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Das Hunger⸗Dumpiug ber deutschen Arbeiterschaft.
Jahre hindurch hatte die deutsche Produktion vor der niisländischen dadurch einen Vorsprung, daß sie durch den
niedrigen Stand der deutschen Währung in der Lage war, Varen billiger zu exportieren als gleichwertige Produkte im Ausland kosteten. Nach der Stützungsaktion für die Mark bber hat sich ergeben, daß der Preisvorsprung der deutschen daten, umgerechnet in fremde Valuta, sich wesentlich ver⸗ mindert hat. Trotzdem ist die deutsche Industrie noch in der Loge, nach dem Ausland einen Schleudererport zu betreiben. jeser Schleuderexport, meist Dumping genannt, wurde in
Ann der Hauptsache damit begründet, daß die deutsche Industrie Vemang zusch Ueberhöhung der inländischen Warenpreise sich die i sglichkeit schuf, ähnlich wie vor dem Kriege durch bewußte erkschalc und absichtliche Unterbietung der fremden Konkurrenz sich den Ne 4% 1550 Absatz ins Ausland offenzuhalten. Diese Auffassung es. mag richtig sein; sie kennzeichnet aber nur die Außenseite lhnen der Frage. Tatsächlich wird der billige Export der deutschen
iustrie dadurch herbeigeführt, daß der deutsche Arbeiter
unserem Ut im Verhältnis zu seinen ausländischen Kollegen wesentlich daun ic nunterbezahlt it. Die Schweizer wirtschaftliche Monatsschrest
Die Kurbe. der wir die nachfolgenden Ausführungen ent ⸗ — hat sich dadurch ein Verdienst erworben, daß sie die „ arein weltwirtschastlichen Konsequenzen dieses Hunger⸗Dumpings e deutschen Arbeiterschaft in einer Untersuchung klarge⸗ at, die weiteste Verbreitung verdient 2 0 s die Preise und die Valuten der berschiedenen bor dem Krieg ziemlich genau aufeinander abge⸗ waren, so bildete sich für die Arbeiter der ver⸗ n Volkswirtschaften auch eine Lebenshaltung heraus, zabgesehn von durch nationale Eigenart und klimatisch Verschiedenheiten— mindestens in der Nahrung, stens binsichtlich des Kalorienwertes nicht allzu sehr chieden war. Sie schwankte zwischen 3000 und 3800 Eine Arbeiterfamilie bon ungefähr gleicher Größe u. a. pro Jahr Kilo, bezw. Liter, bezw. Stück:
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.„ ren(49120(1909(1912)(1904) 9 0 500— 510 480 geschätzt 414 520 etgermifen 1070—1080 5⁰⁴ 665% 298 h und Wurst 102— 106 131 165% 154 nan.. Butter 14%. 16%, 35 10 47 Die 10%— 12/ 18 l
Tier 380— 390 392 405 625/ö26 Jette und Oele 22⸗J/.— 24% 281 471% 2 Aartoffeln 247— 257 438 164 402 ö Teigwaren 28— 20 2 2 2 Aiucker 65— 67 1470 65 126
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Gewiß finden sich in dieser Aufstellung wesentliche Unterschiede der Lebenshaltung. Allein es handelt sich doch mehr um Verschiebungen in den Artikeln als um eine aus⸗ gesprochen andere Lebensweise. Die Lebenshaltung der zentraleuropäischen Arbeiterschaft, inkl, jener Englands, wies insofern aber besondere und ganz unbestreitbare Aehnlich. keiten auf, daß sie ca. 45—55 Prozent ihres Einkommens auf die Ernährung verwendete. Im großen und ganzen war— bei allen tatsächlich vorkommenden Verschiedenheiten — eine einheitliche Lebenshaltung insofern vorhanden, als der Arbeiter in einem Lande sich ohne große Schwierigkeiten an den Standard im anderen gewöhnen konnte. Man kann also mit Rocht von einer gewissen Stabilität der internatio⸗ nalen Lebenshaltung sprechen. Diese Stabilität war eine äußerst wichtige Grundlage für die internationalen Kon⸗ kurenzverhältnisse. Es liegt auf der Hand, daß in dem Moment, wo die Arbeiterschaft eines Landes sich bereit er⸗ klärt hätte, ein Drittel weniger zu konsumieren, diese frei⸗ willige Zurückschraubung der Lebenshaltung sich aufs schärfste hätte in den Konkurrenzbedingungen ausdrücken müssen. Was ist nun aber heute geschehen? a gira 10 Millionen Arbeiter Deutschlands arbeiten heute unter ganz veränderter Lebenshaltung. Alle Berichte, die wir besitzen, sprechen dafür, daß sie für die Ernährung ta. 70 bis 80 Prozent ihres Einkommens verwenden müssen. Das ist ein Prozentsatz, wie er für die Ausgabenstruktur des— chinesischen Arbeiterhaushaltes festaestellt worden ist. Und für was für eine Ernährung! Es ist wohl nicht über⸗ krieben, wenn man behauptet, daß der qualifizierte Arbeiter von heute in Deutschland höchstens 50—45 Prozent von dem verzehren kann, was er früher als zu seinem Unterhalt ge⸗ börig erachtete. Dabei erspart ihm die Mieterschutzgesetz⸗
Die Stellungnahme der soziald. Reichstagsfraktion.
