1897.
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Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.
Gießen, Donnerstag. den 28. Oktober
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Ausgabe Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Medaktton: Kreuzplatz Nr. 4.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen. Preis der Anzeigen 1 10 fg. far die Ispaltige Metitzelle.
g 1 10 Oktober. egeht die Gießener freiwillige Feuer⸗ Ein Erlaß des wehr in Steins Saalbau das Fest hes fünf
Am 30. Oktober
Lokales und Provinzielles.
en, 27. Oktober.
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Eisenbahnministers fordert die Eisen⸗ u
ndzwanzigjährigen n auf, die Bahnhof 1
onzert, Theater und Ball. Mit dieser Feier begeht das Korps aber gleichzeitig ein Doppel⸗ jubiläum, denn vor 25 Jahren, am Tage der Gründung der Gießener freiwilligen Feuerwehr, trat der Feuerwehrhauptmann C. L. Gail in dieselbe ein. Die Direktion Kruse⸗Helm hat sich bereit erklärt, durch Mitglieder des Gießener Stadttheaters zu diesem Doppeljubiläum eine Separataufführung für die Feuerwehrmänner und deren Familien zu geben, und recht sinnig hat man dazu das Lustspiel:„Spielt nicht mit dem Feuer“ gewählt.
g Gießen, 27. Oktober. Der Vogel- und Geflügelzüchterverein Gießen, welcher am Sonntag auf Lonys Bierkeller eine sehr gut be⸗ suchte Hauptversammlung abhielt, beschloß, eine Kommission niederzusetzen, welcher die Prüfung von Zuchtstämmen durch Brutei Vereinsseitig sollen Bruteier an Nichtmitglieder abgegeben werden. Die Kom⸗ mission hat gleichzeitig die Preise und vermittelt den Absatz der Bruteier, s wie des Junggeflügels für die Mitglieder. Auf und Geflügelzuchtvereins anläßlich der bst stattfindenden Vogel⸗ und Ge⸗ flügelausstellung einen Ehrenpreis f oberhessischen Beschicke ausgestelltes Geflügel * Gießen, 27. Oktober. die Strafkammer gegen den Habicht, 22 Jahre alt, bei Herbstein gebürtig, verbrechens und Haus Die Verhandlung fand unter Ausf Oeffentlichkeit statt. die That bestritt, wur und unter Zubilligur 1 Jahr 3 Mona wegen der Höhe
Bestehens dur swirte ihres K Mit 5 in den Warteräumen der 1 dem Kaffee zu
bahndirektione „Bezirls zu veranlassen, , und 4. Wagenklasse neber höherem Preise noch einen billigeren Kaffee ren, von dem eine große Tasse mit Milch ucker nicht mehr als 10 Pfennig kosten Die Preisverzeichnisse der Bahnhofswirt⸗ sollen dementsprechend ergänzt und in e ausgehängt werden. nd Stationsvorstände“, so „haben die Durchführung auch darauf
en Warteräumen Anschlä „Die Inspektions⸗ u schließt der Erlaß, bieser Anordnung zu überwachen, daß das billigere Getränk ebenfalls uter Eigenschaft und hinreichender Menge, insbesondere zu den Frühzügen, vorrätig gehalten wird.“ Gießen, 27. Okt. Der abgelehnte Besuch des Großherzogs und der Großherzogin von Daden in Darmstadt wird von den Blättern weiter erörtert und von mehreren als eine arge f verletzung bezeichnet. Die„Nat.⸗Ztg.“ Handelt es sich offenbar um persön⸗ ngelegenheiten der beteiligten Höf tische Bedeutung haben dürfen, so ge⸗ herzogpaar von Baden doch in o allgemeine Verehrung, daß lles nur überall ein Es wird die Ver⸗ daß er auf Zerwürfnisse der Höfe he und Darmstadt zuru sei. Wir müssen das dahingestellt se lich ist wohl nicht, Paar seinen Besuch in kündigt haben würde, wenn solche Sollte das Letztere der ch die Schuld an dem be⸗
er obliegen soll. Mitglieder oder
zu vereinbaren
Anregung des Vogel⸗ g Fulda wurde ganz Deutschland f Dezember dase der Eindruck des Zwischenfa höchst peinlich mutung laut, von Karlsru
halle 0 ür denjenigen r zu stiften, welcher für die meisten Punkte erhält. Gestern verhandelte Maurergesellen von Rixfeld wegen Sittlichkeits⸗
friedensbruchs.
er sein kann.
