Ausgabe 
1.3.1923
 
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e 105 2. A gr. 2 5 armung, den Zufammendruch unserer Wöh rung letzt auf das

2 755 entstaudene a Elend Deutschlands übergehend. Es waxren ergreifende Bilder, die den Anwesenden vor Augen ge⸗ ihr würden. Nach Schluß des Vortrags ersuchte Gen. Noll in warmen Worten die Erschienenen, den von der Soziald. Partet gebildeten Arbesterwohlsfahrtsausschuß, der es sich zur Aufgabe stellte, neben der tätigen Mitarhelt in der öffentlichen Wohlsahrts⸗ pflege auch seins Hilse den wirtschaftlich Schwacen und Notletben⸗ den men zu laffen, in seinem sozialen Hilfswerk nach besten Krä en zu unterstützen dervc) Sammlung von Geldmitteln in den

Betrieben Verfammkungen oder sonst sic) bietenden Gelegenheiten,

ö dlese Bitte nicht umsonst an unsere Arbelterschaft gerichtet 1 sein, Spenden für den Arbeiterwohlfahrtsausschuß werden in der Oberh. Volkszeitung jederzeit entgegengenommen. Das Deutschlandlied im Case. Zu dem von uns berichteten Vorfall im Cafe Amend erklärt Herr Göbel, daß die Sache sich abgefpielt habe, als in unserem Artikel geschildert sei. Er habe niemand belästigt, sondern den jungen Mann nur veranlassen wollen, aufzustehen und ihn gefragt, ob er Deutscher sei. Ueber die darauf erfolgte unpassende Antwort set er erregt gewesen und habe 8 age ausgeholt, aber den Gegner mir leicht gestreift. Herr G. erklärte welter, daß er noch nie mit semand in derartige Dif⸗ seren eraten sei; um eine nationalistische Demonstration habe 11 ee Wir geben diese Erklärungen wieder, um auch der andern Sette gerecht zu werden. Im wesentlichen wird umnsere Darstellung damtt bestätigt. Bemerken möchten wir nur nochmals, daß es sedermanns eigene Angelegenhekt ist, ob er bet Absingung des Deutschlandliedes oder eines anderen ausstehen will öder n Wir haben uns deshalb mit dem Vorfall beschäf⸗ tigt, um gegen Belästigung friedlicher Leute zut protestieren.

Versteigerung von Nutzholz für Gießener Handwerker. Wir werden von zuständiger Seite ersucht, darauf hinzuweisen, daß die Stadt Gießen für das ortsansässige holzverarbeitende Handwerk wie⸗ der, wie in früheren Jahren, eine Versteigerung von Nutz⸗ und Werkholz veranstalten wird, die voraussichtlich in der nächsten Woche stattfindet; eine freihändige Holzabgabe läßt sich aus Gründen nicht ermöglichen. Näheres über die Versteigerung demnächst in einer Be⸗ kanmtmachung in dieser Zeitung.

Ethöhte Wasserpreise. Das städlische Gas⸗ und Wasserwerk gibt bekannt, daß der Wasserpreis vom 1. März ab auf 220 Mk. für den Kubikmeter festgesetzt ist. Auf die Bekanntmachung im heutigen Blatte sei aufmerksam gemacht.

Erledigte Lehrerstellen. Das Landesbildungsamt gibt bekannt, an der Volksschule in Wieseck zweit Stellen für evangelische

erledigt sind. Eine e flir einen verhelrateten er ist vorhanden, aber zur Zeit nicht frei, eine weitere Famillen⸗ 0 ung kann zunächst nicht beft werden. Ferner sind zwei Schulstellen in Heuchelheim Volksschule frei. Hiervon ist eine mit einem evangel. Lehrer, andere mit einer Lehrerin zu besetzen. Eine Dienstwohnung für einen verheirgteten Lehrer ist vor⸗ handen, aber zur Zeit nicht frei, für eine alleinstehende Lehrerin kann eine Mietwohnung beschafft werden.

