Gießen, Sonntag,
den 28. November
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rt g s on Das 9 5 c in d Licherheith a Raser ne Postztg. Nr. 3319. 90 0 — Telephon⸗Nr. 112. Postztg. Nr. 3319. e— 5 4 Telephon⸗Nr. 112. Her Text Ihres d ö uus wunden Idle 5 schreihe, e wehe Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ i schreiben. Ou 10 f a 9 n⸗ und Feiertagen. Das Abonnement ilialen: Alten⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Fleusungen, Garbenteich, Or Buseck techfffn 10 beträgt durch die Post bezogen: für die Ausgabe Gießen 1,90 resp. 2.30 Mk. Preis Redaktion und Expebition: indes Grünberg, Hausen, Sete Schechen, Aaazenbag, 8. aden, e beg u ud mne der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile. Kreuzplatz Nr. 4. Göns Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen⸗ 1 bc Wu 1 rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar. 9 eisteg— 5———y—„———————— 2————— CC*—— S——u—————— ͤ——— Arg Verantp. K 1 1 1 N ba g dim A U b 0 1 ch 0 S ch im Anschluß an die amerikanische Gesetzgebung] vor einem Jahre die Nachricht, daß in Boscoreale bei] man schließlich zur Küche und den Baderäumen, an die 15 aupcce nent E 1 1 9 1 en. der Stadtrat Dr. Flesch aus Frankfurt a. M. Pompeji ein antiker Silberschatz gefunden sei, welchen unmittelbar die Ställe anstoßen, wo die Skelette von drei eee Der Reichstag hat aus Anlaß der Exledigung auf dem Kongreß für Armenpflege 1890 verlangt der Baron Edmond de Rothschild für eine halbe Million] Pferden, zwei Hunden, einem Schwein und einem Huhn 8 Franken angekauft und dem Louvre zum Geschenk gemacht gefunden wurden. Auch sonst lagen noch Ferkel⸗ und
des bürgerlichen Gesetzbuches die verbündeten Regierungen aufgefordert, bei der Anpassung der Zibilprozeßordnung an das neue bürgerliche Recht den Kreis der unpfändbaren Gegenstände zu er⸗ peitern. Im Plenum des Reichstags hat dar⸗ über eine Verhandlung nicht stattgefunden; der Bericht der Kommission beschränkt sich auf die Bemerkung:„Der Antrag wurde mit den Be⸗ dürfnissen des Lebens und der Praxis begründet, als billig anerkannt und einstimmig ange⸗ nommen.“
Da der Reichstag somit keine über den Wort⸗ laut hinausgehende Direktive gegeben hat, so muß man sich anderweitig nach den Vorschlägen um⸗ ehen, die von Sachverständigen gemacht worden nd. Wir finden diese in erster Linie in den
erhandlungen und Schriften des Deutschen
Vereins für Armenpflege, der sich 1880 und 1890 aus Anlaß der Besprechung der Woh⸗ gungsfrage vom Standpunkte der Armenpflege uch mit dem Pfandrecht beschäftigt und sich allgemein dahin ausgesprochen hat, daß, um die Wohnung dauernd zu halten als das, was sie sein soll, als das Heim der Familie, die zum Haushalt nötigen Gegenstände pfandfrei sein Rüssen in größerem Umfange als bisher nach 715 der Zivilprozeßordnung. Die Vorlage, die dem Bundesrate gemacht ist, entspricht nur iu ganz geringem Maße den Wünschen, die im zialen und wirtschaftlichen Interesse geltend gemacht sind, denn sie enthält fast gar keine Er⸗ beiterung des Kreises der nicht pfändbaren 5 5 behält abel die eee 555 daß diese Sachen„unentbehrlich“ sein müssen, bei. igsquelle Diese Bestimmung zwingt den Vollstreckungs⸗ heamten, im gegebenen Falle den Kreis der un⸗
entbehrlichen Sachen möglichst eng zu ziehen,
hren, das um so leichter wird, als der 8 715 der Zivilprozeßordnu ganz allgemein die
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0 ng nur g Heul n, Gegenstände bezeichnet, die pfandfrei sein sollen. An- Uhe Als entbehrlich wird man einen zweiten Anzug,
1 sowie reine Leibwäsche neben der getragenen be⸗
1 en. zeichnen können vom Standpunkte des Gläubigers
aus, dessen Anschauungen die Gerichtsvollzieher
Loch Bohl meistens folgen werden, wenn ihnen keine ö sesten Vorschriften gegeben sind.
