Ausgabe 
14.4.1923
 
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Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 85

Gießen, Samstag, den 14. A ril 1923.

Gießen und Umgebung. Rüstet zur Maifeier!

5 Selbstverständlich wird auch in diesem Jahre der Welt⸗ feiertag der Arbeit in würdiger Weise begangen werden und in unserem Verbreitungsgebiete sind die Parteivereine bereits mit den Vorbereitungen dazu beschäftigt. Alle Parteifreunde und Gewerkschaftsmitglieder müssen, soviel daß der Maifeiertag eindrucksvoll gestaltet wird, die Gedanken und hohen Ziele des Sozialismus, der Völkerfreiheit zum Ausdruck bringt.

In welcher Weise in der Stadt Gießen die Maifeier be⸗ gangen werden soll, wird demnächst bekannt gegeben. Aller

Voraussicht nach wird Arbeitsruhe beschlossen werden. Richte sich jeder Freund unserer Sache dementsprechend ein!

Maifestzeitung.

Zur diesjährigen Maifeier gibt die Buchhandlung Vorwärts im Auftrage des Parteivorstandes eine Maizeitung heraus. die ganz hervorragend und außergewöhnlich ausgestattet werden wird. Dazu liegt in diesem Jah re besondere Veranlassung vor, denn der Maimonat dieses Jahres wird sehr bedeutungsreich sein für die demokratie nicht ner in Deutschland, sondern der ganzen

Der Maitag wind in hohem Ernste aber auch festlich von 6 Arbeitern der ganzem Welt begangen werden, wie kaum jemals awor und gegen Ende des Monats werden sich die Vertreter der Sozialdemokratie aller Länder in Hamburg diesem bedeutsamen Ort für die deutsche Parteigeschichte vecsammeln, um Stellung zu nehmen, gegen Imperialismus und Kapitalismus. gegen Militaris⸗ mus und Unkultur. Die deutsche Sozialdemokratie wird unter Milarbeit aller anderen sogzialistischen Parteien alles daran setzen, daß dieser internationale Parteitag die gewaltigste Heerschau der Arbeiter aller Länder sein wird.

Die Maizeituna wird deshalb aus diesem Anlaß gleich⸗ zeitin die Maizeitung der Sozialdemokratie in den deutschsprechen⸗

den Ländern und Fesischrift des Internationalem Kongresses sein.

Unter Mitarbeit hervorragender Vertreter des Sozialismus Deutschlands und des Auslandes, wird diese Festschrift mit reichem Bilderschmuck in einem Umfange. von 16 Seiten erscheinen. Kautsky und Bernstein, Molkenbuhr, Frohme. Stolten, Perner und andere deutsche Genossen verein gten sich mit Tom Shaw, Claudio, Treves Dan. Sokup u. a. qulsländtschen Genossen, um gusammen zu würken damit der deutschen Sozialdemokratie eme Maigzeitung wie nie vorher geschaffen werde und damit dem In⸗ ternationalen Kongreß zu Hamburg ein Ueberblick über die Be⸗ wegung des arbestendaen Volkes in Deutschland und im Auslande

gegeben werde. Künmstlerische Kräfte verschönern und vertiefen das

Bild, das der Tert in rescher Fülle bietet und zahlreiche Illustra⸗ tionen hervorragender Fühver dec Arbeiterklasse die in der Zeit⸗ schrift mitwirken, werden besonders Leben im den ernsten Gedan⸗

Die Schrift ist durch unsere Buchhandlung zu beziehen. Es ergeht die Bitte an die Parteivereine, Bestellungen baldmöglichst an unsere Expedition gelangen zu lassen. Der Preis wird sich auf 450 Mark stellen. f

Dit Freunde von liuks.

