Nr. 149
Gießen, Dienstag, den 29. Juni 1897.
hessische Landeszeitung,
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9 „Flächen N Postztg. Nr. 3319. 0 1 f— 4 Telephon⸗Nr. 112. ag — Webart: 8.— Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. N Expedition: N — Kreuzplatz Nr. 4. 8 Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Espaltige Petitzeile. 8 Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 28. Juni. Wir erinnern unsere
beser an das morgen Abend in Steins Garten stattfindende Konzert des Süd— deutschen Mäuner⸗Sextetts. Der gute
Ruf, der diesem Opernsänger⸗Ensemble voraus⸗ geht, wird sicherlich hee kunstkiebenden Publikum Veranlassung geben, dem Konzert nicht sern zu bleiben.
*Gieszen, 28. Juni.(Straßenschilder.) Wir verweisen auf eine im heutigen Inseraten⸗ ell abgedruckte Bekanntmachung des städtischen Bauamts, nach welcher beabsicht wird, demnächst ine Anzahl neuer Straß enschilder anzu⸗ ringen. Etwaige Wünsche des Publikums, pelche thunlichst berücksichtigt werden sollen, hüssen bis spätestens 10. Juli mitgeteilt werden. Auch die Besitzer derjenigen Gebäude, denen seit⸗ her eine Hausnummer fehlte, sind gebeten, dies dis zum gleichen Termin mitzuteilen.
Gießen, 28. Juni. Der Metzgermeister kühn in der Marktstraße hat seinen Laden den nodernen Ansprüchen entsprechend herrichten laͤssen. Wundervoll wirkt das dabei zur An⸗ vendung gekommene, von der Lahnkalk⸗ und Narmor⸗Industrie gelieferte rot⸗graue Marmor⸗ Paneel, welches mit schwarzem Marmor um⸗ 7 5 dem Laden erst den Anstrich der Vor⸗ gehmheit giebt.
„Gießen, 28. Juni. Das gestrige auf der ice stattgefundene Sommerfest des sessischen Fechtvereins„Waisenschutz“ halte unter dem drohenden Regenwetter am Lachmittag betreffs des Besuches sehr zu leiden. Trotzdem passierten 1 1 7 75 1500 Personen die kassen, sodaß das Fest immer noch einen hübschen leberschuß abwerfen wird. Gegen Abend drängte 0 die junge Welt lebhaft zum Tanze. ir ören übrigens, daß der Verein beabsichtigt, — eine weitere Veranstaltung folgen zu
en.
Gießen, 28. Juni. In großer Ge⸗ ahr schwebte gestern Nachmittag der von Fulda ler eintreffende Personenzug. An der sog.
andkaute hinter dem Nahrungsberg ent⸗ . bei voller Fahrgeschwindigkeit er Tender der Maschine, setzte aber zum Rück am Straßenübergang wieder auf die schienen, das Geleise wurde stark be⸗ schädigt.
* Gietzen, 28. Juni. Ein auswärtiger Arbeiter hatte gestern in hiesiger Stadt Einkäufe sesorgt und hierbei die Bekanntschaft eines da⸗ er wohnenden Arbeiters gemacht. Sie besuchten aa verschiedene Wirtschaften, woselbst
r Fremde die Zeche bezahlte. Beide begaben sch dann nach dem Bahnhofe; hier entwendete ger neugewonnene„Freund“ dem Fremdeu das gortemonnaie mit 8 1 Inhalt aus der Hosen⸗ asche und verschwand. Der am Bahnhof dienst⸗ habende Schutzmann holte den Dieb noch ein,
1 6 ihm die Beute wieder ab und verhaf⸗ e ihn. * Gießen, 28. Juni. Am kommenden
Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet für die Mit⸗ ——————— ä—
glieder des Vogel⸗ und Geflügelzucht⸗ vereins für Gießen und Umgegend auf Lonys Bierkeller eine Hauptversamm lung statt.
