Ausgabe 
11.5.1923
 
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Das Urteil im Krupp⸗Prozeß.

15 Jahre Gefängnis.

Das Kriegsgericht hat folgendes Urteil gefällt: Im Falle des Herrn Krupp von Bohlen und Halbach murde die Schuldfrage wegen Komplotts auf Grund der Verordnung 22 mit Mehrheit, im Falle des Direktors Bruhn ebenfalls mit Mehrheit, im Falle der übrigen Haupt⸗ angeklagten mit Ausnahme des Betriebsratsmitglieds Müller ein stimmig bejaht.

Dementsprechend erhielt Krupp von Bohlen 15 Jahre und die anwesenden Direktoren Bruhn

10 Jahre, Hartwig 15 Jahre, Oesterleu 15 Jahre Gefängnis. Die abwesenden Direktoren Bauer,

Schaeffer, Cuntz, Schraeppler werden in contumaciam zu je 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Chef der Lehr⸗ lingswerkstätte, Groß, erhielt 10 Jahre, das Betriebs rats mitglied Müller 6 Monate Gefängnis. Mit Ausnahme von Groß, der 50 Millionen Mark Geldstrafe er⸗ hält, und Müller, der keine Geldstrafe zu zahlen hat, werden sämtliche übrigen Angeklagten zu 100 Millionen Mark Geldstrafe verurteilt. Im Falle der Direktoren Hartwig und Oesterlen ist das Gericht über den Antrag des Militärstaatsanwalts hinausgegangen. Die des Motorrad⸗ diebstahls angeklagten Arbeiter wurden zu je zwei Monaten Gefängnis mit Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt.

Der Verlauf des Prozesses.

Bei dem Zeugenverhör zeigte das Gericht eine durchaus einseitige Einstellung. Während der Vor⸗ sitzende noch am Vormittag, als die militärischen Belastungszeugen ernde Handbewegungen achtungsvolle Aufmerksamkeit hatte, wurde er plötzlich unruhig, nervös drängend, als die Entlastungszeugen auftraten, und störte mit Zwischenfragen.

Der frühere Schriftführer des Betriebsrats Reinirkens be⸗ richtet über die Art und Weise, wie die Sirenen bei besonderen ee in Funktion gesetzt werden. Der Zeuge erklärt, daß im Falle einer Betriebsbesetzung durch fremde Truppen der Betriebs⸗ rat nach Verständigung der Betriebsleitung die Arbeiterschaft be⸗ fragt und nach deren Entscheidung handelt. Im Anschluß an ein⸗ gelne Fragen der Verteidigung stellt der Vorsitzende die Frage, ob sich denn die Arbeiter durch die Besetzung in ihren Rechten be⸗ droht glauben. Der Zeuge antwortet: g

Das kann gar nicht anders sein.

Die Aussagen des Zeugen wurden durch die lastungszeugen bestätigt. ö Im Verlaufe der weiteren Sitzung fragte der französische Ver⸗

übrigen Ent⸗

treter der Anklage den Angeklagten, Arbeiter Müller, ob es wahr

sei, daß er am Tage der Bestattung der Opfer von Essen in Ge⸗ meinschaft mit einem Gesangverein in Berlin gewesen sei, um in

einem Konzert mitzusingen. Müller weist diese Unterstellung nach⸗

drücklich zurück und stellt sest, daß er als Vertreter des Betriebs⸗ rats nach Berlin geschickt war, um über die Ereignisse von Essen Baricht zu erstatten.

Das Verhör wandte sich dann weiter der Vereinbarung des Signals zu. Die Direktoren Hartwig und Oesterlein geben auf Befragen Auskunft über die Stellung der Direktoren Kunz und Schwedler. Sie sind stellvertretende Direktoren, bearbeiten aber die Arbeitnehmer⸗Angelegenheiten vollständig selbständig.

