1 9* Erweiterung trotz aller Vorstellungen noch mmer nicht in Angriff genommen, trotzdem sie schon vor 2 Jahren die nötigen Rohre zur Verfsligung hatte. Soviel bekannt, verweigert die Direktion die 1 Ausführung auf Grund eines Satzes in dem Vertrag, durch den dos Quellengebiet in den Besitz der Stadt Gießen kam. Es soll hier gar micht mtevsucht werden, ob dieser Satz die Direktion au hrem Verhalten berechtigt. Tatsache 5 daß die Gemeinde das ahr durch diesen Vertrag dugesicherte Auantum Wasser noch gar nicht verbraucht. Tatfarße it ferner, daß noch viel Wasser ungenutzt aus dem Quellengebiet abfließt, Aber geradezu ins Lächerliche ge⸗ zogen wird das Verhalten der Gießener Herren doch durch die Tatsache daß die Bewobner der in Frage stehenden Häuser doch lich Wasser verbrauchen müssen und auch verbrauchen, daß sie ses Wasser auch dem Leitungsnetz entnehmen und zwar an den ö rellen in den nächstgelegenen Häusern. Es wird also hier Janz nutzlos Kroft und Zeit vergendot. Und warum? Liegt's im Wesen der vielleicht zu bürokratischen Verwaltung oder ists gar aur Schikane? Nicht, gans ohne Interesse für diese Erwägung bürfte die Tatsache sein. den die Gießener Verwaltung im vorigen Sommer einem hiesigen Einwohner, der sich in seinem Hause eine Badogelegenheit hergerichtet hatte, die Wasserzuleftung absperrte und erst wieder frei gab als der Besitzer mit einer Klage wegen Hausfriedensbruch örohte Man sein daß die Direktion auch hier um ag einen Saß findet. der sie zu ihrem Vorgehen be⸗ rechligke. Aber: It denn das Baden ein Luxus, den mam schließ⸗ lich noch verbieten soll? Welleicht verdsent noch beachtet zu werben, daß die Direkfon die Wasserzuführung auf Grundstücke, die nur mit Scheunen und Ställen bebaut sind nicht erlaubt. daß aber der Maschimenmeister denselben Grundstückon mittelst ober⸗ 1 irdischer Rohr⸗ oder Schlauchleitungen das Wasser so nah als nur irgend möglich brinat Wäre es nicht viel einfacher, wenn man die eine Zuleitung gestattete? Mag auch hier sein, daß wieder irgendwo ein Satz steht der das nnordnet Aber wäre es denn da micht endlich an der Zeit. diesen Vertrag einmal einer Durchsicht zu unterztehen. Es albt doch schließlich Allgemeininteressen die noch wichtiger sind als das Einhalten eines veralteten Vertrages und dessen kleinlsche Auslegung.
— Streit bei der Gießener Wach⸗ und Schließgesellschaft. Am Montag sind die Angeslellten des Gießener Wach⸗ und Schließ⸗ instituts geschlossen in den Ausstand getreten. Die Gründe dazu sind, wie uns muigeteilt wird in den geradezu unhaltbaren Zu⸗ standen des Justituts zu suchen. Der Juhaber W. Schlösser, ver⸗ sprach seinen Angestellten einen Gehalt für Mowat Januar von Mk. 40 000.—. Am Zabltage gab er ihnen aber nur Mk. 5000.—. Als er von den Angestellten deswegen zur Rede gestellt wurde,