d. Wieseck, 28. Juni. Unser gestriges Wald⸗ und Jugendfest nahm den aller⸗ schönsten Verlauf. Man muß all die pielen Hunderte kranzgeschmückter Kinder gesehen haben, um sich einen Begriff davon machen zu können, wie groß die Freude war. Auf dem Festplatz waren unserer Schätzung nach mindestens zwei bis drei Tausend Menschen anwesend, sodaß die beiden Wirte sicher ein gutes Geschäft gemacht haben. Die arrangierten Spiele erfreuten Alte und Junge. Die turnerischen Leistungen der kleinen Gesellschaft waren recht beachtenswert. Große Heiterkeit riefen die Wurstschnappversuche der Buben hervor, welche am Ende eines Schwebe⸗ baumes die lockende Wurst vor Augen hatten, oft genug aber vorbeigriffen. Es war in der That für alle gut gesorgt. Während die Jugend schaukelte, wettlief, turnte, weit⸗ und hochsprang, schossen die Erwachsenen und tanzten. Man muß es den Veranstaltern des Festes lassen: sie haben ihre Aufgabe gut gelöst.
* Butzbach, 26. Juni. Wie an vielen anderen Orten, so liefert auch hier in unserer Gegend die diesjährige Heuernte einen reich- lichen Ertrag. Die Halmfrüchte stehen sehr gut und versprechen, wenn die Witterung günstig bleibt, eine gute Ernte. Der Weizen steht gegen⸗ wärtig in voller Blüte. Das Jäten des Unkrauts auf den Kartoffeläckern, das durch die feuchte Witterung überhand genommen, verursachte den Landwirten viel Arbeit. Was die Aepfel, Birnen, Zwetschen, Kirschen, Johannis⸗, Stachel⸗ und Heidelbeerernte anbelangt, so fällt diese ge⸗ ringer aus, als man in der Blütezeit erwartete. Die Heidelbeeren beginnen allmählich zu reifen. Das Pfund Kirschen kostet gegenwärtig 20 bis 30 Pfennig.
* Bad Nauheim, 25. Junt. Bis gestern war die Personenfrequenz auf 7800, 1200 mehr als am entsprechenden Tage des Vorjahres, die Bäderfrequenz auf 74 368, 9271 Bäder mehr als am entsprechenden Tage des Vorjahres gestiegen. Die Saison ist eine vorzügliche, die Hotels sind überfüllt, die Penstonshäuser fast durchweg besetzt. In Folge der guten Saison sind die Preise für Häuser und Bauplätze ganz erheblich gestiegen. Mit Schmerzen wartet man auf das Fertigstellen des neuen Badehauses, da die lange „Wartezeit“ die Geduld der Badenden auf eine harte Probe setzt. Es heißt, daß Mitte oder Ende Juli der nördliche Teil des Gebäudes vorläufig in Betrieb genommen werden soll.
* Friedberg, 26. Juni. Heute Vormittag zwischen 10 und 11 Uhr entgleiste auf der Main⸗Weserbahn zwischen Ostheim und Nauheim beim Rangieren eines Güterzuges eine größere Anzahl Güter⸗Wagen, wovon drei beladene Wagen die ca. 7 Meter hohe Böschung hinunter⸗ stürzten. Der kurz hinterher fahrende Personen— zug Nr. 86 mußte wieder zurückfahren, um auf ein anderes Geleise umgesetzt zu werden. Die folgenden Züge erlitten ebenfalls Verspätung,
da die Aufräumungsarbeiten Anspruch nahmen.
* Nidda, 26. Juni. In vielen Orten bei uns hat die Heuernte erst begonnen. Die sehr notwendigen Hackarbeiten an Kartoffeln und Zuckerrüben ließen bei dem Mangel an Arbeits⸗ kräften einen früheren Anfang nicht zu, und auf⸗ geschoben konnten diese Arbeiten auch nicht wer den, weil sich jene Pflanzen bei der günstigen Witterung so üppig entwickelten, daß man, ohne Schaden zu thun, eben kaum noch mit der Hacke daran arbeiten kann. Auch hier fällt die Heu⸗ ernte der Menge nach und, wie es den Anschein hat, auch der Güte nach sehr befriedigend aus. Bei den Versteigerungen wurden sehr hohe Preise erzielt. Der Zentner Dürrfutter stellt sich ohne 1 auf 2 q., hier und da noch viel öher.
