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Die Erfahrung eines klugen Beamten.
In einer gutgelesteten, in bester Entwicklung befindlichen thürin⸗ Genossenschaft kon vor kurzem ein Herr zur Verwaltung, als peusionierter Beamter vorstellte. Er sagte, er habe schon viel über die Vorteile gehört und gelesen, die die Konsum⸗ vereine zu bieten vermöchten, und wolle nunmehr einmal die Probe aufs Exempel machen. Er meldete sich als Mitglied an und hinterlegte den vorgeschriebenen Betrag als Anzahlung auf den Ge⸗
a schäftsautell. Rach 14 Tagen erschien der Herr wieder, legte 1000 Mk.
auf den Tisch und bat, ihm diese Sunune auf seinen Anteil gutzu⸗ schreihen, wobei er bemerkte:„Das ist der Betrag, den ich in den wei Wochen durch die Genossenschaft erspart habe.“„Ich habe“, 10 bemerkte er weiter und legte ein Verzeichnis von Waren vor, „diese Waren aus dem Verein geholt, gleichzeitig mich aber von den Preisen des Geschäfts unterrichtet, hei dem ich früher kaufte. Ich werde das weiter so machen und hoffe in Klirze meinen Anteil voll erfüllen zu können.“— Dieses leine Begebnis bewetst folgendes: Wenn ein Mitglied seiner Genossenschaft mit dem Rechenstift gegen⸗ über steht und Kontrolle übt, erkennt es sofort den handgreiflichen
Vorzug einer solchen Mitglied schaft. Die Kontrolle muß nur richtig
und nicht auf oberflächliche Weise geschehen, wie es leider viele Mit⸗ alteder, namentlich Mitglieder frauen zu tun pflegen, indem sie au der Hand einiger Lockartikel privater Geschäftsleute meinen, den Nachweis flihren zu kömmen,„daß im Konsum alles teurer“ ist. Ein Vergleich aller Waren überzeugt von den vorleilhaften Leistungen der Genassenschaft.
Westere Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung.
Einer allgemeinen Erhöhung der Erwerbslosenunterstützung hat der Reichsrat in seiner letzten Vollsigzung am 25. Janna ds. Is. 1 Danach werden die Höchstsätze für die Zeit vom 15. bis zum 27. Januar gegenüber den bisherigen Sätzen um zwei Drittel beraufgesetzt; von da ab erfahren sie eine weitere Er⸗ höhung auf das Doppelte der vor dem 15. Januar geltenden Sͤtze. Eine entsprechende Verordnung. des Reichsarbeits⸗ ministers, der die neuen Sätze im einzelnen festsetzt, wird dem⸗ nächst im Reichsarbeitsblatt veröffentlicht werden. Durch die Heraufetzung erhöhen sich gleichzeitig die Förderungsbeträge der posuftiven Erwerbslosenfürsorge. Darüber hinaus ist der be⸗ sonde an Nerexung und der vexmehrten Not der Erwerbslosen des besetzten Gebietes dadurch Rechnung getragen, daß die in Be- tracht lommenden Länder ermächtigt worden ind, an die Er⸗ werbslosen des besetzten Gebietes höhere Veträge zu zahlea. Aus Mitteln der Erwerbslosenfürsorge wird ein Betrag zur Verfügung gestellt, der es ermöglicht, auf den Kopf des unter⸗ stützten Erwerbslosen durchschnittlich 25 v. H. mehr zu gewähren als im unbesetzten Gebiet. Diese Fürsorge soll den besonders Bedürftigen unter den Erwerbslosen zugute kommen, nach Mög⸗ lichkeit insbesondere dadurch, daß ihnen Lebensmittel und andere Sachleistungen unentgeltlich oder zu besonders günstigen Be— dingungen geliefert werden.
