e l 10 wun nd. 0
tsaust, del In usch 10
energs 0—
vba el. au sahan J lauf, ihm 1 * zu neh UU flies ge 0 letzt noh he
n
dem heut aun, gte , Gänserlet 12 5 aer 18, Ansen Ap ihner b. St. 129— 170, Gänse pr lh 1 15 Mindfealg einefl. gesalzeng leisch 166 11 ber Jentner- Mlch per te 15 0 Stüc N
— burg, Derantp. e
uc der E. e 13. dun
—
—— er
ider Werke
skührung un nderen Marke dds,
oder Preislag
1 lamel, 29. U
belfabril
Ederstrasse ) Polstewan
el, gestellten Pressen
— paraturel
ren werden un ntle gut und iu.
rt. och, uhu lan
W arcala
rürten 10. 0 Jöbeln, Spich Je aseer sansth ee
Garen feder?
feinen
Austattung ihne zel, 2. 0
f 0
Itoverkehr mit der Reichsbank stehen.
Nr. 175
Gießen, Donnerstag, den 29. Juli
1897.
N
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
ische Landes
Ausgabe
Gießen.
10
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
* Kreuzplatz Nr. 4. 8
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Hreis der Anzeigen: 10 fg. für die Sspaltige Petitzeile.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 28. Juli. Zur Verminderung und teleichterung des Bargeldumsatzes besteht bei er Reichs⸗Postverwaltung seit dem Jahre 1883 die Ein⸗ ichtung, daß die auf Postanweisungen auszuzahlenden belräge den Empfängern nicht bar gezahlt, sondern auf ren Girokonto bei der Reichsbank gut geschrieben werden ürmen. Diese Einrichtung erspart den beteiligten Em⸗ fängern die Zeit und Mühe des Geldzählens für jede inzelne Zahlung, die Aufbewahrung des Geldes und die desörderung desselben zur Reichsbank; sie verhindert, was ai die Abholer von Postanweisungen von besonderer Wich⸗ igleit ist, die Auszahlung der Beträge an Unberechtigte üb vereinfacht das Verfahren insofern, als nicht über den betrag jeder einzelnen Postanweisung, sondern über alle un gleichen Zeit überbrachten Postanweisungen zusammen in Anerkenntnis zu erteilen ist. Außerdem werden durch ug Postgiroverfahren alle Gefahren und Weiterungen be⸗ ülgt, welche mit der Geldbeförderung von Stelle zu Flelle, mit der Zählung des Geldes und der Ausstellung seler Einzelquittungen verbunden sind. An dem Giro⸗ ahlungsverfahren können solche Empfänger von Postan⸗ zelsungen Teil nehmen, welche zu den Girokunden der leichsbank gehören und mindestens monatlich 1000 4 i Hamburg 500) auf Postanweisungen empfangen. das Verfahren kann auch auf solche Personen Anwendung ben, welche zwar an einem anderen als dem mit dem gostgiroverfahren ausgestatteten Orte wohnen, aber ihr Itokonto bei der Reichsbankanstalt des letzteren haben. n Hamburg ist das Verfahren auch auf Girokunden der⸗ augen Privatbanken ausgedehnt, welche ihrerseits im Die mit dem gerfahren verbundenen Vorteile sind im Laufe der Jahre on den beteiligten Kreisen immer mehr erkannt worden, aß die neue Einrichtung von Jahr zu Jahr einen er⸗ seulichen Fortschritt genommen hat. Ende März 1897 sesland die mit nur 91 Teilnehmern in Berlin ins leben getretene Einrichtung bereits an 161 Orten. Es trug: 1. Die Zahl der Teilnehmer 3071= 33,1 Pro⸗ int der zum Beitritt berechtigten Girokunden, 2. die Zahl er jährlich durch Giroverkehr beglichenen Postanweisungen 3870768 15,9 Prozent der an den beteiligten Orten berhaupt eingegangenen Postanweisungen, 3. die Summe er jährlich durch Giroverkehr beglichenen Postanweisungs⸗ träge 655 Millionen Mark 19,5 Prozent der an den ktelligten Orten überhaupt ausgezahlten Postanweisungs⸗ träge. Hiernach hat der Postgtroverkehr in der verhält⸗ Asmäßig kurzen Zeit seines Bestehens bereits einen nam⸗ aften Umfang erreicht. Indessen ist das Verfahren noch ner erheblichen weiteren Ausdehnung fähig, da von 9283 ur Teilnahme berechtigten Inhabern eines Girokontos bei er Reichsbank noch nicht der dritte Teil dem Verfahren getreten ist. Durch den Postanweisungsgiroverkehr gerden alle beim Barverkehr beteiligten Stellen entlastet, . Barsendungen vermindert, der Umlauf der Zahlungs⸗ Aittel beschleunigt. Angesichts dieser wirtschaftlichen Vor⸗ le ist es in hohem Maße wünschenswert, daß die Iberzeugung von dem Nutzen der Einrichtung noch gehr als bisher in die beteiligten Kreise dringen möge.
