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Dieser begnadigte Mörder betrat den Himmel in dem Augenblick, als die Leiden des HErrn soeben vollendet waren, als das Erlösungswerk soeben voll⸗ bracht war, als der Sieg über Satan soeben aus⸗ geführt war. Er war wie ein Brand aus dem Feuer gerissen, wie ein Raub aus der Hölle durch den mächtigen Arm des Heilands weggeholt. Dort leuchtet er jetzt als Triumph der göttlichen Gnade, er wird seine Harfe bringen und sein besonderes Loblied singen.

Er hat auf Erden nichts Gutes getan, aber seine Geschichte ist eine Ermutigung für jeden tief, gefallenen Sünder, den HErrn um Gnade anzurufen.

Doch nicht nur der Schächer, auch du, lieber Leser und ich, wir haben gegen Gott gesündigt und haben Seine gerechte Strafe verdient. Aber wie wunderbar, der gerechte Gott, der, um Seiner Heiligkeit willen Seinen Zorn und Sein Gericht über die Sünde bringen muß, ist zugleich ein rettender Gott. Er liebt den Sünder, und Er hat in Seiner wunderbaren Liebe einen Weg gefunden, auf welchem Er jeden Sünder zu retten vermag: Am Kreuze auf Golgatha hat Er Seinen eingebornen Sohn für uns dahingegeben. Jesus Christus mußte dort sterben für unsere Sünden, wollte und sollte Er unser Retter werden. So ist der ge⸗ rechte Gott der rettende Gott geworden, der Seine Gnade und Liebe am Kreuze vollkommen enthüllt hat. O. D.

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Die Kreuzigung. (Luk. 13, 33. 34.)

Jedem unschuldig Leidenden muß es eine große Schmach sein, in Gesellschaft von Verbrechern zum Richtplatz abgeführt zu werden; viel lieber möchte er allein oder mit anderen Unschuldigen die Strafe erdulden. Märtyrer wurden gewöhnlich

zusammen zum Scheiterhaufen geführt und haben

noch in der Sterbestunde die Süßigkeit der Gemein⸗ schaft der Heiligen geschmeckt.

Der erhabene Sohn Gottes aber wurde in Ge⸗ sellschaft von zwei Übeltätern zur Kreuzigung abgeführt; ihre Namen waren mit dem Seinigen in derselben Liste der Hinrichtungen jenes Tages. So wurde die Weissagung des Propheten Jesaja erfüllt:„Er ist unter die Übeltäter ge⸗ rechnet.“ Wäre Johannes der Täufer oder einer Seiner Jünger mit Ihm gekreuzigt worden, die Schande wäre nicht so groß gewesen. Schande war aber ein Teil Seines bittern Kelches; Schande ist die Folge der Sünde, und weil Er unsere Sünde trug, trug Er auch unsere Schande, unsere Schmach.

Sein Tod war nicht allein ein schmachvoller, sondern auch ein schmerzlicher, und es gibt wohl keine Todesart, die so langsame Martern verursacht, wie die Kreuzigung. Es war ganz der Grausamkeit

der Heiden angemessen, solche Marterweise ausfindig zu machen; dieselbe blieb unter den Römern, bis Kaiser Konstantin die Kreuzigung abschaffte und ale Strafe für die größten Verbrechen das Henken be⸗ stimmte.

Das Kreuz lag für den zum Kreuzestode Ver: urteilten auf der Erde; nachdem derselbe darauf ge⸗ streckt war, wurden seine Hände und Füße von vier Kriegsknechten durchbohrt und mit Nägeln befestigt, dann wurde das Kreuz aufgehoben und mit einem plötzlichen Ruck in ein dazu bereitetes Loch gestellt Die klaffenden, der Luft frei ausgesetzten entzündeten Wunden, das in seinem Lauf gestörte Blut ver ursachte die brennendsten Kopfschmerzen. Von diesem Tode sprach David, als er durch der Heiligen Geist von des Heilands Leiden weissagte „Der Bösen Rotte hat sich um Mich ge⸗ macht; sie haben Meine Hände und Füß⸗ durchgraben“(Pf. 22, 17)— diese Gnaden⸗ hände, die so manchem Gesundheit und Freude wiedergeschenkt, diese gesegneten Füße, die so manchen rauhen Pfad betreten hatten, um Verlorne seligzu⸗ machen, ja, die zuletzt den Dornenpfad nach Golgatha gingen!

Fühlte aber der Sohn Gottes Groll in Seinen Seele wider die, welche die Nägel durch Sein Glieder trieben? O höre nur auf die Worte, die Er, ausgestreckt am Kreuz, ausspricht!

Ist es eine Klage? Nein, es ist ein Gebet! Betet Er wider Seine Feinde? Nein; Er betet für sie:„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Er betet für die vier Kriegsknechte, die Ihm die Wunden geschlagen, für die, die Ihn verspottet, für den Haufen, der ge. schrien hatte:„Kreuzige, kreuzige Ihn!“

Das Volk, die große Menge, wußte nicht, wa sie tat. Kaiphas wußte wohl, was er tat, auch Judas; der größte Teil der Feinde aber sündigte in Unwissenheit, freilich nicht in unverschuldeter Un wissenheit, weil sie dieselbe liebten, weil im großen und ganzen von ihnen das Wort galt: „Sie liebten die Finsternis mehr denn das Licht, weil ihre Werke böse waren.“ Wie mag es ihnen zumute gewesen sein, als sie zuerst erkannten, daß der, den sie verspottet und ge. martert und getötet hatten, der Sohn Gottes war! Was einige dabei fühlten und was sie gesagt, wirt uns erzählt; nachdem Petrus in der Pfingstpredigt gesprochen:„Den habt ihr genommen durch die Hände der Ungerechten und ank! Kreuz geheftet und erwürgt“(Apg. 2, 235, ging es dreitausend durchs Herz, und sie sprachen „Ihr Männer, lieben Brüder, was sollen wir tun?“ 8

Weiß auch der Leser dieser Worte aus Er⸗ fahrung, was es ist, wenn einem zuerst die Augen dafür aufgehen, wider welch einen Heiland man sein Leben lang gesündigt, wenn man zuerst er

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