Eine Betriebskräte⸗Versammlung ist für nächsten Sonntag 11. Februar, vormittens 8% Uhr einberufen. Die Tagesordnung lautet: Die wirtschaftliche Lage unter besonderer Berücksichtigung der Ruhrbesetzung. Die Versammlung findet im Saale des Ge⸗ werkschastshauses statt. 5 4
— Weißbinberarveiten vergiebt die Vaughnossenschasr 8894 für ihre Neubauten an der Licherstraße(20 Wohnungen). Ange⸗ bote sind bis 15. Februar bei Architekk' Hamann, Bergstraße 11, einzureicken. 1 5 — Abgabe von Rutzholz an Handwerker. Wie aus einer Be⸗ kanntmachung des Oberbürgrmeisters im Mittwochblatte zu lesen war, beabstchtigt die Stadtverwaltung bei Abgabe von Werkholz die Gießener holzverarbeitenden Handwerksvetriebe besonders zu becücksichtigen. Welcher Handwerker davon wünscht. muß sich bis spätestens 10. Februar also morgen, melden und dabei au⸗ geben. was für Holzart, sowie Stärkeklasse und Menge er wünscht. L Aus dem Stadttheater. Für bie heutige Auffühoung von Ibsens ohn Gabriel Borkman, die unter der Spieir⸗ leitung von Adolf Telekn steht, ließ sich eine sehr gute Besetzuny ermöglichen. Die Titelrolle wird von Herrn Juhnke, die beiden Hauptfrauen rollen von Frau Rose Rubner und Fräu⸗ lein Marcks, die Fannn Wilton von Frau Franke, der alte Foldal von Heren Volck seine Tochter Frieda von Fräulein Engel und der junge Botkman von Herrn Frommann ge⸗ geben. Es zeigt sich für diese Ibsen⸗Aufführung lebhaftes Unteresse.*
— Das Konzert zum Besten der Gießener Studentenhilfe. am 11. ds. Mts., nachmittags 5 Uhr in der Neuen Aula verspricht ein großer Kunsigeuuß zu worden. Ueber die Mitwirkenden aus Gießen, Frau Hedwig Spohr(Violine), Frau Claire Nebelung⸗Knapp(Klavier) und Herrn Professor Dr. Rudolf Henle(Klavier braucht nichts Empfehlendes gesagt zu werden; ihre musikaltschen Fähigkeiten sind allen Gießener Musirsreunden wohl bekannt. Der Sängerin, Fräulein Maria Martha Peter aus Berlin. geht ein ausgezeschneter Ruf vor⸗ aus. Uns liegen Krit ken über ihren Gesaug aus dem Göklinger Tageblart, dem Sanrabischen Volksboten, der Tortmunder Zeitung u. a. vor, die alle üb reimstimmend den weichen Glanz ihres wundervollen, pastosen. umfangreichen Alts, die sorgfältige Schuluug, des hervo ende Können, die leichte Tongebung, das tiefe Adructsvermö und die außerordentliche musfikalische
Begabung ber jugeublinen Süngerln hervorheben. So darf die Studentenlälfe hoffen ihren Freunden ein Konzert bieten zu
fönwen, das mit semem gewählten Programm(Chopin, Brahms) auch höchslen Erwartungen enesprechen wird.
— Ein 20⸗Markstück gleich 150 000 Mark. Der Ankauf von Gold für das Reich durch die Reichsbank und der Post erfolgt in der Woche vom 5. bis 11. Februar zum Preise von 150 000 Mart für eist 20⸗Markstück, 750% Mark für ein 10⸗Markstück. Für aus⸗ ländische Golbmünzen werden entsprechende Preise gezahlt. Der Ankauf von Reichssilbermünzen durch die Reichsbauk und Post er⸗ folgt vom 5. Februar an bis auf welteres zum 3000 fachen Betrage des Nennwertes.— Gegenwärtig dürfte es noch wenig Leute geben, die 20⸗Marl⸗ oder 10⸗Markstücke im Besitz haben. Nebenbet bemerkt, haben ssauh dleser Wertbemessung sehr viele arbeitende Leute kein 20⸗Markstück im Monat!
