Ausgabe 
28.9.1897
 
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Gießen, Dienstag, den 28. September

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

ssche Landeszeitung

Posftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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bokales und Provinzielles.

Gießen, 27. Sept. Der zweite Beamte el der Invaliditäts⸗ und Altersversicherungs inslaltGroßherzogtum Hessen, Amtmann benst Boeckmann, ist zum Kreisamtmann

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dei dem Kreisamt Gießen ernannt worden.

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7 ich gedacht! Der alte Preuße is Ihnen doch noch

* Gießen, 27. Sept. Gelegentlich der Be sdalung des Gesetzentwurfs betr. die polizei⸗ liche Beaufsichtigung der Mietwoh⸗ fungen und Schlafstellen hatten beide fammern der Landstände ein Ersuchen an die gierung beschlossen, wonach über Zahl, Art

und Beschaffenheit der diesem Gesetze unterliegen⸗

hen Mietwohnungen, Schlafräume und Schlaf⸗ bellen, sowie über Zahl und Art der auf Grund hes Art. 15 verfügten Ausweisungen Mitteilungen beten werden. In Erledigung dessen hat das Mänisterium des Innern der Zweiten Kammer aunmehr eine tabellarische Uebersicht überreicht, zus welcher hervorgeht, daß in den Gemeinden des Großherzogtums mit über 5000 Seelen der hullzeilichen Kontrolle unterstellte Mietwohnungen usgesamt 12 456 Wohnungen mit 3 Räumen und 34 249 Erwachsene und 15 713 Kinder unter ) Jahren vorhanden sind. In 7231 Woh⸗ ungen mit 2 Räumen sind weiter 15785 Er⸗ wachsene und 9054 Kinder und in 2621 Woh⸗ gungen mit einem Raum 4080 Erwachsene und 72 untergebracht. 339 Wohnungen sind hier⸗ bon im Kellergeschoß und 168 Wohnungen unter dem Dach. Die vorstehenden Angaben beziehen ch auf die Periode vom 1. April 1895 bis 31. März 1896.

Gießen, 27. Sept.(Stadttheater.) Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß zur Wiedereröffnung der hiesigen Bühne morgen, Dienstag, den 28. d. M., der neue Blumenthal⸗ adelburgsche SchwankZwei Wappen zur Aufführung e

Gießen, 27. Sept. Mit Rücksicht auf die 15170 Abend stattfindende Eröffnung unseres Stadttheaters dürfte es wohl angebracht leit, auf folgende zehn Gebote für Theater⸗ besucher hinzuweisen, die jüngst die Zeitschrift monde artiste peröffentlichte: 1. Komme ile zu spät ins Theater. 2. Störe Deine Nach⸗ burn nicht durch Deinen Kopfputz oder durch auffallende Geberden. 3. Drehe Denjenigen nicht den Rücken, an denen Du vorheischreites. . Suche es zu vermeiden, ihnen auf die Hühner⸗ augen zu treten. 5. Störe die Vorstellung nicht durch Deine Privatunterhaltungen. 6. Lache uud weine nicht in auffälliger und übertriebener Veise. 7. Kannst Du es nicht aushalten ohne Jonbons und Zuckersachen, so verzehre sie Aenigstens so, daß Deine Nachbarn dabei nicht naldisch werden. 8. Wenn Du nicht geistig be⸗ fiigt genug bist, um ohne Textbuch und Pro⸗ kamm auskommen zu können, so blättere vor⸗ schtig um, denn nichts ist unangenehmer als Japiergeknister in einem pathetischen Augenblick. Mache bei Musikaufführungen keine Takt⸗ lägerbewegungen mit dem Kopfe, denn dafür

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Fetertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzelle.

Herausgehen nicht den Weg unter dem Vor⸗ wande, Du müßtest nach den Damen sehen. Wenn alle diese Vorschriften beachtet werden, dann wird es allerdings ein Vergnügen sein, ins Theater zu gehen.

Gießen, 27. September. In der letzten Vorstandssstzung des Geflügel- und Vogel- züchtervereins für Gießen und Umgebung wurde beschlossen, im Februar resp. Anfang April kommenden Jahres hier eine größere Aus⸗ stellung abzuhalten.

Gießen, 27. September. Gestern beging der Amtsgerichtsdiener Gümblein im Kreise seiner Familie und seiner zahlreichen Freunde das Fest der silbernen Hochzeit.