Die Vorlage erwähnt ausdrücklich die Wäsche,
cher. die künstlichen Gliedmaßen, die Brillen ꝛc., auch
mhlen und) den Trauring, um den jahrelang prozessiert
uhr vim 2 lahr scnistihe worden ist. Aber diese Dinge wird man wohl
geleitet immer als unentbehrlich betrachtet haben, wenig.
cen ata stens seitens der Gerichte. Es kommt darauf 11 an, ob mit der Wendung, daß die Gegenstände 9 unentbehrlich sind„für den Bedarf des Schuld⸗
8 ners oder zur Erhaltung seines Hausstandes“ ewas Weitergehendes bezeichnet werden soll als
mit den Worten:„Für den Schuldner, seine Familie und sein Gesinde unentbehrlich“. Wenn
9 damit z. B. gemeint sein sollte, daß zur Erhal⸗ tung des Hausstandes auch reine Leib⸗ und Bett⸗
hat: zwei vollständige Anzüge, drei Stück von jeder Art Leibwäsche und zwei Paar Stiefel oder Schuhe. Aehnliche bestimmte Vorschläge hat er bezüglich des Haus⸗ und Küchengerätes gemacht und dabei wiederum im Anschluß an die amerikanische Gesetzgebung vorgeschlagen, daß außer diesen als unentbehrlich namhaft gemachten Sachen„der sonstige Hausrat, von dem der Schuldner glaubhaft macht, daß er sich in seinem und seiner Familie täglichen Gebrauch befindet“, bis zum Wert von 200 Mark pfandfrei bleiben soll. Die Auswahl bei höherem Gesamtwerte soll dem Schuldner zustehen. In Amerika gilt ein Wert von 25, 50, 100, ja 250 Dollars für Mobilien und 1000, 1500, ja 3000 Dollars für die home stead(Heimstätte) als pfandfrei. So weit wird man nun allerdings im Reichstage kaum gehen, noch einen über den Kreis der un⸗ entbehrlichen Gegenstände hinausgehenden Wert⸗ betrag pfandfrei zu lassen. Es ist schon sehr viel, daß man sich dazu aufgeschwungen hat, einen Geldbetrag, der ausreicht, um für zwei Wochen Nahrungs- und Feuerungsmittel zu be⸗ schaffen, als pfandfrei zu belassen, während bis⸗ her nur diese Vorräte selbst von der Pfändung ausgeschlossen waren. Aber wenn die pfandfreien Gegenstände besonders aufgezählt werden, dann muß auch dem Schuldner, falls er mehr als das Unentbehrliche besitzt, die Auswahl gelassen werden.
