Ausgabe 
10.1.1923
 
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Aedoltson: Gießen

setzen werden.

Oberhessi

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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Nr. 7

Gießen, Mittwoch, den 10. Januar 1923

183. Jahrgang

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Vor der Nuhrbesetzung.

Die Einmarsch vorbereitungen.

Die verschiedenen Mitteilungen über Frankreichs Vor⸗ bereitungen zum Vormarsch auf Essen werden von der französischen Regierung dementiert. Trotzdem aber bleibt die Tatsache bestehen, daß die französischen Besatzungs⸗ truppen am Rhein bis dicht an die Peripherie vorgeschoben sind. England wird, wie man uns von maßgebender Seite verfichert, seine Truppen am Rhein nicht zurückziehen, zu⸗ mal es bestrebt ist, den Meinungsunterschied, der Frankreich und England trennt, auf ein Minimum zu beschränken und nichts zu unternehmen, was ihn vergrößern könnte. Von dieser Tatsache ausgehend, sind also alle Meldungen, die von! mit äußerster Vorsicht aufzunehmen.

Im einzelnen liegen folgende Meldungen vor:

Quartiermacher unterwegs. Aus Düsseldorf hört die B. Z., daß dort von den Franzosen bereits für Truppen und Automobile Quartiere angefordert wor⸗

den seien. N Der Aufmarsch.

In den Düsseldorfer Kasernen der Besatzungstruppen herrscht fieberhaftes Leben. Auf das Fernsprechamt in . kamen am Montog nachmittag gegen 200 fran⸗ zösische Offiziere, die auf weitere Anweisungen warten.

Von der Besatzungsbehörde in Koblenz wurde der Güterverkehr der Strecken Koblenz⸗Köln und Koblenz⸗Trier Lingeschränkt und zum Teil zum Erliegen gebracht, damit die Strecken für die Truppentransporte frei sind. Auf den Ba n dee besetzten Gebietes ist eine verschärfte Paß

eingeführt worden.

Starke französische Truppentransporte werden aus der, Pfalz gemeldet. Am Montag passierten 7 französische Truppentransportzüge, die aus Frankreich kamen, mit Halt ouf allen Stationen die Pfalz. In den französischen Militär⸗ lagern der Pfalz herrscht fieberhafte Tätigkeit, die darauf schließen läßt, daß auch in der Rheinpfalz erhöhte Alarm⸗ bereitschaft besteht. Die Haltung der französischen Offiziere und Mannschaften gegen ihre unfreiwilligen Quartiergeber und gegen die deutschen Geschäftsinhaber, bei denen sie ihre Einkäufe zu machen pflegen, ist, wie übereinstimmend aus verschiedenen Städten gemeldet wird, beinahe feindselig.

Frnzösische Vorposten bei Essen?

Die französischen Truppen sind, nach einer Meldung des Lok. Anz. aus dem besetzten Gebiet schon in hroßem Umfange an die Peripherie, namentlich nach dem Ruhrgebiet, vorgeschoben worden. So zeigten sich bereits französische Abteilungen an der Grenze des Essener Gebietes zwischen Kettwig und Mülheim. In Essen sind weder bei den leitenden Stellen des Ruhrgebiets, noch bei den Be⸗ hörden direkte Mitteilungen über die französischen Maßnahmen eingetroffen. An der Durchführung der Besatzung zweifelt niemand mehr. Man erwartet sie für Mittwoch.

Französische Ingenieure alarmbereit. Zu einer Meldung der Radio⸗Agentur über die Ab⸗ sendung von 40 französischen Bergingenieuren in das Ruhr- gebiet berichtet der Petit Parisien folgendes: Die Ingenieure, die Sonntag abend Paris verlassen haben, werden sich nicht direkt nach Essen begeben. Sie werden sich in Düsseldorf aufhalten wohin die Regierung ihnen neue Weisungen zu gehen lassen wird, falls der von dem Ministerrat entworfene Plan zur Ausführung kommt Die Abreise der Minen- und Marineingenieure erfolgte Sonntag abend, nachdem sie ohne weitere Einzelheiten den Auftrag bekommen hatten, sich zu dem genannten Zeitpunkt im Pariser Nordbahnhof einzufinden, um eine Reise anzutreten. Die Chefs der Ingenieurtruppen hatten vorher eine lange Unterredung mit dem Arbeitsminister und dem Generalinspektor der Minen, Coste. Wahrscheinlich wird eine neue Gruppe von Ingenieuren am Montag früh von Paris nach Essen ab⸗ reisen. Fernerhin werden Truppenverschiebungen gemeldet. So wird das 149. Infanterieregiment und das 62. Feld- artillerieregiment, die in Epinal gornisoniert sind, sehr bald verschickt werden. Die beiden Regimenter sollen bereits am Mittwoch am Rheinufer stehen. 5

Der Kölner Brückenkopf.