Jn der Nachmittagssitzung kam gelegentlich der Vernehmung des Bifroangestellten Lange die Frage der Propaganda zur Sprache. Der Vorsitzende richtete an Krupp die Frage, ob nicht direkte Nach⸗ richtenblätter in den Werken angeschlagen seien. Krupp versichert, daß seines Wissens nicht eine Nachricht angeschlagen worden sei, die außerhalb verboten gewesen wäre. Er verneint die Frage, ob er Gelegenheit genommen habe, auf die Art des Zustandkommens dieser Nachrichten Einfluß auszuüben. 5

Als nach kurzer Pause die Verhandlungen wieder beginnen,

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kommt es zu einem er cegten Auftritt. Krupp wird gefragt nach den

Richtlinien, die die Firma Krupp von Berlin erhielt und erklärt, die Firma erhielt keinerlei Nachrichten und besondere Weisungen von Berlin. Vorsitzender:Ist es wahr, daß Sie, als Sie vor das Gericht gerufen wurden, einer Persönlichkeit in Berlin erklärt Essen begeben würden, um sich mit dem Direktorium solidarisch und verantwortlich zu erklären. Krupp der bisher immer in leiser Sprache ausgesagt hat, kämpft mit wachfender Erregung und erklärt in ganz korrektem aber bis zur schneidenden Schärse schwellendem Tone:Als ich in Berlin ge⸗ fragt wurde, ob ich nach Essen zurückkehren würde, obwohl meine Verhaftung bevorstehe, habe ich gesagt: Ich werde zurückkehren, um für die verhafteten Herren einzutreten und nicht den Eindruck zu erwecken, als ob ich sie für schuldig hielt, oder als ob ich selbst ein schlechtes Gewissen hätte.

Nachdem noch einige Zeugen in der Motorradangelegenheit verhört wurden, u. a. die Frau des Angeklagten Gerlo, wird der Personalchef der Firma Krupp, Haerlein vernommen, um über die Frage Auskunft zu erteilen, ob bei der Firma ehemalige Schupo⸗

amte eingestellt wurden. Er verneint. Auf Wunsch des Ange⸗ Hagten Müller wird noch ein Arbeiter vernommen, der noch ein⸗ mal Müllers Bemühungen um die Abwendung von Gewalttaten schildert. Damit ist die Zeugenvernehmung zu Ende. Bei Schluß der Sitzung war dle ganze Straße, an der das Gexichtslokal liegt, von einem großen Truppenaufgebot abgesperrt, bis das Auto mit den Gefangenen abgefahren 72 Das deutsche Publikum mußte einen anderen Heimweg wählen. 2

Der 7 der Anklage bemühte sich in seiner Anklagerede. die persönliche Verantwortung der Direktoren darzutun, es sei un⸗

zweifelhaft, daß das Geheul der Sirenen auf ihren Willen zurück⸗ zuführen sei. Der Betriebsrat war nach seiner Auffassung nur ein Werkzeug der Direktion. Die Verteidigung verfuchte diese Be⸗ gründung zu widerlegen. Die Haltung der Menge sei durchaus friedlich gewesen und ein Verstoß gegen die Verordnungen sei nicht vorgekommen. Ebenso nnüsse bestritten werden die Verantwortung

des Betriebsratsmitgliedes Müller. Für das Ziehen der Sirenen

könne er nicht verantwortlich gemacht werden. Müller habe ebenso wie alle übrigen an Ort und Stelle anwesenden Betriebsratsmit⸗ glieder immer wieder die Menge zur Ruhe und Besonnenheit er⸗

mahnt.

Seine Erwiderung schließt der Anklagevertreter mit den Worten an die Offtziere des Kriegsgerichts:In wenigen Augen⸗ blicken werden Sie das Urteil fällen. Denken Sie daran, daß es mit den Worten beginnt:Im Namen des französischen Volkes.