Es ist vorgekommen, daß ein Gläubiger statt des gepfändeten, vom Gericht aber beim Mangel einer anderen Uhr als unentbehrlich bezeichneten Regulators dem Schuldner eine billige Wecker⸗ uhr aufdrängen wollte. Solche Willkürlichkeiten müssen durch eine ganz unzweifelhafte Fassung des Gesetzes von vornherein ausgeschlossen werden, denn ein Schuldner, dem nur das Unentbehr⸗ lichste gelassen wird, ist nur selten in der Lage und Laune, vor dem Gerichte sein Recht zu er⸗ streiten, wie ja überhaupt unsere Kostengesetz⸗ gebung in vielen Fällen für die ärmere Bevölke⸗ rung zur Rechtsverweigerung geworden ist. Ge⸗ schieht einem solchen Schuldner Unrecht, so ver⸗ gißt er das niemals und seine Freunde und Bekannten ebenfalls nicht; die sich ansammelnde Unzufriedenheit richtet sich dann gegen den Staat, der es zuläßt, daß die Wirtschaft des armen Mannes, sein bischen Hab und Gut, an das er, so ärmlich es auch sein mag, seit Jahren gewöhnt war, zerstört und verschleudert wird. Denn das ist eine bekannte Thatsache, daß die gepfändeten und zur Versteigerung gebrachten Sachen keinen ihrem Gebrauchswerte entsprechenden Ertrag liefern.
Es ist nicht wahrscheinlich, daß der Bundes— rat eine diesen Ausführungen entsprechende Ver⸗ besserung der Vorlage vornehmen wird; diese Aenderung muß daher seitens des Reichstages erfolgen.
habe. Ueber die Fundumstände wußte man nur, daß das Skelett eines Mannes gefunden sei, der, beladen mit vielem baren Gelde, mit Schmucksachen und dem Silber⸗ gerät des Hauses, auf der Flucht vor dem Aschenregen des Vesuvs zusammengebrochen sei. Umfassende Aus⸗ grabungen auf der Stelle des Vesuvs haben nunmehr folgendes ergeben. Nicht auf der Flucht aus seinem Hause, sondern im Keller seines Hauses unter der Oelpresse, wohin er sich mit seinem Schatz von Silbergefäßen und tausend Goldstücken geflüchtet hatte, ist der Besitzer vom Tode ereilt worden. Ueberhaupt bietet diese Villa, fern von der Stadt Pompejt einsam gelegen, ein so ergreifendes Bild von der schrecklichen Katastrophe der Verschüttung mit so zahlreichen Einzelheiten, wie es keines der längst wieder aufgedeckten Häuser bisher ergeben hat. Es ist ein einfaches Bauernhaus, wie es die alten Osker be⸗ wohnten. Unter demselben Dache wohnten in den sehr sehr bescheidenen Räumen Mensch und Hund und unweit Pferde, Schweine und Hühner, und es waren dort auch Oel⸗ und Weinkeltern. Nur ein paar gute Stuben sind eine Treppe hoch, die zur Zeit der Katastrophe zum Teil unbenutzt standen. Tritt man hinein durch die bescheidene Hausthür, so öffnet sich links das Zimmerchen des Thür⸗ hüters. Auf der Schwelle lag noch das Skelett des treuen Haushundes, der, wie die weit gespannte eiserne Halskette beweist, vergebliche Anstrengungen gemacht hatte, dem Erstickungstode zu entrinnen. Schreiten wir weiter, so treten wir in den weiten Vorraum oder Flur des Hauses, das sogenannte Peristyllum, das wie bei uns der Flur zur vorübergehenden oder dauernden Aufbewahrung von allerlei Hausgerät diente. Dort wurden gefunden eine hölzerne Truhe, angefüllt mit rohgearbeiteten thöner⸗ nen Gefäßen, vielleicht bestimmt zum Gebrauche des Sklaven, der den Wein und das Oel aus den Kelter⸗ fässern in die großen Vorratsgefäße zu füllen hatte, ferner ein 1,70 Meter hoher und fast 1 Meter breiter hölzerner Schrank aus Kastanienholz, in welchem eine