Ausgabe 
29.5.1897
 
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Nr. 124

Gießen, Somabend, den 29. Mai

1897.

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Poftztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

Ausgabe

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Gießen.

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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

2. Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 28. Mai. Der Amtsrichter Schmeckenbecher, seither am Amtsgericht II zu Darmstgdt, ist zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen ernannt.

Gießen, 28. Maj. Der zweiten Kam⸗ mer ist ein dringlicher Gesetzentwurf zugegangen, der ausspricht, daß die polizeiliche Regelung des Verkehrs der Radfahrer auf öffent⸗ lichen Wegen, Straßen und Plätzen im Wege der Verordnung zu erfolgen habe. In der Be⸗ gründung ist darauf hingewiesen, daß das Fahr⸗ rad längst nicht mehr nur sportlichen Zwecken diene, sondern als leichtes und bequemes Ver⸗ kehrsmittel für das soziale Leben eine große Bedeutung gewonnen habe. Eine gesetzliche Rege⸗ lung des Radfahrverkehrs sei ins Auge gefaßt, doch liege noch nicht genügend Erfahrung vor und sei die Entwickelung des Radfahrverkehrs moch nicht so weit abgeschlossen, daß es rätlich escheine, schon jetzt Vestmmungen durch Gesetze festzulegen. Im Kreise Darmstadt ist die Her⸗ stellung besonderer Radfahrerwege längs der Ehausseen vorerst auf drei Strecken angeordnet.

* Gießen, 28. Mai. Unsere Professoren Wollen nicht. DasWorms. Tagbl. schreibt: Durch die Presse ganz Deutschlands ging s. Zt. de Nachricht, daß Fräulein Käthe Kehr in Worms sich dem Maturitätsexamen am Wormser Eymnasium unterzogen und es bestanden habe. Später meldeten wir, Fräulein Käthe Kehr sei um Zulassung als ordentliche Hörerin in der Medizin bei der Landesuniversität Gießen eingekommen. Auf dieses Gesuch ist nunmehr aus dem Staatsministerium des Innern ein ablehnender Bescheid erfolgt, weildie zunächst in Betracht kommenden Pro⸗ sessoren es abgelehnt haben, eine ein⸗ zelne Dame an ihren Vorlesungen und lebungen teilnehmen zu lassen. Der ministerielle Bescheid fügt übrigens hinzu, daß bie prinzipielle Frage der Zulassung von Frauen zum Studium an der Landesuniversität som Ministerium in Erwägung gezogen wird und daß diese Frage auch zur Zeit die Organe der Landesuniversität beschäftigt. Der offenbare Widerspruch, daß die Regierung eine junge Dame jum Maturitätsexamen zuläßt, ihr aber dann den Hörsaal der Universität ver⸗ schließt, ist vom Ministerium nicht übersehen worden, wie aus dem Bescheide hervorgeht, und leht zu hoffen, daß die Schwierigkeiten, welche zur Zeit der Zulassung von Damen zum Studium der Medizin an der Universität in Gießen ent⸗ gegenstehen, recht bald beseitigt werden. Moffen und Harren

* Gießen, 28. Mai. Infolge technischer Störungen in der Druckerei fand in der letzten PNummer unserer Zeitung ein Artikel über die mangelhafte Abfertigung der Steuerzah⸗ ler auf hiesiger Distriktseinnehmerei Auf⸗ sahme, der bei normalem Betriebe in der ge⸗ wählten Form nicht zum Abdruck gelangt wäre. Von verschiedenen Seiten erhielten wir heute duschriften, in denen die Behauptungen unseres rr Kr......

Erscheint täglich mit Ausnahme de

r Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Big. für die spaltige Petitzeile.

Gewährsmannes widerlegt werden. Wir ent⸗ nehmen daraus, daß die Raumverhältnisse im jetzigen Einnehmerei-Lokal betreffs der Größe bedeutend günstiger sind, als das vordem gewesen. Die Umsicht des Herrn Wacker und seine Ge wandtheit in der Abfertigung der Steuerzahler werde am besten durch den Umstand gekennzeich⸗ net, daß an dem letzten Zahltage innerhalb 6 Stunden nicht weniger als 900 Personen(inkl. Patentausgabe) abgefertigt worden sind. Außer⸗ dem sei zu beachten, daß infolge der späteren Ausgabe der Steuerzettel sich die Abwicklung in einen Zeitraum von wenigen Tagen zusammen⸗ drängte, was bei der Beurteilung zu beachten und selbstredend dem betreffenden Beamten nicht in die Schuhe zu schieben sei. Wir pflichten dem vollständig bei.

