Ausgabe 
3.5.1923
 
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offnung, eine Zukunft, gewaltlos an die Stelle einer pöllig abgewirlschafttten Vergangenheit trat, Wir waren i weiter hin en rberungen, die wir an ihn hatten, zu stunden, Nur sein Leben sollte er zunächst bezeisen und festigen.

ud nicht einmal das: er sollte nur fähig werden, Freunde zu haben, Unterstützung zu vertragen, Hilfe entgegenzunehmen uind zu berwerten. Was kat ein? Ohnmacht, Schwäche, und nicht einmal der Mut zur Geste nicht einmal dle Kraft zur Ver⸗ telbigung seiner Freunde. War es nicht die tollste Posse der Weltgeschichte, daß das Gesetz zum Schutze der Republik vielsach von 17 Feinden gegen Republikaner angewendet wurde?

oll nicht bald die Slunde kommen, da die zu einem neuen Deutschland ountschlossenen Menschen die Hoffnung auf den zu⸗ ee d eee 1 der ee Republik endgültig begraben und sich nach neuen Wegen umsehen dann muß geban de Ut werden, 175

Gießen und Umgebung. Von der Maifeier.

int ihn

0 00 Unsere heutige Zeit ist nicht geeignet. geräuschvolle Feste r e iin feiern, dafür ist auch die arbeitende Bevölkerung nicht eu leite zu haben. Bei der Maifeier handelt es sich aber nicht um bean 0 ein Fest im gewöhnlichen, allgemeinen Sinne, nicht um 5 60 0 einen bloßen Feier oder Ruhetag, sondern um einen Tag wire von kultureller und geschichtlicher Bedeutung, der im Völker⸗ anden leben, in der Entwicklung der Menschheit eine gewichtige k RNolle spielt. Viele und harte Kämpfe kostete es bis er sich 1 seinen Platz eroberte, auch heute wird er von vielen noch dei nicht beachtet, in derem Interesse er geschaffen wurde, trotz⸗

dem können wir sagen, daß er sich eingelebt hat, ein Volks tag in bestem Sinne geworden ist.

Ueberall in unserem Bezirke, wo man den ersten Mai feierte, war die Beteiligung eine sehr rege, auch die Veran⸗ staltungen am Sonntag erfreuten sich guten Besuches. Das Wetter, das bisher nicht besonders günstig war, änderte sich am 1. Mai, der damit zu einem prächtigen, strahlenden Frühlingstag wurde. Eine über Erwarten starke Beteiligung hatte der Demonstrationszug in Gießen aufzuweisen. Weil in vielen Orten der Umgebung besondere Feiern stattfanden, war von außerhalb nicht viel Zuzug zu erwarten, trotzdem kamen respektable Massen zusammen. Und noch viele Hun- derte Maifeiernder bildeten in den Straßen Spalier. Auf der Liebigshöhe, am Ziele des Zuges konnte der Saal die

Freien niederzulassen. Nach einem Chorlied des Gesang⸗ vereinsEintracht, das mit lebhaftem Beifall aufge⸗ nommen wurde, sprach Kitty Franke vom Stadttheater einen Prolog Zum Völkermai, den die Künstlerin in wir⸗ kungsvollster Weise zu Gehör brachte, der deshalb auch seinen Eindruck nicht verfehlte. Genosse Schackowski sprach hierauf in trefflichen Worten über die Bedeutung des Welt⸗ feiertags, Redner unterließ dabei nicht, auf den Militaris⸗ mus als Geißel der Menschheit hinzuweisen, wofür der Ein⸗ bruch im Ruhrgebiet ein abschreckendes Beispiel bietet. Und weiter, daß es Pflicht der Arbeiterschaft sei, die Errungen schaft des Achtstundentages sich zu erhalten.

Den Abend füllten noch gesangliche und rezitatorische Darbietungen aus, für die Mitglieder des Gießener Theaters sich in anerkennenswerter Weise zur Verfügung gestellt hatten. Im Ganzen hat die Maifeier auch dieses Mal

den besten Verlauf genommen.