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verschwaud er spurlos von Gießen, bis er neuerdings hier wieder Ausbauchte.— Der Streik wird in der Weise durchgeführt, daß die Wächter das Stochen von Kontrolluhren und Schließen der Haus⸗ türen unterlassen, im übrigen die Bewachung aber gewissenhaft * ausführen. Der Glschäftssuhrer des Instituts, Detekuiw Grom 1. hat bei der Sache die verantwortliche Leitung übernommen. Grom 10 ist her kaun Unbekannter feine Person bürgt dafür daß unbefugte 6 Eingriffe von Personen in das Eigentum der Abonnenten fern N gehalten werden. Das Amtsgericht Gießen hat das Vermögen des Schlosser mit Arrest belegt Die Streitleitung bittet das Publikum 1“ die Angestellten des Instituls in ihrer borechtigten Sache zu unter⸗ stützen. 0— Gegen den Alkoholismus. Am kommenden Freitag findet eeine öffentliche Versammlung im Saale des Katholischen Vereins⸗ bauses statt. in der De Welle ⸗ Frankfurt über„Die Wirkungen * Les Alboholverbots in Amerika“ sprechen und ferner Prof. Dr. Miebergall⸗⸗Murburg einen Vortrag über„Alte und neue 4 Liebe zum Vaterland“ halten wird. Weiter soll eine Eingabe Jum Schankslättengesetz besprochen und darüber Beschluß gefaßt 110. 5 33 We 5 5 0 28 11 ee gesetzes eine mmung des Jai erhalten so won eier Gemeinde auf Verlangen eines Zehntels der Wahlbe⸗ 4 rechtigten eine Abstimmung stattfinden muß, die darüber ent⸗ scheidet ob in der Gemeinde die Erlaubnis zum Betriebe von 5 Schankstätten erteilt werden darf. Die Versammlung wird von W der Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung des Alkoholismus ver⸗ m aanstaltet. Auf das Inserat im heutigen Blatte sei hingewiesen. e ee are 1 4 el* 1 ö 25 und sechs darauf beschäftigte Arbeiter abstürzten. Glücklicher⸗ — weise wurden alle nur leicht verletzt, soweit sich nach der ersten Unter⸗ suchling ate ließ. Sie erlitten Verstauchungen, N Santa schüirfungen ustw. Mittels des Krankenautos wurden die Ver⸗ * unglückten in die Klinik gebracht. zwei davon konnten bald wieder 140———————————— * ö Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins. Man merkt gleich, der Oberhessische Kunstverein bemüht sich, 7 1 mn 5 und F 4 771 e a dem mittelt er uns, wie im Vorjahre, wiederum Werke aus dem 6 Süddeutschen Illustratorenbund. Die eindruck⸗ Len vellsten Motive sind aus der Landichaft hergeholt, gut gesehen, weun auch nicht immer alle Möglichkeiten der Farbe gemeistert 9 0 wurden. Ebenso ist biesen Künstlern fremd jener wahnsinnige 1 Druck innerer Gestaltungskraft, der alles Sichtbare gern seine em 955 zillen einbezieht und oft bet mangelnder Technik Erfühltes nach 7 ußernatürlichen Gesetzen auf die Leinwand wirft, in Plastik . krampft, in Schrifttum vergeistigt. So etwa entarteten % sefther fast alle secessionistischen VBestreb⸗ ng ungen. Hier ift wenigstens den Künstlern ein gesundes Ver⸗ 15 hältnts zum Objekte ihres Schaffens zur Gegenständlichkeit der 4 0 7785 9 Vielleicht zwingt dazu 1 ee. Ra⸗ DdDierung, die größtenteils angemandt wurde. Da verpfusch eine E mmenig geübte Hand und ein schlecht geschultes Auge mehr, als die Farbe an mangelnder Kunstbegabung verdecken kann. 1 B. Witschel⸗München bringt Radierungen großen For⸗ ö mats— die Linsen sicher und schwungvoll, das Bild nicht ohne bil. Siekorative Absicht— aus Venehig und Hamburg(Markusplatz, u die Seufzerbrücke, Hamburger Werft), von der See leinige Segel⸗ ler schiffe in voller Fahrt). Auch seine„Post vor der Stadt“ ist un⸗ 16 1 eine Aae 1 2 8 Verwegener schon sind die Blätter aus der„Schwarz⸗Weißmappe“. den, F. Wolshugels⸗ München. Sie verraten in ihrer ein⸗ ling sachen Struktur nicht weniger talentiertes Können als die vor⸗ 10 erwähnten Arbeiten.