* Gießen, 27. Sept. Der Gärtnerverein Flora feierte am Samstag im stark besetzten Saale des Cafe Leib sein Stiftungsfest durch Konzert,Theater und Ball. Der Gesangverein Heiterkeit unter Leitung seines Dirigenten Gröninger hatte es in liebenswürdiger Weise übernommen, die Feier durch seine Weisen zu verschönen. Der Saal war durch Blattgewächse der Feier entsprechend sehr hübsch dekoriert. Gestern beging der MetzgervereinBrüder⸗ schaft im selben Lokal sein diesjähriges Stif⸗ tungsfest. Konzert und drei Einakter, die von den Mitgliedern des Vereins und deren Damen recht wacker gespielt wurden, erregten großen Beifall. Ein Ball bildete den Schluß des Festes.

* Gießen, 27. September. Der Bahnar⸗ beiter Günther erntete dieser Tage 4 Kürbisse im Gesamtgewicht von 245 Pfund, wovon der eine 100 Pfund wog.

* Friedberg, 26. September. Vom Lande kommen eben vielfach Klagen über Kartoffel- fäule. In manchen Gegenden ist ein großer Prozentsatz der Knollen erkrankt. Vorsicht beim Einkellern ist darum geboten, denn der Krank⸗ heitserreger, ein kleiner Pilz, kann leicht in die Kellerräume eingeschleppt werden, wo er sich bei der hohen Temperatur schnell vermehrt und andere Knollen ebenfalls ansteckt. Stellenweise hört man auch Klagen über das starke Auftreten der kleinen hellgrauen Ackerschnecke, die am jungen Klee und der jetzt bald aufgehenden Saat be⸗ deutenden Schaden zu verursachen imstande ist.

d. Wetzlar, 27. Sept. Heute Nacht um 1 Uhr wurden wir durch die Feuerglocke aus dem Schlafe geweckt. Es ist ein Teil der Wollspinnerei der Firma Knoblauch an der Bahnhofstraße niedergebrannt. Wie der Brand entstanden, ist noch nicht aufgeklärt. Das Feuer war schon um 4 Uhr auf seinen Herd be⸗ schränkt.

Schwurgericht. W. Gießen, 27. Sept. Vormittags um 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende, Land⸗ gerichtsrat Wehner die Sitzung. Nach Erledigung der gesetzlichen Formalitäten und nach Bildung der Ge⸗ schworenenbank wird in die Verhandlung gegen den Kesselschmied Georg Evers von Schwetzingen wegen

. Expedition 8 Kreuzplatz Nr. 4.

Totschlags, versuchten Totschlags und gefähr- licher Körperverletzung eingetreten.

Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Gün⸗ gerich, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Metz. Es sind 47 Zeugen und 3 medtzinische Sachverständige zu hören. Die Letzteren sind Medizinalrat Dr. Lorenz, Hospitalarzt Medizinalrat Dr. Weckerling, beide von Friedberg, sowie Dr. Hirsch von Bad Nauheim. Für die Verhandlung sind zwei Tage vorgesehen. Bei Aufruf der Zeugen fehlten die von der Verteidigung zu laden bean⸗ tragten Zeugen Theiß und Debus. Der Erste Staats⸗ anwalt Dr. Güngerich erklärt, er habe alles gethan, um diese Leute laden zu können, es war jedoch nicht möglich, deren Aufenthaltsort zu ermitteln. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Metz, erklärt, er persönlich glaube ohne Einwilligung seines Klienten auf die Zeugen Theiß und Debus nicht verzichten zu können, da dieselben für die Entlastung des Angeklagten unbedingt nötig seien. Er würde selbst daraufhin, daß Evers noch drei Monate länger in Untersuchung bliebe, um die Vertagung bitten. Das Gericht beschließt eine Pause von 15 Minuten, damit der Verteidiger sich mit seinem Klienten beraten kann. Nach Wiedereintritt in die Verhandlung erklärt Rechtsanwalt Metz, so sehr er auch die Verzögerung be⸗ dauere, so müsse er doch auf die Ausfindigmachung und Ladung der beiden Zeugen beharren und er bitte um Vertagung. Das Gericht beschließt demgemäß, die Ver⸗ handlung bis zum Mittwoch nächster Woche zu vertagen. Sind bis dahin die Zeugen nicht ausfindig gemacht, so kommt die Sache in der diesmaligen Schwurgerichtsperiode nilt mehr zur Verhandlung.

Vermischtes.