— Goldzähne aus dem Munde gestohlen! Wie von polizeilicher Seite berichtet wird, treibt in letzter Zeit ein Gauner sein Unwesen, der in der Zahub rauche kundig zu sein scheint. Unter irgend einem Vornmand macht er Geschäfte auf und fobald er sieht, daß ein Ge⸗ schüftsinhaber ein künstliches Gebiß trägt, sucht er in dieser Richtung Gespräche zu sühren und erbietet sich, eine nötige Reparatur an dem Gebiß zu vollziehen. Dabel kommt es ihm darauf an, in den Besitz von Gold zu kommen, mit welchem er, nachdem er sogar einen Gips⸗ abdruck auf der Stelle genommen hat, verschwindet.
e Um Irrtum zu vermeiden, müssen wir zu dem Artikel in unserer vorgestrigen Nummer mit der Ueberschrift„Sie wollen die Wahrheit nicht hören“ bemerken, daß der zweite Absatz, der mit den Worten„Diese Mißstände usw.“ beginnt, noch zu der Anfrage Düngel⸗ dey und Osann gehört. Am Schluß waren berschiedenklich die An⸗ flührungsstriche weggeblieben.— Ferner muß es im letzten Absatz in der 5. Zeile von unten Darum statt„Dann“ heißen.
— Diebstahl von Margarine.
Schubert,
Aus einem Butter- und Eier⸗ geschäft wurden in der Nacht zum 6. Februar 1923 4 Kisten Mar⸗ Harine Marke„Merkur“ und„Rippo“ entwendet, weiter sind dahler entwendet worden ein Fahrrad Marke„Vorussig“, Fabrik⸗Rummer 469 858. Vor Ankauf wirb gewarnt. Sachdienliche Mitteilung nimmt die Krimingl⸗Abteslung entgegen.
— In bas. Schnusenster gefallen. Am Mittwoch mittag gingen oel Frauen vom Lande den Seltersweg entlang, besde trugen Körbe Huf bem Kopfe. Bei dem Laden von Vach rutschte die eine Frau auf
dem Kanaldeckel aus und ihr Korb mit ossenbar schwerem Inhalt log in weltem Bogen mitten in eine der großen Schaufensterschesben
des Bach'schen Geschäfts. Diese wurde vollständig zertrümmert. Gegenwärtig dürfte eine derartige Scheibe einen Wert von mehr als hunde rttausend Mark reprösentteren. In diesem Falle dürfte ver⸗ mutlich die Versicherung für diesen Schaden aufzukommen haben.
Kreis Friedberg⸗ Büdingen.
Bad⸗Nauheim, 7. Febr. Großer Villeneinbrusch. Bei einem Einbruch in eine hiesige Villa wurde in einer der letzten Nächte neben wertvollen Schmucksachen, Kleider, Wäschestücke und gahlreiche andere Gegenstände im Gesamtbetrage von mehreren Millionen Mark gestohlen. Die Täter enttamen unerkannt.
Assenheim, 7. Februar. Französische Brieftaube. Hier wurde eine französische Brieftaube eingefangen, die folgende Meldung bei sich trug:„Allgemeiner Streik! Zwei Offiztere sind mit guter Verstärkung in Kenn angekommen. Gestern vier neue Tauben er⸗ 130 1 Der Chef, 3. Febr. 1923.“ Kenn ist ein kleines Dorf bei Trier.
Nidda, 7. Febr. Das Ende vom Liede. Der tragische Aus⸗ gang der Liebesgeschichte, bei der vor einigen Monaten ein hiesiger Kassenbeamter die Tochter einer Niddaer Bürgerfamilie erschoß, aber dan selbst nicht den Mut fand, sich zu töten, fand jetzt seine gericht⸗ liche Sühne vor der Strafkammer in Cassel. In der Verhandlung wurde festgestellt, daß das Mädchen den Geliebten veranlaßt hat, es zu töten. Das Gericht beurteilte den Fall milde und verurteilte den Beamten zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis, zu deren Verbüßung der völlig gebrochene Mann sofort abgeführt wurde.
Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.
b. Ruhrhilfse. Die Arbeiter und Beamten der Gewerkschaft Luse u. Ilsdorf haben sich bereit erklärt, jede Woche eine Ueber⸗ stunde für die Ruhrhilse zu versahren. Dieses macht wöchentlich einen Vetrag von ungefähr„ Million Mark aus.
