Ausgabe 
29.4.1897
 
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Berichtsjahre ermittelt 351, eine relativ hohe Zahl; Keuchhusten sind verzeichnet 208 Todesfälle, ein mittlerer

1 in den 3 vorausgegangenen Jahren. Kindersterblichkeit, namentlich die der Säuglinge beein⸗

Nr. 99

Gießen, Donnerstag, den 29. April

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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usgabe

Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Sterblichkeitsverhältnisse in Hessen.

Im Jahre 1896 sind im Großherzogthum nach einer vorläufigen Aufstellung 19 524 Todesfälle(ausschließlich der Todtgeborenen) vorgekommen; hiernach berechnet sich die Sterblichkeitsziffer der Bevölkerung, diese auf 1045 200 geschätzt, zu nur 18, p. M. gegen 19, und 19, p. M. in den beiden äußerst günstigen Vorjahren und gegen 2122 p. M. als Durchschnitt einer langen Jahresreihe. Beil den Kindern, unter 15 Jahren, auf welche 7993 Todesfälle treffen, betrug die Sterblichkeitsquote nur rund 23 p. M., während der Durschnitt aus einer langen Jahresreihe sich auf 2728 p. M. beziffert und bei den Erwachsenen, auf welche 11531 Sterbefälle kommen, 17 p. 95 gegenüber dem vieljährigen Mittel von rund 19 p. M.

Vor Vollendung des ersten Lebensjahres waren ver⸗ storben 5264 Kinder oder auf die Lebendgeborenen be kechnet rund 16% der letzteren, ein Betrag, der in günstigen Jahren wiederholt beobachtet ist und um fast 90% unter dem Durchschnitt bleibt; die geringe Kinder⸗ slerblichkeit des Berichtsjahres betrifft vorwiegend die über ein Jahr alten Kinder, denn bei dieser Altersgruppe waren nur 2729 Sterbefälle zu verzeichnen, während heren Zahl in den früheren Jahren zwischen 3400 und 3800 sich bewegte und in den Jahren 1882, 1888 und 1893 die höchsten Beträge mit 4000 und 4300 erreicht hatte. Die sehr bemerkenswerthe und erfreuliche Ab⸗ nahme der Sterblichkeit in dieser Altersgruppe ist zweifellos die Folge einer seit 1894 constant gebliebenen

Abminderung der Todesfälle durch Rachen- und Hals⸗

hräune und ferner Folge des seit dem Jahre 1890 con⸗ stanten Rückganges der Sterbefälle an Scharlach, welcher, neben einem selteneren Auftreten in bedeutenderen Epidemien, enen offenbar minder gefährlichen Charakter der einzelnen Erkrankungen aufweist. Masern und Keuchhusten lassen dagegen im Allgemeinen einen Rückgang der Sterbefälle nicht erkennen, dieselben pflegen in unregelmäßigen 3 5 ührigen Intervallen über das Großherzogthum verbreitet vorzukommen.

Von den ausschließlich das Kindesalter bedrohenden ansteckenden Krankheiten hatten Rachen⸗ und Halsbräune im Jahre 1896 nur 426 Todesfälle veranlaßt, auf 10000 Einwohner 4,1. Im vieljährigen Durchschnitt betrug die mittlere jährliche Sterblichkeits rate 9%, die⸗ selbe war in dem ominösen Jahre 1893 mit 1911 Todes⸗ fällen sogar auf 19¾% gestiegen, in den folgenden Jahren aber auf 12 und 5%%% und nunmehr noch weiter heruntergegangen. Sterbefälle durch Masern wurden im an

Betrag, an Scharlach nur 76 und zwar ebensoviele, wie Von andern, die

flussenden Krankheiten hatten Darmkatarrh und Brech⸗ durchfall nur 978 Todesfälle veranlaßt, während in her⸗ worragend ungünstigen Jahren deren Zahl auf 1200 bis 1400 ansteigt, an Atrophie verstorben waren 371 Kinder und an angeborner Lebensschwäche 559. Die constant so auffallend günstigen Sterblichkeitsverhält- nisse der Kinder des ersten Lebensjahres in der Provinz Oberhessen kommen auch im Jahre 1896 sehr deutlich zum Ausdruck, denn es hatte die Säuglings⸗ sterblichkeit dort nur 11 der Lebendgeborenen erreicht, während diese Quote in Starkenburg auf 17% und in Rheinhessen auf 18% sich bezifferte; Darmkatarrh und Atrophie zusammen hatten in Oberhessen nur 123 Todesfälle 4,% veranlaßt, in Starkenburg aber 655= 14,% und in Rheinhessen 571= 17,% 0.

