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30.4.1897
 
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Nr. 100

Gießen, Freitag, den 30. April

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

des 1.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 29. April. Die gestern Abend im Aquarium behufs Gründung eines Ge⸗ lügel⸗ und Vogel⸗Züchtervere ins für Gießen und W stattgefundene Versammlung war von etwa 20 Herren besucht, welche sich sämmtlich für den Verein als Mitglieder an⸗ meldeten. Es wurde ein provisiorisches Comité gewählt,, welches den Auftrag erhielt, zum Samstag Nachmittag um 3 Uhr im hinteren Saale des Aquariums, Wallthorstraße, die erste tonstituirende General⸗Versammlung des Vereins einzuberufen, zu welcher man aus der Umgegend das Erscheinen zahlreicher Züchter und Geflügel freunde erwartet.

* Gießen, 29. April. Zum Sonntag ist nach dem Lenz'schen Felsenkeller der Bezirkstag der Krieger vereine für den Bezirk Gießen (30 Vereine) einberufen.

* Gießen, 29. April. Die mit dem Stempel der Hessischen Ludwigsbahn und der Ober- hessischen Bahnen versehenen Fracht⸗ hrief⸗Formulare werden nur noch bis einschließlich den 30. Juni d. Is. angenommen.

(W. A.)

* Gießen, 29. April.( Wahlbier und Wahlschnaps.) Angefochten werden in der zweiten Kammer u. A. folgende Mandate: Das

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des Abg. Weider(christlich⸗sozial) im 9. ober⸗

hessischen Wahlbezirk(Schotten⸗Laubach⸗Orten⸗ berg⸗Nidda). Der Ausschußbericht begründet den Antrag auf Ungiltigkeitserklärung hauptsächlich damit, daß in Wenigs, wo nur ein Wahlmann zu wählen war, auf allen Zetteln zwei Namen standen, unter denen dann das Loos entschied. Außerdem ist in Sichenhausen reichlich Wahl⸗ Bier und Schnaps geflossen. Der dort zum Wahlmann gewählte Lehrer Erdmann war der noble Spender. Auch gegen die Wahl des Kreisraths Schönfeld,(Grünberg) liegt eine Beschwerde vor wegen eines Fasses Wahl⸗Bier, das vom Bürgermeister Bock in Stangenrod aufgelegt wurde; doch beantragt der Ausschuß, mit Ausnahme des Mitglieds Bähr, der Beschwerde nicht stattzugeben.

* Gießen, 28. April. Die Körcommission a Körbezirks(Vogelsberger Vieh) wird am 30. April, Vormittags 10 Uhr, in Steinbach, Nachmittags 4 Uhr in Allen⸗ dorf a. d. Lahn Körtermine abhalten.

* Gießen, 29. April. Durch die Nieder⸗ legung des alten Spritzenhauses hinter der Stadtkirche ist ein rein gothisch gehaltener Eingang zu unserem Stadtturm freigelegt. Die vorhandenen Reste der Architektur lassen erkennen, daß dieselbe ehemals in der Ausführung, sowohl wie in der Form sehr sauber und edel gewesen ist. In einem der Quadern befindet sich die Jahreszahl 1485. Leider wird dieser Zugang zum Turm durch die Anlage des Treppenhauses zur Kirche verbaut werden.

* Gießen, 29. April.(Strafkammer.) Der 45 Jahre alte Oekonomieverwalter Joh. Martin Krauser, seit 9 Jahren in Stade als solcher thätig, wird beschuldigt der fahr⸗ lässigen Tötung des Dienstknechtes Heinrich Römer von Stade. Die Beweisaufnahme för⸗ derte das Folgende zu Tage: Der Angeklagte giebt an, daß er seit 9 Jahren die Jagd aus⸗ übe ihm wird von mehreren Zeugen das Zeugnis ausgestellt, daß er ein vorsichtiger Jäger sei. Er habe am 15. Februar d. J. die Jagd ausgeübt, in seiner Begleitung sei der Römer gewesen, der zu ihm gestoßen, als er gerade im Begriff war, die Jagd aufzugeben, dieser machte ihn auf Schneegänse aufmerksam, die er beim Abstreifen des Jagdreviers gesehen haben wollte. Krauser beschloß nun, auf diese Vögel zu pürschen, worauf Römer riet, ihm den Hund zu geben, den er an die Leine legte. Das Ende der Leine war mittels einer Schleife an Krausers Hosen befestigt. Krauser erklärt, auf das Bestimmteste zu wissen, daß beide Hähne seines Gewehres nicht gespannt gewesen, daß er das Gewehr mit dem Lauf nach oben, über den Arm gehängt, getragen, er habe in einem Graben gestanden, Römer etwa einen Meter höher auf dem Graben⸗ rand. Der Hund sei nun als er in gebückter Stellung dessen Leine von seinem Körper zu lösen versucht habe, wie toll um ihn herum gesprungen, durch das Bücken sei auch wohl das Gewehr mit der Mündung etwas nach vorn über gerutscht und plötzlich hätte die verhängnisvolle Ent⸗ ladung beider Läufe zugleich stattgefunden. Er habe Römer vorher seitwärts von sich stehen ge sehen und müsse derselbe im verhängnisvollen Moment seinen Standort gewechselt haben. Der Angeklagte ist der Ansicht er kann es sich anders nicht erklären daß der Hund bei seinem

