Ausgabe 
3.9.1912
 
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Fassalle, der Fürstin ihr Vermögen und ihre Freiheit zu retten.

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einenge, daß die Rechtssphäre der Einzelnen immer mehr und mehr

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ö(ber durch die Bekanntschaft mit einer hochgestellten Dame gestört, pelche für sein ganzes Leben von maßgebender Wichtigkeit sür ihn] Meinung und der gesamten Tagespresse warf Lassalle den Fehde⸗

burde. Als Jüngling von 10 Jahren lernte Lassalle die Gräfin] handschuh hin. Latzfeldt kennen, welche in der unglücklichsten Ehe mit dem Grafen

ein erstes großes, wissenschaftliches Werk,Die Philosophie Herak⸗

Heraklit gelehrt, daß nichts in der Welt ist, alles wird, und daß bie Menschheit in einem unaushörlichen Prozesse des Werdens und Sichentwickelns begrissen ist. Da nun alles, was ist, im Grunde

nun historisch und dogmatisch, daß aus innerer logischer Notwendig keit kein erworbenes Recht existiert, daß vielmehr alles, was uns

nau, wie die Uranfänge des Christentums, und die moderne Rechts⸗

unsern Soethe und Schiller, Kant und Hegel ab, als seien dies Schul⸗

als Kenner der Philosophie der Griechen wie der Jurisprudenz

Da erschien Lassalle's Schrift wie ein Blitz aus heitere Him⸗

Römer, gleich groß in dem innigsten Verständnis der Philosophie] melshöhen und erschlug den modernen Literarhistoriker. In dieser t Deutschen wie der Nationalökonomie der Engländer, seinen] Schrift wurde auf das Unviderleglichste dargetan, daß Julian

jamen mit unauslöschlichen Buchstaben in die Annalen der Wissen⸗J Schmidt die Bücher, über welche er zu Gericht gesessen, teilweise gar

haft eingetragen Lassalle war

hat. i 5 5 l jignicht gelesen, teilweise gar nicht verstanden, und daß seine Angriffe ursprünglich für den Handelsstand bestimmt, wid⸗ auf unsere deutschen Klassiker ihren Ursprung lediglich in seiner

ete sich indes später mit durchschlagendem Erfolge dem Studium eigenen verkehrten Auffassung derselben haben.

r Hassischen und modernen Philosophie. Schon als Student gelang

en Namen deutscher Wissenschaft, B ö ckhs und Alexanders

rbeiten wurde er durch die Bewegung des Jahres 1848, welcher er r

Wie sehr man auch Lassalle nun in den Einzelheiten, welche er

ihm, sich bie Bewunderung und innige Freundschaft der glänzen⸗J gegen Julian Schmidt vorbringt, Recht geben muß, wie sehr man

ogar mit ihm sympathisieren kann, wenn er mit solcher Wärme und

on Humboldt, zu erringen. Mitten in seinen wissenschaftlichen] Begeisterung für die Geistesheroen des deutschen Volkes eintritt, so

wird man doch nicht umhin können, die pamphletartige Form seiner

ch mit der ganzen Leldenschaft seines Wesens hingab, noch mehr] Schrift als durchaus unpassend zu bezeichnen.

Aber nicht allein Julian Schmidt, der ganzen öffentlichen

Die Julian Schmidt herrschen in der Literatur und in der

vatzseldt verbunden war. Aus bisher nicht aufgeklärten Motiven Presse, sie sind die Stimmführer in den Parlamenten und die Ton⸗ Barf Lassalle sich zum Beschlitzer dieser Dame auf, welche ihm bis] angeber in der Politik. Männer von der Selbstüberhebung und in sein Lebensende eine treue und hingebende Freundin geblieben] dem Halbwissen des Julian Schmidt führen die deutsche Nation am t. Nach jahrelangem, endlosem Mühen und Prozessieren gelang es] Narrenseile, sie sind die Augen, durch welche die Geblldeten sehen,

die Ohren, durch welche sie hören. Wie ein Zug von Kranichen sind

Lachdem der leidige Prozeß beigelegt war, veröffentlichte Lassalle] die großen Geistesheroen über unsere Häupter dahingerauscht. Von

