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Du
bist!“— o wie wird jener Mann nun herausfahren: „Ich— ich— rechthaberisch! Nein, gerade dies gar nicht. Ich weiß, daß ich ein großer Sünder bin, aber diese Sünde kenne ich gar nicht.“ Sagst du ihm weiter:„Aber all deine Freunde haben diese Meinung von dir,“ so wird er sich in heftigem Zorn von dir wenden und sagen:„Es ist wahrhaft empörend, wie man verleumdet wird. Ich habe aber schon lange gemerkt, daß ihr etwas an mir suchtet,“ usw.
Ja, das Christentum ist eine sehr schöne erhabene Sache. Wie tröstlich ist es zu wissen, daß Gott die Liebe ist, wie tröstlich, die Holdseligkeit in Christo zu erkennen, wie köstlich dieser Trost, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen; wie freundlich lacht uns das lichte Vaterhaus jenseits des Todestales entgegen! Auch Gottes Zorn, des Teufels Macht und der Hölle Glut darf man mit den buntesten Farben ausmalen. Mann kann dabei ruhig schlafen, denn diese Dinge gehen ja einen nichts mehr an; sie gehören sich für andere Leute. Ja, das Christentum hat großartige, ergreifende Lehren; sie müssen aber ganz allgemein vorgetragen werden. Bei den tröst⸗ lichen Lehren darf man auch sagen:„Du bist der Mann, dem alles gehört!“ aber bei den nieder- schmetternden Worten Gottes muß man ganz all⸗ gemein bleiben, sonst wird man unangenehm, sonst heißt man taktlos.
Wenn man aber so predigt, daß jeder merkt: ich bin's, der gemeint ist; ich soll Buße tun, ich soll mich demütigen, ich soll diese und jene Sünde ablegen, ich soll mich mit jenen unausstehlichen Menschen versöhnen! dann heißt es:„Das ist eine schroffe, unerträgliche, subjektivistische Art zu predigen. Man sollte die ewigen Wahrheiten nur ganz objektiv vortragen; die Anwendung können wir uns schon selber machen.“ Jawohl, wir können es; aber wollen wir es auch? Willst du es, du arglistiges, ränke⸗ volles, selbstbetrügerisches Menschenherz? Mache dir das wohl klar. Denn nicht eher, bis du unter den Schwertstreichen des heiligen Gotteswortes zermalmt und zusammengebrochen bist, nicht eher wirst du wirklich den Frieden Jesu genießen; nicht eher, bis du der Mann des Todes geworden bist, wirst du der Mann des Friedens sein. Nicht eher, bis dein Herz dich verdammt hat, kannst du dein Herz vor Jesu stillen und dich Seines versöhnenden Blutes getrösten. Das laß dir gewiß sein, damit du dich nicht selber betrügst! O. Funcke.
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Die Veliehrung eines Soldaten.
Ein Soldat erzählte, daß er zehn Jahre Soldat sei, in dieser Zeit im ganzen Vaterlande herum⸗ gekommen, in großeu und kleinen Städten, in vielen Dörfern im Quartier gewesen war. Er hatte sich eingebildet, ein ordentlicher und rechtschaffener
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Mensch zu sein, und niemand hätte ihm Böses nachsagen können. Daß es Gottlosigkeit war, ohne
Gott und ohne Christum zu leben, hatte er nicht erkannt.
Es ist schrecklich, fügte er hinzu, bis zum dreißigsten Jahre in einem christlichen Lande zu leben, in deutschen christlichen Häusern zu wohnen, in christliche Kirchen zu gehen und nichts vom Christentum zu sehen und zu hören, nichts von Jesu zu wissen und ohne Gott
zu sein. Es muß doch weit mit Deutschland ge⸗ kommen sein.
Da kam ich eines Tages in ein Dorf, wo wir acht Tage rasten sollten, und ich wurde bei einem Bauern einquartiert, der mich freundlich aufnahm. Als er mir eine Kammer angewiesen hatte, fragte er mich, ob ich bei ihnen essen wollte oder lieber allein für mich. Ich antwortete freundlich, ich äße lieber in Gemeinschaft mit ihnen. Da es gerade Mittag war, führte er mich hinein in die Stube, wo der Bauer und seine Familie nebst Knechten und Mägden alle an einem Tische saßen. Aber wie war ich überrascht, als, nachdem das Essen auf⸗ getragen war, alle mit der höchsten Ehrerbietung aufstanden und der Hausvater mit andächtiger Stimme anhob zu beten. Alle, sogar die kleinsten Kinder, standen andächtig dabei, und man sah es ihnen an, daß sie mitbeteten. Sogar das Kleinste, ein Knabe von drei Jahren, war still, als ob es in der Kirche wäre. Ich war mit aufgestanden aus natürlicher Höflichkeit, aber die Beine zitterten mir vor innerer Bewegung. Ich aß wenig; der Bauer meinte, ich sei blöde, und nötigte mich freundlich zum Essen. Als alle gesättigt waren und man recht fröhlich beim Essen gewesen, standen alle wieder ebenso ehrerbietig auf wie zu Anfang, falteten die Hände, und der Hausvater dankte für die emp⸗ fangenen Gaben. Dann gaben sich alle herzlich und freundlich die Hand, ein jedes ging an sein Werk und die Kinder an ihr Lernen, denn sie mußten bald zur Schule.
Still und in mich gekehrt setzte ich mich nach⸗ her in eine Ecke. Da kam der kleine Knabe zu mir, stellte sich an meine Knie und sagte mit lieb⸗ licher Herzlichkeit zu mir:„Erzähl mir mal ein biß⸗ chen vom lieben Heiland.“ Ich fing an in meiner Verlegenheit von Lämmern und Schafen, von Ochsen, Eseln und Pferden zu erzählen, denn vom lieben Heiland wußte ich nichts. Aber der Knabe blieb dabei, ich sollte vom lieben Heiland erzählen, und drängte mich so, daß ich endlich sagte, ich wüßte
nichts von Ihm.„Und du bist so groß,“ sagte
das Kind,„und weißt nichts vom Heiland, dann kommst du auch nicht in den Himmel.“ Ja, an den Himmel hatte ich freilich noch niemals gedacht; aber es war peinlich, aus des Kindes Mund mein Urteil zu hören, daß ich nicht in den Himmel käme
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