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen.

Preis der Anzeigen: 10 fg, für die§spaltige Petitzeile.

dieser den Hähnen der Büchse zu nahe gekommen und dieselben dadurch halb gespannt worden seien, wodurch die im Gewehr enthaltenen 2 Schrot ladungen losgegangen seien. Durch Zeugen wurde festgestellt, daß der Verletzte selber der Ansicht gewesen, daß Krauser bei der Affäre keine Schuld beizumessen sei. Krauser und Römer haben sich in des letzteren Wohnung, als derselbe auf seinem Sterbelager lag, noch in Gegenwart des Pfarrers gesprochen. Der Pfarrer schildert, als Zeuge vernommen, diese Szene, die ihn allerdings so ergriffen habe, daß er beide Männer allein lassen mußte. Professor Dr. Fuhr, Ober⸗ forstmeister Krauß und Büchsenmacher Dikoré, alle drei als Sachverständige vernommen, sind der Ansicht, daß dem Angeklagten nicht der Vor wurf eines strafbaren Verschuldens zu machen sei. Kein Jäger würde anders gehandelt haben, als jener nach seiner Darstellung gehandelt hat. Krauser war noch in Ausübung der Jagd be⸗ griffen, als der Vorfall passiert sei, daher sei ein Vorwurf nicht zu erheben, daß er die Ladung hätte aus den Läufen vorher entfernen müssen,

ehe er mit dem Hund sich beschäftigte. Es sei dem Angeklagten auch zu glauben, daß die Hähne nicht gespannt gewesen, denn wäre

dies doch der Fall gewesen und hätte der Hund vielleicht durch einen zufälligen Sprung an die Hähne kommend, das Gewehr zur Ent⸗ ladung gebracht, so hätte nach Lage der Sache doch nur ein Schuß abgehen können, niemals aber beide Schüsse zugleich. Das Gericht spricht den Angeklagten von Strafe und Kosten frei.