1 0

iner ver Das Wasserwerk bei Lißberg

2 7 das der Stromversorgung in der Provinz Oberhessen zu

1 ads dh dienen bestimmt ist, geht seiner Vollendung binnen kurzem

begehen entgegen. Wie uns darüber mitgeteilt wird, sind die Bau⸗

dde geha! arbeiten im großen und ganzen fertiggestellt. Nur der

cFColenbau, der das Niddertal mit dem Hillersbachtal ver.

chen Bat bindet, sowie die Dammarbeiten für den unterhalb des

Grohe Werkes anzulegenden Ausgleichsweiher sind noch im Rück⸗

ungen un stande. Dagegen sind die Maschinen⸗ und Schaltanlagen sertig montiert und werden jetzt durchgeprüft, um kleine

verstund Schäden, Undichtigkeiten in den Leitungen, Staumauern

t seinen usw. sestzustellen. Bis jetzt hat der Probebetrieb ergeben,

u ehen 3. daß die Maschinen und Anlagen tadellos arbeiten. Der volle

naeben. Betrieb kann erst aufgenommen werden, wenn die oben an⸗

b bum geführten Arbeiten vollendet sind. was voraussichtlich bis

Mitte Jun der Fall sein wird.

bericht b 1

9e Neue Milchpreissteigerung.

ause. ö Vom 1 Mic ab ist schon wieder eine Erhöhung des

. 1 Milchpreises irfolgt und zwar auf 870 Mark der Liter, der

Ver e bisher 750 Prerk kostete. Also eine Erhöhung von 120 Mark iat wüten, auf den Liter, wie man sieht, geben sich die Herren Land⸗ lden E wirte nicht mit Kleinigkeiten ab, sie sind immer großzügig, l Mil wenigstens, wenn sichs um die Preise der landwirtschaft⸗ an se en lichen Produkte handelt. Der neue Preis bedeutet rund das dee dal viertausendfache des Friedenspreises! Man sagt nicht zuviel, patzen bi wenn man selbst bei Berücksichtigung der heutigen Preis. fler geg verhältnisse von einer ganz unverschämten Preistreiberei 145 feine spricht. Vom Lebensmittelamt wird dazu mitgeteilt, daß alen, den diese Erhöhung in erster Linie eine Folge des erhöhten Stall- 1 preises ist, der von morgen ab 650. Mark, seither 550. 1 schen Mark, beträgt. Eine weitere Erhöhung hat die Molkerei⸗ 10 fi spanne erfahren, welche nunmehr 120. Mark. seither 110. 1 ud Marl, beträgt. Auch die übrigen Unkosten sind gestiegen. hihe Letztere setzen sich zusammen aus der an die Milchausträger

e für das Zubringen der Milch zu bezahlenden Vergütung, fal c aus Warenumsatzsteuer und einem von dem städtischen t a Lebensmittelamt in Ansatz gebrachten Unkostenzuschuß für babenk die Beschaffung von Milch aus auswärtigen Molkereien. Zu en, b letzterer Maßnahme ist das Lebensmittelamt gezwungen, um los, den Notbedarf der Stadt Gießen, d. h. den Bedarf der Säug⸗ 0 er fe linge, Kinder, Kranken und alten Leute sicher zu stellen. Die n an d gesamten umliegenden Ortschaften sind zur Zeit nicht in der gesicht Lage, diesen Notbedarf zu liefern und bezieht das Lebens- 0 mittelamt zur Deckung der Fehlmenge große Milchmengen A feat aus den Molkereien Hungen, Burg⸗Niedergemünden, Ost⸗ ee beim, Langgöns und Geilshausen. Diese Milch stellt sich

ch im Preis wesentlich höher, als diejenige aus den

würde, würde der Preis in die Höhe schnellen.

Menge nicht fassen, glücklicherwesse war es möglich sich im

harten Ortschaften. Das eine erfreuliche ist hierbei. e auf diese Weise wenigstens gelingt, den Notbedarf!

der Bevölkerung einigermaßen zu befriedigen, während in vielen Städten, gerade in der 8 Zeit, die Milchver⸗

sorgung vollstänbig zusammengebrochen ist.

