bei dem Parlament in Frankfurt werden sonder Zweifel die meisten Mitglieder sehr erfahrene Män— ner mit längst durch das Leben gereiften Ein- und Ansichten seyn. Für solche Männer ist ein kurzer Vortrag in schlichtesten Worten, und wenn er selbst etwas holprig herauskäme, eben so wirksam, er erinnert sie eben so gut an längst Durchdachtes oder Erlebtes, als die glatteste Rede. Und wer selbst gar nicht reden könnte, würde doch noch stimmen können!
Ich habe an einem Candidaten rühmen hören, er sey sehr scharfsichtig und aufmerksam, und werde gewiß den leisesten Versuch der Reaction, der eiwa aufkäme, zeitig erkennen und bannen. Aber hätte man im Ernst wohl Reactionsversuche im Par— lament zu Frankfurt zu fürchten? Nehmen wir auch an, daß eine, selbst beträchtliche, Anzahl von reactionär Gesinnten durch unglückliche Verblen— dung vieler Tausende oder Millionen von Wählern in das Parlament gekommen sey, so verhandeln ja diese Reactionäre in Gegenwart einer ohne Zweifel höchst überwiegenden Zahl der intelligentesten Libe— ralen, ja in Gegenwart des ganzen deutschen Volkes, insofern durch Stenographie und Presse ihre Worte überall hin verbreitet werden. Sie werden sich wohl hüten, Unmögliches zu versuchen und sich selbst dabei der Mißbilligung des ganzen Volkes preiszu— geben. Ein Metternich selber, wenn er durch eine große Verirrung der Wählenden in das Par— lament gekommen wäre, würde in ihm nicht reactionär zu seyn wagen, oder er müßte zuvor erst seinen ganzen Verstand verloren haben.
Wenn Deutschlands Wohl begründet werden soll, so suche man nicht die verkehrten Mittel anzu— wenden; denn wem nützen die Schmähungen auf die achtbarsten Männer, wenn die Anfeindungen und Aufhetzereien? dem Volkeswohl gewiß nicht. Der gewöhnliche Mann, welcher früher keine politische
Blätter gelesen,— ließt jetzt in gewissen Blättern
die ungegründetsten Beschuldigungen auf Maͤnner, welche vor sechs Wochen auf die rühmlichste Weise verehrt worden; was soll er bei solchen Verdäch— tigungen denken— er muß die ganze Welt für Sünder halten und sein Vertrauen muß schwinden. Will man etwa durch solche Mittel einen Zweck,
vielleicht den der Republik erreichen, so glaube ich,
daß die Symptomen, welche sich in Deutschland kund gegeben, etwas Besseres wollen. Eben wird Nie— mand wortbrüchig seinem Fürsten werden wollen, und wollte er es auch und einen totalen Umsturz herbeiführen helfen, wer weiß wie lange er Ruhe,
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lassen.
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seinem Leben genösse, die nach der Meinung der Re— publikanisch Gesinnten so gut schmecke.
Will aber der größere Theil eine allmählige ein— tretende Republik, so erlaube ich mir ein Mittel vor— zuschlagen, das beide Parteien nicht verwerflich fin— den werden, und wodurch allem Unglücke vorgebeugt werden kann.— Wenn nämlich das Parlament beschließen würde, daß nach dem Ableben eines jeden jetzt regierenden Fürsten, dessen Hand dem Ge— sammt Deutschland zufiele und nur vom Parlament verwaltet würde. In der Zwischenzeit der Ver— waltung gebe es dann Proben, die richtiger als par— teiische Meinungen wären.
Dies meine individuelle Ansicht, und diesen Ge— genstand näher zu erörtern, überlasse ich einer ge— shickteren Feder.
G. Schulhof, ein schlichter Landmann.
(Schluß.)
Im Anfang der Charwoche zog ein Theil der deutschen Gesellen zu Bern ab, um zu den Ober— badenern zu stehen. Ansehend nun die Herren Vogt in Bern, so haben sie in jener Versamm— lung keine Reden gehalten, wenigstens nicht so lange ich anwesend war. Sie traten einfach in den Ver— ein; Herr Emil Vogt wurde zum Cassier er— wählt,— wie es mir schien auf vorherige Verab— redung(denn zur Secretairsstelle setzte Hr. Seeger den Erstvorgeschlagenen gar nicht in Abstimmung, er überhörte sogar, daß dies bestimmt begehrt wurde). Urtheile man nun, ob die Herren Vogt Schein— absicht und wahre Absicht jenes Vereins gekannt haben. Nein kann man nur dann sagen, wenn sie Strohmänner sind. Darum wollte ich Herrn Carl Vogt sagen: Sie sind uber die Bern'sche Versammlung übel berichtet.
Noch ein Anderes wollte ich Herrn Carl Vogt fragen. Er huldigte gestern dem Satz: Die Staaten hätten das Recht, ihre Verfassung nach ihrem Be— lieben zu gestalten, man müsse sie darin gewähren Warum forderte er uns nun nicht auf zu mißbilligen, daß unsere Wehrmänner dieses Recht in Oberbaden unterdrücken halfen, und daß wir uns nicht zeitig hiergegen gesetzt haben. Allein ich glaube übrigens auch nicht mit Herrn Professor Bischoff, daß man Heidelberg juͤngsthin habe plündern wollen.
Gießen den 29. April 1848.
Franz Fischer.


