Ausgabe 
14.5.1923
 
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en Wohnungsmangel erwachsen. Gegen die Entscheidungen

n, die aus dem

migungsämter wird in Zukunft eine Beschwerde möglich Gesetz foll am 1. Juli 1926 außer Kraft gesetzt werden. Obermeyer(Soz.) bedauerte, daß die bürgerlichen den Regierungsentwurf wesentliche Unsere Partei werde aber für den Gesetzentwurf er trotz allem notwendige Bestimmungen bringe ie Mieter verpflichtet würden, zur Erhaltung des Wohn⸗ Teil beizutragen, müßten sie auch gegen willkürliche

tionale Abgeordnete Wohnungswirtschaft. Seine Partei les die Sozialisterung des Wohnungs⸗ l olksparteiler Winnefeld kündigte an, eil seiner Fraktion für das Gesetz stimmen werde.

enkrumsabgeordnete Tremmel sse Kuhnt wiesen nach, daß nicht nur Deutschland, ch in den Ländern mit hoher Valuta, sogar in Ländern, während des Krieges neutral geblieben waren, eine bedeutende sodaß es unrichtig sei,

Abg. 1 ien im Ausschuß

0 Kündigungen ges e Lobrede auf die freie

das Gesetz ablehnen. wei

wesens sortsetze.

nungsnot herrsche, swirtschaft habe die Wohnungsnot herkeigeffihrt.

sprach außerdem scharf gegen die Befristung des Ge⸗

n Einzelabstimmungen wurden die sozialdemo⸗ In der Gesamtabstimmung Gesetz in zweiter Beratung gegen die Stimmen der tonalen und eines Teiles der Volkspartei angenommen.

Gießen und umgebung.

Provinzialtag. Mehvere Mitglieder des Provinzialtags Haben infolge ihrer Wahl zum Provimzialausschuß ihre Mandate andere sind an ihre Stelle getreten. Nach amt⸗ uno des Provinztaldirektors hat die Provinzial⸗ wahltommisston in ihrer Sitzung vom 25. April 1923 festgestellt,

ß Anna Holzapfel geb Leschhorn, Hausfrau, Butzbach. an

Stelle von Dr. Albert Aaron, Rechtsanwalt, Gießen, Johannes eibolt 6., Landwirt. Nieder⸗Eschbach. an Stelle von Rechts⸗ mwalt Dr Georg v. Helmolt, Friedberg, Josef Ballmert, von Kommerzienrat Heinrich

n Anträge abgelehnt.

ih miedergelegt und 5

ingen, an Stelle agen. Gießen. Ludwia Rinn, Fabrikbesitzer, Heuchel⸗ heim(Kr. Gießen). an Stelle von Landwirt Otto Schneider 1. f Ütphe, in den Provinzialtag der Provinz Obe sbessen be⸗ ne rufen sind.

Wer das Mehl verteuert.

Januar 1923 dadierte Kalkulation andelsmühlen G. m. b. H. Die ppelzentner 70prozentige⸗ 8 ist mit 101 912,54

Vor uns liegt eine vom 31. bes Verbandes Bayerischer etsberechnung ist aufgestellt pro Do eizemnehl. Der Gestehungspreis des Weizen Gestehungspreis des Doppelzentner ohne Sack ab Mühle. Preis des Endproduktes ein⸗ derem finden wir da 3662 Mk. Mahllohn, und Gewichtsschwund und Diebstahlsver⸗ 2465.47 Mk. Verkaufsunkosten einschließlich Verkau⸗ Verlustrückstellung(Konjunkturrisiko), 1849.10 mie auf unvorhergesehene Lohn⸗,

ngen bei Verkauf auf spätere L

153 283 64 Mk. für je Onteresse ift nun,

1019.13 Mk. Transport⸗

was alles in den

und Frachter⸗ 1849.10 Mk. Neube⸗ Unternehmerlohn, hlverstanden: für einen Doppel⸗ öglichkeiten und Unmöglichkeiten, auch gewinn, gewiß reichlich genug daß die verrechneten obigen

31. Januar 1923 stammende leichen Mühlenverbandes, und da finden 060 Mark pro Doppelzentner 70prozen⸗ Nach Abzug von 2500 Mk. für den Sack ver⸗ kaufspreis von 180 560 Mk., das ist gegen⸗ erlohn, Handelsgewinnn usw. kalkulierten oduktes von 153 283 Mk. ein Mehr von

ö 20 Mk. Handelsgewinn. bentner!) Nachdem so alle M er Unternehmerlohn und Handels rechnet sind, sollte man meinen, 159 283 Mk. den Mehlverkaufsprei liegt vor uns eine ebenfa Preisliste(Nr. 114) des g

tiges Weizenmehl.

bleibt demnach ein Ver über dem mit Untrnehm Gestehungspreis des Endpr⸗ 27 277 Mk. Ist das Wucher?

n Städte Hessens auf ließlich der Bekleidung

Darmstadt(282 968, 8 42), Worms 291853(271 689) und Die Teuerung ausschließlich Be⸗ f April um 15 Prozent gestiegen.