Vor Kurzem fand hier in Gießen eine Verhandlung des Städtebundes mit den Vertretern der Landwirtschaft über die Freigabe der Milchwirtschaft und Milchpreise statt. Der Städtebund ließ durch seinen Vorsitzenden, Herrn Beigeord⸗ neten Kappus(Offenbach g. M.), erklären, daß der Städte⸗ bund unter der heutigen Anlieserung den Antrag der Land⸗ wirte auf Freigabe der Milch und des Milchpreises ablehne. Die Städte hätten die Verpflichtung, die Milch zu ange⸗ messenem Preise für die Säuglinge, kranke und alte Per⸗ sonen sicherzustellen. Sobald der Milchpreis freigegeben Die Folge sei, daß ein Teil der Bevölkerung Milch bekommen, der größere Teil leer ausgehen würde.

Die Vertreter der Landwirte und Molkereien, insbe⸗ sondere Dr. Weidemann(Darmstadt), Abg. Wagner und Abg. Fenchel, ersuchten darauf die Städtevertreter, einen höheren Milchpreis zu zahlen; gefordert wurden 900 Mark. Der gegenwärtige Stallpreis von 530 Mark sei nicht mehr ange⸗ messen, nachdem die Butter über 10000 Mark kostete. Wenn die Städte Milch für fhre kranken Mitbürger und Kinder haben wollten, dann müßten sie den zehnten Teil des gegen⸗ wärtigen Butterpreises bezahlen, andernfalls würde die Milch weiter verbuttert. Von den Städtepertretern, dem Beige⸗ ordneten Kappus, Offenbach a. M., Direktor Laprenz, Frankfurt a. M., Stadtrat Pense, Hanau und Stadtrat Pertsch, Marburg wurden diese Forderungen der Landwirte scharf bekämpft. Im Zeichen der Arbeitslosigkeit, der Kurz⸗ arbeit, der Ruhraktion, der Stabilisierung der Mark durch die Reichsregierung und Reichsbank, sowie der Ablehnung weiterer Gehaltserhöhungen an Arbciter, Angestellte und Be⸗ amten ließe sich eine weitere Milchpreiserhöhung durch die Landwirte nicht rechtfertigen. Auch der Vertreter der hessischen Regierung, Oberregierungsrat Becker, würdigte vollkommen die ablehnende Haltung der Städtevertreter. Die Vertreter der Landwirte ließen keinen Zweifel darüber, daß, wenn nicht eine wesentliche Erhöhung des Milchpreises Platz greife die Milchlieferungen nicht mehr in die Städte, sondern zur Verbutterung bereitgestellt würden. Also die Versorgung der Kinder und Kranken kümmert die Herren Landwirte wenig, höchstens Gewinn ist die Haupt- sache. Die Mehrzahl der Städtevertreter waren schließlich bereit, den Stallpreis von 550 auf 650 Mark zu erhöhen. Dagegen wurde die Erhöhung der Molkereispanne, sowie der Kleinhandelsspanne für Sammler und Händler abgelehnt. Die Landwirte nahmen das Zugeständnis von 100 Mark zur Kenntnis und verlangten die Erhöhung rückwirkend vom 1. April, doch wurde dies abgelehnt. Der Milchpreis erhöht sich auf Grund dieser Forderung der Landwirte im ganzen Bezirk um 100 Mark, die restlos den Landwirten zufließen. Die Verantwortung tragen die Landwirte und Molkereien allein. Sind sie es doch, die ohne Rücksicht auf die überaus traurige Lage der Bevölkerung es wagen, die Milchpeise weiter in die Höhe zu trejben, mit der Be⸗ gründung der hohen Butterpreise, die zurzeit den Welt⸗ marktpreis wesentlich überschritten haben. Wie lange soll das noch so ßeitergehen? b

Ein Wohltätigkeits⸗Konzert veranstaltet die Reichswehrkapelle morgen, Donnerstag, abends 8 Uhr im Stadttheater. Unter Leitung von Obermusikmeister Löber und Mitwirkung von Frau Handloser(Sopron) werden besonders Symphonien zum Vortrag gebracht werden.