* Bürgel, 28. Juni. Das 18. Gauver⸗ bandsfest mittelrheinischer Fechtklubs findet am 10. und 11. Juli hierselbst statt. Es werden sich daran beteiligen die Vereine Butz⸗ bach, Darmstadt, Frankfurt a. M., Karlsruhe, Mainz, Mannheim, Rüdesheim, Wiesbaden und Worms. Die Vorbereitungen zu der festlichen Veranstaltung, welche im„Gasthaus zum Hof“ stattfindet, sind in vollem Gange. Nach dem vom Komitee genehmigten Programm verspricht der sportliche Teil desselben hochinteressant zu werden.
* Mainz, 26. Juni. Bei einer Marsch— übung des 117. Regiments sind gestern viele Soldaten infolge der großen Hitze zusammen⸗ gebrochen. Mehrere Soldaten sind als be— denklich erkrankt in das Militärlazarett gebracht worden.
* Mainz, 26. Juni. Welche Abgebote von Seiten der Metzger erfolgen, wenn sie be⸗ deutende Lieferungen übernehmen, ersieht man bei der soeben stattgehabten Vergebung der Fleischlieferung für die Mainzer Garnison. Das Ochsenfleisch wird per Pfund zu 52½ Pfennig geliefert, während es im Detailverkauf 72 Pfg. kostet. Die entsprechenden Preise der anderen Fleischsorten sind: Kuhfleisch 47 und 60 Pfennig, Kalbfleisch 60 und 70 Pfg., Schweine⸗ fleisch 53 und 70 Pfg.
längere Zeit in
Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 28 Juni. Das„Kleine Journal“ meldet aus Lemberg: In⸗ folge einer großen Hochwasserkatastrophe ist in vorletzter Nacht um 1 Uhr der Personenzug Lemberg—-Kolomea zwischen Kolomea und Turka bei einem furcht⸗ baren Wolkenbruch durch Unter⸗ waschung der Brückenpfeiler entgleist und von der Iruth⸗Brücke ins Wasser gestürzt. 7 Fünf Waggons, darunter der Post⸗ und Gepäckwagen, liegen mit der Lokomotive im Wasser, 10 Tote und 26 Schwerverletzte wurden fest⸗ gestellt. Der Schaden wird auf Million geschätzt. Alle Briefe und Wert ⸗ sendungen find verloren. Der
Komödie.
Von Fritz Anders. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
Nach einer langen Weile that sich die Thür uuf, und es erschien der Dichter August Springer, 98 von einem Postsekretär in Zivil. Dieser ostsekretär in Zivil war ebenfalls Dichter und ge⸗ flirte zum Blechstedter litterarischen Kreise. Er war der einzige, den Springer noch so spät abends hitte auftreiben können. Deng der Major a. D. un Lettau und die Swedborg, im gewöhnlichen uben Friederike Knaut geheißen, hatten sich schon ihre inneren Gemächer zurückgezogen.
— Endlich! endlich! rief August Springer. bestatten Sie mir, Herr Hofrat, daß ich Ihnen useren Schwabendorf vorstelle. Postsekretär
echwabendorf, Verfasser zahlreicher Novellen und Juilletons. Vielleicht haben Sie etwas davon im Kechstedter Kurier gelesen. Gestatten Sie, daß ar bei Ihnen Platz nehmen. Springer that es, nhrend Schwabendorf die Herren am Skattische berüßte. Diesen Augenblick benutzte Springer, zu henerken, daß die Feuilletons seines Freundes nicht del wert seien, sie seien freilich immer noch besser die die Sachen Lettaus, der alles versuche ud nichts durchführe und der als Dichter nicht emfihaft genommen werden könne.— Aber ver⸗ ürter Herr, fuhr er fort, was werden Sie sagen, unn ich Zonen verrate, daß die Swedborg in
Blechstedt lebt. Sie kennen doch die Swedborg? — Krimper hatte keine Ahnung, gab sich aber den Anschein, als habe er für die Swedborg ein ganz besonderes Interesse. Was doppelt geheuchelt war, denn sein ganz besonderes Interesse war auf die Küche im goldenen Löwen gerichtet.