5 Teuerungszahlen für die fünf größte Grund der Preise vom 25. April 192) aussch betrugen in Mainz 296 12 Offenbach 275920(257 Gießen 279908(27, kleidung ist von März au f Das Lupusheim in Gießen besteht jetz diesem Anlaß soll am 23. Mai, dem Jahre 1913 eine Feier stattfinden. in ganz Deutschland die einzige An einzige, die mit den modernst Lupus ausgestattet ist. stalten für Lupuskranke.

23. Mai, vormittags 11 Uhr.

Beamten⸗Versammlung. A

abends 8 Uhr, ist eine Lokal zumPostkeller

Oberpostsekretär Hoff der Verwaltung und

der Eröffnung im

Das Lupusheim in Gießen ist stalt dieser Art, wenigstens die chtungen zur Behandlung des gibt es noch zwei oder drei An⸗ Feier beginnt

uf kommenden Donnerstag, den Beamtenverysammlung Reichstagsabgeordneter Demokratisterung Reichsregierung Blatte wird hinge⸗ lbeamten sind freundlichst ird zahlreicher Besuch erwartet.

zu lösen, wird besonders Frühzüge benutzen, Reisen an den bevorstehen⸗ zur Vermeidung längeren An⸗ lichst ausgiebigen keitsdauer der Fahr⸗ karten werden schon ausgegeben. Außerdem ezählt bereit zu halten. verlangt, die Fahrkarten⸗ elle für Großgeld zu benutzen. Speiseeis auf den Straßen d dnulng erlassen worden, die erkauf von Speiseeis an

einberufen, in der mann⸗Berlin

die Gehaltspolitik de Auf das Inserat im

eingeladen und es w Die Fahrkarten am Tage vorher en, die Sonntags

den Ausflugs⸗Reisend Insbesondere bei

dringend angeraten. den Pfingstfeiertagen empfieh ns am Schalter, von der 5 brauch zu machen, wenn die Atägi karten nicht ausgenützt wi am Samstag und am ist es dringend geboten, Die Rücksicht der Reisen schalter nicht als Wechselst

Vorauslösung mög

vor Feiertagen das Fahrgeld al den auf einander

auf weniger als 200 Meter n werden mit Strafe bedroht.

Der Konzertverein veran zert in der Stadtki Mendelssohn⸗Bartho Komponisten. Den ißerdem als Solis Berlin(Sopran),

staltet heute Montag sei rche. Zur Aufführung kommt dy, eines der 1 Akademische Gesangverein

Ruth Arndt(Alt), Hans

R. Gerhardt⸗Leipzig ird vom hiesigen Kammerorchester lle in Nauheim g alle übernommen.

werke des berühmten wirkt hierbei mit, au

Das unter Prof.

