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stehen würde, wäre sie noch viel weniger dicht als sie wirklich ist. Von dem bekannten Gesteinsmantel der Erde wissen wir, daß er aus keinem anderen, schwereren Material besteht, also muß das auf direktem Wege unerforschbare Erdinnere andere und vor allem viel schwerere Stoffe enthalten als Steine. Solche kennen wir und nennen sie Metalle. Eisen hat die Dichte 7,8, Blei hat 11,5, die schwersten Metalle wie Gold haben 19,4, Platin sogar 21,4.

Man hat nun ausgerechnet, daß jede Kugel, die sich dreht, aus physikalischen Gründen gegen den Mittelpunkt zu immer dichter werden muß und man hat, als man diese Be rechnung auf die Erde übertrug, folgende Möglichkeit ge funden: i

Die durchschnittliche Dichte des Gesteinmantels unserer Erde, soweit wir ihn kennen, beträgt 2,7, in einer Tiefe von etwas über ein Drittel des Erdhalbmessers muß sie demnach an 8, im Erdmittelpunkt 21,7 betragen. Andere derartige Rechnungen fanden für den Erdmittelpunkt nur 911 (8. B. Lipschitz), alle aber stimmten darin überein, daß zwei Drittel des gesamten Erdinneren Metalldichte besitzen. Und hieraus leitet sich die neuestens von den Geologen all gemein verfochtene Annahme ab, daß die Erde einen Metall kern besäße, der wahrscheinlich zum größten Teil aus Eisen, im Innersten aber aus Edelmetall, wahrscheinlich aus Gold und Platin bestehe. Was von diesen Metallschätzen in Ge stalt von Erzadern und gediegenen Metallen in unseren Besitz gelangen könne, das seien nur versprengte einzelne Tropfen des großen Meeres, teils durch Umlagerungen in der Erdrinde in die äußere Erdhülle gelangt, wie z. B. der Erzberg in Steiermark, der schon seit Jahrtausenden abge baut, ein unerschöpfliches Lager von Spateisenstein darstellt, teils durch heiße Dämpfe und Wasseradern in früheren Erd epochen in aufgelöstem Zustande weit in Gesteinspalten ver frachtet und dort als Erzadern niedergeschlagen.

Eine sehr vielsagende Bestätigung dieser Meinungen liefern die Meteorsteinfunde. Denn wenn es richtig ist, daß Meteoriten Bruchstücke eines zersprungenen Himmels körpers sind, so sind uns durch sie Blicke mitten in dessen Inneres gestattet. Und sie zeigten, daß jener Weltalls gefährte unserer Erde aus Eruptivgesteinen und aus Nickel eisen bestand, das manchmal in ungeheuren Massenvom Himmel fällt, wie jener berühmte Meteorstein von Ovifak in Grönland, der aus 25 000 Kilogramm gediegenem Eisen zusammengesetzt ist.

So besteht denn derzeit wenig Zweifel, daß unsere Erde eigentlich eine Metallkugel mit einem relativ dünnen Mantel von Gesteinen sei. Und sogar über den Zustand dieses Metallkernes machen wir uns immer bestimmtere Vorstel Sicher sind große Herde flüssiger Laven darin vor

handen, aus denen die Vulkane gespeist werden, aber diese

können nur dem Gesteinsmantel angehören, da sie niemals

Metalle an die Oberfläche bringen. Der Metallkern selbst

ist sicher heiß, aber keinesfalls gasförmig oder auch nur

flüssig. Er mag eine zähe plastische Masse sein, die sich aber nach außen verhält wie ein starrer fester Körper.

Die Beobachtung der Erdbebenwellen hat uns das ge lehrt. Sie werden in ganz bestimmter Weise abgelenkt und gebrochen, so daß hieraus allein der Astronom E. Wiechert neuerdings darauf geschlossen hat, die Erde bestehe aus zwei Teilen: aus einer Kugel von 7,8 Dichte und einer darüber gelagerten Kugelschale von 2,8 Dichte. Wie man sieht, ent spricht der Kern gerade der Dichte des Eisens, die Schale jener der uns bekannten Gesteine.

Man hat aber auch noch auf anderem Wege erkannt, daß das Erdinnere nicht flüssig sein könne. Ein Sohn des großen Eharles Darwin, der Erdforscher ist und ein viel ge⸗ rühmtes Werk über Ebbe und Flut schrieb, hat darin zuerst aufmerksam gemacht, daß durch eine dünne Erdrinde unbe⸗ dingt die wechselnde Anziehung von Mond und Sonne in

dem flüssigen Erdinnern eine Art Ebbe und Flut ertzeugen müßten. Von einer solchen, die natürlich lebensvernich⸗ tende Katastrophen bedeuten würde, ist jedoch nicht das ge⸗ riugste wahrzunehmen, also sei das Innere starrer als Stahl. Das ist etwa vorläufig das letzte Wort der Wissenschaft

in dieser frage. Daß es sich mit der Kant⸗Laplaceschen!

unserer Tage wenig Unbehagen.Umso schlechter für jene Theorie, sagen sie kaltherzig. Sie haben eben im Radium eine Wärmequelle kennen gelernt, die ihren Ideen eine ganz andere Richtung gibt, wenn sie darüber nachdenken, Woher die Wärme zu unseren Füßen stammen mag. Und hat sich auch die Radiumforschung auf dem Gebiet der Erdbaukunde noch wenig bemerkbar gemacht, so folgert daraus noch keines wegs, daß dies immer so bleiben wird. Denn die eben dar gelegten Aenderungen der Ansichten über den Bau der Erde müssen notgedrungen unser Naturbild auch in anderer Hin sicht ändern.