Jg der am Dienstag abgehaltenen Versammlung wurde

von mehreren Rednern den Kommunisten gegenüber der Ausdruckdie Freunde von links gebraucht. Auf diese Freundschaft dürfen wir uns nicht stützen, es ist kein Ver⸗ laß darauf und auch damit kein Staat zu machen. Zum Beispiel verteilten dieFreunde von links ein Flugblatt, in dem unsere Partei in folgender Weise freundschaftlich be⸗ handelt wird:

Gießener Wochenplauderei.

In einer so belämmerten Zeit wie der unserigen ist es immer⸗ hin erquicklich, wenn wenigstens im engeren Kreis der geliebten Heimat allerhand passiert, was zu harmloseren Randbemerkungen reizt und auch dem lachenden Philosophen die ach so teuere Stahl⸗ feder zu ach so teurer Papier⸗ und Tintenverschwendung in die Hand drückt. 0

Papiernot!Wie konnt' ich sonst so tapfer schmälen, wenn tät ein armes Mägdlein fehlen! Das Faustzitat ist heraus und schon ist die Gedankenverknüpfung mit dem zitatenfrohen Gietzener An⸗ zeiger hergestellt. Wie beweglich stöhnte er über Raummangel und

Papierpreis damals, als er genötigt war, Weißgerber contra Schian Aufnahme zu gewähren! Jetzt war plötzlich alle Papiernot ver⸗ schnunden, als es galt, in breiter Ausflährlichkeit über denpoli⸗ lischen Beleidigungsprozeß einen Bericht zu erstatten, in dem die bekannte Herzensneigung des Generalanzeigers für Oberhessen fünf Sechstel der Partei Lenz⸗Fischer, ein Sechstel der anderen Seite zu⸗ billigte. Billig und gerecht, wenn man beachtet, daß es ein Ziel war, des Schweißes der Edelsten wert, die Leser in Stadt und Land unparteissch(wie ich es auffasse, denkt die Schulstraße mit dem Reichskanzler Michaslis) über einen verleumderischen Angriff auf den Kultur⸗Antisemitismus zu unterrichten! Ebenso umparteiisch, aber freilich etwas ausführlicher, wie acht Tage vorher über die fragwürdigen Enthüllungen dessozialdemokratischen() Ministers Severing bzüglich der sogenannten deutschvölkischen Verschwörung.

Kein Kind, koin Engel ist so rein, wie der fälschlichdiszipli⸗ miert behauptete Antisemitenhäuptling nebst Gestinnungsgenossen im geladenen Gerichtspublikum und gar sein Verteidiger, dem obendrein (der Gerechte muß viel leiden) internationale⸗orientalische Roheit das lange Jahre umbehelligt gebliebene Anwaltsschild mit einem mitgebrachten schmeren Werkzeug völlig demoliert, insbesondere den Namen unkenntlich gemacht hat. Der Grieche Herostratus wollte seinen Namen unsterblich machen, indem er den Tempel der Diana zu Ephesus ansteckte. Es ist ihm gelungen. Ebenso sicher wird es dem feigen Sachbeschädiger nicht gelingen, den Ruhm des antisemitischen Rechtsanwalts zu verdunkeln dadurch, daß er seinen Namen unkennt⸗

ich macht. Ein blödes Beginnen diese Rev uche für natiomaleger⸗ manische Großtaten im Dienste der Befreiung des von den Novem⸗ berverbrechern geknebelten Vaterlandes!O alte, teutsche Freiheits⸗ zeit, wohin bist du geschwunden! Nie kehrst du wieder, goldne Zeit.

6 wollen wir wer gründlich hoffen, und so schließen wir nach An⸗ deihen aus Goethe, Schiller, Klopstock und dem ommersbuch(im gebildeten Stile einer literarischraesthetisch parfürmierten Presse) nit eim zeitgemäß verbesserten Worte Shakespeaces:O Verstel dung, dein Name ist Kiekebusch! oderO Unparteilichkeit, dein Name ist Generalanzeiger! 5 Dergrün angestrichene Winter ist pünktlich eingetroffen. Be⸗ uummlich ut ihn schon Heinrich Heine als Erbteil unseres nördlich 5 igten Klintas erkannt. Ja, die Juden! Ob nicht schließlichdie

sen von Zion sogar das arische Wetter unheilvoll beeinflussen?