(Bemerkenswert bleiben sein„Pierrot“, 2 n„Eine feste 1 7 74„Kurg ron, dem b. und„Studie“). Am gelungensten darf man die Winterland⸗ 1101 schasten E. Keßlers⸗ München bezeichnen. Albert Reich⸗ 20 München scheint mehr Wert auf die quantitative als auf die 1 cualttative Beschickung einer Ausstellung zu legen. Von seinen 0 zahlreichen Aquarellen kann nur„Der Wächter, Anspruch auf in. größere Bedeutsamkeit erheben. Die anderen Aquarelle sind durch⸗ 1 sschnittlich alle in Farbe und Auswahl des Motivs noch recht unge⸗ 0 schtekt. Beabsichtigte Raumtäuschung mißlingt. Einige Ra⸗ et bierungen„Unter der Tanne“,„Laudstraße) sind peinlicher be⸗ ral handell. Rudolf Hoffmann durchs ringt mit seinen beiden torx. Madierungen„Klosterho““ und„Vision“ das Leben vom Reli⸗ en giösen her. Fritz Gärtner verdankt der Lanbwirtschaft und 5 Industrie seine Eingebungen.(„Mittags pause“,„Kohle und 1 191 A. Bitterlich wandelt in kleinen Radferungen die 1 Reihe gensaler Deutschen ab: Beethoven, Wagner, Schiller, Mozart 0 und Goethe.„Vesuch“,„Gipfelrast“,„Dorfweiher“, und„Schi⸗ 1 Läufer“ sind daneben ücht weniger„chaxalteristisch Walter 1 Heubach versucht in Kohle einige reizvolle Skiggen aus dem 1 90 ierleben. Zwei brünstige Hasen wirken besonders drastisch durch
ihr komische Gebaren.
erbem enthält das kleine Kabinert Arbesten in Oel von G. eg. Die Farbe wird ihm zu dickflitssig, seine Pinsel⸗ führung st plump. Von Gg. Gebharbts Farbagqua rellen ist * f arburg“ unb„Schloß in Marburg“ talentvoll. Vier rn st Cimer⸗Darmstadt, vereinigt unter dem Ge⸗ Das Helkeliek“, lassen zeichnerische Vollendung er⸗ W. Varthel⸗Gießen ist vertreten mit„Winter an der
Walk rand“. K. St.
nach Hause entlassen werden.— Von anderer Seite wird ums dazu noch mitgeteilt: Das Gerlist war sahr mangelhaft, indem an scharf⸗ kantige Hölzer in ungenligender Weise Streichen gebunden waren, wo⸗ durch die Stricke durchschnitten wurden und so die Gerüstabdeckung herabstlüürzte. Gerade in Gießen und Umgebung wurde seither viel zu leichtfertig gerüstet. Die Weißbindermeister sollen sich gerade in letzter Zeit sehr dagegen gesträubt haben, bessere Gerliste zu bauen und Massenbeschwerden gegen die Maßmwehmen der Aussichtsorgane inszewiert haben. Müssen erst Massenunfälle die Unternehmer zur besseren Einsicht bringen?
— Stadttheater. Es sei nochmals daxauf aufmerksam gemacht, daß die Aufführung von„Wilhelm Tell“ heute abend zu Gunsten der Ruhrhilfe stattfindet.
— Vermißt. Der Privatdetektiv Grom aus Bad ⸗Salzschlürf hat seine Frau Hilde Grom als vermißt angemeldet. Sie ist geb. am 12 Januar 1808 und wird seit dem 24. Januar nach⸗ mittags 2 Uhr vermißt. Sie ist zeitweise güistig umnachtet und es ist daher nicht ausgeschloffan daß sie ihrem Leben ein Ende ge⸗ macht hat. Personalbeschreibung ist solgende: 1,601.62 Meter groß, hellblondes Haar rundes Gesicht, blaue Augen, trug schwarzes Kleid, dunbelb raunen Mantel, graue Strickjacke, schwarze 1 schwarze Stiesel, schwarzen Sammshut mit violettem
eier.
— Brot- und Mehlpreise im Kreise Gießen. Für die Land⸗ gemeinden des Kreises Gießen sind laut Bekanntmachung des Kreisamts die Preise für Mehl und Brot wie folgt ab 16. Februar festgesetzt: Weizenbrotmehl pro Pfumd 180 Mk., Roggen⸗ mehl pro Pfund 170 Mk.— Brot der 4 Pfund⸗Laib 500 Mk., Zweipfundlaib 295 Mk.