A. P. F. Gießen, 28. Mai. Sportfest. Die Nennnungen für die nächsten Sonntag anläßlich des Sportfestes an der Hardt statt⸗ findenden internationalen Rennen sind über alles Erwarten glänzend ausgefallen, ein Erfolg, auf den die Rennleitung mit Recht stolz sein kann. Es sind im Ganzen 193 Rennungen eingelaufen, welche sich auf die einzelnen Rennen wie folgt verteilen: Rennbahn⸗Eröffungsfahren 6, Erstfahren 21, Fahren um den Damen⸗ Wanderpreis 31, Gauverbands-Fahren 26, Haupt⸗ fahren für Berufsfahrer 23, Fahren um den Ehrenpreis des Deutschen Radfahrer⸗Bundes 31, Mehrsitzerfahren für Berufsfahrer 22, Mehrsitzer⸗ fahren für Amateure 33. Somit wäre eine große Beteiligung auswärtiger Rennfahrer ver⸗ bürgt und es erübrigt noch, dem Wunsche Raum zu geben, daß die Gießener Bevölkerung den fremden Radlern einen recht herzlichen Empfang bereitet und diesem durch eine allgemeine Beflaggung der Häuser nach äußerlich Ausdruck verleiht. Wie nun definitiv festgestellt ist, wird der Festzug am Sonntag Nachmittag folgenden Weg nehmen: Ab Steins Garten, Berg⸗, Ludwig⸗, Bleichstraße, Südanlage, Ostan⸗ lage, Wallthorstraße, Seltersweg, Westanlage, Bahnhofstraße, Neustadt, Festplatz. Der Preiskorso der Radfahrervereine findet vom Wallthor bis zum Seltersthor statt. Nicht unerwähnt möge bleiben, daß das Mitbringen von Hunden u den Rennen am Sonntag auf das Aller⸗ strengste verboten ist, da dadurch sehr leicht Un⸗ glücksfälle herbeigeführt werden können. Die Rennleitung wird in einem derartigen Falle un⸗ absichtlich den Besitzer des Hundes für alle ent stehenden Schäden verantwortlich machen.

* Gießen, 28. Mai. Trotzdem der Himmel gestern ein trübes Gesicht machte, hatten sich nachmittags zum Krauße⸗Konzert im Philo⸗ sophenwald zahlreiche Hörer eingefunden, welche sich den Genuß, den ihnen die Kapelle bot, durch das alsbald eintretende Regenwetter durchaus nicht verderben ließen. Man spannte einfach die Schirme auf und hielt bis Ende wacker aus. Trotz der Regenschauer wurde applaudiert und mußte Herr Direktor Krauße, um den Beifall zu beruhigen, mehrere Märsche als Einlagen spielen lassen.

* Gießen, 28. Mai. Zu dem gestern auf

Textors Terrasse stattgehabten Konzert, verbunden mit der Eröffnung des Jux⸗ platzes, hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, ssodaß sowohl die Halle als auch der Garten überfüllt waren. Reichen Beifall ernteten die von der Bauerschen Kapelle aus⸗ geführten Oouverturen und Potpourris. Abends fand elektrische Beleuchtung des ganzen Etablisse⸗ ments statt. Man konnte hieraus ersehen, daß die dem Herrn Max Weißbäcker übertragene Arbeit aufs vortrefflichste geraten ist. Auch an dieser Stelle wollen wir darauf hinweisen, daß die Küche des Herrn Bob eine vorzügliche war und hoffen wir, daß dieselbe bei dem bevor⸗ stehenden Sport- und Volksfest ebenso aus⸗ fallen wird.