Großen⸗Linden. In der am 19, Februar stattgefundenen Ge⸗ meinderatssitzung stand der Antrag der Holzhauer⸗Rotte Meyer, um 100 Proz. Zuschlag zum derzeitigen von der Oberförsterei 7 Lohn zur Beratung. Ein Schreiben der Oberförsterei f t, daß Zuschläge in dieser Höhe nicht zulässig sind. Aus einem anderen Schreiben des Bauarbeiterverbandes konnte man jedoch ent⸗ nehmen, daß ein Zuschlag zu den Akkordlöhnen zugebllligt werden könnte. Da der Bürgermeister keine Unterlagen besaß, wurde der schon bereits früher gewährte Zuschuß von 50 Proz. trotz Einspruch der Oberförsterei beibehalten. Man konnte den erlangten Lohn der Holz⸗ Hauer als flir ausreichend ansehen und wurde die Zubilligung der übrigen 5 Proz. dem Finanzausschuß mit Zuziehung des Försters überwiesen. Zur Erhebung der Gemeindeumlagen für 1923, schlug der Bürgermeister für Grund⸗, Gewerbe⸗ und Gebäudesteuer gleiche Sätze vor Hierliber entspam sich eine lebhafte Debatte, da man seitens imserer Genossen den Grundbesitz stärker als den Gebäudewert heranzieehn wollte. Es wurde von uns betont, daß die Gebäude heute schon stark durch die Wohnungsbauabgabe leiden und auch noch stark unter der. stehen würden. Letzteres wollte auch ein Vertreter der/ Laut wirte auf die Landwirtsckaft beztehen und man glaubte, trotzdem seither schon ein Unterschicd bestand, heute die Sätze gleichstellen zu mülssen. Da man sich nicht einigen konnte, wurde auf Antreg ven einem unserer Genzssen der Antrag gestellt zur Besprech⸗ ung die Sitzung auf 5 Minuten zu unterbrechen. Nach kurzer Be⸗ sprechung wurde von uns vorgeschlagen, die Grundsteuer und Gewerbe⸗ steuer auf 50, die Gebändesteuer auf 20 Proz. sestzusetzen und ent⸗ spricht dleses 1:. Ein Vorschlag, welcher die Gemeindesteuer⸗ erhebung nicht allzustark belastet. Dieser Antrag wurde deshalb an⸗ scheinend auch befriedigt von der Gegenseite angenommen; man er⸗ EEE 3 e 1 eee

doc letzten Sitzung eine

erhöhen.

Härte, mam mifsse sich ja wegen ber Mindertelt anschlloßsen. Bel Ralionserung des Holzes im Gemeindewald geriet einer unserer Ge⸗

nossen in einen nierung infolge Mangel an Hartholz nicht glaubte vernehmen zu können. Dies benutzte ein fast immer unsachlicher Herr der rechlen Seite, unserem Genossen eine Unverschämtheit vorzmperfen. Dies gab Veranlassung zu heftigen Auseinandersetzungen. älteren Genossen, den Herrn nicht mit seiner ganzen Kampfesweise ernst nehmen, wurde 5 75 hier Protest erhoben und der Blürgermeister aufmerksam gemacht,

Wortwechsel mit dem Bürgermeister, der eine Ratio⸗

Trotzdem unsere

hon seit 3 Jahren im Gemeinde rat sitzenden

endlich dieses Mitglied einmal zu rligen. Hatte er doch in der Beleidigung gegen 8 unserer Genossen bei einem Zuhövrerkreis von 2030 Leuten Lahin ausgesprochen, daß er sagte:

Die Kerle spucken einem ins Gesicht und sagen, es hat einem hinein geregnet. Man kam daran erkennen, swes Geistes Kind dieser Ge⸗ meinderat ist. Hoffentlich gibt der Bürgermeister unserem Ersuchen

