Organ für die Interessen des werktätigen Volle der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie., sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M.
Gießen, Samstag, den 10. Februar 1923 183. Jahrgang
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funden und nahmen dort Aufstellung. Ferner wurden auf dem J. Regelung der geldlichen Unterstützung.
1 9. e. 15 Die Flüchtlinge erholten eine geldliche Unterstützung in Höhe 1 0 die e 7 e 1
Publikums und der Beamten ist nicht erfolgt. Die Reisenden wur⸗ des Verdienstaus falle. den sie durch die Wertre bung erleiden. Wohl hat der 2 ußenminif er im Ausschuß einen i
den bis weit in die Stadt hinein von den Franzosen mit aufge⸗ enn Wird ein Flüchtling durch die Vertreibung aus triftigen] stattet. Seither sind neue Ereignisse, schwerwiegende
pflanztem Basonelt verfolgt. Das Gepäck der Neisenden ist e e a e o 1 2 weitere Komplikationen eingetreten. Ueberdies sind wir
0 8 i i i 1 10 8 hädigen. Als Maßste 5 5 9580 5 7 8 8 1 eee deren ede de„ 1 75 5 1 Hausstand, bestehend aus Frau und Kind 30 Prozent des Verdienstes 00 1 dee 805 d Wi 5.
seinen Verletzungen erlegen. Ein Poslbeamler des D⸗Zuges wurde, zugrunde zu legen sein. 5 i 5 dingt vor dem Forum des Wlenus zes men
i J. Ausgaben für Umzüge und Reisen werden insoweit ersetzt, hauses beraten werden müssen, damit nicht nur den Mit;
Heizer auf, die Maschine zu verlassen. dann die Lokomotive.
Ein Eisenbahnschaffner wollte K Darauf setzte ein französischer Soldat dem Zugführer das Gewehr auf die Brust. Die Menge der Frauen und Kinder auf dem Bahn⸗
Frankreichs Bajonette im Ruhr⸗ und im Saargebiet.
Das Wüten der Soldateska.
Der völlige Mißerfolg der französischen Aktion im Ruhrgebiet scheint die Gemüter der militärischen Gewalt⸗ haber stark zu beunruhigen. Offenbar sucht man den Konfliktsstoff anzuhäufen, um ihn zur Entladung kommen zu lassen und dann um so gewalttätiger eingreifen zu können. So wird uns heute, Freitag, morgen aus Essen telephonisch gemeldet:
Im Bezirk Essen ist die Rücklaufsperre aufgehoben wor⸗ den, die Verladesperre soll aufgehoben werden. Heute vor⸗ mittag fuhren die ersten Kohlenzüge über Bochum nach Aachen ⸗West. Die Züge sind mit französischem Personal ge⸗ fahren. Es handelt sich um zwei mittlere Züge. Bei der heute morgen erfolgten Besetzung des Bahnhofs Wanne haben sich Schreckensszenen abgespielt. Wie jetzt bekaunt wird, ist der Zugführer des D.⸗Zuges 27b von einem fran⸗ bofsichen Soldaten mit einem Kolben auf den Kopf ge⸗ schlagen worden. Der Zugführer ist gestorben. Die Reisenden eines von Langenherne kommenden Personenzuges wurden von den Franzosen mit gefälltem Bajonett von den Bahn⸗ 5 vertrieben, viele Reisende mußten ihr Gepäck im Zug assen.
Der Postbetrieb im Ruhrgebiet leidet noch weiterhin
nach Entfernung der deutschen Beamten von den Franzosen besetzt worden.
Zwei Eisenbahnbeamten gaben folgende Darstellung der Vor⸗
Als wir ausstiegen, kamen etwa 30—40 Franzosen vom Bahn⸗
steig 3, ausgerüstet mit Gewehren, Brechstangen und Hämmer, gingen zur Maschine und forderten den Lokomotivführer und den Einige Franzosen hestiegen ö Hierauf wurden sämtliche Beamte und Neisende von den Bahnsteigen abgewiesen. Zu gleicher Zeit lief auch ein Personenzug ein. Auch die Reisenden dieses Zuges mußten ihre Abteile verlassen. Durch das Aussteigen staute sich die Menge auf dem Bahnsteig Als der Zugführer die Türen schließen wollte, kam ein französischer Offizier und riß den Zugführer vom Zuge herab. In demselben Augenblick kam auch ein französischer Soldat
und schlug dem 44jährigen Zugführer rücklings mit dem Gewehr
kolben mehrmals auf den Schädel. Der Zugführer fiel zu Boden. dem Zugführer behilflich sein.
l schrien laut auf. Ein französischer er zog den Revolver, elt ihn auf die Menge gerichtet und forderte sie auf, ausein⸗
Unterstützungsaktion der Gewerkschaften. An die Gewerkschaftsmitglieder!