stehende Konzert verspri

Der Verband südwesideutscher Konsumvereine versendet so⸗ eben seinen Bericht über das Geschäftsjahr 1922, dem wir ent⸗ nehmen, daß im Berichtssahr die nachstehenden Genossenschasten dem Revisionsverband beigetreten find: Bezirkskonsumverein Ueberlingen, Allgemeiner Konsumverein Singen und Umgegend, Konsumperein Wilhelmsfeld und Umgegend, Eisenbahnkantine Bahnbetriebswerk Karlsruhe, Allgemeine Selbstversorgungn⸗ genossenschaft für Reichseisenbahner, Manuheim, Eisenbahnkan⸗ tinen Weil⸗Leopoldshöhe⸗ Haltingen, Einkaufsgenossenschaft Baum⸗ holder e. G. m. b. H.(Rheinland). Die Konsum⸗ und Spargenossen⸗ schaft für den Oberwesterwaldkreis und Umgegend in Hachenburg ist an den Verband der Konsumgenossenschaften in Rheinland und Westfalen abgetreten worden. Der Konsumverein in Mühl⸗ heim a. M., der älteste Arbeiter⸗Konsumverein in Hessen, hat sich mit Frankfurt a. M. verschmolzen. Die Verteilungsstellen konnten bei einem Zugang von nur fünf Genossenschaften von§97auf 917 vermehrt werden. Auch, der Jentrallggerbetrieh konnte im Bor richtsjahr erweitert werden. Die Zahl der Mitglieder beträgt 358 501 gegen 326 363 im Vorjahre. Unter Abzug der ausge⸗ schiedenen Genossen beträgt die Zunahme 32 128 Familien. Im Jahre 1921 betrug die Zahl der Familien 25 880. Baden steht bei der Zunahme mit 14725 Mitgliedern an erster Stelle. Die Statistik über die soziale Gliederung der Mitglieder ergibt 66,4 Prozent gegen Gehalt oder Lohn beschäftigte Personen 15,2 Proz. freie Berufe und Beamte, 6 Prozent selbständige Gewerbe⸗ treibende, 7,7 Prozent Pensionäre usw., 3,7 Prozent felbständige Landwirte. Der Umsatz im eigenen Geschäft beträgt 1290 780 826 Marl(im Vorjahre 516 143 369 Mark). Den größten Umsatz pro Verteilungsstelle hatte die Pfalz, dann folgt Hessen⸗Nassau, Rhein⸗ land Hessen usw. Die Spqaypeinlagen haben sich auf 83 928 057 Mark erhöht. Die Lieferanbengeschäft ist vollständig bedeutungslos geworden. Die Eigenproduktion gestaltete sich etwas günstüger wie im Vorjahre. Der Wert der selbsterzeugten Waren betrug 10,4 Prozent des gesamten Umsatzes. Die Geschäftslasten betrugen 1914 11,9 Prozent, 1921 9.22 Prozent. Der 13. Verbandstag Südwestdeutscher Konsumvereine findet am 10. und 11. Mai 1923 im Volksbildungsheim in Frankfurt a. M. statt.

Wieseck. Uns wird geschrieben: Die durch denWander⸗ vogel Wieseck gemeinschaftlich mit dem Turnverein e. V., Männer⸗ quartett Harmonie und Radsahrer⸗Verein geplante Himmelfahrts⸗ feier konnte leider durch die ungünstige Witterung nicht wie all⸗ jährlich im Freien veranstaltet, werden und war man genbtigt, selbige im Vereinslobal abzuhalten. Nach einem Umzug durch den Ort begann man mit den Darbietungen, welche in bunter Folge gezeigt wunden. Hierbei konnte man zum erstenmal in Wieseck eine vom Turnverein ins Leben gerufene Schitlerinnenriege am Gerät sehen. Als neu aufgenommen dürsten auch zwei vom Wandervogel aufgeführten wohlgelungenen Volkstänze bezeich⸗ net werden, welche zwar nicht für die Aufführung im Saale be⸗ stimmt waren, aber auch bier allen Beifall fanden. Der Vortrag elmiger schöner Lieder durch daz Männerquartett Harmonie sowie die Mitwirkung der aut eingeübten Spielabteilung desWander⸗ vogel trugen zu der gemeinsamen Feier wesentlich bei. Nach einer vorausgegangenen Ansprache in welcher auch auf die Ziele der Jugendpflegeb, insbesondere der Jugend bewegung hingewiesen wurde. forderte man(laut Beschluß einer voraus⸗ gegangenen gemeinschaftlichen Sitzung) zur Ruhrhilfe auf, welche an Stelle von Eintritt erhoben werden sollte. Die Sammlung ergab(inkl. eines nachträglich eingezahlten Betrages non 600 Mk.) die Summe von 24 390 Mk. welche restlos überwlesen werden soll Die gegen 7 Uhr abends beendete Feier dürfte als dem Tag entsprechende würdige Veranstaltung bezeichnet werden. E. r.

Kleine Nachrichten.

Darmstabt, 11. Mal. Aus gewiesen wurden: Die Frau des noch in Haft befindlichen Regierungsrates Th. Reinhart⸗ Alzey, die Weinbergsverwalter der hessischen Weinbaudomäne in Oppenheim Bernhacd und Christian Hertt und Ph. Willig. Ferner

Regierungsrat

von der Reichsvermögensverwaltung in Worms Petzold⸗Bingen

K. Platz⸗Ober⸗Ingelheim und die Studenten K.

und H Südding⸗Bonn

Darmstadt, 11. Mai. Dem iärdischen Richter ent⸗ zogen hat sich der wegen Mordes an der Frau Hoffmann von hier in der Zellenstrafanstalt Butzbach untergebrachte frühere Inspektor der Kriminalpolizei, Chr. Weber. Man fand ihn heute vormittag als die Zelle um 6 Uhr geöffnet wurde, erhängt vor. Der Selbst⸗ mordversuch muß erst kurz vorher verübt worden sein.

