7
ö 1
5 Gießen und umgebung. 8
Vaterländische Streikkasse.
Es gingen weiter bei uns ein: N
0 wsky 200.— Mk., S. 500.— Mk., V. 500.— Mk.,
5 N. 500.— Mk., Henry Hofmam 5000.— Ml., zusammen 6700.— Mark, bereits quittiert 320 250 Mk., zusammen 326 950.— Mk.
Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne
tgegengenommen. es Verlag der Oberhessischen Volkszeitung.
Sichtbare Preisverzeichnisse.
Auf ministerielle Anordnung müssen von jetzt ab sämt⸗
liche in den Läden, Schaufenstern, auf Wochenmärkten, in
Markthallen und im Straßenhandel feilgebotenen Waren, Lebensmittel und sonstigen Verkaufsgegenstände mit deut⸗ lich sichtbaren Preisen versehen sein. Die Preise sind für
ein ganzes Pfund, Meter oder Stück anzugeben. Die Durch⸗
führung der Verordnung wird von der Polizei aufs Strengste überwacht! In Gießen und überhaupt in Hessen besteht ja schon eine derartige Verordnung, aber meistens nur auf dem Papier! Greift die Polizei wirklich ein, so verhängen dann die Gerichte lächerlich niedrige Strafen. So sist es begreiflich, wenn die polizeilichen Maßnahmen immer weniger beachtet werden. 0
Bekämpfung der Anwerbung zur Fremdenlegion.
Seitens des Reichsministers des Innern ist an die Landes⸗ regierung folgende Zuschrift ergangen:
Mit Bedauern muß ich feststellen, daß die Anwerbungen zur Fremdenlegion ihrer Zahl nach nicht geringer werden und daß leider micht daran zu zweifeln ist, daß in der großen Mehrzahl die jungen Leute sich freiwillig bei den französischen Werbebureaus einfinden. Nach Mitteilung der französischen Presse sollen wöchentlich rund 100 Deutsche angeworben werden, die aus einer noch größeren Anzahl von Bewerbern ausgesucht werden. Nach meinen Ermettelungen
Bei der großen Anzahl der vorliegenden Gesuche um Befreiung von minderjährig Angeworbenen und mit Rücksicht auf die hohen Kosten für die an Frankreich zurückzuerstattenden Werbeprämien von je 500 Franks können Anträge künftig nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Angehörigen einen wesentlichen Teil der Kosten sselbst Übernehmen. Nur bei größter Notlage der Antragsteller wird sejne Beihilfe gewährt werden können.
Meine Bemühungen, mit Unterstützung der Reichszentrale für Heimatdienst die Jugend über die Fremdenlegion aufzuklären und sie vor einem Eintritt zu bewahren, bitte ich bei der großen Bedeutung der Sache mit allen nur möglichen Mitteln zu unterstützen und durch geeignete Maßnahmen zu ergänzen.
Ich würde dankbar sein, wenn alle geeigneten Stellen ersucht 8 5 bei dieser Abwehr mitzuwirken und über die von ihnen er⸗ auch
griffenen Maßnahmen in regelmäßigen Zwischenräumen zu berichten. t Reichsfinanz⸗ und Reichsverkehrsmintsterium habe ich gebeten, das Zoll bezw. Bahnpersonal, 1 der Grenze des besetzten zebietes tätig ist, über den Umfang der Werbungen aufzuklären und es zu ersuchen, seine Aufmerksamkeit auch auf den Durchreiseverkehr
junger Leute zu richten und gegebenenfalls auf diese einzuwirken, um
ssie von der freiwilligen Meldung zurückzuhalten.
1 5 Für weitere Anregungen zur geeigneten Bekämpfung dieses un⸗ würdigen Menschenhandels der französischen Regierung würde ich be⸗ sonders dankbar sein. 5
Neue Eingänge beim Landtag. 1. Regierungsvor⸗ lagen. Für die Aufbringung der Mittel für die Handwerks⸗ kammer wird ein Betrag von 2 Millionen Mark verlangt Für die
rchführung der Kinderspeisung wird ein Betrag von 500 Mill. Mark angefordert. Die Karmeliterkirche zu Mainz soll erhalten
werden. Es wird ersucht ein Drittel der Kosten vom Staat zu übernehmen, während je ein Drittel die Stadt Mainz und das Reich übernehmen soll. 2. Anträge. Abg. Kindt und Gen. be⸗
antragen die Vorauszahlung der Dienstbezüge an nicht festange— stellte Beamte. Abg. Werner beantragt, die Vorzugstellung der französischen Sprache in den höheren Lehranstalten zugunsten der englischen aufzuheben. Abg. Herbert beantragt die beschleunigte Auszahlung der Gehaltsbezüge an die Ruhegehaltsempfänger und an die Hinterbliebenen verstorbener Beamter. Der Abg. Köhler beantragt, das Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt keinesfalls vor 1. April 1924 für Hessen in Kraft treten zu lassen. Abg. Schild⸗ bach erbittet 300 000 Mk für Ausbau der Lichtbildstätte. Abg. Delp und Gen. beantragen, die durch das Gesetz über Klein⸗ rentnerfürsorge den Gemeinden zur Last fallenden 20 Proz. der Unterstützungsbeträge auf Staatskosten zu übernehmen. 3. An⸗ fragen betreffen: Abg. Soherr betr. Erweiterung des Flug⸗ platzes bei Wackernheim, ferner betr. Getreideumlage, Knoll betr. Brennholzversorgung im besetzten Gebiet, Abg. Nuß betr. Schaf⸗ fung einer Festmarkanleihe. i
— Konsumverein Gießen. Eine außerordentliche General⸗ versammlung des Konsumvereins Gießen und Umgegend findet nächsten Sonntag nachmittag im Saale des Gewerkschaftshauses statt. Auf der Tagesordnung steht der Geschäftsbericht über die erste Hälfte des Geschäftsjahres und weiterhin wird sich die Versammlung mit der Erhöhung der Geschäftsanteile zu befassen haben. Ueber die Ent⸗
glaube ich annehmen zu missen, daß die Zahlen nicht zu hoch ge⸗ griffen a
unserem Blatte vom Samstag einen längeren Artfkel, dessen An⸗ gaben flir jedes Mitglied der Genossenschaft von Wichtigkeit sind und dessen Studium deshalb sehr zu empfehlen ist.
— Schulerserienkarten. Von der Eisenbahnverwaltung wird uns geschrieben: Um Schliler und Studierenden die Möglichkeit zu geben, noch zu den bis zum 28. d. Monats gültigen niedrigeren Fahrpreisen in die bevorstehenden Osterferien zu fahren, werden Schülerfersen⸗ karten ohne Rücksicht auf den Tag des Schul⸗ bezw. Semesterschlusses bereits am 28. d. M. ausgegeben. Da die bis zum 28. Februar zum alten Fahrpreise gelösten Karten allgemein ihre Atägige Gültigkeit behalten, können somit auch Studierende und Schüler bis zum 3. März 1923 noch die billigeren Fahrpreise ausnutzen. Ferner erhalten Studierende und Schliler, die nachweisbar ihre Angehörigen im be⸗ setzten Gebiet nicht aufsuchen können, Schülerferienkarten nach den Orten, wo sie die Ferien zubringen wollen.
— Die Gaskandelaber in der Stadt werden so nach und nach be⸗ seitigt, weil sie voraussichtlich niemals wieder in Benutzung genom⸗ men werden, sondern in Zukunft die elektrische Straßenbeleuchtung mehr ausgestaltet wird. Letzteres ist allerdings höchst notwendig, denn gegenwärtig ist unsere Beleuchtung in der Stadt nicht die beste. Das Abmontieren der Kandelaber macht nicht geringe Arbeit, zumal wenn im Straßenpflaster Betonschichten durchbrochen werden müsssen, um zur Hauptleitung zu gelangen. Die Arbeit macht sich aber darch den gegenwärtigen Wert des Alteisens bezahlt, das dadurch gewonnen wird. Teilweise zeigte sich bei den Rohrleitungen unter der Erde, daß diese stark vom Rost angegriffen, manchmal sogar durchlöchert waren, sodaß früher eine Menge Gas verloren gegangen sein muß.
— Die starken Regengsisse der letzten Tage haben erhebliches Steigen der Flüsse verursacht. Die Wieseck ist aus ihren Ufern ge⸗ treten und die Wiesen am Phflosophenwald waren gestern zum Teil überschwemmt.
— Das Fahren mit Handwagen auf den Bürgersteigen in der Stadt ist verboten. Das Polizeiamt Gießen macht auf eine Poli⸗ zeiverordnung vom Jahre 1901 aufmerksem, wonach verboten ist auf den Bürgersteigen mit Wagen jeder Art, Karren, Schlitten und Fahr⸗ rädern zu fahren. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen bis 600 Mk. oder Haft bis zu 14 Tagen bestraft.
— Watzeuborn⸗Steinberg. In der Gemeinderats⸗ Sitzung am 22. Februar wurde der Nachtragsvoranschlag der Gemeinde durchberaten und genehmsgt. Durch die Erhöhung des Betriebskapitals auf 305 000 Mark. beläuft sich die gesamte Mehr⸗ ausgabe nunmehr auf vund 980 000 Mark.— Einige Personen, welche um das Ortsbürgerrecht nachsuchten, wurden als Ortsbürger aufgenommen.— Die Unterstützungssätze für minderbemittelte Sozialrentenempfänger wurden ab 1. 2. 23 um 150 Prozent erhöht.— Die Inanspruchnahme der Gemeinde⸗Kranken⸗ schwester soll ab 1. 1. 23 wie folgt bemessen werden: für die In⸗ anspruchnahme bei Tag 20 Mark, bel Nacht 30 Mark. für Nacht⸗ wache 50 Mark. Das Gehalt der Krankenschwester wird ab 1. 3. 23 auf 18 000 Mark monatlich sestgesetzt.— Für die Ruhrhilfe soll anläßlich der Nachfällung von Holz für die Gemeinwirtschaft, der Vetrag für 2 Rm. gezeichnet werden.— Die Gebühren für Feuervisitatoren wurden nach dem Vorschlag des Kreisamts ge⸗ mehmigt.— Der Wasserwärter erhält ab 1. 2. 23 ein Jahres⸗ gehalt von 25 000 Mark.— Die Holzhauer im Gemeindewald sollen 50 Buchen⸗Wellen, mit 20 Prozent Nachlaß vom Durch⸗ schnittspreis, erhalten.— Die 2. Rate des Holzgeldes soll ab 1. 7. 23 mit dem jeweiligen Prozentsatz, den die hiesige Sparkasse für verliehenes Geld erhebt verzinst werden.— Dann wurden noch Wohnungsangelegenheiten geregelt und einem Wohnungs⸗ suchenden eine Wohnuna zugeteilt.— g
In der Gemeinderatssitzung am 20. Februar wurde die Ge⸗ mein wirtschaft der Provinz Oberhessen behandelt und beschlossen derselben beizutreten. Der zu leistende Betrag für 36 Festmeter Holz soll auf einmal, und zwar in diesem Frühjahr, bezahlt werden.— Der subsidäre Beitrag für die Kirche. welcher seither von der politischen Gemeinde aufgebracht wurde, wird für 1923 vom Gemeinderat abgelehnt. Somit ist von nun an politische und Kirchengemeinde getrennt. Ein Nachtrag der Kirche für 1922 wird bewilligt, weil für dieses Jahr der subsidäre Beitrag im Ge⸗ melmdevoranschlag mit aufgenommen war.— Ein Gesuch des Kirchen rechners, um Natural vergütung von der Gemeinde(2 Rm. Holz), wird abgelehnt.— Das Jahresgehalt des Spritzenmeisters wird auf 2000 Mark sestgesetzt— Dem Gemeinderechner, welcher um Naturalvergütung in Holz nachgesucht hatte, wird eine Ver⸗ güttung für Heizmaterzal in Geld in Höhe von 180 000 Mark für 1923 bewilligt.— Die Umwandlung der Gesellschaftsschäfereien in eine Gemeindeschäferei wird zurückgestellt.— Das Pachtgeld für ein Schaf aus der Gemeinde wird auf 150 Mark für das Jahr 1923 festgesetz. Für auswärtige Schafe die einer Herde beigetrieben werden, soll der doppelte Betrag erhoben werden. Bisher betrug die Pacht für ein Schaf 5 Mark.— Ein Gesuch eines Einwohners um Aufnahme als Ortsbürger, wird ge⸗ nehmigt..
„reis Friedberg⸗Bübingen.
— Ungeheuere Pachtpreise für Ackeeland. In Friedberg beschloß die dortige Stadtvertretung von den Pächtern der Klein⸗ gärtengrundstücke für ein 2500 Quadratmeter also einen Morgen, großes Stück jährlich achttausend Mark zu ver⸗ laugen. Der seitherige Pahtprels bekrug 60 bis 80 Mark. Unsere Genossen gaben sich die erdenklichste Mühe, der Mehrheit das Un⸗ soziale eines derartigen Veschlusses klar zu machen; es nützte nichts. Bis auf zwei rühmliche Ausnahmen waren sich die bürgerlichen Parteien von den Demokraten bis zu den Deulschnationalen, einig; so, wie sie es ja meistens sind wenn es gegen die Interessen des geringen Volkes geht. Die Folgen dieses verhängnisvollen Be⸗ schlusses werden sein, daß viele ihre Stücke aufgeben werden, weil für sie nichts mehr dabel herauskommen wird. Die Preise für Sämereien sind ebenfalls ins Ungeheuerliche gestiegen. Es sind Fälle bekannt, daß heute über 20 000 ark ausgegeben werden mußten, um für ein derartig großes ck den Samen zu be⸗
* 1 Nαν s a2. neee.
Stü
wickelung der Genossenschaft im letzten Halbjahre brachten wir in 0— 2 0
Wal
Aus dem Ruhrgebiet.
Ein Parteigenosse, der sich dieser Tage im Ruhrgebiet aufhielt, gibt uns über die dortigen Verhältnisse unter der Herrschaft der Franzosen folgende Schilderungen: Als ich in Gießen in den Schnell⸗ zug stieg, wurde mir die Frangosenherrschaft im Ruhrgebiet geschil⸗ bert und ich dachte mir dabei, daß die Erzählungen wohl etwas ge⸗ färbt wären. Doch es war nicht übertrieben. Zunächst kam die Paß⸗ kontrolle in Hengstei. rote Fahne. Der Zug hält, die Paßkontrolle beginnt.
führen, zusammen mit einem belgischen Zollbeamten. Je muß seinen Paß vorzeigen. Verschiedene, die leinen Paß haben, wer⸗ gen mit herausgenommen zur Feststellung ihrer Personalien und Reiseziele. Hier und dort werden auch Gepäckstücke und Pakete unter⸗ sucht. Der Aufenthalt daxert etwas über eine halbe Stunde. Dann geht es weiter nach Aplerbeck, wo Maschinenwechsel ist. Alle Maschi⸗ nen aus dem unbesetzten Gebiet gehen wieder; zurück, desgleichen die im besetzten Gebiet sind, bleiben drin. Aufenthalt eine halbe Stunde.
Der Zug kommt in Bochum, meinem Reiseziel etwas nach 11 Uhr abends an. Aussteigen⸗ und aus dem Bahnhof heraus und 2 75 5 es i
verschlossen, die Straßen leer von Passanten, dagegen sehe ich Franzo⸗ Drei Mann mit aufgepflanztem Seitengewehr kom⸗ ist ihr Zuruf, Ich, bleibe stehen, zeige meinen Paß, aber das nübl mir nichts. Ich werde in die Mitte ge⸗ nommen und in das Nestaurant Fiege geführt, das die Franzosen be⸗ schlagnahmt haben. Wir mir, so geht es auch andern 0
n dem Lokal Hunderte von Männern untergebracht, Frauen werden er Wir werden dort aufgestellt wie Rekruten. Setzen noch mehr Ver⸗ beginnt die Revision. Heder Einzelne wird von einem Offizier nach Waffen und Papiere
ein Nachtquartier besorgt, ist mein Gedanke. Aber o weh!
sen in Menge. men auf mich zu. Prissonier!
von dem verschärften Belagerungszustand nichts wisfen.
laufen galassen. kann und darf sich niemand. Es kommen immer hastete hinzu. Nach ungefähr 1½ Stunden
e eee ee*
Ein Franzose tritt hewor und schwenkt die Elsässer, die früher bei uns Soldat waren, sind es, welche die Kontrolle durch⸗ Jeder Reisende
unte rsucht. 3 fragt dieser nach„Mineuren“. Ich dränge mich auch vor und zeige meinen Paß. Wo Sie arbeiten? ist die Frage, denn in dem Reiseanzug sehe ich nicht aus, wie ein Bergarbeiter. Ich zeige auf meinen Paß, worin es vermerkt ist. Er sieht mich an und mit einer Handbewegung bin ich entlassen und auf der Straße. Nachts, ungefähr 1½ Uhr. entsteht die Frage: Wohin? Auf den Straßen streifen fortwährend Patrouillen. Als Angehöriger des Bergarbeiterverbandes gehe ich nach unserem Verwaltungsgebäude und finde dort bei einem Kameraden für die paar Nachtstunden ein Unterkommen, ein Lager auf dem Sofa. Am andern Tage nach Be⸗ endigung unserer Kenferenz b tigen die Teilnehmer von auswärts die Handelskammer, welche die Franzosen ausgeräumt haben. Vorn am Eingang prangt ein großes angeklebtes Papier mit der Inschrift:„Französisches Kulturm useum“. Viele Men⸗ schen stehen davor, finden abox keinen Einlaß. Unser Führer, der Kamerad Martmöller, weiß es aber möglich zu machen, daß wir hinein kommen. nsern Augen bietet loses Bild. Al was die Franzosen gebrauchen konnten, haben sie mitgenommen. Ueberall liegt der Fußboden voll von Aktenstücken und Papieren. Eine Bibliothek von 2000 Bänden haben sie mitgenom⸗ men. Telephone sind abgerissen, auch die Lichtleitung in einzelnen Zimmern. Einen Geldschrank haben sie aufgemeißelt und den In⸗
führt, ist der eine Knauf abgerissen. Was wir gesehen haben, ist wirklich ein französisches Kulturmmseum! Von meimem Nachtquartier aus beobachte ich abends um 8 Uhr die Ankunft der Franzosen. Sie kommen mit 4 Tanks und ungefähr 300 Mann Infanterie. Die Passanten auf den Straßen verschwinden schnell, alles ist geschlossen. Die Einwohner im unbesetzten Gebiet können sich hiervon ungefähr ein Bild machen, wie es unsern Brüdern im Ruhrrevier geht. Darum, Bürger, gebt, sammelt und helft, damit unsern Volksgenossen das schwere Los erleichtert wird und sie den Abwehrkampf bis zum guten Ende durchführen können. H. Seibert.
sich in allen Räumen ein trost⸗
halt von ca. 30 000 Mk. mitgenommen. An der Treppe, die nach oben
schaffen. Wenn die Mehrheit wellet beschloß dem die Ermächtigung zu erteilen in ihm geeignet ersche die Pachtsumme herabzusetzen, so ist davon nicht viel zu 5 denn die Art, wie gerade der Bürgermeister den Antrag auf Er⸗ höhung der Pachtsumme motlvierte, zeugte nicht von en ö sozialen Verständnne. Im übrigen muß gesagt werden, daß die weitaus größte Zahl der Pächter zu denen gehören die so wie so schon Not leiden. und wenn alle diese heute beantragen, die Pacht⸗ fumme herabzusetzen dann werden von den 800 Pächtern nicht vel übrig bleiben, von denen die Stadt 8000 Mark erhalten würde. Der Beschluß wäre dann von solch geringem finanzeellen Ergebnis. daß es besser gewesen wäre man hätte ihn überhaupt nicht gefaßt. Doch die Mehrheit war gewiß von dem Gedanken durchdrungen. der Bürgermeister biete Garantie bafür, daß die Zahl der Fälle. die ihm„geeignet“ erscheinen recht klein sein wird. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.
Zell b. Alsfeld. Von einem Mordversuch wird in unserem Orte erzählt. Man hört docliber Folgendes: Im vorigen Jahre wurden einem Ingenteur, der hier ein Bureau unterhielt, nacheinander Fahrräder und andere Sachen gestohlen. Der Dieb und seine Angehörigen sollen nun versucht haben, eine dritte Person die mit dem Bestohlenen verkehrt oder in Diensten steht zu
Bürgermesster Fällen
veranlassen, den Ingenieur durch Gift zu beseitigen. Nach längerer
Weigerung, erklärte sich der Betreffende dazu bereit. scheint dann
aber anderen Sinnes geworden zu sein und entdeckte dem Ingenieur
die Geschichte. Eine Unterfuchung ist eingeleitet, die das Weitere ans Licht bringen wird.
Arbeitsrecht, Gewerlschastliches, Arbeiterbewegung. Aufruf an die Betriebsräte und Betriebsobleute!
Die Generalversammlung am 11. Februar hat beschlossen:
1. Die Neuwahlen der Betriebsräte in der Woche vou 19. März bis 21. März vorzunehmen. 3 5
2. Alle Betriebsräte und Betriebsobmänner(ganz gleich, wie lange sie amtieren) legen bis spätestens den 19. März ihre Aemter nieder mit der Erklärung, ihre Funktionen bis 8 Tage nach er⸗ folgter Neuwahl weiter zu versehen.
3. Der Betriebsrat hat dann sofort(spätestens 4 Wochen vor der Wahl,§ 23 B. R. G.) drei Wahlberechtigte als Wahlvorstand zu wählen.
4. Dieser stellt sofort eine Liste der Wahlberechtigten auf, ge⸗
trennt nach Arbeitern und Angestellten. 5. Der Wahlvorstand erläßt spätestens 20 Tage vor der Wahl das Wahlausschreiben. 6. Das Wahlausschreiben muß angeben: a) wo und wann die Wählerliste ausliegt, 3 Tage lang, b) wieviel Mitglieder des Betriebsrates von den Arbeitern und den Angestellten und
c) wieviel Ergänzungs mitglieder für den Arbeiterrat und den
Angestelltenrat zu wählen find, d) bis wann die Vorschlagslisten eine Woche nach Aushang), e) wo die Vorschlagslisten zur Einsicht ausgelegt werden, 1) wo vor der Wahl die Umschläge für die Stimmzettel in
Empfang genommen werden können,
g) wo und wann die Wähler Umschlag mit Stimmzettel abgeben können.
Wir empfehlen weiter, möglichst gemeinsame Wahl der Ar⸗ beiter⸗ und Angestellten⸗Vertreter vorzunehmen. Dies muß aber vorher in getrennter und geheimer Abstimmung der einzelnen Grünen wet Zweidrittelmehrheit beschlossen werden.
Es sind nur gewerkschaftliche Listen mit Angehörigen des All⸗ gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Afa⸗Bundes auf⸗ zustellen. Angehörige anderer gewerkschaftlicher Richtungen sind nicht auf unsere Listen zu nehmen.
Wir ersuchen die Gewerkschaftsgenossen. in den Betrieben keine politischen Listen nach Parteien aufzustellen und unter keinen Um⸗ ständen solche zu unterstützen, damit Einheitlichkeit bei der Wahl gesichert ist.
Merkblätter über das„Wahlrecht und Wgoßlrerfabren e den Betriebsräten“, sowie Muster für Wahlausschreiben sind bei unserer Zentrale in Gießen, Krednerstraße 39, zu haben.
Die Kosten des Wahlverfahrens tragen nach dem 822 der Wahlverordnung die Arbeitergeber. 5
Auf zur Wahl! Alle Vorbereitungen treffen! 25
Wahret die Geschlossenheit aller freigewerkschaftlichen Arbeiter und Angestellten!
Der Gießener Hausfranenverein und die Hausapgestellten.
Uns wird geschrieben: In der Nummer vom 12. Februar der Oberhessischen Volkszeitung wird zu dem Vorgehen des Gießener Hausfrauenvereins den Hausangestellten gegenüber kurz Stellung genommen. Die Hausangestellten⸗Frage ist ja eigentlich erst nach der Revolution mehr in den Vordergrund getreten. weil man dieser Sache bisher in der Oeffentlichkeit wenig Beachtung sckenkte, die Hausangestellten bekanntlich von jeher stiefmütterlich behendelt wurden. Man komme uns nicht mit dem Einwand daß der Haus⸗ halt weder 155 gewerblicher noch ein kaufmännischer. noch ein landwirtschaftlicher Betrieb ist. l a.
50 Unterschled besteht nur darin daß die gewerbliche Ar⸗ beiterin eine bestimmte regelmäßige Arbeitszeit hat. die 8 Stunden pro Tag nscht überschreiten darf und der Lohn durch die wirt⸗ schaftlichen Organifationen geregelt wird; bei den Hausangestellten gibt es nur in sehr seltenen Fällen eine geregelte Arbeitszeit und in fehr wenigen Fällen beträgt die tägliche Arbeitszeit weniger als 12 Stunden. Desgleichen ist die Entlohnung. von Ausnahme⸗ fällen abgesehen, so gering. daß die nötigsten Reparaturen der Vekleidungssrücke von Neuanschaffungen ganz zu schweigen, gar nicht hergestellt werden können. Im Hinblick auf diese Tatsache haben sich eine erhebliche Zahl von Hausangestellten ihrer zustän⸗ digen Organisation. dem Zentralverband der Hausangestellten, angeschlossen. Der Zentralverhand der Hausangestellten. bezw. das Gicßener Gewerkschaftskartell. das mit dieser Frage betraut wurde, hatte die Hausfrauen zu einer gemeinsamen Besprechung am 11. Januar eingeladen. Eine erhebliche Anzahl von Haus⸗ frauen waren der Einladung gefolgt. Wie so oft machten, sich auch hier reaktionäre Einflüsse geltend. Von einem neuen. aufstrebenden Geist war bei einigen Damen. die das Wort ergrifsen, gar nichts zu spüren. Daß die Gesindeordnung am 12. November 1918 auf⸗ gehoben und die Dienstblicher abgeschafft worden simd, schien diesen Damen nicht zu gefallen. Eine Einigung kam wie zu erwarten, an diesem Tage nicht zustande und. obwohl sich sehr viele Haus⸗ frauen nach den ausgestellten Richtlinien richtete, lag es uns daran. die ganzen Fragen durch Abschlüsse eines Tarifvertrages zu regeln.
Der Gießener Hausfrauenverein bot dafür die beste Gewähr und er hätte sich wicklich ein Verdienst erworben. wenn er die tarifliche Regelung mit uns vorgenommen haben würde. Er lehnte es ab eine tarifliche Regelung vorzunehmen. Wir wandten uns daraufhin an den Schlichtungsausschuß Gießen. In dem Schrfft⸗ satz des Gießener Hausfrauenereins an den Schlichtungsausschuß heißt es u. a.:„Der Giessener Hausfrauenverein ist kein Arbeit⸗ geberverband. Arbeftgeber ist der Haushaltungsvorstand. Die Ehefrau und Hausfrau würd aus den mit den Hausangestellten ab⸗ geschlossenen Verträgen nicht verpflichtet. sofern sie nicht einen selbstänbigen Haushalt führt. Sie handelt als Ehefrau auf Grun ihrer Schlüsselgewalt und verpflichtet durch die bezüglichen Verträge nicht sich, sondern dem Ehemann.“ Es ist bedauerlich, daß diese Auffassung in den bürgerlichen Kreisen heute noch vorhanden ist. Von einem neuzeitlichen Geist ist hier nichts zu spüren. Mehr und mehr macht sich aber eine neuzeitlichere Aufsfassung geltend und die sich auch durchsetzen wird und zwar auch dann, wenn noch so⸗ viele rechtsstehende Damen dagegen ankämpfen. Die Entwickelung läßt sich nicht aufhalten. Allgemeln gilt heute schon, daß Tarif- verträge im Sinne der Verordnung vom 28. 12. 1918 abgeschlossen werden und daß die Ehefrau, ohne besondere Vollmacht. Haus⸗ angestellte annehmen kann und daß die„Schlüsselgewalt“ abge⸗ tam ist.
einzureichen sind(spätesteus
n
2
5
1 8 5
7