* Gießen, 28. Mai. Auf der 3. inter⸗ nationalen Hundeausstellung zu Frank- furt a. M. erhielten auf kurzhaarige deutsche Vorstehhunde folgende Gießener Aussteller Auszeichnungen. Offene Klasse für Brauntiger⸗ Rüden: Adolf Bieler auf Hektor-Harris, Konrad Rübsamen auf Rino höchst lobende Erwähnung Reservepreis. Ebenso erhielten in der Neulingsklasse die beiden Herren auf die gleichen Hunde je eine höchst lobende Erwähnung. Im ganzen sind etwa 600 Hunde aus allen Gegenden Deutschlands ausgestellt.

* Gießen, 28. Mai. Vom prächtigsten Wetter begünstigt ist der vorgestrige Himmel⸗ fahrtsmarkt für die Bestitzer der leichten Budenstadt auf Oswalds Garten sowohl als auch für die Ladeninhaber der Neustadt, Markt⸗ straße, Marktplatz u. s. w. sehr gut verlaufen. Der Markt war überaus zahlreich von Land⸗ leuten aus der näheren und ferneren Umgebung besucht, welche flotte Kauflust mitgebracht hatten. Bei Käufern und Verkäufern sah man vergnügte Gesichter und auch die Karussell- und Schau⸗ budenbesitzer, sowie die zahlreichen Wirte der Neustadt fanden ihre Rechnung dabei.

* Gießen, 28. Mai. Der vorgestrige Schweinemarkt hatte einen Auftrieb, wie er häufig nicht vorkommt. Es waren mehr wie 1600 Tiere aufgetrieben. Auch an Käufern fehlte es nicht, und so entwickelte sich der Handel sehr gut. Die Preise gingen infolge starker Nachfrage sehr in die Höhe. Besonders wurden junge Ferkel und Mittel⸗Läufer, die diesmal ge⸗ nügend aufgetrieben waren, stark gekauft. Es kosteten Ferkel, 8 12 Wochen alt, 60 75, Läufer, 46 Monate alt, 80100, ältere Tiere 100120 K pro Paar. Fettvieh war nicht aufgetrieben. Der Markt wurde gänzlich geräumt.

* Gießen, 28. Mai. Auf Oswalds Garten hat gestern am Spätnachmittag eine Frauens⸗ person einen Soldaten mit ihrem Sonnenschirm tüchtig verhauen. Eifersucht soll der Beweggrund gewesen sein. Der Soldat war gerade willens, von seiner Waffe Gebrauch zu machen, doch kam ein Schutzmann hinzu und verhinderte dies.

* Gießen, 28. Mai. In einer hiesigen Wirtschaft wurde gestern Abend einem Gast das Portemonnaie mit ca. 50. Inhalt ent⸗

Poufssette. Von Ouida.

Deutsch von B. Treumann-Koner. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.)

Er sprach endlich zuerst, und so befangen trat e auf sie zu, als sei er ein schüchterner Knabe und ncht ein lebensüberdrüssiger Weltmann.

Es war unrecht, daß ich kam, sprach er leise. Ich bitte um Verzeihung. Wie geht es Ihnen? ind Sie wohl und glücklich hier?

Mich das zu fragen find Sie doch nicht ge⸗ lumen? Sie sagte es mit kalter Verachtung, doch ire Stimme zitterte. Durch sein Erscheinen war un ganzes Sein erschüttert worden wie ein Sturm eibebender Baum.

Nein, ich komme mit einer Bitte, erwiderte e in demütigem Ton. Sein Eindringen hier er⸗ ien ihm über alle Begriffe unschicklich, er hätte sch selber hassen moͤgen. Sie sagte nichts. Un⸗ bweglich, das bleiche Antlitz wie zu Marmor er⸗ serrt stand sie unter den vom Vordach ihres nuses herabhängenden Rosenbüscheln.

Er sah zu ihr hinüber. Noch immer hoffte er, smwerde ihm durch ein Wort die Erklärung seines herseins erleichtern doch vergeblich. O, wie cbärmlich, abscheulich, verdammenswert er sich ind! Endlich raffte er sich so weit auf, um sein liegen vorzubringen.