Gießen, 28. Juli. Gestern Vormittag nurden auf dem Hofgut Büblingshausen 4 Wetzlar zwei fremde Knechte fest⸗ lenommen, welche die anderen Arbeiter unter undrohung von Gewalt von der Arbeit abge⸗ hilten und zum Streik aufgereizt haben Vollen“. Auch„sollen“ sie gewaltthätig gegen .—.—————————
den Verwalter aufgetreten sein.— So meldet der„Wetzlarer Anz.“ Für ländliche Arbeiter existiert bekanntlich in Preußen das Koalitions⸗ recht nicht und es ist leicht möglich, daß die beiden Knechte, wenn sie auch nur ihre Kameraden aufforderten, die Arbeit niederzulegen, bestraft werden. Wenn der„W. Anz.“ auch angegeben hätte, warum die Knechte streiken wollten, so würde die Notiz wesentlich objektiver klingen. Wegen zu hohem Lohn und zu kurzer Arbeits⸗ zeit werden sie kaum haben streiken wollen. Der Fall zeigt von neuem, wie dringend notwendig die Beseitigung der Gesindeordnung ist.
* Gießen, 28. Juli. Bei den Trottoir⸗ arbeiten auf der Mäusburg stieß man auf große Mauerwerke, welche offenbar noch von der Ritterburg herstammen.
* Gießen, 28. Juli. Die Arbeiten zu dem neuen Anbau zum Haupt⸗Postgebäude nehmen einen sehr raschen Verlauf. Zusehends wachsen unter den Händen einer großen Anzahl von Arbeitern die Mauerarbeiten. Bis zum Herbst dürfte der Bau sich unter Dach und Fach befinden.
* Gießen, 28. Juli. Gestern Abend ver— unglückte eine hiesige Radfahrerin auf dem Heimwege von einer Tour von hier nach Wetzlar. Durch Sturz vom Rade wurde die Dame derart verletzt, daß ihr zwei Kopf— wunden vernäht werden mußten.
* Ulrichstein, 27. Juli. Der gestrige Bullen⸗ und Rindviehmarkt unseres Jakobi⸗ marktes zeigte gute Auffahrt an Tieren und auch starken Besuch von Handelsleuten. Den Verkäufern wurden vielfach recht niedere Preise angeboten. Gute Milchkühe waren schon für 250 J. erhältlich und gingen bis zu 300 K, Rinder galten je nach Qualität 130 150,
150 200 A.
* Friedberg, 27. Juli. In Fauerbach machte die achtzehnjährige Tochter des Flur⸗ schützen Scheuermann aus Liebeskummer ihrem Leben ein Ende.