Menge Flaschen aus Glas und Thon standen von den verschie⸗ densten Größen und Formen, ferner Trinkbecher, Toiletten⸗ geräte und chirurgische Instrumente. Dicht neben dem Schrank lag ein Petschaft mit dem Namen Tiberius Claudius Ausion, möglicherweise dem des Hausherrn. Gegenüber steht ein zweiter Schrank mit schönen Bronce⸗ beschlägen, auch er voll Gläsern und Schüsseln. Auch zwei riesige Badewannen aus Bronceblech waren auf den Flur gestellt, offenbar weil im Schlafzimmer dafür nicht genügend Platz war. Auch hier lagen Skelette von zwei Hunden und drei Hühnern, die sich wohl in das Innere des Hauses geflüchtet hatten. Links vom Flur befinden sich die Wohn⸗ und Schlafräume, während die Räumlich⸗ keiten rechts für den Wirtschaftsbetrieb bestimmt waren. In dem kleinen Schlafzimmer, das an die Pförtnerstube stößt, bemerkte man beim Ausräumen an der Wand in Manneshöhe ein großes rundes Loch, das die Dicke der Wand nach dem Pförtnergelaß hin fast durchbohrte. An der Erde lagen noch die heraus gebrochenen Mauerstücke und unter ihnen zwei große eiserne Keile. Offenbar hatte im Augenblick der Katastrophe ein Bewohner des Hauses versucht, sich hier ein Loch durch die Wand zu brechen, und als ihm dies nicht gelang, seine Werkzeuge liegen lassen, um auf einem anderen Wege zu entkommen. Doch war er nicht weit gelangt, denn in dem schmalen Gange, der neben dem Schlafzimmer herläuft, fand sich sein Leichnam. In der linken Hand hielt er krampfhaftszeinen großen eisernen Ring mit einem geschnittenen Stein, dicht
Vermischtes.
— ueber neue Funde in Italien schreibt
ßells wäsche zum Wechseln gehört, dann wäre das sehr waren erfreulich, obgleich dabei immer noch Willkürlich⸗ chuh keiten unterlaufen können. Besser wäre es, wenn 5 1 bestimmte Angaben gemacht würden, wie dies . Er» PPP A . 0 2 0 8* 1 e e Die Mausefalle. und en; 2 bel, done Novelle von Frida Storck. eupautof N b 5 0(Nachdrud verboten). danobenen(Fortsetzung.) f 1 ven J Am Thorweg holt sie die alte Dame ein. u„ Prei.„Warum rennen Sie nur so, liebes Kind? Sie 9 fürchten sich doch nicht vor einem harmlosen Tou⸗ Aisten?“ flüstert sie neckend. Theo lacht gezwungen. be Veaa, fie fürchtet sich nicht, ihr war nur, als
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neben ihm lagen fünf Denare aus der Zeit der römischen Republik und drei Goldstücke mit dem Kalserbildnis, wohl
Hühnerskelette überall im Hause verstreut, wie sich die Tiere eben zu retten versucht hatten. Die Wirtschafts⸗ räume bestehen hauptfächlich aus einer Wein⸗ und einer Oelkelter. Hier waren die Mauern verstärkt und besonders solide, und diesen Raum hatte man deshalb für eine be⸗ sonders sichere Zufluchtsstätte vor dem Aschenregen gehalten, denn hier lagen dicht neben dem Eingange drei Skelette übereinander, wie sie in der Todesangst in den Raum hineingestürzt waren. An den Ohrringen und anderen Anzeichen erkannte man das eine als das einer Frau. Und hier fand man auch am 13. April 1895 an einer vertieften Stelle, die wohl zum Auffangen des Weines diente, auf dem Bauche und den Knieen liegend, den Be⸗ sitzer oder Verwalter der Villa und neben ihm in einer Art Tasche aus Leder wohlgezählte tausend Goldmünzen aus der Zeit von Nero bis Domitian und unter seiner Brust jenen herrlichen Silberschatz, den er treulich gehütet hat durch die Jahrhunderte hindurch.