Bühnenfest. Um den Schluß der Theaterspielzeit, die mit der Aufführung von GrabbesDon Juan und Faust am Freitag endete, zu feiern, hatte das Künstlerpersonal am Samstag Abend eine Feier auf der Liebigshöhe veranstaltet. Von früheren Jahren her stehen diese Künstlerfeste im besten Rufe und so konnte es nicht fehlen, daß sich eine überaus zahlreiche Besucherschar eingefunden hatte. Alle Räume der Liebgshöhe waren dicht besetzt und manchmal herrschte beängstsgendes Gedränge. Der große Saal war entsprechend ge⸗ schmückt, in den übrigen Räumen waren Verkaufsstände errichtet, an denen man allerlei Eß⸗, Trink⸗ und Rauchwaren zu Preisen erstehen konnte, wie sie heute üblich sind. Vom Festausschuß war alles getan worden, die Besucher zufrieden zu stellen. Das Orchester leistete unter Kapellmeister Knübels Leitung Ausgezeichnetes, die Ouver⸗ türe, mit der der Abend eingeleitet wurde, sand stitrmischen Beifall. Die Aufführung des SchwankesDie spanische Flioge brachte die Heiterkeit auf den Höhepunkt. Unter Leitung Rudolf Golls er⸗ zielten die Mitwirkenden wahre Lachstlirme und verschafften dem Publikum eine recht vergnügte Stunde. Jeder einzelne der Darsteller trug dazu bei, in den Hauptrollen Goll und Hellhorn, ferner die Damen Eläre Türk, Else Engel, Auguste Marx, Luise Rammel, Schubert⸗Füngling, Wolf Leutheiser, Feigel, 5. Wechste in, A. Teleky, Herm. Stichel. Die Festlichkeit dauerte bis in die Morgenstimden binein, wie wir hörten, sind die Veranstalter mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Im Kabaret wur⸗ den zu Gunsten der Rußrhilfe nicht weniger wie 253 350 Mf. aufge⸗ braucht. Den von Gießen mit Schluß der Spielzeit scheidenden Künstlern sind fernerhin beste Erfolge zu wünschen.

Uumsatzsteuer. Auf die Bekanntmachung des Finanzamtes Gießen in der heutigen Nummer sei besonders hingewiesen. Die Steuerpflichtigen werden darin aufgefordert, die noch schuldigen Nach⸗ n baldigst zu leisten, widrigenfalls Zwangsbeitreibung erfolgt.

Eine Vorratskammer ausgeräumt. In der Roonstraße wur⸗ den aus einer im ersten Stock gelegenen Speisekammer eines Hauses der Roonstraße in der Nacht vom 28. auf den 29. d. Mts. ein Roll⸗ schinken, Speck, Wurst und frisches Fleisch entwendet.

Erwischter Fahrrabdieb. Festgenommen wurde ein funger Mann aus Fellingshausen wegen Fahrrad⸗ und sonstigen Diebstählen.

Lich. Unsere Maifeier wird nächsten Sonntag, 6. Mai, abge⸗ halten. Dazu werden alle Genossen, die freien Turnerschaften, sowie Arbeiter⸗Gesangvereine und die Arbeiterjugend freundlichst einge⸗ laden. Es wird zahlreiches Erscheinen(auch der Frauen) erwartet, damit die Maffeier sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestalte. Die Aufstellung des Zuges erfolgt um Uhr an der Landwirt- schaftlichen Winterschule. Abmarsch 3 Uhr nach Steins Saalbau. Frau Dr. Quarck⸗ Frankfurt wird über die Bedeutung der Mai⸗ feier sprechen.

Altenbuseck Die hier am Sonntag abgehaltene Malfeier für unsern Bezirk hatte zahl reiche Teilnehmer von auswärts hierher geführt. Die Veranstaltung nahm den besten Verlauf und dürfte den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben. Häuser⸗Gießen

über die Bedeutung des Weltfeiertags; seine Ausführungen fanden lebhaft? Zustimmung.

Dollarstand Mittwoch mittag 12 Uhr:

31 500 Mark.

Kreis Friebberg⸗Budingen.