Widerstand des englischen Befehlshabers?

Aus Köln wird berichtet, daß das Oberkommando der sranzö⸗ sischen Besatzungsarmee in Mainz dem engeischen Oberkommando offiziell mitgeteilt hat, daß am 15. Januar französische und belbische Besatzungstruppen unter Führung eines französischen Ober⸗ befehlshabers von Düsselborf in das Ruhrgebiet einrsicken werden und die Städte Essen und Boch um mit einer Sicherungslinie be⸗ 0 Die hierzu erforderlichen Truppen werden zunächst zestehen aus einem französischen und einem belgischen Infanterie⸗ Regiment zusammen mit der notwendigen Artillerie und Kavallerie,

die den in den Ruhrhäfen stehenden französischen und belgischen Kon⸗

einer englischen Gegenaktion im besetzten Gebiet sprechen daß uf mar sch gebiet

tingenten entnommen werden. Ferner sollen noch Teile der franzö⸗ sischen Rheinarmee aus der Gegend von Mainz und Wiesbaden vom 15. Januar an gleichfalls für den Abtransport nach dem Ruhrgebiet bereitgestellt werden, für den Fall, daß eine weitere Ausdehnung der Besetzung oder eine Verstär kung der im Ruhrgebiet einge⸗ rückten Truppen sich als notwendig erweisen sollte. Gleichzeitig mit der militärischen Besetzung der Städte Essen und Bochum wird auch eine Abteilung französischer Gendarmerie dort einrücken. Das französische Oberkommando hat das englische Oberkommando für den Fall, daß eine Verstärkung der französischen und belgischen Truppen im Ruhrgebiete sich als notwendig erweisen sollte, schon jetzt gebeten, alle Maßnahmen zu treffen, um einen ungehinderten und schnellen Transport dieser Truppen auf den durch die englische Besetzungs⸗ zone in Köln führenden Essenbahnen zu sorgen und ferner den Franzosen die Benutzung des Brückenko pfes Köln als zu gestatten. Französische Offiziere F sollen schon jetzt in den Bezirken um Solingen die entsprechenden vor⸗ bereitenden Maßnahmen treffen dürfen. Das englische Oberkom⸗ mando hat auf diefe französische Bitte geantwortet, daß es zuerst die Genehmigung der britischen Regierung einholen müsse, und das französische Oberkommando vor dem Eingang dieser Genehmigung auf keinen Fall mit einer Erfüllung seiner Bitte rechnen dürfe. Es hat gleichzeitig gebeten, um alle mög⸗ lichen Zwischenfälle zu vermeiden, auch von einer Besetzung der den englischen Besatzungsorten vor⸗ lagerten Gebieten Abstand zu nehmen. Die französische Armeeleitung will jetzt im Verein mit der belgischen alle Maßnah⸗ men treffen, um einen Transport von französischen Verstärkungs⸗ truppen von Mainz aus auf dem Wege durch die Eifel über Düren Rheydt nach Duisburg vornehmen zu können. In Dnisburg selbst machte sich die bevorstehende Ruhrbesetzung bereits bemerkbar. Auf Grund eines Besehles der dort befindlichen Besatzungsbehörde miüssen auf dem Bahnhöfe in Duisburg große Verladerampen hergestellt werden.

England wartet ab.

Ueber die Pläne des englischen Kabinetts wird gemeldet, daß zunächst nicht die Absicht besteht, die englischen Truppen vom Rhein abzuberufen, ebensowenig wie die englische Ver⸗ tretung aus der Reparationskommission ausscheiden soll, bevor die französische Regierung ihre geplanten Schritte dem englischen Kabinett offiziell mitgeteilt hat. Gewisse Vor⸗ behalte werden in England jetzt schon geltend gemacht im Hinblick auf die Einsetzung von französischen Zollbeamten am Rhein, die mit englischen Beamten in Berührung kom⸗ men müßten. Man befürchtet davon die Möglichkeit einer gewissen Störung. Im übrigen soll die englische Regierung nicht die Absicht haben, ihr Zusammenwirken mit Frankreich und den anderen Alliierten auf den Gebieten, wo keinerlei Differenzpunkte vorliegen, namentlich in der Botschafter⸗ konferenz, aufzugeben. 5

Die Erwartungen auf englische Einwirkung oder vollends auf Amerika müssen als ganz gering bezeichnet werden. Manche englische Stimmen geben noch der Hoff nung auf Vermittlung des Völkerbundes Raum, worauf be sonders Schweden hinziele. Insofern wird es in London bedauert, daß Deutschland nicht Mitglied des Völkerbundes ist. Die Haltung Deutschlands wird in England mit hohem Juteresse verfolgt und vielfach wird dort unserer Reichs⸗ leitung geraten, die letzten deutschen Vorschläge zu veröffentlichen, bevor die französische Gewalt⸗ aktion beginnt.