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschäftigte sich am Donnerstag abend in einer fast fünfstündigen Sitzung, die bis 11 Uhr währte, mit der außenpolitischen Lage, wie sie durch den Ruhreinbruch und den geführten Abwehrkampf entstanden ist und sich bis jetzt entwickelt hat. Trotzdem die Fraktionsbesprechungen streng vertraulich sind, glaubt die bürgerliche Presse über sie be⸗ richen zu können. Die Berichte sind deshalb. auch entsprechend. So behauptet z. B. der Lolalanzeiger in seiner heutigen Morgenaus⸗ gabe, daß der Flügel innerhalb der Sozialdemokratie, der von der Regierung mehr Aktivität verlangt, von Breitscheid geführt wird, während ein großer Tefl der Fraktion, und das sollen ins⸗ besondere die„alten Rechtssozialisten“ sein, der Ansicht sei, daß die Regierung keine andere Politik versolgen könne, als sie sie bisher getrieben hat. An diesen Behauptungen ist kein wahres Wort. Weder führt Breitscheid einen Flügel, der mehr Aktivität verlangt, noch besteht in der Fraktion bei einem Teil der Genossen die Auffassung, daß die Regierung auch weiterhin keine andere Politik verfolgen könne, als sie sie bisher getrieben hat.
In Wirklichkeit hat die ausgedehnte Debatte über die außen⸗ politische Lage innerhalb der Fraktion am Donnerstag gezeigt, daß diese
vom ersten bis zum letzten Mann einmütig
im Interesse des Volkes den psychologischen Augenblick für ge⸗ kommen hält, in dem die Reichsregierung die Pflicht hat, die Ini⸗ tiative zu Verhandlungen zu ergreifen, ohne zuvor auch nur im Geringsten die passive Abwehr aufzugeben. Ebenfalls erkannte die Mehrheit der Fraktion an, daß die bisher unterstützte Politik, die schon seit Wochen von verschiedenen Seiten als zu wenig aktiv bezeichnet wird, die richtige war. In diesem Sinne werden auch die von der Fraktion zur Debatte über den auswärtigen Etat als Redner bestimmten Genossen Hermann Müller und Breitscheid
sprechen. Die Verständnislosigkeit der Cuno⸗Roseuberg. Die Kanzlererklärung vor den Regierungsparteien.
Leider besteht innerhalb der Reichskanzlei nicht der gute Wille, im der Tat zu einer Aktiven Politik zu schveiten, wie sie im Interesse der deutschen Bevölkerung, insbesondere aber aus Fürsorge für unsere an der Ruhr kämpfenden Brüder mit Entschiedenheit gefordert werden muß. Das ging zum mindesten aus der Erklärung hervor, die der Reichskanzler am Donnerstag nachmittag den Vertretern der Arbeitsgemeinschaft abgegeben hat, nachdem diese mit dem Wunsch zur Reichskanzlei gegangen waren, von Cuno mehr Aktivität zu ver⸗ langen. Aber trotzdem sind wir davon überzeugt, daß die Verhält⸗ nisse auch die gegenwärtige Regierung bald zu einer Auffassung zwingen werden, wie ste jetzt bereits von den Sozialdemokraten ver⸗ treten wird. Die Verständnislosigleit der Herren Cuno und Rosen⸗ berg(des Reichsaußenministeriums) ist umso unbegreiflicher, als ihnen von der englischen Regierung öffentlich, andererseits aber auch im Vertrauen die Brücken geschlagen worden sind, die zu einer Ver⸗ ständigung führen könnten, und daß sich gegenwärtig auch in Frank⸗ 1008 ein starker Wille zur Liquidation des Ruhrabenteuers breit macht. Die Sozialdemokratie deukt nicht daran, den bürgerlichen Par⸗ teien Material zu einer neuen Dolchstoßlegende zu geben, aber sie wird dennoch als Fraktion das tun, was ihr die Vernunft gebietet. Sie wird, falls die Regierung nicht aktiver werden will, die Ver⸗ antwortung für das kommende ablehnen, ohne dabei die Abwehr als solche zu gefährden. Daß in Wirklichkeit auch innerhalb der fran⸗ zösischen Industrie der Wunsch besteht, mit der Ruhrpolitik Poinegrés Schluß zu machen, ergibt sich aus einer Auseinandersetzung zwischen einem Teil der Pariser Presse und den von dem Comité des Forges unterhaltenen Nachrichtenbüros. Indem diese Instanz der franzö⸗ sischen Industrie darauf hinweist, daß der Versailler Vertrag das Hauptproblem der französischen Wirtschaft, die Belieferung der Metallindustrie mit 6—7 Millionen Tonnen Koks, nicht gelöst hat und diese Lösung nachträglich erzielt werden muß, sagt sie:„Das zeigen, ein wie kläglicher Rest weniger als üppigen Lebensweise dem deutschen Arbeiter verblieben ist.