— Wir find stolz darauf, sagte Springer, sie die unsere zu nennen. Ein ganz bedeutendes Talent. Ihre„Verwehten Zeiten“ haben entschieden Furore gemacht. Dramatisches Talent hat sie freilich nicht, und das Drama der Gegenwart ist ihr gänzlich verschlossen. Nun, Sie werden Sie ja morgen kennen lernen. Aber das wichtigste ist, mein ver⸗ ehrter Herr, daß ich Sie mit unserem Künstlerkreise bekannt mache. Meine Herrschaften, ich habe Ihnen eine erfreuliche Mitteilung zu machen. In unseren Mauern weilt—
— Siehst Du, Du Schöps! sagte der Natur- bursche zum Komiker.
— Ach was! Selber Schöps, keine Spur von Fettschminke.
—— Jn unseren Mauern weilt ein Mann, dessen Name in der litterarischen Welt einen leuch⸗ tenden Klang hat, Herr Hofrat Krimper, der hoch⸗ verdiente Biograph Samuel Roses. Was uns aber ganz besonders freut, ist, daß der Herr Hofrat freundlichst eingewilligt hat, bei der bevorstehenden Aufführung den„Brandstiftern“ als Mentor freund⸗ lichst in den Sattel zu helfen. In diesem Sinne meine Herrschaften— ö
— Aber Herr Springer, sagte einer der Skat⸗
spieler, Sie werden doch keinen trocknen Toast aus— bringen wollen.
— Ein Daniel, ein Daniel! erscholl es aus dem Hintergrunde.
August Springer war etwas überrascht, faßte sich aber schnell und ließ lange Reihen von Bier— seideln bringen. Man setzte sich an den langen Tisch der Künstler, auch den skatspielenden Herren ward gestattet, Platz zu nehmen, und so bekam Krimper wenigstens einen Tropfen zu trinken.
Mittlerweile war das Gerücht, daß in der Gast— stube etwas außergewöhnliches vorgehe und daß man daselbst einen vornehmen Gast feiere, bis in die Küche gedrungen. Die Frau Wirtin bekam einen großen Schreck und kam herein mit vielen Entschuldigungen. Aber Entschuldigungen sind nicht eßbar; ebenso wenig war's der Kalbsbraten, der endlich gebracht wurde. Krimper war eine viel zu ideal angelegte Natur, um sich dadurch verstimmen zu lassen.
— Du, sagte einer der Kunstjünger andern, heute wird's noch glorios.
Er hatte Recht, es gab einen gloriosen Abend. Das Bier wurde bald durch eine Bowle ersetzt, von der mau freilich nicht recht wußte, wer sie eigentlich gespendet habe. Begreiflicher Weise konnte diese Bowle nicht besser sein, als der Wein, den der Wirt im Keller hatte, und der war schlecht. Aber auch eine schlechte Bowle wirkt. Rede folgte auf Rede— auf die Kunst, auf die Künstler, auf Springer, auf Krimper als Hofrat und als Men⸗ schen; es erhielt jeder sein Teil. Besonders war
zum
Verkehr zwischen Kolomea und Stanislau ist vorläufig eingestellt. i Hd. Prag, 28. Juni. Nach einer Blätter⸗ meldung steht hier eine Bau⸗Krisis bevor. Die hiesigen Banken haben seit längerer Zeit alle Bau⸗Kredite sistiert. Es wird auch be⸗ fürchtet, daß zahlreiche Architekten und Bau⸗
meister in finanzielle Schwierigkeiten geraten werden. Hd. Aussig, 28. Juni. Das gestrige
Bundesfest der Deutschen in Böhmen gestaltete sich bei großer Beteiligung zu einer imposanten Kundgebung. Der deutsche Ab⸗ geordnete Zimmermann wurde an der Grenze angehalten und konnte daher an dem Feste nicht teilnehmen.