Darmstadt, 11. Maj. Der Mord an dem Wachtmeister Günther aufgeklärt. Der Mord an dem vor Jahresfrist in Darmstadt erschossenen Wachtmeister Günther hat seine Aufklärung gefunden. Die Krimmalpolizei in Stuttgart verhaftete einen ge⸗ werbsmäßigen Einbrecher, der neben einer Reihe schwerer Ein⸗ brüche und Diebstähle auch die im letzten Jahre in Darmstadt be⸗ gangenen Einbrüche in die öffentlichen Gebäude eingestanden hat. Dabei ist ihm und seinem angeblich inzwischen verstorbenen Kompli⸗ cen Wachtmeister Günther begegnet. auf den sie geschossen und die Flucht ergriffen haben. Weitere Untersuchung der Angelegenheit wurde nach dieser Seite sofort eingeleitet. Nach Lage der Dinge dürfte die anfängliche Vermutung über diesen Fall richtig gewesen sein und keine Verbindung mit der Angelegenheit Weber⸗ Hoffmann bestehen. 5

Mainz, 1 Mail. Miß handlungen Deutscher. Mitt⸗

woch kam es im Bebelring ur schweren Mißhandlungen Deutscher durch französisches Militär. Die Franzosen waren dazu über⸗ gegangen, zahlreiche im Bedelrina wohnende Eisenbahnerfamilien einfach auf die Straße zu setzen und die Wohnungen zu heschlag⸗ nahmen. Die fürchterlichen Szenen, die sich dabei abspielten, lockten zahlreiche Neugierige herbei, die den Aussetzungen zusahen. Plötzlich erschien im Bebelring ein Trupp von etwa 30 Mann Spahis zu Pferd und jagte mit gezogenem Säbel, auf der Straße id den Bürgersteigen veitend die Ansammlungen auseinander, während Spahis auf Fahrrädern vor den Reitern auf den Fuß⸗ steigen herfuhren und mit Reitpeitschen unbarmherzig auf die auseinanderstiebenden Menschenmengen einschlugen. Die Vor⸗ sälle hlelten bis zum Einbruch der Dunkelheit an. Von Zeit zu Zeit erschien der militärische Aufzug wieder in der Straße und dann bot sich immer wieder erneut das erbärmliche Schauspiel vor den Augen der entsetzt Zuschauenden.

Mainz, 11. Mal. Das Schreckensurteil. Die Verhand⸗ lung gegen die Eisenbahner fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, als Verteidiger war nur der französische Rechtsanwalt Leclery aus Nancy zugelaͤssen. Zwei Rechtsanwälte aus Paris hatten sich zur Verteidigung bereit erklärt, waren aber zur Verhandlung nicht gekommen. Die Verhandlung war plötzlich um 2 Tage vorverlegt

wahrscheinlich, um diesen Rechtsanwälten das rechtzeitige Eintreffen zu unterbinden; es kann aber auch sein, daß sie über⸗ haupt nicht zugelassen wurden.

Worms, 11. Mai. Von den Franzosen ausgewlesen wurde der sogialdemokratische Abgeordnete, des hessischen Landtages K. Storck⸗Osthosen mit Familie. Das Amtsblatt gibt soeben seine Ernennung zum Lehrer nach Mainz bekannt, welche Stelle er nunmehr nicht antreten kann.

Nierstein, 11. Mai. Der Raubmord an dem Kreisveteri⸗ närarzt Dr. Gerhardt von Oppenheim in der letzten Woche hat seitens der deutschen Aerzte zu der Feststellung geführt, daß die Kopfver⸗ letzung durch einen Gewehrkolbenschlag! erfolgt ist, lehnen jedoch aus gewissen Gründen ab, ihre Aussage über diesen Befund zu machen, überließen diese Feststellung vielmehr den französischen Aerzten. Ver⸗ mutlich wurde Dr. Gerhardt, als er nach 9 Uhr abends von

burg kam, von algerischen Soldaten erschlagen und beraubt. Jede Aeußerung, aus denen sich ein Verdacht auf französische Sol⸗ daten ergibt, wird unterdrückt. Ein Deutscher, der einen französischen Wachtposten bei dem Erschlagenen gesehen haben will, wurde verhaf⸗ tet. Unter der Einwohnerschaft herrscht marke Erregung.