gäbe vielleicht für einen urgermanischen Deutobold ein locken⸗

Wenn Ihr glaubt, die Sozialdemokraten könnten Euch aus diesem Elend heraushelfen, so erinnern wir Euch an die Politik dieser Partei seit 1914, an die Noske⸗ Schandpolitik, die die Kraft des revolutionären Prole⸗ tariats zerschlagen hat, die durch ihre Arbeitsgemeinschaft in der Koalition mit den Bürgerlichen Euch vollständig den Cuno und Konsorten ausgeliefert hat. Wiederholt haben wir Kommunisten uns auch en die Parteileitung in Hessen⸗Frankfurt gewandt, sie aufgefordert, klar Front gegen die Pelitik der Führer im Reiche zu machen und versucht, entsprechend dem Willen der sozialdemokratischen Arbeiter, die Partei auf die Seite des klassenbewußten Proletariats zu bringen und ihr so die Möglichkeit zu geben, ihren radikalen Worten auch die Tat folgen zu lassen. Die Frankfurter Konferenz liefert als letztes Bei⸗ spiel den Beweis, daß vor die Wahl gestellt, mit den Ar⸗ beitern ihrer Partei in der Einheitsfront mit uns Kom⸗ munisten den Kampf um Brot, Leben und Freiheit zu führen, gegen Wucher und Fascismus der Ausbeuterklasse im eigenen Lande und international gegen die Ruhr⸗ besetzung, die sozialdemokratische Partei es vorzog, alles abzulehnen und uns zu sabotieren, und mit radikalen Phrasen verschleiert die Politik der Führer im Reiche zu machen. 5

Derartige Liebenswürdigkeiten gegen uns sind noch mehrere in dem Flugblatt entholten. Vonradikalen Phrasen reden diese Leute, deren ganze Agitation eine einzige Phrase ist! Und die ist noch von Moskau bezogen. Sehr treffend erwiderte unser Redner dem Kommunisten Haupt, der das Wort ergriffen und Forderungen vertreten hatte, wie man sie von den Kommunisten eben gewohnt ist. Sturz der Regierung Cuno verlangt Haupt, sagte der Referent Soldmann unter anderem darüber würde sich Cuno selber sehr freuen. Eine Arbeiterregierung zu ver⸗ langen, ist gut gesagt, aber dazu müssen wir die notwendigen Kräfte haben. Die politische Macht zu erobern ist unter Umstönden leichter als sie zu erhalten. In Sachsen haben die Kommunisten zweimal die soziolistische Regierung ge⸗ stürzt, die bemüht war, alles nur Mögliche für die Arbeiter⸗ klasse zu tun.Aktionen mache man nicht mit dem Maul. In der Politik müsse man mit den realten Tatsachen rechnen. Weiter wies Redner auf Rußland hin, wo Lenin und seine Partei sich den Verhältnissen anbequemen und ihre Grund⸗ sätze gehörig»evidieren mußten. Auf die Redensarten derFreunde von links fallen aber immer hier und da noch Arbeiter herein.

Erhöhung des Ortslohnes. Nach der Reichsversicherungs⸗ ordnung müssen bekanntlich die Ortslöhne, wonach sich die Bei⸗ trags⸗ und Rentensätze richten, vom Versicherungsamt festgesetzt werden. Das ist ab 1. April erneut geschehen; aus einer Bekannt⸗ machung im heutigen Blatte sind die Sätze ersichtlich. Ebenso ist der Jahresarbeitsverdienst land⸗ und forstwirtschaft⸗ licher Arbeiter vom 1. April erneut festgesetzt, der ebenfalls im heutigen Blatte bekanntgegeben wird.