Einen minimalen Betrag erreichten im Berichtsjahre die Todesfälle an Abdominaltyphus; während zu Anfang der achtziger Jahre noch 200 und mehr Personen jährlich dieser Krankheit erlegen waren, ist seit dem Jahre 1888 die Zahl 100 nicht mehr überschritten worden, von da ab ist der Rückgang der Typhussterbefälle ein fast constanter und treffen auf das Jahr 1896 nur deren 33. Von den 5 volkreichsten Städten hatten in diesem Jahre Darmstadt, Offenbach und Worms nur je einen Todesfall durch Typhus zu verzeichnen, je drei treffen auf Mainz und auf Gießen, hier einschließlich der in den Kliniken verstorbenen Ortsfremde. Sterbefälle an Rose wurden 60, an Genickkrampf 9, an Milzbrand 2, an Aktinomy⸗ kose und Malaria je 1 und an Syphilis 27 verzeichnet. Im und durch das Wochenbett waren gestorben 134 Frauen, wovon durch Wochenbettfieber 70 und an andern Folgen ider Geburt 64.

Todesfälle durch Tuberkulose wurden 3 26 8 ge⸗ zählt, darunter an Lungenschwindsucht 2536 und an Tuberkulose anderer Organe 732; an entzündlichen Erkrankungen der Athmungsorgane erlegen waren 2657 Personen, darunter inbegriffen sind 133 Sterbefälle durch Influenza, die überwiegend auf die 4 ersten Jahresmonate itreffen; an Gehirnschlagfluß erlagen 693, an Herz⸗ krankheiten chronischen und akuten Verlaufs 947, an Neu⸗ lbildungen(Krebs) 985, an Altersschwäche angeblich 1777. An sonstigen benannten Krankheiten zusammen waren ver⸗ sstorben rund 3540 Personen, während die tödtlich ge⸗ wordene Krankheit unermittelt blieb bei 2060 Sterbefällen oder bei 10% der Gesammtzahl.

Durch Verunglückung umgekommen sind 342 Personen, Durch Selbstmord endeten 214 und durch Verbrechen Anderer 20.

(Centr.⸗Stelle für Landesstat.)

* 5 N. N Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 28. April. Durch Verfügung großh. Ministeriums der Justiz vom 24. April ist weiter zum Mitglied der Kommission, die mit der Beratung der landesgesetzlichen Aus führungsvorschriften zum Bürgerlichen Gesetzbuch befaßt ist, der Rechtsanwalt Justizrat Dr. Reatz in Gießen ernannt worden.

* Gießen, 27. April. Dem Vernehmen nach wird das nächste Schwurgericht am Montag, den 9. Juni seinen Anfang nehmen. Dem Vorsitz wird, wie man hört, Landgerichts rat Doruseiff führen.

* Gießen, 28. April. Als Beisitzer für das Gewerbegericht für den Monat Mai sind an der Reihe, für die Arbeitgeber Buch bindermeister Konrad Steinhäuser, für die Arbeitnehmer Johannes Rudolph.

* Gießen, 28. April. Gestern und heute wurden 128 Reservisten zu einer 14tägigen Waffenübung beim RegimentKaiser Wilhelm eingezogen.

* Gießen, 28. April. Am Sonntag findet hierselbst die erste Bezirksvorturnerstunde 11 2. Bezirks des Gau Hessen mit 17 Vereinen tatt.

* Gießen, 28. April. Bei der zum Um⸗ bau der Frankfurterstraße für die Maurerarbeiten seitens des Stadt⸗-Bauamts ausgeschriebenen Submission hatten sich ö hiesige Baufirmen gemeldet. Die Höchstforderung betrug 5559 Mk. 25 Pf., während ein Konkurrent als Wenigstfordernder für dieselbe Arbeit nur 2607 Mk. 13 Pf. verlangt.(1)

-d. Gießen, 28. April. Nächsten Mittwoch, 5. Mai, wird auf vielseitigen Wunsch die Kapelle des Rheinischen Dragoner-Regiments Nr. 5, Freiherr von Manteuffel aus Hofgeismar, unter Leitung des Stabstrompeters Fritzik, in, Steins Garten ein Konzert veranstalten. Die Garten⸗ wirtschaft des Herrn Stein, die dem Publikum einen bequemen und schattigen Aufenthaltsort bietet, ist wieder eröffnet.