Kaufmann Ernst Müller⸗Mainz, Verwaltungs sekretär E. Fasold

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Deulschvölkischer Heldenmut ober eine wirkungsvolle Z Die Fränkische Tagespost berichtet aus Fürth i. B.:

Ohrfeige für Liebenswürbigleiten. Empfang genommen. Wucht, 25

geschehen war. Da er es

zu. Unter drastischer

Eine Lebensmüde als Verkehrshindernis. Auf dem Unter⸗ grundbahnhof Potsdamer Platz in Berlin spielte sich am Dienstag in der vierten Nachmittagstunde ein aufregender Vor⸗ sall ab. In selbstmörderischer Absicht stürzte sich eine Frau vom Bahirsteig herab vor einen gerade einfahvenden Zug. Der Körper der Unglücklichen war so festgeklemmt, daß der Wagen, um die Frau aus ihrer Lage zu befreien, erst mit großer Mühe ge⸗ hoben werden mußte. Es stellte sich heraus, daß die Frau zwar 0 dem Leben davongekommen war aber einen Arm eingebüßt

Wirtschaft, Handel, Soziales.

Der Zentralverband deutscher ae im Berichtsjahre 1922.

Im Berichtsjahre 1922(das Geschäftsjahr der alle rmeisten berichtenden Konsumgenossenschaften schließt bereits am 30. Juni ab), ist die Zahl der dem Zentralverband angeschlossenen Konsum⸗ genossenschaften von 1337 auf 1350 gestiegen. Die Zahl der Mit⸗ glieder der 1300 berichtenden Konsumgenossenschaften stteg von 2834 000 auf 3 162 000. Die berichtenden Konfumgenossenschaften betrieben 384 Zentrallager, gegen 330 im Borjahr. hin⸗ sichtlich der Berteilungsstellen ist eine starke Zunahme von 7456 auf 8066 zu verzeichnen. Der Umsatz der berichtenden Konsumgenossen⸗ schaften betrug 13 889 Millionen Mark, gegen 5183 Millionen Mark im Vorjahr. Auf die Eigenproduktion entftelen 2265 Millionen Mark, gegen 737 Millionen Mark im Vorjahre. Die Zahl der in der Güterverteilung beschäftigten Personen ist insgesamt um 15,4 Prozent und der in der Güterherstellung beschäftigten Personen um 19,1 Prozent gestiegen. Der Pensionskasse des Zentralver⸗ bandes deutscher Konsumvereine gehörten 9475 genossenschaftliche Angestellte und Arbeiter an, gegen 8543 im Vorjahre Der Be⸗ trag der Geschäftslasten betrug 1621 Millionn Mark oder 11,67 Prozent des Umsatzes, gegen 561 Millionen Mark oder 10,83 Pro⸗ zent des Umsatzes im Vorjahr. Es ist somit eine weitere Be⸗ lastung um 0,84 Prozent eingetreten. Das eigene Kapital der Kon⸗ sumgenossenschaften, bestehend aus Geschäftsguthaben der Mit⸗ glieder und Reserven, ist das natürliche Betriebskapttal der Kon⸗

sumgenossenschaften. Es soll also ausreichend groß sein, um den Betrieb ordnungsmäßig zu führen. Die Geldentwertung hat das