— Ein neues Wunderwerk der Inge⸗ nieurkunst. In Brüssel geht man schon seit Jahren mit dem Plan um, die hochgelegene obere Stadt mit der tief gelegenen unteren Stadt zu verbinden. Der Ingenieur Ficheset will diese Verbindung durch eine 800 Meter lange, ganz aus Stahl erbaute Brücke herstellen. Diese Brücke, die am Boulevard Central ihren Anfang nimmt, überschreitet die Häuser der Unterstadt und endet an der Place des Palais gegenüber dem Stadtpark; ste ist für den Fußgängerverkehr und für eine elektrische Bahn, die die ganze Strecke innerhalb vier Minuten durchläuft, eingerichtet. Fahrstühle, die in den Pfeilern der Brücke angebracht sind, befördern die Fahrgäste der unteren Stadt nach der Brücke hinauf in noch nicht einer Minute. Ficheset verpflichtet sich, diese Brücke, die ein Wunder der Baukunst werden soll, binnen zwei Jahren fertigzustellen.
— Flucht einer Nonne. Eine romantische Liebesaffafre spielte sich vor einigen Tagen in Nach od ab. Dort war, wie ein in Königgrätz erscheinendes tschechisches Blatt berichtet, der Geschäftsleiter des tschechi⸗ schen Nationalvereines für Nordböhmen, der Glasmaler Wenzel Horyna aus Braunau, wegen einer Verletzung, die er bei einem nächtlichen Konflikt erhalten hatte, im allgemeinen Krankenhause in Behandlung und knüpfte dort mit einer Pflegerin, der Nonne Huberta, deren Familien⸗ namen Philomena Simczak ist, ein Liebesverhältnis an. Nachdem er das Spital verlassen hatte, fuhr er zu den in Bilowitz bei Ungarisch⸗Hradisch wohnhaften Eltern der Nonne, die dort eine große Wirtschaft besitzen, und hielt um die Hand ihrer Tochter an. Die Eheleute verweigerten aber ihre Einwilligung, und Horyna kehrte nach Nagod zurück, wo er vergeblich versuchte, Schwester Huberta im Krankenhause zu sehen, denn der Eintritt wurde ihm ver⸗ wehrt und die Nonne streng überwacht. Nun kaufte Horyna einen Revolver und erklärte öffentlich, es müsse Blut fließen. Jetzt trat die Polizei dazwischen, nahm ihm die Waffe ab und trug ihm auf, Nachod unverzüglich zu verlassen. Am 10. d. M. erschien ein Fiaker vor dem Krankenhause. Schwester Huberta kam im Ordenskleide zum Gartenzäune. Horyna half ihr, über diesen zu steigen, und beide fuhren nach Politz. Dort legte die Nonne weltliche Kleider an, worauf sich das Paar nach Braunau begab, wo Philomena des Tags über bei Horyna, des Nachts bei einer befreundeten Familie weilt. Sie ist großjährig und hat im Orden 1000 Gulden deponiert. Die Angelegenheit beschäftigt gegenwärtig die Behörden.
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sein einziger Besitz, den er zu retten versucht hatte. An Speisezimmer und weiteren Schlafzimmern vorbei gelangt
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Sphynxgestalten durch hohes Boskett getrennt ist. Nur undeutlich schimmert das Gestein herüber.
„Gedenkst Du noch des Mäusleins in der Falle, schöne Rumänin?“ tönts da plötzlich wie Geisterhauch durch die Stille.
Des Mädchens Augen weiten sich in jähem Entsetzen. Wer spricht hier? Wer kennt jene Karnevalepisode? Hat sie etwa laut gedacht? Und wieder:„Du bist es, ich kenne Dich gut! Ein Rätselwesen war die Sphynx schon im grauen Altertum, nichts ist ihr verborgen. Ich lese in Deiner Seele, das Bild des Armeniers lebt noch darin.“
Jähe, heiße Glut steigt ihr in die Wangen. Sie möchte fliehen und die bebenden Glieder ver⸗ st. Sie legt die schlanken Hände
sagen den Dienf 8 vor die Augen. Beleben sich nicht die unheimlichen
Steinkolosse? Giebt es ge
in dieser nüchternen Welt! Ihr
ginnt sich zu verwirren. „Höre Mädchen!“
heimnisvolle, übernatürliche Dinge klares Denken be—
„Er“ hat die liebliche Rumänin nicht vergessen. Er sah ihre reinen Züge und hofft auf die Zukunft. Das goldene Mäuslein ist sein Talisman geworden.“ l 5
Wie in Fieberschauern lauschte sie, die Augen geschlossen. Ein Rauschen geht durch die Zweige, sie will das Schreckliche nicht sehen, sie ist wie hypnotisiert. Dann fällt es leicht und kühl auf ihre Hand. Sie schaut auf, ein Sträußlein von
Anemonen und Vergißmeinnicht ist es.
