Ausgabe 
7.3.1923
 
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von der Hinterpforte des Parks ein Auto abfuhr.

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Vahubofftraße 23 Ferusprecher 2008.

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e Volkszeitung

Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

Spedition: Gießen Bahnhofftraße 23 Fernsprecher 2008.

Di rb. Volkszeitung erscheint jeden Werttag vormittag in Gießen. 52 ee e mit den BeilagenDas Blast der A undLand⸗ wirtschaftliche Beilage. monatlich 3000. Mk. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezog. 3000. Mk. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 12 Mk

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Nr. 55

Gießen, Mittwoch, den 7. März 1923

18. Jahrgang

Einbruch in die deutsche Botschaft in Rom.

Der Berichterstatter der Vossischen Zeitung in Rom meldet seinem Blatt über den Einbruch in der dortigen Bot- schaft u. a. folgendes: N

Schon wochenlang vorher war es aufgefallen, daß frag⸗ würdige Gestalten das Botschaftspersonal beobachteten. Im

Garten der Botschaft wurden wiederholt Leute angetroffen,

die dort nichts zu suchen hatten, auch sand man einen Doppel- posten der Gendarmerie im Garten, die Veilchenpracht be⸗ wundernd. Es wurde ferner festgestellt, daß die Hinter pforte des Parks wiederholt nachts geöffnet worden war. In den letzten Tagen mehrten sich die Anzeichen, die klar darauf hindeuteten, daß ein politischer Anschlag auf die Geheimakten vorbereitet wurde. Die Botschaft verzichteet aus bestimmten Gründen auf eine Benachrichtigung der Polizei. Geradezu

herausfordernd wurde die Botschaft von einem Baugerüst

aus nächster Nähe beobachtet. Mit Sicherheit wurde daher vermutet, daß die Nacht vom Samstag auf Sonntag zur Ausführung der Tat benutzt würde. 5

Das Kassenzimmer der Botschaft liegt im 3. Stock, wo auch der Geldschrank mit den Geheimakten sich befindet. Hier postierten sich im Treppenaufgang drei Personen der Bot⸗ schaft. Es war ausgemacht worden, die Diebe erst in den

Raum hineinzulassen, um ihren Plan auszuführen. Kurz

nach Mitternacht öffneten diese, drei Mann stark, mit Nach⸗ schlüsseln die Eingangstüre, schlichen auf Gummischuhen in das dritte Stockwerk, öffneten auch hier mit Nachschlüsseln die Zimmertüre und hatten 10 Minuten später mit Nach⸗ schlüsseln den Geldschrank geöffnet und zwei Aktenmappen an sich genommer. Als sie dann wieder die Treppe hinunter⸗ steigen wollten, wurden sie angerufen. Da sie flüchteten, wurde auf sie geschossen, wobei einer der Diebe einen Schuß erhielt und die Treppe hinunterfiel, wo er von einer anderen Gruppe empfangen wurde. Legationssekretär Altenburg, der inzwischen Licht gemacht hatte, erhielt dabei einen Schuß in das Bein und einen in den Leih. Im ganzen wurden etwa 10 Schüsse gewechselt. Zwei der Spione wurden ergriffen, dem dritten gelang es, zu entkommen. Sobald die Schüsse ertönten, hörte man im Garten Signalpfeifen, auch Licht- signale wurden beobachtet. Alsbald hörte man auch, daß Kurz darauf tauchten etwa 12 verdächtige Gestalten auf, die an⸗ gaben, von der Polizei zu kommen. Sie wurden aber

:. D 2 Täglich neue Schandtaten.

Ein neuer Mord in Essen.

1 Am Samstag abend wurde das Polizeirevier 7 von

den Franzosen umstellt und die Beamten verhaftet, wobei

tücksichtslos vorgegangen und ohne Grund von der Waffe Gebrauch gemacht wurde; ein Schuß traf die Gasuhr, die Der dem Polizeirevier in der Bonnerstraße in Essen gegenüberwohnende Justizbeamte Löwe befand sich auf dem Wege zu seiner Wohnung, als er dor dem Polizeirevier von einem Franzosen angerufen und nioch ehe er antworten konnte, durch einen Bauchschuß getötet

pvurde.

Der von einem französischen Posten in der Nähe des

neubesetzten Hauptbahnhofsgebäudes Erschossene ist als der Bahnwärter Herold festgestellt worden.