Ueber die Ursachen der verschiedenen Schweißabsonderungen beim Menschen hat Professor Max Rubner, der Direktor der Berliner hygie⸗ nischen Institute, in Gemeinschaft mit Herrn D. v. Lewa⸗ schew eingehende Versuche angestellt. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Lufttemperatur auf die Schweiß⸗ absonderung bald stärker, bald schwächer einwirkt und daß namentlich kurz vor dem Ausbruch eines Gewitters die Lufttemperatur als fast unerträglich empfunden wird. Neben dem allgemeinen, durch die Hitze bedingten Er⸗ schlaffen macht sich an heißen, gewilterschwülen Tagen die Schweißabsonderung doppelt unangenehm bemerkbar. Die Ursache dieser Erscheinungen macht sich in dem hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft, welche derartig stark mit Wasserdämpfen gesättigt ist, daß sie zur weiteren Auf⸗ nahme von Wasserdampf nicht mehr imstande ist. Es kann dann auf dem Körper auch keine Verdampfung, also Abgabe des Schweißes an die Luft, mehr stattfinden, weshalb die Schweißabsonderung auf der Oberfläche der Haut als Schweißperlen sichtbar wird. Bei großer Hitze und trockener Luft ist natürlich die Möglichkeit der Ver⸗ dampfung auch eine bedeutend größere, weil die Luft sofort die vom Körper abgegebene Feuchtigkeit aufnimmt, wodurch die Menge des sich auf der Haut ansammelnden Schweißes verringert wird. Nach dem alten Grundsatz Verdunstung erzeugt Kälte, ist die Schweißabsonderung als ein wirksames Mittel zur Abkühlung der Hautober⸗ fläche zu betrachten, weil durch die Verdunstung des

Lufttemperatur und 22 pCt. Wassergehalt der Luft trat sichtbarer Schweiß auf. Das Allgemeinbefinden wurde bei großer Trockenheit der Luft und hoher Temperatur nicht wesentlich beeinflußt, dagegen war eine Temperatur von nur 24 Grad bei 96 pCt. Feuchtigkeitsgehalt der Luft, was annähernd den Verhältnissen vor einem Ge⸗ witter entspricht, auf die Dauer vollständig unerträglich. Bei diesem Versuch trat keine starke Schweißabsonderung, wohl aber ein heftiges Durstgefühl auf. Die Steigerung der Menge des abgesonderten Schweißes stieg bei Er⸗ höhung der Temperatur um 10 Grad C von 9 fg auf 29 g, in trockener Luft von 36,3 g auf 75,4 g. Aus diesen Zahlen ergiebt sich, daß die Schweißabsonderung nicht lediglich mit der Temperatur steigt, sondern daß auch der Wassergehalt der Luft dabei eine bedeutende Rolle spielt.

Die Rache der Telephonistinnen. Man berichtet aus Paris: Einige Blätter ereifern sich in hef⸗ tigster Weise gegen einen Mißbrauch, der angeblich von der Telephon-Verwaltung im Einverständnis mit der Geheimpolizei in der Weise getrieben würde, daß die Gespräche der Abonnenten durch eine Zweigleitung belauscht werden. Dieschwarze Kabine, eine moderne Variante desCabinet noir, stehe im vollen Betriebe und kein Politiker, kein Journalist, kein Finanzmann könne sich des Telephons bedienen, ohne daß seine Worte von einem Geheimagenten mit angehört werden. So arg sollen aber die Dinge in Wirklichkeit nicht sein. Denn, wie versichert wird, handele es sich bei dieser Be⸗ aufsichtigung des Telephonverkehrs blos um eineKontrolle des Dienstes, die von besonders vertrauens würdigen Telephonistinnen ausgeübt werde. Der Vorfall, der zu der Entdeckung dieser Kontrolle führte, ist der folgende: Graf Goutran, ein unwiderstehlicher Salonlöwe, in seinen freien Stunden auch Diplomat, hatte mit der Ge⸗ mahlin eines bekannten Finanzmannes, denn wir Grafen von Ostende nennen wollen, um die Lokalfarbe halb⸗ wegs beizubehalten, ein Verhältnis angeknüpft. Die beiden Liebenden tauschten ihre Schwüre und Eindrücke durch das Telephon aus, in dem Glauben, auf diese Weise vor der Indiskretion der Kammerzofen und Lakaien geschützt zu sein. Die Gräfin von Ostende zeigte sich stets sehr nervös, sobald sie die Nummer des Heißgeliebten an⸗ rief, und überhäufte die Telephonistinnen mit den eigen⸗ artigsten Kraftausdrücken, sobald jene nicht im Handum⸗ drehen die verlangte Verbindung herstellten. Lange sannen die schwergekränkten Telephonistinnen auf Rache, bis der Zufall ihnen zu Hilfe kam. Eines schönen Tages be⸗ lauschte eine Telephonistin, die das Gespräch zwischen dem Grafen Goutran und der Gräfin von Ostende schon für beendigt hielt, einige der zärtlichen Worte der letzteren und diese reizten ihre Neugier dermaßen, daß sie noch Näheres wissen wollte. Eine Kameradin wurde ins Ver⸗ trauen gezogen, dann eine zweite und dritte, und bald kannte das ganze Bureau der Zentralstation die Geschichte der beiden Liebenden. Jetzt tauchte in einem der tollen Mädchenköpfe die Idee auf, den beiden bissigen Abonnenten einen Schabernack zu spielen, an dem sich das ganze Bureau belustigen sollte. Nun begann für die Liebenden eine wahre Höllenexistenz. Bald wurde Graf Goutran, bald die Gräfin von Ostende angerufen, um irgend eine