* Gießen, 29. April. Es scheint ein in⸗ ternationales Gauner-Tric zu sein, welches gestern Abend Dank der Vorsicht eines hiesigen Bankiers in Haft genommen wurde. Beim Bankhaus Jakob Grünewald wurde gegen 4 Uhr am Telephon gerufen und an den Inhaber des Hauses von der Getreidefirma A. Katz die Anfrage gerichtet, wie er einen auf das Bankhaus Joh. Philipp Keßler Frankfurt a. M. gezogenen 6000 Mark⸗Wechsel diskontiere. Die abgegebene Offerte lautete Prozent. Der Anfrager suchte den Zinsverlust um Prozent zu drücken, doch nahm er schließlich die gemachte Offerte an und bemerkte, er wolle seinen jungen Mann mit dem Papier senden. Die Firma Grünewald möge abzüglich des Diskonts diesem die 6000 4 aushändigen. Der Inhaber des Bankhauses wollte gerade einen Weg erledigen, als bei ihm wegen der 6000 Mark angefragt worden war, er beschloß aber diese Sache per sönlich zu erledigen und wartete etwa 20 Minuten, daß ihm die Firma A. Katz den an⸗ gebotenen Wechsel übersenden solle, als dies bis dahin nicht geschehen, setzte sich Grünewald mit A. Katz telephonisch in Verbindung und frug an, wie es denn mit dem 6000 Mark-⸗Wechsel sei, ob man noch beabsichtige diesen bei ihm umzusetzen. Die Antwort des Comptoirpersonals lautete: Herr A. Katz sei verreist, es müsse ein Irrtum vorliegen, denn es wisse Niemand etwas von einem 6000 Mark⸗Wechsel. Grünewald ließ sich darauf die Ehefrau Katz an das Telephon rufen, aber auch diese erklärte, die Angelegenheit scheine ihr nicht in Ordnung zu sein. Kaum war das Gespräch am Telephon beendet, so betrat ein fein gekleideter junger Mann die Wechselstube des Bankhauses und legte einen 6000 Mark⸗Wechsel vor. Grünewald, dem die Unterschrift des In⸗ habers der Firma A. Katz bekannt ist, prüfte dieselbe und mußte sich sagen, daß, weun der Name gefälscht, dies sehr geschickt geschehen, auch hatte das vorgelegte Papier in seinem sonstigen Inhalt nichts was Zweifel an seine Echtheit etwa hätte berechtigt erscheinen lassen. Grüne⸗ wald erklärte dem jungen Mann, er habe in⸗ zwischen seinen Baarvorrath anderweit vergeben, doch wolle er das Geschäft machen, jener sollte entweder warten, oder in einer halben Stunde wiederkommen, bis der Betrag anderweit besorgt sei. Der angeblich Katzsche junge Mann nahm darauf den Wechsel an sich und erklärte, in/ Stunde wieder kommen zu wollen. Kaum war der Mensch aus der Thür, da telephonierte Grünewald an das Polizeiamt, dieses auf den Vorfall aufmerksam machend, hinterher gab er sofort telephonisch sämtlichen Bankiers Kunde von dem Vorfall mit der Warnung, vorsichtig zu sein. Damit fertig, frug der umsichtige Mann, trotz der Aufregung, in der er sich be⸗ fand beim Postamt an, wer, oder von wo er zuletzt angerufen. Nach einigen Ermittelungen antwortete das AmtHotel Viktoria. Zufällig ging der Schutzmann Göbel an dem Geschäfts⸗ lokal des Grünewald vorüber; diesem machte der Letztere Mitteilung von der ganzen Sache und

riet dem Beamten ins Viktoria⸗Hotel zu gehen

Springen und dem Zerren an der Leine mit

Expedition: 84 Kreuzplatz Nr. 4.

und dort den Vogel zu verhaften. / Stunde später führte Göbel seinen Mann verhaftet durch die Stadt. Währenddem war in das Geschäftslokal der Firma A. Katz in der Südanlage ein feiner Herr gekommen, der den Inhaber zu sprechen begehrte; auf den Bescheid, dieser sei verreist, wünschte er den Prokuristen oder Frau Katz zu sprechen. Der Letzteren legte er hierauf 2 Wechsel über je 6000. auf das Bankhaus Keßler⸗Frankfurt a. M., gezogen, aus⸗ gestellt von der Firma A. Katz⸗Gießen vor, in⸗ dem er sich als Ingenieur Flick von Lüttich vorstellte und frug, ob die Unterschriften der Katzschen Firma echt seien. Frau Katz erklärte, ihr schiene die Sache nicht in Ordnung, worauf der Herr sagte, da scheine ich ja Gaunern in die Hände gefallen zu sein, dann ists nur gut, daß ich hierher gekommen, denn da rette ich ihnen ja 12000 4. Frau Katz ersuchte den Herrn, welcher auf sie einen durchaus soliden Eindruck machte, sie zum Bahnhof zu begleiten, wo sie ihren Mann abholen wolle, dort könne er sich von diesem direkt bestätigen lassen, ob die An⸗ gelegenheit in Ordnung sei. Auf dem Wege dahin war Frau Katz mit ihrem Begleiter bis an den Eingang des Posthofes gekommen und nahm hier vom Briefträger die Briefschaften für ihren Mann entgegen. Diesen Moment be⸗ nutzte der Herr Flick, sich kurz zu empfehlen und seinen Weg nach dem Innern des Posthofes zu nehmen. Vermutlich hat er den Transport des zweiten Gauners, den man inzwischen am Bahn⸗ hof verhaftet und von dort hergeführt brachte, wahrgenommen, doch konnte das Entweichen auch den Verdächtigen Nr. 3 vor der Verhaftung nicht retten, er wurde nämlich! auf dem Hofe des Postgebäudes gleich darauf festgenommen. A. Katz hat vor 2 Tagen von Lüttich ein Tele⸗ gramm erhalten, worin ihm ein Ingenieur seiuen Besuch anmeldet, um in einer ihn angehenden Angelegenheit mit ihm zu konferieren. Möglich ist wohl, daß der Ingenieur an dem Schwindel nicht beteiligt ist, die Untersuchung wird ja Licht in diese Sache bringen.