Von der Bezirkssparkasse Gießen. Im ersten Viertelfahr 1923 betrugen die Einlagen: im Sparverkehr 131 555 000 Mk., im ck und Ueberweifungsverkehr 3 603 210 000 Mk., zu⸗ sammen 3 734 765 000 Ml. Rückzahlungen: im Sparverkehr 34 127 000 Mark, im Scheck⸗ und Ueberweisungsverkehr 2 797 700 000 Mk. zusanmen 2831.827000 Mk. Mithin Einlage⸗ überschuß 902 938000 Mk. Gesamteinlagenbestand Ende März 1923 1 291 000 000 Mk.

des Thema für eine akademische Ehrendoktor⸗Dissertation. Jeden⸗ falls: Der April, der tut nicht gut, er schneit uns allen auf den Hut. So hat er uns auch diesmal gründlich in den April geschickt.

Im wunderschönen Mond April,

Als alle Knospen sprangen,

Da hab ich mir aufs nen

Den Pelzrock umgehangen.

Einen altehrwürdigen, mit der laufigen Zeit zwar nicht gerade lausig(da sei Gott vor!), aber doch ziemlich schäbig gewordenen, sozuscgen deklassterten und proletarisie rten Pelz, ein wehmittiges Erbstück aus guten wilhelminischen Tagen. In, die Revolution! Neue Pelze läßt sie nur bei Juden und Judengenossen, bei Schie⸗ bern und Dickverdienern, kurz bei den neuen Reichen aufkommen, während die alten Reichen, die Großagrarier und die Großindustri⸗ ellen, das bißchen, was sie jetzt im allgemeinen Dalles, etwa noch dazu verdienen, nie egoistisch als Profit einstecken, sondern im Ueber⸗ schwang ihres glühenden Patriotismus restlos der Finanzierung großer Volksgenossen(deutschvölkischer Kulör) wie Wulle und Hitler widmen. Auch dem ganz großen Erich Ludendorff wird hoffentlich etwas abfallen, zur Ausbesserung seiner ganz unzureichenden repu⸗ blikamischen Pension. Es gibt noch Idealismus. Weitigstens in treu⸗ deutschen und moskomitischen Herzen, und mit der richtigen Ziel⸗ setzung: unentwgete Bekämpfung der undeutschen, teils sozialpatrio⸗ tisch unheilbar erkrankten, teils kapftalistisch schwer verseuchten, leider immer noch nicht links⸗ oder rechtsbolschewistisch orientierten, mit einem Wort der verjudeten Sattler⸗Ebertinischen, immer noch nicht pofitiv oder negativ diktatorischen Saustalls⸗Republik! Uff! Der demokratische Realpolitiker aber und vorgenannte ganz im Nationalismus versunkene erbliche Efgentlimer des allmählich un⸗ modern gewordenen Pelzrockes lacht sich ins Fäustchen, wenn die obgemeldete grünangestrichene Winterzeit kommt, obwohl der Aus⸗ Hruch des Lenzes sich schon mit den liblichen Sturmgetösen und Hitze⸗ ernlostonen angezeigt hat, denkt bei sich: Du kannst mich.. und zieht sich wiederum auf seinen genußfrohen Dichter zurück:Ge⸗ nieße, was öfr Gott beschieden! Was er nicht hat entbehrt der be⸗ scheidene Repußlikaner gern, z. B. russische Subsidien zur Bewaff⸗ mung einer roten Weltarmee, innerdeutsche Subsidien zur Erledigung von Schädlingen(Novemberverbrecher und ähnlichem Gelichter), Platintiegel, zu den höchsten Tagespreisen von divorsen Altmetoll⸗ händlern diskret angekauft, goldene Uhren, dem allgemeinen vater⸗ ländischen Opfer währand des hefligen Krieges glücklich entronnen, Hypotheken⸗ und zwangsmieterfreie Villas, Autokarossen, Dauer⸗ abomements im Kino und ähnliche Genüsse einer gesunden Infla⸗ tions⸗Valuta.

