Ausgabe 
29.1.1897
 
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Nr. 24

Gießen, Freitag, den 29. Jannat

1897.

Poflztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Landeszeikun

Gießen.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.

Redaktion:

N Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.

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Expedition: 24

Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 28. Januar. Der alphabe tische Teil(Einwohnerverzeichnis) zum 1897er Adreßbuch ist 18 und kann von Jedermann auf Gr. Polizeiamt(Melde⸗ Bureau) am Freitag und Samstag dieser Woche in den üblichen Dienststunden einge⸗ sehen werden. Damit ist Gelegenheit ge boten etwaige Fehler berichtigen zu können.

* Gießen, 28. Januar. Anläßlich des

estrigen Geburtstags des Kaisers wurden vom fee Infanterie⸗RegimentKaiser Wilhelm efördert: Hauptmann Deter(3. Bataillon, 11. Kompagnie) und Hauptmann Goldmann 1. Bataillon, 4. Kompagnie) zu Majoren, remier⸗Lieutenant Brack(1. Bataillon, Leib⸗ kompagnie) zum Hauptmann, Sekonde Lieutenant Jochim zum Premier-Lieute⸗ nant. Der Premier⸗Lieutenant der Landwehr, August Gabriel, wurde zum Hauptmann der Landwehr befördert.

* Gießen, 28. Januar. Das neueste Re⸗ gierungsblatt enthält das Edikt betreffend die Einberufung des 30. Landtags. Danach wird der Landtag am 9. Februar zusammen⸗ treten.

* Gießen, 28. Jan. Bei der am Dienstag e Handelskammerwahl wurde der Getreidehändler A. Katz mit großer Mehr⸗ heit zum Handelskammermitglied gewählt.

* Gießen, 28. Januar. Gestern und heute schaffte die städtische Straßenkehrerkolonne den Schnee aus der Stadt. Fremde Ar beiter wurden dazu nicht herangezogen, wohl aber benötigte man 30 Fuhrwerke.

* Gießen, 28. Januar. Man schreibt uns: Die Fälle, daß Lehrlinge ihren Meistern durch gehen, stehen nicht vereinzelt da, einzig in seiner Art dürfte aber der vor einigen Tagen hier vor⸗ w Fall sein, daß ein Meister seinem

ehrling durchgegangen ist. Der Fall trug sich nämlich so zu: Ein hiesiger Handwerksmeister war durch schlechte Bauspekulationen auf die schiefe Ebene geraten, was zur Folge hatte, daß ihm im vorigen Jahr nicht allein das Mobiliar, sondern auch das Handwerkszeug gepfändet und versteigert wurde. Ein biederer Handwerksmeister aus Staufenberg, dessen Bruderssohn bei dem Gepfändeten in der Lehre stand, steigerte das Handwerkszeug für den nahezu an den Bettelstab gebrachtenMeister, um ihn nicht existenzlos werden zu lassen, beging aber die Unvorsichtigkeit, sich das Werkzeug, für das er 130&. bezahlt ur zu sichern. Wie dankbar sich dieserMeister

r die edle Handlungsweise dieses Mannes

zeigte, ging daraus hervor, daß er dieser Tage k

von hier wegzog und sämtliches Handwerkszeug heimlicherweise mitnahm. Der ahnungslose Lehr⸗ ling mußte sich während des Auszuges in der Werkstatt beschäftigen, und erst als man den letzten Brocken aus dem Hause geschafft hatte, wurde ihm urplötzlich die Mitteilung gemacht, daß er Geselle geworden sei und nachhause bean könne. In der Wohnung desMeisters efand sich nichts weiter als das Bett des

Lehrlings. Letzterer soll sich über seine schnelle Beförderung zum Gesellen nicht wenig ge wundert haben, am meisten jedoch der um sein Geld geprellte Onkel des soBeförderten.

* Groß⸗Linden, 28. Januar. In ver⸗ gangener Nacht ist der Mühlgraben am sogen. Steinweg aus den Ufern getreten. In ver⸗ schiedenen Ställen und Kellern steht das Wasser nahezu 2 Fuß hoch.

