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sist. Familie mit 5 Köpfen, Mann, Frau und 3 Kinder unter
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Nr. 6 g
Gießen, Dienstag, den 9. Januar 1923
18. Jahrgang
Die unzureichende Steuerermäßigung.
Uns wird geschrieben:
Das Jahr 1922 hat den deutschen Lohn⸗ und Gehalts- empfängern keine Erleichterung in ihren Nöten gebracht.“ Im Gegenteil; trotz durchschnittlich guter Beschäftigung ist ie gesamte Lebenshaltung der gegen Entgeld Beschäftigten,
ganz zu schweigen von den Rentnern, Witwen u. a. m., in
ingeheurem Maße gesunken. Unseren wirtschaftlichen ziedergang hat der Simplizissimus nach der Ermordung enaus richtig eingeschätzt, als er schrieb:„1 Toter und 0 Millionen Verwundete“. Tatsächlich zählen alle Lohn⸗ steuerpflichtigen, mehr wie andere Kreise, zu den„Verwun⸗ deten“, denen die neue Steuerregelung keine ernstliche inderung bringt. Abgesehen davon, daß der Lohnsteuer⸗ flichtige dem Veranlagungspflichtigen gegenüber seine Steuer immer mit„gutem“ Gelde bezahlen muß, ist in der er Reichsregierung von den Spitzenorganisationen der Ge⸗ schaften eingereichten Denkschrift festgestellt, daß die hnsteuer im Monat Oktober 72 Prozent der gesamten ichseinkommensteuer betragen hat. Wenn der Gedanke Quellenbesteuerung bei Beginn des Jahres 1922 noch nen großen Prozentsatz Anhänger mustern konnte, so dürf⸗ en, durch die Entwicklung im Laufe des Jahres, und durch die Neuregelung ab 1. Januar 1923 von diesen Anhängern i den Lohnsteuerpflichtigen wenig übrig geblieben sein. g Zunächst hat eine ungeheure Enttäuschung, ja Er⸗ erung, Platz gegriffen, daß für die letzten Monate des Ares, in denen die Teuerung geradezu wütend um sich riff, die Löhne nicht entsprechend folgen konnten und der Oprozentige Steuerabzug die Last zum Zusammenbrechen estaltete, keinerlei Rückvergütung oder Ausgleich geschaffen urde. Es erweckt den Anschein, als ob die gesetzgebende stanz den Arbeiterhaushalt in der wirtschaftlichen Voll⸗ aft der Friedenszeit bewertet hätte oder aber mit dem anken umging, was man hat, hat man, und wer weiß, ö wir von den Anderen noch bekommen und bis wann; un wir doch gezwungen find. 95 Prozent zwangsweise ditreiben zu lassen. Hier muß unbedingt ewas geschehen, um einen Aus⸗
gleich herbeizuführen, oder muß jeder eine Steuererklärung
m Finanzamt beantragen, und abgeben, damit ihm wenig⸗ stens die Möglichkeit gegeben wird, seinem Werbungskosten⸗ atz gerecht zu werden.
Wie sich nun die wirtschaftlichen Verhältnisse eines rbeiter- oder Angestellten⸗Haushastes im Jahre 1922 ge⸗ taltet haben, bedarf wenig Worte. Nehmen wir an, daß bei ginn des Jahres, der Dollarkurs betrug 195, ein Hand⸗ erkerstundenlohn Ml. 13.—, die damaligen Preise zu die⸗ en Zahlen in einem gewissen Einklang standen, wenn man sich damit abfindet, daß die Lebenshaltung sich bereits um bundsoviel Prozent verschlechtert hatte gegen die Friedens- seit. Der heutige Dollarstand pendelt um 8000, das ist ine 41fache Steigerung und die Preise stehen mindestens mit diesem Kurs, wenn nicht mit 9000 und höher im Einklang.