Soweit unser, ber drohendem Nachtfrost und unangenehmer Tageswärme mit seinem Privateigentum ganz zufriedene Pelzrock⸗ besitzer! Aber die Jugend, die Jugend des Volkes, deren Jacken und Hosen, Blusen und Röckchen(pon den abwesenden Unterkleidern und Obermänteln ganz abgesehen) während der letzten, mindestens sieben mageren Jahre doch gar zu dünn und fadenscheinig geworden stnd, wie wird ihr die wiederbegonnene Schule schmecken? Haben

die Kinder eine Einheiz⸗Schule angetroffen? Bange Frage! War

Verhütung von Waldbränden. Von der Stadtverwaltung wird auf die Gesahr von Waldbränden hingewiesen die bei der trockenen Witterung besteht. Es wird deshalb das Verbot in Er⸗ innerung gebracht wonach in der Nähe des Waldes kein angezündet werden darf. Ueberhaupt muß im Wald mit Feuer vorsichtig umgegangen werden, zum Beispiel soll man nicht brennende Streichhölzer oder glimmende Zigarrenst achtlos in dürres Laub usw. werfen. f Das älteste Cafe Gießens, das seit 33 Jahren bestehende Casé Hettler, wird denmächst eine Veränderung und Ein⸗ schränkung erfahren. Der größte Teil der Wirtschaffs räume soll vermietet und zu Burcauzwecken benutzt werden, ein kleinerer Teil wird abgetrennt und zusammen mit der Veranda, dem soge⸗ nanntenTortenstückchen als Tagescafé weiter betrieben. Ebenso wird dre Konditorei in seitheriger Weise fortgeflührt. Das Hetllersche Cafe war das erste, das in Gießen in dieser Form entstand. Unter der tüchtigen Leitung seines Besitzers entwickelte und gern von Hiesigen und langjährige Gast wird seine Auf⸗

am morgigen Sonntag nachmittag Dollarprinzessin nochmals wieder⸗ Der kühne Schwimmer, Male über unsere Bühne ging

für Gemeindefuhrlohn 2500 Mk. der Schulen werden für jede Reinigung 300 Mk., für eine 1 1500 Mk. ie Schwester 60 000 Mek. bewilligt, die Arbeiten werden ausgeschrieben.

halten. Schließlich wird beschlossen, das betr. Gelände, sowett es für ein Wohnhaus erforderlich ist, e alles übrige für Garten usw. soll gegeben werden. Von Ueberweisung einer Summe von 109 000 Mk. zur Ruhrspende vor, der Antrag wird abgelehnt. In der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung lagen mehrere Wohnungssachen vor, die teilweise erledigt wurden. Zu der öffentlichen Sttzung hatte sich eine beträchtliche Anzahl Juborer, besonders aus Arbeiterkreisen eingefunden, was sehr erfreulich ist, denn ein reges Interesse an der Tätigkeit des Gemeinderats fördert unsere Bewegung. Kreis Friedberg⸗ Büdingen.

Butzbach, 11. April. Gegen die Mitwirkung der Tribüne. Die vorgestrige Sitzung des Gemeinderats mußte infolge Störungen aus dem Zußörerkreis nach dreistündiger Be⸗ ratung abgebrochen werden, da die Mitglieder der bürgerlichen Parteien infolge dieser Vorkommnisse und weil sich der Bürger⸗ meister nicht Ruhe verschaffte, den Saal verließen.

Kleine Nachrichten.

Frankfurt a. M. 11. April. CEasver giftungen. Der Selbstschuß. Beim Kesselreinigen wurden in der Osthazen⸗ Gasfabril vier Arbeiter durch restierende Gase betäubt und mußten dem städtischen Krankenhause zugeführt werden. Im chemischen Werk Griesheim⸗Elektron fand der Arbeiter Thomas Häuser aus Schwanheim durch ausströmende giftige Gase den Tod. In der Kleingartenkolonse Westend wurde der Schlosser Schuster mit

