Ausgabe 
13.1.1923
 
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rden Mark. Es ist somit ein Defizit von 11 Milliarden

vorhanden. Der Haushaltsplan wird zunächst den Staats.

rat beschaftigen.*

Vergewaltigung durch den Bürgerblock. Die Berliner Stadtverordneten⸗Versammlung wählte mit 114 gegen 101 Stimmen zum Stadtverordneten⸗Vorsteher wiederum den bürgerlichen Kandidaten Dr. Caspari gegen unseren Gen. Dr. Weill.

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung. Geschichts kalender.

N 13. Januar. 1782 Erste Aufführung von SchillersRäuber in Mannheim. 1811 Erstürmung Wittenbergs durch die Preußen. 1885 Polizeirat Rumpff in Frankfurt ermordet. 1905 Feierlicher Einzug der Japaner in Port Arthur. 1920 Blutiger Putsch vor dem Reichstage(42 tot, 105 verwundet), Verhängung des Belagerungszustandes. 14. Januar. 1521 Verhängung des Bannes über Luther. 1580 Lukas Cranach der Jüngere in Weimar gestorben. 1810 Hannover wird dem Königreich Westsalen einverleibt. 1858 Attentat Orsinis auf Napoleon III. N. 1874 Philipp Reis, Erfinder des Telephons, in Friedrichsdorf im Taunus gestorben. 1887 Der Reichstag wird infolge seiner ablehnenden Haltung in der Septennatfrage aufgelbst.

An das hessische Volk!

An das hessische Volk!

Frankreich hat Teile des Ruhrgebiets unter Mißachtung des Friedensvertrages besetzt. 9 schwere Rechtsbruch hat die kiesste Empörung und Trauer der ganzen deutschen Bevölkerung ousgeläst. Weitere seindselige Maßnahmen sind zu erwarten. Heute heißt es, durch Ruhe und einmütige Entschlossenheit zu zeigen, daß unser Volk sich nicht willenlos der Willlür beugt und daß es an den endlichen Sieg des Rechts über das Unrecht, der heute nur mit der Kraft. die der guten Sache innewohnt, er⸗ sochten werden kaun, glaubt. 5

Die Gefühle, die uns, besonders auch in Hessen, dem Vor⸗ posten der deutschen Sache im West:e, besccun, sollen wie in den übrigen deutschen Ländern, nach außen dadurch ihren würdigen Ausdruck finden daß der kommen de Soa nt eg. der 14. Januuc. ats nalionaler Trauertag allgemein begangen wird. Za diesem Zwecke wird für das hessische Staatsgebiet solgendes verordnet:

Alle staatlichen und kommunalen Dienstgebäude haben am ge⸗ nannten Tage in den Reichs⸗ und Landesfarben Halb ma st zu flaggen. Theateraufführungen, sowie Vorführungen von Lichtdildern und Lichtspielen haben zu unterbleiben, sofern nicht der ernste Charakter der Veranstaltung gewahrt ist. Verboten sind alle öffentlichen Tanzver anstaltungen, Bälle und Lustbarkeiten. Die Ver⸗ längerung der Polizeistunde am genannten Tage ist unzulässig.

Darmstadt, den 12. Januar 1923.

Hessisches Gesamtministerium: Ulrich. von Breutano. Henrich. Raab.

Die Verhandlungen über die Regicrungsbildung.

Der Staatspräsident hatte für Donnerstag den Wormser Oberbürgermeister Köhler telegraphisch zu einer Besprechung zwecks Uebernahme des Finanzministeriums zu sich gebeten. Oberbürgermeister Köhler gehört der Deutschen Volkspartei an. In diesem Zusammenhang steht eine für Freitag vor mittag einberufene Sitzung der Deutschen Volkspartei.

Da inzwischen der Staatspräsident zu einer Minister⸗ präsidentensitzung nach Berlin mußte, dürften die Verhand- lungen erst in der kommenden Woche zu Ende gehen. Die sozialdemokratische Fraktion wird von ihrem Besitzstande dabei nichts hergeben, wie das ja aus ihrer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung hervorgeht.

Der Umfang des Stadtgebiets Gießen.