Marie, begann er zagend,sehen Sie dieses

fündchen seit sieben Jahren besaß ich weiter

keinen Freund. Ich habe eine weite Reise zu machen und werde nicht zurückkehren. Ich kenne keine Seele, die gegen das kleine Geschöpf gut sein würde. Da dachte ich an Sie Sie waren stets gut

Hier versagte ihm die Stimme. Eine ihm un⸗ gewohnte Gemütsbewegung hatte sich seiner be⸗ mächtigt. Poussette sah zu ihm auf, als habe sie ihn verstanden. Sie war bekümmert; traurig senkte sie den Schweif. Marie Desjardins sprach nicht. War sie beleidigt, gerührt oder enttäuscht? Ihre Miene und Haltung verrieten ihm nichts.

Wollen Sie das Hündchen behalten, Marie? Ich muß es sonst töten.

Wohin werden Sie reisen? fragte sie nun.

Das kann ich Ihnen nicht sagen.

Und es mitnehmen wäre Ihnen ganz un möglich?

Ja, und ich wünsche, ihm Leiden zu ersparen.

Schweigend sah sie auf das furchtsam und trübselig dastehende kleine Geschöpf nieder, das mit ängstlicher Spannung zu Vallarec aufblickte.

Und dann sagte sie:

Wenn Sie sich in einer Kalamität befinden und keinen anderen Ausweg wissen, so ja. Lassen Sie es mir; ich will die Sorge dafür über⸗ nehmen.

Thränen traten in die müdeblickenden Augen des Mannes, der vor ihr stand. Er hatte sich noch nie so verabscheut wie eben jetzt.

Ich danke Ihnen, sagte er einfach.

Hierauf nahm er Poussette auf den Arm, drückte

sie an seine Brust und küßte ihr Köpfchen. Und sachte setzte er sie wieder auf den Gartenpfad, ließ sodann einen seiner Handschuhe auf den Boden fallen und forderte sie durch ein Zeichen zur Be wachung desselben auf.

Poussette legte sich nieder und deckte ihre beiden kleinen Vorderpfoten über den Handschuh. Sie war an den Auftrag gewöhnt. Aber ihre großen hellbraunen Augen mit den feuchtglänzenden erwei terten Pupillen bekundeten eine bange Verwunderung darüber, daß sie in dieser ihr völlig fremden Um⸗ gebung allein bleiben sollte.

Er verneigte sich tief vor der Frau, die er be⸗ trogen hatte, und obne weiteren Gruß entfernte er sich, nur noch einmal nach ihr und dem Hündchen zurückschauend. Poussette lag gehorsam, die Pfoten auf dem Handschuh ihres Herrn haltend, die treuen Augen in rührender Hülflosigkeit und stummer Seelenangst auf den Davonschreitenden gerichtet.

Als Marie Desjardins hörte, daß die Garten thür sich hinter ihm schloß, sank sie in Thränen ausbrechend auf eine vor dem Hause befindliche Bank. Sie hatte ihr Herz längst erstorben ge wähnt und geglaubt, in Frieden dem Grabe zu⸗ pilgern zu dürfen. Und nun plötzlich war dieses Herz wieder erwacht, doch zu einem von hoffnungs⸗ losem Weh und bitterem Leid vergifteten Leben. Welche Grausamkeit, welche schändliche Grausam⸗ keit, nach so vielen Jahren in die Zurückgezogenheit ihres bescheidenen Daseins zu dringen und ihr abermals die Ruhe zu rauben die Ruhe der Entsagung, das bleiche Trugbild der Zufriedenheit,

* ebition: E Kreuzplatz Nr. 4.

wendet. Der Dieb wurde von dem patrouil⸗ lierenden Schutzmann in der Bahnhofstraße in der Person eines Hausierers von Hannover ver- haftet. Das gestohlene Portemonnaie nebst Inhalt war in seinem Besitze.

* Gießen, 28. Mai. Auf Oswaldsgarten gerieten gestern Abend wegen eines Burschen zwei Frauenzimmer in Streit, wobei sie sich gegenseitig die Haare rauften und Gesichter zerkratzten. Ein Strafbefehl wird die Ge müter wieder beruhigen.