Kreis Schotten.
b. Laubach. Unerhörte Holzpreise wurden bei der ersten Holzversteigerung des gräflichen Forstamts Laubach am Montag erzielt. Für den Raummeter Scheite wurden dabei 70 000 bis 90 600 Mark geboten. Daß diese unsinnigen Preise ein Arbeiter oder Kleinbauer nicht bezahlen kann, liegt auf der Hand, zumal die Zahlungsfrist auf nur 14 Tage gesetzt ist.
Bei Verpachtung der Wald⸗ und Feldjagd der Gemeinde Freienseen auf weitere 6 Jahre wurde der ungeheuere Preis von 2,7 Millionen Mark erzielt. Die Versteigerung fand am
Montag statt. Kreis W 81 8 ve ehlarxr.
= Wetzlar. Ein Junge vom Jäger erschossen. Vor einiger Zeit gingen ein paar Jungen aus Niederbiel Sonn⸗ tags ins Feld, um mit dem Tesching nach Raben oder Elstern zu scheßen. Vier Jäger beobachteten die Jungen und riefen sie an. Einer lief fort, der andere blieb stehen. Auf diesen gab einer der Jäger frevelhafter Weise einen Schuß ab, durch den der Junge schwer am Bein verletzt wurde. Einige Tage darauf ist er an der Verletzung gestorben. Genosse Dortu wurde durch den uner⸗ hörten Vorfall und den Tod des Knaben zu folgenden Versen ver⸗
aulaßt: Mord!
Ein Knabe zieht lustig auf Elsternfang— scharf weht der Nordwind das Feld entlang! Dort kommen Jäger: Drei.— vier Mann—— Knabe! Springe! Lauf was du kannst! Die Jäger brüllen: Halt Bürschchen! Halt!!“ ein blaues Wölkchen— ein Blitz— und ein Knall! Der Knabe liegt in seinem Blut— die Jäger sprechen von Jägermut! Am Bette des Knaben— wie glüht seine Hand—— 8 weht der Nordwind das Dorf entlang! Die Mütter weinen: Der Knabe ist tot! durch die Nacht hin glüht der Mond blutrot. Gerichte! sangt euch den Jägersknecht— oder gibt es in Deutschland sür Proleten kein Recht?? Westerwald und Unterlahn. Kundgebungen an der Lahn gegen die Ruhrbesetzung.
Am Sonntag hatte unsere Partei in Limburg und Weil⸗ burg große Versammlungen veranstaltet.
In Scharen strömte die Bevölkerung— und nicht nur die zur Sozialdemokratie sich rechnende— aus den benachbarten Ortschaften des besetzten Gebietes nach Limburg. Die Kundgebung erhielt be⸗ sonderes Gewicht durch die Person des Redners: der preußische Mi⸗ nister des Innern, Severing, war hierhergeeilt, um die unter der Fremdherrschaft schmerzend duldende Bevölkerung des besetzten icbes der Teilnahme und der tätigen Hilfe von Regierung und Volk zu versichern.
Severing beleuchtete scharf den Geist des Unfriedens, von dem die Politik Poincarés getrieben ist, und die katastrophalen wirtschaft⸗ lichen Verhältnisse, die durch sie geschafsen worden. Poincars, dem bodauerlicherweise das französische Parlament und Volk Gefolgschaft leiste, werde von der Erfahrung belehrt werden, daß man„auf VBajo⸗ netten nicht sitzen könne.“ Mit Genugtuung stelle er fest, daß Poin⸗ caré sich verrechnet habe, als er die Haltung der deutschen Arbeiter und Veauten nach der Fügsamkeit der ohnmächtigen framzösischen Arbeiterschaft bemaß. Eine Verhandlungsmöglichkeit sieht Severing augenblicklich nicht. Um so nachdrücklicher erhob er die Forderung, daß jede Möglichkeit, die sich dafür biete, sobald die Zeit einmal ge⸗ kommen sei, ausgenützt werden müsse. Im Namen des Verwaltungs- ausschusses der sozialdemokratischen Vezirksorganisation legte dessen er Bechtel, der von den Franzosen verhaftet und wieder freigelassen worden ar, eincelöbnis der Treue ab, eineResolution bekräftigte die unbeirrbare Entschkossenheit. Verhandelt wurde, wie man genau wußte, vor den Ohren französischer Spitzel. Der ruhige Verlauf der Kundgebung wurde auch dadurch nicht beeinträchtigd, daß gleich zu Beginn beim Verlassen des Bahnhofes ein Sonder⸗ bündler verprügelt wurde, sodaß er von der Polizei in Schutzhaft genommen werden mußte.