Am Ende des vorigen Jahres betrug der Umfang der Gemarkung Gießen 3440 Hektar und knapp 94 Ar. Seit 1913 hat die Gesamtfläche um einige Ar zugenommen. Unsere Stadt ist in der günstigen Lage, über ziemlich um⸗ fangreiches Gelände zu verfügen und was in heutiger Zeit als ein besonders glücklicher Umstand anzusehen ist: daß die Stadt einen verhältnismäßig großen Waldbesitz hat, der ihr jetzt von großem Werte ist. Sie muß ihren Wald schützen und im Interesse ihrer Bewohner eine sorgfältige Pflege angedeihen lassen! Von den 3440 Hektaren der Gemarkung sind reichlich 1254 Waldungen, die sich fast ganz im Besitze der Stadt befinden. Ferner sind in der Gemarkung: 1095 Hektar Ackerfeld und Grabgäcten, 538 Hektar Wiesen, 190 Hektar Straßen, Anlagen usw., 186 Hektar Hofreiten. Im Besitze der Stadt befinden sich im ganzen 1798 Hektar oder 52 Prozent der ganzen Gemarkungsfläche. Da; von nehmen die Waldungen den größten Teil ein, wie oben bereits bemerkt. Ferner besitzt die Stadt in runden Zahlen: 30 Hektar Hofreiten, 102 Hektar Ackerfeld und Grabgarten, 148 Hektar Wiesen, 16 Hektar Friedhöfe, 48 Hektar Exerzier⸗ plätze 160 Hektar Straßen, Anlagen, Plätze usw., 39 Hektar Flüsse und Bäche. Dazu kommen noch in auswärtigen Gemarkungen und zwar in Annerod, Gr. Buseck, Rödgen, DQueckborn und Wieseck 118 Hektar städtischen Wald- und Wiesenbesitz.

Ueber die Bevölkerungsbewegung in Gießen im vorigen Jahre erhalten wir folgende Mitteilungen. Geburten sind im ganzen 1035 zu verzeichnen, wovon 502 aut das Stadtgebiet, 372 auf die Frauenklinik und 161 auf die Schwesternhäuser entfallen. Von den Neugeborenen waren 515 Knaben und 520 Mädchen. 197 waren unehelich und von diesen waren die Mütter 60 Einheimische und 137 Ortsfremde. Todesfälle weisen die Aufzeichnungen 727 nach, wovon 342 auf die Stadt und 385 auf die Klinik und die Pflegeanstalten entfallen. 353 von den Verstorbenen waren Ortsfremde. Unter den Todesfällen befinden sich 88 Totgeburten.

Dit Wohnungsbauabgabe muß natürlich auch von dem Hausbesitzer bezahlt werden. Im Verhältnis zum Mietwert seiner Wohnung muß er zur Wohnungsbauabgabe herangegogen werden und es geht nicht an, etwa den Mietern

allein die Abgabe aufzubürden. Mieter, welche sich in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen befinden(Arbeits- unfähigkeit, zahlreiche Familie usw.) können beim Woh⸗ nungsamt Erlaß der Bauabgabe beantragen.

Versorgungsgerichte und Reichsversorgungsgericht. Durch weitere Ausführungsbestimmungen des Reichsarbeitsminfsters vom 30. Oktober 1922 ist tber die Zuziehung von Frauen, die in der soztalen Fürsorge erfahren und mit dem Versorgungswesen ver⸗ traut sind, als Beisitzer der Versorgungsgerichte und des Reichs⸗ versorgungsgerichts Besttemmung getroffen. In allen Hinter⸗ Ultebenenangelegenheiten dürfen Frauen mitwirken. Wie bei den Schösfengerichten dürfen jedoch bet den Versorgungsgerichten nicht beide Beisitzer Frauen sein. Der Relchsarbeitsmintster hat ferner angeordnet, daß in den Urteilen der Versorgungsgerichte nicht nur darauf hinzuweisen ist, der Rekurs an das Reichs⸗Versorgungs⸗ gericht sei zulässig, sondern auch angegeben werden muß, inner⸗ halb welcher Frist und bei welcher Stelle er einzulegen ist.