* Nidda, 27. Januar. Infolge des an⸗ haltenden Schneefalles und Gestöbers liegt eben an muldenförmigen Stellen, in Hohl wegen u. dergl. der Schnee bis zu 1 Meter hoch und sonst durchschnittlich fast fußhoch die dem Landwirt sehr willkommene natürliche Schutzdecke über unseren Fluren. Da der Boden unter dem Schnee hart gefroren ist, haben wir die schönste Schlittenbahn, die bereits ausgiebig benutzt wird. In Schotten wird am 11. Februar der Großherzogliche Distrikts⸗ einnehmer Herr Rendant Reitzel sein gol⸗ denes Dienstjubiläum feiern. Er ist noch so rüstig, daß er auch bei der Unbill des Winters die auswärtigen Erhebungen selbst vor⸗ nimmt.

Neu⸗Isenburg, 27. Januar. In seiner jüngsten Sitzung beschloß der hiesige Ge meinderat die Errichtung einer Licht- und

Wasseranlage. Diese Werke sollen in eigener Regie erbaut werden. Von dem Ver treter der Sozialdemokratie waren die

beiden Anträge eingebracht worden: Uebernahme des Schulgel des und der Leichenbestat tungskosten auf die Gemeindekasse. Ersterer Antrag wurde abgelehnt, während letz terer Annahme fand.

Nieder⸗Mockstadt, 27. Januar. Dieser Tage kam hier eine jener bekannten unsinnigen Trinkwetten zum Austrag: Ein hiesiger Ein⸗ wohner sollte von morgens bis abends 8 Uhr fünfzig Glas Bier trinken! Er brachte es aber trotz aller Vorübung, die er bereits hatte, und aller Anstrengung doch nur auf 42 Glas. In Folge dessen muß er nun 100 Glas Bier bezahlen. Eine große Leistung im Trinken können ferner zwei hiesige Einwohner ver zeichnen, die jüngst bei einem Gang hinüber ins Nidderthal nicht weniger als 64 halbe Kännchen Schnaps, d. h. 4 Liter, in wenigen Stunden hinter die Binde gossen. Freilich war der eine schon zu Boden gesunken; er trank aber noch wacker mit und als der Andere mit der Wirtin zankend ihr Vorwürfe machte, daß sie Schnaps hätte, von dem man so viel trinken könnte, und meinte, wenn er das gewußt hätte, würde er den Schnaps schoppenweise bestellt haben, sagte Jener:Sei doch ruhig, das önnen wir ja immer noch! Beide kamen trotz alledem am selben Abend noch zuhause an. Von dem Empfang schweigt des Berichterstatters Höflichkeit.

* Mainz, 27. Januar. In vergangener Nacht gegen 1 Uhr ereignete sich hier in dem Werkstätterahon der Hessischen Ludwigs⸗ bahn am Neuthor ein schreckliches Brand unglück. Das Feuer entstand in bis jetzt un⸗ aufgeklärter Weise in der zu ebener Erde

gelegenen Lackiererwerkstätte am südöstlichen Flügel des umfangreichen Gebäudekomplexes. Mit rasender Schnelligkeit vernichteten die Flam⸗ men alle brennbaren Stoffe der Parterrelokali täten und sprangen dann zum ersten Stock über, wo die daselbst wohnende Familie des Bahn⸗ ingenieurs Zulauf in tiefem Schlafe lag. Der Wachtposten der gegenüber liegenden Neu- thorkaserne bemerkte zuerst das Feuer; er alar⸗ mierte sofort die Wache und die Mannschaften der 3. und 4. Kompagnie des 3. Branden⸗ burgischen Fußartillerie-Regiments. In diesem Momente schlugen auch schon die Flammen in lichten Garben zu den Fenstern heraus; die Sol⸗ daten griffen wacker zu. Ein Unteroffizier drang mit Mannschaften in den brennenden ersten Stock ein, wobei er mit einem mitgebrachten Beil die Thüren einschlug. Auf diese Weise konnte Frau Zulauf im Nachtgewand sich noch retten, ihr Mann dagegen war bereits erstickt. Die den zweiten Stock bewohnende Familie des Werkmeisters Herrmann(sieben Kinder) wurde gerettet. An dem ee werk und an der Unterdrückung des Feuers be teiligte sich neben der städtischen Feuerwehr das Militär in hervorragender Weise, wofür ihm alles Lob gebührt. Von anderer Seite wird gemeldet: Der erstickte Zulauf, ein wohlbe⸗ leibter Herr, litt au Asthma. Um ½2 Uhr erfolgte eine heftige Gasexplosion, wodurch das massive aus Sandstein gebaute Haus in einen Feuerherd verwandelt wurde. Es brannte gleichzeitig in allen Stockwerken. Erst um 4 Uhr gelang es der Feuerwehr durch ein Fenster in das Zulaufsche Schlafzimmer zu gelangen und die Leiche zu bergen. Gegen Morgen wurde die Feuerwehr des Brandes Herr. Das ganze Gebäude war ausgebrannt. a

