Ausgabe 
27.5.1921
 
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Betr.: Tie Beschälseuche der Pferde.

M Has Polizeiamt Gießen, die Gendarmeriestationen des Kreises und die Vürgermeistereieir der Landgemeinden des Kreises. '

Nach einer Mitteilung des Regierungspräsidenten von Kassel ist dort die Beschälseuche in Mehreren Fällen festgestellt worden. Dadurch ist Iber Pferdebestand namentlich in der angrenzenden Provinz Oberhessen unmittelbar bedroht. Tie Beschälseuche ist eme ansteckende Geschlechtskrankheit der Pferde, die geeignet ist, die Pferdezucht ernstlich zu gefährden. Tie Gefahr wird dadurch noch erhöht, das; diese Seuche lange Zeit zwar vorhanden, aber nicht erkennbar ist. Es, ist deshalb Borsorge getroffen, das; die Feststellung der Krankheit demnächst durch die serologische Unter» snchung des Blutes erfolgen kann. Bis dahin muß die bereits durch die Bekanntmachung vom 8. Februar 1921 angeordnete Untersuchung der MiM Decken fremder Stnten benutzten Hengste inöglichst ost und eingehend vorgenoMmen werden. Auf jeden Fall muß verhindert werden, daß nicht nngckörte Hengste, die nicht untersucht sind, Kim' Decken fremder Stnten verwendet wer­den. Verstöße gegen die diesbezüglichen Anordnungen sind mit aller Schärfe tzu verfolgen.

Erne besondere Gefahr, nämentlich auch für die zur Zeit Nuf den Deckstationen befindlichen staatlichen Deckhengste bilden die in den Grenzbezirken diesen Hengsten zugcsührtcn Stuten ans den angrenzenden preußischen Bezirken. Uni zu verhüten, daß trotz der Borschriften der 8§ 235, 239 und 240 der Ausführungs- Vorschriften WiM Reichsviehseuchengesetz verdächtige Pferde zu die­sen Hengsten gebracht werden, wird Mitgeteilt, daß die als 'krank erkannten Pferde im Regierungsbezirk Kassel auf den Hinterbacken durch Aufbrennen eines 10 Zentimeter hohen B, die seuchcver- dächtrgen und anst.ecknngsverdächtigen Pferde ebenso durch Haar­schnitt und Aufbrennen eines B auf den Bovderhufcn gekennzeichnet werden. Das Polizciämt Gießen und die Bürgermeistereien der Landgemeinden wollen ihre Polizeiorgane darüber unterrichtest und zur besonderen Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht anhalten.

Gr eßen, den 25. Akai 1921.

Kreisamt Gießen. I. B.: Welcker.

Bekanntmachung.

Bis ans weiteres werden Ferkel- oder sonstige Biehmärkte int Kreise Gießen wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche nicht zngelassen.

Gießen, beit 24. Mai 1921.

Kreisamt Gießen. I. B.: Welcker.

Bekanntmachung.

Betr.: Kanalisation der .Hauptstraße M Annerod. '

Wegen Vornahme von Kstnalisationsarbeiten wird die Kreis- straßendnrchsahrt Harbach von Samstag den 28. Mai bis auf weiteres für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Gießen, den 25. Mai 1921.

Kreisamt Gießen. I. V.: Welcker.

Dienstnachrichten des Kreisamtcs.

Landwirt Heinrich P a nl h zu Bettenhausen wurde zum Stell­vertreter des Hauptmanns der Feuerwehr Kl Bettenhausen ernannt nnd verpflichtet.

Lattdwirt Wilhelm Balser VIII. aus Oppenrod wurde als Kommandant und Landwirt Karl Kling elh ö fer aus Oppen­rod als Stellvertreter des Kommandanten der Pflichtseuerwehr in Oppenrod ermannt nnd verpflichtet.

Heinrich Wehr nur von Annerod wurde als Polizei- bteiter für die Gemeinde Annerod ernannt nnd verpflichtet.

Bekanntmachttug.

Betr.: Feldbereinigung Reinhardshain; hier: die Arbeiten des II. Abschnitts.

In der Zeit vom 1. bis einschließlich 14. Juni lfd. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei Reinhardsharn dre Arbeiten der Besitzstandsau snah'me 'Mir Einsicht der Beteiligten offen. Es find dies:

48 Bonitiernngskarten,

2 Bände Besitzstandsverlzcichstisse,

2 Bände Gütergeschosse nebst Zusammenstellung.

Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen, hiergegen sowie.zur eventuellen Wahl eines Mitglieds des Schiedsgericht» nebst! Stellvertreter findet daselbst

M i t t w v ch d e n 15. I u n i 19 21 vormittags von 1011 Uhr statt, wozu ich die Beteiligten |ntit dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinendenmit Einwen­dungen ausgeschlossen find. Die Einwendungen lind, schriftlich nnd Mit Gründen versehen einWireichen.

Friedberg, den 15. Mai 1921.

Berorvuuug

über den Verkehr mit Atilch. Vom 30. April 1921.