Ein Lanbfriedensbruch⸗Prozeß

wurde am Donnerstag vor dem Schöffengerichte in Butzbach ver⸗ handelt. 11 Angeklagte und zwar Hrch. Winter, A. Ebner, H. Rein⸗ harbt, Franz Bell, Orch. Keller, A. Ruppenthal, Jak. Bergk, Hrch. Kümmel, Fr. Knösel, Jos. Ehringer und Karl Wolf hatten sich wegen dieses Delikts zu verantworten. Ihnen wird zur Last gelegt, an einer öffentlichen Zusammenrottung einer Menschenmenge teilgenommen und Gewalttätigkeiten gegen Personen und Sachen begangen zu haben. Am 27. Juni vorigen Jahres betpeiligten sich die Angeklagten an der Demonstratfon anläßlich der Ermordung des Ministers Rathe⸗ nau. Es spurde ein Zug durch die Stadt gemacht und hierbei dran⸗ gen Leute in das Fabrikanweson von starl Freitag ein, um von dem Besitzer zu verlangen, daß er sich schriftlich verpflichte, den entlassenen Betriebsräten Bell und Nuppenshal zunächst den Lohn weiter zu be⸗ zahlen. Knösel und Winter sollen zusammen mit anderen nicht er⸗ mittelten Beteiligten in die Wohnung des Professors Dr. Werner eingedrungen sein, in der Absscht, mit vereinten Kräften Gewalttätig⸗ keiten zu begehen, in gleicher Weise sollen Wolf und Ehringer gegen die Gerbermeister Bernhard und Jakob Grlininger vorgegangen sein. Im Laufe der Verhandlung stellten sich die Straftaten als viel weni⸗ ger schhwer dar, als es nach der Anklage den Anschein hatte. Neun Angeklagte wurden freigesprochen und nur zwei verurteilt und 70 e er e moegen Lendfriedensbruch und Hrch. Winter zu einem Monat Gefängnis wegen Hausfriedens⸗ bruch. Die Verteidigung lag in den Händen von R.⸗A. Dr. Aaron⸗ Gießen und Dr. Seckel⸗ Frankfurt, Bei der 18 e wurde die Frau des Prof. Werner als Zeugin vernommen, die an dem Tage der Demonstration in ihrer Wohnung anwesend e war, Als der Richter, wie üblich, ihre Personalien seststellen wallte und nach ihrem Namen fragte, antwortete die Zeugin:Sie kennen mich boch! Im weiteren Verlaufe ihrer Aussage erklärte sie u. a., daß der Kommunist Oppenheimer im Butzbacher Blatte zum Mord aufgefordert habe. Von Seiten der Verteidiger wurde sie hierauf gefragt, ob sie diese Behauptung auf ihren Eid nehmen wolle und ob sie dies in dem Blatte selber gelesen habe. Darauf gab die in zu, daß sie es nicht selber gelesen sondern ihr Mann habe ihr bas erzählt, In ihren Plädoyers nahmen die Verteidiger Veranlassung, auf die überaus leichtfertige Anssage dor Frau Weruer hinzuweisen: auf diese Art würden die ungeheuerlichsten Dinge verbreitet, denen nicht das geringste Tatsächliche zugrunde liege. 9

Kleine Nachrichten.

Frankfurt g. M., 2. Mai. Die Gehälter der Angestell⸗ ten. Den Schiedsspruch für Monat April, der eine 10prozentige Er⸗ höhn der Februar⸗Sätze brachte, wurde, nachdem er seitens der Arbeitgeber abgelehnt war, auf Antrag der Angestelltenorganisationen durch den Demobilmachungskommissar in Wiesbaden für verbindlich

erklärt. i Wieder diese rücksichtslose Autoraserei.

In Zwingenberg wollte die Frau des Landwirts Bender mit einem Kuhgespann nach dem Felde fahren, als ein Auto porbei⸗ fuhr. Die Kuh scheute, die Fram geriet unter den Wagen und wurde. an ben Schenkeln siberfahren. Die Frau erlitt schwere Verletzungen. Die Insassen des Autos kümmerten sich um die Verunglückte nich und fuhren weiter.

Eisenbahnunfall.

Im Bahnhof Plettenberg bei Siegen stieß ein Personenzug mit einer Lokomotive zusammen. Vier Reisende und der Lokomotiv⸗ erheblich verletzt. Beide Lokomotiven wurden be⸗

Strafkammer Gießen. Sitzung vom 27. April.

Schlebungen beim Holzverkauf. Der Lzauf⸗ käufer A. K. von Schlitz hatte in drei Fällen seiner Firma ge⸗ fälschte Verträge über von ihm getätigte Holzkäufe vorgelegt. Er hatte darin andere Preise und Holzmengen eingesetzt, als er mit den Verkäufern vereinbart hatte. Zu seiner Entschuldigung machie er geltend, daß er z Z. wegen der schlechten Beschafsenheit des ge⸗ kauften Holzes an die Firma anderes Holz hatte liefern müssen nud außerdem die Kosten für Fällung und Anfuhr zum Bahnhof, die z. T. von den Verkäufern nicht übernommen waren, in die höheren Preise hätte einrechnen müssen. Die Firma ist insosern getäuscht worden, als sie annahm, die Verträge seien so, wie mit den Ver⸗ käufern von K. vereinbart, zur Ausführung gebracht worden. Auf Grund der Feststellung, daß K. die Fälschungen in der Absicht vor⸗ genommen hatte, sich eines rechtswidrigen Vermbgensvorteil zu verschaffen, wurde auf eine Gesamtgefängnisstrase von 2 Monaten erkannt.