* Gießen, 27. April.(Strafkammer.) Gestern hatte sich der 20 Jahre alte unbestrafte Arbeiter Johannes Kröning von Alten⸗ burg bei Alsfeld wegen einer Messeraffäre zu verantworten. Der Angeklagte ist teilweise ge⸗ ständig, im angetrunkenen Zustande am 16. März d. J. abends nach 10 Uhr(es war dies der Tag der Rekrutenmusterung) den Heinrich Becker von Altenburg daselbst auf der Straße, nach einem mit demselben gehabten Wortwechsel, mit einem geschlossenen Taschenmesser bearbeitet zu haben. Becker, der weit schwächer ist als der Angeklagte, rief während des Angriffes flehent⸗ lich um Hilfe, sodaß sein Onkel, der 32 Jahre alte Gustav Hedderich, der schon im Bette lag, eiligst aus demselben aufstand und so wie er war, im Hemde auf die Straße eilte. Kaum aber hatte er diese betreten, so erhielt er von Kröning mit dem gezogenen Messer einen Stich in Unterleib, der nach Aussage des ihn behan⸗ delnden Arztes eine 5 Centimeter breite Wunde verursachte, sodaß die Gedärme aus ihr hervor⸗ traten. Der Verletzte ist wegen dieser Verwun⸗ dung noch erwerbsunfähig und wird schwerlich das erlernte Mauerhandwerk wieder betreiben können. Der Staatsanwalt beantragte wegen der That auf ein Jahr und eine Woche Gefäng⸗ nis zu erkennen. Das Urteil ging dahin: daß Kröning wegen der grenzenlosen Rohheit, die man von einem so jungen Menschen nicht er⸗ warten sollte, wegen Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges in 2 Begangen⸗ schaften zu 1 Jahr und 4 Monate Ge⸗ fängnis zu verurteilen sei, daß aber hiervon, weil er von vornherein geständig, 1 Monat der erlittenen Untersuchungshaft in Abrechnung komme. In der Urteilsbegründung wies der Vorsitzende Landgerichtsrat Jöckel darauf hin, daß es um ein Haar bei der That um ein Menschenleben geschehen gewesen. Georg Renkenberger von Lindheim, ein mehrfach rückfälliger Be⸗ trüger und Dieb hat geständigerweise in Büdingen und Umgegend Ende vorigen und Anfang dieses Jahres in 11 Fällen sich bet dortigen Bewohnern dadurch kleine Geldbeiträge verschafft, indem er vorgab, er habe für Jemand, den er auch namhaft machte, Fracht einzulösen. Er habe aber nicht soviel Geld erhalten, um den Frachtbetrag decken zu können. In einem Falle wurde ihm eine Quittung für den erhaltenen Betrag abverlangt, die er auch mit einem falschen Namen unterschrieb. Die Staatsbehörde beantragte 4 Jahre Zuchthaus und eine ange⸗ messene Geldstrafe. Der Gerichtshof billigte dem

Angeklagten in Rücksicht auf die winzigen Be⸗ träge, um die es sich handele, mildernde Um⸗

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen; 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Expedition:

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stände zu und erkannte auf drei Jahre sechs Monate Zuchthaus und drei Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Margarete Mönche, zur Zeit in Elberfeld, wird zur Last gelegt, daß sie in einer Anzahl von Fällen seit dem Jahre 1886 bewirkt habe, daß in öffentlichen Urkunden (Register der Polizei, Geburtsregister des Stan⸗ desamts, Altersversicherungsregister ꝛc.) statt ihres richtigen Namens, der Name Müller fälschlich beurkundet wurde. Der Gerichtshof nahm nur 2 Fälle als vorliegend an, von denen der eine 1886, der andere 1869 dadurch verübt wurde, indem die Mönche in beiden Fällen veranlaßte, daß ihre unehelich geborenen Kinder unter dem Namen Müller ins Standesamtsregister einge⸗ tragen wurden. Der Fall aus dem Jahre 1886 sei aber verjährt, sodaß eine Gefängnis strafe von drei Wochen für ausreichend erachtet wurde.

* Grünberg, 27. April. Wir wollen heute schon mittheilen, daß am kommenden Sonntag auf der Neumühle ein Frei⸗Concert des Grünberger-Streichquartetts unter der Leitung des Herrn Gieß stattfindet. In An⸗ betracht der vorzüglichen Leistungen des genannten Quartetts wird sich dasselbe eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen haben.

* Grünberg, 27. April. Laut Standes⸗ amtsregister starben in den Monaten Januar, Februar, März in unserer Stadt 9 Personen, geboren wurden 10 Personen(6 männliche und 4 weibliche); Eheschließungen wurden 8 vollzogen.