* Mainz, 27. Jan. In der Restauration zu den zwölf Aposteln in Worms gerieten kürz⸗ lich einige Schüler der dortigen Brauschule in Disput beim Billardspiel, wobei der Brauschüler Virgolo Mußig aus Triest einen Mitschüler zum Zweikampf forderte. Deshalb an⸗ geklagt, stand er heute vor der Strafkammer des Landgerichts und wurde wegen Herausforde⸗ rung zum Duell zu einem Tag Festungshaft verurteilt. Der Bericht des städtischen Finanzausschusses über den Verwaltungsbericht der Bürger meisterei, der soeben erschienen ist, befaßt sich auch mit der fesselnden Thatsache, daß die weibliche Bevölkerung gegenüber der männlichen eine bedeutende Zunahme auf⸗ weist. In den letzten Zählperioden von den Jahren 1880 bis 1895 hatte unsere Bevölkerung eine Zunahme von 14 341 Personen;, darunter befinden sich nur 6116 männliche, über 8225 weibliche Personen. Der Finanzbericht bemerkt, daß erkeine genügende Erklärung für diese auffallende Thatsache finde. l 5

* Worms, 27. Jan. In unserer Stadt hängt die Erteilung einer Wirtschaftskon⸗ zession von der Bedürfnisfrage ab, die vor einer Reihe von Jahren in der Stadtver⸗ ordnetenversammlung beschlossen worden war. Dies soll nunmehr beseitigt werden. Das Polizei⸗ amt Worms hat im Einvernehmen mit der

Ihre erste Liebe. Novelle von E. von Bischdorf. (Fortsetzung.)

Sie sprach einen ganz eigenen Dialekt, der sich an keinen der landläufigen anschloß, sondern durch immer neue Abweichungen von allem bisher Da ewesenen überraschte. Besonders suchte sie ihre sonstige Abneigung gegen das andere Geschlecht wieder gut zu machen, indem sie fast allen Haupt⸗ worten den männlichen Artikel verlieh, oft sehr un⸗ begründeter Weise.

Daß mich der liebe Gottchen das noch hat erleben lassen, die liebe, junge Frau von meinem gnäd'gen Herrn zu sehen, das ist aber ein Freud', und wieder und wieder küßte sie Reginens Hände. Und daß der Tort', der Hochzeitstort', den wir gebacken, auch so nach garnichts aussehen mußte! Der Hagebutt' putzt schon am besten, und der war nicht zu kriegen dieses Jahr!

Voll Würde leitete sie dann hinab in die Kellerräume, wo die große Zentrifugenbuttermaschine stand, ihr höchster Stolz. Jeden Hahn und jede Schraube erklärte sie der jungen Frau voll Wich tigkeit, und die Aufmerksamkeit, mit der Regine ihr lauschte, gewann ihr Herz im Sturm.

Man merkt's doch gleich, daß die junge gnä' Frau'ne geborene Helling ist, meinte sie beifällig. Regine aber warf sich mit einem Eifer auf ihre neuen Pflichten, der ihr Mamsell Christinchens Zu friedenheit in immer höherem Grade erworb.

Um 6 Uhr stand sie des Morgens schon im

Keller und konnte sich nicht satt daran sehen, wie in die tote Maschine Leben und Bewegung kam, wie der Separator säuberlich von der Milch die Sahne ausschied, aus der dann die köstliche, gelbe Butter entstand. Dann ging sie hinaus in den Garten, wo noch der Morgentau an Blättern und Gras halmen hing und der Altweibersommer seine langen Fäden an ihr Kleid heftete; sie mußte zuschauen, ob der Gärtner nicht vergessen habe, die Früh birnen abzunehmen und das gar zu schwer beladene Pflaumenbäumchen zu stützen. Sie, die sich bisher vor allem Gewürm so unbeschreiblich geekelt hatte, entfernte höchst eigenhändig ein paar fette Raupen von den Rosenstöcken.