der immensen großen Arbeit, von der innerlichen Weltwende, die sie

eitos des Dunkeln von Ephesos, welches die höchste Bewunderung vollbracht, ist nichts auf uns gekommen. Wir feiern unsern Denkern

er Gelehrten erregte. Aus einzelnen Bruchstücken und Zeugnissen underer Alten hatte er das System dieses merkwürigen Philosophen usammengestellt und mit der ihm eignen Gewandtheit beleuchtet. Trotz des antiken Stoffes trägt das Werk vielfach einen modernen Austrich.

Sechshundert Jahre vor unserer jetzigen Zeitrechnung hat

licht ist, indem es schon ein anderes wird, so ward auch der einzelne Mensch nicht geschaffen, um für sich zu sein und zu leben. Nicht der einzelne Mensch für sich, nur die Meuschheit hat Wirklichkeit, die ganze Ethik der enge Grundbegriff des Sittlichen, ist daher nach Heraklit die Hingabe an das Allgemeine. DemHerakleitos ließ Jassalle sein HauptwerkDas System der erworbenen Rechte folgen, eine wissenschaftliche Schöpfung von bleibendem Werte, welche vielleicht alle heutigen Rechtskompendien überdauern wird. Selbst diejenigen, welche die von Lassalle gezogenen Konsequenzen nicht gelten lassen wollen(3. B. der Ministerialdirektor Förster, der erste Kenner des preußischen Rechts), gestehen zu, daß sein Werk von einer ungemein tiefen Auffassung der römischen und germanischen Rechtsanschauungen, wie von einer Fülle geistvoller philosophischer Gedanken zeugt. Erworbene Rechte sind solche, auf welche kein Ge⸗ setz zurückwirken kann, d. h. welche der Einzelne sich so zu eigen ge⸗ tacht hat, daß sie ihm ohne seinen Willen niemals, auch nicht durch einen Akt der Gesetzgebung entzogen werden können. Lassalle zeigt

heute als erworbenes Recht erscheint, sich erst im Laufe der Ge⸗ schichte hierzu entwickelt hat. Die erworbenen Rechte bleiben sich nicht gleich, was bei den Römern als erworbenes Recht galt, war dies nicht bei den Germanen. Der Begriff der erworbenen Rechte ist in stetem Wandel und Flusse begriffen. Der alte Römer konnte über seinen Nachlaß verfügen, wie er wollte, er konnte ihn in die Tiber wersen lassen, und seine Kinder hatten kein erworbenes Recht auf seinen Nachlaß, der alte Germane umgekehrt durfte überhaupt micht über seinen Nachlaß verfügen, da dieser seiner Familie kraft wohlerworbenen Rechtes gehörte. An diese historischen und recht⸗ lichen Ausführungen knüpft Lassalle die Bemerkung, daß der Zug der Wellgeschichte den Begriff der erworbenen Rechte immer mehr

zugunsten der Allgemeinheit beschränkt werde.

Hatten derHerakleitos und dasSystem der erworbenen Rechte einen streng wissenschaftlichen Charakter im Inhalt und nicht minder in der Darstellung, so beschritt Lassalle mit seiner nun folgenden SchriftHerr Julian Schmidt, der Literarhistoriker den Weg persönlicher Angriffe. Julian Schmidt, der bekannte Ver⸗ . einer deutschen und französischen Literaturgeschichte, war ein Mann von einer fast unbeschreiblichen Vielseitigkeit des Geistes, einer großen Gewandtheit der Darstellung, leider aber auch ein Mann von einem mitunter recht oberflächlichen Wissen. Er gab sich den Anstrich, als sei er auf das Genaueste mit allem vertraut, was die Wissenschaft auf irgend einem Felde geleistet, als verstehe er die antiken Philosophen ebenso wie die modernen, die Tragiker der Griechen nicht minder, als die Shakespaere, Racine, Schiller der Neuzeit, als kenne er den Ursprung der römischen Geschichte so ge⸗

wissenschaft so gut wie die modernen Naturwissenschaften. Mit der

und Dichtern Feste, aber lesen ihre Werke nicht und begnügen uns mit einem Ragout, welches ein Julian Schmidt uns vorzusetzen für gut findet. Unsere Presse, welche die Nation belehren und geistig heben sollte, ist in den Händen des Julian Schmidt zum Annoncen⸗ geschäft herabgesunken, anstatt dem Kanzelprediger zu gleichen, welcher das Wahre und Gute verkündet, gleicht sie dem Ausrufer, welcher Hoff'schen Malzextrakt und alte Kleider anpreise.

