Ausgabe 
18.7.1920
 
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Nachdem wir darauf mit ihm und für ihn ernst⸗ lich gebetet hatten, sagte er mit einem Ausdruck der Beruhigung und der Freude:Nun weiß ich, daß mir der HErr Jesus meine Sünden vergeben hat und daß Er mich zu Sich in den Himmel nehmen wird, wenn ich sterbe.

Mir war es, als ob mir der HErr die weitere Frage in den Mund legte:Erwartest du deinen Vater und deine Mutter im Himmel einst wiederzu⸗ sehen?

Etwas überrascht von dieser ernsten Frage, zögerte er einen Augenblick und antwortete dann bestimmt und ernst:Meine liebe Mutter werde ich gewiß im Himmel wiederfinden, und seine rechte Hand emporhebend und auf den Vater hinweisend, fuhr er fort:Wenn sich aber mein Vater nicht bekehrt, so werde ich ihn nie wiedersehen.

Diese Worte gingen dem ohnehin tiefgebeugten Vater wie ein Schwert durchs Herz. Er erfaßte mit einer Hand mich und mit der anderen meinen Freund, und auf seine Knie niedersinkend rief er mit dem Ausdruck tiefster Zerknirschung:O Gott, sei mir, dem großen Sünder, gnädig und laß mich nicht ewiglich von meinem lieben Sohne geschieden werden!

Wir wiesen ihn auf Jesum, das Lamm Gottes, hin, welches der Welt Sünden und auch seine Sünden getragen habe.

Er aber stöhnte:Für mich ist es zu spät, ich habe den HErrn Jesum von mir weggestoßen und bin der Stimme Gottes ungehorsam gewesen. Er eilte darauf wie ein Verzweifelnder in seinem großen Hause hin und her, ohne Ruhe und Frieden zu finden für sein geängstigtes und zerschlagenes Herz. Bei unserem Weggehen bat er uns, doch seiner betend zu gedenken.

Artur wurde während der Nacht operiert, und ehe der Morgen dämmerte, war er im Frieden ein gegangen zur himmlischen Heimat. 5

Nun mußte Herr W., der zuvor nicht Zeit finden wollte, eine Stunde unter Gottes Wort zu verweilen, sein Geschäft für einige Tage schließen, bis sein ge⸗ liebter Sohn, sein teuerstes Gut, zu Grabe getragen war. Doch jetzt widerstrebte er dem göttlichen Gnaden⸗ zug nicht länger. Er beugte sich unter die gewaltige Hand Gottes ohne Murren und Klagen. Am nächsten Sonntagmorgen lauschte er aufmerksam der Verkündi⸗ gung des Wortes Gottes. Nachher bat er mich, mit ihm zu beten. Aufs neue warf er sich auf seine Knie nieder, als ein reumütiger, heilsverlangender Sünder und flehte inbrünstig zu Gott um Vergebung seiner Schuld. Bald schien das Licht der gött⸗ lichen Gnade ihm zu leuchten, und der Friede Gottes kehrte in sein Herz ein. Er rief aus:Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes getan hat; der dir alle deine Sünden vergibt und heilt alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst und dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.

Er war durch so ernste Heimsuchung zum HErrn geführt, wuchs in der Gnade und Erkenntnis Jesu Christi und reifte zu einem treuen, entschiedenen. Christen heran, der durch seinen frommen Wandel seiner Umgebung zum Segen wurde. Er lebt noch heute und dient als ehrlicher Geschäftsmann dem

HErrn. 25

Nicht schelten, aber helfen.

Es war im Winter 1917/18. Auf dem Bahu⸗ hof in München drängten sich die Menschen in dichten Haufen an den in wenigen Minuten ab⸗ fahrenden D-Zug heran; jeder wollte zuerst ein⸗ steigen, um, wenn möglich, noch einen Sitzplatz zu bekommen. Koffer, Körbe, Reisetaschen, Rucksäcke und Tornister lagen bis an die Decke hinauf in den Gepäcknetzen, die Abteile aller Klassen waren über⸗ füllt, und die Gänge standen so dicht voll Menschen, daß es unmöglich schien, durchzukommen. Meist waren es Feldgraue, die da draußen in der Kälte stehen mußten, Urlauber, die froh der Heimat zu fuhren, alte Landsturmleute, die im vierten Kriegs- winter, fern von Weib und Kind, wieder hinaus- mußten in Feindesland, Verwundete, in deren bleichen Gesichtern eine lange Leidensgeschichte geschrieben stand, und blutjunge Burschen, die mit froher Er wartung der unbekannten Zukunft entgegenfuhren. Ja, solch ein einziger Zug, welche Schicksale, welches tiefe Leid, welche krasse Selbstsucht alles für kurze Stunden dicht beisammen!

In einem Abteil dritter Klasse saß eine Frau mittleren Alters in Trauerkleidung. Sie war wohl nicht besonders schön, aber es lag etwas Anziehendes in ihrem Gesicht und in den freundlichen Augen, die aussahen, als ob sie schon viel geweint hätten. Ihr ganzes Wesen hatte etwas Mütterliches, sie mochte wohl eine der vielen Frauen und Mütter sein, die ihr Liebstes hatten dem Vaterlande opfern müssen. Aber ihr Herz schien nicht erstarrt zu sein im eignen Schmerz, sonst hätte sie nicht so freund lich blicken können, es mochte sich wohl unter dem eignen Leid aufgetan haben für all das viele fremde Leid, von dem die Welt heute so übervoll ist. Und wer mit solchem Herzen um sich sieht, der wird auch immer eine Stelle finden, an der er gebraucht wird; irgendeine Not, leiblich oder seelisch, in der er helfen kann.

Und so war's auch hier. Kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt und das Plätzesuchen und Drängen und Schieben war ein wenig zur Ruhe gekommen, da sahen die mitleidigen, mütterlichen Augen drinnen im Abteil dritter Klasse etwas, das nicht sein durfte, etwas, wo Hilfe nottat. Draußen im kalten Gang, mitten unter den gesunden Kame⸗ raden, stand ein Verwundeter. Der linke Armel seines abgetragenen Mantels hing leer herab, mit der rechten Schulter stützte er sich auf eine Krücke

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