Eine Erklärung des Reichskanzlers.

Harbamtlich wird gemeldet: Reichskanzler Dr. Cuno empflug am Montag vormittag die hiesigen Vertreter der amerikanischen Depeschenagenturen und gab ihnen Erklärungen, worin er äußerte: Frankreich scheint sich zu dem Versuche anzuschicken, seine Ansprüche auf dem Wege der Gewalt durchzusetzen. Dabei hat es den Anschein, als ob man in einigen französischen Kreisen wirk- lich glaubt, durch solchen Zwang Reparationsleistungen von uns erhalten zu können. Ich habe es schon in meiner Hamburger Rede gesagt, daß jede Zwangsmaßnahme den Tod der wirtschaftlichen Reparationen bedeuten wüivde. Das kann ich heute nur mit großem Ernste und Nachdruck wiederholen. Denn so sehr wir be reit waren und es heute auch noch sind, freiwillig und gestützt auf unsere Wirtschaft mit unserey Leistungen bis an die Grenze unserer wirtschaftlichen und finanziellen Leistungen zu gehen, so

wenig sind wir willens, uns einem Zwange zu beugen. Unsere Beveitschaft zur freiwilligen Leistung des Möglichen haben wir durch die Tat bewiesen. Wir haben damit das Unserige getan

und sind zum Frieden bereit. Das deutsche Volk wird aber, wenn es sein muß, ebenso entschlossen den Weg des Leidens gehen. Unter Druck und Drohungen werden wir nicht handeln. Wir können der Gewalt nicht mit Gewalt entgegentreten. Was wir aber in voller Entschlossenheit und in voller Uebereinstimmung mit dem deutschen Volke tun können, das ist. die wirtschaftliche Unvernunft und die Rechtlosigkeit des französtschen Vorhabens der Welt in diesem wahren Lichte zu zeigen. Gewalt bleibt Ge⸗ walt. Frankreich versucht die geplante Aktion mit dem Scheine des Rechtes zu umkleiden, indem es von Sanktionen und Pfändern spricht, die in den Bestlmmungen des Versailler Vertrages ihre Stlitze haben sollen. Aber der Vertrag von Versailles geht nicht seweit, den Alliterten beliebige Eingrifse auf deutsches Gebiet zu gestatten. Zur Sicherung ihrer Forderungen aus dem Ver sailler Vertrage, namentlich zur Sicherung der Reparatlons⸗

forderungen, halten die Alliierten für bestimmte Zeit das Rhein⸗

land besetzt, eine Garantie, wie sie stärker und drückender wohl in

keinem Vertrage zwischen Kulturvölkern festgesetzt ist. Wenn Frankreich jetzt auf eigene Faust noch weitergehen will, wenn es im besetzten Gebiet sich nicht in den Schranken des das Besatzungs⸗ recht regulierenden Abkommens halten will, oder wenn es sogar seine Hände noch über das Rheinland hinaus auf unbesetzteß deut⸗ sches Land legen will, so ist das nicht die Ausfibung eines Ver⸗ trogsrechtes, sondern ein Vertragsbruch und Gewalt gegen ein willenloses Volk.

Die angeblichen Beschlüsse desReichskabinetts

Der Tag erfährt über die Montogsberatungen des Reichskabinetts: Es kann festgestellt werden, daß die Re⸗ gierung zahlreiche Maßnahmen in Aussicht genommen hat und daß Besprechungen darüber nicht mehr stattzufinden brauchen, da der Gesamtplan fertig ist. Der Umfang der Maßnahmen wird davon abhängen, ob die französische Re gierung eine vollständige militärische Besetzung vornimmt oder ob sie es bei wirtschaftlichen Sanktionen bewenden läßt Wahrscheinlich wird die Reichsregierung, wenn die Besetzung des Ruhrgebiets erfolgt sein sollte, deutsche Volk wenden und es dazu auffordern, eine voll⸗ ständig geschlossene Einheitsfront zu bilden. Es soll sich dabei nicht um die üblichen Proteste, sondern um ganz be stimmte Pläne handeln, die auch für die innerpolitische Lage praktische Bedeutung haben würden. Die Frage, ob durch den Einmarsch in das Ruhrgebiet ein vollständiger Bruch des Vertrages von Versailles herbeigeführt wird, wird wesentlich unter dem Gesichtspunkt behandelt werden, daß durch den Vertrag von Versailles cuch gewisse Schutzmaß⸗ nahmen für die deutsche Grenze durchgeführt sind, die die