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u vorzügliche „ 70 Pfg. 00
Sehr wahrschein großherzoglich Darmstadt ange Zerwürfnisse bestehen. Fall sein, und demna dauerlichen Zwischenfalle den Darmst lreffen, so würde derselbe für sein Deutschland schlecht gesorgt haben
reulich, wenn sich he
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eordnete Persönlichkeiten zurückzu er„Köln. Ztg.“ wird aus Darm
geschrieben: Ebenso wenig, wie e
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Darmstädter Hofe. davon sein, daß der Zar Wüns
Hofes Rechnung getra lehnende Antwort na ist dabei ganz persönlich vorgegangen, etwa eine Beeinflussung von an nur versucht worden wäre. E Härung ist zunächst nicht zu erwarten.
* Gießen, 27. Oktober.
Das heutige Gastspiel des Herrn
Hacker von
bei erhöhten Eintrittspre
mentsbillets haben mit Zuza
Trotzdem der de er für schuldig erachtet mildernder Umstände zu ängnis verurteilt und der Strafe sofort in Haft ge⸗
Ansehen in
daß die Ab⸗ armstadt und die rlsruhe nur Ein kostspieliger Restaurateur aus Frankfurt hatte ren in der Klarastraße zu Mainz einwirtschaft gekauft. Der Ver⸗ 8, daß die Wirtschaft sehr Zeit zwei Stück Wein g aber die Thatsache, cht abgesetzt und 34 schaftsgesellschaft zur Verfügung des hesstschen
* Gießen,
vor 1½ Jah ein Haus mit W käufer erklärte damal gut gehe und e
ine Verstimmung aiser besteht, be⸗ Karlsruher und r keine Rede chen des hiesigen als er die ab⸗ ch Karlsruhe sa
r in kurzer er verschwie ste bezogene Wein ni ck an die Eigentümer ging. 56 000 4 und der Frankfurter ößere Anzahlung.
Es kann ga daß der mei wieder zurü Haus kostete
leistete eine gr das Haus übernommen, lich hereingelegt war, ar keinen Absatz. Zandgericht auf 8 Gericht wies ihn jedo Oberlandesgericht ver den Verkäufer zur zur Zurückzahlung
Als der Mann daß er gründ⸗ denn das Geschäft hatte Der Käufer klagte nun beim Zurücknahme des Hau ch mit der Klage ab. D urteilte nun dieser Tage
Zurücknahme des Hauses, der geleisteten Anzahlung mit
ine offizielle Er⸗
(Stadttheater.)
Hofschauspielers Darmstadt findet
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hlung Giltigkeit.
5 pCt. Zinsen, ferner zur Tragung der Umzugs⸗ kosten und zur Zahlung einer Entschädigung von mehreren tausend Mark. Auch die Kosten beider Instanzen muß der Beklagte tragen!
* Gießen, 27. Okt. Der gestrige Vieh⸗ markt hatte einen Auftrieb von ca. 800 Stück, darunter etwa 200 Kälber. Der Handel ent⸗ wickelte sich sehr flott. Käufer aus der Rhein⸗
und Maingegend machten den Markt. Begehrt 9
wurden wieder schwere Milchkühe, welche zwar vorhanden, aber doch knapp waren. Die erzielten Preise für Zuchtvieh waren besser als an den Vormärkten. Die Preise für Kälber zu Schlacht⸗ wecken waren sehr hoch. Es wurden bezahlt ür schwerste Ware Milchkühe(Simmen⸗ thaler) 550600; dieselben wurden für die Lungenheilanstalt Falkenstein im Taunus an⸗ gekauft. Milchkühe 1. Qual. kosteten 450 bis 500, 2. Qualität 350—400, Abmelkkühe wurden je nach Wert bezahlt. Kälber 1. Qual. wurden ausschließlich für Frankfurt angekauft und kosteten 63—65, 2. Qual. dagegen 58 bis 60 1 pro 100 Pfd. Schlachtgewicht. Nach sonstigem Fettvieh war keine Nachfrage. Einzelne Landwirte, die zuhause für das fette Vieh kein annehmbares Gebot erhielten, waren an den Markt gekommen, doch waren die Erfahrungen, die sie machten, nicht die besten. Die Leute hatten einen Wenigererlös, als der ihnen zuhause gebotene Preis zu verzeichnen.
