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Frpebition: Gießen Bahnhofftraße 23 Ferusprecher 2008.
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Gießen, Samstag, den 2. Juni 1923
18. Jahrgang
Er anzasen und Rammunisten. g Schon anläßlich der Mülheimer Unruhen ging aus zahlreichen Berichten über das Verhalten der Franzosen hervor, daß die Besatzungsbehörden den putschistischen Ele⸗ menten gegenüber zumindest„wohlwollende Neutralität“ übten. Dieser Eindruck hat sich bei den neueren Unruhen im Ruhrgebiet bis zur Gewißheit verstärkt, wenn auch die amtlichen französischen Stellen stets mit Entrüstung den Gedanken von sich weisen, als würden sie irgendeine a Sympathie mit den kommunistisch⸗syndikalistischen und son⸗ 1 stigen Unruhestiftern empfinden oder gar ihre Bewegung ö fördern. Aber wir haben hier schon dargelegt, daß die fran⸗ zösische Regierung aus den Streikunruhen neue Hoffnungen schöpfte. g
0 Indessen wird in einem Artikel der neuen linksbürger⸗ lichen Zeitschrift Le République die Wahrheit über die Zu⸗ sammenarbeit zwischen französischen Generälen und Ruhr- kommunisten unfreiwillig, jedoch unzweideutig enthüllt. Es handelt sich um einen Aufsatz des bisherigen Sonderbericht⸗ erstatters der Oeuvre im Ruhrgebiet. Jean Piot, der sich gegen die Strafverfolgung Cachins und Genossen wegen ihrer Beziehungen zu den deutschen Kommunisten wandte und dabei folgendes ausführte: 1
„Der General Denvignes hatte keinerlei Bedenken, mit den deutschen Kommunisten zu verkehren. Aber nicht
ein allein, daß ermitihnen verkehrte. Er ermutigte sie. Ich te zwar nicht. daß er sie subventionierte:
ch aber ich möchte keinen Eid darauf schwören. Er versicherte 00 ihnen, daß das demokratische arbeiterfreundliche vanzö sische U Volk für die Arbeiter Wohlwollen empfinde, daß es ihre Sache fer gegen die Schwerindustrieba cone verteidigte, usw. Er entwickelte vor ihnen die Gedanken feines Vorgesetzten, des G enerals
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N f ö Degoutte:„Unsere Aktion kichtet sich nicht gegen, die Arbeiter, 1 sondern gegen die Industriemagnaten, nicht gegen das deutsche
N 0 8 Jondern gegen die widerspenstigen Staatsmänner Deutsch⸗
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N Kurz und gut, es handelte sich danach nicht mehr um eine Besetzung, sondern um einen Kreuzzug gegen den Kapfta⸗ lis mus... und der General Denvignes gebrauchte
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vor den Essener Arbeitern ungefähr dieselbe Sprache wie Herr Cachin!“ f
Und Jean Piot— der übrigens schon als Ruhrbericht⸗ erstatter der Oeuvre oft bewiesen hat, daß er uber die Ange⸗ legenheiten des französischen Oberkommandos v orzüglich unterrichtet ist— machte daher den witzigen Vorschlag, ent⸗ 0 weder den General Denvignes neben Cachin vor den Staats- 0 gerichtshof unter Anklage zu stellen— oder Cachin zum Obersten zu befördern und ihn dem General Denvignes als 0 Adjutanten in Düsseldorf beizugeben, da beide so ziem⸗ N lich dasselbe getan hätten 1
N Dieser Artikel ist, nebenbei bemerkt, am 19. Mai er. schienen, also vor dem Ausbruch jener neuen Unruhen, bei
denen sich die Zusammenarbeit zwischen französischen Mili⸗ Kommunisten und Syndikalisten aus
taristen und deutschen. n nachweisen läßt.