Sofort erhebt sich Rechtsanwalt Moriaud mit den Worten: Im Namen des französischen Volkes werden Sie ein Urteil der Gerechtigkeit fällen, denn das französische Volk hat nie geduldet, umd würde es auch in diesem Fall nichtertragen, daß in seinem Namen ein Unrecht begangen wird. Der Verteidiger erklärt es für eine Lüge, daß Krupp ein Propagandabüro unterhalte, und mahnt die Richter nochmals, Recht zu sprechen ohne Leidenschaft umd Haß, damit das Urteil nicht als ein Akt der Rache erscheine.

Roheste Unterdrückung des Rechts.

Der Reichspräsident Ebert hat an das Direktorium und den Betriebsrat der Kruppwerke in Essen folgendes Telegramm gerichtet: N 5

Aufs tiefste empört erhalte ich die Nachricht von dem Machtspruch des französischen Militaris⸗ mus, der den Vorsitzenden des Aufsichtsrats und Mitglieder des Direktoriums wie des Betriebsrates der Kruppwerke zu unerhört schweren Freiheitsstrafen verurteilt hat. Dieser jeder Menschlichkeit Hohn sprechende Gewaltakt wird überall, wo noch Gefühl für Recht und Gerechtigkeit besteht, mit Entrüstung und Verachtung aufgenommen wer⸗ den und in der Geschichte der Völker als eines der häßlichsten Beispiele rohester Unterdrückung des Rechts durch brutale Gewalt weiterleben.

Ein weiteres Schreckensurteil.

Am Montag verhandelte das französische Kriegsgericht in Mainz unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen eine Reihe von Gewerkschaftsführern und Angestellten des Deut⸗ schen Eisenbahnerverbandes sowie über Beamte des Direk⸗ tionsbezirks Mainz, die vor ungefähr einem Vierteljahr ver⸗ haftet wurden, weil sie die Eisenbahner allgemein aufge⸗ fordert haben sollen, nur die Gefetze und Anordnungen der deutschen Regierung zu befolgen. Sämtliche Angeklagte sind seitdem in Haft und wurden vorgeführt. Die Verhandlung war in jedem Falle kurz und schematisch. Es wurden folgende furchtbare Urteile gefällt: Roth, Bezirksleiter des Deut⸗ schen Eisenbahnerverbandes, 10 Jahr Gefängnis, Becker, Kassierer des Deutschen Eisenbahnerverbandes, 6 Monate Gefängnis, 100 000 Mk. Geldstrafe, Bös wetter, Ortsbeamter des Deutschen Eisenbahner⸗ verbandes, 7 Jahre Gefängnis, Leppert, Sekretär der Beamtenabteilung des Deutschen Eisenbahnerverbandes, 5 Jahre Gefängnis, Weiß, Schreibgehilfe des Deutschen Eisenbahnerverbandes, 4 Monate Ge fäng⸗ nis, 100 000 Mk. Geldstrafe, Leinweber, Vorsitzender des Betriebsrates in Wiesbaden, 3 Jahre Gefängnis, Nuß, Ortsbeamter des Eisenbahnerverbandes, 8 Jahre Gefängnis, Harzdorf, Eisenbahnbediensteter, 3 Monate Gefängnis, 100 000 Mark Geldstrafe, Engel, Eisenbahnbediensteter, 1 Jahr Gefängnis, 100 000 Mk. Geldstrafe, Klingler, Vorsitzender des Be⸗ triebsrats Mainz, 6Jahre Gefängnis, Salomon⸗ Schwind, Angestellter des Deutschen Eisenbahnerver⸗ bandes, 4 Jahre Gefängnis, Hummel, Oberbau⸗ rat der Eisenbahndirektion Mainz, 1 Jahre Gefängnis, 100 000 Mk. Geldstrafe, Hack, Negierungsbaurat der Eisen⸗ bahndirektion Mainz, 8 Jahre Gefängnis, Ersling, Ver⸗ treter der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahner, 6 Jahre Gefängnis, Ludwig, Vertreter der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, 6 Jahre Gefängnis, Krimmel, Vertreter der Gewerkschaft der Rangierer, 6 Jahre Gefängnis, Liebke, Vertreter der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, 7 Jahre Gefängnis.