— Erhüßhung der Beerdigungsgebühren. Im heutigen Blalte ist eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters enthalten, aus welcher die erhöhten Sätze für Beerdigungen usw. ersichtlich sind. Wir machen darauf aufmerksam.
— Watzenboru⸗Steinberg. In der Gemeinderats⸗ sützung am 6. 2. 1923 wurde ein Nachtrag zum Voranschlag der Gemeinde für 1922 von 500 000 Mk. bewilligt. Dleser Nachtrag, sowie ein schon bestehender ungedeckter Betrag von 250,000 Mk. wurden dann auf die einzelnen Steuerkapitalien wie solgt ver⸗ teilt: Auf Grunbbesitz 7 Prozent, auf Gewerbe und Land wirtschaft 3 Prozent und auf Gebäude 2 Prozent.— Für die Feldbe⸗ reimigungsgesellschaft übernimmt die Gemeinde die Blürgschaft.— Unter„Wohnungswesen“ wird die Besichtigung einiger Wohnungen durch die Erfassungskommission beschlossen. Von 27
Wohnungssuchenden sind bis jetzt 13 mit Wohnung versorgt wowen.— Alsdann wurden noch einige kleinere Angelegenheiten
geregelt.— In der Gemeinderatssitzung am 9. Februar wurde die von der Provinz Oberhessen geplante Gemeinwirtschaft behandelt. Die Mehrheit des Gemeinderats steht der Sache wohlwollend gegenüber, tritt jedoch zwecks Orientierung für Vertagung bis zur nächsten Sitzung ein.— Die Festsetzung und Erhöhung des Wassergeldes für das 1. Halbjahr 1923 wird dem Wasserausschuß überwüesen. Eine neue Reglistererhebung soll einmal im Jahr und zwar im Sommer stattsindens.— Ein Gesuch des Gemeinde⸗ rechners um Bewilligung von Naturalverglilung wird abgelehnt, weill die Gemeinde bei den geringen Holzbeständen nicht in der Lage ist, mit Holz oder sonstigen Brenmmaterialien zu bezahlen. andererseits der Gemeinderechner auch durch die Untererheber⸗ stelle für den Staat erhebliche Dienste lelstet. Einer Vergütung in Geld für Heigmaterzal wii einstimmig zugestimmt. Die Höhe derselben soll in nächster Sitzung beschlossen werden.— Ver⸗ schledene Kurzurbeiter, welche um Erwerbslosenunterstützung nachgesucht haben, werden abgewiesen, da ihr Verdienst noch höher üst, als der Mindestsatz bei der Erwerbslosenunterstützung.— Holz aus dem Gemeidnewald soll an Losholgempfänger nicht abgegeben werben Es wird beschlossen an feden berechtigten Sbelgerer nur 2 Rm Festholz und 50 Wellen abzugeben. Das Holz soll in 2 Raten bezahlt werden, am 1. Mai und am Mnrtint. Ein zweiter Kontrolleur soll bei der Versteigerung hinzugezogen werden.— Hinsichtlich des Vertrags mit der Stadt Gießen über die Straßenbeleuchtung wird elne Forderung auf Ueberteuerungs⸗ Zuschuß des Elektrialtätswerks Gießen abgelehnt.— Alsdann wurde als letzte und schwierigste Frage umserer Gemeinde das Wohnungswesen bchandelt. ierbei wurde unter anderem auch beschlossen, wegen der Mansardenwohmuna in der Schule in Steinberg ene drimgende Anfrage an das Bildungsamt zu richten, um zu ersahren, wie es mit Beschlognahme der betreffenden Wohnung steht. Es wäre höchste Zeit, daß diese Räume endlich bezogen würden denn die Wohnungsfrage ist für unsere Ge⸗ meinde ein recht trauriges Kapitel. Auf der einen Seite haben Hausbesitzer mit 2 und 3 Personen, 6 und 7 Zimmer zur Ver⸗ fügung, welche jeboch wegen den darinstehenden Möbeln(Luxus⸗ möbeln) und Bureauein richtungen und dergl. nicht beschlagnahmt werden können, während auf der anderen Seite Familien mit 3 und 4 Personen und kleinen Kindern im einem oder höchstens 2 Zimer hausen, welcho zugleich als Wohn⸗ und Schlafraum, in vielen Fällen zugleich auch noch als Küche benutzt werden müssen. Unter diesen Personen befinden sich moch Schwerkranke und Kriegsverletzte. Unter diesen Umständen braucht sich allerdings lein Mensch zu wundern. wenn der schlimmste Volksfeind. die Tuberkulose, täglych schreckenerregend zunimmt. Hier müßte der Hebel zur Bekämpfung derselben angesetzt werden und es wäre wahrlich an der Zeit. daß von seiten der Gemeindebehörde end⸗ lich bei Beschlagnahme von Wohnungen besser zugegriffen wird. Es muß bei solchen Beschlagnahmen mehr Rückgrat gezeigt wer⸗ den, ohne Rücksicht auf die Personen bei welchen beschlagnahmt würd. Eine Weichherziabeit kann hier nicht am Platze sein, soll
sich die ganze Wohnungsfrage nicht zu einem öffentlichen, 8
schweren Skandal auswirken.