hundert Einzelheiten 1 . 5 ier 1 Absichten der Besatzungsbehörden liefert die Rote Fahne den besten Beweis. Sie berichtet in der Nummer 120 über die Lage im Ruhrgebiet und wendet sich gegen die französischen Spitzelzentralen, die versucht hatten, an die Bewegung Anschluz zu bekom⸗ men um sich für die„Sozialisierung und Ueber ⸗ nahme der Betriebe“ durch die Arbeiter einzusetzen. Bezirksleitung mee e Nord hatte einen ihrer Genossen entsandt, um mit der fran en Ingenieurkommissite über 1 1 1 1 11 95 5 ichten kennenzulernen. dee 5 die Rote Fahne folgendes: daß es den
Die kommunistische
geführte Aussprache berichtet 5 die unser Genosse äußerte, sein würde, die Betriebe in Gang zu ihm die qualifizierten die Ingenieure
serem Genossen mitgeteilt, daß
Sorgen machen. brauchte, da die Be.
1 1 75 5 5 75 5 9 ö en ihnen genüg En 19 21 1 80 151
gehe Kräfte zur Verfügung stellen. e e sta 925 seien französische Ingenieure au 1 1 Vesagungsbehörde heute wurde dem Genossen erklärt, 1 die sie schon genügend qualifizierte deutsche leitend. Kräfte gal, 58 45 0
tagte der Zentralausschuß der sich mit den Differenzen
der Kommunistischen Partei, Eine lange
in ihren eigenen Reihen beschäftigen sollte. Resolution war der Niederschlag der
ö 4 In der vergangenen
Gruben,
* batten. Darin heißt es u. a „ 1 0 ö Wenn in der jetzigen Situation die Besetzung dar 110 KH. 0 ein schwerer Fehler wäre, s so kann der Moment bald kommen, 1 1 wo bei großen Kämpfen in besetzten 1 7 agen ö gelben wird, den miteinander. kehr kämp das Ruhrge⸗
5 italisten agen:„Ihr kämpft um da, 05 0 e perren das Ruhrgebiet gehört denen, 515 in seinen
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der Arbeit. Sie stürzten die Arbeiter in brudermörderische
Feststellung kommunistischer Umtriebe. Essen, 31. Mai.(Eig. Drahtb.)
Eine Konferenz der bei der wilden Streikbewegung im Ruhrgebiet in Frage kommenden Zentralvorstände mit ihren Bezirksleitungen aus Aufruf: 5
An die Mitglieder der freien Gewerkschaften! Durch unverantwortliche Elemente sind die Arbeiter des Ruhrgebiets in blutige Kampfe gestürzt worden, die viele Tote und Verwundete gekostet haben. l Die Gewerkschaften haben mit diesen Vorgängen nichts zu tun. Alle Opfer an Gut und Blut fallen denen zur Last, die in geradezu verbrecherischer Weise die Not des Volkes ausnützen, um unter dem Schutze der Franzosen ihre politischen Ziele zu erreichen. Wie konnten sich diese Dinge entwickeln? Der fran⸗ zösisch⸗belgische Ruhreinbruch hat die deutsche Wirtschaft fast lahmgelegt. Bei fortdauernder Geldentwertung haben Wucherer und Spekulanten die Preise des unent⸗ behrlichsten Lebensbedarfs zu unerschwinglicher Höhe ge steigert. Dem Ansturm gewisser Elemente auf die Mark hat sich die Regierung in keiner Weise gewachsen ge ⸗ zeigt. So ergibt sich eine katastrophale Verschlechterung der Lebenshaltung der breiten Massen, der das Unternehmer⸗ lum absolut nicht Rechnung getragen hat. 5 In diesem Augenblick, wo alles darauf ankommt, die Macht der Gewerkschaften zu staͤrken um die eingeleiteten Lohnverhandlungen zu einem für die Arbeiter günstigen Ausgang zu bringen, diesen Augenblick benutzten die Kommunisten, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Ihre Hundertschaften trieben die Arbeiter mit Knüppeln und Re⸗ volvern aus den Betrieben und hinderten sie gewaltsam an
Straßenkämpfe, die zahlreiche Proletarier Leben und Ge⸗ sundheit kosteten. Unter dem Deckmantel berechtigter Lohn⸗ forderungen entfesselten die Kommunisten politische Kämpfe. Aber die Not der Arbeiter wurde dadurch nicht vermindert, sondern erschreckend gesteigert. Die Union der Hand⸗ und Kopfarbeiter bemächtigte sich der Streikführung. Jetzt, wo ihr die Felle wegschwimmen, bläst sie den Kampf ab. Dabei hat sie f nicht das geringste erreicht.
Alles, was für die Arbeiter erzielt wurde, ist durch die Verhandlungen der Gewerkschaften herbeige⸗ führt. Die Gewerkschaften werden auch fernerhin die Ar⸗ beiter nicht im Stich lassen. Haben sie auch den Streik nicht gewollt, so soll doch versucht werden, die durch die unver⸗ antwortlichen Schädlinge der Arbeiterbewegung vermehrte Not in den Arbeiterfamilien zu lindern. Entsprechende Verhondlungen sind eingeleilet. Natürlich wird auch alles
dem Ruhrgebiet erläßt folgenden
Aufruf der Gewerkschaften im Ruhrgebiet.
um berechtigte Lohnansprüche zu befriedigen.
geschehen, dann möglich, wenn die Arbeiter aus
Das ist aber nur den letzten Vorgängen setzen, die Gewerkschaften zu stützen.
Die Vorstände der freien Gewerkschaften.
Die Gewerkschaften zur Lage. 5 Essen, 31. Mai.(Eig. Drahtb.) Eine Konferenz von Führern der freien Gewerkschaften und der Bezirksleitungen nahm nach dem Vortrag des Berg ⸗ arbeiterführers Martmöller und des Reichstagsabgeordneten
Sollmann folgende Entschließung einstimmig an:
„Der passive Widerstand, der von den organisierten Ar⸗ beitern, Angestellten und Beamten geführt wird, muß auch während der beginnenden herigen Energie fortgesetzt werden. Vorzeitiger den französischen Imperialismus und deuten. Die Arbeiterklasse führt den Kampf
nicht für die Reichsregierung,
die sich schwere Unterlassungen zuschulden kommen ließ, 5
nicht für die deutsche Kapitalistenklasse,
die auch in diesen schweren Monaten wiederholt versagte, sondern für die Zukunft der deutschen Wirt ⸗ schaft, also für sich selbst und
für das internationale Proletariat. Nachdem durch Selbstsucht des
von der Reichsregierung und dem Unternehmertum alles getan sätze und Renten den veränderten Verhält⸗ nissen anzupassen und die Teuerungswelle zu hemmen. Zur Bekundung des Erfüllungswillens und zur wirklichen Erfüllung der Reparationsverpflichtungen sind ganz andere Leistungen der deutschen Kapitalisten⸗ klasse erforderlich, als sie in dem Angebot der deutschen Wirt⸗ schaft zum Ausdruck kommen. ö 9835
Wir verlangen zur Rettung des Reiches wirkliche Opfer des Kapitalismus durch Erfassung der Sachwerte ohne Gegenleistungen zugunsten des Kapitals. irgendwie geartete Antastung der deutschen Souveränität in den bedrohten westlichen Gebieten wird die Arbeiterklasse mit andauernder Entschiedenheit bekämpfen. Sie wird sich auch mit einer internationalen Gendarmerie niemals abfinden. 8
Alle Kraft für die deutsche Republik, aller Widerstand
gegen die imperalistische und militaristische Diktatur.
kompliziert denken, Gedanken reifen, die den Zwecken der französischen Imperialisten Vorschub leisten.
Ueberhaupt ist die Rolle der Kommunisten, wie schon immer, so auch in den gegenwärtigen. Kämpfen höchst be⸗ denklicher Natur, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß sie, wie bei den Regierungskrisen in Sachsen und gegen⸗ wärtig in Thüringen das Ziel verfolgen, ihr politisches Programm, ihre Diktatur, zur Durchführung zu bringen. Das Spielen mit der Diktatur ist offensichtlich, wenn es auch in der obengenannten Resolution heißt:
„Wir sind heute nücht imstande, die Diktatur des Proletariats aufzurichten. weil dazu die Vorbedingung, der revolutionäre Wille bei der Mehrheit des Proletariats, fehlt.“
Damit geben die Kommunisten offen zu, wie auch oben angeführt. der französischen Ingenieurkommission gegen⸗ über, was sie uns immer als Arbeiterverrat ankreideten und was sie uns gegenüber bei den Massen noch heute ausspielen. Zu der widerlichen Doppelrolle der französischen Regierung, die im Innern die reaktionärste, arbeiterfeindlichste Politik betreibt, die jemals seit hundert Jahren in Frankreich be—
Kommunisten, Anarchisten und Lumpenproletariat kokettiert, in der Hoffnung, Deutschlands Zusammenbruch zu beschleu⸗ nigen, gesellt sich die nicht minder widerliche Doppelrolle der Kommunisten, die den Putsch aus dem besetzten nach dem unbesetzten Deutschland zu übertragen, mit allen Mitteln arbeiten. Für diesen Zweck sucht man in Rheinland sich jetzt Eeinen neuen Stützpunkt zu schaffen und zu gleicher Zeit beschäftigten sich in Berlin, Leipzig u. a. O. Funktionärsitzun⸗ gen mit dem berühmten Weitertreiben der Aktion. Nach bis herigem Schwanken hat die Zentrale in einem neuen Aufruf
obachtet wurde, und die an der Nuhr, gegen Deutschland mit
1 und Gewerkschaften von Leipzig erlassen, in dem es. eißt:
Im Ruhrbezirk sind Elemente der Rechts⸗ und Links⸗ bolschewisten an der Arbeit. den Kampf für ihre politischen Zwecke auszuwerten. Unisonisten, Syndikalisten und Kom⸗ mumfsten arbeiten ungewollt Hand in Hand mit den Provo⸗ kateuren aus faseistischen Kreisen. N
Durch terroristische Akte versucht man die Arbeiter aus den Betrieben herauszutreiben, um sie gewaltsam politischen
Schwerindustrie und des französischen Imperialismus gelegen
sein können..
Es steht zu erwarten, daß auch im Leipziger Bezirk derartige Terrorakte geplant werden. 5
Not und Elend auf der einen Seite, ungeheuere Be⸗ reicherung und Steuerdrückebergerei auf der anderen und dazu das in der Schicksalsstunde des deutschen Volkes ge radezu hohnvolle„Angebot“ der Industrie, haben eine Situation geschaffen, die mit der vom Herbst 1918 ver- zweifelte Aehnlichkeit hat. Die Arbeiterschaft steht vor schweren Kämpfen, aber Putsche mit Plünderungen und Zerstörungen, die die Werte vernichten die die Arbeiter ge⸗
Arbeiterklasse kann sich keinen weiteren Kräfteverfall er⸗ lauben. Sie muß gerüstet sein für die Kämpfe, die zweifel⸗ los kommen werden. Aber dazu ist notwendig, daß die Kampfkraft unvermindert und daß die Phalanx der Arbeiter ⸗ schaft geschlossen bleibt. Vor der deutschen und der inter; nationalen Arbeiterklasse aber nageln wir die Haltung jene Kommunisten fest, die sich nicht entblöden, mit den militari⸗ stischen Unterdrückern ihrer Klassengenossen zu paktieren
das Treiben der aktiven Elemente durchaus gebilligt. Wie
1 je Betriebe den 8 f en wird, daß die in den Massen, die weniger
weit die Sache gediehen ist, läßt ein Aufruf erkennen, den
lassen— von ihnen direkt bestochen sind.
lernen und alles daran f
Verhandlungen mit der bis:
Abbruch des Widerstandes würde die Unterwerfung unter Militarismus be⸗
deutschen Kapitalismus die Mark tief gestürzt worden ist, muß
werden, um sofort Gehälter, Löhne und Erwerbslosen⸗
Jede
Zwecken dienstbar zu machen die nur im Interesse der deutschen
schaffen, müssen Not und Elend nur noch vergrößern. Die
wenn sie nicht gar— wie die Andeutungen Piots vermuten
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