Der Einmarsch der französisch⸗belgischen Truppen ins Ruhrgebiet wurde von der ganzen deutschen Bevölkerung mit Entrüstung aufgenommen. Keinerlei Meinungsstreit besteht, daß dieser ungeheuerliche Angriff auf die Existenz der deutschen Wirtschaft, mit der das Wohl und Wehe der Arbeiterschaft unlösbar verbunden ist, nicht widerstandslos hingenommen werden kann. In heroischer Weise kämpft die ganze Bevölkerung des besetzten Gebietes mit der einzig möglichen Waffe des passiven Widerstandes und der Ar⸗ beitsverweigerung gegen die brutale Gewalt des bis an die Zähne bewaffneten Militärs an. Dieser Kampf hat bereits erhebliche Opfer gefordert und wird in den nächsten Wochen und Monaten in seiner Answirkung auf das ganze deutsche Reichsgebiet Anforderungen in ungeheurem Ausmaß stellen.
Aufgabe der Volksgesamtheit ist es, die Durchführung dieses Abwehrkampfes zu ermöglichen, den Opfern hilfreich beizustehen und dafür zu sorgen, daß die erwachsende Not⸗ lage mit allen Kräften eingedämmt wird.
Die Arbeiterschaft darf und wird nicht abseits stehen. In dieser Voraussetzung hat der Bundesausschuß am 24. Januar den Beschluß gefaßt, alle vollbeschäftigten Ar⸗ beiter zur Hergabe eines Stundenverdienstes aufzurufen und
wollen— auch der Bildung eines gemeinsamen Unter⸗ stützungsfonds zugestimmt.
Dieser Beschluß sichert uns nicht nur die Kontrolle über
auch der Mühe, einen besonderen Apparat zur Einziehung und Verwendung der Beträge aufzuziehen. Wer für die Hilfeleistung selbst ist, muß folgerichtig auch für ihre weiteste Ausdehnung und Beschleunjgung sein. Wir ersuchen die Gewerkschaftsmitglieder deshalb, alle Kräfte anzuspannen und im Sinne des bereits veröffentlichten Aufrufes für die Durchführung des Hilfswerks, in allen Betrieben zu sorgen. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerk⸗ schaftsbundes. Theodor Leipart.
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französische Presse weist ausdrücklich darauf hin, daß es sic um„freiwillige Meldungen“ handele.
Die Fürsorge des Reiches für die ö
sammentritt des Parlaments abzuwarten, bevor bestimmte Beschlüsse gefaßt werden. Vornehmlich handelt es sich dabei um die Frage der Zurückziehung der Truppen aus dem Rheinland. Bestimmtheit damit, daß aus allen Parteien des Unterhauses her⸗ aus die Forderung gestellt werden wird, die englischen Truppen aus dem besetzten Rheinland herauszunehmen. f
Vermittlung über Prag und Rom?
Das Wiener Achtuhr⸗Abendblatt meldet: In diplomati⸗ schen Kreisen waren Gerüchte verbreitet, wonach Minister⸗ präsident Benesch und Mussolini in der Frage des Ruhr⸗ konflikts eine Vermittlung eingeleitet haben und direkte Vorschläge an Poincarés und Dr. Cuno gerichtet hatten. Wir haben uns dieserhalb an hiesige diplomatische Entente⸗ stellen gewandt und es wurde uns übereinstimmend erklärt, daß man diese Gerüchte nicht mit einem entschiedenen Nein beantworten könne, doch sei die Angelegenheit so delikater Natur, daß im Interesse der Sache selbst vorläufig noch eine abwartende Haltung geboten erscheint.