Was hier an Umstellungen in der Lebenshaltung vor sich gegangen ist, ist durchaus keine bloß innerdeutsche, sondern eine internationale Angelegenheit. Nehmen wir an, die deutsche Industrie hätte vor dem Kriege Kulis importiert, um die französische, belgische, englische, schweizerische Indu⸗ strie auf dem Wege der billigeren Lebenshaltung der Ar⸗ beitskräfte im Konkurrenzkampfe zu schlagen und der nicht⸗ deutschen Industrie wäre ein gleicher Ausweg versagt ge⸗ blieben. Hätte diese Tatsache nicht die ganze Welt aufge⸗ rüttelt? Daran ist nicht zu zweifeln.
Und heute? Die deutsche Lebenshaltung steht heute weit unter dem—und dies bei ganz anderen klimatischen Be⸗ dingungen— was ein armer Bauer in den Abbruzzen vor dem Kriege sich zuführte. Um diese Lebenshaltung wett⸗ eifert in Form der Preise der Fertigfabrikate die Industrie aller Länder. Rohbaumwolle ist in Deutschland aber teurer als auf dem Weltmarkt. Der Spinner und Zwirner kann den ausländischen aber schon unterbieten, weil seine Leute
gebung sozusagen ganz die Bestreitung der Wohnungs. bedürfnisse, für die er früher doch 15—20 Prozent seines Einkommens zu verwenden hatte. Wenn auf dem Gebiete des Wohnungswesens der Ausgleich einmal eingetreten sein wird und wenn die Anpassung der im Inland produzierten hrungsmittel an die Preise des Weltmarktes im Verlaufe
halben Jahres gänzlich erfolgt ist, dann erst wird sich
weniger essen, als die entsprechenden des Auslandes. Der Weber erhält das Garn daher billiger. Der Stoff. den er absetzt, konkurrenziert den ausländischen um den Betrag der
Lebenshaltungsdifserenz der Spinner, Zwirner und Weber
in Deutschland und im Vergleich zu jener im Auslande, und wenn der Stoff gar in Form des Hemdes exportiert wird, so steckt darin noch die Differenz der Lebenshaltung der
einer schon früher nichts Schneiderin. Das ist das furchtbare Hunger⸗Dumping der
Der Kampf um die Initiative und Aktivität.
Handeln schließt das Verhandeln keineswegs aus, sondern bedarf seiner sogar als notwendige Konseguenz“.
Die Reichsregierung ist darüber unterrichtet, daß derartige Aeußerungen nicht leicht zu nehmen sind. Wenn sie trotzdem in ihren maßgebenden Instanzen vorläufig darauf beharrt, der Gesamtentente keinen offiziellen Plan zu überreichen, dann zeugt das nicht von großem Verantwortungsbewußtsein.
Die Vertreter der Gewerkschaften beim Reichskanzler.
Der Reichskanzler empfing am Donnerstag im Beisein des Reichsarbeitsministers Dr. Braun, die Vertreter der sämtlichen deutschen Gewerlschaften im Ruhrgebiet, um einen Bericht über die gegenwärtige Lage entgegenzunehmen. Nachdem die Arbeiter⸗ führer hervorgehoben hatten, daß sie an der passiven Abwehr gegen bie eingedrungenen Franzosen und Belgier mit aller Entschieden⸗ heit festhalten würden, richteten sie ihrerseits die Frage an die Regiérung, ob sie auch bedacht sei, den günstigen Stand der passi⸗ ven Abwehr nach außen hin polilisch auszuwirken, Reichskanzler Dr. Cuno gab eine bejahende Antwort und betonte, daß das Kabinett auch weiterhin bereit sei, auf Grundlage der Gleichbe⸗ rechtigung Verhandlungen zu führen, sowie sic eine Möglichkeit dafür bietet, d. h. sowie die Voraussetzung afür gegeben sei. Immerhin glaube er, die Delegierten des Ruhrbezirks darauf auf⸗ merkfam machen zu müssen, daß sie noch lange Zeit in ihrer Ab⸗ wehr verharren müssen, bis sich die Situation außerpolitisch weiter
kläre. Im Anschluß daran wurden die wirtschaftlichen und finan⸗ ziellen Fragen besprochen, nachdem Reichsfinanzminister Dr.
