Ausgabe 
18.7.1920
 
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die ihm das fehlende Bein ersetzen mußte. Um den Hals hatte man ihm seine Brotration für den Reisetag an einer Schnur festgebunden. So stand er da, hilflos, frierend und müde.

Kommen Sie herein, hörte er sich plötzlich freundlich angeredet,hier, setzen Sie sich auf meinen Platz Alles trat zurück, und zwei geschickte Hände führten ihn sorgfältig durch die Tür des Abteils und halfen ihm, sich mit seiner Krücke zu setzen. Die Mitreisenden waren aufmerksam geworden, ent⸗ jetzt, neugierig und mitleidig staunten sie ihn an.

Sind Sie hungrig? fragte jetzt dieselbe wohl tuende Stimme von vorhin.Sie haben wohl lange nichts gegessen?

Da blitzt etwas in seinen Augen, wie lange ver⸗ haltener Groll:Ein Krüppel braucht auch nix zu essen sich z'sammenschießen lassen für sei' ganzes Leben, dafür ist unsereiner schon recht ein bitteres Lachen folgte diesen Wortenverhungern darf man auch noch mitsamt dem Stückle Brot, das sie mir um den Hals gebunden haben! Er lachte wieder, hart und bitter.

Eine seltsame Unruhe ging bei diesen Worten durch die Mitreisenden, man nahm sofort Partei für den Verstümmelten, höhnisches Gelächter, drohende Worte ließen sich vernehmen, in wenigen Minuten glich das ganze Abteil einem aufgeregten Bienen⸗ schwarm, man fluchte, man schimpfte, man lästerte. Einige meinten, es geschehe nicht genug für die Verwundeten; die anderen wollten wissen, daß der ganze Krieg nur für die Kapitalisten geführt werde; auf die Arzte, die Lazarette, die Kommunalverbände ergoß sich ein wilder Strom von Anklagen. Die Städter machten die Landleute verantwortlich für alle Lebensmittelnot, die anwesenden Bauern ver⸗ wahrten sich dagegen, sich nur für die Städter plagen zu müssen. Von all dem Lärm angezogen, drängten die Leute vom Gang und aus den Neben: abteilen herein, einige Vernünftige versuchten zur Ruhe zu reden, kamen aber vor allem Geschrei nicht zu Worte.

Über dem allen trat plötzlich der Kellner vom Speisewagen ein und fragteHat hier jemand geschellt?

Ja, ich tat es, sagte die freundliche Frau in Trauerkleidung.Bringen Sie warme Suppe und was Sie sonst haben, hier für diesen Mann, auf meine Kosten. a i

Im Abteil war's plötzlich still geworden, und über die vergrämten Züge des Invaliden ging ein Leuchten. Seine Nachbarin sah ihn an mit ihren guten, mütterlichen Augen und strich leise mit der Hand über den leeren Armel. Dann stand sie schnell auf und nahm zwei rotbackige Apfel aus ihrer Tasche, um sie, wie selbstverständlich, für ihren Schützling zu zerschneiden.

Wir wollen nicht schelten, sondern helfen, jeder, wo er kann, sagte sie ruhig und freundlich, aber so, daß alle es hören konnten. Ihr Beispiel hatte gewirkt, mehr noch als Worte. Innerhalb fünf Minuten waren fast sämtliche Koffer, Rucksäcke und Taschen geöffnet worden, und vor dem erstaunten Soldaten breiteten sich so viele Herrlichkeiten aus, daß seine Beschützerin einen Korb leeren mußte, um es nur unterzubringen, jeder hatte etwas tun wollen, Honig- und Käsebrote, Zigarren, Wurststücke, Apfel. alles nur Erdenkliche bot man ihm an. Ein kleines Mädchen drückte ihm schüchtern ihre Puppe in de Arm, und eine alte Frau schenkte ihm die mühsam zusammengesparten Brotmarken. Über dem allen kam der Kellner mit heißer Suppe, einem köstlichen Stüs Fleisch und Kartoffeln, das seine Nachbarin fürsorg⸗ lich für ihn zurechtmachte.

Dem armen Verstümmelten standen Tränen in den Augen, der harte Ausdruck war aus seinem Ge⸗ sicht verschwunden, wie ein glückliches Kind ließ er sich pflegen und versorgen

Nicht schelten, aber helfen! das ist das köstliche Vorrecht aller, die im Dienste des Heilands stehen und die Seine Hilfe und Liebe im eignen Leben und im eignen Herzen erfahren haben.

Vversammlungs Anzeigen.

Bezirk Gießen. Stadtmission Gießen, Löberstraße 14 Jeden Sonntag Uhr Sonntagsschule; 4 Uhr Jungfrauenverein; % Uhr Versammlung; 4%½ Uhr Christlicher Verein junger Männer; leben Mittwoch 8/ Uhr Bibelstunde; jeden Freitag Uhr Gebets G Bezirk Bellnhausen. Jeden Sonntag 2 Uhr Bersammlung im Vereinshaus Bellnhausen. GN

Bezirk Friedberg. Stadtmission Friedberg, Ludwigstr. 24. Jeden Sonntag vorm. 11 Uhr Sonntagsschule; nachm. 4 Uhr Unter baltungsstunde für die Jugend; abends Uhr Predigtgottesdienst; Dienstag abends Uhr Blaukreuz⸗ oder Frauenstunde; Mittwoch abends Uhr Jugendbund; Donnerstag abends 8 ½ Uhr Bibel⸗ und Gebetsstunde. Bad Nauheim; Erholungsheim Bethesda, Frankfurter Str. 37½. Jeden Dienstag und Donnerstag abends Uhr Bibelstunde. Stammheim und Schwalheim Jeden Sonntag Versammlung

Bezirk Nidda Schotten.

Nidde(in Burghof). Jeden Sonntag abends 9 Uhr Berfammlung: leden Montag abends 9 Uhr Gebetsstunde; ieden Dienstag abends 9 Ur Bibelstunde.

Schotten, Hauptstr. 99. Jeden Sonntag mittags 12½ Uhr Sonn⸗

tagsschule, jeden Sonntag abends 9 Uhr Bersammlung, jeden Mitwoc abends 9 Uhr Bibel und Gebetsstunde.

Anderungen siete Tageszeitung der Orte. S

Bezirk Sellnrod. Jeden Sonntag abends Uhr Versammlung und jeden Mirrwoc und Freitag Gebetzstunde mit Bibelbetrachtung.

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