Beamte und Sozialdemokratie. Im Freien Beamten lesen wir:Bei den sächsischen Landtagswahlen haben die Be⸗ amten wesentlich zum Siege der sozialistischen Parteien über die Reaktion beigetragen. Die Wut der Deutschnationalen hierüber kommt bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck. Schon erste Aussprache im neuen Landtage zeigte den deutschnationglen Redner wieder im alten beamtenfeindlichen Fahrwasser. Besonders den Ausspruch:Wer im neuen Staat vorwärts kommen will, muß rot abgestempelt sein! wird sich die Beamtenschaft merken, denn hier wurde offen ausgesprochen, daß nach Ansicht der Rechts⸗ parteien jeder freiheitliche, sozialdemokratische Beamte ein Stellen⸗ jäger ist. Das ist zumal für die sozialistische Beamtenschaft eine Verdächtigung und Verleumdung, wie ste schlimmer nicht sein kann. Wenn schon die bisherige Kampfesweise der Deutschnatio⸗ nalen den unteren und mittleren Beamten zu der richtigen Er⸗ kenntnis bringen mußte, wie diese Partei über ihn denkt und was 12 mit ihm vorhat, so geben derartige Bekenntnisse auch den letzten deutschnationalen Gefühlen, die etwa ein Beamter noch haben könnte(was jedoch kaum zu erwarten ist!), den verdienten Todes⸗ stoß. Und auch die Art, wie jetzt noch deutschnationale Vorgesetzte mit sozialistischen Beamten verfahren, beleuchtet so recht, wie die Verhällnisse bei einem Sieg der Rechtsparteien geworden wären; daß dieser Sieg nicht kam, dafür ist Arbeiterschaft und Beamten⸗ schaft gleich bemüht gewesen und erfüllt jetzt beide mit größter Befriedigung. Man kann den Herren der Rechten nur raten, mit ihren Worten über die Beamten etwas vorsichtiger zu sein, wenn sie auch in dieser Hinsicht nichts mehr zu verderben haben. Denn der überwiegendste Teil der Beamtenschaft man kann als Ein⸗ geweihter ruhig von 98 Prozent sprechen stellt diesen Herren für ihr Verhalten die Quittung aus: Abgewirtschaftet und sür uns endgültig erledigt!

Für die Beamten in Hessen dürfte das letztere nicht ganz zu⸗ treffen; hier läuft noch ein erheblicher Teil den rechtsstehenden Parteien nach. Sie, die Beamten nämlich, sollten daran denken, wie sie schon in der Vorkriegszeit von diesen Parteien behandelt worden sind.

Unfall. Unfallverhütung und Unfallentschädigung. Der 7. Vortrag beschästigte sich zunächst mit Zerreißungen, Zer⸗ schmeidungen und Verlagerungen von Sehnen als Folge von Un⸗ fällen. Dann wurden die Muskelverknöchemengen gezeigt. die durch Tragen schwerer Lasten entstanden. Uebergehend auf die Organe der Brust⸗ und Bauchhöble erläuterte der Vortragende Bau und Verrichtungen der Lungen und des Herzens und besprach ver⸗ schtedene Fälle, in denen sich nach Einwirkung stumpfer Gewalt auf den Brustkorb Blutspeien und Herzerweiterung einstellte. Nach einer Uebersicht über die Beschaffenheit der Bauchorgane gedachte der Vortragende solcher Unfälle, durch die Quoetschungen des Magens und der Leber Blutanschoppungen unter der Kapsel der letzteren, Gallenblasen verletzungen, Magenblutungen, sowie Zer⸗ reißungen der Leber⸗, Milz⸗ und Bauchspeicheldrüsensubstanz und Darmprisse hervorgerufen werden können. Zum Schluß wurde die Entstehung verschiedener Arten von Unterleibsbrüchen deren Er⸗ kennung und Behandlung vorgeführt. Nächster Vortrag: Diens⸗ tag den 16. Januar abends Uhr. im großen Hörsal der Universtität.

Zunahme der Feuerbestattungen. In unserer Notiz im Donnerstags⸗Blatte über die Zahl der Feuerbestattungen in Dresden ist ein Druckfehler enthalten. Seit Bestehen des Dresdener Krematoriums(1911) sind dort nicht 1000, sondern zehn⸗ tausend Einäscherungen ausgeführt worden.

Erhöhte Nähgarnpreise. Bei der vorübergehenden Steigerung ber Mark im Dezember hatten die Nähgarnfabrikanten einen kleinen Preisrückgang eintreten lassen. Wie jetzt bekannt wird, ist am 4. Jan. eine Preiserhöhung eingetreten und eine weitere am 8. Januar. Bei der jetzigen sprungweisen Steigerung des Dollars dürfte wohl die Preisbildungskommission ihre Tagungen überhaupt nicht mehr unterbrechen.