Schweißes auf derselben eine bedeutende Menge Wärme verbraucht und dadurch eine Abkühlung hervorgerufen wird. Es ergiebt sich hieraus, daß hohe Temperaturen bei trockener Luft bedeutend leichter zu ertragen sind, als bei feuchter Luft. Wie groß die Schwankungen in der Menge des abgesonderten Schweißes bei feuchter und trockener Luft sind, beweisen die interessanten Versuche Professor Rubners. Schon bei 24 bis 29 Grad wird die trockene Luft kühler empfunden, als die feuchte: erst bei 29 Grad

gleichgiltige Mitteilung zu erhalten, die auf einem Miß⸗ verständnis beruhen konnte. Als aber Graf Goutran eines Tages auf die Anfrage:Wer dort? die Antwort erhielt:Graf von Ostende, wurde ihm die Sache zu bunt. Er beklagte sich bei der Telephondirektion, die denn auch zwei der boshaften Beamtinnen absetzte. Der Graf von Ostende, der fern von Paris weilt und dem⸗ nach nicht seinenFreund Goutran anrufen konnte, hat bis heute noch keine Ahnung von seinem ehelichen Unglück

ider Kapellmeister da. 10. Versperre beim

Eine reiche Partie.

Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten).

(Fortsetzung.) Und wieder wendete er den Blick hinaus und a wie auch in den anderen Häuser die Lichter n den Bäumen aufgeflammt waren. Er bemerkte licht, daß sein Besucher aufstand und sich ihm Aherte und schrak zusammen, als der alte Preuße, ie Hand auf seinen Arm legend, dicht neben ihm u sprechen begann. Sie werden den Besitz des Gutes nicht an⸗ Elen, wertester Herr! sagte Grünebohm in be⸗ immtem Ton. Und warum nicht? fragte Warnshagen ustaunt..

a, sehn Sie, daran haben

Sie nu wieder bir. Warum nich? Weil Ihre Schulden noch 3 e sind, werter Herr! 8 i ort zu orechen. hagen sprang auf, ohne ein Wort 3 Und Grünebohm fuhr fort:Glauben Sie, es so schwer wäre, Ihre Gläubiger oder die ichen abefindig zu machen? Noch sind keine dreißig bre verstrichen, und wenn die Leute merken, daß f 05 was haben, dann knöppen sie's Ihnen sofort i dafür lassen Sie den alten Preußen sorgen! Mit wütendem Blick maß Warnshagen den ne der, Dann ging er im Zimmer auf und Ader, Schließlich blieb er vor Grünebohm stehen. elne Stimme klang heiser, als er sprach:

Die Leute rechnen schon lange nicht mehr

d'rauf. Und über die Hälfte hatte mein Freund zu bezahlen. f f Der is tot, da müssen die Leute sich an

Ihnen halten. i

Ich habe lange nicht das bekommen, was ich schreiben mußte.

Das kümmert mir nich. 5

Warnshagen ballte die Fäuste.Sie wollen ein Ehrenmann sein? stieß er hervor..

Ich schmeichle mir Seh'n Sie mal, der Abend is so schön, wie wärs, wenn Sie gleich mal'rausführen nach Frauensee, und die Sache richtig machen?

