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zeitgemäße Mittheilungen.
Nr. 12. ö Mittwoch den 17. Mai 1848
Dieses Blatt erscheint künftig wöchentlich 2 Mal. Der Pränumerationspreis ist vierteljährlich 36 kr. Einrückungsgebühren per Zeile 2 kr. Auswärts abonnirt man sich bei den zunächst gelegenen löbl. Postaämtern; in Gießen bei der Expedition Canzleiberg Lit. B. Nr. 1. Plangemäße Beiträge wolle man an die Redaktion dieses Blattes abgeben. Anonyme Einsendungen werden nicht
berücksichtigt.
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Republik oder constitutionelle Monarchie? (Fortsetzung)
Hiernach ist es 2) ein unumstößlicher Grundsatz, daß keine Freiheit gedeihen kann, ohne Gesetzlichkeit, und daß sich ein gesundes Staats- und Volksleben immer stufenweise aus sich selbst auf seiner geschicht— lichen Grundlage richtig und naturgemäß entwickelt. Auch ist es außerdem 3) viel natürlicher und selbst der Freiheit entsprechender, gleichwie die einzelnen Bürger, die einzelnen Volksstämme in der Wahrung ihrer Sonderinteressen in so weit nicht zu hemmen, als dieses ohne Gefährdung des Ge— sammtwohls des deutschen Volkes geschehen kann, da⸗ gegen aber auch von den einzelnen Regierungen alle diejenigen Opfer zu fordern, welche die ge— meine Wohlfahrt verlangt.
Aber auch einmal angenommen,— jedoch nicht zugegeben— es vermöchten die Repu⸗ blikaner der Rheinlande, Badens, Württembergs, Hes⸗ sens ꝛc. die Republik in einzelnen Orten durchzusetzen, glauben diese darum auch die Gesammtstimme der Preußen, Oesterreicher, Baiern, Sachsen, Hannoveraner, Mecklenburger ꝛc. ꝛc. für eine Republik gewinnen zu können? Glauben vielleicht einige Tausende von Repu— blikanern Millionen Anders Denkende besiegen und ihnen ihren individuellen Willen so, wie es eben in der französischen Republik der Fall zu seyn scheint, aufnöthigen zu können?! Soll vielleicht die kaum erworbene Freiheit dergestalt mißbraucht und entwürdigt werden, daß man den gleich freien
Willen Anderer und selbst den Willen der
Majorität nicht anerkennen will?!
Was aber würde die Folge davon seyn, wenn man sich der Mehrheit, welche entschieden an der constitutionellen Monarchie fest hält, nicht unterwerfen wollte? Die Folge wäre keine andere, als die Trennung Deutschlands.
Wenn aber die Republik nicht zu der allseitig gewünschten deutschen Einheit sondern vielmehr nur zur Trennung Deutschlands unter den bestehenden Verhältnissen führen kann, wäre es, bei dieser Sachlage, der Klugheit und der allgemei⸗ nen Wohlfahrt des deutschen Volkes ent⸗ sprechend, wenn man trotz diesem die Re— publik um jeden Preis gewaltsam durchsetzen, wenn man ihr, aus Selbsttäuschung oder Selbstsucht und Ehrgeiz die deutsche Treue und ewige Gerechtigkeit, die auch dem Fürsten gebührt, ja selbst die so lang
ersehnte und jetzt in so nahe Aussicht gestellte Einheit Deutschlands zum Opfer bringen und die kaum ge— wonnene und demnächst schon durch das deutsche Parlament auf ewige Zeit gesicherte deutsche Freiheit wieder in Frage stellen wollte? Ja! wenn überhaupt eine Reaction möglich wäre, so könnte sie nur die gewaltsame Durchsetzung der Republik im gegenwär⸗ tigen Augenblicke herauf beschwören, wo die sociale Frage im Vordergrunde steht und die Lauterkeit ächt republikanischer Tugenden, nach den Ereignissen an verschiedenen Orten, wenigstens bei Vielen mit Grund bezweifelt wird, da viele offenbar nur die Anarchie wollen, während diese der ächte Republikaner, wie der Constitututionelle gleichmäßig mit Verachtung zurück weisen und keinerlei Despotismus wollen, er komme von welcher Seite es immerhin seyn mag!
Aus allen diesen Gründen muß ich mich unter den obwaltenden Verhältnissen Deutschlands gegen die Republik erklären und zwar, sowohl vom Stand⸗ punkte des Rechts aus, wie vom Standpunkte der Politik. Denn aus welchem Grunde sollten wir unser herrliches Vaterland noch jetzt den Gefahren eines Bürgerkrieges, des Schrecklichsten, was es geben kann, aussetzen, nachdem wir im Prinzip be— reits Alles erlangt haben, was keine Republik in größerem Maße zu gewähren vermag? Wozu die Gefahren einer Revolu— tion und einer Trennung Deutschlands, wäh⸗ rend wir im Wege friedlicher Reform durch das deutsche Parlament nicht nur eine Verbürgung aller gewonnenen Freiheiten und eine Wahrung aller Volks⸗ interessen mit Sicher heit erlangen, sondern zu— gleich auch die alte deutsche Treue zu unserem erlauchten Fürstenhause bewähren, Gerechtigkeit üben und die deutsche Einheit herbei führen, die das Ziel jedes deutschen Patrioten, von jeher war, ist und stets seyn muß!
(Fortsetzung folgt.)
nen kun geen zu der am 25. April zu Lich gehaltenen Volks- versammlung. (Fortsetzung.)
Letzterer Umstand erregte, wie man vielfach be— merken konnte, Unwillen beim Volk, das keine aus⸗ wendig gelernten und mit wohlklingenden Redensarten