doch ihre von so behaglicher Frühlimgsvorwärme ausgefüllte Ferien⸗ verlängerung gerade aus Kohlenmangel zum Zwecke von Kohlen⸗ ersparnts erfolgt! Ruhrkohlen? Schlesische Kohlen?? Saarkohlen??? Und unsere Abe⸗Schützen, wird i neben der, wir hoffen doch, sparsam eingeheizten Schule die Einheitsschule gefallen, deren sozialer Segen manchem zarten(oder körperlich und seelisch verzärtelten) Sprößling wohlhabender Eltern auf Grund ärztlichen Zeugnisses noch versagt bleibt? Privatunterricht, soweit hierdurcheine Sonde⸗ rung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht ge⸗ fördert wird(Weimarer Verfassung, Art. 147), wir nehmen an, die Privatlehrer unterrichten zu zivilen Preisen, etwa nach dem Buchhändler⸗Index hat zum mindesten den Nachteil, daß das, um ein Beispiel zu fingieren, das Universitätsprofessorensöhnchen keinen Schulkameraden aus wenigerbesseren Kreisen gewinnt.

9 Um aber wieder auf das Thema des zwar in seine äche sich in rauhe Berge zurückziehende, aber leider immer noch nicht ganz erledigten Schädlings Winter zurückzukommen, so hatte immerhin umsere Jugend letzthin eine famose Gelegenheit zur Abhärtung. Bei 3 Grad Reaumur und scharfer Ostluft, umwirbelt von dichten Staub⸗ wolken(Steub muß er fressen: die Faustzitate jucken den Schrift⸗ steller), für jedesmal nur 50, beziehungsweise 100 Reichsmark, sich auf dem Berg⸗ und Tal⸗ oder Mühlrad⸗Karussell horizontal oder vertikal herumschaukeln zu lassen, das mag dem bestandenen Euro⸗ päer ein zweifelhalter Genuß dünken. Doch scheinen zahlungsfähige kleine und große Kinder dieses griesgrämige Urteil nicht zu teilen, und so ist die diesjährige Osterschaumesse, einschließlich des unver⸗ meidlichen Weltpanoramas von der Erstürmung des Gaisbergs bei Weißenburg durch bayerische Raupenhelme gegen französische Turkos Anno 1870(als hätten wir inzwischen keinei Weltkrieg gehabt!) ganz vergnüglich für die Beteiligten zu Ende gegangen.

Die Zeit arbeitet gegen uns. Pelzrock, verschwinde, wie die Wurst im Spinde! Unsere Plauderei im klühlen Ton ist überholt; sie ist wie mancher Leitartikel über Nacht inaktuell geworden. Es wird wieder warm. Das Bllihen kann weiter gohen. Wir sind nicht böse darüber, daß der Lenz gesiegt hat. Also, es will doch Frühling werden. So darf auch der Schalk wieder hitzig werden. Er notiert:

Den preußischen Leutnant hat uns feinerzeit keiner nachgemacht. Jetzt macht uns keiner unsere republikanische Justiz nach! In der Refidenz des roten Ulrich knöpft sie dem Freistitt Hessen 30 Millio⸗ nen Mark ab für den sonst ins Proletariat versinkenden Exmonarchen Ernst Ludwig, Herrn von Brabant, in der Provinzialhauptstadt Gießen sucht sie den schriftleitenden Kapitalisten, respektive die sozial⸗ demokratische Parteikasse um 100 000 Mark zu erleichtern. O, sie ist uẽg und weise, diese ausgleichende Gerechtigkeit.

Und so wären wir denn glücklich am leidigen Mammon ange⸗ langt. Die Löhne und die Gehälter stehen, fest wie die Mark am Rhein und überall in deutschen Landen. Und das hat mit ihrem Stabilisieren die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft getan. Cunos ziel⸗ sichere Hand zahlt partout nichts mehr nach, höchstens voraus. Deulsche Hausfrau, teile dich ein!

DerPreisabbau wirkt sich aus, aber empfindlich! Der Gas⸗

preis usw. usw. usw. stieg über das doppelte. Der Schornsteinfeget