Hd. Lyon, 28. Juni. Vorgestern be⸗ schlossen die Bauarbeiter den allge⸗ meinen Ausstand, 20000 Arbeiter streiken.
Hd. Paris, 28. Juni. Mohamed Ben Mussa, welchen der Sultan von Marokko beauftragt hatte, dem Präsidenten Faure Geschenke zu überbringen, ist hier wahn⸗ sinnig geworden. Aus diesem Grunde konnte auch die marokkonische Gesandschaft nicht an dem Londoner Jubiläumsfest teilnehmen, wie es be⸗ absichtigt war.
Hd. Rom, 28. Juni. Unter der Anklage des falschen Zeugnisses wurden gestern in Palermo fünf angesehene Bürger verhaftet, darunter mehrere Notare. Es handelt sich um die Fälschung eines Millionentesta⸗ ments. Die Angelegenheit spielt vor dem Schwurgericht in Mailand, wohin sie aus Besorgnis vor lokalen Einflüssen verwiesen wurde. Der Rechtsanwalt Calaerone machte bei seiner Verhaftung einen Selbst⸗ mord versuch.
Hd. Antwerpen, 28. Juni. Nachdem gestern der Kongodampfer Albertville hier einge⸗ troffen war, verbreitete sich sofort das Gerücht, 24 Weise von der Expedition des Baron Dhanis seien getötet worden. Revoltierende eingeborene Soldaten hätten sich 1500 Gewehre, 200000 Patronen, sowie einer Mitrailleuse be⸗ mächtigt.
Sterbefälle.
Marie Lur, Näherin von Nieder⸗Florstadt.
Am 24. Juni. 26 Jahre alt, Gestorben in der Frauenklinik. wird in die
Die Leiche Heimat verbracht.
Am 25. Juni. Elisabethe Ranft, geb. Holz, Ehefrau vom Knecht Johannes Ranft von Oppen⸗
rod, Kreis Alsfeld. Gestorben in der alten
Klinik. Die Leiche wird in die Heimat ver⸗ bracht. Am 27. Juni.
Heinrich Hainbuch VI, 43 Jahre alt, Landwirt von Eudorf, Kreis Als⸗ 4 feld. Gestorben in der psychiatrischen Klinik.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗
teur: Wilbelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen
Aber wir wollen den Leser nicht einladen dieser Sitzung weiter beizuwohnen. Wir wissen, daß das, was nach Mitternacht geschieht, für den unbeteiligten Zuschauer eine Sache von zweifelhaftem Werte ist. Nur auf die Schlußgruppe einen flüchtigen Blick zu werfen, sei gestattet. Krimper saß auf dem zu einer Art ungestalteten Sopha mit einem der trocknen Lorbeerkranze geschmückt und balanzierte sein Glas zwischen den Fingern, zwar mit Würde, aber nicht mit voller Sicherheit. Zu seinen Füßen batte die jugendliche Liebhaberin als seine Muse Platz genommen, nachdem sie dem großen Künstler und Menschendarsteller im Staubmantel den Laufpaß gegeben hatte. Der große Künstler und Menschen⸗ darsteller im Staubmantel saß mit zerwühltem Haar, die Stirne auf die Faust gestützt an einem einsamen Tische und rächte sich an dem schnöden Verführer, indem er möglichst viel von seiner Bowle trank. Die komische Alte war mit dem endlosen Strumpfe in der Hand sanft entschlafen.
August Springer las den Skatspielern eine wichtige Szene seines Dramas vor, der eine der Kunstjünger stand vor Krimper und deklamierte Schillers„Künstler“ und der andere saß am Klavier und sang etwas, was eine entfernte Aehn⸗ lichkeit mit Löwes Duglas hatte. Trinkler hielt einem engeren Kreise eine ergötzliche Bierrede und Franz trank, im Hintergrunde herumschleichend, alle Rester in den Gläsern aus.
(Fortsetzung folgt.)


