Gießen, Samstag, den 7. Avril 1923.
eilage zur Oberhessis chen Volkszeitung Nr. 79
Gießen und Umgebung.
. Die Freiheit im alten Staat. unter anderen gewagten Behauptungen hat Herr Rechtsanwalt Fischer in dem Prozesse Lenz-Vetters 5 nach dem Bericht des Gießener Anzeigers vom 27. März auch folgende aufgestellt: 5 In dem alten Staate hat hier in Gießen ein Lehrer 80 Jahre unangefochten gewirkt, von dem es als offenes Geheimnis galt, daß er Sozialdemokrat war. Gegen diesen e ist niemals etwas unternommen worden. Jetzt er⸗ treuen wir uns seit über 3 Jahren eines freien Vollsstaates, und schon schießen überall das Denunziantentum, die Ge⸗ sinnungsschnüffelei und Spioniererei üppig ins Kraut.“ Welche Phantasien! Da kann der Sachkenner nur den Kopf schütteln. Ein sozialdemokratischer Lehrer foll„unangefochten“, also vom„Denunziantentum nicht be⸗ lästigt und von seiner„vorgesetzten Behörde“ geduldet, 30 Jahre lang unter der nationalliberalen Regierung gewirkt Haben, die keinen sozialdemokratischen Beigeordneten, keinen sozialdemokratischen Nachtwächter je bestätigt hat, unter der der bekannte Staatsrat Süffert es sich zur Ehre angerechnet und in öffentlicher Kammersitzung verteidigt hat, daß er keine Turnsäle staatlicher Schulen für sozialdemokratische Turnvereine hergab, und daß er es einem Oberlehrer ver⸗ bot, einem sozialistischen Arbeiterverein physikalische Vor ⸗ träge zu halten? Was weiß Herr Rechtsanwalt Fischer eigentlich von jenem„offenen Geheimnis“, das sich zweifel⸗ los zunächst auf Pennäler⸗ und Familiengeschwätz gründete? Was ist überhaupt ein„Sozialdemokrat“? Ein seiner Ge⸗ sinnung nach zur Sozialdemokratie gehöriger Mensch oder ein eingeschriebenes Mitglied dieser Partei? Und wie will Herr Fischer beweisen, daß„niemals etwas gegen jenen g aßen wurde“? Meint er damit, daß der Lehrer nicht entlassen wurde, so ist die allgemein gehaltene Behauptung zwar richtig, aber irreführend; meint er aber,
f leichtfertig. Denn was kann Herr Fischer davon wissen? Der Lehrer ist vielleicht wegen seiner Treue zu seiner politi⸗ 1 schen Ueberzeugung noch besonders geehrt und befördert 90 worden? Der„Verkehr mit Dr. David“ ist seinem Freunde, der die Freundschaft auch nach dem Ausscheiden Dr. Davids aus dem Schuldienst und seinem Uebertritt zur Sozialdemo⸗ kratie natürlich nicht aufgab. wohl jederzeit nützlich ge wesen?? Denunzianten gab es gewiß damals überhaupt nichts?? Der Universitätsprofessor der Geschichte, Geheimrat O., der damals zu dem Direktor jenes Lehrers eilte und ihn nach dem Abgange Dr. Davids vom Gymnasium auf einen „zweiten Sozialdemokraten“ unter seinen Lehrern aufmerk⸗ am machte, hat beileibe nicht„denunziert“; er tat, was er at, natürlich nur aus wohlerwogenem Staatsinteresse, unter dem sittlichen Zwange seiner nationalliberalen Vater⸗ landsliebe gegenüber dem inneren Feind. Zu welcher Ver⸗ lierung aller sittlichen Begriffe mußte es auch führen, wenn jener Freund Dr. Davids, also jener„Sozialdemokrat“, flrderhin die Söhne der staatserhaltenden Gesellschaft in Latein und Griechisch unterrichtete? Der nationalliberale Weltuntergang drohte, Gefahr war im Verzug— also! Und als eigens der(übrigens besonders täppische) Oberschulrat S. im Auftrage des Geheimen Staatsrates v. Kn., der da · mals das hessische Schulwesen leitete,(dieser wiederum veranlaßt durch einen Wink des regierenden Staatsministers dene, F., der seinerseits ein Gespräch von Oberlehrern in einem daß s Eifenbahnabteil erlauscht hatte), von Darmstadt nach Gießen