Es war eine ganz neue, patriarchalische Welt voll rüstigen, gesunden Schaffens, in die Regine getreten. und sie gab sich dem Zauber dieses Lebens hin, mit der ihr eigenen Begeisterung, ohne sich jedoch klar bewußt zu werden, daß sie hier fand, was ihre kräftige Natur immer gebraucht hatte, nützliche, reelle Arbeit nach dem bisherigen geschäf tigen Müßiggange.

Wie köstlich schmeckte das gemeinsame Mittag essen, wenn man so vom frühen Morgen an auf den Beinen und thätig gewesen war, Felix auf seinen Feldern, sie in der Innenwirtschast! Stolz lächelnd hörte er ihren sprudelnd vorgetragenen Be richten zu. Sie hatte sich bereits ein französisches Werk über Gartenbaukunst verschrieben, um im Frühlinge danach selbst den Pfirsichschnitt zu lernen, mit dem der Gärtner nicht zu stande kam. Felix

hielt freilich wenig vom Bücherlernen, seine Weis heit beruhte auf praktischer Erfahrung. Aber seine Frau war ja auch so viel klüger, als er!

Ein wohlverdientes Ruhestündchen nach Tische, dann ging Regine nach neuer Arbeit in Mamsell Christinchens Stube, an die eine Dachkammer grenzte. Die wunderbarsten Schätze lagen in der⸗ selben aufgespeichert. Massenhaft wollene Socken, bunt gestickte Tücher, wie die Dorffrauen sie auf dem Kopfe trugen, farbige Vorhemdchen für die Männer, Schürzen und Kinderkleidchen in allen Gestalten.

Alles zum Weihnacht', gnä' Frau, alles zum Weihnacht', und alles von der gnä' Frau und von mich geschafft. Sie glauben's nicht, wie stolz die Leut' sind, wenn sie so ein Stück tragen, an das gnä' Frau selbst Hand angelegt hat. Da geht ihnen nichts drüber!

So hatte Christinchen am ersten Toge erklärt, und hier holte sich Regine Vorrat, um nach dem Begonnenen weiter zu arbeiten.

Am Abende gönnte sie sich dann einen Er holungsspaziergang mit Felix. Da zeigte er ihr denn, was er gearbeitet und erreicht hatte in all den Jahren, in denen er hier gewirkt. Sein väter liches Gut zeichnete sich mehr durch schöne Lage als durch guten Boden aus. Ein größerer Teil des Ackerlandes war nicht sandig gewesen. Da hatte denn Felix mit Kunstdung fleißig nachgeholfen, der sich im Laufe der Jahre mit dem Sande und den noch vorhandenen Pflanzenfasern zu einem Humus

Stadtverwaltung den Antrag gestellt, die Er⸗ teilung einer Wirtschaftskonzesston nicht mehr von der Bedürfnisfrage abhängig zu machen, es soll aber ein Lokalreglement) geschaffen werden, nach dem eine Konzesston nur dann erteilt wird, wenn das dazu zu benutzende Lokal allen fest⸗ gesetzten Anforderungen in Bezug auf Raum⸗ verhältnisse, Ventilation usw. entspricht. Diese neuen Bestimmungen sollen bereits am 1. April in Kraft treten. 1 * Worms, 27. Januar. Die Stadt⸗

verordneten-Versaummlung nahm ein⸗ stimmig den Autrag Klein gegen die Verwen⸗ dung von Militäranwärtern im Kommunaldienst an. Der Oberbürgermeister wird gleichzeitig ersucht, auf dem demnächst zu- sammentreteuden hessischen Städtetag dahin, zu wirken, daß dieser ebenfalls in protestlerischem Sinne bei der hessischen Regierung vorstellig werde.

Vermischtes.