„Bad Nauheim, 27. Juli. Am Sonntag Abend ging es hier sehr festlich her. Auf der Kurhausterrasse fand ein Doppelkonzert des 100 Mann starken Kölner Liederkranzes und der Kurkapelle statt. Der klingende Erfolg der Ver⸗ anstaltung waren 1259 Mark, die den Kölner Sängergästen ausnahmslos zuflossen; der künst⸗ lerische Erfolg war ein durchschlagender. Im Hochwald hielt der Gesangverein„Frohsinn“ ein von Einheimischen und Fremden zahlreich be⸗ suchtes Walfest ab, wobei die Hanauer Militär⸗ kapelle den musikalischen Part lieferte, während der Verein unter der Leitung des Lehrers Bech⸗ tolsheimer seine trefflich geschulten Männerchöre hören ließ. Der Taunusklub Wetterau machte einen Ausflug auf die Ronneburg bei Büdingen, wobei leider ein Teilnehmer den Fuß verrenkte,
hemmen
ein anderer bei der tropischen Hitze einen
Expedition:
2 84 Kreuzplatz Nr. 4.
Sonnenstich erlitt, um sich jedoch rasch wieder zu erholen.
* Bad Nauheim, 26. Juli. In der Johannisstraße wurde heute Nachmittag 5 ½ Uhr ein 4jähriges Mädchen überfahren und war sofort tot. Das Kind lief direkt aus einem Hof in den mit Bauschutt beladenen Wagen, als der Fuhrmann gerade den hinteren Teil des Wagens wollte. Der Fuhrmann, ein hier be— diensteter Knecht, wurde in Haft genommen, doch
soll ihn keine Schuld treffen.
* Mainz 27. Juli. In der letzten Zeit
haben längs der Bahnlinien zahlreiche Brände
stattgefunden. Zumeist sind es Grasflächen der Bahnböschungen selbst, die das Feuer zerstörte,
aber auch in den angrenzenden Waldungen und Getreidefeldern wurden gleiche Brandstellen wahr⸗
genommen. Unlängst brannte sogar bei Raun⸗ heim ein neben der Bahn aufgestapelter Holzstoß nieder. Am Sonntag Abend gegen 10¼ Uhr brannte bei letzterem Orte der Staatswald. Einwohner von Raunheim beseitigten die Gefahr. Gestern Mittag fand bei Kelsterbach ein Wald— brand von größerem Umfang statt, zu dessen Bewältigung die Feuerwehr ausrücken mußte. Zum Glück hat der heftige Regenguß in ver⸗ gangener Nacht die hin und wieder noch auf—⸗ züngelnden Flammen vollständig gelöscht. Ver⸗ mutlich rühren alle diese Brände von Funken her, welche die Maschinen der vorüberfahrenden Eisenbahnzüge auswerfen und die das durch die heiße Julisonne gedörrte Gras leicht entzünden. Obwohl die Maschinen mit Funkenfängern ver⸗ sehen find, so ist es doch nicht ausgeschlossen, daß glühende Kohlenstückchen ihren Weg ins Freie finden. In diesem Falle haftet die Bahn ohne Zweifel für die entstehenden Brandschäden.
* Mainz, 26. Juli. In einer sozial⸗ demokratischen Partei-Versammlung wurde laut Bericht der„Kl. Pr.“ Bericht er⸗ stattet über eine kürzlich in Bretzenheim stattge⸗ habte Konferenz des Wahlkreises Mainz-Oppen⸗ heim. Die Quintessenz des Berichtes war, daß die Organisation der Landbezirke, außer den um Mainz herumliegenden, von Industriearbeitern bewohnten Ortschaften, noch sehr viel zu wünschen übrig lasse, ebenso die Verbreitung des lokalen Parteiorgans. Außerdem wurde gemahnt, ange— sichts der vielleicht sehr bald stattfindenden Neu⸗ wahlen zum deutschen Reichstag den kürzlich ge— gründeten Wahlfonds in jeder Weise zu stärken, da Zuschüsse aus der Hauptparteikasse in Zu⸗ kunft nicht mehr zu erwarten seien. Mehr als je sei der Zeitpunkt gekommen, die zur Wahl⸗ agitation notwendigen Mittel aus eigenen Kräften aufzubringen. Zu rden n für die Landeskonferenz in Gießen wurden die Herren Bachus Siré und Liebmann gewählt. Be⸗ schlossen wurde noch, bei den Landeskonferenzen den Antrag auf Einführung eines einheitlichen Markenbeitragsystems für das ganze Großherzog—
Vermischtes.