* Grünberg, 27. April. Der im Dezember vorigen Jahres ins Leben gerufene Verkehrs⸗ verein, dessen Zweck die Verschönerung öffent⸗ licher Plätze hier und in der Umgebung von Grünberg ist, hat von seiner Existenz bereits an⸗ erkennenswerte Beweise geliefert und somit schon weseutlich zur Verwirklichung seiner Bestrebungen beigetragen. Hoffentlich gelingt es dem im Auf⸗ streben begriffenen Verein, auch nach außen hin das Interesse für die Naturschönheiten hiesiger Gegend mehr zu beleben, eine Aufgabe, zu deren Lösung es der kräftigsten Unterstützung seitens des hiesigen Publikums bedarf. Auch dürfte es Sache des letzteren sein, darauf Augenmerk zu haben, daß die vom Verkehrsverein angebrachten Verschönerungen und Verbesserungen nicht ruch⸗ loser Hand zum Opfer fallen.

* Grünberg, 27. April. Wie verlautet, soll die hiesige Apotheke, welche vor nicht allzulanger Zeit von Herrn Wilhelm Hergt für die respektable Summe von 120000 käuflich erworben wurde, in andere Hände übergehen. Ursprünglicher Besitzer der Apotheke war Herr A. Schmidt, der seinen Aufenthalt in Darmstadt genommen hat. Desgleichen schweben neuerdings wiederum Unterhandlungen wegen Ankaufs des renommierten GasthausesZum wilden Mann. Da die gepflogenen Verhandlungen noch nicht perfekt geworden, läßt sich hierüber vorläufig wenig Bestimmtes mitteilen.

* Grünberg, 27. April. Am kommenden Samstag Nachmittag findet die feierliche Grundsteinlegung der hiesigen Turnhalle statt. Auch beabsichtigt der hiesige Turnverein in nächster Zeit im GasthauseZum Rappen eine Abendunterhaltung, verbunden mit thea⸗ tralischen Aufführungen und Gruppenbildern zum Besten des Turnhallebaues abzuhalten. f

* Darmstadt, 27. April. Für die Freitag, den 30. April, stattfindende Sitzung der Zweiten Kammer der Landstände ist folgende Tages⸗ ordnung vorgesehen: 1. Eröffnung der Sitzung. 2. Neue Einläufe. 3. Berichtsanzeigen. 4. Wahl eines Mitglieds zur Staatsschuldenver⸗ waltung. 5. Wahlprüfungen: 1) der Wahl der Landtagsabgeordneten der Stadt Darmstadt; 2) der Wahl des Abgeordneten für den 11. Wahl⸗ bezirk der Provinz Ober hessen(Laubach Schotten Ortenberg Nidda); 3) der Wahl des Abgeordneten für den 10, Bezirk der Provinz Ober⸗ hessen(Herbstein Ulrichstein); 4) der Wahl des Abgeordneten für den 6. Wahlbezirk der Provinz Oberhessen(Grünberg Gießen). 6. Beratung über: 1) die Vorlage großh. Ministeriums der Finanzen, Abtretung von Straßengelände in der Gemarkung Inheiden betreffend; 2) die Vorlage großh. Ministeriums der Finanzen, den Verkauf des Braunkohlenbergwerks Ludwigshoffnung in der Gemarkung Melbach betreffend, sowie die Eingaben verschiedener Gemeinden hierzu; 3) die Vorlage großh. Ministeriums der Finanzen, Brandschaden auf dem Rheinfelderhof betreffend; 4) den Antrag des Abg. Westermacher, die Ueber⸗ nahme der durch gesetzliche Maßnahmen zur Be⸗ kämpfung der Maul⸗ und Klauenseuche ent⸗ standenen Kosten auf die Staatskasse betreffend; 5) die Vorlage der großh. Ministerien der Justiz und der Finanzen, die Mobiliar- und sonstigen

Kreuzplatz Nr. 4.

Einrichtungen in Gefängnis⸗ und Amtsgebäuden betr.; 6) die Vorlage großh. Ministeriums der Justiz, die Errichtung eines weiteren Aufseher⸗ Wohngebäudes in der Zellenstrafanstalt Butzbach betreffend.