* Grünberg, 26. Oktober. Im Gasthause „Zum wilden Mann“ fand heute Abend eine Versammlung des oberhessischen Obstbaumzucht⸗ vereins statt. Das sehr lehrreiche Referat lautete: Auswahl wertvoller Obstsorten und Obstverwertung im Haushalt mit Vorführung von Apparaten und Pro⸗ dukten. Referent war der Lehrer für Natur⸗ wissenschaften und Obstbau an der landwirt⸗ schaftlichen Winterschule zu Friedberg, Herr K. Reichelt.
* Darmstadt, 26. Oktober. Für die große deutsche Landwirtschaftsausstellung in Frankfurt a. M. im Juni 1899 trifft die hessische Landwirtschaft schon jetzt ihre Vorbereitungen. Eine Anzahl landwirtschaft⸗ licher Abgeordneter in der zweiten hessischen Kammer hat den Antrag eingebracht, die hessische Regierung zu ersuchen, sich damit einverstanden erklären zu wollen, daß ein Betrag von jährlich 10 000. in das Staatsbudget pro 1897/1900 als Zuschuß zu den Kosten der Beschickung der Wanderausstellungen der deutschen Landwirt⸗
Landwirtschaftsrates vorbehaltlich des Verwen⸗ dungsnachweises eingestellt werde. Die Verwen⸗ 1990 ist so gedacht, daß bei den Ausstellungen 1898 in Dresden und 1900 in Posen erhebliche Beträge gespart werden sollen, die dann 1899 in Frankfurt aufgewandt werden können. Be⸗ sonders dürfte auch im laufenden Jahre, in dem das Großherzogtum Hessen noch immer ohne Etat wirtschaftet, schon eine beträchtliche Summe von den 10 000& erübrigt sein.— Gleichzeitig
m Reichstag, infolge der Eman⸗ sagte Störmer,„deren Be⸗ die Heranziehung der
„Man erwägt i cipatiousbestrebungen“, rechtigung anerkannt wird, Frauen zur Wehrpflicht.“
Fritze. Humoreske von Martha Renate Fischer. (Fortsetzung)
„Ach, Sie denken wohl, d den ganzen Tag spazieren ge Sie überhaupt auf Bankbeamte?“
„Der Else Müller ihr Bruder ist einer.“ „- o— o?“ unterbrach er gereizt. Else Müller scheint ja eine nette Bekanntschaft von
Ihnen zu sein.“
Fritze lachte mit rollen dazwischen!„Ach wo!!“— sah züͤdend gerieben, nichtsnutzig un geringschätzig an.
Störmer dachte:
Bankbeamte darf hen? Wie kommen
8 Seit vier Wochen wird über mazonenkorps debattiert.“ den ja blos! Wissen Sie; wenn mich
„Durchaus nicht die Bildung eines „Ach, Sie re kann ich nicht
„Mein lieber Fritz—— p und Würde. tze blieb still, höchstem Laufe an. Störmer hielt o sagte dabei jovial:„Es punkte in Erwägung ist der, daß der Fein sofort mit klingende zweite, ungünstige, der, selber durchbrennt.“ Fritze war mit sich auf und rief in die sich ein pa „Mein Herr!— Sie—!— U Ihrem Einfall sagen, sehr— sehr mäßig finde——1 Auch Störmer gegenüber, zog devot d
„ sagte Störmer mit den Thränen und rief sag
ihn dabei so ent⸗ % e eee
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trieb aber ihr Rädchen zu
Mühe gleiche Linie und find nämlich zwei Gesichts⸗ Der erste, günstige, d bei Aufmarsch un m Spiele herüberkommt, der daß unser Amazonenkorps
Wart' Dich will ich kriegen! musterte sie ein wenig, was ihr unangene und warf leicht hin:„Was meinen Sie, z Gesichtspunkt sich der Reichs „Das weiß ich nicht. resslert sowas überhaupt nicht. wenn gesät wird, und wenn Und das Vieh. und Hunde.