— Der Fall Ziethen. Ueber den Fall Ziethen berichtet die„Berliner Zeitung“, daß ein von einem Schrlftsteller bei dem Berliner Hofmarschallamt eingereichtes Gnadengesuch für den angeblich unschuldig Verurteilten erfolglos geblieben ist. Die Sache soll aber insofern in ein neues Stadium getreten sein, als von hoher Stelle erneute Recherchen über den Fall Ziethen angeordnet wur⸗ den. Es dürfte darum wohl angebracht sein, so bemerkt das Blatt, die Oberstaatsanwaltschaft in Köln wieder an ein Gutachten eines preußischen Medizinalbeamten, des von uns schon öfter erwähnten Kreisphysikus Dr. Berger in Elberfeld zu erinnern, das vor mehreren Jahren in einigen Tagesblättern veröffentlicht wurde und in dem er sich klipp und klar für die Unschuld Ziethens aussprach. Gegen Dr. Berger, der Albert Ziethen unmittelbar nach seiner Verhaftung auf Blutspuren hin untersucht hatte und keine einzige an ihm fand, der sein Taschenmesser genau prüfte und nichts daran entdecken konnte, war auf Ver⸗ anlassung des jetzigen Distriktskommissars Gottschalk wegen dieses Gutachtens ein Disziplinarverfahren elnge⸗ leitet worden. Gottschalk hatte nämlich seiner Zeit, als er noch in Elberfeld Polizeibeamter war, die Untersuchung gegen Albert Ziethen geführt. Er hatte das Beweis⸗ material zur Ueberführung des Ziethen als Mörder seiner Frau beigebracht. Das Gutachten Dr. Bergers, das über dieses Beweismaterial Aufschluß gewährt, mußte von der Disziplinarbehörde als ein nach bestem Wissen und Ge⸗ wissen abgegebenes angesehen werden und infolgedessen ist auch das Disziplinarverfahren gegen den Verfasser Dr. Berger niedergeschlagen worden.
— Ein neues Kunstschützenunglück. Man schreibt aus Rom: Gestern Abend kam es in dem Sommer⸗ tingeltangel, der Bireria Nazionale zu einer Katastrophe, die an das Unglück des Kunstschützen erinnert, das kürzlich in Berlin sich ereignete. Die vortreffliche Kunstschützen Alice Tayler wollte ihre Schlußnummer ausführen und vom Publikum aus auf die Scheiben in der Bühne schießen. Aber der Karabiner versagte dreimal. Ihr Mann, Carl Steiners aus Berlin, eilte daher auf die Bühne, um ein andres Gewehr zu holen. Als er wieder die Treppe zum Zuschauerraum hinunterstieg, fiel er, und da die Waffe nicht gesichert war, entlud sich ein Schuß. Man hörte plötzlich einen markerschütternden Schrei und der Vorhang fiel. Ein Mädchen sei in Ohnmacht gefallen, hiest es, so ver⸗ sicherte auch ein Arzt, der auf die Bühne geeilt war. Die Vorstellung wurde auch fortgeführt, aber nicht lange; denn nach einer Viertelstunde erschien Jemand auf der Bühne und teilte dem Publikum mit, daß so eben aus dem Hospital Antonio telephoniert worden, daß das ohn⸗ mächtige Mädchen an den Folgen des Schusses gestorben sei. Die Unglückliche war fünfzehn Jahre alt, und „machte“ gerade ihre erste Saison als„Chanteuse.“ Sie stand plaudernd hinter den Kulissen mit ihrer Mutter als die Kugel sie in die Brust traf. Auf die Ankündigung des Unglückes erfolgte eine unbeschreibliche Szene, der unglückliche Mann der Kunstschützen wurde verhaftet, und das Publikum rebellierte gegen den Impresario, der das Theater schließen wollte. Als dieser auf seinem Willen bestand, machte das Publikum einen Heidenlärm und drohte alles zu demolieren, wenn nicht das Eintrittsgeld zurückgegeben würde. Nur mit Mühe gelang es, den Garten zu räumen.
