Ausgabe 
11.3.1913
 
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Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Polkszeitung

Nummer 49

Dienstag, den 11. März 1913

I. Jahrgang

Sozialistische Ungeduld.

Der große welthistorische Kampf für den Sozialismus stellt die Genossen, die nicht in sein innerstes Wesen einge drungen sind, auf eine schwere Geduldsprobe. Gewiß, im Vergleich zu der Dauer der Weltgeschichte ist es ein riesig rascher Umschwung, wenn innerhalb einiger Jahrzehnte die Sozialdemokratie von einer kaum beachteten Sekte zu einer mächtigen Klassenpartei anschwellen konnte, die sich schon vor den Kampf um die politische Herrschaft gestellt sieht. Aber dennoch geht es uns oft zu langsam, und mancher Kämpfer wird von Ungeduld gepackt. Die Gegenwart ist so unerträg⸗ lich, die Arbeiterklasse leidet so schwer unter dem Druck ihrer Sklaverei, das Ziel, das ihr winkt, ist so schön, daß dieses Ge fühl nur allzu berechtigt ist. a

Aber doch nur soweit berechtigt, als es nicht die Wirklich keit außer acht läßt. Früher, als diese Wirklichkeit noch nicht erkannt war, als die Triebkräfte, die die gesellschaftliche Ent⸗ wicklung bestimmen, noch nicht erforscht waren, war noch

Raum für die Illusion, das Eingreifen einiger tatkräftiger

Männer oder die Bekehrung der Machthaber zur Gerech tigkeit könnten eine neue Gesellschaft herbeiführen. Man brauchte nur energisch zu wollen. Die Natur der Wider stände, auf die man stieß, blieb unerkannt, die Hemmungen erschienen zufälliger Natur, und daher trieb die Enttäuschung und die Ungeduld immer wieder zu neuen vergeblichen Ver suchen oder schließlich auch zur völligen Tatenlosigkeit.

Die marxistische Wissenschaft hat gelehrt, daß für eine gesellschaftliche Revolution bestimmte Vorbedingungen unerläßlich sind, Vorbedingungen, die zum Teil durch die technische Entwicklung, zum Teil durch unsere Aktion ge schaffen werden. Ein hochentwickelter Großkapitalismus ist nötig, damit eine starke Arbeiterklasse entsteht und daß in dieser Klasse der Willen und die Macht zur Revolution empor wachsen. Solange der Kapitalismus noch schwach und wenig entwickelt ist, ist auf eine Verwirklichung des Sozialismus nicht zu rechnen; wir müssen warten, Geduld üben.

Diese Mahnung hat für manchen Kämpfer einen leidigen

Klang. Warten, Geduld üben, während das Volk so schwer leidet! Es klingt so hart, so gefühllos, ihm zu sagen, daß es

geduldig ausharren muß, da ihm vorerst nicht zu helfen ist. Kein Wunder, daß die Ungeduld sich damit nicht beruhigen will, sondern zu Taten treibt. Sie glaubt, durch energische Aktion die Entwicklung zwingen zu können; sie hofft, auf andern Wegen, durch andere Mittel rascher ans Ziel kommen zu können, als die marxistische Wissenschaft für möglich er achtet. Abwarten, bis die Bedingungen zu einer Revolution da sind, dauert ihr viel zu lange. An die Stelle desJatalis mus, wie sie den Ausspruch der Wissenschaft bezeichnet, stellt sie das tatkräftige Handeln.

Die Argumente, die die Befürworter einer Taktik der Ungeduld gegen die marxistische Taktik vorbringen, zeigen ihre völlige Unkenntnis der sozialistischen Theorie. Der Marxismus stellt nicht das Warten dem Handeln gegenüber dar, sondern weist dem Handeln seine richtige Bahnen. Er predigt nicht geduldiges Ausharren an Stelle der tat kräftigen Aktion, sondern er stellt die richtige Aktion an die Stelle der verkehrten. Er sagt dem Volke nicht, daß ihm nicht zu helfen sei, sondern weist ihm nach, in welcher Weise allein es sich selbst helfen kann. Er zeigt, daß die Vorbedingungen zum Sozialismus zum Teil durch die technische Revo blution erzeugt werden, aber nur, wenn zugleich die weitern