Jockele sperr! So oft vom Schwarzwald her auf des Neckars grüner Flut ein Floß an den Mauern Tübingens entlang gleitet, wird ihm so will es ein uralter Brauch von der dortigen Studentenschaft, ein feierlicher Empfang bereitet. Hierüber schreibt man denM. N. N.: Die Kunde von seinem Nahen ver⸗ breitet sich unter den Musensöhnen stets mit Sturmeseile. Im Nu sind die Ufer von ihnen besetzt, die alten hoch⸗ giebligen Häuser der Neckarhalde Fenster um Fenster mit buntbemützten Köpfen gefüllt. Handtücher und Tischdecken flattern in der Luft, Kanonenstiefel grüßen herab. Zieht dann unten auf dem Flusse das sehnlich erwartete Fahr⸗ zeug vorbei, so gesellt sich zu diesem eigenartigen Schmuck der Häuser noch das unbeschreibliche Halloh der Stu⸗ denten, hundertfache Zurufe schallen den Glößern entgegen, namentlich das berühmteJockele sperr! eigentlich eine Warnung wegen der für die Flöße schwer zu passierenden Neckarbrücke). Es ertönt aus allen Feustern, im tiefsten Bierbaß und im höchsten Tenor, mit bloßem Munde oder aus ellenlangen Sprachrohren gebrüllt, die eigens zu diesem Zweck auf den Studen tenbuden stets in Bereitschaft stehen. Doch auch die biederen Flößer, die an solchen Empfang seit Jahrhunderten gewöhnt sind, bleiben den Dank nicht schuldig. Je nach Temperament und augen⸗ blicklicher Laune des Einzelnen erwidern sie die Grüße, und wenu einerseits ihr GegenrufZahlet uire Schulda! unstreitig von guter Kenntnis studentischer Gepflogenheiten zeugt und keineswegs als überflüssige Mahnung erscheint, so verrät anderseits ein Zuruf, den sie ebenfalls sehr häufig an die ihnen zurufenden Studenten richten, daß man im Schwarzwalde zwar nicht KniggesUmgang mit Menschen liest, aber doch wenigstens GoethesGötz von Berlichingen geläufig zu zitieren versteht. Trotzdem darf man versichert sein, daß die Flößer stets froh sind, wenn sie Tübingen wieder hinter sich haben. Allzu oft sehen sie die Musenstadt freilich nicht, denn die Neckar⸗ flößerei ist im Aussterben begriffen.

Die Pest in Indien. Wie, derBerliner Wissensch. Korr. aus Wien gemeldetzwird, hat die eng⸗ lische Regierung, an die sich die österreichische Regierung unter Vermittlung des Auswärtigen Amtes gewandt hat, bereits ihre Zustimmung zu der Eypedition erteilt, die auf Veranlassung der Wiener Akademie der Wissen⸗ schaften nach Bombay entsandt wird, um dort die Beulen⸗ pest zu studieren. Die Expedition setzt sich aus einem inneren Kliniker, Dr. Chwoostek, einem Bakteriologen, Dr. Albrecht, und einem pathologischen Auatomen, Dr. Ghon, zusammen. Aus Petersburg meldet man: Das

verband, welcher nun der gepriesenen schlesischen Erde glich; in diesem Sommer hatte derselbe zum ersten Male Weizen getragen. Voll freudigen Stolzes wies Felix Regine die Stätte seines Erfolges. Dann mußte seine hübsche Frau all den alten Gutsinsassen präsentiert werden, und Felix konnte sich nicht satt sehen an all den bewundernden Blicken, die sie erntete, ohne es zu beachten. Jedes Fleckchen Erde des weiten Besitzes wurde ihr vorge⸗ stellt, jede Kindererinnerung, die sich daran knüpfte, für sie aufgefrischt und sie folgte ihrem Manne tapfer durch Wald und Wiese, sog die kräftige, ost⸗ preußische Herbstluft mit vollen Zügen ein, und schmückte ihn und sich mit den roten Beeren der Eberesche. Das Stadtkind, empfänglich für alles Schöne, schwelgte in der ersten, großen Liebe zur freien Gottesnatur, die jetzt in ihrem Herzen auf⸗ ging wie eine Offenbarung an der Seite des Gatten, dem diese Liebe angeboren und mit dem sie aufge⸗

wachsen war wie ein Glied seines Körpers, dem der Verkehr mit der Natur zum Lebensbedürfnis ge⸗ worden wie das Atemholen.

Der Herbst ward rauher, Sturm und Regen verwehrten die Bewegung im Freien, und die Abende wurden länger. Nach Wochen fühlte Regine zuerst wieder das Bedürfnis, ein Buch zu öffnen, und kaum hatte sie das gethan, so schlug die Welt der Phantasie und des Gedankens, in der sie heimisch war, sie wieder in Fesseln..

(Fortsetzung folgt.)*