Hastig wehrte Warnshagen ab. sich Ihre Worte! rief er keuchend. nichts mehr mit Ihnen zu thun haben 1

Na sei'n Sie doch man nich so! Das Geld zur Ueberfahrt bekommen Sie, dafür lassen Sie mir sorgen. Denn daß hier Ihres Bleibens nich is, das wird Ihnen doch woll so peu à peu klar geworden sein. Nu die Kinnbacken zusammen ge nommen, wertester Herr! i 11

Warnshagen hielt sich mit beiden Händen am Stuhl. Nervös spielten seine Finger mit der Lehne, während er von Zeit zu Zeit einen seiner wütenden Blicke auf Grünebohm schoß.

Dieser begann wieder mit Zureden.

Shre liebe Familie wird Ihnen auch schon er⸗ warten. Vielleicht macht der zweite Sohn ebenfalls noch'ne gute Heirat Sie sind ja geübt in so was und dann beschließen Sie Ihre Tage in

Sparen Sie Ich will

Goltseligkeit und Ehrbarkeit und lassen die Cult auf 1155 Knieen hopsen und bringen ihnen

.

den altpreuß'schen Schritt bei, soll'n' mal seh'n, wie befriedigend so'ne Existenz is!

Warnshagen war in einen Stuhl gesunken und starrte vor sich hin.Sie machen ja doch nicht Ernst, sagte er leise.

J da kennen Sie mir schlecht, erwiderte Grünebohm.Sowie die Festtage vorüber sind, geh' ich auf die Suche, und ich find' sie, Ihre früheren Freunde, das können Sie mir glauben.

Warnshagen schwieg und grübelte.

Na, Sie denken woll d'rüber nach, wie Sie sich noch auf irgend eine Weise aus der Affaire ziehen können? Das lassen Sie man bleiben. Wenn Sie nich heute die Sache in Frauensee rück⸗ gängig machen, rühr' ich keinen Finger für Sie, wogegen ich Ihnen im anderen Falle freie Ueber- fahrt und noch'n Notgroschen zusichere, und was'n altpreuß'scher Kafallrist verspricht, das hält er auch.

Einen Augenblick noch sann Warnshagen nach, dann plötzlich richtete er sich auf und streckle Grünebohm die Rechte entgegen.Geben Sir mir die Hand darauf!

Die soll'n Sie haben, trotzdem Sie's eigentlich nich verdienen.

Warnshagen erhob sich.Ich habe mirs über⸗ legt, sagte er.Wenn ich mich auf die Hinter⸗ beine setzen wollte, würde Ihnen die Sache schwierig genug werden. Aber das Geschäft hat mir von Anfang an nicht zugesagt. Ist kein Verdienst dabei. Das Gut sehr verschuldet, und dann die Rente zu zahlen, es wäre nichts dabei heraus- gekommen. Und Jürgen thut mir leid.

Außerdem gehen drüben wichtige Sachen vor. Man gründet eben eine Alktiengesellschaft für eine zweite Pacific-Bahn

Und da sind Sie natürlich dringend nötig!

Warushagen zuckte die Achseln.Es dürfte da doch noch was zu machen sein, sagte er.Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun, und die Kärrner haben manchmal mehr davon als die Könige.... Also ich wollte nur sagen: Wenn ich Ihren Wunsch erfülle, so thue ich es so gut wie freiwillig.

Versteht sich, werter Herr! Den Eindruck hab' ich auch gleich gehabt, als wir die ersten Worte gewechselt haben.

Etwas verdutzt blickte Warnshagen auf. Drückte das freundlich schmunzelnde Gesicht des anderen Ironie oder Biederkeit aus? Man konnte es bei der Dunkelheit nicht recht erkennen.

Und nu wollen wir losziehen, meinte Grüne⸗ bohm.Bis ans Gutshaus leist' ich Ihnen Ge⸗ sellschaft, wenns Ihnen recht is. Reingehen können Sie allein und die Freude selbst genießen, die Sie da als Weihnachtsengel anrichten. Aber vergessen Sie nicht, alles Schriftliche mitzunehmen.

Warnshagen zündete die Lampe an, machte sich fertig und steck'e das Verkaufsdokument zu sich, nachdem Grünebohm sichs hatte zeigen lassen.

Frau Möhrchen sah zu ihrer Zimmerthür heraus, als die Herren gingen.

Gu'n Abend, liebe Frau! rief der alte Preuße ihr zu.Sie möchten woll wissen, wo wir hin⸗ gehen? Zur Bescheerung!

(Nartsetzung folgt.)

Das's'n anständiger Zug von Ihnen.