Diese Schreckensurteile lösen in den Kreisen der Eisen⸗ bahner größte Erbitterung aus.

In Mainz macht sich eine schreckliche Korruption der dortigen Presse bemerkbar. Während unsere Zeitung dort auf lange Zeit verboten ist, gibt es dort Blätter, die sich direkt in den Dienst der französischen Propaganda stellen. Wir werden auf diesen Fall noch ausführlicher zurück⸗ kommen.

Politische Uebersicht. f Die Reichs flagge.

In den letzten Tagen wurde in den Meldungen über die Um⸗ triebe in Bayern auch mehrfach die Orgamisation Reichsflagge genannt. Ein Freund unseres Blattes sendet uns nun die Kitzinger Zeitung mit einem Bericht, nach dem 23 Ortsg cuppen

aus der Umgegend in Kitzingen ein großes Propagandafest ab⸗

hielten. Aus dem Bericht geht einwandfrei der wahre Charakter dleser Organisation hervor, denn so vorsichtig sich auch der Fest⸗ vedner ausgedrückt hat worum es geht ist unschwer zu erkennen. Bei dem Aufmarsch wird mflitärischer Geist und militärische Disziplin und Ordnung gerühmt.Leider wurde der ausgezeich⸗ nete Eindruck von auswärtigen Gruppen durch Absingen gewisser Lieder, die verletzend wirkten, beeinträchtigt.

Von diesemGeist lernen wir mehr aus der Rede des

Brauereibesitzers Kesselrina kennen. Wir geben daraus folgende 5

Blütenlese: Die Reichsflagge sehe in der Heranbildung, und körperlichen Ertüchtigung der Jugend ihre vornehmste Aufgabe. Sie erstrebe wieder die allgemeine Wehrpflicht als die beste und sozia lste Endschule für ein Volk Die Reichs⸗ flagge sei überpartefisch.... Sie bekämpfe 1 den inter⸗ nationalen Marxismus als undeutsch und lehne den Klassenkampf, wie ihn dieser will ab. Die Reichsflagge sei nicht antisemitisch im Sinne andecer Verbände, aber sie wisse, daß die Draht⸗ zieher der Revolution die Führer der Münchener Räte⸗ wirtschast, die Moskauer kommunistischen Führer Juden waren und find. Bezüglich der Staatsform sei die Reichsflagge zum großen Teil der Auffassung, daß für Deutschland ein gesundes monarchisches System das passendste sei. Die Reichsflagge sei kein reaktionärer, monarchistischer Stoßtrupp. Die Lösung dieser Frage könne man für eine ruhigere Zeit zucückstellen. Be⸗ züglich der Stellung zur Regierung erachte es die Reichsflagge als ihre selbstverständliche Pflicht, eine wirklich nationale Regierung im Reich und in Bayern nach außen und innen zu unterstützen. Man sei sich klar darüber, daß Bayern zurzeit die einzige bürgerliche Regierung besitze. Die Er⸗ fahrung habe aber gelehrt, daß es ganz gut sei wenn hinter der Regierung noch ein Machtfaktor stehe der in weiser, besonnener Abwägung der Verhältnisse ihr den Rücken decke und stärke. So⸗ dann gab Redner in kurzen Zügen die Geschichte der Reichsflagge bekannt und erläuterte bie Gründe, weshalb die Reichsflagge die neuen Farben schwarz⸗rot⸗gold ablehne. Die Reichsflagge sehe in der alten Flagge schwarz⸗weiß⸗ rot das Zeichen, unter dem einst alle deutschen Brüder, die heute unter fremder Zwangsherrschaft stehen, vereint waren. Allen Separationsbe⸗ strebungen werde man einen eisernen Widerstand entgegensetzen, für alle gesunden, föderalistischen Bestrebungen da⸗ gegen, die dazu dienen sollen nach altem guten Bismarckschen Rezept den Stammeseigenarten und der Verschiedenheit der wirt⸗ schaftlichen Verhältnisse Rechnung zu tragen, sei man zu haben. Die Mitglieder der Reichsflagge seien glühende Anhänger einer wirklich nationalen Einheitsfront, sie lehnen aber eine künstliche Einheitsfront, die bezwecke gewissen Führern Schutz zu gewähren und ihnen Posten zu sichern, ab. Eine Vor⸗ aussetzung für eine große Einheitsfront sei die Aufhebung der Gesetze zum Schutze der Republik, mittels deren man bie nationale Bewegung ihrer Führer zu berauben suche. Redner geißelte dann in scharfen Worten die Morde, Schändungen, Mißhandlungen und Räubereien, welche die Franzosen im Ruhr⸗ gebiete an einem wehrlosen Volke begehen.(Und in München? Die Red.) Gegen die Bedrücker im Westen und Osten werde aber die Stunde der Vergeltung schlagen. Auch diese Frage werde noch ihre Lösung finden. Zu den äußeren Feinden kämen auch noch die inneren. An unseren Grenzen in Thüringen und in Sachsen herrsche heute schon der verschleierte Bolsche⸗ wismus. Die Antwort auf die Bedrückungen von außen auf die Provokationen aus dem Norden und auf das mehr oder minder laute Verlangen gewisser Kreise im eigenen Vaterlande solle aus unserem Frankenlande die sein: Nun erst recht hinein in Massen in die vaterländischen Verbände zum Schutze unseres Vaterlandes nach innen, zum Trutz nach außen!