Ebenso eindrucksvoll, wie die Limburger Kundgebung, war eine Versammlung in Weilburg. Hier war der neuernannte Regierungs⸗ präsident von Wiesbaden Haenisch für Severing, der hier eben⸗ falls sprechen sollte, eingesprungen. Für den früheren Unterrichts⸗ minister lag es besonders nahe, die Gefahr, die den leben notwendigen kulturellen Beziehungen Deutscklands und Fraukreichs droht, in den Vordergrund zu rücken. Gerade als Sozialdemokrat nimmt er für sich das Recht in Anspruch, gegen den tobenden französischen Impe⸗ rialismus, den schlimmsten, den er kennt, zu protestieren. Den Sieg des Rechts über die Gewalt erwartet Haenisch allerdings nur dann, wenn die Geschlossenheit des deutschen Volkes nicht durch chaupk⸗ nistische Treibereien gestört werde. Wenn der Arbeiter, der die Haupt⸗ last daͤr Abwehr zu tragen habe, wisse, daß als Siegespreis ihm die Erhaltung der deutschen Republik winke, wenn er sicher sein könne, daß nicht von unbesonnenen Elementen zu einem neuen Kriege ge— hetzt werde.
Non Mah und Fern.
Frankfurt a. M., 7. Febr. börse. Enksprechend dem Devisenkurse waren heute die Preise etwas schwächer, nur Weizenmehl stand höher im Preise. Es wur⸗ den bezahlt für je 100, Kilo Weizen 130 000132 000 Mk., Roggen 115 000— 120 000 Mk., Gerste 100000110 000 mk. Haser inläu⸗ discher 70 00090 000 Mk., Wetzenmehl 215 000—260 000(245 000 letzte Notierung), Roggenmehl 170 000 190 00% Mk., Kleie 70 000—
75 000 Mark. Vollstrecktes Todesurtel,
Der algerische Schlitze Kenounider, der wegen Ermordung der Frieda Guckes aus Idstein im letzten Herbst von dem franzöfischen Krlegsgericht zum Tode verurteilt wunde ist jetzt im Walde bei Klarental(Wiesbaden) standrechtlich erschossen worden. Auf Ein- ladung der französischen Behörde wohnten der Blürgermeister von Jostein und zwei Vertreter der Bürgerschast dem Akt bei.
Frankfurter Getreide
Ein sellsamer Zufall. Der Vertreter einer großen Casseler Lebens versiche rungsgesell⸗ schaft schloß mit einem Lehrer eine Versicherung in dessen Wohmung ab. Der Lehrer unterschrieb und bezahlte die Prämie. Dann stürzte er zu Boden und war in wenigen Augenblicken eine Leiche. Der Fall dürfte wohl einzig in der Versicherungspraxis dastehen.
Arbeitsrecht, Gewerkschastliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschum der Provinz Oberhessen in Gießen. Verhandlung vom 6. Februar 1923.
Den Antrag dez Gewerkschaftsbundes der Ange⸗ stellten auf Einflihrung des Tarisvertrages der Mitleldeutschen Braunkohlenbergbaubetriebe bei der Gewerkschaft Friedrich, dem Salzhäuser Bergwerk und der Grube Jägertal bet Alsfeld an Stelle der bisherigen Entlohnung der Angestellten nach dem Gießener Industrietarif und dem oberhessischen Werkmeister⸗ tarif lehnte der Schlichtung ausschuß ab.