Er wurde in der Nähe der Zeche Königin Elisabech auf dem Bahngelände Einzelheiten der Tat konnten bisher nicht er

Truppenbewegungen, n Langenberg, Vohwinkel nach Lennep. Gräfrath und darüber

sind bvorgenommen worden. Erschießung eines GelsenkirchenerBergmaunns

nittelt werden.

Aus dem Raume südlich Elberfeld werden starke in der Hauptsoche Kavallerie, von

in Richtung Wipperfürth gemeldet. Desgleichen im Landkreis Gelsenkirchen Truppenverschiebungen

Hinaus

Auf der Zeche Westerholt ist der Bergmann Franz

Groote aus Polsum von einem französischen Posten erschossen

worden. Der Bergmann war auf dem Wege über die An⸗ schlußgleise der Zechenanlage, um zur Schicht zu gehen. Die Erregung der Bergarbeiterschaft über diesen Vorfall ist sehr Die gesamten Belegschaften der Zechen Westerholt Bergmannsglück sind in den Proteststreik eingetreten.

die Räumung der Belriebswertstalt iin Darmstadt.

Am gleichen Tage die Räumung bes Loko⸗

tt, um . Verbandlue gen

zu erreichen. Diese

energisch aufgefordert, sich zu entfernen. Dies alles war möglich, trotzdem sich der Botschaft gegenüber eine Polizei wache befindet.

Die beiden Verhafteten wurden einem Verhör unter- zogen. Der eine, ein richtiger Verbrechertyp, verweigerte die Aussage und erklärte, über den Zweck des Einbruchs nichts gewußt zu haben. Der andere brach bei dem Verhör moralisch vollkommen zusammen. Er gab an, im Feldzug italienischer Offizier gewesen zu sein, ferner, daß der Dieb stahl politischen Charakter hatte. Durch Kreuzverhör be stürmt, gestand er schließlich, daß das Geld zu dem Einbruch aus Nizza gekommen sei.

Nach dem Messagero gingen die Räuber vollständig militärisch vor und bildeten eine lange Postenkette von dem hinteren Parktor, wo anscheinend Autos hielten, bis zum Kanzleigebäude. Der Hauptbandit, der einen distingnierten Eindruck macht, bezeichnet sich als früheren Offizier. Die Räuber waren wohl entkommen, hätten die Botschafts⸗ beamten nicht ganz energisch eingegriffen und das Feuer eröffnet. Schmiedens Kaltblütigkeit verdient hohe Anerkennung, aber auch alle andern taten vollauf ihre Pflicht. Der Messagero gibt die Zahl der in den Park eingedrungenen Spießgesellen, die mit Lichtsignalen untereinander verkehrten, auf mindestens ein Dutzend an. Von der Botschaft wird eine höhere Zahl angegeben. Die Eindringlinge hatten nach dem Mißlingen des Handstreichs sogar die Stirn, sich als Ge⸗ heimpolizisten auszugeben und versuchten, in der Villa zu bleiben, vermutlich, um die beiden Festgenommenen zu befreien. Der Mi⸗ nisterpräsident Mussolini stattete dem Botschafter von Neurath einen längeren Besuch ab und besuchte dann auch den verwundeten Legati⸗ onssekretär Altenburg, der außer Lebensgefahr ist.

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Havas verbreitet eine lange Depesche aus Rom, in der der ge⸗ heimnisvolle Einbruch in die dortige deutsche Botschaft auf völlig ent⸗ gegengesetzte Art erklärt werden soll, als es durch die deutschen Aus⸗ sagen geschehen ist. Die deutsche Darstellung, so wird darin gesagt, ziele darauf hin, die guten Beziehungen zwischen der französischen und italienischen Regierung zu trüben. Die italienische Polizei schenke dieser Darstellung aber keinen Glauben und sie kenne die Namen der beiden verhafteten Einbrecher, die Italiener seien. Die ganze Insze⸗ nierung des Vorfalles sei verdächtig, da sich herausgestellt habe, daß man in der Botschaft den Einbruch erwartet und daß die deutschen Pressevertreter schon zu sehr früher Stunde dort zusammenberufen wurden, um ein Losungswort zu erhalten. Havas schließt mit den Worten. man müsse wünschen, daß die italienische Polizei so schnell als möglich die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentliche. In⸗ dessen sei zu erwarten, daß die deutschen Kreise ihr letztes Wort noch 221 gesprochen haben und daß sie eine neue Ueberraschung vorbe reiten.