Stadttheater Gießen. Lustspiel in 3 Akten von Hermann Bahr. . Spielleitung: Adolf Teleky. Der Begründung unserer Theaterleitung für die Einstudie rung dieses Stlckes mit der Tatsache, daß der Dichter in diesem Jahre 60 Jahre alt wird, hätte es nicht bedurft, um die Aufführung zu rechtfertigen. Im Gegenteil: es wäre unverantwortlich, wenn das likum etwa bis zum 70. Geburtstage Hermann Bahrs warten müßte, um seine geistreiche Liebenswürdigkeit wieder von der Schau⸗ bühne herab zu vernehmen. N Hermann Bahr ist am 19. Juli 1863 zu Linz geboren, stu⸗ ut!“ fagte 1 dierte in Wien, Graz und Czernowitz die Rechtswissenschaften, bereite une nien Frankreich, Spanien und Rußland, lehnte sich in Paris an Maurice nic Ehn— mit großem Einfluß in Wien lterarisch und als Theaterkritiker tätig und ist als Schriftsleller ungemein fruchtbar gewesen. Er soll den Begriff der(dekadenten) „Moderne“ auf dem Gebiete der Literatur geschaffen haben und ist D ohne eigentlich aus den Grenzen des Feuilletonismus in das Reich 0 der wahren Kunst je eingetreten zu sein— ein mit Recht beliebter WMopeluftspieler geworden. Und sein belicotestes Werk ist das 1900 erschienene„Konzert“ Ueber die Aufführung im Berliner Lessing⸗ en, Theater am 23. Dezember 1909 schrieb Arthur Cloesser im Lite⸗ „ barischen Echo(S. 659):„Hermann Bahrs„Konzert“ hat allgemein befriedigt.“ Dieses Kritükers weiteres Urteil:„Man lacht, un Himerher zu lächeln, und schließlich, wenn auch trockene und flache Stellen zu überschreiten waren, verzeiht man dem num dramatisch gesestigten Feufllelonisten die halben und schlaffen Bemühungen mit denen er uns früher geärgert hat“, verteilt richtig Licht und Schatten beim Werk und beim Dichter. 1 5 Die Handlung besteht in einer Sittenschilde rung nach franzö⸗ fjssschem Geschmack; man fühlt, Bahr billigt den Ehebruch, weil er so „ett“ und vor allem so„modern“ ist. Moderne Decadence! Der„Pianist Gustav Heink“ ist berühmt genug, um sich das Dausrverbrechen des Chebruchs unbeanstandet leisten zu können. Halb Gewaltmensch, halb Kind, verlangt er von seiner Frau und der Welt, — 970 1275„Kunst“ und seiner ee 5— 105. vechselung“ zu gönnen. Und die Welt und seine Frau, die wenige ene gleichgestellte Lebensgefährtin als seine mütterliche Haushälterin it, gewährt resigniert, halb aus Liebe, halb aus Decadence. Und en Künstler schwärmen nun all die kleinen Mädchen und ver⸗ heirateten Frauen, die dem„Professor“ ihr Herz und— noch mehr zu Füßen legen. Von Zeit zu Zeit gibt der„Meister“ auswärts ein 700 zert“, d. h. so sagt er seiner Frau und der Welt— und beide 50 enn e wie wenn sie es glaubten. In Wirklichkeit fährt er mit einer f gerabe besonders gefallenden
un Schlilerin auf seine Jagdhütte zu 1 aalanten Abenteuer, denn das braucht er— seiner( enst zu
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Barres an, war in Berlin, dann
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5 daß er nicht„diszipliniert“ oder angeklagt wurde,, so ist sie