Vorsicht beim Eintritt ins besetzte Gebiet! Die französische Paßkontrolle an der Grenze des besetzten Gebiets ist auch insofern erheblich verschärft worden, als auf den zwischen Frankfurt und Darmstadt gelegenen Bahnhöfen, einschließlich der von Neu⸗Isen⸗ burg und Vuchschlag, wieder kontrolliert wird.

Die Hausbesitzer und die Vermieter von Woh⸗ nungen werden in einer Bekanntmachung im heutigen Blatte wicgderholt aufgefordert, die Friedensmieten anzugeben. Wir machen auf die Bekanntmachung aufmerksam, die Strafe im Unterlassungsfalle androht.

Diebstähle. Dahier entwendet wurden 3 silberne Becher und ein Topf mit 25 eingelegten Eiern. Vor Ankauf der Becher wird gewarnt. Sachdlenliche Mitteilung nimmt die Kriminal⸗ abteilung entgegen. Das Fahrrad welches in hiesiger Stadt gefunden wurde, rührt von einem Diebstahl her und konnte dem Eigentümer zugestellt werden.

Wursidiebstahl in Krofdorf. Von polizeilicher Seite wird mitgeteilt: In Krofdorf wurden einem Handwerksmeister ver⸗ schie dene Cervelat⸗ Blut⸗ Leber⸗ und Bratwürste entwendet. Es wird angenommen daß die Diebe die Würste in hiesiger Stadt zum Verkaufe aubleten Vor Ankauf wird gewarnt. Sachdien⸗ liche Mitteilung nimmt die Kriminalabtellung entgegen.

Holzversteigerung der Stadt Gießen. Nächsten 15., und Freitag, 19. Januar, wird aus den Waldungen der Stadt Gießen Brennholz versteigert. Wir weisen auf die Be⸗ kanntmachung im gestrigen Blatte hin. Zusammenkunft am Montag an der Licherstraße, Waldeingang: am Freitag: Alter Schiffenberger Weg, 4. Schneise.

Der Gießener Konzertverein hält am Sonntag über 8 Tage, am 21. Januar, ein Konzert ab, mit Dr. Rosenthal und Frau aus Leipzig. Für die Abonnementskonzerte werden Zu⸗ schläge erhoben.

Lollar Zur Beachtung für die Mitglieder der Allgemeinen Kranken⸗ und Sterbekasse der Me⸗ tallarbeiter(Hamburg.) Den zahlreichen Mitgliedern der Metallarbeiter⸗Krankenkasse in Lollar und Umgebung sei hier der Nachtrag zum Statut zur Kenntnis gebracht, welcher folgende Aenderungen aufweist:

§ 7 Absatz 1. Das Beitrittsgeld beträgt für alle Klassen 25 Mk., worin die Kosten fiir Mitgliedsbuch und Satzung eingeschlossen sind.

Absatz 2. Für ein verlorenes Mitgliedsbuch sind 50 Mk. und für eine Satzung 10 Mk. zu entrichten.

Absatz 4. Die wöchentlichen Beiträge richten sich nach der Höhe des Krankengeldes und betragen in der:

1. Klasse 80 Mk.; 2. Klasse 60 Mk.; 8. Klasse 30 Mk.;

4. Klasse 10 Mk.; 5. Klasse 5 Mk. 0

Absatz 11. Uebergangsbestimmung. Die Mitglieder, die bisher der 4. und 5. Klasse angehörten, treten ohne weiteres in die neue 5. Klasse über, während den Mitgliedern, die bisher der 2. und 3. Klasse an⸗ gehörten, freisteht, in die neue 4. oder 5. Klasse überzutreten. Im übrigen ist jedem Mitalied der Uebertritt in jede beliebige Klasse bis

Montag,

zum Ablauf von 3 Monaten vom Inkrafttreten diefer Satzung ahne Genehmigung des Vorstandes, auch im Kraukheitsfalle, gestattet. 8 9 Absatz 3. Das Krankengeld beträgt in der 1. Klasse pro Tag 360. Mk., pro Woche 2160. Mk. 2. Klasse pro Tag 270. Mk., pro Woche 1620 Mk. 1 Klasse pro Tag 135. Mk., pro Woche 810 Mk.

. Klasse pro Tag 453. Mk., pro Woche 270 Mk.