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scheiterten. Die Franzosen lassen sich auf eine Räumung des Loko⸗ motivousbessevungswerlkes nicht ein, sondern erklären, daß sie das Werk in eigene Verwaltung übernehmen. Auf eine Ertlärung der Eisenbohnarbeiter daß sie von der Notwendigkeit dieser Maß⸗ nahme nicht überzeugt sesen, da hierfür ein Grund nicht rorliege, erwiderten die Franzosen, daß sie über die in Mainz zutage ge⸗ tretene Sabotage sehr enttäuscht seien und den Betrieb in Darm⸗ sladt in der Hand behallen wollen, um eine Sabotage zu verhin⸗ deen. Die Maichinen würden nach dem besetzten Gebiet abge⸗ fahren. Wenn die Arbeiterschaft unter französischer Leitung ar⸗ beiten wolle so könne sie jederzeit anfangen. Dieses Ansinnen haben die Vertreter der Arbeiterorganfsationen entschieden ab⸗ gelehnt 5

Frauzösischer Bahnbetrieb in der Pfalz.

Aus Ludwigshafen wird uns gemeldet:

Die Franzosen versuchen mehrere Züge nach verschiedenen Rich⸗ tungen in Gang zu bringen. Im Hauptbahnhof Ludwigshafen sind alle Schalter geschlossen. Die Züge werden durch die Franzosen auf dem Bahnhofsplatz ausgerufen. Auch auf allen übrigen pfälzischen Stationen hat das Militär die Beamten verdrängt. Die dort woh⸗ nenden Arbeiter der badischen Anilin⸗ und Sodafabrik sind in der Fabrik untergebracht und werden dort verpflegt, weil sie nicht mehr nach Hause können. Die Näherwohnenden werden in Kraftwagen be⸗ fördert.

Die Münchener Neuesten Nachrichten enthalten nähere Mitteilun⸗ gen über die Militarisierung des pfälzischen Eisenbahnnetzes durch die Franzosen. Es heißt, daß die Bahnhöfe auf den pfälgz. Haupt⸗ strecken, vor allem Ludwigshafen, Landau und Neustadt von den Franzosen besetzt und in Ludwigshafen mehrere Lokomotiven mit Ge⸗ walt weggeführt und die Arbeiter und Beamten mit Bajonetten aus ihren Wohnstätten vertrieben wurden. Es wurden bereits Ver⸗ haftungen vorgenommen, Ausweisungen verfügt und die Räumung der Dienstwohnungen bis zum 8. März anbefohlen. 6

Nur wenig Ruhrkohle.

Ein Kenner der Wirtschaftsverhältnisse in Frankreich berichtet, daß in Frankreich schatzungsweise noch 2530 Hoch öfen in Betrieb sind von über 100 am Anfang Januar und 9osam Anfang Februar. Die zur Verfügung stehende Koks menge französischer Erzeugung beträgt etwa 50 000 Tonnen. Die Menge des jetzt aus England hineugekauften Koks läßt sich nicht berechnen, dürfte aber mindestens ebenso hoch sein, wie die eigener Erzeugung. Die augenblickliche Roheisen erzeugung wird auf 100 000 Tonnen monatlich geschätzt gegen 486 000 Tonnen im Monat Januar und 515000 Tonnen im Monat Dezember 1922. 3. Zt. wird schon amerikanischer Koks zu 8 Schilling in kontinentalen Häfen gekauft.

Belgien bezieht sehr viel englische Kohle. Die belgische Erzeugung von Eisen muß relatip viel besser sein.

Das Journal erklärt: Bisher haben wir nur sehr kleine Mengen von Ruhrkohle auf dem Landweg einführen können. N

Der Newyork Herald meldet, General Degoutte bereitet die Durchführung eines Planes zur Erfassung der Kohlen von den Grubenausgängen vor. Die dazu erforderlichen Maßnahmen werden unter Entfaltung einer großen mili⸗ tärischen Macht vor sich gehen.

Der Bahnhof Mannheim⸗Industriehafen stillgelegt

Die Reichseisenbahndirektion teilt mit: heim⸗Jadustrichajen besetzten die Franzosen das Stellwerk 3 und unterbanden damit den Betrieb im Bahnhof Industriehafen.