Um nun wenigstens zur Lebenshaltung vom Januar u kommen, müßten die Stundenlöhne mindestens zwischen
0.— und 600.— Mark stehen, und tatsächlich erreichen sie ur in einigen Fällen 400.— Mark. Das bedeutet, daß der aushaltungsriemen um ein Drittel enger geschnallt worden Nun vergleichen wir die steuerliche Belastung einer
17 Jahren, die leistete im Januar bei einer 46stündigen rbeitswoche wöchentlich 17.80 Mark Steuer. Ab 1. Januar leistet dieselbe Familie bei 400 Mark Stundenlohn und der⸗ selben Arbeitszeit wöchentlich 784 Mark Steuer(„gutes Geld“), das ist das AAfache und entspricht unter dem oben geschilderten„Einklang“ einen Dollarkurs vom 8580.— Mk. Der Kapitalist wird sagen:„Die Rechnung stimmt so iemlich“ und wir sagen:„Das ist doch ein Skandal“. Hätte an gemäß der 41fachen Steigerung des Dollars die Steuerermäßigung festgesetzt, so müßte die fragliche
Familie nur 118 Mark wöchentliche Steuer entrichten, und
hätte man tatsachlich auf soziale Einsicht schließen können. Aber so stehen wir einer mindestens 41fachen Verteuerung der Lebenshaltung im vergangenen Jahre gegenüber, der nur eine 31fache Erhöhung der Löhne und nur eine 25. fache erhöhte Lohnsteuerermäßigung gegen- übersteht. Das bedeutet, daß die bereits um ein Drittel zurückgeschraubte Lebenshaltung noch durch die Steuer um ein weiteres zurückgedrängt wird.
Nun besteht aber auch die Gefahr, daß durch die unzu⸗ länglichen Löhne eine weitere kleine Lohnerhöhung über die 400 Mk. Stundenlohn das Jahreseinkommen bei 2400 Ar- beitsstunden über 1000 000 Mk. beträgt, und von da ab 15 Prozent Steuer zu entrichten sind. Ueber 1 Million
Der Wahusinnstaumel des französischen Imperialismus.
Ein französischer Kriegsrat. Die Ruhrgebietsbesetzung in der Mittwochsnacht? Am Samstag hat in Paris zunächst eine Sitzung des Ministerrats und im Anschluß daran im Elysee unter dem Vorsitz Millerands, des Präsidenten der Republik, eine Konferenz stattgefunden, an der außer
Poincaré der Kriegsminister, der Minister der öffent⸗
lichen Arbeiten und Marschall Foch teilgenommen haben. Nach dem offiziellen Communiqus bildete die „Durchführung der vom Ministerrat als Sanktionen für die bereits festgestellten und am Dienstag noch festzustellenden Verfehlungen Deutschlands beschlossenen Maßnahmen“ den Gegenstand der Beratungen. Die Form dieser Mitteilung wird dahin gedeutet, daß der geplante Einmarsch ins Ruhrgebiet bereits in dieser Woche unmittelbar im Anschluß an den für Dienstag erwarteten Beschluß der Reparationskommission be⸗ fohlen und wahrscheinlich in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch vor sich gehen werde.
Am Donnerstag soll Poincars das vollzogene Er⸗ eignis der französischen Kammer offiziell mitzuteilen beabsichtigen.
Zunächst nur bis Essen?
Nach Mitteilungen, die der Pariser Korrespondent der Fr. Ztg. allerdings als schwer kontrollierbar bezeichnet, soll die fran⸗ zösische Regierung die Absicht haben, den Vormarsch zunächst nur
bis Essen auszudehnen, in der Erwartung, daß die deulsche Re⸗ gierung dann die Initiative zu direkten Verhandlungen ergreifen
werde. Von deren Ergebnis sollen dann die Verhängung wei⸗ terer Sanktionen und der Umfang der zu ergreifenden produk⸗
tiven Pfänder abhängig gemacht werden. Belgien hat die Mitwirkung beschlossen. Die Agence Belge meldet: Im Ministerrat berichteten Theunis und Jaspar über die Arbeiten der Pariser Kon⸗ ferenz. Der Ministerrat billigte einstimmig die Haltung der belgischen Delegierten und beschloß als Folge der Konferenz Aus führungsmaßnahmen.