statt und sorgte dafür, daß die Mitglieder des Gemeinderats von An⸗ rempeleien geschützt werden damit eine fachliche Beratung möglich ist. Nachdem Schluß der Debatte geftellt und angenommen wurde, wurde der Holzverteilung unter Heranzlehung des Försters gleichfalls dem Finanzausschuß überwiesen. Die Abschasfung des Gemeinde⸗ pferdes wurde nach kurzer Debatte abgelehnt. Bezahlung der auf Gemeindeeigentum logernden Komposthaufen. wurde beschlossen, bekannt zu geben, daß eine Genehmigung zum Lagern einzuholen sel. He i⸗ zung der Kirche und des Schulsaales für den Kirchengesangverein. Nach längerer Aussprache wurde durch Abstimmung beschlossen, die Kirche während des Gottesdienstes durch die Gemeinde weiter zu heizen, jedoch die Heizung des Schulsaales für den Kirchengesangverein abgelehnt. Gleichfalls hat letzterer den Verbrauch an Licht zu zahlen. Antrag um Veröffentlichung der amtlichen Bekannt⸗ machungen in der Oberhessischen Volkszeitung. Dieser Punkt gab ebenfalls wieder Veranlassung zu hestiger Debatte mit dem schon vorher erwühnten Gemeinderatsvertreter. Wiewohl der Antrag von einem unserer Genossen gemligend begründet wurde, glaubte der Mann amehmen zu dürfen, daß nach dem Vorlauf der Eltzung er geglaubt Fätte, dieser Antrag würde noch vor Beratung zurückgezogen werden. Einen Antrag solcher Art glaubte er nicht verantworten zu könen, schon allem aus Sparsamkests rücksichten. Er ging so weit, daß er meinte, eine amtliche Bekanntma⸗hung von einer Holzversteigerung usw. hätte in dieser Zeitung keinem Zweck, denn wer, sagte er, wird diese Zeitung lesen, wahrhaftig lein Geschäftsmann, der sich zu einer Holzsüͤbmission einfände. Einer unserer Genossen erwiderte ihm noch⸗ mals eingehend, daß, wenn man die Bekanntmachungen im Gießener Anzeiger streichen könne, er dieselben auch aus Sparsamkeitsrücksichben in der Oberhess. Volkszeitung nicht veröffentlicht haben wolle. Da aber letzteres nicht der Fall sei und ein Abonnieren beider Zeitungen jedem heute nicht möglich sei, sei der Antrag doch gerecht. Auch set seit dem Erscheinen bes Anitsverklündigungsblattes der Gießener An⸗ zeiger nicht ein Kreisblatt mehr, wie der Gegner des Antrags ge⸗ schildert hätte,. eine gleiche Tageszeitung wie die Oberhessische Volkszeitung. Hierauf wurde der Antrag auf, Veröffentlichung der gemeindlichen Bekanntmachungen in der Oberhessischen Volkszeitung angenommen. Schluß der Sitzung 12 Uhr. Kreis Wehlar.

Für ein Kriegerdenkmal wird zurzest in unserer Gemeinde gesammelt. Der Gemeinderat hat die Er⸗ richtung eines Denkmals für die Krieger beschlossen; da aber die Gemeindckasse leer ist, soll dafür gebetkelt werden. Das Andenken en die gefallenen Kriegstellnehmer kann viel besser durch aus⸗ veichende Unterstützung der Witwen und Warsen geehrt werden,. wie durch ein Denkmal. In unserer Volksschule ist schön Monate keine Tinte zum Schreiben, da sehlen die nötigsten Lehr⸗ und Lernmittel. Hier wäre das Geld angebracht. Für unsere Genossen heißt die Parole: Keinen Pfennig für ein Kriegerdenkmal!

Arbeitsrecht, Gewerkscha tliches, Arbeiterbewegung. Schlichtungsausschuß der Provinz Oberhessen in Gießen. Sitzung vom 26. Februar.

In der Lohnstreftsache des Deutschen Metallarbeiter⸗ verbandes, des christlichen Metallarbetterverbandes und des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer mit dem Arbeit⸗ geberverband für Lahngau und Oberhessen Schiedsspruch:

1. Für die Zeit vom 15 bes einschließlich 28. Februar 1923 beträgt der Spitzenlohn der gelernten Arbeiter über 25 Jahren Mk 1520.. Die übrigen Löhne sind in demselben Verhältnis zu Fünf und mehr Mark in der letzten Stelle sind dabet auf bolle 10 Mark nach oben, weniger als 5 Mark auf Null nach

Atzbach.

unten abzurunden. 2 2 42 ane

erging folgender

2. Die Soßfalauagen erhöhen iich In bemfelden Verhalme jedoch sind hier Mk. 2,50 und mehr in der letzten Stelle auf 5 Mark

ben, weniger als 2,50 Mk. auf Null nach unten abzurunden, 50 und mehr auf 10 Mark nach oben, ueniger als Ml. 7,50 auf 5 Mark nach unten.