Verhältnis des eigenen Kapitals zu dem den Betrieb be⸗ nötigten Kapital außerordentlich ungünstig beeinflußt. Die Ge⸗ schäftsguthaben der Mitglieder erfuhren eine Zunahme von 150 Millionen Mark auf 348 Millionen Mark: das ist ein relativer Rückgang von 2,90 Prozent auf 2,51 Prozent des Umsatzes. Die Spareinlagen, die jetzt leider fast restlos als Betriebskapital in Anspruch genommen werden, erreichten im Berichtsjahre die Höhe von 942 Millionen Mark oder 6,78 Prozent des Umsatzes, gegen 567 Millionen Mark oder 10,95 Prozent des Umsatzes im Vorjahr. Im Jahre 1914 standen die Spareinlagen auf 79 Millionen Gold⸗ mark oder 16,26 Prozent des Umsatzes. Der Mangel an Betriebs⸗ kapital kommt zum Teil in der Verminderung des flüssigen Ver⸗ mögens, zum Teil auch in dem verhältnismäßig starken Anwachsen der Lieferantenschulden zum Ausdruck, ein Zustand, der wieder überwunden werden muß, um die volle Leistungsfähigkeit der Konsumgenossenschaften beim Wareneinkaufe wieder herzustellen. Ein sehr starker Aktivposten in der erfundene Bilanz sind die Sachwerte. Der Grundbesitz stand mit 2 illtonen Mark oder 1,48 Prozent des Umsatzes und die Geschäftsein⸗ richtungen und Maschinen standen mit 49 Millionen Mark oder 0,35 Prozent des Umsatzes zu Buch. Die Zahlen lassen erkennen, daß unsere Konsumgenossenschaften in ihren Sachwerten sehr starke innere Reservn haben. Das Rabattguthaben der Mitglieder stellt sich auf 374 Millionen Mark und der Reinertrag auf 289 Millionen Mark. Ueberweisung von Rabattguthaben auf Geschäftsguthaben, Rabattguthaben und Reinertrag zusammen ergaben die Summe von 702 Millionen Mark oder 5,05 Prozent des Umsatzes. Die Rückvergütung auf den Umsatz betrug 130 Millionen Mark oder 0,93 Prozent des Umsatzes, wozu der bereits erwähnte Rabatt von 374 Millionen Mark oder 2,69 Prozent des Umsatzes hinzuzu⸗ rechnen ist. Den ordentlichen Reserven wurden 75 Millionen Mark oder 0,54 Prozent, den Spezialreserven 61 Millionen Mark oder 0,44 Prozent überwiesen und für Volksbildungs⸗, gemein⸗ niitzige und wohltätige Zwecke 13 Millionen Mark oder 0,10 Pro⸗ zent des Umsatzes aufgewendet. Im Bilde über die konsum⸗ genossenschaftliche Entwicklung des Berichtsjahrs 1922 sind zweifel⸗ los noch Lichtpunkte vorhanden. Wir sehen aber auch die Schatten dunkler werden, und das laufende Jahr müßte ein viel trübe res Bild geben, wenn nicht mit größerer Energie auf die Beschaffung eines ausreichenden Betriebskapitals durch Erhöhung des Ge⸗ schäftsanteils und durch rasche Einziehung der erhöhten Geschäfts⸗ anteile Gewicht gelegt wird.

Arbeitsrecht, Gewerkschatliches, Arbeiterbewegung.

Schlichtungsausschun der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 9. Mai.

Den Bad⸗Nauheimer und Friedberger Mitgliedern des Süd westdeutschen Arbeitgeber⸗Verbandes für das Transport-, Handels⸗ und Verkehrsgewerbe gab der Schlichtungs⸗ ausschuß auf, die Trans portarbeiterlöhne und Zehrgelder, die seit dem 16. 2. 2 galten, vom 30 4. 23 an um 30 Prozent zu erhöhen. Hieraus ergeben sich z. B. 65 000 Mk. Wochenlohn der Fuhrleute über 21 Jahren. 5

In der Tarifvertragsstreitigkeit des Sattlerverbandes und der Gießener Sattlermeister erging folgender Schiedsspruch: 1. Mit

Wirkung vom 1. Mai 1923 gelten bis auf weiteres folgende Stun⸗

denlöhne: im ersten Gehilfenjahr 500 Mk., im 2. Gehilfenjahr bis zu 20 Lebensjahren 700 Mk. von 2023 Jahren 1000 Mk. und über 23 Jahren 1400 Mk. 2. Der Urlaub wird wie in den bisherigen Tarifvertrag festgelegt gewährt. Wird während der Urlaubszeit gegen Entgelt Arbeit ausgeführt, dann erlischt in der Höhe des Ent⸗ geltes der Anspruch auf bezahlten Urlaub. Außerdem ist der Ur⸗ laubsanspruch für das mächste Jahr in der enssprechenden Höhe ver⸗ wirkt.

Den Einspruch dreier Arbeiter des Gießener Installations⸗ geschäftes Georg Appel gegen Kündigung wegen Arbeitsmangels wies der Schlichtungsausschuß ab, weil weitere Arbeitsstreckung nach der Art der Arbeit nicht- in Frage kam und die Auswahl der Kün⸗ digungen nicht zu beanstanden war. Er gab dem Antragsgegner aber auf, den drei Antragstellern bei neuer Arbeitsmöglichkeit den Vorzug vor Neueinstellungen zu geben. Die Entscheidung über einen 4. Kündigungseinspruch vertagte er.

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