Dunkle Geschäfte. Bei den Eheleuten W. K. in Gießen waren im vorigen Jahr zerschlagene Eisenrinnen, der Stadt Gießen gehörig, die von dem rechtskräftig wegen Diebstahls verurteilten Th, gestohlen waren, beschlagnahmt worden. Ven dem Schöffen. gericht von der Anklage wegen Hehlerei mangels ausreichenden Beweises freigesprochen, wurden sie auf die Berufung der Staats⸗ anwaltschaft von der Strafkammer wegen Hehlerei verurteilt, wo⸗ gegen sie mit Ersolg Repision verfolgten. Zur erneuten Verhand⸗ lung an die Vorinstanz zurückverwiesen, kam die Sache zur aber⸗ maligen Verhandlung. Die eingehende Beweisaufnahme ergab, daß der Ehemann K. geholsen hatte, die Rinnen zu zerkleinern und die Ehefrau K. zur Verheimlichung des Diebstahls beigetragen hatte. Da nicht ausreichend nachzuweisen war, daß sie ihres Vor⸗ teils wegen gehandelt hatten. wurden sie, da ihre Handlung eine Unterstittzung des ihnen bekannten Th. darstellt, um diesem die Vorteile seines Vergehens zu sichern, wegen Begünstigung und zwar der Ehemann mit Rücksicht auf seine Vorstrafen zu 1 Monai Gefängnis, die Ehefrau zu einer Geldstrase von 5000 Mk. ver

urtellt. Sport

Kreisturntag des 9. Kreises des Arbeiter⸗Turn⸗ und Sportbundes.

Der Kreisturntag des 9. Kreises am 14. und 15. April in Ossenbach stand ganz im Zeichen der heullgen Wirtschaftslage, die sich wie ein dunkler Streisen durch die ganzen Verhandlungen zog. Die geringe Zahl der Delegierten bei der Samstagstagung zeigte, daß bie teilweise Einstelluna des Gisenbahnverkehrs auch hier wirkte. Doch trafen noch im Laufe des Abends und am vormkttag vielc Turngenossen ein, so daß 66 Vereine durch 115 Delegierte vortreten waren. Der Bundesvorstand hatte den früheren Kreisturnwart und jetzigen Redalteur der Arbeiter⸗ Turnzeitung, Genosseu Gr. Gröger, gesandt. Ter Kreisvorsitzende Bauer begrüßte die Delegierten und eröffnete die Tagung. Der Bericht der geschäftlichen sowie der technischen Leitung füllte die Tagung am Samstag aus und zeigte daß die vergangenen Jahre viele Arbeit, aber auch schöne Erfolge brachte. Die Zähl der Verne war am 1. Janmar 1921 228 mit 24 621 Mitgliedern, am 1. Januar 1922 281 mit 28 898 Mitgliedern, am 1. Januar 1923 328 mit 33 479 Mitgliedern; hierzu kommen noch 8835 Schüler und Schülerinnen sämtlicher Sparten, so daß der N 42 314 Angehörige zählt. Eine große Anzahl Vereine steht noch aus

Die Berichte der einzelnen kechnischen Spartenleiter zeigten nüt wenigen Ausnahmen erfreuliche Fortschritte; am besten haben inderabtilurgen und Fußballer abgeschutten; das Frauen- arnen hat noch nicht überall Fuß gesaßt. ö

Die Diskusston war recht lebhaft; sie zeigte, daß die Delegierten nicht mit allem einverstanden waren, was der Kreis⸗ gurstand berichte: hakte. Doch brachte die Ausspra eine Klärung an jeder Hinsicht. Als ein Jortschritt für dle Arbelterturner ist es Ezu bezeichnen, daß die politschen Gegensätze der Delegierten nicht