* Darmstadt, 27. April. Der Pferde⸗ händler Simon Simon, wohnhaft zu Frankfurt a. M., hatte s. Zt. auf dem Darm⸗ städter Pferdemarkt an einen Michelstädter Land⸗ wirt ein Pferd für 200* verkauft, hatte dabei Währschaft geleistet und garantiert, daß das Pferd geschirr- und stallfromm sei. Doch schon am nächsten Tag bemerkte der Käufer, daß das Pferd im höchsten Grade dampfig war, was ihm der herbeigeholte Tierarzt bestätigte. Außerdem stellte sich heraus, daß das Pferd keineswegs ge⸗ schirrfrromm war. Auf Raten des Tierarztes erstattete der Käufer Anzeige und Simon wurde wegen Betrugs am 29. Januar 1897 vom Schöffengericht Darmstadt zu 3 Monaten Ge⸗ fängnis und zu einer Geldstrafe von 100 l verurteilt. Gegen dieses Urteil legte Simon Be⸗ rufung ein. Auf Grund der Aussagen der in der Apellinstanz vernommenen Zeugen wurde die Schuld des Angeklagten zwar für erwiesen er⸗ 1 aber die Strafe auf drei Wochen herab⸗ gesetzt.

* Offenbach, 25. April. Bei hier wohnen⸗ den Ingenieuren hat in der letzten Zeit ein Un⸗ bekannter sich größere Beträge erbettelt, bezw. sich zu erbetteln versucht. Er gab an, er sei Techniker, wohne zu Frankfurt a. M. in der Bendergasse und befinde sich mit seinen fünf Kindern in der größten Not. Er nannte sich bald L. Schuhmacher, bald Schwitz. Alle diese Angaben sind unrichtig. Der hiesige Amts⸗ anwalt hat Steckbrief erlassen.

* Mainz, 27. April. Ein Soldat von der 10. Kompagnie des 88. Inf.⸗Regiments, der am Fort Welsch Posten stand, wurde nachts 1 Uhr mit schweren Verletzungen im Gesicht aufgefunden. Das Gewehr war oberhalb der Pulverkammer in zwei Teile zersprungen. Ob sich der Mann selbst das Leben nehmen wollte oder ob ein Unglücksfall vorliegt, wird die Untersuchung zeigen.

* Mainz, 27. April. Heute Vormittag Uhr ertönten wiederum die Sturmglocken. Es brannte in dem Hause an der Ecke der Mombacherstraße und Gonsenheimerhohl, in dem sich das Kolonialwarengeschäft der Witwe Kam⸗ berger befindet. Das Feuer griff so rasch um sich, daß gar nichts gerettet werden konnte. Sämtliche Waren, die Ladeneinrichtung, alle Möbel und Kleidungsstücke sind verbrannt, die Besitzerin und ihre Nichte haben nur das Leben gerettet. Auch der Dachstuhl des einstöckigen Hauses ist eingeäschert. Die Sachen waren ver⸗ sichert. Die sozialdemokratische Mai- feier findet auch in diesem Jahre wieder in der Stadthalle statt und zwar am nächsten Sonntag. Die Festrede hält Landtagsabgeordneter Dr. Dav d. Die Maifestkommission fordert durch Plakate alle Arbeiter, die dadurch ihre Existenz nicht gefährden, auf, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen. An diesem Tage finden in verschiedenen Stadtteilen in fünf kleinen Lokalen Versammlungen statt, weil der sozialdemokra⸗ tischen Partei wegen des sicher zu erwartenden Militärverbots die größeren Lokale verschlossen sind. Bei der Stadthalle verfährt das Gouver⸗ nement schonender. Dort gilt das Militärverbot immer nur für den Tag, an dem die Sozial⸗ demokraten darin verweilen.

Worms, 27. April. Am Samstag vor⸗ mittag trafen zwei Wagen der Pfälzischen Eisen⸗ bahn, die mittels Elektrizität betrieben werden, auf ihrer Probefahrt von Ludwigshafen kommend hier ein; sie haben eine Geschwindig⸗ keit von 50 Kilometer in der Stunde. Ein hiesiger Geschäftsmann schickte gestern nachmittag seinen 16jährigen Lehrling K. von hier zum Inkassa eines Cheks von 800, in ein Bank⸗ haus. Als der junge Mann aber längere Zeit ausblieb, wurde man im Geschäfte besorgt und frug telephonisch bei der Bank an, ob der Be⸗ trag schon erhoben worden sei. Die Antwort fiel im bejahenden Sinne aus. Der junge Mensch ist mit dem Gelde verschwunden.

Vermischtes.

Die Kritik vor Gericht. Ein interessanter Preßprozeß spielte sich dieser Tage vor dem Hamburger Schöffengericht ab. Herr Dr. Emil Mauerhoff in Jena hatte den Kritiker desHamb. Korresp., Dr. Gerhardt, wegen Privatbeleidigung verklagt. Letzterer hatte über die Vorträge Mauerhoffs, welche er im November in Ham burg gehalten, eine abfällige Kritik geschrieben, die abe nebenbei bemerkt, in Hamburg vielseitige Zustimmu⸗ fand. Gerhardt hatte ihm vorgeworfen, unter denHaß