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Die Reform oder die Republik. Ein Wort an das badische Volk und zunächst an die Bewohner des Seekreises. von Friedrich Hundeshagen;
ehemals Bürger von Amerika, nun Burger vom einigen Deutschland.
(Fortsetzung)
Das deutsche Parlament wird aber auch zweitens dem Volke das Recht freier und ungehinderter Volks— versammlungen zur Besprechung seiner Angelegenhei— ten sichern, sowie drittens das Recht der Petitionen ausdehnen.
Das deutsche Parlament wird auch viertens die materiellen Interessen seines Volkes, nicht nach Lo— kalverhältnissen, sondern nach dem Interesse der All— gemeinheit berathen. Der bisherige Zollverband wird nunmehr alle deutschen Länder umschließen, und keine Absonderung und Ausschließung mehr unter dem Einflusse auswärtiger Staaten gestattet werden. Durch diese Ausdehnung des deutschen Handels bis an die Küsten Hannovers und Oldenburgs, Bremens, Lübecks und Hamburgs, werden die Freunde deutscher Seeschifffahrt einer baldigen Verwirklichung ihrer Hoff— nungen entgegensehen können. Diese Hoffnungen wer— den sich um so sicherer realisiren, als das deutsche Parlament fünftens den widerrechtlichen Eingriffen Dänemarks auf die verbrüderten Schleswig-Hol— steiner baldigst entschieden ein Ende machen, und somit ein seegeübter, kernhafter deutscher Stamm uns wiedergegeben sein wird.
Das deutsche Parlament wird sechstens um die materiellen Interessen des deutschen Volkes auf den Standpunkt zu heben, auf welchen andere Völker länger schon sich gehoben haben, eine große deut— sche Nationalbank errichten, die ihre Zweig— banken in allen großen Städten des gemeinsamen Vaterlandes hat, und der Industrie, den Gewerben, dem Bauernstande durch zweckmäßige Geldvorschüsse zu Unternehmungen aufhilft.
Das deutsche Parlament wird siebentens auch für die geistigen Interessen der Nation, ohne die an eine materielle Wohlfahrt nicht zu denken ist, Sorge tragen, es wird zu dem Ende eine große gemeinsame deutsche Akademie gründen, in welcher nach Art der französischen alle Wissenschaften und Künste ver— treten sind, und zum Wohle der Menschheit aus— gebeutet werden, es wird diese Akademie Prämien für die zeitgemäßen Probleme und Erfindungen aus— setzen, und namentlich auch die Staatswissenschaften sorgsam pflegen, und unserer gerühmten Wissen— schaftlichkeit eine nationale und praktische Richtung geben, frei von dem Einflusse großer Residenzen und Höfe.—
Ebenso wird achtens das deutsche Parlament so— fort die tüchtigsten deutschen Rechtsmänner in seine Mitte rufen, um nach Art des französischen Gesetz⸗ buches, ein einfaches deutsches, allgemein gültiges Gesetzbuch auszuarbeiten, was ver— ständlich, ohne Beimischung von Fremdwörtern von Bürger und Landmann gelesen, verstanden und ange— eignet werden kann, so daß Jeder im Stande ist, sein eigenes Recht zu verfolgen und durchzufechten.
Neuntens wird das deutsche Parlament die Kom— munikationen im Innern des Landes durch Stra— ßen, Kanäle, Eisenbahnen für Handel und Gewerbe auf's kräftigste unterstützen, die Rheinschiff— fahrt befreien, wie auf der See dem Anbau von Schiffen und Seehäfen entgegenkommen.
Zehntens wird das deutsche Parlament in allen deutschen Landen zur Erleichterung der Handelsver— hältnisse und zu nationaler Einigung ein Maaß und Gewicht einführen, und das französische als das natürlichste adoptiren.
Das deutsche Parlament wird elftens auch der
Auswanderung in fremde Länder seine besondere
Aufmerksamkeit zuwenden. Es wird seine Emissäre in die fernen Gegenden aussenden, um diejenigen Gegenden ausfindig zu machen, wo deutsche Aus⸗ wanderer, ohne an Leib und Seele zu Grunde zu gehen, eine neue Heimath finden könnten, wenn ih⸗ nen hier der Erwerb zu schwierig fallen sollte. Des— gleichen wird es verhindern, daß nicht einzelne Aus⸗ wanderungsvereine, wie der Adelsverein in Texas, Tausende von redlichen und begüterten Mitbürgern uns verlocken, sie um Hab und Gut bringen und sie der Schande und dem Elende preis geben. Es wird dasselbe auch zu verhindern suchen, daß die Grund— stücke der verschiedenen Auswanderer nicht in die Hände einzelner großer Güterbesitzer oder Kapitalisten fallen, und wir auf diese Weise in Gefahr stehen, allmählig unsern deutschen Mittelstand und Bauern— stand zu verlieren, und ihn in einen englischen Groß⸗ güterbesitz übergehen zu sehen, denn nur im mög— lichsten Grundbesitze Aller liegt die Kraft, der glück⸗ liche Bestand einer Nation.
Es wird zu dem Ende die Gemeinden beauftra— gen und unterstützen, diese käuflichen Grundstücke an sich zu ziehen, um sie redlichen aber armen Gemeinde— mitgliedern gegen allmählige Abzahlung zu überlassen, und zu diesem Unternehmen wird die Bank ihre Hand bieten. Es wird dies aber kaum hinreichend sein, der Verarmung durch Uebervölkerung dem unheildro— henden Proletariat eine dauernde oder gründliche Abhülfe zu schaffen. Es muß diesen unglücklichen Mitbrüdern ein anderer Ausweg an die Hand gege— ben werden, als Hunger, Pest, Diebstahl, Mord, Re— volution, oder das Phantom einer Handwerkergemein— schaft, oder die Chimäre der Beschäftigung durch un—