5. Klasse pro Tag 22.50 Mk., pro Woche 135 Mk. § 14 Absatz 2. Dasselbe beträgt nach einer Dauer der Mitglieb⸗

schaft von

1 Jahr 2 Jahren 5 Jahren 10 Jahren 15 ren 1. Klasse Mk.: 8 640 10 800 14 400 38085 27000 2. Klasse Mk.: 6480 8 100 10 800 13 5⁰⁰ 16 200 3. Klasse Mk.: 3 240 4050 5 400 6 750 8 100 4. Klasse Mk.: 1080 1350 1800 2250 2700 5. Klasse M.: 540 675 350

90⁰ 11²⁵ 1

n für die Sterbekasse sind folgende Aende rungen zu beachten.

§ 2. Absatz 7. Fitr ein verlorenes Mitgltebsbuch sind 28 Mk., flir eine Satzung 5 Mk. zu entrichten.

§ 5. Absatz 1. Das Beitrittsgeld beträgt 25 Mk., der Beitrag monatlich in Klasse 1: 40 Mk., Klasse 2: 25 Mk., Klasse 3: 10 Mk.

Absatz 5. Uebergangsbestimmung. Bis zum 31. März 1923 ein⸗ . ist jedem Mitgliede der Uebertritt in eine höhere Klasse

et.

8 6. Absatz 1. Stirbt ein Mitglied, so kann ein Sterbegeld ge⸗ währt werden, und zwar von Klasse 1 Klasse 2 Klasse 3 4800 Mk. 3 000 Mk. 1200 Mk. nach 26wöchiger Mitgließschaft 9600 Mk. 6 000 Mk. 2 400 Mk. nach 52wöchiger Mitgliedschaft 15 000 Mk. 9 400 Mk. 3 800 Mk. nach 78wöchiger Mitgl tebschaft

Kreis Wetzlar.

s. Gleiberg. Am vergangenen Sonntag fand bier im Lokale von Wirt Göbler eine öffentliche Volksversammlung statt, in der Genosse Otto aus Frankfurt überVolkswirtschaft und politische Lage sprach. Seine etwa 1½stündigen Ausführungen wurden von der Versammlung beifällig aufgenommen mit Aus⸗ nahme einiger wenigen unserer Sache abseits stehenden Teil⸗ nehmern. Eine rege Diskussion knüpfte sich an die Ausführungen des Redners, sie wurde im 33 sachlich geführt, bis auf einige unwahre Behauptungen, di. r Kommunisten Haupt aus Gießen vorgebracht, von Otto aber im Schlußwort treffend zurückgewiesen wurden. Zum Schluß wurde noch betont, daß die Arbeiter sich politisch regsamer zeigen müßten, vor allem sei es Pflicht eines jeden Arbeiters, sich politisch zu organssieren, zum mindesten aber die Parteipresse zu halten. Ersreulicherweise hatten wir auch bei dieser Versammlung einige Neu⸗Aufnahmen zu ver⸗ zeichnen; es ist zu hoffen, daß auch diejenigen bald ihren Eintritt anmelden, die unserer Sache noch fernstehen. 1

Von Nah und Fern.

Frankfurt a. M., 10. Jan. Anders überlegt. In einem Nachbarort fand diefer Tage eine Hochzeit statt. Das Brautpaar trat die übliche Hochzeitsreise an. Aber schon nach wenigen Stunden traf die junge Frau wieder zu Dause bei der Mutter ein. Sie war in Frankfurt ihrem Gatten wieder ausgerückt, da es ihr bei ihm nicht mehr geftel. Das läßt tief blicken.

Frankfurt a. M., 10 Jan. Frankfurter Sgibuben chronik. Die drei jugendlichen Arbeiter Friedrich Mohrlock, Friedrich Martinz und Heinrich Leich verltbten in Frankfurt per⸗ schiedene Einbrüche und versuchten die Diebesbeute in burg an den Mann zu bringen. Dabei fielen sie der dortigen Polizei in die Hände die sie verhaftete. Vor einigen Wochen wurde auf Schloß Adolfseck ein größerer Silberdiebstahl verübt Unter der Vorspiegelung daß ein reicher Amerikaner sich für die Silberwaren interessiere lockee man dem mutmaßlichen Täter tat⸗ sächlich gegen Ueberreichung eines falschen Schecks auf eine größere Bank die Silbersachen heraus und verhaftete ihn. als et an der Bank den Scheck einlösen wollte. Den Rest der gestohlenen Sachen fand man bei dem bier wohnenden Bierbrauer Ludwig Bartel⸗ mann. Wegen Einbruchdiebstahl nahm die Kriminalpoligei die Arbeiter Leonhard Becher und Peter Koch fest. die in Würzburg für 500 000 Mark Kleidungsstücke gestohlen hatten. f