Die Stellung der tschechischen Sozial⸗ demokratie. 8 Die deutsche Sozialdemokratie der Tschecho⸗Slowakei hat in der Kammer eine Resolution eingebracht, die sich mit der gegenwärtigen Situation befaßt. U. a. heißt es:
stark unter dem unsachgemäßen Eingreifen der Franzosen f i U i
1 0 N une 1. 0 1 zosen.— nachdem feststeht, daß die gesamten Unternehmer in Die französi Regierung hat unter Bruch des
1 In Bommern ist eine französische Funkenstation errichtet Industrie, Handel und Landwirtschaft den vierfachen Betrag e 5 des Versailler b worden. In Duisburg⸗Meiderich ist das Telegraphenamt der von der Arbeiterschaft aufgebrachten Summe leisten trags verfügt, daß das Deutschland gehörige Ruhrgebiet
militärisch besetzt wird. Diese Maßnahme soll dem Zweck
Ruhrgebietes wendet sich begreiflicherweise dagegen, unter
gange bei der Stillegung des Bahnhofes Wanne zu Protokoll: Der: j z f 7770 55. 5 85 Doug 97 von Essen nach 8 195 5 vor 988 halten, da die gesamten eingehenden Gelder, sondern auch die volle militärischer Aufsicht zu arbeiten. Die Bevölkerung des er deine Einfahrt hatte. Nach etwa 10 Minuten gab es Einfahrt. Mitwirkung bei der Verteilung des Fonds. Er enthebt uns Ruhrgebiets hat eine ungeheure Erregung erfaßt. Ver⸗
werden täglich in diesem Gebiet von den Besatzungstruppen verübt. Unter leidenschaftlicher Erregung verfolgt insbe⸗ sondere die deutsche Bevölkerung in der tschecho-flowakischen
an dem durch den Versailler Friedensvertrag niederge⸗ worfenen Deutschland verübt werden. Die deutsche Arbeiter- schaft in der tschecho⸗slowakischen Republik steht mit ihren herzlichsten Sympathien an der Seite ihrer Deutschland, die als die eigentlichen Opfer des Krieges und des Gewaltfriedens in tiefstes Elend gestoßen werden.
Es ist das dringendste Interesse der Bevölkerung der Tschecho⸗Slowakei, vom Leiter der Außenpolitik zu erfahren, wie sich die tschechoslowakische Republik in der Zeit der Ent⸗ wicklung des Konflikts verhalten hat und wie sie sich in der
A e 7 05 10 25 n Panik unter dem Publi⸗
um wurden zahlreiche Frauen und Kinder verletzt. Die Fran⸗ Plus gewi nächsten Zeit zu verhalten gedenkt, auf welchem Weg und zosen stachen jetzt rücksichtlos mit ihren Basonetten in die Menge 5 ee j c Mitteln sie 1 ist 915 W der hinein, wo ebenfalls zahlreiche Personen verletzt wurden. Auf Minister Oeser gab im Haupkausschuß des Reichstages gestern Pane e e die dem Bahnsteig hatten sich inzwischen Kovallersepatrouillen einge⸗ folgendes bekannt: Bevölkerung zu schützen und dahin zu wirken, daß die
weil er sich weigerte, das Geld das der D⸗Zug mit sich führle, herauszugeben, durch einen Basonettstich schwer verletzt. Die 1 7 beschlagnahmten drei Kisten mit mehreren Millionen Geld.
Wanne wieder geräumt.
Nachdem die Franzosen den Bahnhof Wanne besetzt hatten, richtete Amtmann Weiberg hiergegen einen Protest an den französischen Kommandanten. Er wies darauf hin,
als diese infolge von Maßnahmen der Einbruchmächte erforderlich und unabwendhar geworden sind.
4 Anträge auf Erstattung von Sach⸗ und Personenschäden sind an das Reichsministerium des Innern zu leiten.“
II. Wohnliche Unterbringung.
Für die vorläufige wohnliche Unterbringung der Flüchtlinge ist mit Hilfe der staatlichen Behörden Sorge zu tragen. Für die not⸗ dürstig wohnliche Unterbringung sind die Flüchtlinge darauf hinzu⸗ weisen, daß sie nach dem in Vorberestung befindlichen Reschsgesetz
drohenden schweren wirtschaftlichen Nachteile und Schäden
gliedern eines Ausschusses, sondern sämtlichen Mitgliedern des Hauses Gelegenheit zur Aussprache gegeben wird.“
Militärische Besetzung der Saargruben.