Ein ganzes Kriegsheer.— Neun Divisionen! Die Besetzung soll mit einem Riesenaufwand erfolgen: Tanks, Aulomobil⸗Mitrailleusen, Panzerautos und Flugzeuge werden zur Verwendung kominen; ferner ein poar Schwadronen Kavallerie, dagegen weniger Artillerie. Neun Divisionen(80 bis 100 060 Mann) sollen nach einer Brüsseler Meldung des Journals aufgewendet werden; sieben soll Frankreich und zwei Belgien stellen, das auch einen Jahrgang seiner Landwehr aufrufen wird. Allerdings sagt man sich in Brüssel, daß man mit weniger Trup⸗ pen auskommen könnte. doch steht das belgische Programm sest. Die französische Regierung scheint ursprünglich die Absicht ge⸗ habt zu haben, in Anbetracht der Stimmung in England und Amerika und mit Rücksicht auf gewisse Strömungen in der öffent⸗ lichen Meinung des eigenen Landes die militärische Aktton auf ein Minimum zu beschränken und sich mit der Entsendung kleinerer Detachements zum Schutz der mit der Ausführung der wirtschaft⸗
lichen Sanktionen betrauten Beamten und Ingenieure zu be⸗ gnügen. Foch und seine Offiziere aber haben den Plan„aus
Gründen mikitärischer Sicherheit“ abgelehnt und als Mindestzahl
Truppen hat
der zur Durchführung der Operationen erforderlichen 5 80 000 100 000 Mann angefordert. Der Militarismus also wieder einmal über das letzte bischen Vernunft gesiegt. Das Kopfzerbrechen über die wirtschaftlichen „Sanktionen“ f Daß mit einem schneidigen Kriegsmarsch in das Indu— striegebiet und mit glanzvoller Fochstrategie die Franken noch lange nicht aus dem deutschen Industriegebiet nach Paris fließen werden, hat Poincars sicher schon längst erkannt. Und besonderes Kopfzerbrechen macht ihm die Frage, wie eee eee eee eee
Mark Einkommen! Welch hohe Zahl; aber leider sind die Tausendmarkscheine zum Kleingeld geworden und die Ar— beiterschaft hat klein Hemd mehr auf dem Leibe. Unser Geld ist inhaltsleer geworden, trotzdem die gesamte Hand- und Kopfarbeiterschaft seit Kriegsende sich eifrig bemüht hat, Werte zu schaffen. Dieser Widerspruch im Zusammenhang mit dem Spekulanten⸗ und Wuchertum in Verbindung mit der Verwässerung und Hinterziehung der Steuer, bringt die Werte schaffender Arbeiter an den Rand der Ver— zweiflung. N
Man wollte die Mahnworte der Sozsaldemokraten bei der Steuerberatung nicht hören. Erneut rufen, die Gewerk- schaften und die Vereinigten Sozialdemokratischen Parteien und fordern: Das Lohnsteuergesetz muß sofort gemildert und für 1922 ein Ausgleich geschaffen werden.
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man wohl die deutschen Ruhrarbeiter anfassen müsse. Denn ohne deren Sklavenarbeit ist jede Aussicht auf wirtschaftliche Erpressungen hinfällig. Da ist es zunächst das Problem, in welcher Währung die Entlohnung der Sklavenarbeit, zu der die Bajonette des Herrn Foch die deutschen Arbeiter zwingen will, erfolgen soll. Die Frankenbezahlung scheint man auf⸗ gegeben zu haben, weil die Kosten hierfür zu groß sind. Wahrscheinlich werden lokale Währungen geschaffen werden, die bloß in gewissen Grenzen Kaufkraft haben sollen. Wie der Newyork Herald mitteilt, sollen die deutschen Arbeiter dadurch gewonnen werden, daß man ihnen Nahrungsmittel zu billigeren Preisen zur Verfügung stellen will, aber auf Kosten der Bergwerksbesitzer.— Daß auch dieser Köder nicht ziehen wird, das wird Herr Poincars sicher bald zu spüren bekommen. Die deutschen Arbeiter wollen auch um den Preis eines Zuckerbrotes nicht die Sklaven des Imperia⸗ lismus der französischen Großkapitalisten werden. Sie wollen im Rahmen der deutschen Republik ihren Kampf mit der kapitalistischen Wirtschaft auskämpfen.