3. Die Regelung unter Ziffer 1 und 2 gilt auch für den Be⸗ zirk der Ortsgruppe Limburg des Arbeltgeberverbandes für Lahn⸗ gau und Oberhessen. Der Schlichrungeausschuß nimmt an daß er für diesen Bezirk in der Streitigkeit für das ganze Gebiet zuerst angerufen worden ist.

4. Durch diesen Schiets spruch wird den noch schwebenden Ver⸗ fahren Arbeitgeberverband gegen Metallarbester⸗ verband betr. Löhne der Firma Römheld⸗Friedrichshütte und Industriewerke Stockheim sowie dem etwa noch nicht erlebigten Verfahren beim Schlichtumgsausschuß Limburg betr. die Löhne der Limburger Blechwarenfabrik nicht vorgegrissen.

5, Die Arbeiterinnen erhalten 75 Prozent der Löhne der Arbeiter derselben Gruppe und Altersklasse mit derselben Ab⸗ rundung wie unter Ziffer 1.

Es ergaben sich hiernach folgende Stundensohne der Arbeiter über 25 Jahren: Gelernte Mk. 1520., angelernte Mk. 1490. und ungelernte Ml. 1460. Die Streitteile erhielten 3 Tage Frist für ihre Erklärung über Annahme oder Ablehnung des Schledsspruches. ö g.

Einheilsfront der Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Davon ist in der letzten Zeit in der bürgerlichen Presse und ihrem Anhang die ede, Es wird viel vongemeinschaftlichen wertschaftlichen Inte ressen geredet, die namentlich in der Ruhrak⸗ tion vorhanden sein sollen. Immer, wenn sich die Herrschaften in bebrängter Lage befinden, erinnern sie sich der Proleten mit der schwieligen Faust. Aber wie diese Herrschaften dieEinhestsfront und diegemeinfamen wirtschaftlichen Interessen auffassen o schrelbt man uns beleuchtet blitzartig die Handlungsweise det Gießener Großhandels firmen. Diese, die Milltonen⸗ Gewinne im Schlafe etngeheimst haben, find eine befondere Er⸗ scheinung im Kampfe um dieEinheitsfront und die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen. 5

Die Herren fassen dieEinheitsfront so auf, daß wohl sie verdienen wollen, indessen aber die Arbeiter verhungern kön⸗ nen. Mit der Hungerpeitsche läßt soch entschleden eine bessereEin⸗ heitsfront herstellen. Sie scheinen bet Tag und bei Nacht nur den einen Zweck zu verfolgen: wie können die Arbeiter um ihven Lohn gebracht werden.

Die Großhändler gehören dem Arbeitgeberverband für Handel und Gewerbe an und gehören ihm auch wieder nicht an. Direkte Verhandlungen über die Regelung der Löhne und der sonstigen Arbeitsbedingungen lehnen sie ab, sodaß noch stets der Schlichtungs⸗ ausschuß angerufen werden mußte. Auch müßte in fast allen Fällen der Demobilmachungskommissar in Anspruch genommen werden.

Neuerdings sind die Herren auf einen ganz besonderen Trick verfallen, indem Vorstandsmitglieder erklärten, daß lch der Ver⸗ band aufgelöst habe. Feststellungen ergaben jedoch, daß den Mit⸗ gliedern des Arbeitgeberverbandes für Handel und Gewerbe von einer Auflösung des Verbandes nichts bekannt ist

Diesse Maßnahmen sehen elner arglistigen Täuschung sehr ähnlich. Es ist eine Schiebung, nur berechnet zu dem Zweck, die Arbeiter um ihren Lohn zu prellen. So sieht das wahre Gesicht jener Leute aus, die im gegenwärtigen Augenblick nicht genug von derEinheitsfront und den gemeinsamen wirtschaftlichen In⸗ teressen faseln können. Die Arbeiterschaft soll aber aus diesen Vorgängen die richtigen Lehren ziehen und daftir Sorge tragen, daß auch der letzte Mann sich seiner Organisation anschließt, um solchen Machinationen der Unternehmer mit Nachdruck entgegen⸗

treten zu können.. Marburger Schlichtungsausschuß.

Die Tapezierer waren gezwungen, den Schlichtungsausschuß an⸗ zurufen, da die Unternehmer ihre Forderungen abgelehnt hatten. Ende Januar forderten sie auf ihren Stundenlohn von 300 Mark 75 Proz. und Anfang Fbruar 125 Proz. Aufschlag und weitere Er⸗ höhungen für Mitte Februar Es kam zu einem Vergleich, wonach ab 25. Januar 500, dann 600, 650, 800 und ab 5. März 850 Mark ge⸗ zahlt werden. Entspvechende Aufschläge follen Akkordarbeiter erhalten. Die Bäckergesellen sollen ab 5. März, an welchem Tage erhöhte traten, 51 000, 50 000 und 46 000 Mk. Wochen⸗ Kost und Wohnung können bis höchstens 24 000 Mark in Abzug gebracht werden. Es kommen fast mur letztere Gehilfen

Gießener Konzertverein.

In zer wechselnden Folge seiner Veranstaltungen bot uns der Konzertverein am Sonntag mit reiner Vokalmusik zwei in seiner Schönheit uns unvergeßlich bleibende Stunden. Gerade diese echt mustkalische Darbietung ermöglicht auch weiteren Kreisen einen be⸗ sonderen Genuß, zumal von solch vollendeten Künstlern zum Vortrag gebracht, wie wir in dem Berliner Vokal⸗Terzett kennen lernten. Es fällt mir schwer, eines der zahlreichen Vortragslicder als in ihrer herrlichen Beabeitung wie in der Wledergabe höchst⸗ zubewertendes hier voranzustellen; es bedarf auch keiner Besprechung der einzelnen Leistungen; wir dürfen und können nur Lob spenden.

Frl. E. Knüttel's glockenreines jubelndes Organ, das seine Kraft gegenüber den übrigen Stimmen herrlich zu zügeln versteht, der wunderbare in allen Tonstärken überaus sympathisch berührende Alt von Frl. Böhm, die Stützen und Säulen des Ganzen, boten zu⸗ sammen mit dem angenehmen ausgiebigen Mezzosopran von Frl. K. Aulich ein köstliches Ensemble, das neben seiner verblüffenden Sicherheit durch die schlichte und warme Vortragsart ein feines Ver⸗ ständnis für hochmusikalische Auffassung und höch ste Gesangskultur be⸗ wies. Auch die deutliche Aussprache der drei Damen ließ uns heute wenigstens den sonst so ungern vermißten gedruckten Text verschmer⸗ zen und kann so die Anerkennung nur noch verstärben.

Das Berliner Vokalquartett widmete seine Kunst voll und ganz dem Volkslied, dessen reicher Schatz ganz besonders uns Deulsche immer wieder gefangen nimmt, ob wir wollen oder nicht. Die Vokal⸗ musik reicht bis ins 17. Jahrhundert hinein und war der Instru⸗ mentalmusik weit voraus, die aus ihr erst erwuchs und auch dann nur die Begleitung umd Stütze des Gesanges war. Die Musik eines Be⸗ gabten vom Volk aufgenommmen wurde zum Allgemeingut, weil sie geschaffen wurde aus dem Volksempfinden heraus, d. h. aus dem

Leben. Es sind rein menschlicke Emyfindungen, die aus ihm erklin⸗

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das menschlice& Ausdruck. Nur durch besonders Begabte, unter denen ich das Genie verstehe, die die Fähigkeit besaßen, sich von der Masse loszulösen und

auf eigene Weise die Musik zu gestalten, entstand aus der Volksmusik

die Kunstmustk, die ihrerseits auch wieder in das Volk drang und dort zur volkstümlichen Liede ward. Die Pflege des deulschen Volks⸗ liedes, ie ein lebendiger Zeuge für den Geist eines Volkes ist, darf bei uns Deubschen nicht oufhören, sie gehört zu den anzichendsten Er⸗ scheinungen der Kunftgeschichte.

Das Kunstlied lernten wir im Madrigale kennen,

hundert in die übrigen europäischen Länder drang und bereits Ende des 17. Jahrhunderts durch andere Stilarten verdrängt wurde. Es stellt eine Form des lyrischen Gedichtes dar, ging aber sehr bald in die Musik über, die die Liebe zum Inhalt hatte, die die Schäfer, als

Sänger des Madrigale, zum Gegenstand poetischer Betrachtung

machten.

Außer der in bereftwilliger Weise eingeschobenen Liederabteilung erzwang der stürmische von Herzen kommende Beifall die drei Künst⸗ lerinnen zu mehreren Zugaben(Freier Mut, Polksweise a. d. 16.

Jahrhumdert; Der Kuku Harem hesstsche Volksweise; Suse, liebe Suse, Brandenburgisches Kinderlied.) Hoffen wir, Volal⸗Terzett recht bald hier einmal wiederkehren zu sehen.

J.

Staditheater Gießen.

Meine Frau das Fräulein. Der kritische Besucher der Erstauf⸗ führung dieser zu Unrecht alsOperette ausgegebenen Posse mit Gesang, die aber z. B. an die PosseBis früh um Fünfe nicht im entferntesten heranreicht, weiß nicht: soll er mehr die unbefangene Pflichtgefühl unserer Künst⸗

stürmische Freude der Besucher oder das 2 E nN n eee

1 dessen ur⸗ sprlingliche Heimat Italien im 14. Jehrhundert war, im 16. Jahr⸗

das Berliner

ler bewundern. Eines ist jedenfalls umbestritten, daß Herr Goll, der zugleich die Spielleitung und die Rolle desVollmann meisterte, der erklärte Liebling Oberhessens, von Stadt und Land, ist.

Den Gang derHandlung zu erklären, erilbrigt sich ebenso wie die Nennung der Namen vonDichter undKomponist. Der Ge⸗ danke, daß auch unser Stadttheater kein Lachkabinett, sondern eine Erziehungsanstalt ist und unsere Künstler Menschenbildner find, kann bei der Wahl des Stückes nicht ausschlaggebend gewesen sein. Aber Lachsalven durchtobten das lbervolle Haus und die Kasse wurde ge⸗ füllt. Wen die Bühne kalt ließ, erfreute sich an dem Jubel seiner

Mitmenschen.

Daß Richard Hellborn mit Leichtigkeit eine treffliche Hauptfigur auf die Bühne stellte, ist selbstverständlich. Er wurde von Frl. Ilse Wissendorff schauspielerisch und gesanglich erstklassig unterstützt. Kar! Volck gab einen famosen Baron und Oskar FeigelsKonsul von Columbia zeigte daß auch er jeder Rolle unbedingt gewachsen ist. Tu Wander sang und spielte reizend. Ihr Partner Martin Jacob ist vielleicht darum am meisten zu loben, weil er es was schwer war zu vermeiden wußte, in dem jungen Gelehrten(Graf Trautherz) einen Trottel zu sehen, vielmehr eine Gestalt schuf, der man zwar nicht beim Sturm auf Frauenherzen, aber in einer Versammlung von Botanikern die Führung wohl zu⸗ trauen konnte. Wir haben uns über seine Leistung ehrlich gefreut. Hermann StichelsGerichtsvollzieher war gut getroffen, Karl HollsDiener einwandfrei gespielt. Lutse Rammel erfreute durch eine köstlicheͥKöchin die im Zusammenspiel glänzend war. Die kleine Esther Schott als Töchterchen des Malerehepaars machte hre Sache brav und lieb. Ein Dank den Klünstlern, nicht zuletzt auch der musikalischen Leitung(Karl Knübel), daß sie ihr Können aus Griinden, die wir nicht kennen einem solchen Werk zur Verfügung stellten, das keinen Gewinn fikr Kunstfreunde bedeutet.. 1

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