fuhr, um„die Erregung von Unzufriedenen unter jüngeren Oberlehrern über Gehaltsverhältnisse“ auf jenen„sozial⸗ demokratischen“ Kollegen„mutmaßlich“(1) zurückzuführen (der natürlich an dieser Unzufriedenheit der durchweg nationalliberalen Kollegen und ihrer Erregung so wenig schuldig war, wie der nationalliberale Staatsminister selbst), so trug das alles und vieles andere, was wir einstweilen nicht erwähnen wollen, sicher nur zur unverkümmerten Dienstfreudigkeit des„Sozialdemokraten“ bei: er blieb ja „unangefochten“! f
Nein, Herr Rechtsanwalt: wenn etwas„diesen Herrn“ in seiner oppositionellen Gesinnung noch bestärkt hat, so war es die zunehmende, teilweise an der eigenen Person erprobte Einsicht in die Kleinlichkeit und Kläglichkeit des damaligen alten Regimes, dessen Freiheitlichkeit jetzt von Ihnen ge⸗ priesen wird. Was nicht konservativ oder nationalliberal war, galt nicht für voll bei der herrschenden Clique und war mindestens von der Beförderung in leitende Stellungen von vornherein ausgeschlossen. Wie dieser Staat selbst den zahmen politischen„Freisinn“ verfolgte, dafür wird manchem Miterleber jener„herrlichen“ Zeiten allein auf dem Gebiete des Schulwesens die Behandlung des Lehramts⸗ assessors Dr. Textor in Gießen, die Maßregelung des Ober⸗ lehrers Dr. Stork im„Großherzogtum Heyl“ u. a. in trauriger Erinnerung stehen. Wie hätte es da nun gar ein sozialdemokratisch gesinnter Beamter(„ein innerer Wider⸗ spruch“ nach der Auffassung jener Zeit, die Monarchie mit Staat gleichsetzte und nur„gottgewollte“ Obrigkeiten kannte) wagen dürfen, sich so offen gegen den alten Staat zu be⸗ kennen, wie es heutzutage z. B. die deutschvölkischen und die deutschnationalen Oberlehrer allenthalben und unaufhörlich gegen den neuen tun, unter skrupelloser Ausnutzung der jetzt herrschenden politschen Freiheit?—„unangefochten“! Höch⸗ stens gelegentlich„im Interesse des Dienstes versetzt“.
Wenn in jenen ganzen 30 Jahren„nichts gegen diesen Herrn unternommen wurde“, so war einzig und allein deshalb(das wollen wir Herrn Fischer verraten), weil nichts gegen ihn unternommen werden konnte. Gedanken und Gesinnungen konnten schließlich sogar im alten Obrigkeits⸗ staate preußischer Observanz nicht leicht„diszipliniert“ wer⸗ den. Aber wir sehen noch das Entsetzen oberer Stellen und die Schreibereien, die es verursachte, als jener„Sozialdemo⸗ krat“ die Teilnahme an der Bismarckfeier 1895 ablehnte. Am tollsten war es schließlich, als er dem für sein Dienst⸗ alter fälligen„Philippsorden“ auswich. Allen Ernstes wurde damals in interessierten Kreisen die Frage ventiliert,
nung durch einen Orden abzulehnen! Hätte sich nun dieser in politischer Beziehung höchst verdächtige Staatsbeamte schließlich so offen zur Sozialdemokratie bekannt, wie sich heute die treudeutschen Oberlehrer gegen die Republik be⸗ kennen, welches Schicksal hätte er dann gehabt? Keinen Tag wäre er länger im Schuldienst geblieben, sofort und unver⸗ züglich wäre er, schon zum warnenden Exempel und aus Gründen der„Staatsgefährlichkeit“, aus Amt und Brot ge⸗ jagt worden. Wir dürfen also annehmen, daß unser„So⸗ zialdemokrat“ mit Absicht damals seiner vorgesetzten Be⸗ hörde nicht den Gefallen tat, das„Geheimnis“ so„offen“ zu machen, daß sie ihn hätte disziplinieren können.