Hermes ein längeres Exposee gegeben hatte. In einer einmütig gefaßten Entschließung bekundeten die Gewerkschaftsführer und die Regierung den Willen, auch fernerhin im Abwehrkampf auszu⸗ harren, aber Verhandlungs möglichkeiten mit dem Gegner nich außer Acht zu lassen.—.
Schöne Worte! Aber wo sind die Taten?
Mehr Mut.
Seit Loucheur aus London zurückgekehrt ist, haben die Be⸗ sprechungen der Presse über die Art der Beilegung des Ruhrkonflikts, sowohl in England wie in Frankreich, ebenso aber auch in Deutsch⸗ land kein Ende genommen. Wäre in diesen Ländern nicht die Ueber⸗ zeugung im Wachsen begriffen, daß es so wie bisher nicht weiter⸗ gehen kann, dann würden derartige Erörterungen sicherlich nicht andauern. Das gilt auch von Frankreich, insbesondere von seiner Regierung. Es kann nicht bestritten werden, trotz der Ableugnungen Poincarés, daß das offizielle Frankreich das Ende des Ruhraben⸗ teuers herbeisehnt. An sich sind die von uns nur kühl bewerteten Beteuerungen des französischen Min'steryrändenten ia den ihm ge⸗ treuen Presse, die bisherige Politik fortzuseben, verständlich. Die gegenwärtige französische Regierung fürchtet um ihr Prestige, weil sie vorläufig mehr nicht zu verlieren hat. Und eben aus dieser Furcht
glaubt sie 0 5 in ihrer Taktik vom 11. Januar sortfahren 5
zu müssen. Anders in Deutschland. Wir haben bei einem zweifer⸗ haften Ausgang des Ruhrabenteuers viel zu verlieren, und gerade weil das der Fall ist, weil von der anderen Seite aber auch anzu⸗ nehmen ist, daß sie eine evtl. deutsche Aktion nicht so achselzuckend behandeln wird, wie den letzten Vorschla, für die Pariser Konferenz, fordert ein wesentlicher Teil des deutschen Volkes von der Reichs⸗ regierung eine ernsthafte aktive Politik. Diese Forderung wird auch von einem Teil der Kabinettsmüglieder und von maßgebenden Mit⸗ gliedern des Reichstages geteilt. Nur die Deutschnationalen wünschen einen Abwehrkampf bis zum Bankrott, der die nationalistische Stim⸗ mung fordert und damit indfrekt zum Zutreiber für ihre Reihen wird. Sie haben eine eigene„Verständigungsbereitschaft“, in dem sie an Verhandlungen Bedingungen knüpfen, die von jedem Deutschen abgelehnt würden, wenn Frankreich sie bei umkehrtem Stärkever⸗ hältnis an uns stellen würde.
Welcher Art die einzuschlagende aktive Politik sein muß, ist an dieser Stelle schon mehrfach gesagt worden. N
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deutschen Exportindustrie.
Es ist undenkbar, daß ein Volk von 60 Millionen im Zeitalter der Verkehrswirtschaft eine so elende Lebens- haltung durchmachen muß, ohne daß es die Konkurrenz- staaten am eigenen Leibe in gleicher rm büßen müssen. Das deutsche Hunger-Dumping ist eine Erscheinung, die nach der Konsolidierung der Währungs- und Preisver⸗ hältnisse binnen kurzem nachdem einmal der Star gestochen sein wird, alle Welt beschäftigen wird. Und je länger die siegreichen Nationen in Konferenzen, Kommissionen und Expeditionen an Deutschland herumdoktern, umso schwieri⸗ ger wird die Lage auch für sie werden. Denn es ist grund-
falsch wenn man glaubt, bei unserer dermaligen Wirt⸗
schaftsversassung zahle ein Volk allein eine Rechnung. Jedes muß auf dem langsamen und mühseligen Wege des Zirku⸗
lationsprozesses der Waren mitzahlen helfen, ob es wolle
oder nicht. Das wird auch die Schweiz treffen. Wir sind
erst in den Anfängen.“
Diese Ausführungen sind so schlagend und beweis kräftig, daß sich eigentlich jedes Wort des Kommentars er⸗ übrigt. Es sei hier nur darauf hingewiesen, daß es keine vernicktendere Kritik des Versailler Vertrages gibt als die Feststellung, daß das deutsche Volk mit seinem Hunger nicht nur die Kosten imperialistischen Wahnsinns trägt, sondern sie auch durch den Schleuderexport auf diejenigen Mächte abwälzt. die glauben, aus dem internationalen Chaos Nutzen ziehen zu können.