* Gießen, 28. April. Wie aus dem Inse⸗ ratenteil ersichtlich, wird auf Os walds Garten vom 1. bis 4. d. Mts. das Neumannsche anatomische Museum ausgestellt. Die Rostocker Zeitung bezeichnet das genannte Museum als eines der hervorragendsten Unter⸗ nehmungen, auf dem von ihm vertretenen Ge⸗ biete. Dasselbe enthält, so schreibt das genannte Blatt weiter, eine sehr große Anzahl von Prä paraten, die mit überraschender Naturtreue ge⸗ arbeitet sind. Es wird uns da der menschliche Organismus im gesunden, wie im kranken Zu⸗ stande vorgeführt. In einer anderen Abteilung sind große plastische Kunstwerke ausgestellt und in einer weiteren erblicken wir die verschiedenen Menschenrassen. Sehr instruktiv sind u. a. auch die Präparate, welche die Durchschlagskraft des deutschen Infanteriegewehrs am menschlichen Körper zeigen. Es würde zu weit führen, wollten wir alles Sehenswerte, welches das Museum birgt, hier namentlich aufführen, darum möge der Hinweis genügen, daß Neu⸗ manns wissenschaftliches Museum dem Besucher eine Fülle von Belehrung und Unterhaltung in ebenso fesselnder, wie anregender Weise bietet.

Gießen, 29. April.(Goldener Boden des Bäckerhandwerks.) Ein Bäcker, der in Frankfurt eine Bäckerei gekauft hatte, behaup⸗ tete, er sei getäuscht worden, und strengte des⸗ halb einen Prozeß an. In diesem Prozeß machte ein als Sachverständiger geladener Bäckermeister interessante Angaben über den Ertrag im Bäcker⸗ handwerk.Mein Geschäft, so führte der Sach⸗ verständige aus,wird kaufmännisch geführt. Alles wird gebucht, sodaß ich mir ein genaues Bild über die Rentabilität eines leidlich gut gehenden Geschäfts machen kann. Ich habe voriges Jahr an Schwarzbrot und mürben Back⸗ waren netto 6 144, an Brödchen usw. 10 950 , verdient, zusammen 17094 netto.Darf man das zu Protokoll nehmen? fragte der Richter.Jawohl lautete die Antwort,ich habe ja meine Steuer davon bezahlt. Ich habe Tage genug, an denen 180 Liter Milch verbacken werden. Für 18 Liter Milch pro Tag verbacken, heißt einen Nettogewinn von 3* machen. Der Kaufpreis von 11000, mit alt eingeführter Kundschaft ist bei einem Milchverbrauch von 52 Liter pro Tag noch immer ein angemessener. Es wäre gut, wenn auch angegeben wäre, wie⸗ viel Bäckergesellen dieser Sachverständige be schäftigt.

* Gießen, 29. April. Gas beleuchtung an Fahrrädern. Ein Monteur Oskar Meißner in Chemnitz hat einen Acetylengasent⸗ wickler konstruirt, der, an Fährrädern angebracht,

Kaum

die Laterne 5 Stunden lang mit Acetylengas versorgt. Das Licht leuchtet viermal heller als Gasglühlicht. Der Preis des Lichtes stellt sich auf 2 Pf. für die Stunde, der Gasentwickler auf 35 M. Radfahrer, welche abends längere Touren unternehmen, dürfen das Acetylengaslicht, das völlig gefahrlos ist, bald schätzen lernen.

* Ortenberg, 28. April. Nur noch wenige Tage und der lang ersehnte Fahrplan der Eisenbahnen tritt ins Leben, auf den wir so große Hoffnungen gesetzt hatten in Rücksicht auf den Uebergang der Bahn in neue Verwaltung. Doch welche Täuschung ist uns geworden! Der Verkehr der hiesigen Gegend bis in den höchsten Vogelsberg ist nur auf Frankfurt a. M. gewiesen, und wie wenig nimmt der erschienene Fahrplan hierauf Rücksicht? Statt der erwarteten Verbesse⸗ rung ist die Verbindung in einer Weise ver⸗ schlechtert, daß man annehmen sollte, es sei plan⸗ mäßig beabsichtigt, den Verkehr, welcher die Nebenbahn StockheimGedern im Vergleich zu den anderen Nebenbahnen in Oberhessen aus⸗ zeichnet, zu Grunde zu richten. Der Frühzug ist nicht zu benutzen, weil hierzu die Verbindung fehlt und der zweite Zug läßt uns endlich, nach⸗ dem wir Stunden in Stockheim gewartet, um 128 Uhr nach Frankfurt a. M. kommen, nachdem wir früher zur Sommerzeit bereits um 10 Uhr Frankfurt a. M. erreichten und hier Gelegenheit fanden, Geschäfte abzuwickeln und Abends wieder zu Hause zu sein. Unsere Hoffnung, daß diese Mißstände die hohe Regierung nicht bestehen läßt, wird wohl nicht getäuscht.(N. H. V.)