Es lag uns wahrlich fern, persönliche und gewiß nicht weltbewegende Erlebnisse aus persönlichen Gründen hier vorzutragen. Wenn wir trotzdem eingehender über diesen Fall gesprochen haben, so freuen wir uns, daß eine leicht⸗ fertige und törichte Bemerkung eines reaktionären Rechts⸗ anwalts uns den Anlaß gab, an diesem kleinen Fall, gewiß nur einem von vielen, die innere Unsittlichkeit
Liebe. Diesmal ist„Frau Delfine“ die Auserkorene. Aber eine an⸗ dere Verehrerin sucht aus Neid, nicht aus Moral, das Schäferstünd⸗ chen zu stören. Sie sendet dem Ehemann der Abenteuerin ein War⸗ nungstelegramm, dieser verbündet sich mit der Ehefrau des Künst⸗ lers, die Ausgerissenen werden überrascht,„Frau Delfine“ geheilt und beinahe auch der„Meister“. Schon glauben wir ihn gebessert, da naht die Warnerin und wenn der Vorhang fällt, liegt er in ihren Armen— denn er braucht das.
Der Künstler, seine Frau(Marie), der betrogene Ehemann (Dr. Franz Jura), dessen Gattin(Delfine) sind fein ziselierte Figu⸗ ren eben der modernen Décadence. Liebenswürdig und liebenswert, aber moralisch defekt. Auch der„Dr. Jura“, als Vertreter eines guten und nachsichtigen Menschentums, das aber nicht auf Sitte und Kraft, sondern auf Verfall aufgebaut ist. Und doch ist er, sobald er die Bühne betritt, unser aller Freund. Denn der Dichter hat keinen idealen Hampelmann geschaffen, sondern eine rein menschliche, nicht nur menschenähnliche Gestalt. 8
Die Erstaufführung am 4. April bedeutete einen vollen äußer⸗ lichen und innerlichen Erfolg. Die Palme des Abends gebührt ohne Zweifel Wolf Leutheiser, der den„Dr. Jura“ verkörperte. Wir haben hier in modernen Stücken noch selten eine so natürliche und daher echt künstlerische männliche Gestalt auf der Bühne gesehen. Aber so wie Wolf Leutheiser klassische Rollen unbedingt ferner liegen, so ruht umgekehrt Karl Lambertins Größe auf klassischem Ge⸗ biete. Selbstverständlich war sein„Pianist Gustav Heink“ eine in jeder Veziehung einwandfreie Leistung, aber sie war nicht groß wie sein„Orest“ und sein„Don Juan“ es im höchsten Grade gewesen waren. Herrn Feigel möchte die Rolle vielleitch besser gelegen haben. Eine Meisterleistung, namentlich auch im Spiel, mit dem ein⸗ zigen nur zu verzeihlichen Fehler, daß Jugendanmut auch durch Schminke auch nicht fortzuzaubern waren, brachte ums Karla Keller als die vielbeneidete und vielgeplagte Gattin des Künstlers. Ein ent⸗ syrechendes Lob gebührt der Frau Delfine Cläre Turks, eine dem Leben fein abgelauschte Figur. Statt der erkrankten Kitty Franke, der die Rolle wohl auch weniger entsprochen hätte, war Ilse Wissendorff eingesprungen und wußte die nicht leichte Gestalt aufs beste wiederzugeben. Rudolf Goll und Auguste Marcks: zwei köstliche Typen. Else Engel als„Fräulein Wehner“ spielte lobenswert und flott, das letztere vermißten wir etwas bei Lore Schatte, während die übrigen Darsteller der„Schülerinnen“(Gisa Iven, Luise Rammel, und Luise Schubert⸗Jüngling) für Bewegung und Leben sorgten. Karl Holl gab den Chauffeur.
Adolf Telekys Spielleitung war ganz ausgezeichnet; der zweite Akt noch etwas flotter: und besser könnte das„Konzert“ nir⸗ gends herausgebracht werden. Mögen auch die weiteren Aufführungen gleich ausverkaufte Häuser erleben! Li.
ob ein Beamter überhaupt dazu berechtigt sei, die Auszeich⸗
jener Zeit des Zwangs und der Kaisergeburtstagsessen, der Unfreiheit und des Spalierstehens vor Wilhelm II. zu be⸗ leuchten und somit das wahre Gesicht der monarchischen Ver⸗ gangenheit zu enthüllen.
Der Freiheit des Beamten im guten alten Staat aus diesem Falle einen Ruhmeskranz zu winden, dazu gehört schon eine ganz ungewöhnlich dreiste Spekulation auf die Vergeßlichkeit der Menschen. Selbst einer wahrhaft talmudischen Rabulistik des advokatorisch gerissensten, mit allen Hilfsmitteln eines reaktionären Zettelkastens reich⸗ lichst ausgerüsteten Verteidigers der herrlichen bismärkischen und wilhelminischen Zeit dürfte es schwerlich gelingen (wenigstens bei anderen Menschen als seiner naiven oder fanatischen Anhängerschaft, deren schwache Seite historisches Urteil und unbefangene Abschätzung ist), die pseudoliberale, tatsächlich konservative Regierung des ehemaligen Groß⸗ herzogtums Hessen nachträglich als Beschützerin staats⸗ bürgerlicher Freiheit zu feiern! Das hieße, sich stellen, als ob man seine Zeitgenossen für so dumm hielte, daß sie sich weismachen ließen, es hätten Rosen auf Disteln wachsen können.
— Steuer- und Wirtschaftsfragen. Ueber dieses Thema spricht am nächsten Dienstag Reichstagsabg. Gen. Sold⸗ mann in öffentlicher Versammlung im Saale des Gewerkschaftshauses. Die Steuerfragen stehen gegen⸗ wärtig im Vordergrunde der innerpolitischen Angelegen⸗ heiten, es dürfte daher jedem ein sachkundiger Vortrag dar⸗ über willkommen sein. Soldmann war Mitglied des Steuer⸗ ausschusses. Zahlreicher Besuch der Versammlung, die um 8 Uhr beginnt, darf deshalb erwartet werden.
— Wohnungsbauten. Wegen der riesig hohen Baustoffpreise kann bekanntlich nicht viel gebaut werden und deshalb dauert die Wohnungsnot noch immer weiter an. Die Kosten der Herstellung einer bescheldenen Dreizimmerwohnung geht schon in die Mil⸗ Itonen. Trotzdem bemüht sich die Stadt, wenigstens das Möglichste zu tum. Eine Anzahl Häuser sind in Angriff genommen worden. Das Eckhaus der Stephan⸗ und Gnauthstraße, das neun Woh⸗ nungen erhalten soll ist in etwa 14 Tagen schon über die Grund⸗ malbern herausgewachsen. Es wird von der Bauhütte gebaut.
U— Anmeldungen zur Volksschule. Nächsten Montag 9. April, beginnt für die Volksschule wie auch für die Fortbildungs⸗ schule das neue Schulfahr. Der Unterricht beginnt am folgenden Tage. Für die Anmeldungen der schulpflichtig werdenden Kinder sind die Stunden von 9—10 Uhr vormittags am Montag in den betreffenden Schulhäusern festgesetzt; die Fortbildungsschüler sind am selben Tage nachm. von 2—3 Uhr für die einzelnen Abteilungen anzumelden.— Nach der Bekanntmachung des Stadtschulamts. auf die wir hinweisen, sind fortbildungsschulpflichtig alle Schüler und Schütlerimmen, die an letzten Ostern aus der Volksschule entlassen oder aus höheren Schulen nach weniger als 10jährigem Schul⸗ besuch ausgetreten sind. 5
— Neue Lehrkräfte an den Gießener Schulen. An die Gießener Volksschulen wurden, wie aus den amtlichen Perfonalnach⸗ richten zu entnehmen ist, folgende Lehrer und Lehrerinnen versetzt: die Lehrer Heinrich Simon zu Dieburg, Friedrich Westphal zu Wieseck, Heinrich Weisel zu Mainzlar, die Schul⸗ amtsamwärter Heinrich Dern aus Großen⸗Linden, Ernst Simon aus Wahlen, Kreis Alsfeld; die Lehrerin an der Höheren Bürger⸗ schule zu Alsfeld Elisabeth Schonebohm die Schulamtsanwär⸗ terin Magdalene Hammer aus Thann i. Elf.
— Stadttheater Gießen. Das Schauspiel Goethes Iphigenie auf Tauris“ kommt morgen, Sonntag, als Nachmittags vorstel⸗ lung zur Aufführung. Eine Besprechung der ersten, Aufführung des Werkes brachten wir in der Mittwochnummer. Es ist eines der be⸗ deutendsten Werke des großen Dichters, das anzusehen kein Theater⸗ freund versäumen sollte. Abends wird die Operette„Die Dollar⸗ prinzessin“ nochmals wiederholt und am Montag abend wird das Ibsensche Schauspiel„John Gabriel Barkmann“ zum zweiten Male gegeben.— Es sei darauf hingewiesen, daß die Auf⸗ führung von„Iphigenfe auf Tauris“ am Sonntag nachmittag bei Heinen Preisen stattfindet, damit Schüler und Schülerinnen Gelegen⸗ heit haben, die letzte Aufftihrung des klassischen Meisterwerkes sich anzusehen.
— Sparsames Kochen und Heizen. Im Saale des Kathol. Ver⸗ einshauses wird eine Ausstellung veranstaltet, die sich mit spar⸗ samer Verwendung der Heizstoffe befaßt. Bei den ungeheuren Kohlen⸗ preisen hat jedermann ein Interesse an sparsamer Verwendung der Brennstoffe. So wird für Gasersparnis ein Deckelschiff gezeigt, in dem man bis zu drei Liter Wasser ohne Extrafeuerung kochen kann: weiter eine dreiteilige Dampfkochgarnitur, die das gleichzeitige Kochen von drei Gerichten auf einer Flamme ermöglicht und 65 Prozent und mehr aller Brennmaterialien ersparen läßt. Die Garnitur fesselt ganz besonders die Aufmerksamkeit der Besucher. Auch in der Kohlen⸗ kliche lassen sich bis zu 80 Prozent aller Brennstoffe durch einen äußerst sinnreich konstrujerten, von ersten Fachleuten überaus lobend anerkannten Apparat„Küchenschatz“ ersparen. Der Apparat verdient seinen Namen in der Tat; denn wenn man mit einem halben Bri⸗ kett 8—10 Stunden Glut halten und kochen kann, mit einem ganzen Brikett sogar 20—24 Stunden, dann kann man gewiß sparsam mit dem Brennmaterial umgehen. Heute Samstag und Sonntag von 11 bis 12½ und 2½ bis 6 Uhr nachmittags ist die Ausstellung nochmals geöffnet. Ebenfalls finden Vorträge nochmals statt. Inserat siehe in heutiger Nummer.
Kreis Friedberg⸗Büdingen.
Butzbach. Eine sozialdemokratische Kund⸗ gebung wurde vorige Woche hier gegen die Ruhrbesetzung veran⸗ staltet. Genosse Wittig hielt dabei das Referat: Flugs waren die Kommunisten dabei uns zuvorzukommen und beriefen am Abend vurher selbst eine Versammlung im gleichen Saale ein. Sie hatten aber damit keinen Erfolg. Ganze 45 bis 50 Personen waren an⸗ wesend, während in unserer Versammlung am nächsten Abend Massenandrang zu verzeichnen war. Darob herrscht nun bei den Kommunisten großer Aerger, und da sie bei ihren Parteigenossen mit der Wahrheit nicht durchdringen können, müssen„Ver⸗ drehungen“ herhalten, mit denen im Nauheim-Frankfurter Kommu⸗ nistenblatte operiert wird. In der Diskussion erklärte der Führer der hiesigen Kommunisten, Oppenheimer, mit einigen kleinen Aende⸗ rungen könne man sich mit den Ausführungen des Genossen Wittig einverstanden erklären.
Kleine Nachrichten.
Bedauerlicher Unglücksfall. Wie das B. T. aus Augsburg meldet, überfuhr auf der Landstraße nach dem Lager Lechfeld bei Königsbrunn ein Automobil ein Motorrad, auf dem sich der prak⸗ tische Arzt Mühlhäuser, Inhaber eines chirurgischen Instituts und sein Assistent Eisenlohr befanden, die von einer Operation in Landsberg a. Lech nach Augsburg zurückkehrten. Dr. Mühlhäuser
war sofort tot, der andere wurde schwer verletzt.