tag entschließen. Wissen Sie, mich inte⸗
Mich interessierts, die Leute einfahren. aber Pferde
kühnem Sprunge vom Rade, mit zornbebender Stimme, blichkeitsthränen mischten: — Ich muß Sie ersuchen, daß as wollen Sie eigentlich mit den ich sehr— sehr— faktisch und— und gemischt—
So Kühe weniger, Unsere haben je Stück. Es sind Rattenbeißer. sie haben wirklich v ihre Kleinen gekriegt hatte, holt, wir sollten sie ansehen. auch gern im Walde und dergleichen.“
Störmer sagte beinah zärtlich: Fritz, das könnten Sie, würde, alles Ihre Schwester besorg Fritze wurde feuerrot Natürlich!— Na— wa gentlich—
Nicht schön; aber Als die Pumphia hat sie uns gleich ge⸗ Und dann bin ich
Mein lieber hrer Mannes⸗
war abgesprungen, stand ihr en Hut und sagte mit sanfter schüchtern ⸗schalkhaft aufge⸗ 71—— Jch Gnädigste, daß ich J
unbeschadet 3
e dazwischen: s ist denn das mit dem sch
lagen:„Mein
tröstlich, meine hren Unwillen
erregt habe. Aber wie die Sachen standen——
Sie würdigte ihn keiner Antwort, sprang auf und sauste davon.
Er war gleich hinterher und rief lachend: „Fräulein Fritze! Der erste Gesichtspunkt scheint der richtige zu sein: ich folge Ihren Spuren— wenn auch nur bis Karzig.“
Sie bog in einen Landweg ein; aber der hart⸗ getretene schmale Bord ermöglichte auch hier schnelles Fortkommen, wenn auch einer hinter dem andern bleiben mußte. Bald jedoch war wieder Cbaussee erreicht, so daß er neben ihr hätte fahren können.
Statt dessen war er höflich genug, hinten zu bleiben, konnte hierbei so recht ihr Profil eines herzigen, durchtriebenen Rackers studieren.
So sauste er mit heiterem Gemüt des Weges und wartete, daß der Karziger Gutshof auf⸗ tauchen solle.
Indessen wurde eine Bodenerhebung schwung⸗ voll umfahren und ein langes Gebäude lag plötzlich vor seinen Augen da. Er erschrak fo sehr, daß er Mühe hatte, Balance zu halten. Das war ja der Bahnhof! Er hatte sich an den Mädchen erfreut und dabei nicht der Wegrichtung geachtet.
Nun sah er, wie Fritze zur Seite schwenkte und heruntersprang.
Er that desgleichen.
Sie hielt es für ein Zeichen von Erhabenheit, wenn sie ihn nicht ansah, deutete nur mit der Hand und sprach voll Feierlichkeit und gefühlter Würde also:„Hier ist der Bahnhof, mein Herr.— Nach dem, was vorgefallen ist, muß ich leider auf Ihren Besuch verzichten.“
Er hätte sich totlachen mögen, so drollig sah
2 edition:
1 Kreuzplatz Nr. 4.
sind bei der Kammer beantragt, die jährliche Dotation des hessischen Landwirtschafts⸗ rats von 5000 auf 15 000„ zu erhöhen, um seine Leistungsfähigkeit entsprechend derjenigen der preußischen Landwirtschaftskammern die durch ihr Besteuerungsrecht reichliche Mittel haben, zu steigern.
* Offenbach, 26. Okt. Das neue Gehalts- esetz für die Volksschullehrer vom 11. April 1396 bestimmt bekanntlich, daß die Kreisschulkommissionen die Wohnungsvergütung für die Lehrer festzusetzen haben. Infolge dieser chon lang erwarteten Bestimmung haben sich viele Lehrer Jahre lang beholfen; nun aber ist diese Frage auf ihre Gesuche hin von den Kreis⸗ schulkommisstionen anderweitig geregelt worden. Fast alle Gemeinden in unserem Kreise haben das Vorgehen der Behörden anerkannt und die angesetzten Beträge gutgeheißen. Nur Bürgel und Sprendlingen protestierten dagegen und ließen diese ee von dem Kreisausschuß entscheiden. ieser entschied dieser Tage in öffentlicher Sitzung, daß die von der Kreisschul⸗ kommission angesetzten Beträge zu belassen und von den Gemeinden zu zahlen seien.