Wir meinen, daß angesichts unserer heutigen Lage die Reichs⸗ regierung allen Anlaß hätte sich von derartigen unverantwortlichen Politikern die außenpolitischen Schwierigkeiten nicht noch ver⸗ größern zu lassen. Daß be dem Ernst der Zeit für die allge⸗ meine Wehrpflicht, für die Monarchle, für die einstige Vergeltung Propaganda gemacht wird ist nicht geeignet, die Lage an Rhein und Ruhr zu erleichtern. Ueberall wird vor Spionen gewarnt und hier bietet man diesen Spionen ein Material, daß man bei⸗ nahe meinen könnte. es stecke einer dieser Zeit⸗ und Volksgenossen dahinter. Dazu aing die ganze Feier vor Vertretern staatlicher und städtischer Behörden vor sich, wie mit Stolz verkündet wird. Haben die sich nicht wenigstens dagegen verwahrt? Auch in Bayern müßte man doch sopiel Takt besitzen den Bedrückern von außen nicht noch Helfersdienste zu leisten.

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Weitere Untergrabung der Stützungsaktion.

Um die Verschleuderung deutscher Waren an das Ausland zu be⸗ kämpfen, ist die Ausfuhrkontrolle und Ausfuhrabgabe eingeführt worden. Unter der Herrschaft des Reichswirtschaftsministers Dr. Becker befindet sie sich in vollem Abbau. Als das Inlandpreisniveau sich den Weltmarktpreisen stark genähert hatte, konnte eine gewisse Berechtigung auf einen teilweisen Abbau der Ausfuhrabgabe nicht ab⸗ gestritten werden. Jetzt aber hat sich die Situation entscheidend ge⸗ ändert. Durch den Sturz der Mark um die Hälfte ihres Wertes sind die Weltmarktpreise fast auf allen Gebieten wesentlich höher als die Inlandspreise. Bei der Ausfuhr von Waren werden also Riesen⸗ gewinne gemacht. Die Ausfuhrabgabe ist deshalb sehr erträglich.

Mit dem Abbau der Ausfuhrabgabe vollzieht sich auch der Ab⸗ bau der Ausfuhrkontrolle und die Schaffung einer Ausfuhrfreiliste. Das bedeutet, daß deutsche Waren völlig ungehindert und unkontrol⸗ liert ins Ausland verkauft werden können. Das Reich bekommt dann weder Ausfuh vabgaben noch den. Anteil aus den eingehenden Devisen.

ische Volkszeitung

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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