Trohe. Am Samstag abend veranstaltete der Arbeiter⸗ Gefangverein einen Familienabend im Burgkeller. Der Vor⸗ sitzende des Vereins Fr. Schmidt begrüßt die Erschienenen und wies auf den Ernsr der Zeit hin. Die Reihenfolge der Darbietungen war wannigsaltig genug: Gesangschöre des Vereins wechselten mit Liedern der 12 und 15 Jahre alten Schüler ab. Eine Anzahl Kin⸗ der trug Gedchte von Peter Geibel vor. Unser Lehrer hielt einen Vortrag über die deutsche Sprache. Werkfführer Etzelmüller von Rödgen spielte Klavier. Unser Geigenspieler Otto Muith hatte uns leider„versetzt“, obwohl er sein Kommen fest versprochen hatte. Für ihn sprang Musiker Noll von hier ein. Von dem Männer⸗ gesangverein in Rödgen waren einige Mtglieder als Gäste er⸗ schienen und sangen zwei sehr schöne Lieder. Um 11 Uhr gingen die Teilnehmer befriedigt nach Hause.
— Lindenstruth. In der Gemeinderatssitzung am Sonntag wurde die Gemeinde rechnung von 1921 vorgelegt, deren Sonntag Ausstände nicht ergeben hat.— Einer Krediterweiterung für 1922 wurde eihstimmig zugestimmt. Für diesen Kredit mußten selbstver⸗ ständlich Einnahmen beschafft werden, weshalb unsere Genossen den Vorschlag machten, einen Teil der Grund⸗ und Gewerbesteuer für 1922 zu erheben. Dagegen wurde von dem Blürgermester und einigen bürgerlichen Mitgliedern des Gemeinderats eingewendet, daß des zu viel Arbeit verursache, obwohl richtig ist jedoch, daß diese Steuer längst hätte erhoben werden können. Vom Bürger⸗ meiste'r wurde dagegen der Vorschlag gemacht, auf das vom Staate den Einwohnern gelieferte Losholz eine Abgabe in Höhe von 50 Piozent des Wertes zu erheben, welcher Vorschlag bei den bäuer⸗ lichen Vertretern sosort Anklang sand. Einer der Herren brachte es sogar sertig, 100 Prozent des Wertes zu beantragen, damtt ja; der Aermste keinen Pfennig weniger Steuer zu zahlen hat, als der reiche Bauer. Von unsern Genossen Weiß und Schmidt wurde der Antrag entschieden bekämpft, ohne damit bei der Gegenseite Ver⸗ ständnis zu finden. Weiß erklärte, hier wolle man eine indirekte Besteuerung festlegen, wie man sie in einer Gemeinde, in der mehr als die Hälfte der Einwohner Arbeiter sind, kaum noch ein zweites Mal vorkommen dürfte Eine arme Kriegerswitwe soll genau das⸗ selbe bezahlen, wie ein reicher Bauer! Die sozialdemokrattschen Gemeinderäte erklärten, daß sie niemals für eine derartige unge⸗ rechte Abgabe zu haben sein werden. Bei der Abstimumung stimm⸗ ten unsere 4 Genossen gegen die Abgabe, die audern drei Ge—
meinberäte und der Bsüirgermefster dafsir, sovan Stimmengleichhest, vorhanden war. Ter Bürgermeister gab darauf den Stichentsche id für die Abgabe, womit diese also beschlossen ist.— Weiter stimmte der Gemeinderat dem Gemeinwirtschaftsverband Oberhessen zu.— Vielleicht kommt jetzt mancher Arbeiter zu der Erkenntnis daß er mit seiner Wahlfaulheit seine Interessen schwer geschädigt hat. Hätte im Herbst jeder seine Schuldigkeit bei der Wahl getan, lönnten die Arbeiter einen stärkleren Einfluß auslüben. p.