Der Geueralstreik der Chartisteubewegung in England.

(Schluß.)

Im Jahre 1842 hatte sich die Bewegung von den Schlägen wieder erholt. Wir folgen hier dem Genossen Beer in seiner Schilderung: Der Monat August wird in der Geschichte des Chartismus ewig denkwürdig bleiben. Es war der Monat des Kulminations⸗ punktes der chartistischen Bewegung, der Monat des Generalstreiks in der nördlichen Hälfte Englands und der Unterordnung der Trade Unions unter die politische Bewegung. Die wirtschaftliche Not der Arbeiter erreichte ihren Tiefpunkt. Die Löhne sanken, trotz aller trades-unionistischen Anstrengungen, sie auf dem Niveau der vorher gegangenen Jahre zu halten. Die Mehrheit der Arbeiter ergriff der Gedanke, daß ihr gewerkschaftliches Wirken nur Sisyphusarbeit sei und daß ihr Heil vornehmlich in der Durchsetzung des Volkscharters in der Eroberung der politischen Macht liege. Chartistische Redner konnten um jene Zeit, ohne Widerspruch zu erregen, in öffentlichen Versammlungen der Trades-Unionisten erklären, daß deren Organi⸗ sationen vollständig versagten, da sie nicht einmal imstande seien, Lohnherabsetzungen vorzubeugen. Der wirtschaftliche Druck in der Arbeiterklasse rief eine ver⸗ zweifelte Stimmung hervor. Am 4. August traten die Arbeiter von Stalybridge in den Streik ein, und unter Hochrufen auf den Charter, O'Connor und den Northern Stra zogen sie nach Asthon, wo sie ihre Kollegen in den Streik mitrissen. Von Ortschaft zu Ortschast marschierend, legten sie überall die Fabrikbetriebe still, die Zahl der mitmarschierenden Arbeiter wuchs zu einer mächtigen Prozession an, die am 9. August auf Manchester konvergierte. Außerhalb der Stadt trat ihr Militär entgegen, das von Oberst Wemyß, dem Nachfolger und Gesinnungsgenossen Sir Charles Napiers, kommandiert war; in Begleitung der Truppen befand sich auch ein Magistratsbeamter, der die Aufgabe hatte, im Bedarfsfalle die Aufruhrakte zu verlesen. Nach Unterhandlungen mit ihm und den Demonstrationsführern, die die Verantwortung für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Friedens übernahmen, zog die Prozession in Manchester ein. Hier löste sie sich in Gruppen auf, die von Fabrik zu Fabrik zogen, um die Arbeiter zur Teilnahme am Streik zu veraulassen. In den meisten

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Fällen schlossen sich die Arbeiter freiwillig dem Streik an. Zwang und Einschüchterung waren in Manchester nur ausnahmsweise

nötig. Von Manchester als Mittelpunkt pflanzte sich der Streik strahlenartig nach allen Richtungen fort und umfaßte Lancashire, Norkshire, Warwickshire, Staffordshire, den Töpferbezirk, und griff nach Wales hinüber; gleichzeitig standen auch die schottischen Berg⸗ leute im Streik; auch in London hielten die Chartiften geheime nächtliche Versammlungen ab, um sich auf das Losschlagen vor⸗ zubereiten. In der zweiten Augustwoche schien sich Benbows Traum verwirklichen zu wollen: die Dampfkessel erkalteten, die Kraftstühle ruhten, die Hochöfen erloschen, die Bergwerke lagen erloschen da, die Fabrikglocken verstummten alle Räder standen still.

Nicht überall indes vollzog sich die Einleitung der Arbeiterferien so friedlich wie in Manchester. In manchen Gegenden wurden die Arbeitswilligen gewaltsam aus den Werkstätten geholt, Fabrikfenster und Fabriktore eingeschlagen, die Zapfen der Dampfkessel abge⸗ schraubt und Widerstand leistende Fabrikherren körperlich ange⸗ griffen. Im großen ganzen jedoch war gewaltsames Vorgehen eine Ausnahme. Nirgends aber wurde geplündert oder Eigentum mut⸗ willig zerstört. Hungernde und im Bürgerkrieg stehende Arbeiter, bettelarme proletarische Insurgenten befanden sich während einer Woche im Besitze des reichtumstrotzenden Mittelpunktes der Textil⸗ industrie, ohne auf den geringsten Wertgegenstand Hand gelegt zu haben. Mit Bewunderung hebt die leitende englische Presse diesen Umstand hervor.

Zu Zusammenstößen zwischen Streikenden und Militär kam es in Preston und Blackburn, wo zusammen sechs Arbeiter getötet und mehrere verwundet wurden. 5.

Wenige Tage nach Beginn des Streiks trat die Lohnfrage in den Hintergrund. Der Gedanke brach sich Bahn, daß dieselbe An⸗ strengung, die zur Erzielung besserer Löhne nötig sei, wohl hin⸗ reichen würde, den Charter zu erobern. Und wenn der Charter ge⸗ wonnen ist, wird bie Entlohnung nicht nur besser, sondern auch ge⸗ schützt und gesichert sein, während ein Streikerjolg im besten Falle

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