Die Hoffnungen auf eine Erpresser⸗Milliarde.
In Frankreich erwartet man, daß, wenn einmal erst die prodnk⸗ tiven Pfänder ergriffen worden find, England an deren Ergebnis auch seinen Anteil wird nehmen wollen. Weiterhin errechnet man in Paris nach der Daily Mail ein Ergebnis von etwa einer Mil⸗ liarde Goldmark; und zwar für die Kohlenlieferungen 360 Mil⸗ lionen, für die Stickstofflieferungen 60 Millionen, für Ausfuhrtaxe 400 Millionen, für auswärtige Devisen aus der Ausfuhrtaxe 20 Millionen, für die Kohlenstener 120 Mill, zusammen etwa eine Millarde Goldmark. Der ganze Plan soll, der Daily Mail zufolge, in sechs Tagen durchgeführt werden. Italienische, französische und belgische Ingenjeure und Zolloffiziere sollen durch die Truppen ge⸗ schützt werden. Belgien hat seine Ingenienre angeblich schon mobili⸗ siert, die einstimmig erklärten, bei der Ausbeutung der Kohlenberg⸗ werke mittun zu wollen.—
Arbeiter merkt auf! Aus eurem Schweiß und aus euren Mus⸗ keln soll die Goldmilliarde gepreßt werden.
Die sozialistische Internationale gegen die Nuhrbesetzung.
Die Internatiale Sozialistische Tagung in Köln hat folgende Entschließung einstimmig angenommen:
Das Aktionskomitee hat die Mitteilung des Ge⸗ nossen Wels über die Mißbräuche, unter denen die Bevölkerung des besetzten Gebietes leidet, mit beson⸗ derer Aufmerksamkeit entgegengenommen und fordert die sozialistische Presse auf, diese Tatsachen zur Kennt⸗ nis der Oeffentlichkeit zu bringen. Das Aktions⸗ komitee lenkt mit besonderem Nachdruck die Aufmerk⸗ samkeit aller Arbeiter auf die schweren Gefahren hin, die für den Weltfrieden aus der durch das Scheitern
der Pariser Konferenz geschaffenen Lage entstehen.
Es bestätigt nachdrücklich die Beschlüsse vom Haag und Frankfurt über die Notwendigkeit, so rasch als möglich den militärischen Besatzungen durch Truppen aller alliierten Nationen ein Ende zu machen und die Wiederherstellung der durch den Krieg zerstörten Ge⸗ biete in der von den proletarischen Organisationen vorgeschlagenen Weise durchzuführen Das Aktions⸗ komitee protestiert mit aller Kraft gegen die Politik, die unter dem Vorwand der Pfandnahme gewaltsame Maßregeln gegen Deutschland, insbesondere die mili⸗ tärische Besetzung des Ruhrgebiets befürchten läßt, und fordert die sozialistischen Parteien auf, diese Politik mit Entschlossenheit zu bekämpfen.
Das böse Gewissen. Poincaré beruhigt die Kleine Entente.
Der Matin schreibt: Poincars hat nach Warschau, Bukarest, Prag und Belgrad telegraphiert, um die be⸗ freundeten Regierungen über die durch die Konferenz ge. schaffene Lage zu unterrichten. Sie können aber beruhigt sein, man werde von ihnen nicht verlangen, zwischen den beiden Mächten zu wählen, die die hauptsächlichsten Gründer ihrer staatlichen Einheiten gewesen sejen. Sie wüßten, daß Frankreich mit ihnen sei. Es sei unwahrscheinlich, daß Eng⸗ land in dem Bestreben, Deutschland zu schonen, soweit gehen werde, seine Interessen hintanzustellen.
Gegnälte Dumpfheit in Paris.
Der Frankfurter Zeitung wird über die Stimmung in Paris dezuoldet:


