Ausgabe 
5.6.1923
 
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wahrschetalich in Jasammerthagg me den Bamdenamschmgen auf die sranzösischen Züge verhaftet. 5 a

Vom französischen Kriegsgericht in Mainz wurden drei Gewerk⸗ schaftsfunktionäre zu je 3 Monaten Gefängnis und zu 1 bis 4 Mli⸗ lionen Mark Gelostrafe verurteilt, weil sie Besprechungen über die Versorgung der Eisenbahnangestellten mit Geld gehabt haben sollen.

Politische Uebersicht.

Späte Einsicht.

Die Korrespondenz der Demokratischen Partei nimmt in einem bemerkenswerten Artikel gegen die Treibereien am Devisenmarkt Stellung und verlangt, daß die Reichsbank ihre Stützungsaktion zum mindesten an den ausländischen Börsenplätzen wieder aufnehmen soll. Der Artikel fährt fort:

Auch die Lohn⸗ und Preisströme nehmen jetzt fast unge⸗ hemmt ihren Lauf. Die Regierung fing mit der Kohlenpreis⸗ erhöhung an. Es folgten die Tariferhöhungen für die Eisenbahn, denen sich die Postverteuerung binnen kurzem anschließen wird. Gleichzeitig mußte naturgemäß die Gehaltsschraube wieder etwas angedreht werden. Während aber die private Verteuerung sich fast überschlägt, während Kartelle und Konventionen ihre Preise ver⸗ doppeln, erhöht man Gehälter und Löhne nur zaghaft. Es wäre richtiger, endlich einmal die großen Vereinigungen der Fabrikation und des Verkaufs einer eingehenden Kontrolle hinsichtlich der Be⸗ rechtigung ihrer Preise zu unterwerfen. Aber hier fehlt jeder Apparat, denn man hat bisher immer die Doktrinen der freien

Wirtschaft vertreten und organisatorisch nicht vorgesorgt. Hieraus erwachsen auf die Dauer schwere Gefahren für die innere Ordnung und den Frieden des Hauses.

Daß der Abbau der Zwangswirtschaft vor einer Stabili⸗ sierung der Mark eine schwere Gefahr bedeutet, haben unsere Genossen immer betont. Sie sind aber in Regierung und Parlament von den Bürgerlichen, unter denen die Demo⸗ kraten auf diesem Gebiete besondere Energie zeigten, immer überstimmt worden. Die Einsicht kommt spät, aber es ist immerhin erfreulich, daß sie überhaupt kommt. Man sollte jetzt, wo der Fehler einmal gemacht ist und von denen, die ihn begingen, zugestanden wird, wenigstens dafür sorgen, daß die Löhne und Gehälter der sprunghaften Teuerung folgen. Das ist jetzt die gebieterische Pflicht.

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Um die Beamtenlöhne.

Die Spitzenorganisationen der Beamten, Angestellten und Ar⸗ beiter des Reiches, der Länder und der Gemeinden haben in den letzten Tagen Beratungen über einen Gegenvorschlag über die Neu⸗ regelung der Grundgehälter gepflogen, der der Reichsregierung über⸗ geben werden soll. Die Vorlage ist nunmehr fertiggestellt und den gesetzgebenden Körperschaften zugegangen. Sie bezweckt in der Hauptsache eine bessere Berücksichtigung der mittleren und unteren Gehaltsgruppen. Während die Regierungsvorlage z. B. in Gruppe 3 eine 18fache Erhöhung der Grundgehälter vorsieht, fordern die Be⸗ amtenorganisationen eine 20 fache Erhöhung, um sich nach den oberen Gruppen hin mit dem Vorschlag der Regierung zu treffen. Anm Montag nachmittag beginnen im Reichsfinanzministerium

Verhandlungen über die Anpassung der Gehälter und Löhne an die neue Teuerung. Die Forderungen der Gewerkschaften werden am Vormittag in einer gemeinsamen Besprechung formuliert werden. Am Samstag fand im Finanzministevtum bereits eine Konferenz mit den Vertretern der Länder über die neue Teuerungsaktion statt. g 8

1 Soziale Hilfe auf dem Verordnungswege.

Amtlich wird uns mitgeteilt:

Das Reichsarbeitsministerium hat dem Reichstag und den beteiligten Reichstagsausschüssen einen Verordnungs⸗ entwurf zur Erhöhung der Sozialrentner-Unterstützung vor⸗ gelegt. Der Entwurf berücksichtigt die seit März eingetretene Verteuerung der Lebenshaltung und auch den neuen Brot⸗ preis. Die Kleinrentnerfürsorge gleicht gesetzlich nach Art und Umfang derjenigen für Sozialrentner. Den besonderen 1

wird Rechnung getragen. Ein anderer Entwurf schlägt höhere Leistungen in der Wochenhilfe und Wochenfürsorge vor. 5

Wegen einer erneuten Heraufsetzung der Erwerbslosen⸗ unterstützung ist die Reichsregierung mit einem Verord⸗ nungsentwurf an den Reichsrat herangetreten. Für die⸗ jenigen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, die im wesentlichen auf die Renten angewiesen sind, sind durch eine Verordnung vom 31. 5. 1923 die Teuerungszuschüsse für Juni erhöht worden. Ferner sollen sofort an alle Kriegs⸗ beschädigten und Kriegshinterbliebenen auf Grund eines Erlasses vom 17. 5. erhebliche Vorschüsse auf die Renten⸗ beträge gezahlt werden, die ihnen nach der dem Reichstag vorliegende Novelle zum Reichsverordnungsgesetz für die Zeit vom Januar bis Juni zugedacht sind. Die weitere Be⸗ messung der Renten für Kriegsbeschädigte und Kriegshinter⸗ bliebene wird sich entsprechend den Vorschriften der Novelle zum Reichsverordnungsgesetz nach den Maßnahmen richten, die auf dem Gebiet der Beamtenbesoldung getroffen werden.

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Austritt der Sozialdemokraten aus der württembergischen Regierung.

Der württembergische Staatspräsident und gleichzeitige Kultusminister Hieber Justizminister Bolz zum Minister des Innern und den Kanzleidirektor Beyerle, den Führer der württembergischen Zentrumspartei, zum Justizminister ernannt. Anläßlich dieses Schrittes, der gegen den Willen der sozialdemokrati⸗ schen Landtagsfraktion erfolgte, hat unsere Fraktion be⸗ schlossen, aus der Regierung auszutreten, da ihr nicht der⸗ jenige Einfluß eingeräumt werden sollte, der ihr auf Grund der Fraktionsstärke zukommt. b

Zwischen den württembergischen Regierungsparteien, Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten, schwebten seit dem Tode des Innenministers Graf Besprechungen über die Neubesetzung des verwaisten Ministeriums. Diese Be⸗ sprechungen führten bisher zu keinem Ergebnis, der württembergische Staatspräsident über den Kopf der sozialdemokratischen Partei hinaus die Ernennung des Justizministers Bolz zum Innenminister vornahm. Die Schuld für den ergebnislosen Verlauf der Beratungen trifft ausschließlich die bürgerlichen Parteien. Die sozialdemo⸗ kratische Fraktion ist durch 27 Mitglieder im Parlament ver⸗ treten, während das Zentrum nur 23 und die Demokraten noch weniger, nur 17 Abgeordnete, hat. Beide bürgerlichen Parteien besitzen trotz ihrer geringeren Abgeordnetenzahl zusammen vier Ministerposten und den des Staatspräsi⸗ denten, während der Sozialdemokratie nur das Arbeits- ministerium unterstand. In den Verhandlungen haben so⸗ wohl das Zentrum wie die Demokraten die Forderung unserer Fraktion als berechtigt anerkannt, sich aber dennoch geweigert, ihr in der Praxis Rechnung zu tragen.

Der Austritt der Sozialdemokratie aus der Regierung ist gleichbedeutend mit der Entziehung der Unterstützung des jetzigen Kabinetts durch die sozialdemokratische Fraktion. Auch durch Hinzuziehung der Deutschen Volkspartei, die in Württemberg nur vier Abgeordnete zählt, ist eine parla⸗ mentarische Mehrheit nicht zu erreichen. Wollen Zentrum und Demokraten mit einer parlamentarischen Mehrheit regieren, dann müssen sie sich entweder der Hilfe der Deutsch⸗ nationalen bedienen, oder aber den Wünschen der Sozial⸗ demokratie Rechnung tragen und ihr entsprechend der Fraktionsstärke die berechtigten Zugeständnisse machen.

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Verhältnisen im besetzten Gebiet und im Einbruchsgebfet]

hat am Samstag den bisherigen.

weshalb

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Großer Stinnesaufkauf. Der Allgewaltige im Reichsverband der Industrie, Herr hat bekanntlich vor wenigen Wochen das Blatt der F. Orgesch, die Frankfurter Nachrichten, für 300 Millionen Mark worben. Von Frankfurt aus beabsichtigt er jetzt, ganz Suid⸗ Mitteldeutschland mit Presseerzeugnissen zu bearbeiten. ständlich geschieht das im Sinne der Schwerindustrie. Sein geht dahin, daß die Frankfurter Nachrichten⸗Druckerei schon in und Hteadeneshend Bberseneniment epd(c u. i eutst i mmen. ät gemein politischer Teil und nur verschiedener lokaler Teil) des Frankfu Stinnesblattes bestehen bereits für Heidelberg und Fulda. Ohne Zweifel läßt sich Stinnes nicht von dem Gedanken große Gewinne zu machen, die heute an sich bei einem Zestungsu nehmen ausgeschlossen sind. Er hat die Bedeutung der Presse e kannt, er weiß, daß die öffentliche Meinung heute eine Macht ist, um diese Macht in seinem Sinne wirken zu lassen, kauft er, n irgend möglich, bestehende Zeitungen auf und gründet neue usw. Arbeiterschaft sollte im eigenen Interesse erkennen, daß diesem streben nur entgegengearbeitet werden kann durch eifrige Ag für unsere Presse.

* 8 Die soziale Gärung im Reiche. Es liegen heute folgende Meldungen vor: Köln. Die Streiklage ist unverändert. In einer Versa lung der kommunistischen Betriebsräte soll für Montag Generalstreik beschlossen worden sein. In dieser Versammlung h eine Deputation der streikenden Straßenbahnarbeiter erklärt, d Arbeit nicht früher wieder aufzunehmen, bis die bekannten. munistischen Dortmunder Forderungen in der Kölner Privati strie überall Anerkennung gefunden haben. Die Gasvorräte Stadt sind am Samstag vormittag zur Neige gegangen. Koch⸗ un Leuchtgas gibt es nicht mehr, die Straßenbeleuchtung ist sehr spär lich, soweit sie nicht durch elektrische Lampen erfolgt. Die The liegen still. Ausschreitungen sind bisher nicht erfolgt. Wie Montagsmorgen ferner aus Köln meldet, haben die Or sationen der Staats⸗ und Gemeindearbeiter, ffreie und chr 8 am Sonntag in einer öffentlichen Sitzung mit 287 gegen 80 Stim⸗ men die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen. Die Bewegung, die von den kommunistischen Betriebsräten ausging, ist dam

ein neues Stadtum getreten. 5 Elberfeld. Die Streiklage im Remscheider Bezirk ist unver ändert. 90 Proz. der Abstimmenden haben sich für Fortsetzung des Streiks ausgesprochen. In Haspe haben die Metallarbeiter d Generalstreik beschlossen. Im Wuppertal dehnt sich die Stre bewegung aus. Am Samstag sind in Barmen drei große Betrie der Metallbranche in den Streik getreten. Im Industriegebiet geht die Polizei jetzt gegen die Anstifter zum Streik scharf vo Neuerdi wurden in Dortmund wieder 500 Personen en

ings men. Bei den vorgenommenen Haussuchungen sollen Waffen Munition in reichem Maße gefunden worden sein..

Wiesbaden. Die Demonstration, die die Arbeitslosen u Notstandsarbeiter am Samstag vor dem Rathaus geplant hat mußte auf Anordnung der Besatzungsbehörde unterbleiben. den Verhandlungen wurde den Antragstellern die Bezahlung zweiten Pfingstfeiertages und des Fronleichnamtages zu N 77 Tarifs zugesagt. 1

iel.

Die Arbeiter sämtlicher Betriebe haben heute mor die Betriebe verlassen, um gegen die Teuerung für gerechten ausgleich zu demonstrieren. Massenziige von Demonstranten wegen sich zum Rathaus. Die Gewerkschaften haben in die wegung vermittelnd eingegriffen.* Breslau. Während die Arbeitslosen⸗Demonstrationen Breslau am Freitag ruhig verliefen, trat am Sams eine Ver⸗ schärfung der Lage im Verfolg von Lohnverhandlun ein. D Leitung der Linke⸗Hofmann⸗Werke in Breslau lehnte die Jo derungen der Belegschaft auf Lohnerhöhung ab. Darauf demon⸗ strierten 8 Arbeiter, wogegen die Betriebsleitung d Werk als in Gefahr befindlich erklärte, zur Vermei! von Sa⸗ botageakten den Betrieb schloß und die gesamte Belegschaft aus⸗ sperrte. Von einem Teil der Linke⸗Hofmann⸗Arbeiter wurden dann die Arbeiter des anderen großen Breslauer Industrieun er- 1 nehmens, der Archimedes⸗Werke aufgefordert, ebenfalls den Be⸗ trieb zu verlassen, was auch geschah. Die freien Gewerkschasten 1 2 Verhandlungen über die unerfüllten Forderu angebahn a

0 9 5 Englands Protest gegen den Saarskandal. Die unerträglichen Zustände im Saargebiet veranlassen

die englische Regierung, auf eine Besprechung der Verhält nisse an der Saar im Völkerbund zu drängen. Vor allem

Der Deserteur.

f Roman von Robert Buchanan.

Onkel, Onkel, fühlst Du Dich besser? fragte Marcelle. Ach, Du bist's, Kleine? Was hast Du von der großen (Schlacht gelesen? 1

Jetzt ist's nicht an der Zeit, von Schlachten zu sprechen, Herr Korporal, unterbrach ihn der Priester,denn Sie sind sehr krank und werden bald vor dem Richterstuhl Gottes stehen. Ich bin gekommen, um Ihnen die Sterbesakramente zu verleihen und Ihre Seele für die große Reise vorzu⸗ bereiten. Machen Sie Frieden mit dem Himmel, Herr Korporal! 0

Alle Anwesenden zogen sich still aus dem Gemach zurück; Vater Rolland blieb eine halbe Stunde mit dem Sterbenden allein, dann rief er die Anwesenden zurück:Es ist ge⸗ schehen; der Aermste ist nicht ganz bei Sinnen und hat mich nicht erkannt; aber der Kranke ist jetzt bedeutend ruhiger. Während die Anwesenden sich dem Bette näherten, schlug der Sterbende die Lider auf und blickte mit klaren Augen umher. Jetzt erkannte er auch den Priester; ein leichtes Rot färbte seine fahlen Wangen; er erhob mühsam seinen Kopf und rief mit lauter Stimme:A bas les

Bourbons! Vive l'Empereur! 5

Mit diesem Kriegsschrei auf den Lippen schwebte er in das große Biwak der Armee der Toten hinüber. Achtunddreißigstes Kapitel. 5 Bonaparte.

f Wir wollen nun wieder zu den goldenen Tälern zurück⸗

kehren, in welchen der blutige Kampf der Armeen sich ab⸗ spielte, in den Wald, wohin sich der Ausgestoßene verkrochen hatte. Der Mann hoch zu Roß war Napoleon. Als er den

Gipfel des Hügels erreicht hatte, stieg er ab und blickte ge⸗

spannt in die Richtung von Ligny. Es regnete noch immer in Strömen. Er war in einen abgetragenen Soldaten⸗ mantel gehüllt, der Dreimaster saß ihm tief im Gesicht, die

Beine sleckten in hohen Stiefeln; die Hände über den Rücken

gefaltet, den Kopf zwischen die Schultern gesenkt, stand er in Gedanken versunken da sein Gefolge dicht hinter ihm.

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ginnt er unruhig auf und ab zu gehen, bis er auf der Land⸗ straße einen Reiter erblickt, der im rasenden Galopp, als gelte es das Leben, dahergesprengr kommt. Im nächsten Augenblick steht er vor dem Kaiser und überreicht ihm eine Depesche. Er liest sie, sein sorgenvolles Antlitz erhellt sich, er spricht mit seinem Gefolge, das ihn umringt, begeistert die Schwerter zieht und in den RufVive l'Empereur! ausbricht! Die Preußen ziehen sich von Ligny zurück, der erste Sieg ist erfochten! f

Der Kaiser geht zu Fuße langsam den Hügel hinab.

Als es wieder still geworden, kriecht Rohan aus seinem Versteck hervor, er zittert und fröstelt wie im Fieber, seine Augen flammen wilder denn zuvor und verfolgen die Gruppe am Fuße des Hügels. Er schleicht sich wie eine Katze den Hügel entlang, dann rennt er wie ein Reh durch den dichten Wald, ohne jemandem zu begegnen. Vor einem großen Gebäude, das sich in einer Lichtung erhebt, bleibt er stehen. Es ist eines jener antiken Landhäuser, die man in Belgien so häufig findet ein seltsam gegiebeltes großes Wohnhaus das von Scheunen. Wirtschaftsgebäuden und Obstgärten umringt ist. Aus keinem der vielen Fenster dringt ein Lichtstrahl und es scheint augenblicklich unbe⸗ wohnt. 8

Rohan steht in der offenen Türe und blickt den Hügel hinab, sein scharfes Ohr vernimmt Pferdegetrappel, und noch ehe das Kavalleriekorps auf dem Schauplatz erscheint, ist er hinter der Türe verschwunden.

Drinnen ist's finster, aber er schreitet durch eine große Küche in ein noch größeres Gemach, das spärlich durch zwei Fenster beleuchtet wird. In der Mitte steht eine Leiter, die auf einen luftigen Heuhoden führt. Das Zimmer ist alt⸗ modisch, aber bequem eingerichtet, auf dem Tische liegt ein Stück Brot und etwas grober Käse. Große schwarze Balken stützen das Dach. Rohan hat nicht lange Zeit, sich umzu⸗ sehen, denn Fußtritte nähern sich dem Zimmer. Rasch wie der Blitz klettert Rohan die Leiter hinan und verschwindet in der dunklen Dachkammer.

Ein Offizier tritt mit einer brennenden Lampe in der Hand, ein. Er sieht sich neugierig in dem großen Gemach um, ißt lachend ein Stück von dem Brote, dann erteilt er

Unten dauert das Bombardement fort; mit einem Mal hört es auf, Napoleon horcht eine Weile gespannt, dann be⸗

rasch einige Befehle. Soldaten bringen Holz herein und ent⸗ zünden im Kamin ein Feuer. Abermals ertönt Pferde⸗

getrappel, sodann Kommandorufe. Das Gebäude ist auf allen Seiten von Soldaten umringt, das Zimmer beginnt sich allmählich zu füllen. Draußen regnet es noch immer in Strömen. Jetzt tritt ein Diener mit einer kleinen silbernen Lampe ein und zieht die mottenzerfressenen Vorhänge vors Fenster; die Leute sprechen mit leiser Stimme, als ob ein Vorgesetzter anwesend wäre. Plötzlich geht die Türe auf Napoleon schreitet, den Hut in der Hand, über die Schwelle. Er wirft den durchnächsten Mantel ab und steht in einfacher Generalsuniform vor dem Kamin, wo er sich die Hände wärmt. Man bringt ihm Brot und Wein, er ißt und trintfʒkt nur wenig, dann erteilt er mit klarer, fester Stimme einige Befehle und wünscht allein gelassen zu werden. Das Ge-. folge entfernt sich ehrerbietig und schließt die Türe hinten

sich. 0 4 Er ist allein in dem großen Gemach: über seinemm Haupte dehnen sich die schwarzen Sparren, auf denen grelle Schlaglichter des gegenüber lodernden Feuers tanzen. Rings um herrscht eine solche Stille, daß man jeden Regen⸗ tropfen gegen das Fenster klatschen hört. Obgleich das Ge⸗ bäude von Truppen umringt ist, hört man kaum einen Laut. Mit vorgeneigtem Haupt, die Hände über dem Rücken ge- faltet, durchmißt Napoleon das Gemach nicht ahnend, daß ein flammendes Augenpaar von der Bodenöffnung her jede seiner Bewegungen beobachtet. Draußen strömt der Regen und heult der Wind; aber Napoleon ist so sehr in seine Ge⸗ danken vertieft, daß er nichts hört als die Stimmen seines Innern. Was mögen ihm diese zuflüstern? Vor seinem geistigen Auge ziehen ungeheure Armeen vorbei, die gleich den Sturmwolken einem höheren Willen gehorchen. In der Ferne erheben sich brennende Städte, gleich dem ewig lo⸗ dernden Höllenfeuer; dumpfer Kanonendonner mischt sich mit dem Gebrause der Brandung des Meeres der Ewigkeit, das an einer gestirnten Küste donnert. Seht, wie er seine Adleraugen beschattet, um die furchtbaren Visionen zu ver⸗ scheuchen! Es ist Nacht, stockkinstere Nacht, und er ist allein, allein mit den Geistern der von ihm Gemordeten! Er fühlt sich, trotzdem er weiß, daß seine Kreaturen im anstoßenden Zimmer über ihn wachen und daß das Haus von Truppen umringt ist, einsam und verlassen. Wie eine wilde Bestie ihren Käfig, durchmißt er unruhig das Zimmer. (Fortsetzung folgt.)