Dies etwa war es, was Lassalle wiederholt der deutschen Nation zurief, und jeder Scharfblickende wird in jenen Ausführungen, wie weit sie auch über das richtige Ziel hinausschießen, ein gutes Körn⸗ lein Wahrheit auffinden.

Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe. a IV.

Mit der dritten und letzten Abteilung des Buches kom⸗ men wir zu der Kunst form und dem Schmuck. Das Kunstgewerbe aller Zeiten war von jeher bestrebt, die reine Zweckform über ihren Gebrauchswert hinaus noch zu schmücken, sie zu einer Kunstform zu gestalten. Dieser Dekorationstrieb entspricht einem ganz tiefen, instinktiven Bedürfnis der menschlichen Natur. Schon der Wilde ver⸗ ziert Pfeil und Bogen, obgleich dies mit deren Zweckmäßig⸗ keit nicht das geringste zu tun hat. Da aber die richtige An⸗ bringung und Auswahl des Schmuckes zum größten Teil eine Sache des Gefühls ist und sich viel weniger umgrenzen und feststellen läßt wie Konstruktions⸗ und Materialfragen, kann man dabei gar nicht vorsichtig genug verfahren und sollte lieber sich mit einer gewissen Kargheit begnügen, um ein Zuviel zu vermeiden. Die Entartung des Kunstgewerbes in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hat jedes Ornament bei uns schließlich in einen übeln Ruf gebracht. In jener Parvenüepoche war es das Bestreben der skrupellos zu plötzlichem Reichtum gelangten Gründer, nun auch mög⸗ lichst alles recht fein und kostbar zu haben. Unterfein aber verstanden sie eine Anhäufung von Verzierungen, wo es nur anging, je mehr, desto besser. Ob dabei die Form und der Aufbau verpatzt wurden, ob die Gebrauchsfähigkeit und die Bequemlichkeit litten, blieb ihnen gleich, wenn die Gegenstände nurnach etwas aussahen. Noch immer ist. diese Vorstellung von etwas Feinem und Schönem als etwas sehr reich Verzierten nicht geschwunden.

DieLos vom Ornament-Bewegung vieler unsrer Kunstgewerbler ist die direkte Reaktion auf die oben erwähnte schlimme Epoche. Gleich wie der Naturalismus in der Literatur die Reaktion auf die süßliche Schönfärbeschreiberei bildete, die die Natur versüßlichte und verschminkte, ist der moderne kunstgewerb⸗ liche Puritanismus die Reaktion auf die Bewegung, die die Konstruktion und den Zweck verleugnete und verbarg. Man

Miene der überlegenen Intelligenz urteilt Julian Schmidt über] mußte erst wieder einmal ganz von vorn mit dem Zweck an⸗

fangen, mußte sich besinnen, daß ein Stuhl in erster Linie

bu ff ieren i U a a 8 4 N ben, deren Aufsatzhefte er zu korrigieren habe. Dieser Mann war zum Sitzen da war und nicht nur als Träger von mehr oder

tonangebend in der Literatur geworden, sein Urteil war maßgebend, feine Anschauungen bemächtigten sich der gebildeten Stände.

weniger geschmackvollen Verzierungen. Und nachdem dies Forderungen des reinen 3 w ecks lange genug aufgestelli

) Franz Förster, gab. 1819 in Breslau, gest. 1878 in Berlin.] und auf den verschiedensten Gebieten von unsern Kunft⸗ Sein Hauptwerk ist betitelt:Theorie und Praxis des heutigen ge⸗ gewerblern in befriedigender Weise eingelöst worden waren

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