Kreis Wetzlar.
ww. Eine Parteikonserenz des 5. Agitationsbezirks sand am Sonntag in Gleibera statt. Die Versammlung war stark be⸗
sucht. Als erster Referent sprach Gen. Otto Bärwinkel über die Tätigbelt der Kreistagsfrakliun. Die Ausführungen Bär⸗ winkels bezogen sich mehr auf kommunale Gegenstände. Das
polsitische Referat hatte Lel rer Köhler(Herborn) übernommen. Ausgehend von den Tatsachen der Ruhraktion ging er auch auf das Neparationsproblem ein und geißelte mit scharfen Worten die frechen Rechlsverletzungen des französischen Militarismus. Lelder war Genosse Köhler nicht in der Lage, seine Ausführungen zu beenden, da die Zeit knapp bemessen war.
An nusere verehrlichen Post⸗Bezieher, die den Feu ruarbezug bei dem zuständigen Post⸗ aue bestellt haben.
Durch die sortwährende Entwertung unseres Geldes wird das Zeitungsgewerbe besonders in Mitleidenschaft gezogen.
Sämtlich Zeitungsherstellungsprodukte(abgesehen von Lohn⸗ und Gehaltserhöhungen) haben in den letzten Wochen eine nicht annähernd vorauszusehende Preisbildung angenommen. Der uns erst Ende Januar mitgeteilte Februarpapierpreis übertrifft hinfichtlich seiner Höhe die schlimmste Erwartung.
Der Preis desselben ist von 500 Mk. auf 1170 Mk. gestiegen.
Damit ist der Beweis gegeben, daß mit dem ursprünglich fest⸗ gelegten und von der Post eingehobenen Februar⸗Bezugspreis von 1 Ml der Verlag nicht imstande ist, seine Selbstkosten gedeckt zu, erhalten. 5 Aus diesem Grunde mußten wir imsere Bezugs preise gleich den übrigen Zeitungsverlagen erhöhen.
Nach den postalischen Bestimmungen waren die Zeitungsverlage gezwungen, schon Anfang Jaumar d. J. den Postämtern den für Februar gültigen Bezugspreis bekanntzugeben. Kein Unternehmer ist aber heute in der Lage, seine Gestehungskosten auf einen Monat vor⸗ ats zu bestimmen, am allerwenigsten kann das das Zeitungsgewerbe.
Da die Post auf Grund der bestehenden Bestimmungen nicht in der Lage ist, die Differenz zwischen dem bereits eingezogenen Bezugs⸗ preis und dem nunmehr festgesetzten einzuziehen, sehen wir uns ver⸗ anlaßt, an jene Leser, die ihr Abonnement bei der Post betätigt und eingezahlt haben, die dringende Bitte zu richten, uns diesen Differenz⸗ betrag einzufenden. Unsere auswärtigen Bezieher, die durch unsere Agenutren bedient werden, haben den erhöhten Bezugspreis für Februar bereits bezahlt.
Der Bezugspreis für Februar ist einheitlich(für Stadt⸗ und auswärtige Bezieher) auf 1370 Mark festgesetzt.
Die Differenz beträgt 170 Mark.
Wir bitten deshalb um güttige Einsendung des fälligen Er⸗
gänzungsbetrages mittelst beiliegend. Zahlkarte(Postscheck Nr. 66 973)
Frankfurt a. M.). Verlag Oberhessische Volkszeitung.
