Ausgabe 
24.10.1920
 
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Gott. Es war die Zeit gekommen, Gott zu loben,

denn die Zeit der Prüfungen, Leiden, Drangsale war vorüber. Für Gottes Kinder kommt auch solches Friedensfest, wenn der zwanzig, dreißig-, vierzig⸗ oder siebzigjährige Streit dieses Lebens ausgekämpft ist. Dann wird die Zeit kommen, um ewig zu lachen und zu jubeln, wenn sie da sein dürfen, wo Jesus ist. Wirst du auch da sein? 5 v. V.

N Trost.

Vor längerer Zeit lernte ich einen lieben Sonn⸗ tagsschüler kennen, dessen Vater vor drei Jahren auf dem Schlachtfelde gefallen war. Der Kleine hatte sehr an seinem Vater gehangen, und er konnte den Verlust desselben nicht sobald verschmerzen. Als eines Tages ein Nachbar, der auch längere Zeit im Felde gewesen war, auf Urlaub in die Heimat zu⸗ rückkehrte, kam der kleine Mann zu seiner Mutter gelaufen und sagte:Mutter, ich kann es gar nicht anhören, wenn Nachbars Fritz immer»Vater« sagt. Ich gehe gar nicht mehr vor die Tür.

Die Mutter, die eine verständige Frau war, suchte ihrem Kinde klarzumachen, daß man sich über des anderen Freude mitfreuen müsse. Sie nahm ihren Knaben an der Hand, besuchte den Nachbar und zeigte ihrem Kinde, wie man an eines anderen Freude teilnehmen soll. Als ich dies kleine Erlebnis irgend⸗ wo erzählte, sagte ein erwachsenes Fräulein:Ich kann den kleinen Buben sehr gut verstehen, wie oft ist es auch mir schwer gewesen, wenn ich, die ich meinen Vater nie gekannt habe, andere Kinder »Vater« rufen hörte.

Ja, ja, es ist ein großer Schmerz über die Welt gekommen. Die Zahl der Kinder, die ihren Vater nicht mehr wiedersehen, ist außerordentlich groß ge⸗ worden in den letzten Jahren. Diese Tatsache ist für Jahre hinaus eine Quelle von Leid und Schmerz; aber es ist doch für alle, die solches Leid jetzt zu tragen haben, ein großer Trost, daß sie nicht vaterlos in der Welt sein müssen. Seitdem der Heiland auf Erden war und am Kreuz für unsere Schuld gebüßt hat, ist uns der Vatername Gottes bekannt geworden. Jesus trat mitten unter uns, und Er, der einst um uns geweint und der für uns Sein Blut vergossen hat, hat uns die Tür zum Vaterhause und den Weg zum Vaterherzen erschlossen. Sind wir nun Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gotteserben und Miterben Jesu Christi.Gott hat Den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir würden in Ihm die Gerechtigkeit Gottes

Gottlob, daß diese Botschaft jetzt allen Waisen dieser Welt verkündigt werden darf! Bei Ihm finden die Betrübten Erquickung und Trost und die Müden Kraft. Er will die verwundeten Herzen verbinden und ihnen Seinen köstlichen Frieden und Segen schenken Wir danken dafür dem HErrn daß Er uns

nun gelehrt hat, Vater zu sagen, nun braucht nie mand mehr vaterlos in der Welt zu sein, und wenn wir durch Jesum zu Ihm kommen und Ihn als Vater anrufen, dann will Er uns auch in der Stunde des Todes die Tür des Lebens auftun und uns einführen in die ewigen Hütten des Friedens.

* Vom Tode zum Ceben

Vor vielen Jahren lebte in Döltzig ein Baue namens Christian Welitz. Seine Frau war bekehrt und er machte ihr viele Schwierigkeiten, indem er sie auf alle Weise in ihrem christlichen Lebenswandel aufzuhalten suchte. Doch war sie ein treues und beständiges Zeugnis der Gnade Gottes. Da regte sich endlich auch des Bauern Gewissen und sagte ihm daß bei ihm die gleiche Bekehrung und Umwandlung nötig sei, wie bei seiner Frau. Als er eines Sonn tags die Predigt des gläubigen Pfarrers hörte, wurde er im Gewissen so unruhig, daß er es schier nicht mehr aushielt; aber noch immer sträubte er sich gegen Gott und ließ seinen ganzen Widerwillen an seinem armen Weibe aus, schalt und tobte, za schlug sie zuletzt. 5

Am nächsten Sonntag jedoch ging Welitz wieder zur Kirche. Es war der 19. Mai; der Pfarrer predigte über das Gebet und sagte unter anderem Das Gewohnheitsgebet eines mutwilligen Sünder⸗ ist ein Greuel vor Gott und kann Ihm nicht ange nehm sein, noch Erhörung bei Ihm finden Dazu las er die Stelle Jes. 1, 1219 vor und betonte die Worte:Wenn ihr gleich viel betet, so höre Ich euch doch nicht. Bei diesen Worten stand Welitz mitten in der Predigt auf und sah dem Pfarrer wütend ins Gesicht, biß aber grimmig die Zähne zu⸗ sammen, um nicht also gleich loszufahren. Er hat mir später oft erzählt, daß er am liebsten auf den Pfarrer losgesprungen wäre und ihn mit Fäusten geschlagen hätte, denn er war überzeugt, die ganze Predigt sei nur auf ihn gemünzt. Doch wußte der Pfarrer gar nicht soviel von seinem augenblicklichen Seelenzustand, sondern der Geist lenkte die Predigt also, daß sie Welitz treffen mußte Und noch ehe die Predigt beendet war, fühlte sich Welitz von der Gnade und der Macht Gottes überwunden. 5

Still ging er nach Hause, nahm dort die Bibel zur Hand, schlug die angeführte Stelle auf, las sie laut vor sich hin und fing an zu weinen. Seine Frau faßte gute Hoffnung und dankte Gott. Welitz weinte den ganzen Tag, und trank nichts und brachte die ganze Nacht mit Seufzen zu. Am Montag früh konnte er nicht zur Arbeit gehen, denn er wußte vor Angst nicht, wo er hin sollte. Er wollte in der Bibel lesen, aber die große Unruhe ließ es ihm nicht zu: er ging auf und ab und rang die Hände; seine Sünden standen wie Berge vor ihm Erdlich ließ seine Frau den Pfarrer rufen; der fragte ihn, was

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