F. Lollar, 26. Mai. Der seit dem Jahre 1862 bestehende Turnverein Lollar plant nunmehr den Bau einer Turnhalle, da sich die gegenwärtigen Räumlichkeiten vom technischen Standpunkte aus betrachtet als ungeeignet er⸗ weisen, zudem ist auch der hierzu gemietete Saal hinsichtlich der zunehmenden aktiven Turner viel zu klein. Obwohl nun zu diesem Projekte die kräftigste Unterstützung seitens der hiesigen Ein⸗ wohnerschaft sich in lobenswerter Weise zum Ausdruck gebracht hat, so ist es trotz dieser Opferwilligkeit nicht möglich, auf diesem Wege zur Verwirklichung des Projektes zu gelangen. Aus diesem Grunde ist von dem hiesigen Turn⸗ verein beabstchtigt, zum Besten des Baufonds eine von dem Eisenwerk Lollar in Kunstguß her⸗ gestellte Büste des Altvaters Jahn zum Preise von 6 Mark an Brudervereine abzugeben. Die künstlerisch ausgeführte Jahn⸗Büste dürfte ihren Zweck als Dekoration des Vereinslokals voll⸗ ständig erfüllen und auch als Zimmerschmuck geeignet sein. In Anbetracht der guten Sache, die unser hiesiger Turnverein mit diesem Unter⸗ nehmen verfolgt, ist eine allseitige Unterstützung nur zu wüuschen.

* Butzbach, 27. Mai. Das seit dem 1. April hier garnisonierende 1. Bataillon 5. großh. hess. Infanterie⸗Regiments Nr. 168 wird demnächst Bataillonsmusik erhalten. Das Bataillon sucht zu diesem Zweck für den Herbst die dazu nötige Anzahl zweijährig⸗- freiwilliger Berufs⸗ Musiker.

* Lauterbach, 27. Mai. Durch Vertreter der Eisenbahndirektion Frankfurt und des großh. hess. Finanzministeriums wurde am Montag mit der Prüfung der Eisenbahnlinie Lauterbach⸗ Grebenhain-Gedern begonnen. Die Bahn soll noch im Spätherbst d. J. in Angriff ge⸗ nommen werden.

* Darmstadt, 27. Mai. Im abgelaufenen Jahr hat der Staat an Erbschaftssteuer im ganzen 474 000 vereinnahmt. Davon kommen auf die Provinz Rhcinhessen 203 770, Starken⸗ burg 188 721 A und Oberhessen 81509&.

* Mainz, 25. Mai. Der vor längerer Zeit dahier verstorbene Rentner Braun hat be⸗ kanntlich nach Abzug einer Reihe von Legaten die Stadt Mainz zur Universalerbin eingesetzt und es befand sich unter der Erbschaft auch eine Forderung an eine Verwandte des Braun in Amerika. Als sich nun die Stadt an die in New⸗York wohnende Schuldnerin des Braun

welches für Glück zu nehmen sie seit langer Zeit sich bestrebt hatte!

Er wanderte unterdessen zwischen den in Laub⸗ und Blütenpracht versteckten Häusern durch die ruhige kleine Stadt der Bahnstation zu, die er ge⸗ rade erreichte, als der Zug nach Norden zum Ab⸗ gehen bereit stand.

Am folgenden Tage fand das Duell statt. Vallarecs Vorahnung hatte ihn getäuscht. Sein Gegner erhielt durch ihn eine schwere Verwundung, während er selbst unversehrt blieb.

Ich habe in nichts mehr Glück! sprach er bitter zu sich. Es war ihm mit dem Wunsche Ernst gewesen, sein Leben zu verlieren, das für ihn von keinem Nutzen mehr war. Alles, was daran wertvoll, hatte er fortgeworfen. Ein unsägliches Müdigkeitsgefühl lastete auf ihm. Selbst die Leidenschaft, welche ihn zu Grunde gerichtet hatte, regte ihn kaum mehr an Dennoch wandte er sich ihr wieder zu, mehr aus Gewohnheit als aus innerem Antriebe.

Oft dachte er an Marie Desjardins zurück, an den stillen, schönen Garten, in welchem er sie ver⸗ lassen hatte, und an Poussette, wie sie wohl jetzt im Grünen spielte und, von weiblicher Hand ge⸗ pflegt, ein behagliches Dasein genoß. Es war ihm eine Beruhigung, sie dort zu wissen, für die ihr noch beschiedene Lebenszeit vor Hunger, Mißhand⸗ lungen und Strapazen geschützt.

(Fortsetzung folat.)