Regierung nicht ohne weiteres preisgeben kann. Es wird jedoch ein Protest gegen die Besetzung des Ruhrgebietes

unter Berücksichtigung der Verletzung des Vertrages von Versailles in sofchen diplomatischen Formen erfolgen, daß bei Wiederaufnahme der Reparationsverhandlungen für Deutschland eine ncue Vertragsbasis gegeben ist. Dazu kommt, daß die deutsche Regierung in aller Oeffentlichkeit feststellen muß, daß sie in keiner Weise mehr zu irgend welchen Barleistungen oder Sachleistungen für Reparations⸗ zwecke in der Lage ist, wenn das eigentliche deutsche Wirt schaftsgebiet von französischen Truppen besetzt sein soll. Von onderer Seite wird noch gemeldet, daß von Sonderver⸗ handlungn mit Frankreich unter dem Druck der Drohungen keine Rede sein kann. Die Reichsregierung hält den Stand⸗ punkt fest. daß sie nur mit allen alliierten Mächten zu ver⸗ handeln hat nicht mit einer einzelnen, die sich mit Gewalt über das Vertragsrecht hinwegsetzt.

Ehe wir zu den Maßnahmen der Reichsregierung Stellung nehmen. wollen wir genaue Meldungen abwarten.

Aurusung des Völkerbundes durch Schweden

Zu einer Meldung, Schweden beobsichtige wegen der drohen⸗ den Ruhrbesetzung als eine den Völkerfrieden bedrohenden Maß⸗

nahme den Völkerbund anzurusen, schreibt Sozialdemokraten

offenbar offigiös folgendes:

Völlig authentische Nachrichten über die Absichten Frank⸗ reichs liegen noch nicht vor. Sollte sich jedoch die Nachricht von der bevorstehenden Ruhrbesetzung bestätigen, so sei anzunehmen, daß die Angelegenheit vor den Völkerbund gebrocht wird. Schweden sei nicht das einzige Land, das daran interessiert sei. Die außer⸗ ordentlichen Gefahren für den Frieden, die durch eine solche extreme Maß regel hervorgerufen würden, könnten kein Land un⸗ berührt lassen. Es könne nicht der geringste Zweifel über den Standpunkt Schwedens bestehen für den Fall, daß die Nachrichten über die Ruhrbesetzung sich bewahrheiten sollten.(Genosse Branting, der Minister⸗Präsident, ist zugleich Vertreter Schwedens im Völkerbund.)

F vanzösische Proteststimmen.

Die kommunistische Humanits protestiert gegen das französische Ruhrprogramm mit folgenden Worten: Der Einmarsch in das Ruhrgebiet ist ein Verbrechen, nicht gegen die Kapitalisten von Essen und Bochum, um die wir uns nicht viel kümmern, sondern gegen die deutschen Arbeiter. Wenn jemals die internationale Solidarität des Proletariats Pflichten mit sich gebracht hat, so ist das jetzt der Fall. Das internationale Proletariat muß sich vor⸗ nehmen, mit allen Kräften gegen diesen räuberischen und ver⸗ werflichen Plan vorzugehen, die der Advokat an der Spitze Frank⸗ reichs im Interesse des sogenannten Htttenkomitees vorbereitet. Weiterhin führt die Humanits aus, daß die Großindustrie iw Ruhrgebiet für die deutsche Landwirtschaft unerläßlich sei, da diese auf Kunstdünger angewiesen ist. Die Industrie zerstören heißt also, das deutsche Volk, vor allem seine Arbeiter und Bauern, deren Sterblichkeit im Jahre 1921 in erschreckendem Um⸗ fange gestiegen ist, der Hungersnot preisgeben.

Im übrigen sieht in Paris das große Publikum den kom⸗ menden Dingen mit mehr oder weniger ausgeprägter Gleichgül⸗ tigkeit und Teilnahmslosigkeit entgegen. Dagegen scheint in der Provinz, wo die demokratisch-republikanische Tradition sich leben⸗ diger erhalten hat als in der Hauptstadt, die Gewaltpolitik der als Mandatare der Schwerindustrie handelnden Briand, Poincaré und Barthou auf starke Opposition zu stoßen. Außer den Kom⸗ munisten haben, wie der Fr. Ztg. aus Paris geschrieben wird, die Sozialisten zusammen mit der Liga für Menschenrechte in einer ganzen Reihe großer Provinzstädte sehr eindrucksvolle Protest⸗ kumdgebungen veranstaltet und auch in einzelnen Provinzorganen des bürgerlichen Radikalismus regt sich die Kritik. Wenn Kund⸗ gebungen dieser Art auch den Gang der Exeignisse nicht mehr auf⸗

sich zunächst an das

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