Auf Grnud der Berordnuug über Kriegsmaßnahmen zur Sicherung der Bvllsernährung vonr 22. Mai 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 401) bzw. 18. August 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 823) und des § 41 der Bekanntmachung über Speisefette vonr 20. Juli 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 755) wird verordnet:

§ 1. Tie Verordnung über die Bewirtschaftung von Milch nnd den Verkehr mit. Milch vom 3. November 1917 (Reichs Gesetzt) l. S. 1005) bzw. 18. Januar 1921 (Reichs-Gesetzbl. S. 86) ivird aufgehoben. Art ihre Stelle ' treten die Vorschriften der 88 2 bis 12 dieser Verordnung.

§ 2. Es ist verboten:

1. Vollmilch, M. milch nnd Sahne in gewerblichen Betrie­ben zur Herstellung von anderen Erzengnissen als von Butter nnd Käse zu verwenden;

2. Vollmilch nnd Sahne in Konditoreien, Bäckereien, Gast-, Schank- und Speiseivirtschasten solvie in E^rischungs- ränmen zu verabfolgen;

3. Sahne in den Verkehr zu bringen außer zur Herstellung von Butter und Käse in gewerblichen Betrieben nnd außer zur Abgabe an Kranke nnd Krankenanstalten auf Grund amt­licher Bescheinigung;

4. geschlagene Sahne (Schlagsahne) oder Sahnenpnlver her- tznstKlen.

Aus ausländische Tauersahne finden .die Vorschriften der NumMern 1 bis 3 keine Anwendung.

Tre Reichsstelle für Speisefette kann Ausnahmen von den Verboten zulassen; sie kann diese Befugnis auf andere Stellen übertragen.

§ 3. Tre KvmMunalverbände nnd Gemeinden können Maß­nahmen zu einer geregelten Verteilung der in ihrem Bezirke gc- wonnenen und in ihren Bezirk eingeführten Vollmilch, Mager­milch nnd Sahne treffen, soweit nicht die Milch nach anderen Be­zirken ausgeführt oder zu Butter und Käse verarbeitet wird. !Ter Eigenbedarf der kuhhaltenden Wirtschaften darf dabei nicht be­schränkt werden. ^Bedarfskommunalverbäude und Gemeinden können in it Zustimmung der Reichs stelle für Speisefette die Aus­fuhr von Milch aus ihrem Bezirk und die Verarbeitung (ton Milch zu Butter und Käse verbieten.

Tre Kommunalverbände nnd Gemeinden können insbesondere anordnen, <

1. daß der Handel mit Milch in ihrem Bezirke von einer be­sonderen Erlaubnis abhängig ist, und daß die erteilte Er­laubnis ans wichtigen Gründen zurückgezogen werden kann;

2. daß Milch nur an bestimmte milchbedürftige Gruppen der Bevölkerung (Milchversorgungsberechtigte) und nur in be­stimmten Mengen abgegeben werden darf, nnd daß die Ab­gabe nur gegen Karten oder Bezugsscheine oder auf Grund einer Knndenliste erfolgen darf;

3. daß die der Verteilungsregelnng unterliegende Milch be- , stimmten Erfassungs- und Verteilungsstellen zngesührt nnd hier einer geeigneten Bearbeitung unterworfen wird.

§ 4. Tie Landes'zentralbehörden oder die von ihnen be­stimmten Stellen können Kommnnalverbände und Gemeinden zur Regelung der Milchverteilung anhalten. Sie können Gemein­den für die Zwecke der Regelung vereinigen und den Verbänden die Befugnisse aus § 3 ganz oder teilweise übertragen.

Soweit die Regelung für einen größeren Bezirk erfolgt, ruhen die Befugnisse der zu diesem Bezirke gehörenden Gemeinden.

§ 5. Molkereien und Betriebe, in denen täglich Mehr als 100 Liter Milch int! Durchschnitt gewonnen werden, dürfen Ver­träge über laufende Lieferungen vou Milch nach einem anderen: als ihrem bisherigen Empfangsort nur abschließen, nachdem sie ihrem bisherigen Abnehmer von cheni beabsichtigten Lieferungs- Verträge Kenntnis gegeben haben und dieser den Abschlnß eines Vertrages zu entsprechenden Bedingnngen abgelehnt oder eine Erklärung binnen zwei Wochen nach Kenntnis der VertragS- bedtngungen nicht abgegeben hat.

Sofern eine Molkerei oder eilt Betrieb, in dem täglich mehr als 100 Liter Milch int* Durchschnitt gewonnen werden, sich wei- gcrt, Mit einem i|it: ihrem bisherigen Empfangsort absatzberech- tiaten Empfänger 'zu einem der Marktlage entsprechenden Preise einen Liefernngs'vertrag über eine der bisherigen Lieferung ent­sprechende Menge abzuschließen, kämt die Landeszentralbehörde oder die vou ihr bestimmte Stelle auvrdneu, das; die betveffendle Milch, soweit sie nicht für den Eigenbedarf der Milchlieferantest, benötigt wird, für die Zeit bis znm! 15. Mai 1922 an den bis­herigen Empfangsort geliefert wird.

Als bisheriger Empfangsort gilt der Ort, an den die letzten Lieferungen im Mävz, 1921 erfolgt sind.

(Fortsetzung folgt iM nächsten Amts'verkündigimgsblatt.)

Der Hessische Feldbereinigungskommissär: Schnittspahu, Regierungsrat.

Druck der Brühl'schen Unwersitäts-Buch-

und Steindruckerei R. Lauge, Gießen.