Hirschhorn, 29. April. Vom Ofen⸗ lochprozeß. Wir berichteten vorige Woche, daß im benachbarten Affolterbach ein Vater und ein Sohn wegen der zu benützenden Kochherd löcher in Prozeß gerathen seien, indem jeder von Beiden das vordere Kochloch für sich beanspruche. Nachdem nun die vom Gerichte ernannten Experten Einsicht und Kochproben vorgenommen haben, fand gerichtlicher Termin statt, bei welchem die Experten erklärten, daß der Vater, wenn er dem Sohne das Vorrecht einräume, keineswegs ge schädigt sei, und daß er für seinen Bedarf hin⸗ länglich mit dem hinteren Kochloche zufrieden sein könne. Das Gericht entschied hierauf, daß dem Sohne als dem nunmehrigen Eigenthümer des Anwesens das Vorrecht gebühre, daß aber der Sohn, wenn der Vater gleichzeitig mit ihm koche, auf dem vorderen Kochloche keine Töpfe einhängen, sondern nur mit nicht einhängbaren Töpfen kochen dürfe. Mit diesem Entscheid mußte sich der Vater nach Lage der Sache zu⸗ frieden gebeu, sowie mit der Bestimmung, daß er die Kosten des Rechtsstreites zu tragen habe. Ob nun die gleichzeitige Kocherei von Vater und Sohn resp. von Schwiegermutter und Schwieger⸗ tochter in vollem Frieden erfolgen wird, muß die 7 lehren. Wir trauen diesem Frieden nicht.

* Mainz, 28. April. Durch Unachtbarkeit eines Dienstmädchens geriet dieser Tage ein 3⸗ jähriges Kind an eine Flasche Vitriol und trank einen kleinen Teil davon. Heute Mittag ist 991 Kleine unter schrecklichen Schmerzen ge⸗ storben.

Vermischtes.

Aus höchsten Regionen. Durch eine von Callletet sehr sinnreich erdachte Vorrichtung ist es bei dem letzten Aufstieg des französischen Pilot⸗LuftballonsAero⸗ phile am 18. Februar d. J. gelungen, eine Luftprobe aus 15000 m Höhe zur Erde herabzubringen und zu untersuchen. Die Temperatur der Luft in jener Höhe war auf 600 festgestellt worden. Der Chemiker Müntz bestimmte die Menge der in dem Gefäß von 6 Litern enthaltenen Luft bei der Reduktion auf 760 mm Baro⸗ meterstand und 0 Temperatur gleich 1,18581 Liter. Sie bestand aus 20,79 Prozent Sauerstoff, 78,27 Proz. Stickstoff, 0,94 Prozent Argon und 0,033 Proz. Kohlen⸗ säure. Müntz zieht daraus in seinem Bericht an die Pariser Akademie der Wissenschaften die Folgerung, daß die Zusammensetzung der Luft in 15,000 m Höhe fast völlig die gleiche ist wie in der Nähe des Erdbodens. Die geringen Unterschiede(0,033 Prozent Kohlensäure statt 0,029, und 20,79 Prozent Sauerstoff statt 20,96) sind vielleicht noch durch Einflüsse der Vorrichtung auf die Veränderung der eingeschlossenen Luft entstanden. Jedenfalls kann die Annahme ausgesprochen werden, daß in den Luftschichten, die mittels eines Ballons zu er⸗ forschen sind, derart ein fortwährendes Durcheinander⸗ rühren stattfindet, daß eine irgendwie wesentliche Ver⸗ schiedenheit in der Zusammensetzung der oberen und unteren Luftschichten nicht vorhanden sein kann. Uebertragung von Milzbrand auf Menschen. Ein dieser Tage in Nürnberg vorge⸗ kommener tötlich verlaufener Fall von Milzbrandver giftung ist geeignet, noch größeres Aufsehen zu errege als die früheren. Ein bei einem Zinngießer wohnend

Schreinergeselle hat mit dem Bruder des Logisgeber;