie ist ein Hohn auf den gesunden Men— schenverstand.
Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
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Geschichtskalen der. 16. Januar. 1844 Paul Singer in Berlin geboren. 1901 Der Maler Arnold Böcklin in Fiesole gestorben. 1906 Eröffnung der Marokkolonferenz in Algeekras. f 1011 Deputierter Jaurées bringt in der französischen Kammer einen Ankrag auf Errichtung eines Schiedsgerichts für internationale Streitigkeiten ein. 1912 Großer Brand en Osaka(Japan). 3000 Obdachlose.
Wohlfahrtsfürsorge in Gießen.
Ein uns zugegangener Bezicht über die Armenpflege und Fürsorge für Notleidende oder Hilflose gibt einen lehr⸗ reichen Einblick in die sehr erheblichen Aufwendungen, die in dieser Beziehung von der Stadt gemacht werden, laßt aber zugleich erkennen, wie groß die Not und die Zahl der Hilfsbedürftigen ist. Wieviel menschliches Leid umschließen diese hier angegebenen Ziffern, aus denen wir ferner ent nehmen können, wie zahlreich die Kinder sind, denen eine fröhliche und sonnige Jugend im Elternhause versagt blieb.
Der Bericht verzeichnet in der offenen Armen⸗ pflege 28687 Unterstützungsfälle, in denen 1432 612 Mark aufgewendet wurden. In der geschlossenen Armen⸗ pflege verursachte die Verpflegung von 253 Erwachsenen an 5175 Pflegetagen in den Kliniken einen Kostenaufwand von 266093 Mark und für 116 Kinder mußten an 2136 Pflege- tagen 65 676 Mark bezahlt werden. Hier handelt es sich um Stadtarme. Für 421 erwachsene, ortsfremde Personen, die an 8772 Tagen in den Kliniken verpflegt wurden, mußte die Stadt 603 242 Mark aufwenden. 82 ortsfremde Kinder wurden an 1821 Tagen verpflegt, was 69 183 Mark Kosten verursachte.— Die Herbergs: pflege wurde von 1568 Personen in Anspruch genommen, wofür 23 536 Mark aufgewendet wurden.— Ferner leistete die Wohlfahrtskasse Zuschüsse zur Irrenpflege für 39 stadtarme Pfleglinge 218 570 Mark und für 16 ortsfremde 166 140 Mark.—
In der Provinzial-Siechenanstalt sind auf Kosten der Wohlfahrtskasse 36 Gebrechliche untergebracht, was einen Kostenaufwand von 365757 Mark erfordert, außer- dem leistet die Plockische Stiftung für 3 Pfründner 17 800 Mark.— In sonstigen Anstalten waren 1 Erwachsener und 11 Kinder untergebracht, wofür die Wohlfahrtskasse 89 361 Mark aufzubringen hatte.
Sehr umfangreich ist die Kinderpflege. Für 690 in Gießen untergebrachte Kinder leistete das Wohl- fahrtsamt einen Pflegekostenbeitrag von 112 765 Mark. Auswärts waren 107 Kinder untergebracht, wofür ein Bei— trag von 443 115 Mark erforderlich wurde.
An Fürsorgezöglingen waren untergebracht 83 Knaben und 48 Mädchen, zusammen 131, davon 84 in Familienpflege und 47 in Anstalten. Der Zuschuß der Wohlfahrtskasse zu den Unterbringungskosten beläuft sich auf rund 120 000.— Mark. Die übrigen Kosten wurden von der Kreiskasse und anderweitig bestritten.
Im Säuglingsheim waren untergebracht 344 Kinder, davon waren 223 hessische und 121 nichthessische Staatsangehörige. Die Aufwendungen der Wohlfahrts- kasse belaufen sich auf rund 931 754.— Mark.
Im städtischen Kinderheim waren 142 Kinder aufgenommen mit einem Kostenaufwand von 170 000.— Mk.
Der städtische Volkskindergarten wurde monatlich im Durchschnitt von 70 Kindern besucht. Der Zuschuß der Wohlfahrtskasse betrug rund Mk. 450 000.—.
Kinderhilfswoche. Die Einnahmen setzten sich zusammen aus Spenden der Bürgerschaft, Kirchenkollekten, Erträgnissen aus Sammlungen, öffentlichen Darbietungen usw. Sie betrugen abzüglich der Werbungskosten und Ver; öffentlichungen in der Gießener Presse Mk. 66 694.02 und
wurden größtenteils zur Beschaffung von Kinderschuhen verwandt. ö Quäkerspeisung. Im Kalenderjahr 1922 war
die Küche an 24 Wochen mit 144 Speisetagen im Betrieb. Abgegeben wurden an Schulkinder 50 400 Portionen und an werdende und stillende Mütter 7200 Portionen, zusammen 57 600 Portionen. Gespeist wurden täglich durchschnittlich 950 Kinder. Hiervon gehörten 300 den Volks- und 50 den höheren Schulen an. An den gleichen Tagen nahmen 50 stillende und werdende Mütter an den Speisungen teil.