Frankfurt a. M., 11. Jan. Ein Opfer seiner Gut- mütigkeit. Der 16jährige Sohn eines hiesigen Beamten machte auf dem Hauptbahnhof die Bekanntschaft eines jungen Mannes, der ihn zu einer Eisenbahnfahrt einlird. Die Neise ging nach Melsungen. Hier ließ sich der Fremde von dem Frankfurter für eineBesorgung die Uhr, den Schirm, den Mantel und das gesamte Bargeld in Höhe von 5000 Mark geben und hieß ihn in einem Wirtshaus warten. Der Frankfurter mußte auch sehr lange warten. Der Fremde war verschwunden. Auf allgemeine Kosten mußte der junge Mann um eine Erfahrung reicher die Reise in die Heimat antreten.

Frankfurt a. M., 11. Jan. Der neue Brotpreis. Die Bäckerinnung fordert wegen der sprunghaft steigenden Mehlpreise eine sofortige Erhöhung des Preises für Markenbrot von 250 Mark auf 490 Mark und für ein kleines Brötchen, das bishet 10 Mark koestete 20 Mark. Die Preise sollen bereits am nächsten Samstag in Kraft treten. Der Magistrat wird sich heute mit der Angelegen⸗ heit beschäftigen.

Darmstadt, 11. Jan. Ein großer Menschenauf lau; bildeten sich heute adend auf der Rheinstraße. Dort hatte ein fahrender Muüsikant einem Herren gegenüber über die deurschen Frauen geschimpft, was sofort als Kriegserklärung aufgefaßt wurde. Sofort herbeieilenden älteren Herren ist es schließlich ge⸗ lungen, die Parteien zu zerstreuen und so eine wüste Szene zu verhindern.

In der Sandgrube verschüttet. In einer Sandgrube an der Heidelbergerstraße in Darmstadt wurden am Mittwoch zwei Arbeiter von herabstürzenden Sandmassen begraben. Während sich der eine noch zu retten vermochte, gelang es nicht. den anderen, den 20 jährigen Wilhelm Vonderschmidt, sofort von den auf ihm liegenden Sandmassen zu befresen. Nack em dies geschehen, schaffte man den Verunglückten durch die alsbald an der Unglücks⸗ stelle erschienene Rettungswache nach dem Krankenhaus, wo leider nur der Tod konstatiert werden konnte.

Babenhausen, 11. Januar. Unglaublich! Aus einem Nach⸗ barorte lieferte eine Frau Milch, die nach dem chemischen Gutachten beinahe 95 Prozent Wasser enthielt. Einer derartigen Pantscherei gehört Zuchthausstrafe.

Kurze Mitteilungen.

Die Abfindung des bayerischen Königshauses. Nach ungefahr oͤrei Jahren sind die Verhandlungen zwischen dem früheren bayerischen Königshaus und der bayerischen Staatsreglerung üder die Abfindung des früheren Königshauses zum Woschluß gekommen und der Entwurf der Staatsregierung über das Abfindungsgesetz wird dieser Tage den Fraktionen zugehen. Ueber seinen Inhalt wird vorläufig, bis iich die einzelnen Fraktinren mit der Ausr⸗ legenheit kesaßt haben, Stihsschweigen beobachtet. Dex Süd. Zestungsdieust beuchlet jedoch, daß der Ent purf eine für den Staat wesesitlich git stigere, Regelung vorsteht, als sie das Rechts- gutachten des Abg. Dr. Beyerle(Bayer. Vp.], das die Grund⸗ lage der Verhandlungen bildete, vorgesehen hat.

* 1 Parteinachrichten. Genosse Abgeordneter Waigand 7.

Nach einer Meldung des Vorwärts aus Bremen it dort der soglaldemokratische Reichstagsabgeordnete Geuosse Ludwig Wai. gand gestorben. Sein Nachfolger im Reichstag wird der preußische Landtagsabgevord nete Bubert in Osnabrück sein.