* Mainz, 25. Oktober. Die städtische Ver⸗ waltung hat in der letzten Zeit eine eingehende Prüfung der Verhältnisse des hiesigen Pfand⸗ hauses vorgenommen, wobei sich herausstellte, daß die seitherigen Zustände beseitigt und andere Verhältnisse 49 0 werden müssen. Die be⸗ reits ausgearbeitete Geschäftsordnung des Pfand⸗ hauses sieht eine Vereinfachung des Geschäfts⸗ ganges in dem Pfandhause selbst und eine wesentliche Verbilligung der Pfandhaus⸗Dar⸗ lehen vor.
Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde. Matthäusgemeinde.
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Taufen. Am 16. Okt. Dem Stationsassistenten Johann Georg Giegling eine Tochter, Anna Elisabeth Marie Katharine,
geb. am 7. Sept. Trauungen.
Am 16. Oktober. Nikolaus Ißley, Fabrikarbeiter zu Gießen, mit Margarethe Schomber, Tochter des ver⸗ storbenen Landwirts Christoph Schomber zu Gießen.
Markusgemeinde. Taufen.
Am 17. Okt. Dem Kaufmann Wilhelm Fabian ein
Sohn, Walter Ernst Max Kurt, geb. am 2. Okt. Trauungen.
Am 16. Oktober. Johann Georg Beck, ein Witwer, Schreiner zu Gießen, mit Karoline Elisabeth Baum, Tochter des Taglöhners Andreas Baum zu Gießen.
Am 17. Okt. Karl Johann Emil Wilhelm Wagner, Materialverwalter zu Trais⸗Horloff, mit Anna Karoline Steuerwald, Tochter des Flurschützen Christian Steuer⸗ wald zu Gießen.
Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 27. Okt. Der„Voss. Ztg.“ wird zu der Blättermeldung, daß auf drei Jahre hinaus junge Leute nicht mehr für den Postdienst angenommen werden, mitgeteilt, daß sich dies
das Mädchen in seiner gemeinten Größe aus. Aber er trug ihren Gefühlen Rechnung, zog sehr lief den Hut und versetzte mit sanfter Stimme:„Sie be⸗ finden sich doch wohl in einem kleinen Irrtum, mein verehrtes Fräulein— meine Anwesenheit gilt nicht Ihnen. Ich besuche vielmehr Ihren Schwager, und der wird, da Ihnen der Auftrag geworden zu sein scheint, mich ihm zuzuführen——“
„Das werde ich nicht thun“, brach Fritze dra⸗ matisch heraus, schwang sich auf ihr Rädlein und stob von hinnen. Störmer aber, der auch aufge⸗ sprungen war, stob hinterher.
Er dachte, auf die Weise komme ich gewiß nach Karzig. Ich kann auch das Mädchen nicht allein auf der Landstraße lassen. Denn leise regte sich der Argwohn, daß sie vielleicht doch nicht den aller⸗ nächsten Weg einschlagen werde.
So radelten sie des Weges, einer hinter dem audern, bald in schnellerem, bald in langsamerem Tempo.
Es war im März.
Der Frühling hatte seine Arbeit schon be⸗ gonnen. Den Bäumen hatte er so gut eingeheizt, daß die Knospen zum Zerplatzen schwollen, die Saat hatte er hervorgezupft. Jetzt arbeitete er mit dem Tuschkasten. Hier und da ließ sich an den bräunlichen Trieben schon der grüne Anstrich sehen. Darüber prangte der herrlichste, blaue Himmel mit schneeweißen Wolkenbündeln und schönem, warmem, gelbem Sonnenschein.
Und durch alle diese Werdepracht flogen die beiden jungen Menschen mit gebundenen Augen.
(Schluß folgt)