Von den Quäkern wurde kondensierte Milch, Kakao, Reis, Bohnen und Fett geliefert. Hierzu stellte das Deutsche Reich
das erforderliche Mehl und den Zucker zur Verfügung. Die Zubereitung der Speisen geschah in der Küche der Gast- wirtschaft„zum Löwen“. Die Stadt,
Küchenzutaten stellte die
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Die hessische Negierungskrise.
Aus der sozaildemokratischen Landtagsfraktion wirb geschrieben:
In einer Zeit der schwersten außenpolitischen Not lastet furcht⸗ bar die Verantwortung auf den Personen, in deren Hände bie Staatsgeschicke ruhen. Noch größer aber ist die Verantwortung in einem Land, das zu einem Tru besetzt und bei allen außenpoli⸗ tischen Aktionen mittel- und unmitelbar in Mitleidenschaft gezogen ist.
Angesichts dieser Tatsachen muß die Frage aufgeworfen werben, hätte die hessische Regierungskrise, die schon vier Wochen baue rt, nicht vermieden, oder mindestens rasch beigelegt werden önnen? Die Fraktion der Vereinigten Sozialdemokratischen Partet war sich der schweren Verantwortung stets bewußt, sie hat alles versucht, um dit alte Koalition zu erhalten, sie ist dem demokratischen Jinanzministe r bis zum äußersten entgegengekommen, um ihn zur Wiederaufnahme seines Amtes zu bewegen. Außer anderen Zugeständnissen war die sogialdemokratische Fraktion bereit, dem Finanzminister Henrich offigtell das Vertrauen auszusprechen.
Aber alles vergebens. Die Demokraten blieben bei ihrer ab⸗ lehnenden Haltung. Im übrigen aber war die Haltung der demo⸗ kratischen Fraktion nicht immer klar. Auch ihr Vorschlag, der den Rücktritt des ganzen Kabinetts und eine Neubildung der Regie rung durch die seitherigen Koalitionsparteien verlangte, hätte an der Sttuatlon kaum etwas geändert, denn die Fraktionen hätten die⸗ selben Minister wieder präsentiert und die gleichen Schwierig⸗ keiten wären wieder aufgetreten. Das Zentrum beharrte auf seiner Forderung: Hereinnahme der Deutschen Volkspartei in die Regie⸗ rung. Die sozialdemokratische Fraktikon verlangte bie Er⸗ haltung der seitherigen Koalition, denn nur dadurch glaubte sie ein⸗ rasche und reibungslose Beendigung der Arise herbeiführen zu können. Die Demokraten waren nun das Zünglein an der Wage. In ihrer Hand lag es, den Forderungen des Zentrums oder denen der Sozialdemokraten zum Siege zu verhelfen. Durch die Erklärung der Demokraten, nicht in die alte Regierung zurückzukehren, aber in einer großen Koalition mitzuarbeiten, hatten sich die Demokraten gegen die Sozialdemokraten entschieden. a
Nun stand unsere Fraktion vor der schwierigen Frage: ent⸗ weder aus der Regierung ausscheiden oder in eine Koalition mit der Deulschen Volkspartei einzutreten. Der Landesausschuß hatte der Fraktion freie Hand gelassen, ihr aber gewissermaßen die Richtung dadurch rorgeschrieben, daß er sich für ein Verbleiben in der Regie⸗ rung in den gegenwärtigen Verhältnissen aussprach Die sozialdemo⸗ kratische Fraktion stand nun vor einer der schwersten und ernstesten Entscheidungen, die sie je zu treffen hatte. Das„Für und Wider“ mußte gewissenhaft abgewogen werden. Die außen⸗ und innen⸗ politische Lage, die Fortsetzung der sozialen Entwicklung, der Be⸗ schluß des Landesausschusses und andere Momente bestimmten die Mehrheit der Fraktion dazu, dem Genossen Ulrich die Genehmigung zu geben, mit einer außerhalb der seitherigen Koalitionsparteien stehenden Persönlichkeit zur Uebernahme des Finanzmeimisteriums Fühlung zu nehmen. Eine Minderheit konnte diesem Beschluß, der in seiner Auswirkung eine Koalition mit der Deutschen Volkspartei bedeuten kann, nicht beitreten. Sie betrachtete die Volkspartei als eine Arbeitgeberpartei und erklärte daraus auch die gefühlsmäßige Abneigung gegen diese Partei. Dem wurde entgegengehalten, daß auch im Zentrum und bei den Demokraten ebenso rigorose Arbeitgeber säßen, wie in der Deutschen Volkspartei.