— Ein parlamentarischer Neuling. In der Namensliste der ungarischen Politiker neueren
tum zu stellen.
Datums, so berichtei die„N. Fr. Pr.“ gehört der Name —.. ZZZ
Versöhnt!
bene Erinnerung aus dem Eisenbahn⸗Betriebsdienst von Albert Roß. (Fortsetzung.)
„Was hat denn die Erde dort zu bedeuten?“
„Nein, gar uichts, Herr Revisor!“ meldete sich Cuntermann sofort,„hab' da vorhin den Schuppen nal gründlich rein gemacht und den Schmutz in de Ecke gekehrt! Bring' ihn aber sofort gleich über de Seite!“
Norbert hatte sich inzwischen der betreffenden belle genähert und den Fuß auf die Erdschicht ge⸗ t. Er fühlte, wie die Dielen zu wippen be⸗ nnen.„Nun 7 ist denn der Fußboden hier so bker? Das wackelt ja hin und her! Fegen Sie soch mal die Erde hier fort!“
Mit schlotternden Knieen holte der Vorarbeiter n Besen und begann zu kehren. Scharzfeld war seich wie der Tod, schier fassungslos.
Aber, was ist denn das? Zwei Dielen sind bier im Quadrat in der Quere durchgestemmt und scheinen lose aufzuliegen! Nehmen Sie mal das temmeisen, Guntermann, und heben Sie den noden hoch, wollen doch sehen, was darunter ist!“
Unter den ausgehobenen Dielenstücken zeigte sich de qguadratmetergroße Grube, deren Tiefe sich segen der Dunkelheit zunächst noch nicht bestimmen B. Scharzfeld war wieter seiner Bestürzung rr geworden, er kam den weiteren Fragen vorberts jetzt zuvor.
5„Es ist eine Thorheit von mir sowohl wie von 8405 Vorarbeiter, die hier begangen worden ist, 7 Revisor! In der Grube liegt noch eine Partie 170 Kleineisenzeug, das bei meiner letzten Selbst⸗
ision überzählig war, und das wir uns für den
Fall reservieren wollten, wenn uns künftig mal etwas von diesem Material feblen sollte. Gunter⸗ mann hat mit meiner Zustimmung diese Grube ausgehoben und die überzähligen Laschen usw. darin untergebracht. Gefehlt haben wir beide zwar, indem wir Ihnen das alles bis jetzt verschwiegen, indessen— glauben Sie mir!— es ist wahrhaftig nicht in böser Absicht geschehen und jeder schlechte Gedanke hat uns fern gelegen. Gehen Sie nun mit uns nicht zu streng ins Gericht!“
„Das ist ja aber eine verdammt kitzelige Ge— schichte, Scharzfeld! Wie konnten Sie so etwas nur thun und mir diese Bestände vecheimlichen, trotzdem ich Sie sowohl wie Ihren Vorarbeiter vor Schluß der Revision ausdrücklich fragte, ob außer den revi⸗ dierten Moterialien noch andere vorhanden wären? Ja, was hilfts, Sie haben sich die Suppe einmal eingebrockt, nun werden Sie sie auch auslöffeln müssen! Zunächst also mal alles beraus, was da in dem Versteck d'rin ist, damit wir es in Zugang stellen, das andere findet sich dann später!“
Stück für Stück wurde gezählt, gebucht und der ganze Vorgang in einem Zusatzprotokoll wahr— heitsgemäß dargestellt. Auch Guntermann hatte mit zitternder Hand seine drei Kreuze unter das Protokoll setzen müssen, eine Leistung, die ihm schwerer geworden war, als seine ganze Tages⸗ i mein alter Guntermann, wandte sich nach abgegebener Unterschrift Scharzfeld traurig an seinen Vorarbeiter,„können wir beide unsere Sieben⸗ sachen zusammenpacken und der Eisenbahn Valet sagen! Wenn unser Abteilungs-Baumeister das Protokoll zu Gesicht bekommt, dann find e liefert, Gnade kennt der nicht, und in seinen Augen
sind wir weiter nichts als Spitzbuben!“
——
„Na na!“ wehrte Revisor Norbert,„so schlimm wirds hoffentlich nicht werden! Bin ja auch noch da und werde mein Urteil zur Sache in meinem Begleitbericht ebenfalls abgeben. Allerdings läßt sich nicht voraussehen, wie die Geschichte an maß⸗ gebender Stelle und namentlich vom Abteilungs⸗ Baumeister aufgenommen wird, aber, was der alte Norbert zu Ihren Gunsten thun kann, das soll ge⸗ schehen, verlassen Sie sich darauf, schon mit Rück⸗ sicht auf ihre sonstige gute Verwaltung!— Bomben Element, mein Mittagessen! Um das haben Sie mich nun auch noch gebracht! Na, Gott befohlen, Bahnmeister Scharzfeld, und lassen Sie den Mut nicht sinken! Adieu Guntermann!“
Fritz Scharzfeld legte, als die Thüre hinter dem Revisor ins Schloß gefallen war, die Hände in einander, sein Körper sank schwer auf den Brett stuhl, sein Kopf glühte. Was sollte nun werden?