Die Franzosen haben die Besatzung in der Hildaschule ver⸗

stärkt. Der Eisenbahnverkehr über die Rheinbrücke Mannheim⸗ Ludwigshafen ruht vollkommen Im Hauptgüteramtshafen wur⸗ den von den Franzosen alle Wagen beschlagnahmt. Die im Neckar liegenden Schisse dürsen den Hasen nicht mehr verlassen. Ein Kranschiff wurde von den Franzosen beschlagnahmt. Entwaffnung der Gendarmerie in Offenburg. Die Franzosen haben Befehl zur Entwaffnung der Gendormerie gegeben. Durch einen Befehl des französischen Kommandanten

zeichnet. f Die Franzoseu in Krefeld. Nach einer Meldung der Kölnischen Zeitung sind auf

dem Krefelder Filialwerk der Mülheimer Firma Stoecker

und Kurz, die sich beharrlich weigerte, an französische und belgische Firmen ihre Fabrilate zu liesern, zwei französische Kompagnien eingerückt. Die Arbeiter wurden am Verlassen der Fabrik gehindert, im Kontor wurden die Pulte erbrochen, die Beamten verhaftet und 60 leere Eisenbahnwaggons wahllos mit den vorhandenen Vorräten beladen. Die Arbeiter haben die Arbeit sosort niedergelegt.

Die Ausdehnung der Besetzung. Die Franzosen haben Remscheid und Cronenberg besetzt. Gerüchtweise heißt es, daß auch Wipperfürth besetzt sei, doch fehlt bisher eine sichere Bestätigung.

Französisch⸗belgische Eisenbahnverwaltung.

Die Direktoren der geplanten französisch-belgischen Eisen⸗ bahnverwaltung im Ruhrgebiet treffen gegenwärtig die ersten Vorbereitungen zur Uebernahme ihres Amtes. zwischen sind die Militärs eifrig dabe, den neuen Männern die künftige Arbeit zu erleichtern. Siebeschlagnahmen alles rollende Material, das ihnen vor die Finger kommt, so⸗ daß jetzt schon infolge Mangel an Verkehrsmitteln ein ge regelter Zugverkehr unmöglich ist. Lebensmit telzüge aus dem Innern des Reiches können gegenwärtig

noch in das Ruhrgebiet gefahren werden, aber auch diese Zu⸗ 1

fuhr wird bald unterbleiben müssen, da die Franzosen die Ausfuhr leerer Güterzüge restlos unterbinden. D. h., daß die jetzt noch auf dem Eisenbahnwege vor sich gehende Er⸗ nährung der Bevölkerung dem Reich täglich mehrere Maschi⸗ nen und ungefähr 200 Güterwagen kostet ein Zustand. der schon im Verlauf mehrerer Wochen unhaltbar wird. Durch die Beschlagnahme der Verkehrsmittel ist natürlich auch jede andere Zufuhr lahmgelegt, da sich das Reich hüten muß, zum Vergnügen der Franzosen fortgesetzt Wagen in das Ruhr- gebiet laufen zu lassen, die wir jedenfalls vorläufig nicht wiedersehen werden.

DieseMaßnahmen der Franzosen und Belgier zeigen immer deutlicher, welches Ziel mit der sogen.Uebernahme der Eisenbahnen erstrebt wird. Es kommt ihnen gar nicht darauf an, einen regelrechten Betrieb zustande zu bringen, als vielmehr, jede Ein- und Ausfuhr, jeden Güter⸗ und Personenverkehr, soweit er nicht durch sie direkt oder durch ihre Befehle bewerkstelligt wird, lahmzulegen. Würde die Uebernahme der Eisenbahn mit der ernsthaften Absicht ver⸗ bunden sein, einen ordnungsgemäßen Verkehr zustande zu bringen, dann wäre es sinnlos, alles rollende deutsche Mate⸗ rial auf die militarisierten Strecken zu verschleppen und die bisher nicht unter Militärgewalt stehenden Linien dadurch restlos brach zu legen. Es wird nicht lange dauern, dann werden, selbst, wenn das Reich die Opfer nicht scheut, die ihm durch weitere Lebensmitteltransporte infolge Beschlagnahms der hierzu notwendigen Wagen entsteben, auch die jetzt noch zur Lebensmittelbeförderung benutzten Linien für den deut⸗ schen Bedarf ausgeschaltet, und jede deutsche Lebensmittel. zufuhr wird unmöglich gemacht. Von der Lahmlegung des Personenverkehrs verspricht man sich Steigerung der Ar- beitslosigkeit, da viele Arbeiter, Angestellte und Beamte nicht im Wohnort arbeiten und infolge Stillegung der Eisenbahn nicht zur Arbeitsstelle gelangen können. Von der Unterbin⸗ dung jedes Güterverkehrs erwartet Degouette erhöhte Stei⸗ gerung dieser Arbeitslosigkeit, die gleichzeitig mit einem

Druck auf den Magen durch Erschwerung der Lebensmittel 9 N

Im Bahnhof Mann⸗

wird die Gendarmerie als aufgelöst be⸗

In.