Also kein Traum der schwülen Mittagsglut, sie hält Sichtbares in den bebenden Fingern. Ihr scheuer Blick streift riugsrum, die Steinkolosse liegen in ihrer starren, toten Ruhe. Denn be⸗
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dann nochmals grüßend zurücktreten, er fährt also nicht mit e
„Nun sagen Sie, liebes Fräulein, haben Sie nicht Glück gehabt? Sogar den verlorenen Mantel bringt man rechtzeitig zurück. Sie sind ein zweiter
schleicht sie unfaßbares Grauen, sie flieht dem Apollotempel zu. Da kommen die Beiden schon die äußeren Stufen herab. Das unvermeidliche: „Ist das schön!“ tönt ihr entgegen.„Sie hätten mitkommen sollen!“
Erst am Bahnhof— der Schnellzug ist schon gemeldet— vermißt Theo ihren Kragen. Was nun?
„Wo ließen Sie ihn liegen? Können Sie sich besinnen?“ forscht die alte Dame.
„Ju der Moschee hatte ich ihn noch“, beharrt Theo. Weiter weiß ich nicht.“
„Gewiß haben Sie ihn verloren als Sie die Blumen suchten.“
„Nein, nein!“ Sie kann sich nicht überwinden von der geheimnis oollen Spende zu berichten.
Da biegt eine hohe Gestalt um die Ecke, der Fremde aus dem Vorhof der Moschee. Auf seinem Arm liegt der verlorene Kragen. Mit lächelndem Gruß tritt er auf die Damen zu.
„Ich bin so glücklich Ihnen dies zurückzugeben. Ich sah den Mantel bei dem gnädigen Fräulein, da Sie aus der Moschee traten und fand ihn später auf einer Bank beim Apollotempel.“
Es bleibt kaum Zeit einen Dank zu stammeln, da braust der Zug herau. Theo sieht den Fremden
Polytrates, das Glück verfolgt Sie“, plaudert die Reisegefährtin, behaglich in die Polster geschmiegt.
% Glück?“ Theo ist es eben durchaus nicht so zu Mute. Wären nicht die Vergißmeinnicht, die sie Asorglich am Busen gebettet, sie wähnte es sei alles ein toller Traum. Und in diesem Traum ist nur eins klar, das Bild des Fremden von Schwetzingen. 1
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Natürlich ist Tante nicht am Bahnhof in Karlsruhe. Sie hätte doch depeschieren sollen, denkt Theo besorgt.
Die Reisegefährtin verabschiedet sich fast herzlich. Sie gab Theo sogar ihre Schweizer Adresse. „Falls Sie mir in den nächsten Wochen etwas Wichtiges zu melden hätten, liebes Fräulein!“
Auf dem Bahnhofsplatze nimmt sie eine Droschke. 8 a Amalienstraße Nr... Der Wagen hält. Eine
Stiege hoch. Als ob es bei der verblüffenden Gleichförmigkeit dieser schlichten Häuserreihe mehr gäbe.
Nun steht sie vor der geschlossenen Glasthüre, niemand zu Hause. Wie fatal. Tante erwartete sie offenbar nicht mehr.
(Fortsetzung folgt.)