Lokale Parteinachrichetn. Vereinigte Sozialdemokratische Partei, Giessen. Program m des Bildungskursus im Winter 1922—1923, abends 8 Uhr pünktlich
im Gewerkschaftshaus..
4. Donnerstag, 15. Febr. 1923:„Das neue Schulgese tz“. Referent: Genosse Schmidt, Lehrer, Gießen.
5. Freitag, 23. Febr. 1923:„Der Mond“, Lichtbildervortrag. Referent: Prof. Koob, Studienrat, Gießen.
6. Donnerstag, 1. März 1923:„Die französische Re vo⸗ lution“. Ref.: Gen. Prof. v. Aster, Gießen.
7. Donnerstag, 8. März 1923:„Die amerikanische Ver ⸗ fassung“. Referent: Genosse Dr. Aaron. Rechts⸗ anwalt, Gießen.
8. Donnerstag, 15. März 1923:„Sozialismus, Religion und Kunst“. Referent: Gen. Prof. Dr. Kinkel, Gießen.
Für jeden einzelnen Vortrag werden Karten zu 10 Mark ausgegeben. Die Ausgabe dieser Karten erfolgt am Abend des Vortrages am Eingang. Die Vortrüge finden ohne Nestauration statt.— Rauchen tst verboten! 5 Zu diesen Vorträgen ist Jedermann freundlichst eingeladen.
5 Der Vorstand.
6. Agitationsbezirk Gießen⸗Alsfeld⸗Lauterbach. Gemeindevertreter⸗Konferenzen.
Die begonnenen Gemeindevertreter⸗Konferenzen finden nicht
am 11. Februar, sondern am Sonntag, den 18. Februar 1923
wie folgt statt: Alsseld, Lokal Zum Stadtpark, 10 Uhr vormittags. Gießen, im Gewerkschaftshaus(Doppelzimmer) 1% Uhr nachmittags. Trais⸗Horloff, im Lokale Rudlof, 2% Uhr nachmittags. Grünberg, im Lokale„Café Stein“, 1¼ Uhr nachmittags. Londorf, im Lokale„Zur Stadt Gießen“, 2 Uhr nachmittags. Nieder⸗Ohmen, im Lokale Ziegenhain, 1: Uhr nachmittags.
Tagesordnung in allen Konferenzen:
1 a. Die Selbstverwaltung der Gemeinden im Rahmen der heu⸗
tigen Gesetzgebung.
b. Rechte und Funktionen der Gemeindevertretung.
Referenten: Landtagsabg. Mann, Blürgermeister Walz, Stadtv. Maier, Stadtv. Vetters u. Gemeinderatsmitglied Benner.
Zu diesen Konferenzen werden hiermit alle neu⸗ und wiederge⸗ wählten Stadtverordneten und Gemeindevertreter, fowie dte Vor⸗ sitzenden der Ortsvereine eingeladen. Wir erwarten, daß kein Ver⸗ treter fehlt. Den Vertretern aus den einzelnen Orten bleibt es überlasfen, den Vortragsort selbst zu wählen.
Der Vorstand der Vereinigten Sozioldemokratischen Partei.
J. A.: H. Häuser. 0 An die Vertrauensmänner der Ortsvereine in den Amtsbezirken Gießen, Grünberg, Lich, Hungen.
Ich erinnere an mein in Nr. 32 vom 8. 2. enthaltenes Ersuchen, mir die Namen von solchen Parteigenossen einzu⸗ senden, die als
Beisitzer oder Ersatzmänner der Pachteinigungsämter geeignet sind.
Angabe ob für Klein- oder Mittelpachtung, notwendig. Auch bitte ich um Hinzufügung des Amts gerichtsbezirks, zu dem die betr. Gemeinde gehört.
Bis jetzt sind erst wenig Vorschläge eingegangen, ich brauche noch viel mehr. Nach dem Ausgang der letzten Wahlen werden wir fordern, daß die Hälfte der Bei⸗ sitzer uns zufällt. Also schickt Namen!
Prof. Weißgerber.