Dem Kündigungseinspruch einer Arbeiterin der Gummi⸗ warenfabrik Poppe u. Co, nach 8 84 Abfatz 1 Ziffer 4 des Be⸗
triebsvätegesetzes gaß er statt
In der Autragssache dreier Maurer dec vereinigten Bauge⸗ schäfte Hofmann, Hartmann und Steuernagel in Bad⸗Nauhelm wogen Wiedereinstellung vereinbarten die Partesen die Wiederein⸗ stellung und eine Emtschädigung
0 Die Gewerkschaftsbewegung der Welt.
Das Bureau des Internationalen Gewerkschaftsbundes ver⸗ öffentlicht Angaben, die nicht nur die Lage und Entwicklung der ihm angeschlossenen, sondern die aller Gewerkschaften überhaupt in Ziffekn darstellen. Allerdings fehlen dabei Mitteilungen über die finanzielle Lage der Organisation; bei der heutigen bunten und schwankenden Geldwertlage hätte es auch wenig Sinn gehabt. Es werden also mur Mitgliederzahlen mitgeteilt: 5
1. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder betrug Ende 1921 in den 34 wichtigsten Stagten der Welt 46,3 Millionen Menschen(im Jahre 1912: 14% Millionen). An erster Stelle stand Deutschland (12,6 Millionen), ihm folgte Rußland(8,9 Millionen), England (6,6 Millionen), die Vereinsgten Staaten von Amerika(3,2 Mill.), Itel den und Tschecho⸗Slowaket hatten je zwei Millionen, Spanien 13, Frankreich und Oesterreich je eine Million organisierter Arbeiter. Weiter folgten Belgien(920 000), Polen(820 000), Mexiko(710 000), Australien(630 000), Holland(660 000), Indien(500 600), während in den übrigen Ländern die Zahl der organisierten Arbeiter weniger als eine halbe Million betrug. Diese Zahlen umfassen aber die ver⸗ schiedensten Gewerkschafts richtungen; einen richtigeren Begriff von dem Charakter des gewerlschaftlichen Kampfes in der Welt und den einzelnen Ländern bekommen wir erst, wenn wir die Verteilung nach Gewerkschafts richtungen untersuchen. z
Fast die Hälfte der organisterten Arbeiterschaft der Welt(22, Millionen) ist dem Internationalen Gewerkschaftsbund angeschlossen und stimmt also seinen allgemeinen Richtlinien zu. Die andere Hälfte verteilt sich auf folgende Weise: 7,1 Millionen giht die„kommu⸗
nistische Internationale“ an(davon 6.9 Millionen in Rußland):
6,6 Millionen sind in„Neutralen Organisationen“ vereinigt: das sind die meisten Gewerkschaften der Vereinigten Staaten(3,9 Millionen, bekanmtlich sind sie im Jahre 1920 aus der Internationale ausge⸗ treten), die Hirsch⸗Dunckerschen und die unabhängigen Vereine Deutschlands(1,8 Mistionen) und ähnliche(nattonale) Organisatio⸗ nen in der Tschecho⸗Slowakei, in Polen, Frankreich, der Schweig, und Holland. Weitere 3,8 Millionen entfallen auf die konfessio⸗ nellen Vereine; die Hälfte davon(18 Millionen) befand sich in Deutschland; auch in Spanien und Italien(je 400 000), in Holland, Belgien und Ungarn(je 200 000), in Polen und Frankreich(le 150 000) spelen ste eine gewisse Rolle.— Weitere 1.3 Millionen um⸗ sassen die syndikalistischen Verbände; die Hälfte davon (6635 000) befand sich in Spanien; ihm folgten die Synydfkalisten Deutschlands(250 000) und Italiens(100 000).— Endlich bleibt noch ein Rest von fünf Millionen Menschen, die unter der zweifel⸗ haften Rubrik:„Verschiedene Organisationen“ untergebracht sind: es sind erstens die Organisationen der außereuropäfschen Länder(Ver⸗ einigte Staaten, Australien, Indien, Meriko), soweit sie in ihrer Eigenart keiner der obengenannten Richtungen entsprechen; zweitens sind hier auch die italiensschen Fascisten(damals 200 000 an der Zahl), die tschecho⸗flowakischen Nationalisten und ähnliche Gruppen untergebracht. a
Seit dem letzten Friedensjahr hat sich die Mitgliederzahl ver⸗ dreifacht(1913: 7,7 Millionen, 1921: 22 Millionen), jedoch war der Mitgliederzustrom kein stündiger. Die Kriegsjahre haben einen Mitgliederrückgang in den kriegführenden, einen gewissen Zustrom in den neutralen Ländern herbeigeführt; Ende 1918 zählte der Inter⸗ nationale Gewerkschaftsbund 10,3 Milltonen. Das Jahr 1919— das der allgemeinen Arbeiteroffensive— erhöhte diese Zahl auf 23,2 Mil⸗ lionen. 1920 hat aber der Austritt Amerikas, der weiße Schrecken in Ungarn, das Abflauen in Frankreich und Italien, die allgemeine Weltkrise einen Rückgang der Mitgliederzahl verursacht, der 1921 sich fortgesetzt hat.