Vorbedingungen werden.

durch unser eignes Handeln hergestellt

Die neue gesellschaftliche Ordnung, die wir erkämpfen,

liegt nicht inpolitischen Aeußerlichkeiten, sondern in den Prole⸗ tariermassen begründet. Diese Massen zum Klassenbewußt⸗ sein, zur politischen Einsicht, zur Organisation zu bringen, sie dadurch zu einer großen Macht heranzubilden, ist das ein⸗ zige Mittel, den Sozialismus zu verwirklichen. Alle Tätig⸗ keit hat nur Bedeutung, soweit sie hierzu beiträgt; dazu

tragen alle Kämpfe politischer oder gewerkschaftlicher Natur

bei, dazu dient alle Agitation.

Hier liegt ein ungeheures Feld der Tätigkeit. In Deutschland wohnen 14 Millionen Proletarier, von denen erst gut vier Millionen sozialdemokratische Wähler, bald drei Millionen gewerkschaftlich organisiert, faft zwei Millionen Leser unserer Presse sind. Wenn wir angesichts dieses Um⸗ standes sagen, daß wir warten müssen, bis unsere Zeit ge⸗ kommen ist, so bekommt dieser Ausspruch ein ganz anderes Gesicht. Nicht der technischen Entwicklung gilt das Warten, sondern der Revolutionierung der Köpfe, unserer eigenen Aktion. Hier ist eine Riesenaufgabe zu bewältigen, die für die verfügbaren Kräfte der Bewegung fast zu groß erscheint. Sie ist nur durch Mithilfe aller sozialdemokratischen Arbeiter zu bewältigen, deren jeder als Agitator für die Organisation, für unsere Presse auftreten und sich selbst dazu eine möglichst klare Einsicht in die gesellschaftlichen Um stände und in die Ziele und Mittel unserer Bewegung er werben soll.

Dabei kommt dann auch die Ungeduld auf ihre Rechnung, Sie ist an sich kein Fehler; umgekehrt ist es der Erbfehler der unterdrückten Klassen, daß sie viel zu lange geduldig die empörendsten Zustände ertragen. Die Ungeduld wird nur zum Fehler, wo sie die Ratschläge der Wissen⸗ schaft mißachtet und dadurch auf Irrwege und zu Enttäuschungen führt. Wo sie aber mit klarer Einsicht zusammengeht, die ihr den richtigen Weg zur Aktion zeigt, findet sie ein Feld der fruchtbarsten Tätigkeit offen.

Der Völkerkrieg der Fürsten. 1813/15. Von Kurt Eisner. 1. Kapitel: 28 Abfall.

Pork hatte unter dem französischen Oberfebl Macdonalds die Führung der preußischen Truppen in der französischen Armee; sie hatten die Ostseeprovinzen zu decken. Von Anfang an hatten russische Offiziere und dann die in russische Dienste übergegangenen preußischen Militärs, wie Clausewitz unter unablässiger geschäftiger Mitwirkung des damals vom Zaren berufenen Freiherrn vom Stein, mit Pork unterhandelt, um ihn zum Verrat zu veranlassen.

Vork hatte diese Zumutungen keineswegs abgewiesen, wenn er auch bis zur vollendeten Katastrophe der großen Armee vorsichtig zögerte.

In dem Urheber des Verrats von Tauroggen erscheint jener niedrere preußische Adel auf dem Schauplatz der Freiheitskriege, der gleichfalls nach dem Siege zu den Enttäuschten, wenn auch aus den entgegengesetzten Gründen wie das liberale Bürgertum: diese Junker gehören später zu den Mißvergnügten, weil die durch Napo⸗ leon im ganzen Bereiche seiner Macht zertrümmerte Feudal⸗ herrschaft nicht ganz und gar wieder hergestellt werden konnte. Der klassische Wortführer dieser Opposition ist der Gesinnungsgenosse Porks, Herr v. d. Marwitz, den die Januschauer von heute roh und platt nachäffen.

York war 1759 geboren. reichen wie unbemittelten Biitow).

Er stammte aus dem ebenso zahl⸗ kassubischen Kleinadel(des Kreises Nach der Sitte seiner Zeit war er schon mit dreizehn