Die Saargruben, deren Arbeiter gegenwärtig streiken, sind von französischem Militär besetzt worden. Es ist des⸗ halb verständlich, wenn sich innerhalh der Arbeiterschaft eine
4 daß Wanne ein bedeutsamer Knotenpunkt sei, daß die große Erregung breitmacht. Die Organisationen fordern * i f ö ö hligt sind, unter Ausschluß einer Beschwer s Mieteini:⸗ gruse denn. l 5 Lebens mittelzufuhren gefährdet seien und die auf dem e e e N eee, Mieteinse ihre Mitglieder auf, sich nicht zu Unbesonnenheiten hin- 1 Bahnhof stehenden großen Lebensmittelmengen dem Ver⸗% III., Arbeitspermittlung. reißen zu lassen und Ruhe zu bewahren.
derben preisgegeben würden. Amtmann Weiberg ersuchte Die Erfahrung hat gezeigt, daß es den Flüchtlingen darauf an⸗
um sofortige Räumung des Bahnhofes. Gegen 6 Uhr
abends wurde der Bahnhof von den Franzosen geräumt.
kommt, möglichst bald eine Erwerbstätigkeit wieder zu erlangen.
Diese Bestrebungen sind nachdrücklichst zu unterstützen.
Lohustreik sranzösischer Bergarbeiter. Nachdem der kommunistische Verband der Bergarbeiter im
cb. IV. Fürsorgestellen. Mosel⸗Departement bereits gestern den Ausstand erklärt hatte, har 5 a Die Pläue scheuen das Licht. Die Betreuung der Flüchtlinge liegt in der Hand des deutschen 1 1855 0 der 1 8 00 e* n 88 7 75 1252 5 0 Roten Kreuzes schlossen, und in ganz Lothringen liegen die Bergwerke, wie di 10 Der französische Ministerpräsident hat dem Vorsitzenden] Wees, m übri 1 e 10 Frankf. Ztg. meldet, still. Mie im Gegensatz zu den Verdächti⸗
V. Im übrigen finden die Richtlinien für die Handhabe der Zeitungen und Nachrichten⸗Agenturen
Oirientfrage
des Kammerausschusses mitteilen lassen, daß es ihm z. Zt. unmöglich ist, über die Aktion im Ruhrgebiet und über die U die verlangten Auskünfte zu geben. An⸗ scheinend gestatten die in Aussicht genommenen neuen Maß nahmen gegen die Ruhrbevölkerung keine Behandlung vor
Fürsorge für die Flüchtlinge aus den abgetretenen und besetzten
preußischen Gebieten sinngemäße Auwendung. Das englische Unterhaus für die Zurückziehung der Truppen am hein!
gungen der französischen festgestellt werden kann, handelt es sich dabei keineswegs um einen plötzlich ausgebrochenen Sympathiestreik zur Unterstützung der Bergarbeiter im Saargebiet oder gar im Ruhrgebiet, sondern um einen seit Monaten vorbereiteten Lohnkampf fämtlsched franzö⸗
der letzten Tage von
1 4 44 Das englische Kabinett hält angesichts der politischen Lage jetzt] den Verbands nn Reschlüssen 16 10 50. Ai a 5 5 N gen L 0 den Verbandsvorständen in Pa Beschlüssen, am 16. n größeren Forum von Kammermitgliedern. 1 4 täglich eine Sitzung ab, in der insbesondere die Ruhraktion und die[Februar auch auf die Gruben 9 drankreichs und des Am Freitag werden, wie aus Paris mitgeteilt wird, Lage in der Türkef erörtert werden. Was die Ruhraktion anbetrifft,] Losrebeckens ausdehnen soll. sronzösischen Bergleme haben
so hält die Mehrheit des Kabmetts es dafür, den demnächstigen Zu-] dem Verband der Berawerlkageselllckarten bis aus 15. Februar
— N weitere 4500 Eisenbahner ins Ruhrgebiet geschickt. Die
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Man rechnet mit
dienen, Reparationen zu erhalten. Die Arbeiterschaft des
schleppung von Personen und zahlreiche andere Gewalttaten.
Republik diese verhängnisvollen Vorgänge, die Martern, die 1
Brüder in
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