Die dem Internationalen Gewerkschaftsbund angeschlossenen 22 Millionen Arbeiter verteilen sich folgendermaßen auf die einzel⸗ nen Gewerbezweige: An erster Stelle stand die Metallindustrie mit 3,7 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern; ihr folgte ummittelbar das Transportwesen mit 3 Millionen Arbeitern. Auf diese beiden Wirt⸗ schaftszweige entfiel somit fast ein Drittel des gesamten Mitglieder⸗ bestandes der Gewerkschastsinternationale. Es folgten: das Bange⸗ werbe(2,5 Mill,), die ungelernten Arbeiter(2.1 Millionen), die Bergarbeiter(1,8 Millionen), die Textilarbeiter(1.7 Millionen), die Landarbeiter(1,5 Millionen). Je eine Million Mitglieder wiesen die Gewerkschaften der Staats- und Kommunalarbeiter und die An⸗ gestelltengewerkschaften auf. Die übrigen Kategorien zählten weniger als eine Million Mitglieder.
Narteinachrichten.
Von der Redakleurkonferenz.
Nachdem sich am Dienstag der Parteiausschuß mit der poli⸗ tischen Lage, insbesondere der Haltung unserer Partei zur Ruhr⸗ besetzung beschäftigt hatte, traten am Mittwoch im Reichstag die politischen Redakteure der Parteipresse zusammen, um die gleiche Frage zu erörtern. In einem einstündigen Referat gab Genosse Hermann Müller einen umfassenden Bericht über die Ursachen und die Folgen des Einbruchs der Franzosen und Belgier in das Ruhrgebiet Die Debatte ergab völlige Eiumsttigkeit über die von der Partei besolgte Politik, sodaß Genosse Wels am Schluß der Aussprache widerspruchslos feststellen konnte, daß sich auch die Leiter unsever Paxteipresse und damit sämtliche Körperschaften der Partei hinter die Parteileitung gestellt haben. Einmütig trat die Konferenz der am Dienstag vom Parteiausschuß angenommenen Entschließung bei
Im weiteren Verlauf der Beratungen wurde eingehend über die Tätigkeit des Sozialdemokratischen Parlamentsdienstes ge⸗ sprochen. Es wurden mannigfache Anregungen über die Ausge⸗ staltung des Dienstes gegeben und seine Haltung bei wichtigen vo⸗ litischen Fragen als richtig anerkannt
Lokale Parteinachrichetn. 5. Agitationsbezirk, Friedberg⸗Biidingen⸗Schotten. Gemeindevertreterkursus. Sonntag den 11. Februar finden in Stockheim die Kurse statt und zwar
und Echzell
Stockheim vormittags 10 Uhr. Gastwirtschaft Adam, Ref. Gen. Kroner⸗Vilbel. Gchzell, vormittags 10 Uhr, Gastwirtschaft Alt, Res. Gen.
Wittig⸗Butzbach.
Ich ersuche die Vorsitzenden die Gemeinderatsmitglieder auf den Besuch der Kurse nochmals hinweisen zu wollen. Kein Genosse darf sehlen. Mit Parteigruß Ir. Witige Sekretär.