Em längeres Hinausziehen der Krise ist für unser Land nicht mehr länger zu ertragen. Wie sich die weiteren Verhandlungen ge⸗ stalten werden, kann nicht vorausgesehen werden. Ob eine große Koalition mit Demokraten, oder eine kleine ohne Demokraten, oder eine andere Konstellation der Regierungsparteien zustande kommt, wird davon abhängen, wie sich die einzelnen Parteien nun zu der neuen Situation stellen.
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— Wiederaufnahme der Quäkerspeisung. Vom städt. Wohlfahrtsamt ward uns mitgeteilt: Am 10. Jan. haben die Quäkerspeisungen nach langerer Pause wieder be⸗ gonnen. Nach den im Spätsommer und Herbst vorliegenden Nachrichten mußte mit einer sehr erheblichen Einschränkung der Speisungen gerechnet werden. Man hatte deshalb die Speisungen in der ersten Hälfte des Winters ganz einge⸗ stellt, um in der zweiten Hälfte möglichst viel tun zu können. Denn die größere Not mußte und muß für diese Zeit er ⸗ wartet werden. Man glaubte so nach Weihnachten etwa 400 Kinder speisen zu können, wahrend bei Beginn im Januar 1921 800 Kinder und Mütter gespeist worden waren. Die neue Not, die über unser Volk hereingebrochen ist, hat aber auch in Amerika die so oft bewährte Liebestätigkeit wieder auf den Plan gerufen. Neue Sammlungen haben bedeutende Ergebnisse gezeitigt. Insbesondere sind es unsere deutsch⸗ amerikanischen Stammesbrüder, die die alte Heimat nicht pergessen haben. So kann nicht nur von einer Einschränkung der Speisung abgesehen werden, sondern sie kann sogar über das anfängliche Maß hinaus erstreckt werden. Zunächst werden 834 Speiseportionen ausgegeben, und zwar an je 250 Kinder der Stadtknabenschule und der Stadtmädchen⸗ schule. an 200 in der Bezirksschule, an 50 in der Oberreal- schule und an 70 werdende und stillende Mütter im„Löwen“. Die gereichten Mahlzeiten sind dieselben wie früher. Nach etwa zwei Wochen wird die Zahl der Speiseplätze auf 1200 erhöht. Die weiteren Speiseplätze verteilen sich auf das Gymnasium und das Realgymnasium mit je 60, auf die höhere und erweiterte Mädchenschule mit 80, auf die Ober⸗ realschule mit weiteren 70, insgesamt 120 Plätze, ferner auf 115 noch nicht schulpflichtige Kinder, die im Löwen gespeist werden. Der Unterschied zwischen der Zahl der Speise⸗ portionen und der der Gespeisten beruht darauf, daß Mütter vergrößerte, Kleinkinder verkleinerte Speiseportionen er- halten. Die Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen und die Kleinkinder hatten früher wegen Einschränkung der Speisungen ausgeschaltet werden müssen, sehr zum Leid wesen der ärztlichen und pädagogischen Sachverständigen. und es bot sich jetzt die Gelegenheit, diese bedauerliche Ein⸗ schränkung wieder rückgängig zu machen. Nach Erweiterung der Speisungen auf 1200 werden die Mahlzeiten auf Grund neuer Vorschriften für das ganze Reich in anderer Form gewährt. Man gibt sogenannte Trinkrationen, bestehend aus einem halben Liter Kakao oder Milch chergestellt aus Hüchsenmilch) und einem Brötchen in der bisherigen Größe. Der Preis für eine Mahlzeit beträgt fünf Mark. Hierzu kommen woch Vergütungen für Aufbewahrung und Reinigung der Geschirre durch die Schuldiener, wo dies von den Schulen übernommen worden ist. Trotz dieser Ellern—
beiträge und obwohl die Lebensmittel geschenkt werden, enk⸗
enthült Eidotter uud Eiweiss. Verwenden Sie es zu Mehlspeisen, Suppen. Klössen. Kuchen, Kraukenkest usw.! Fei den teuren Elerpreisen sparen Sie dadureh vicht pur, sondern sie erhöhen auch Wesentlich den Nührwert der Speisen. Wvolia- iwelespnl vergibt teste Eiergebsee Lactewerk Act- Ges, Horehhesm b. Wosrm