„Guntermann! Guntermann!“ Keine Antwort. Scharzfeld erhebt sich und öffnet die zum Schuppen führende Thüre. Der Schuppen war leer.
„Auch von dem verlassen! murmeln seine Lippen. Dann greift er nach seiner Uniformmütze, ver⸗ schließt alle Räume und stürmt über die Gleise hinweg ins Freie. Wohin? Wohin? Es giebt nur ein Herz, das ihm die Sorgen tragen helfen wird, nur eine Seele, der er sich anvertrauen kann und zu dieser Einen flüchtet er gleich einem gejagten Reh. Hin zu seiner Christel!—
**
Vier Wochen sind seit jener so übel abge⸗ laufenen Revision verstrichen; im Dorfe Breitleben geht es heute hoch her. Des Amtsmanns Aeltester hat sich im vergangenen Jahre Predigers Lieschen erkoren und heute wird in dem Saale des Gast⸗
hofes große Hochzeit gefeiert. Ganz Breitleben ist auf den Beinen, Amtmanns sind im Dorfe überall beliebt und der Priester wird hier und in der Um⸗ gegend mit vollem Recht als stets willkommener Seelsorger und Ratspender in allen Familien dank⸗ bar verehrt. Für die ärmeren Leute hat die im Wohlthun unermüdliche Fran Amtmann in einer Gartenwirtschaft Freibier und belegte Brötchen auf⸗ tischen lassen, während die geladenen Hochzeitsgäfte sich gleich nach der Trauung im hochfein dekorierten Saale zur Tafel zusammenfinden. Eine seltene Er⸗ scheinung in den Räumen des Gasthofes bilden die aus der Stadt herangezogenen befrackten Kellner, deren Aushülfe sich Christels Vater rechtzeitig ge⸗ sichert hat und die nun bereits eilfertig ihres Amtes walten. Christel ist heute diensifrei. In der Kirche ist sie bei Lieschen, ihrer Jugendgespielin, eine der Brautjungfern gewesen, aber vergebens hat sie unter den eingeladenen Hochzeitsgästen Umschau nach ihrem heimlichen Schatz gehalten, ihr Bahnmeister fehlt auch jetzt immer noch. Sein Ausbleiben kann sie sich kaum erklären, ist doch der ebenfalls zum Mahle gebetene Stationsvorsteher nebst seiner Ehe⸗ liebsten längst zur Stelle. Sollte der grausame Dienst gerade ihn und noch dazu heute auf der Strecke festhalten? Heute, da sie ihm doch eine überaus wichtige Mitteilung zu machen hat? Oder war gerade heute die längst erwartete und gefürch⸗ tete Entscheidung seiner vorgesetzten Behörde über die fatale Revisionsgeschichte eingegangen und wie lautete diese?— So rechte Hochzeitssröhlichkeit wollte bei unserer Christel nicht aufkommen!
(Fortsetzung folgt.)


